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Jüdische Rundschau · 1928-11-02 · Heft 87-88 (2.11.1928) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 87-88 (2.11.1928)
Date
1928-11-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 87/88, 2. XI. 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 015 Kolonisations ־ Probleme Dürre Appell und Warnung. Von Dr. S. E. Soskin. Vor bald zehn Jahren schrieb ich die ״Kleinsiedlung und Bewässerung“. Die Schrift hätte richtiger heißen sollen ״Be- Wässerung und Kleinsiedlung“. Der Frage der Bewässerung widmete ich die zwei einleitenden Kapitel und gründete die neue Siedlungsform auf intensivem Anbau bewässerten Bodens. Ich wies auf die Rolle der Bewässerung in den verschiedenen Landern hin, besonders in denjenigen der warmen Zone, da, wo der Mangel an Bewässerungsanlagen Verfall und Unkultur bedeutet, dagegen Bewässerung Wohlstand und Zivilisation schafft. Ich zitierte H. von Samson-Himmelstjema, der den Nachweis lieferte, daß Völker nur dort dauernd bestehen, wo die richtige Beherrschung, Verteilung und Benutzung des Wassers zur zwei• ten Natur geworden ist. Nur der Bewässerungs- Ackerbau sichert einem Volke den notwendigsten Nahrungsbedarf. Er macht es von der Dürre — dieser Geißel der Natur — unabhängig. Er setzt aber auch den Menschen in die Lage, dem Boden die höchsten Erträge abzuringen. Wo Wasser ist in den Subtropen, da ist auch Brot und Wohlstand. Dies und ähnliches mehr habe ich über den Wert der Bewässerung gesagt. Leider blieb das Gesagte Literatur. Ging auch später der Kampf um Intensivierung, über Bewässerung sprach man nicht. Denn Wasser war gewissermaßen die Prärogative der Orangenkultur, d. h. der wohlhabenden Leute, die sechs Jahre auf Erträge warten können. Dies war eine ausgemachte Sache. Die ״Kolonisation“ im eigentlichen Sinne des Wortes, d. L die Ansiedlung von Leuten ohne Mittel oder mit nur geringen Mitteln geht lustig weiter aut unbewässertem Boden vorwärts. Und so müssen die Leute nicht allein den Kampf mit dem unpassenden System — Getreidebau und Milch- Wirtschaft — führen, der sie zu Fronarbeitern macht, die von früh auf bis spät in die Nacht schwer arbeiten und nicht einmal sich gut ernähren, geschweige denn das Anlagekapital verzinsen und tilgen können. Sie müssen auch noch gegen die Dürre kämpfen. Ein zu kostspieliger Beweis dafür, daß meine Forderung der Ansiedlung auf bewässertem Boden nicht allein Literatur Ist. Der Verlust, den die Siedlungen im Emek und am Tiberiassee allein in diesem Jahr erleiden, wird auf £ 30000 geschätzt. Sir John Russell, der bekannte und verdiente Leiter der Landwirtschaftlichen Versuchsstation von Rothamstead in England, schrieb ein winziges Heftchen über Palästina, aber er nat tief geschürft, er braucht nur wenige Sätze, um das Richtige zu sagen. Das Anbausystem der Araber sei durch die Tatsache bestimmt, daß der Regenfall auf die Monate Oktober bis März, manchmal bis April, beschränkt ist, während die Sommermonate — April bis Oktober, ja November — trocken, gewöhnlich regenlos und freilich heiß seien. Feldbestellungen können daher vom November bis April gemacht werden. Dies stellt Kussel fest. Eigentlich doch eine Wahrheit, die jedermann kennt. Wichtig ist aber der Satz, den er dieser Feststellung vorsetzt, der aber m- E. eigentlich nachfolgen sollte. ״Die arabischen Bauern, bestrebt, sich selbst zu versorgen, erzeugen die ganze Nahrung, die sie für sich selbst und ihre Tiere gebrauchen, und wenden daher das gleiche System des lanabaues im ganzen Lande an, genau so׳ wie es die Farmen׳» England im Mittelalter taten.“ Dieser Satz stimmt nicht für die Araber allein. Unsere Siedler, die Feldbau ohne Bewässerung treiben, tun das gleiche. Trotz der Bemühungen durch europäische Pflüge und Maschinen, Futterbau, bessere Saat usw. das ״System“ zu verbessern, bleibt ein auf der Selbstversorgung aufgebautes Wirtschafts- System mittelalterlich. Dieses System wird, ungeachtet der Verbesserungen, im Grunde das gleiche bleiben müssen, da es vom Klima diktiert wird: es ist gewissermaßen eine Funktion des Klimas für die Bebauung unbewässerter Böden. Unsere Siedler sind somit gezwungen, ein System als für sie passend zu befolgen, das man ihnen wohl doch hauptsächlieh aus Unwissenheit und Leichtsinn suggeriert hat. Man hat das Klima Palästinas nach beiden Richtungen hin unterschätzt: einesteils die segensreiche Wirkung der Sonne, ihre gewaltige Porduktionskraft beim Vorhandensein von Wasser — woraus die Forderung bewässerter Kulturen auch für den kleinen Mann —• andererseits ihren verheerenden Einfluß bei Dürre — ein weiterer triftiger Grund für die Bekämpfung des Feldbaues — Getreide- und Futterbau — auf unbewässertem Boden. Die normale Kultivierung müßte in warmen Ländern die des bewässerten Bodens sein. Sie müßte die Agrikultur des einwandernden Europäers, des Menschen mit näheren Bedürfnissen sein. Ich habe dies in einem ausführlichen Aufratz in ״Palestine & Near East Economic Magazine“ Nr. 12 1926 an der Hand statistischen Materials aus dem Vergleich Kaliforniens, Spaniens und Palästinas durch Zahlen bewiesen*)• Die landwirtschaftliche Produktion drückt sich auf den Kopf der Bevölkerung in Palästina mit £ 6.23, in Spanien mit £ 13, in Kalifornien mit £ 44 aus. ln Spanien sind 10 0/0 der angebauien Flächen unter Bewässerung, wovon »4 noch für Fefdgewächse verwendet werden. In Kalifornien dagegen 80 0/8. In Palästina, wo diesbezügliche Zahlen fehlen, kann die bewässerte Fläche auf etwa I «,0 der Kulturflächen geschätzt werden. In Spanien werden insgesamt etwa 13 Millionen Hektar angebaut, wovon etwa 1,3 Millionen bewässert werden. Dagegen in Kalifornien, das •ג/י der Fläche Spaniens mißt, sind 3 Millionen Hektar unter Kultur, davon werden aber 2,4 Millionen Hektar bewässert. Daraus geht klar hervor, daß die kalifornischen Einwanderer (die ganze Besiedlung Kaliforniens durch Angelsachsen ist etwa 75 Jahre alt, früher trieben dort Spanier in der Hauptsache Viehzucht! zunächst sich auf das Wasser warfen, d. h. die Kultivierung des Bodens unter Bewässerung vor allem bevorzugten. Sie haben die Eigenheit des Klimas richtig erkannt. Die Schlußfolgerung aus dem Vergleich für uns in Palästina ist die, daß wir zwischen der Agrikultur beider Völker ebenso unterscheiden müssen, wie wir zwischen dem Lebens- Standard beider Völker unterscheiden. Der Fellache kann sich, wenigstens vorläufig, noch mit wenigem zufriedengeben. Er darf auch fernerhin den unbewässerten Ackerbau treiben. Der Jude kommt mit höheren Bedürfnissen ins Land und soll nicht durch eine unpassende Wirtschaftsweise zu einer niedrigeren Kulturstufe, als Folge von Mangel und Entbehrung, herabgedrückt werden. Der Jude in Palästina muß ebenso wie der Angelsachse in Kalifornien sich der gesicherten Agrikultur, dem Anbau bewässerten Bodens zuwenden. Zunächst wenigstens. Das Problem unserer Tage muß die Wasserbeschaftung und die Wassererschließung sein. Bei Kolonisierung von Neuland sucht man sich doch erst die besten Stücke aus. Dies ist die Erfahrung der meisten Kolonialvölker. Wir haben aber, — ich wiederhole es: aus *) ״The Escape froni the Impasse.“ Auch als Sonderabdruck 1927, Tei-Awiw, Verlag, des Mis’char w/Tassia erschienen. Unwissenheit und Leichtsinn, gepaart mit einer unangebrachten Ideologie — uns zur Aufgabe gemacht, die schwierigsten und unsichersten Böden anzufassen. Die Bewässerung als Grundlage der Massenkolonisation, diese Forderung wurde niemals ernstlich in Erwägung gezogen. In der ״Kleinsiedlung und Bewässerung“ sagte ich: ״Was ich will, ist nicht eine Kultivierung des bewässerbaren Bodens neben dem un* bewässerbaren, sondern vor ihm.“ Und weiter: die Kultivierung der bewässerbaren Böden darf in Zukunft, soweit cs sich um Bewässerungsanlagen handelt, die von der Gemeinschaft des Volkes — einerlei ob durch den J. N'.-F. oder die jüdische Kolonisationsgesellschaft oder die Regierung selbst — geschaffen werden, nur in der intensiven Weise erfolgen. Solche Böden dürfen in Zukunft nfcht in Parzellen von drei bis vier Hektar zur Anlage von Orangen gärten vergeben werden (und gerade dies schlägt die Anleihekommission vor, wenn auch auf kleineren Parzelien), sondern sie müssen in einem Umfange, der zur Unterhaltung einer Familie ausschließlich unter Anwendung eigener Arbeit erforderlich ist — ich schätzte diesen Umfang damals auf 1/j Hektar — an die Siedler zur Verteilung gelangen.“ Aller bewässerbarer Boden sollte zur Massensiedlung dienen. Dies ist bei weitem billiger und, was die Hauptsache ist, sicherer. Freilich komme» nur Kulturen in Frage, die den Mann sofort ernähren. Daher Gemüsebau, Geflügelzucht und ähnliches in erster Linie, Pflanzungen in zweiter. _ Russell hat es sofort begriffen, und warnt vor dem Getreidebau, den er nur widerwillig als Uebcrgang für recht kurze Zeit zugibt, dem Drängen der gegenwärtig maßgebenden Kreise der Zionistischen Exekutive gewissermaßen naengebend. Er fleht die Juden gleichsam an, hochwertige Erzeugnisse zu produzieren und sie auf den Markt zu bringen, ohne Befiirchtung, sie würden keine Abnehmer finden. Es müssen allerdings auch wirklich hochwertige Produkte sein. Für ihn ist der bewässerte Boden der typische für die Agrikultur der Juden in Palästina. Dem unbewässerten mißt er nur eine untergeordnete Bedeutung bei. Er sagt wörtlich: ״Da es noch unmöglich ist, zu entscheiden, wie weit Bewässerung in Palästina gehen wird, läßt es sich nicht sagen, wie wichtig die verbleibenden nicht bewässerten Flächen letzten Endes sein werden. Gegenwärtig aber spielen sie noch eine große Rolle in der Wirtschaft des Landes.“ Und fordert, genau so, wie ich es seit bald zehn Jahren tue, die Einrichtung eines Wasseramtes, und die Anstellung eines Bewässerungsfachmannes. * Nun w ird man fragen, was soften wir denn mit den unbewässerten Böden machen. Daruf die Antwort: Man schaffe Wasser mit allen möglichen Mitteln, und diese sind den meisten unserer Kolonisatoren gar noch nicht einmal bekannt. Nur kurz aufgezählt: Flüsse, Brunnen, Quellen, Stauung von Wasser. Die ersten sind bei weitem nicht genügend ausgenutzt. Die letztere ist in Palästina noch gänzlich unbekannt. Und doch wird es, wenn auch wenige, enge Täler und Schluchten im Hügelland geben, die man zur Ansammhing des Winterwassers benutzen könnte. Das Wasser kann doch vorteilhaft viele Kilometer lang zur Nutzungsstelle geleitet werden. Was ich Derartiges in Spanien gesehen habe, ist direkt verblüffend. Kleine Wassermengen, aufgestaut, oder aus der Tiefe gehoben, und auf zehn, zwanzig, ja in einem Falle auf achtundsechzig Kilometer Entfernung in gemauerten Kanälen ip .w^s^rarme Gegenden, und njeht etwa als Trinkwagser, sötiäern ^üm Anbau des Bödeps geleitet! Man nutze alle Möglichkeiten aus. Denn Wasser ist in warmen Ländern Goldes wert. Daneben studiere man das Problem der Ausnützung der Trockenböden, denn es ist noch lange nicht genügend erforscht. Freilich läßt sich Feldbau auch in Palästina auf großen Flächen betreiben und kann den Bebauer ernähren. Dazu gehören aber große Flächen billigen, sehr billigen Bodens. Wo der Regenfall ISO bis 450 mm (10 bis 18 Zoll) ist, da ist die extensive Nutzung von, sagen wir, 160 acres (640 Dunam) wie in Kanada, — 320 (1280 Dunam) wären noch besser, sagt Russell, — möglich und kann in guten Jahren auch einen schönen Ueberschuß bringen. Für uns in Palästina kommt dies nicht in Frage. Sollte man auf das Beispiel der deutschen Bauern in Sarona und Wilhelma hinweisen, so haben diese ihren Boden vor vielen Jahrzehnten billigst erworben, ihn mit dem Dünger aus Jaffa und Tcl-Awlw glänzend verbessert und — leben hauptsächlich vom Verkauf von Gemüse und Milch (nicht Weizen) nach Tei-Awiw. Vom Getreidebau gehen auch sie ab. Sie arbeiten hoch intensiv und verkaufen ihren überschüssigen Boden als Bauparzellen an Juden: Tel- Awiw rückt schon an das Dorf Sarona heran. Daß man Methoden zur Ausnutzung der trockenen Böden sucht, ist begreiflich. Aber ich halte dies gegenwärtig für verlorene Mühe. Es sollte sich hier um eine Vorarbeit für die zukünftige Generation handeln. Dagegen müssen eifrigst und schleunigst die bewässerten Kulturen studiert werden. Jetzt ist für eine schleunige Massensiedlung Wasser die Hauptsache. Tempo entscheidet. Es ist schneller und billiger, Bewässerungsmöglichkeiten zu schaffen, als trockenen Boden zu kolonisieren. Da kommt Hermann Hirsch und erfindet ein neues System der Kolonisation auf trockenen Böden: 43 Dunam Boden erhält der Kolonist, treibt darauf feldmäßigen Gemüsebau ohne Bewässerung und erzielt, sage und schreibe, £ 240 Bruttoertrag pro Jahr! Beweisen läßt sich sowas nicht, cs muß geglaubt werden. Suche er sich seine Gläubigen! Aus seiner Schrift ״Gedanken zur zionistischen Kolonisation auf unbewässerten Böden“ geht für mich nur eines War hervor, — daß bewässerbarer Boden gut und sicher ist. Alles andere bleibt Problem und muß studiert werden. * Für 60 000 Familien brauchen wir etwa 600000 Dunam bewässertes Land, das sind etwa 60000 Hektar. Auf S. 30 des ״Reports of the Joint Palestine Survey Commission“ lese ich: ״Die Berichte der Experten zeigen, daß es in den Tälern Palästinas insgesamt 6 700 000 Dunam (1517 000 acres) gibt, von welchen 4 606000 kultivierbar sind; und von diesen sind 4106800 Dunam bewässerbar, wenn Wasser entwickelt werden kan« (if water can be devetoped), 500 000 Dunam sind nicht bewässerbar.“ Sollte es nicht möglich sein, aus den in Frage kommenden Landstrichen nach und nach 600 000 Dunam herauszugreifen, um unseren Bedarf an bewässerbarem Boden für die Ueberführung von 300 000 Menschen aufs Land zu decken. Mit 300000 Köpfen landwirtschaftlicher Bevölkerung haben wir die erforderliche Million gesamter jüdische!■ Bevölkerung im Lande. Diese 600 000 Dunam werden mit Be- Wässerungsanlagen weniger kosten als die übrigen 4 Millionen Dunam. Die Nachrechnung ist nicht schwer. Auch ohne das Gespenst der Dürre, auch schon bei günstigem Regenfall ist die Kolonisation auf trockenem Boden unsicher und kostspielig. Die Lösung des Problems — sicher und rasch und billig — ist Bewässerungskultur. Schaffet Wasser, bringet gesicherten Wohlstand den Finwaiiderern und erlanget 50 die Mehrheit im Lande! Ans dem Landesverband Für den 4. November hat der Präsident des Rates des Preußischen Landesverbandes den Großen Rat einberufen. Von den auf der Tagesordnung stehenden wichtigsten Punkten ist insbesondere die Frage des Beitritts zur Reichs- Organisation, dessen Statut in den Beratungen in Ntirnberg und Köln fertiggestellt wurde, zu erwähnen. Ferner soll über die Einberufung des Verbandstages ein Beschluß gefaßt werden, um es zu ermöglichen, daß die am 31. Dezember 1928 endende Legislaturperiode bis zum September 1929 verlängert werden kann. Wichtig sind ferner diejenigen Punkte der Tagesordnung, die Beschlüsse der Reichsarbeitsgemeinschaft betreffen. Es handelt sich dabei um die Subventionierung der Lehrer - und Rabbiner-Ausbildungsanstalten, der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, um die Herausgabe einer Zeitschrift für die Geschichte der Juden In Deutschland. Ferner soll die Einberufung einer Konferenz sämtlicher zentralen jüdischen Organisationen zum Zwecke der Bekämpfung der Mischehen beraten und die Beitragsleistung für die Siedlungsaktion des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten fixiert werden. Daneben enthält die Tagesordnung eine große Anzahl von technischen und mit der laufenden Verwaltung zusammenhängenden Angelegenheiten. Ansbau der ״Jüdischen Kinderhille“ Berlin, Auguststr. 14/15. In noch stärkerem Maße als dem leidenden erwachsene* jüdischen Menschen muß die Hilfe der Allgemeinheit dem jüdischen Kinde zugewendet werden. Diesen Verpflichtungen ist die ״Jüdische Kinderhilfe“ seit den acht Jahren ihres Be- Stehens bestrebt, nachzukommen, indem sie die Faktoren, die den Typ des jüdischen Kindes entstehen ließen, Wissenschaftlieh und praktisch erforscht und vor allem in jeder Weise die schädlichen Einflüsse von dem Kinde fernzuhalten sucht. Eine ihrer Hauptaufgaben gilt daher der Bekämpfung und Beseitigung von Krankheiten des jüdischen Kindes, insbesondere des Kindes mittelloser Eltern. Daher ist es leb- Haft zu begrüßen, daß sich die ״Kinderhilfe“ entwickelt und jetzt einen Ausbau erfahren hat. Im Beisein der Vertreter von staatlichen und städtischen Behörden, von jüd. Organisationen und vieler privater Freunde konnten dieser Tage die neuen Räume des Ambulatoriums feierlich der Oeffentlichkeit übergeben werden. Die freundliehen, hellen Räume wurden in dankenswerter Weise von der Jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellt, die Eintichtung von Wohlfahrtssteilen und Privaten gespendet. Drei Aerztezimmer für allgemeine zahn-, hals- und augenärztlich« Behandlung eine gut ausgestattete und ganz neu eingerichtete orthopädische Abteilung, ein Saal für nohensonnenbehandlung und Röntgendiagnostik wurden hier für die kleinen kranken Gäste eingerichtet, um die Grundlage für ein körperliches und seelisches Gedeihen der sich entwickelnden Menschenkinder zu legen. Die zur Eröffnung der neuen Räume Geladenen wurden von Vertretern des Vorstandes der ״Jüdischen Kinderhilfe“ begrüßt und in die Art der hier ausgeübten Hilfsarbejt eingeführt. Herr Eskeles gedachte dankbar der Stellen, mit deren Unterstützung die ״Kinderhilfe“ arbeitet und der in diesem Jahre verstorbenen Führerin und Mitarbeiterin Henriette May. Rabbiner Dr. Baeck fand zu Herzen gehende Glückwünsch- und Dankesworte. Hierauf berichteten Prof. GISSn er, der Leiter der neugegründeten orthopädischen Abteilung, Frl. Neufeld und Herr Dr. Stahl, Leiter der Poliklinik, über die Entstehung und Entwicklung der Kinder* hl1fe“ aus der zur Zeit der Pogrome und des schlimmsten Wohnungs- und Nahrungselends gegründeten ״Hilfe für das jüdische Kind“, die am 1. Oktober 1920 mit drei Patienten begann, während die ״Kinderhilfe“ heute allein in der inneren Sprechstunde 8000 Patienten jährlich aufzuweisen hat. R. L, Zioiistlsche Grnppenverbäode ünksrhelnland md Reehtsrheinland/Westialen. Am Sonntag, dem 11. November, findet in Düsseldorf, im großen Saal des Wilhelm-Marx- Hauses, Hindepburgwall, ein gemeinsamer Gruppen• verbandstag der beiden Gruppenverbände statt. -— Tages- Ordnung: Vormittags 10*4 Uhr: Eröffnung der Tagung; Referat Dr. Kanowitz: ״Wie werbe ich neue Zionisten?״; Aussprache; 1 Uhr: Schluß der Vormittagssitzung; 2—3*4Uhr: Gesonderte Besprechungen der Gruppenverbände; 31/2—5 Uhr: Fortsetzung der Aussprache; Keren Kajemeth, Referenten: Adolf Po Flak (Berlin) und Paul Kaufmann (Köln); Ausspräche; 7 Uhr: Schluß der Tagung. Zionistischer Groppcnverband Obersehiesien Sonntag, den 28. Oktober, fand in Beuthen (O.-S.) eine Tagung des Gruppenverbandes Oberschlesien statt. Die beiden Referate waren diesmal den Fragen der Galuth-Arbeit gewidmet, in der Vormittagssitzung referierte Herr Arnold Wiener, Beuthen (O.-S.), im Anschluß an einige geschäfiliehe Mitteilungen des Vorsitzenden, Dr. Weißmann, über aktuelle Fragen der Oemeindearbeit. Das Ergebnis der darauf folgenden lebhaften Aussprache, in welcher allgemein die Notwendigkeit einer verstärkten zionistischen Gemeindearbeit betont wurde, war die Annahme einer Resolution, in welcher die sofortige Einführung eines allgemeinen demokratischen Wahlrechts auf der Grundlage des Proportional- Wahlsystems in den jüdischen Gemeinden Oberschlesiens gefordert wird, wobei mit Bedauern festgestellt wurde, daß im Gegensatz zu anderen jüdischen Gemeinden Preußens die Einführung eines gerechten Wahlsystems bisher unterblieben ist. — Im Mittelpunkt der Nachmittagssitzung stand das Referat von Dr. Max Mayer, Berlin, über Kulturarbeit in den Ortsgruppen. Die von tiefer Sachkunde getragenen Ausführungen des Referenten fesselten die Zuhörer um so mehr, als es das erste Mal war, daß die Kulturarbeit auf einer derartigen Tagung den eigentlichen Verhandlungswegenstand bildete. Auch die Diskussion, an welcher sich die Herren Dr. Deutschraann, Wiener, Dr. Frankel, Koralnik und Frau Dr. Golinski beteiligten, stand auf beachtlicher Höbe und es ist zu erwarten, daß die im Schlußwort noch besonders wirksam ergänzten Ausführungen von Herrn Dr. Mayer über ihre unmittelbare Wirkung hinaus nicht ohne dauernden Einfluß auf die Arbeit in den einzelnen Ortsgruppen sein werden. Für die zweite Hälfte des Winters wurde die Veranstaltung einer Kulturwoche in Obersehiesien mit Herrn Dr. Mayer in Aussicht genommen. — Die Tagung war gut besucht und bedeutet alles in allem genommen einen guten Auftakt zur Winterarbeit. Es zeigte sich, daß über den Kreis der rein politischen Erörterungen hinaus gerade für die Behandlung kultureller Fragen von zionistischer Warte ans lebhaftes Interesse vorhanden ist. Im Alter von 95 Jahren verstarb Frau Rachel Lea Gissin, die zu den Gründern der jüdischen Kolonie RgUch Tikwah gehört hat.

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