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Jüdische Rundschau · 1928-11-13 · Heft 90 (13.11.1928) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 90 (13.11.1928)
Date
1928-11-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 628 J U E DI SCH E RUNDSCHAU Nr. 90, 13. XL 1928 wie manche cs formulieren (der Wunsch ist der Vater des Gedankens!) eines Staatssozialismus, auf jeden Fall ein System, das die wirtschaftliche F r e i 11 e i t stark begrenzt und die Handdsmöglichkeiten äußerst reduziert. Die darunter am meisten 711 leiden haben, und immer mehr zu leiden haben werden, sind die Juden, und »var aus objektiven Ursachen. Die Juden bilden den* überwiegenden Teil des mittleren und kleinen Handels in Polen. Mit Steuern unVerhältnismäßig stark belastet, unter dem Drucke einer ungeheuren Konkurrenz, bei einer geringen Kaufkraft der heimischen Bevölkerung, hatten die Juden auf diesem Gebiete schon bisher sehr zu leiden gehabt. Dazu kommt jetzt die Kredit- Politik der Regierung und ihre Forderung der Kooperativen. Den jüdischen Massen droht daher eine vollständige Pauperisierung. Der Zwischenhandel wird absichtlich und konsequent verdrängt und damit verliert das Gros der Juden seine Existenzquellen. Nicht besser ergeht es der jüdischen Industrie und dem jüdische n 11 a n d w c r k. Beide leiden unter derselben Steuerpraxis, demselben Mangel an Betriebskapital, lind beide Zweige jüdisch-wirtschaftlicher Betätigung beweisen eine auffallende Unfähigkeit, sich moderner Produktionsweise anzupassen. Wie überhaupt das kennzeichnende Merkmal der indisehen Wirtschaft im Osten ist: Konzentrierung in wenigen Berufen, Kurzsichtigkeit, Mangel an Anpassungsfähigkeit, Apathie und Nichtbeachtung wirtschaftlicher Tendenzen, ein L eben von Tag zu Tag, fehlender Sinn für Zusammenschluß und Organisation. Wenn auch hier und da eine Besserung zu beobachten ist, das Gesamtbild ist unverändert. Bei einem solchen inneren Zustande ist es also kein Wunder, daß die Juden in Polen ein harter Schlag nach dem anderen trifft und ihre Lage trostlos wird. In den größeren Städten ist cs nicht so zu merken, wie in den kleinen Ortschaften, wo tausenden Existenzen derZusammenbruch droht. Es war ein unverzeihlicher Fehler der führenden politischen Kreise in Polen, auch der zionistischen, daß sie, mit wenigen Ausnahmen, die wirtschaftlichen Zeichen der Zeit nicht verstanden, ganz von Politik gefangen, dem Wirtschaftsleben kein richtiges Augenmerk zuwandten oder aber nur die aktuellen Fragen behandelten, ohne die Gesamtsituation zu sehen, und die jüdischen Massen zu neuem wirtschaftlichem Leben, zu neuen Methoden und neuer Auffassung zu erziehen. Heute stehen sowohl die breiten Massen als auch die bisherigen Führer rat- und machtlos der Lage gegenüber. Gewiß sind die äußeren Bedingungen sehr schwierig. Die Regierung läßt sich von niemanden beeinflussen. Die jüdischen Vertreter haben genau so wenig wie andere Volks- Vertreter eine Möglichkeit, die Regierungskreise zu beeinflussen. Uebrigens: ein müßiges Beginnen. Die maßgebenden Instanzen sind von der Richtigkeit ihrer Politik genau so überzeugt, wie die Juden von dem Allheilmittel des Freihandels. Die Regierung ist in ihrer Stellung gestärkt durch die Erklärungen des amerikanischen finanziellen Ratg e be r8 H. Dewey, welcher die Wirtschaftspolitik der Regierung, speziell vfes die. Unterstützung der Kooperativen anlangt, approbiert. Dabei kann man der Regierung keinen direkten Antisemitismus vorwerfen. Auch die christlichen Kaufleute sind mit ihren Maßnahmen unzufrieden. Es unterliegt aber gar keinem Zweifel, daß man in Regicrnngs- und gesellschaftlichen Kreisen die Ausstoßung der Juden aus ihren Berufen mit Befriedigung zur Kenntnis nimmt. In dieser Beziehung sind sämtliche polnische Parteien, von den Nationaldemokraten bis zu den Sozialisten, einig. Was aber jüdischcrseits betont werden und der Regierung nachdrücklich vor Augen gehalten werden muß, ist: die oft versprochene und äußerlich beachtete Gleichbercchtigung der Juden im Staate wird durch die oben dargelegte Wirtschaftspolitik verletzt, indem keine Rücksicht auf hunderttausende Staatsbürger genommen wird. Und ferner, was vom Standpunkt des Staates doch beachtet werden soll, welche ungewünschten sozialen Folgen ein solches System zeitigen muß! Von diesem Standpunkte ist es kaum zu verstehen, wie manche jüdische Kreise in Polen glauben, jüdische Wirtschaftspostulate von den politischen trennen zu können. Ueberall und immer waren Wirtschaft und Politik, speziell was Juden anbelangt, untrennbar miteinander verbunden. Aber es ist keine Aussicht vorhanden, daß die Regierung ihre Tendenzen ändern wird, wenn auch die jüdische Politik einheitlicher, fester, dem Wirtschaftlichen mehr zugewendet, geführt werden wird. Was bleibt also zu tun? Es muß vor allem Klarheit über die Lage geschaffen werden, und es muß dem Volke die Situation vom Standpunkte der Allgemeinheit und nicht nur von dem des Individuutns dargelegt werden. Leider legt man sich in weiten jüdischen Kreisen keine gehörige Rechenschaft von dem, was vorgeht, ab. Es ist das Verdienst einzelner Männer, in erster Linie des ehern. Senators Dr. F. Rottenstreich, die öffentliche polnische und jüdische Meinung• geweckt zu haben. Die Bemühungen gehen zunächst dahin, einen# autoritativen zentralen wirtschaftlichen Rat zu schaffen, welcher Materialien zu sammeln, genaue Sanierungspläne auszuarbeiten und zu verwirklichen haben wird. Die unheilvolle Zersplitterung, die persönlichen Reibungen und Animositäten im jüdischen Lager legen auch da Hindernisse in den Weg. Endlich kam vor einigen Tagen die erste Beratung unter Vorsitz des Abg. Farbstein in Warschau zustande, bei der mehrere jüdische Politiker und Fachleute den ersten Meinungsaustausch über die brennenden Probleme hatten. Es waren auch einige exponierte politische Führer sowie Vertreter mancher wichtigen Wirtschaftsverbände anwesend. Es drehte sich hauptsächlich darum, ob die zu schaffende Körperschaft unter der Führung des jüdischen Parlamentsklubs oder von ihm ganz unabhängig arbeiten soll. Die Meinungen darüber waren geteilt. Eine Kommission wurde beauftragt, ein genaues Programm auszuarbeiten. Wiewohl es sehr zu wünschen ist, daß der geplante Rat sobald als möglich zu funktionieren beginnt und es ihm gelingen möge, alle interessierten Kreise um sich zu,scharen, muß doch in Betracht gezogen werden, daß nicht viele Möglichkeiten offenstehen. Ein radikales Mittel wäre die Aus \v a inl gr u n p eines ansehnlichen Teiles der in ihrer Existenz Bedrohten. Hier kommt das Emigrationsproblem in seiner ganzen Aktualität und Schärfe zum Vorschein. Es gibt außerPalästina keine Einwanderungsländer, und für diese Emigration sind weder die Juden hier noch das Land vorbereitet (im Sinne einer größeren Alijah unter den gegenwärtigen Bedingungen). Es ergibt sich jetzt für die zionistische Bewegung in Polen die Pflicht und Möglichkeit einer großzügigen Palästinapropaganda, einer intensiven Keren Hajessod- und Keren Kajemeth-Sammlung auch durch entsprechende Beleuchtung der gegenwärtigen traurigen Lage und der drohenden Tendenzen der weiteren Entwicklung. Die klassische zionistische Lösung hat nicht nur ihre Bedeutung nicht verloren, sondern im Lichte der realen Tatsachen an Aktualität gewonnen. Die zweite Möglichkeit, die die erste nicht ausschließt, sogar mit ihr zusammenhängt, ist die Bcrufsum- Schichtung. Audi ein Teil der zionistischen Lösung, aber auf ungemein viele Schwierigkeiten stoßend. Der größte Teil der Juden steht den Umschichtungsversuchen skeptisch, sogar manchmal feindlich gegenüber. Meint man darunter Uebcrführung jüdischer Krämer und Lumpenproletarier in verschiedene handwerkliche Zweige in Polen, so ist die Skepsis berechtigt. Der ökonomische Vernichtungsprozeß ergreift auch die jüdischen Handwerker, wie wir oben gesehen haben, also sind auch hier keine größeren Aussichten vorhanden. Aber immerhin ist es möglich, durch Erziehung zu neuen Arbeitsmethoden, durch moderne Fachausbildung, Entvvicklung des Kooperativwesens, den jüdischen Handwerker in Polen konkurrenzfähig zu machen. U ebergang in andere Berufszweige stößt auf große Widerstände. Ausbildung in der Land- Wirtschaft ist von größter Bedeutung als Vorbereitung zur Auswanderung. (In gewissem Sinne gilt dies auch für Handwerker.) Für qualifizierte Landwirte gibt cs eine Auswanderungsmöglichkeit schon jetzt auch nach Kanada, Australien und Südamerika. Die Hoffnungen auf Ueberführung zur Landarbeit in Polen sind jedoch sehr gering. Es handelt sich hier auch um einen Kampf für jüdische Gleichberechtigung, und er ist fast aussichtslos infolge des unüberwindlichen Widerstandes der polnischen Ge- Seilschaft. Nicht besser verhält es sich mit anderen Berufen. Es wäre ja natürlich, wenn die Regierung aus Sorge für die von ihr unmittelbar zugrunde gerichteten Existenzen Möglichkeit gäbe, daß Juden in Staatsbetrieben und Aemtern, in kommunalen Institutionen, in Fabriken usw. als Arbeiter oder Beamte Aufnahme fänden. Im Prinzip ist ja diese Möglichkeit vorhanden, de facto kaum. Versuche, welche verschiedenerorts unternommen worden sind, scheiterten und die angerufenen Behörden wollten oder konnten nicht helfen. In dieser Frage muß aber die jüdische Politik energisch eingreifen und den Kampf um Recht auf Arbeit mit der größten Leidenschaft führen. Davon ist nicht nur das Schicksal der pauperisierten Massen, sondern auch der Menge jüdischer Berufsintelligenz abhängig. All dies wären konstruktive, theoretisch richtige Mittel zur Sanierung der Lage, aber ihr praktischer Erfolg ist zweifelhaft, wenigstens für die nächste Zeit. Trotzdem muß etwas geschehen. Es bleiben noch Palliativmittel oder — ein Schwimmen gegen den Strom. Dies wäre aber nur dann möglich, wenn die Juden große Kapitalien besäßen und imstande wären, starke Wirtschaftsorganisationen zu schaffen. In dieser Riehtung geht z. B. der Plan des Verbandes der polnischen Juden in Amerika, den Export jüdischer Erzeugnisse aus Polen zu organisieren. Es ist aber fraglich, ob von außen so starke finanzielle Hilfe kommen kann, daß die Juden Polens werden Widerstand leisten können. Falls ja, muß noch überlegt werden, ob solche Kapitalien: nicht besser, konstruktiver und vom nationalen Standpunkte produktiver angelegt werden könnten. . . . Hoover and sein Vertreter New Yo rk , 9. November. (J. T. A.) Der neue Präsident der Vereinigten Staaten, Herbert Hoover, hat bekanntlich das amerikanische Hilfswerk zugunsten der Notleidenden in den kriegführenden Ländern organisiert und war dann Leiter der American Relief Administration (A. R. A.), die in den ersten Nachkriegsjahren in Rußland und in den übrigen osteuropäisehen Ländern unzählige Menschenleben vom Hungertode gerettet hat. Die von Hoover geleitete A. R. A. arbeitete in enger Verbindung mit dem amerikanisch-jüdischen Joint. Gemeinsam mit Felix M. War bürg arbeitete er in den Vereinigten Staaten an der Aufstellung des Zensus der Nährstoffe und an dem Hilfswerk zugunsten Osteuropas. Im April 1919, nachdem die polnischen Legionäre bei ihrem Einzug in Pinsk 35 angesehene Juden ohne jedes Gerichtsurteil als Spione liingerichtet hatten, intervenierte Hoover zugunsten der bedrohten polnischen Juden. Es wurden Vorkehrungen getroffen, daß sich solche Vorfälle nicht wiederholten. Hoover interessierte sich auch später sehr für das Aufbauwerk des American Joint in Rußland, und als vor kurzem Julius Rosenwald 5 Millionen Dollar für das Werk des Agro-Joint spendete, sprach ihm Hoover seinen Glückwunsch zu dieser ״fiirstliehen Tat“ aus. * New York, 9. November. (J.T. A.) Der zum Vize- Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählte republikanische Senator Charles Curtis ist — wie Max Rhoade in der ״Jewish Tribüne“ berichtet — der eigentliche Anreger jenes im Juni 1922 vom Kongreß der Vereinigten Staaten gefaßten Be- Schlusses, laut weichem die Vereinigten Staaten der Balfour- Deklaration ihre Zustimmung geben. Von Curtis haben die Senatoren L o d g e und Fish die Anregung übernommen und zusammen mit Curtis die Annahme der Resolution durchgesetzt. Curtis hatte vorher mit dem damaligen Staatssekretär Hughes verhandelt. Als die Zustimmung des Staatssekretariates vorlag, unterbreitete Senator Lodge nach Empfang einer zionistischen Delegation dem Kongreß die Zustimmungsresolution. ErSOnung des Universitätsjahres Am 31. Oktober wurde das neue Studienjahr an der Hebrauchen Universität in Jerusalem eröffnet und zugleich das fertiggestellte Gebäude des Einstein-Institutes für Mathematik der Benützung übergeben. — Der Kanzler der Universität, Dr. Magnes, gab in einer einstündigen Rede einen Ueberblick über die erfreuliche Entwicklung der Universität. Dann wurde das neue mathematische Institut von Ing. Green, dem technischen Beirat der Universität, eröffnet, und Norman Bentwich, Prof. Fekete, der neu berufene Extra-Ordinarius für Mathematik an der Universität, itml Ussischkin sprachen über die Bedeutung des mathematischen Institutes. Die Klagemauer Die zionistische Pelilion in Genf Genf, 11. November. (J. T. A.) Die Mandatskommission des Völkerbundes hat am Sonnabend, dem 10. November, die Petition der Zionistischen Organisation ln der Angelegenheit der westlichen Tempelmauer ln Jerusalem in Behändlung gezogen. Ueber den Verlauf und das Resultat der Sitzung verlautet nichts Bestimmtes. Ein offizielles Communiqud wird bis auf weiteres nicht ausgegeben. Wie das ,.Journal de Gün&v e“, das den Völkerbundkreisen nahesteht, erfährt, soll die Mandatskommission beschlossen haben, die Angelegenheit der Westmauer der Mandatarmacht zur Regelung zu überlassen. Dabei hätte der Vertreter Großbritanniens erklärt, die Mandatarmacht hege die ernste Absicht, den Zwischenfall an der Klagemauer ln versöhnlichem Geiste und in beruhigender Tendenz zu erledigen und das gesamte Problem in einer Juden wie Mohammedaner befriedigenden Weise zur Lösung zu bringen. * Jerusalem, 9. November. (J.T. A.) Der Waad Leumi hat einen Appell an die arabische Bevölkerung erlassen, der besagt: Der Zwischenfall an der Klagemauer am Ver'söhnungstage hat Anlaß zur Wiederholung der Verleumdung gegeben, daß die Juden Aspirationen auf die Omar-Moschee haben. Die Juden aber beanspruchen nichts weiter als das Recht auf freien Zutritt zur Westmauer, 11m dort zu beten. Dieses Recht wurde durch Rom, durch die arabischen Kalifen und durch die türkischen Sultane anerkannt. Die Juden hatten den moslemischen Eroberern Palästinas Hilfe geleistet, als Gegenleistung wurden die jüdischen Rechte in Palästina und besonders das Recht auf Ausübung der Andacht an ihren heiligen Stätten garantiert. Niemals werden die Juden zugeben, daß dieses ihr Recht aufgehoben oder eingeschränkt wird. Wir Juden wollen das Land gemeinsam mit unseren arabischen Brüdern aufbauen. Wir fordern die arabischen. Führer auf, mit den antijüdischen Verleumdungen aufzuhören, um eine Basis für Zusammenarbeit schaffen zu helfen. Die palästinensische Zionistische Exekutive hat folgende Kundgebung erlassen: ״Im Hinblick darauf, daß die jüdischen Bestrebungen nach einer Sicherung der notwendigen Bedingungen für einen freien und ungestörten Gottesdienst bei der als Klagemauer bekannten Westmaucr unrichtig dargestellt worden sind, als würden sie die Absicht beinhalten, das Haram-Grundstück (der Platz, auf dem die Omar-Moschee steht) anzutasten, wünscht die Zionistische Organisation von neuem ihre wiederholten Erklärungen zu bestätigen, die ohne Einschränkung die Unantastbarkeit der moslemischen heiligen Stätten anerkennen.“ Sitzung der Anglo Jewish Association L0 11 d#on, 7. November. (J.T.A.) In der gestrigen Monatssitzung der Anglo-Jewish Association wies Präsident Leonard G. Montefiore auf das Schreiben der englischen Zionistischen Föderation an die Association betreffs der J e - wish Agency hin mul fügte hinzu, man erwarte noch eine Mitteilung der Zionistischen Organisation über das Resultat der unter dem Vorsitz Louis Marshalls in New York stattgefundenen Agency-Konferenz; sobald diese Mitteilung erfolgt ist, wird die Association an die Behandlung der Frage der Teilnahme der englischen Juden an der Agency schreiten. Präsident Montefiore kam auf die Vorgänge an der Klag ern alter in Jerusalem, zu sprechen und führte aus, im Kolonienministerium häufen sich die Protests zu. Birgen, darum. finde er es nicht nötig, noch eine Protestresolution abzuserHreti‘,*" die Association schließe sich dem Protest des Board of Deputics an und hoffe, daß sich die Vorgänge nicht wiederholen werden. Auf Vorschlag von Joseph Co wen wird beschlossen, dennoch einen Protest zu Protokoll zu nehmen. Mr. Lucien Wolf erstattete Bericht über die Lage der Juden in Rumänien und kündigte an, wenn die rumänische Regierung die sogenannte Staateniosenfrage — es handelt sich 11. a. um 34000 für staatenlos erklärte Juden — nicht zur Zufriedenheit wird lösen wollen, werde sich das Joint Foreign. Committee mit einer Klage an den Völkerbund wenden. Eine entsprechende Denkschrift ist abgefaßt worden. Im übrigen sei nicht zu erwarten, daß sich bei einem Regierungswechsel die Beziehung zu den Juden ändern wird. Im Verlauf der Sitzung wurde noch über die Evelytia de Rothschild-Schule in J e r u ־ salem und über die Lage in den jüdischen Kolonien in Arg e n t i n i e n verhandelt. * Die Agudas jisroel in Frankfurt a. M. veranstaltete eine Protestkundgebung gegen die Störung der jüdischen religiösen Andacht an der Westmauer zu Jerusalem. # Der Hauptredner des Abends, Redakteur S. Schaclinowitz erklärte: Die Agudah als die legitime Vertreterin des gesetzestreuen Judentums muß sich zur Wortführerin machen. Der Redner stellte die folgenden drei Forderungen auf: 1. Von der Agudahleitung aus sei eine Verständigung mit allen jüdischen Instanzen hei beizuführen, daß die Aktion — keine Protestaktion, sondern friedliche Intervention — in ihre Hand gelegt wird, damit sie im Namen der Thora für die gesamte jüdische Gemeinschaft unter rein religiösen Gesichtspunkten die Sache der Mauer, wie aller anderen jüdischen Heiligen Stätten, vor dem gegebenen Forum vertreten kann. 2. Diese Intervention soll von einer Agudah-Delegation in London oder in Genf baldigst unternommen werden. 3. Da letzten Endes, nachdem der Weg durch politische und diplomatische Aktion geebnet ist, die Sache auch eine Frage des Geldes ist, so soll jetzt schon, solange die Herzen weich sind, eine Sammelaktion, möglicherweise unter dem Titel ״Keren hakotel“, einsetzen, damit in gegebener Stunde die nötigen Summen beisammen sind. Von dieser Volksspende dürfte sich kein lüde, sofern er Anspruch auf diesen Namen macht, ausschließen. Paris, 7.November (J.T. A.). Im großen Wagram-Saal fand eine massenhaft besuchte Protestversammlung in Angelegenheit der Klagemauer statt. Ansprachen hielten Dr. Victor Jacobson, Rabbiner Dr. Eisenstadt, Rabbiner Louis Germain Levv, Hiliel Zlatopolski, N. Hermann, Dr. SchecHtmann, Rabbi P e r 1 er u. a. m. Mitglieder des Weltverbandes der jüdischen Jugend sammelten Unterschriften für eine Protest-Erklärung, die dem Völkerbund übermittelt werden wird. Mißernte nnd Regiernngshilie Die Verhandlungen zwischen der Regierung und der Zionistischen Exekutive über eine Hilfeleistung an die jüdischen Wirtschaften, die durch die Mißernte in diesem Jahre geschädigt wurden, sind zum Abschluß gekommen, und die Regierung hat sich bereit erklärt, an Stelle ihres früheren Vorschlages auf Bereitstellung von Saatgut den Geschädigten eine Anleihe in Höhe von £ 2,500 zur Beschaffung von Getreite-Saatgut mit einem Zinssatz von 5 »;« zur Verfügung zu stellen. Die Mittel der Anleihe kommen in erster Linie den Siedlungen Kfar-Jecheskicl, Mcrchawiah, Tel- A d a ß , En-Cliarod, K f a r - O i d c o n und T e 1 - J o s e f zugute. (Ziko.) _

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