Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 89 (8.11.1928)
- Date
- 1928-11-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 622 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 89, 8. XL 1928 Zum Delegiertentag des deutschen Misradii Von Alexander Adler. Am Sonnlag, dem 11, November, findet im Höreaal der Synagoge Unter-Lindau in Frankfurt a. M. der diesjährige Dclegiertenfag des deutschen Misradii statt. Es sind fast ausschließlich Dinge der Organisation, die diese Tagung beschäf- Ilgen sollen. Die Ausdehnung, die die Fraktion des Misrachl ln Deutschland nach außen hin genommen hat, hält nicht Schritt mit dem Verständnis, das für ihre Aufgaben und Ziele in der religiösen Judenheit vorhanden ist. Es müssen aut dieser Tagung Mittel und Wege gefunden werden, wie der organisaforische Anschluß der dem Misrachi nahestehenden Kreise gefördert werden kann. Ist cs doch ein Anderes um die große Masse der dem zionistischen Palästinaaufbaugedanken nahestehenden liberalen oder nichtreligiösen Juden und um die traditionellen Kreise, die dem Erez-Jsrael-Öcdankcn gewonnen sind. Ersterc machen, trotz ihrer Annäherung an die zentralen Aufgaben des Judentums in Ercz-lsrael, geltend, daß sie einer nationalen Bewegung als solcher nicht beitreten können, oder noch nicht können, der Traditionsjude kann logischerweise einen solchen Standpunkt nicht cinnehmen. Die Zeit Ist endgültig vorbei, in der von ernsthafter traditioneller Seite das Nationale als wesentlicher Bestandteil religiösen Judentums abgelehnt wurde. Bestritten wird nur noch, daß man ein Judentum konstruieren kann, das nur das Nationale als Kriterlum seines Wesens bedingt, ein Oedanke, den auch der Misrachl vertritt. Vorüber ist aber auch die Zeit, in der der Orthodoxe schlechthin glaubte, auf seinen Anteil am Werke praktischer Erez-lsrael-Arbeit verzichten zu können, und trotzdem allen seinen Verpflichtungen dem jüdischen Gedanken gegenüber nachgekommen zu sein. Die Wirklichkeit des Aufbaues hat auch ihn ergriffen, er sucht nach einer Möglichkeit der Beteiligung, die er bei der allgemeinen zionistischen Bewegung ohne Beschwerung seines Gewissens nicht zu haben glaubt. Im Anschluß an den Misrachl kann er eine solche Beteiligung finden, die Arbeit des Heranziehens, der letzte Sturm auf die lange erschütterte Festung muß gemacht werden. Niemals war die Zeit dazu günstiger als gerade jetzt, denn die Trennungsorthodoxie hat in ihrer absur• den Haltung gegenüber dem von Raw Kuk anberaumten Trauer- und Fasttage geradezu eine Propagandaaktion für den nationalen Einheitsgedanken in den wirklich traditionstreuen Kreisen unseres Volkes gemacht. Die Stellung dieser ״Verteidiger wahren Judentums“ ist wirklich sturmreif geworden. Der Delegiertentag des Misrachi ruft die Freiwilligen an die Front. Es braucht hier nicht untersucht zu werden, aus welchen Gründen die Zionistische Vereinigung für Deutschland sich in ihrer Propaganda nicht unter klarer Zielsetzung an die religiöse Judenheit, soweit sie nicht der Trennungsidee hoffnungslos verfallen ist, wendet. Die Tatsache besteht, daß sie es nicht tut. Der Misrachi muß deshalb seine Organisation verstärken und den Ruf an die noch Zögernden erlassen. Er muß zeigen, wie er in der täglichen Arbeit in Erez-Israel für Erziehung nach den Normen der Ueberlieferung sorgt, wie er eine Arbeiterschaft heranbildet, die mit größter Hingabe die Arbeit im Lande mit der Liebe zur Tradition verbindet, Avte er an allen Aufgaben der zionistischen Bewegung teilnehmen kann, an all ihren Erfolgen feilhat, ohne auch nur im geringsten genötigt zu sein, etwas von ,seinen Prinzipien aufztigeben. Organisiert im Misrachi, aber auch nur so, können die traditionstreuen Zionisten den Beweis dafür liefern, daß in der Einheit aller jüdischen Arbeit eine Gewähr gegeben ist für die Erhaltung der kulturellen Güter des Judentums, daß nur Einfluß auf die Gestaltung der Zukunft zu nehmen ist durch Mitarbeit in der Gesamtheit an den Allgemeinaufgaben. Die Einheit der zionistischen Arbeit unter Wahrung der Existenzbedingungen des Misrachi soll auf dem Delcgiertentag besprochen und gefördert werden. Die Misrachisten sollen aber auch kritisch 7u ihrer eigenen Arbeit Stellung nehmen, sich Klarheit schaffen darüber, ob in der misrachistischen Bewegung und besonders in Erez-Israel so gearbeitet wird, daß man hundertprozentig zufrieden sein kann. Die Ergebnisse der Danziger Weltkoiiferenz sind nicht derartig, daß man von voller Ausnutzung der ln der Bewegung liegenden Kräfte sprechen kan«. Die offizielle Stellung des Misrachi zu sozialen Aufgaben müßte klarer und eindeutiger erfolgen, das Uebergewicht der kulturellen und erzieherischen Arbeiten gegenüber denen, die die Festigung der Position der misrachistischen Arbeiterschaff zur Folge haben, wird in weiten Kreisen des Misrachi als Mangel empfunden. Das Auftreten des Misrachi als politische Partei wird nicht allseitig gebilligt. All diese Dinge müssen besprochen werden und bilden Gegenstand von zu fassenden Beschlüssen. Dabei muß sich aber der Delegiertentag für uneingeschränkte Unterstützung des Keren Erez-Israel schel Hamisrachi aussprechen und die Misrachisten in allen Orten müssen bindende Verpfliehtungen zur Aufbringung der auf den deutschen Misrachi entfalienen Quote des Misrachibudgets übernehmen. Es ist nicht unwichtig, daß der Delegiertentag des Misrachi unmittelbar nach der Tagung der Z. V. f. D. über die Orfsgruppenarbeit gfattfindef. Die dort empfangenen Anregungen werden sicherlich Verwendung für Aufbau und Ausgestaltung auch der Misrachlarbeit finden. Die Ein- Ordnung der Misrachisten in zionistische Gruppen sollte vom Delcgiertentag ernsthaft beraten werden. Möglichkeit dafür •ist gegeben, wenn die zionistische Ortsgruppe anerkennt, daß die Misrachisten für ihre Sonderorganisation ebenso verantwortlieh sind, wie die Allgemeinzionisten für die ihre. Es muß anerkannt werden, daß der Misrachi Aufgaben hat und Funktionen ausübt, die nur von ihm erfüllt werden können, daß Geldmittel dazu verfügbar sein müssen und daß der Misrachist nicht doppelt belastet sein darf. Auch muß die Ortsgruppe für die geistigen Bedürfnisse der Misrachisten sorgen und ihre Arbeiten so führen, daß die Propaganda in religiösen Kreisen mit Frfolg vorgetragen werden kann. Die mancherorts bemerkbare Animosität und Rivalität muß verschwinden, wodurch sicherlich beide Teile nur gewinnen können. Der Delegiertentag wird sich auch mit dieser Frage auseinandersetzen. Einer Verordnung der Palästina-Regierung gemäß werden m Zukunft Erlaubnisse für archäologische Grabungen nur unter der Bedingung erteilt werden, aaß sämtliche bei den Grabungen gemachten Funde zwischen der Regierung und dem Veranstalter der Grabungen geteilt werden. Die New Yorker Resolutionen New York, 23. Oktober. (J.T.A.) Die einmütig gefaßten Beschlüsse der am 20. und 21. Oktober Im Hotel Biltmore zu New York unter dem Vorsitz Louis Marshalls abgehaltene Konferenz der Nichtzionisten zur Bildung der Jewish Agency für das Jüdische Nationalheim ln Palästina liegen nun im Wortlaut vor. Sie lauten: I. ״Nachdem die am 17. Februar 1924 In New York abgehaltene sogenannte Unparteiische Konferenz über palästlnensische Probleme in einer Resolution die Einsetzung eines Komitees beschlossen hat, welches die Aufgabe haben soll, das Thema Jewish Agency zu studieren und, wenn durchführbar, einen geeigneten Plan auszuarbeiten, laut welchem die amerikanischen Juden In eine solche Agency elntreten könnten, ferner mit der Zionistischen Weltorganisation Beratungen zu pflegen mit dem Ziele, einen Plan zur Verwirk* lichung des angestrebten Zieles auszuarbelten; nachdem bei einer späteren, am 1. März 1925 abgehaltenen Konferenz der Bericht des gemäß der Resolution der früheren Versammlung eingesetzten Komitees Vorgelegen hat, der die Empfehlung enthielt, einen geeigneten Plan auszuarbeiten, demgemäß die amerikanische Judenheit ein Teilbestand der Jewish Agency werden könnte, und dieser Berieht samt seinen verschiedenen Empfehlungen gutgeheißen wurde, und ferner die Skizze eines Planes für eine erwelteile Jewish Agency angenommen wurde; nachdem in der Folge die Durchführung der erwähnten Resolution verzögert wurde, u. a. darum, weil es als wichtig erachtet wurde, weitere autoritative Information hlmlchtlieh palästinensischer Verhältnisse als Basis für die Annahme eines umfassenden Programmes für die Jewish Agency elnzuholen; nachdem gleich darauf eine Kommission, bekannt als die ,Joint Palestlne Survey Commission‘, bestehend aus dem Right Honourable Lora Melehett, Dr. Lee K. Frankel, Herrn Felix M. Warburg und Herrn Oscar Wassermann, ernannt worden war, um eine gründliche Prüfung und Untersuchung der Verhältnisse in Palästina anzustellen, elnschlleßend ein Studium von Experten Uber die Hilfsquellen und die landwirtschaftlichen, industriellen, kommerziellen und anderen wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes zur Gewinnung einer vollständigen Üoberskht über jüdische Tätigkeiten und Leistungen in dem Lande; und dieser Kommission ferner die Pflicht aulerlegt wurde, Empfehlungen betreffend Auf- Stellung eines Systems der Arbeit zu machen, welches den vernunftgemäßen Erfordernissen des Landes entsprechen würde, ferner zu erwägen und Empfehlungen zu formulieren auf der Basis der Berichte und Meinungen einer Körperschaft von unparteiischen Experten, die erwählt und beauftragt wurden, um ein gründliches wissenschaftliches Studium des ihnen anvertrauten Gegenstandes ln Ueberelnstlmmung mit den umfassenden Terms of Reference und den vorscnrlftsmäßig angenommenen Spezifizierungen anzustellen; nachdem diese selben Experten Palästina zum Zwecke einer solchen Prüfung besucht hatten und den Kommissionsmltgliedern auftraggemäß Uber die Ergebnisse ihres Studiums und ihrer Beobachtung Bericht erstatteten — Berichte, die jetzt einen Teil der Dokumente dieser Versammlung bilden; nachdem die Commissioners sich persönlich nach Palästina begaben, ihre Beobachtungen an Ort und Stelle machten und daraufhin die Berichte der Experten und andere ihnen unterbreiteten Daten einer Behandlung unterzogen und am 18. Juni 1928 einen detaillierten Bericht Uber die ihnen überwiesenen Angelegenheiten vorlegten, welcher Tatsachen-Ermitüungen, Schlußfolgerungen und Empfehlungen betreffend die veneniedenen Fragen enthält, und dieser Bericht veröffentlicht und allen jenen zur Verfügung gestellt wurde, die an dem Gefenstand Interessiert sind, — dieser Bericht bildet jetzt einen eil der Akten dieser Versammlung —; und eine entsprechende Erwägung Uber diesen Bericht und die in ihm behandelten Themen und Schlußfolgerungen angestellt worden Ist; wird beschlossen; der Bericht der Joint Palestlne Survey Commission wird hiermit anerkennend zur Kenntnis genommen und beschlossen, daß seine Empfehlungen als eine Bas!3 für zukünftige Aktionen der Nichtzionisten Amerikas angesehen wird, die in Gegenwart oder Zukunft mit dieser Organisation verbunden sind; wobei aber angenommen wird, daß sich von Zelt zu Zeit Verhältnisse einstellen können, die Abänderungen einiger der in dem Bericht enthaltenen Empfehlungen als ratsam werden erscheinen lassen; vorausgesetzt wird ferner, daß, falls eine erweiterte Jewish Agency, wie vorgeschlagen, existent werden sollte, diese Körperschaft sich mH dem Gegenstand ln einer Weise zu befassen hat, wie dies der Wirtschaftliehen, geistigen und kulturellen Entwicklung Palästinas am dienlichsten ist.“ II. Indem nach angemessener Betrachtung des Berichtes der Joint Palestlne Survey Commission wiederum die Frage eingehend erörtert worden ist, ob Juden, die nicht Mitglieder der Zionistischen Weltorganisation sind, sich mit der Zlonistischen Weltorganisation in der Bildung einer vereinigten Jewish Agency gemäß den Bestimmungen des Artikels 4 des vom Völkerbund verkündeten Palästina-Mandates, laut den Machtbefugnissen und Pflichten, die in diesem Mandat spezifiziert sind, und gemäß den Richtlinien, die in der von der sogenannten unparteiischen Konferenz vom 1. März 1925 angenommenen Resolution dargelegt sind, zusammentun sollen oder nicht, und nachdem hierüber eine angemessene Erwägung angestellt worden ist, wird hiermit beschlossen; 1. die in der erwähnten Versammlung vom 1. März 1925 angenommenen Resolutionen werden nochmals zum Beschluß eriioben, ratifiziert und bestätigt, t 2. Die jetzt tagende Konferenz, die jene Juden der Vereinigten Staaten repräsentiert, die Nichtzionisten sind, bevollmächtlgt — um den vorher erwogenen Plan hinsichtlich der Schaffung einer erweiterten Jewish Agency durchzuführcn —- hierdurch ein Komitee aus sieben Personen, das als Organisationskomitee bekannt sein wird und dessen Mitglieder von dem Vorsitzenden dieser Versammlung ernannt werden sollen, die nichtzionistischen Mitglieder des Rates der Jewish Agency, die den Vereinigten Staaten zugebilligt sind, namhaft zu machen und zu ernennen: vorausgesetzt a), daß stets fünfzig Prozent der Mitglieder des Rates und der Exekutive der Jewish Agency durch die Zionistische Weltorganisation erwählt werden: b) daß von den nichtzionistischen Mitgliedern des Rates der Jewish Agency 40 «ö die amerikanische Judenheit vertreten sollen, nicht eingerechnet lene amerikanischen Vertreter, die schon von der Zionistischen Weltorganisation erwählt werden mögen; c) daß 500/0 des Exekutivkomitees zur Verwaltung der Angelegenheiten der Jewish Agency von den durch die Zionistische Weltorganisation erwählten Mitgliedern des Aktions-Comitös ernannt werden sollen und die verbleibenden 50 ®/o von den Mitgliedern des Rates der Jewish Agency, die aus den Reihen der Nichtzionisten hervorgegangen sind, ernannt werden sollen; d) daß Mitglieder des Kares des Exckutivkomitecs der Jewish Agency stets berechtigt sein sollen, auch in Abwesenheit zu votieren, e) daß das Organisation®־ komitee, auf welches nachstehend Bezug genommen wird, hinsichtlich der Vertretung der Nichtzionisten anderer Länder als der Vereinigten Staaten im Rate und im Exekutivkomitee der Jewish Agency konsultiert werden und daß das Organisationskomitee die Zuteilung einer solchen Vertretung gutzuheißen hat; 3. Das Organisationskomitee wird ermächtigt und angcwiesen, eine — freie oder eingetragene -— Organisation zu bilden, um die Durchführung der Ziele dieser Resolution zu erleichtern und Satzungen anzunehmen, wie sie als erwünscht erachtet werden mögen, und daß das Organisationskomitec daran gehe, die in dieser Sitzung angenommenen Resolutionen den Vertretern der Zionistischen Weltorganisation und verschiedenen nichtzionistischen Körperschaften, deren Mitwirkung in der vereinigten Jewish Agency als wichtig angesehen werden kann, iur Kenntnis zu bringen; 4. In Vorwegnahme der Bildung der erweiterten Jewish Agency ist das Organisationskomitee ermächtigt, in Gemeinschalt mit den gebührend autorisierten Vertretern der Zionistischen Weltorganisation alle Differenzen belzufegen, die sich mH Bezug auf die Interpretation, Auswirkung und Tätigkelt Irgendeiner ln dem Bericht der Joint Palestlne Survey Commission vom 18. Juni 1928 enthaltenen Empfehlung ergeben haben oder sich noch ergeben mögen." Das amerikanische OrgaoisaUonskomiiee der Jewish Agency New York, 4. November. (J.T.A.) Bekanntlich hat die Konferenz der amerikanischen Nichtzionlsten, die am 20. und 21. Oktober im Hotel Biltmore zu New York getagt hat, Herrn Louis Marshall beauftragt, ein siebenglledriges Organisationskomitee zu bilden, welches die Aufgäbe haben soll, die amerikanischen Persönlichkeiten für den nichtzionistischen Teil des Rates und der Exekutive der Jewish Agency namhaft zu machen. Das Organisatfonskomltee ist auch bevollmächtigt, die Beschlüsse der Konferenz der Nichtzionisten durchzuführen, sich mH dem zionistischen Teil in Verbindung zu setzen und einen Ausgleich aller noch bestehenden Differenzen herbelzuführen. Louis Marshall teilt soeben die Namen der Mitglieder dieses Organlsationskomltees mH: Vorsitzender des Komitees ist Herr Felix M. Warburg; die übrigen Mitglieder sind Dr. Lee K. Frankel, Cyrus Adler, James Becker, David A. Brown, Herbert Lehman und Prof. Julian Morgenstern. Das Organisationsjahr der Frauen Die Parole der zionistischen Frauen Berlins für das neue Arbeitsjahr heißt kurz und klar: Ausbau ihrer Organi * sation. Dies ist die Parole, die die letzte Tagung der Wlzo ihren Verbänden mit auf den Weg gegeben hat exfer vielmehr: es ist dies die Parole, der sich die verschiedenen Landesgruppen der Wizo selbst zugeschworen haben unter dem starken Eindruck dessen, was unter ihrer aller Mithilfe in Erez-Israel an Nützlichem und Vorbildlichem geschaffen werden konnte. Auch hat nichts so sehr neuerdings wieder den Wert und die Leistungsfähigkeit einer festgefügten, wohldisziplinierten und arbeltsedtsehiossenen Teilorganisation vor Augen zu führen vermacht wie der imponierende Beschluß der rumänischen Wizo- Gruppe, die Mittel für die neue Mädchenfarm von Nes Zicmah im Betrage von 420000 Marie ganz aus Eigenem aufbringen zu wollen, und zwar unter Zugrundelegung einer Arbeitsperiode von neun Jahren. In der so viele Tausende jüdischer Frauen umfassenden Stadt Berlin fehlte es bisher an einer kräftigen, über Mensehen und Mittel gebietenden und dem Werk der Wizo eng verbundenen Frauenorganisation. Ihr aktiver Teil, diwbestehen* den Studienzirkel, leisteten zwar außerordentlich wertvolle Bildungsarbeit und können in ihrer gemeinschafts- und gesinnungsbildenden Kraft gar nicht hoch genug eingeschätzt und gar nicht sorgfältig genug weiter gepflegt und entwickelt werden, aber sie blieben naturgemäß aut einen kleinen Kreis beschränkt una konnten und sollten auch in Zukunft nicht die Stätte sein, von der aus ausgreifende Werbearbeit und Erziehung zu mehr nach außen gerichteter Tätigkeit ausgehen konnte. Der weitaus größere Teil der Angeschlossenen aber stand nur in einem ganz losen Mitgliedsverhältnis und cs gab für ihn nur wenig Gelegenheit, seine Beziehungen zu aktivieren und zu vertiefen. Hier einzusetzen, hat sich nun die im vorigen Frühjahr ins Leben gerufene und nun allmählich festere Formen annehmende Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästina — die zur praktischen Arbeit geschaffene Vereinigung des Bundes Zionistischer Frauen und des Verbandes für Kulturarbeit in Palästina —• als Ziel gesetzt. Vereinsmäßig, unter verantwortlichen Vorständen konstituierte, von selbsttätigem Leben erfüllte Bezirksgruppen sollen aus den bestehenden Ansätzen heraus entwickelt werden und ihre Aufgabe soll es sein, die jüdischen Frauen des Bezirkes in systematischer Weise um den PaMstinagedanken zu sammeln, sie zum Besuch regelmäßig zu veranstaltender Vorträge und Arbeitssitzungen una zur aktiven Mitgliedschaft zu gewinnen. Helferinnen, überzeugte, freudige, ausdauernde sind nötig, damit solche Gruppen ins Leben treten können, damit von ihnen Anziehungskraft, Wirkung und Werbung ausgehe. Die Werbewochen des Vorjahres haben bewiesen, daß es eine stattliche Anzahl jüdischer Frauen in Berlin gibt, die beseelt von der Größe der Palästinaidee und insbesondere auch erfüllt von der Notwendigkeit der Mithilfe am Frauenwerk, sich zum Dienste daran bereit finden. Und der Appell der Frauenarbeitsgemeinschaft an ihre bewährten Helferinnen, sich ihr nun für ein Organisationsjahr zur Verfügung zu stellen, hat aufmerksames und verständnisvolles Gehör gefunden. In Orunewald, Lichterfelde, Dahlem und dem großen Bezirk des Westens haben sich bereits Bezirksgruppen konstituiert, die Vorstände sind gebildet worden und die Frauen schicken sich an, die Arbeit in organisierter und planmäßiger Weise zu beginnen. In allen drei Gruppen haben die Studienzirkel ihre Zusammenkünfte wieder aufgenommen und ist die Vortragstätigkeit in der Woche nach aem Balfourtag und unter Betonung dieses entscheidenden Einschnitts in die Geschichte des Judentums eröffnet worden. Bezirksgruppen in den anderen Stadtteilen, wo die Voraussetzungen viel schwierigere sind, sollen allmählich nach folgen, und sieht man den Geist, in dem die Frauen sich an diese besondere Arbeit machen, in dem sie sich des Keren Kajemeths annehmen und die Ben Schemen-Aktion zu der ihrigen machen, in dem sie die Trägerinnen des Beer-Hofmann-Abends und der kulturellen Kundgebung über die Jugend im neuen Judentum waren und in dem sie z. B. auch in der Fürsorge für die neue Mädchen-Alijah zur Stelle sind, so beherrscht einen das sichere Gefühl, daß hier ein edler Wetteifer im Werden ist und ein wachsender Ernst, von dem man für das ausgeschriebene Organisationsjahr wohl Ertreuliches erwarten darf, Dr. Naaia Stein. An der Ecole Nationale des Langues Orientales Vivantes in Paris wird ein Lehrstuhl für Hebräisch errichtet werde». *