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Jüdische Rundschau · 1928-11-02 · Heft 87-88 (2.11.1928) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 87-88 (2.11.1928)
Date
1928-11-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 612 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 87/88, 2. XI. 1928 lang einen Vortrag über den Unterschied zwischen Keren ' Hajessod und Keren Kajcmeth halten. Hier in der kleinen Ortsgruppe bzw. in der kleinen Gemeinde sind es immer dieselben Menschen, die opferbereit sind. Hinzu kommt, daß der Fordernde fast stets dieselbe Persönlichkeit ist Nirgends wie in einer kleinen Gemeinde bzw. Ortsgruppe spielt die Persönlichkeit eine so wesentliche Rolle. Die zionistische Persönlichkeit ist es, wir können und müssen es bedauern, nicht immer die Sache, der Geld gegeben wird; sie ist es auch, die die Menschen unserer Gedankenwelt uns nahebringt . Die Anzahl der Verantwortlichen in einer kleinen Ortsgruppe ist sehr gering, desto größer die Verantwortlichkeit des Einzelnen. Die geringste Taktlosigkeit, besonders auch in religiös-traditioneller Beziehung, das möchte ich hier unterstreichen, hat unserer Sache schon manchen recht beträchtlichen Schaden zugefügt. Nicht nur innerhalb der eigenen Gemeinde, sondern auch darüber hinaus. Wir müssen daran denken, daß die verantwortlichen Zionisten gerade in der letzten Zeit auch in den Logen, in den Gemeindestuben und in den Provinzialverbänden der Gemeinden leitende Stellen bekleiden und so ihr Wirkungskreis sich manchmal über die ganze Provinz erstreckt. Eng mit dem Problem der zionistischen Persönlichkeit hängt auch die Jugendarbeit zusammen. Die Jugend will nicht belehrt, sondern geführt werden. Und zwar muß dies im Sinne einer Hachscharah für Erez-Israel geschehen. Allerdings hat das Versagen der Jugendarbeit in den kleineren Gemeinden, besonders in Ostpreußen, noch andere Gründe. Der junge, strebsame, intelligente Kaufmann, der Student, hält sich hier nur kurze Zeit auf, und so fehlt das Bindeglied zwischen den ganz Jungen und der älteren Generation. Die Jugendfrage hängt mit der Zukunft der kleinen Ortsruppe zusammen und diese wiederum mit dem Schicksal er kleinen Gemeinde überhaupt. Nach dem, was die letzten Jahre, besonders hier an der Peripherie des Reiches uns gelehrt haben, kann man ihrem weiteren Ergehen nicht ganz ohne Sorge entgegensehen. Der Optimismus jedoch, der der zionistischen als einer revolutionären Weltanschauung eingeboren ist, muß die Träger derselben, und sei es auch unter den kleinlichsten und schwersten Verhältnissen, befähigen, allen äußeren Hindernissen zum Trotz, Arbeit zu leisten, wenn sie auch klein und unansehnlich erscheinen mag, gemessen an unserer weitumspannenden Bewegung. Denn: Kleines kann Großes erzeugen. Chaluzarbeii Von Dr. Wolf he im, Erfurt. Zionistische Galutharbeit und Propaganda — das haben die Zeiten des Aufschwungs und Niedergangs in Palästina erwiesen — werden unfruchtbar und am Ende immöglich, wenn wir sie nicht Tag für Tag mit Erez-Israel verknüpfen. Schon aus diesem Grunde sollte jede Ortsgruppe, an deren Ort oder in deren Umgebung gute Möglichkeiten zu landwirtschaftlicher, gärtnerischer oder handwerklicher Hachscharah bestehen, sich ein Chaluzzentrum schaffen. Ihre Arbeit wird in jeder Beziehung gefördert, wenn in ihrem Mittelpunkt eine solche Gruppe jugendlicher, opferbereiter Menschen steht. Sind aber Erkenntnis und Wille da, so findet sich leicht der Weg. Jeder von uns kann seine persönlichen Beziehungen zu Landwirten, Gärtnern und Handwerkern ausnutzen, um durch persönliche Fürsprache eine Arbeitsstelle freizumachen, und fast immer, wenn ein Chaluz seinen Arbeitgeber verlassen muß, wird wieder ein ״Jude“ verlangt, weil die zielbewußte, intelligentere Arbeit unserer stets ״nüchternen“ Chaluzim sich durchgesetzt hat. Noch leichter aber ist es, bei Zionisten und — Nichtzionisten die nötigen Mittel dafür aufzubringen. Denn so eine gut geleitete und blühende Gruppe wirkt durch sich selbst, besser als Aufklärungsvorträge una Filmvorstellungen. Ziehen unsere stämmigen, von der Arbeit gebräunten Jungen und Mädel am Schabbath oder an einem unserer Feiertage durch die Straßen der Stadt, dann freuen sich alle Juden, mögen sie auch sonst vom Zionismus nichts wissen wollen. Denn für ״Berufsumschichtung und Produktivierung“ sind sie — in der Theorie — allesamt he* geistert, wenn es nur nicht gerade ihre Kinder sind, die mit so verrückten Sachen Ernst machen wollen. Darum ist es dann unverhältnismäßig leicht, die für die Unterhaltung einer Chaluzgruppe notwendigen Gelder gerade auch bei Nichtzionisten aufzubringen. Jedenfalls ist es uns gelungen, zur Zeit der größten Blüte unseres Hachscharah-Zentrums, als 25 Jungen und Mädel hier ihre Ausbildung suchten, monatlich 450 M. ein ganzes Jahr lang regelmäßig zu beschaffen, wovon etwa 250 bis 300 M. von Nichtzionisten kamen, 50 M. davon von der Loge. Durch Berichte über die Verwendung der Gelder, durch Beantwortung der häufigen Nachfragen nach dem Ergehen der von hier fortgegangenen und heute schon zu einem Teil nach Palästina übergesiedelten Chaluzim bleibt das Interesse unserer Zionisten, vor allem aber auch der dadurch interessierten Nichtzionisten dauernd rege. Als wir wegen der Sperrung der Alijah und des damit sich verringernden Nachströmens neuer Chaluzim in die Ausbildur.gs- Zentren allmählich immer weniger Geld brauchten und deshalb auf die Hilfe der Nichtzionisten verzichten konnten, haben wir oft gemerkt, w i e gern gerade für diese Zwecke das Geld gegeben worden war. Das Wichtigste aber ist — neben dieser ausgezeichneten Wirkung nach außen — der außerordentlich belebende Einfluß auf die Ortsgruppe selbst. Erstens sichert sie sich in der Person des ״Tarbuthnik“, der die hebräische und Bildungsarbeit der Gruppe leitet, einen tüchtigen hebräischen Lehrer, den sie sich oft sonst finanziell nicht leisten und den sie nicht genügend beschäftigen könnte. Weiter wirkt das Beispiel der Gruppe besonders auf die Jugend, die dort Anlehnung und Verständnis findet und dafür mit hundert kleinen Liebesdiensten dankt, die sie unbewußt zum Oedanketi gegenseitiger Hilfe und Opferfähigkeit erziehen. Auch wird sie so ganz unmerklich durch Jugendabende int Chaluzheim, durch die Mitarbeit einzelner, für die Jugendarbeit interessierter Chaluzim in den Jugendgruppen, durch das Lernen hebräischer Lieder u. a. m. zu wirklichen Zionisten erzogen. So befruchten sich Ortsgruppe und Chaluzim gegenseitig: wir geben ihnen die notwendige materielle Sicherheit, daß sie unbekümmert lim Geldsorgen ihrer beruflichen und geistigen Vorbereitung für Palästina leben können, und bekommen dafür im Chaluzheim zugleich ein Heim für unsere Jugendarbeit, und in den Chaluzim ein lebendiges Vorbild für unsere Jugend, und ein ausgezeichnetes Propaganda mittel für die jüdische und — christliche Umwelt. Und das Beste zuletzt — aus den freundschaftlichen Beziehungen, die uns mit ״unseren“ Chaluzim verknüpfen, auch dann, wenn sie uns längst verlassen haben, und im Lande der Väter seßhaft geworden sind, mit den Briefen von uns und zu uns schaffen wir Ströme befruchtenden Lebens, die uns mit Palästina und Palästina mit uns verbinden. Keren Kajemeih Von Dr. Ernst Mechner. י Die Ortsgruppe beginnt heute wieder langsam die eigentliche Bedeutung des K. K. L. zu verstehen. Seit der Zeit, als der jüngere Bruder des Nationalfonds, der Keren Hajessod, über Nacht sozusagen der Fami';ienerha!ter geworden war, hatte man alles Interesse den neuen Methoden zugewendet, den Nationalfonds aber begnügte man sich gerade nur zu konservieren, als ein harmloses Erbstück des Vorkriegs- Zionismus, mit ein wenig Rührung und ein wenig Gering- Schätzung, wie eben eine von den unbeholfenen Künsten unserer Jugend. Seit kurzem aber wird der K. K. L. nicht mehr so bagatellisiert; und ganz zuletzt hat der Streit um den Bericht der Joint Survey Commission die Zionisten erinnert, daß sich im K. K. L. eine von den sittlichen Grundideen des Aufbauwerks verkörpert und daß in einem Zeitpunkt, in dem alles von der Aktivierung der bisherigen und der Gewinnung neuer Kreise abhängt, K. K. L.-Arbeit eine Betätigung von entscheidender Wichtigkeit ist. Richtige K. K. L.-Arbeit ist nicht bloße Sammeltätigkeit, sondern ein Teil des zionistischen Erziehungswerkes. Richtige Arbeit neben dem Keren Hajessod ist nicht nur nicht schädlich, sondern überall nützlich und in weiten Kreisen unentbehrlich. Tausendmal eine Mark sind nicht weniger als einmal tausend Mark, ja gerade tausendmal so viel (die Gewinnung von tausend Spendern durch ebensoviele Sammler, richtig beurteilt). Die Aktionen zur Leerung der Büchsen, viermal zwanzigtausend Besuche im Jahre, sind noch immer die zahlenmäßig größte zionistische Leistung in Deutschland. Freiwillige Mitarbeit in einem Ausmaß, wie etwa bei der letzten so gelungenen Neujahrs -Aktion wiegt ungeheuer in unserer moralischen Bilanz; und schließlich muß die Tatsache, daß die Eingänge aus der Gelegenheits-Spende 36 «0 der Gesamteinnahmen ausmachen (neben 32 0/0 aus Büchsen und 29 0/0 aus Aktionen), als Erfolg einer langjährigen Erziehung zum Gefühl der persönliehen Verbundenheit des Zionisten mit Palästina in ihrer ganzen Bedeutung verstanden werden. ״Mehr werben und besser werben“ — diese neue Leitlinie unserer Arbeit kann die Ortsgruppe im K. K. L. verwirkliehen wie auf keinem anderen Tätigkeitsgebiet. Das Problem der Arbeitslosigkeit in Palästina ist halbwegs gelöst, räumen wir auch mit aer vorgeblichen Arbeitslosigkeit der Zionisten auf. Vollwertig ist nicht nur der Zionismus, der in geistiger Ueberspitzung des Einzelnen brilliert; auch Kannegießerei imponiert nicht mehr; daß es keinen Ort gibt, in dem der Boden nicht ״besonders steinig“, keine Gruppe, in der ״eben die zionistische Erziehung noch nicht so weit“ wäre, suhreckt niemanden mehr. Zionismus ist seinem Wesen nach Mut zur Weite, seiner Methode nach Bewältigung der Nähe. K. K. L.- Arbeit ist heute eine seiner Erfahrungswisscnschaften, auf lebendiger Verknüpfung und Kenntnis von Erez-Israel fußend, um Verständnis für die Eigenart der Massenpropaganda durch Kleinarbeit und Fortentwicklung ihrer Technik bemüht, ein Instrument der Expansion wie kein anderes. Diese Arbeit kann jeder Zionist machen; die einfallsreichsten, agilsten, emsigsten zu einer aktiven Kommission zusammengeschlossen, werden ein Organ der Ortsgruppe sein, dessen Bedeutung sich nicht nur in K. K. L.-Ziffem, sondern in einer Intensivierung des ganzen zionistischen Lebens zeigen wird. Ueber die hundert praktischen Möglichkeiten kann hier aus Raummangel nicht gesprochen werden. Hoffentlich wird die Ortsgruppentagung Gelegenheit geben, ausführlich die konkreten Chancen zu besprechen, welche die Erweiterung und Verbesserung der K. K. L.-Arbeit dem ganzen zionistischen Leben bietet. Die Arbeit in den Kurorten Von Dr. med. Kohner (Karlsbad). Es ist nicht möglich, über die Arbeit in den Kurorten ein einheitliches Schema aufzustellen, weil sowohl nach Größe als auch nach Charakter des Kurortes die Forderungen, welche an die zionistischen Arbeiter gestellt werden, andere sind. Die Winterarbeit in den Kurorten gleicht im großen und ganzen der Arbeit einer Provinzortsgruppe, mit dem unterschiede vielleicht, daß der Gesichtskreis der Angehörigen der Ortsgruppe durch die während des Sommers stattfindende Kenntnisnahme weiterer Möglichkeiten und erweiterter zionistischer Betrachtung weiter und umfassender ist. Immerhin wird in gewisser Beziehung auch die Winterarbeit der Ortsgruppe dahin tendieren müssen, der Problematik des Zionismus, der Zionistischen Organisation und den politischen Verhältnissen ein besonderes Augenmerk zuzuwenden, damit die Mitglieder dieser Ortsgruppe in der Lage sind, während der Sommersitzungen in einer gewissen Weise führend und bestimmend wirken zu können. In internationalen Kurorten, wie es Karlsbad zum Beispiel ist, ist nun die Möglichkeit gegeben, durch regelmäßige Zusammenkünfte während der Kursaison nicht nur ein großes und interessiertes Publikum zusammenzuführen, sondern diesem Publikum auch in gewisser Beziehung einen Weg zu zeigen, der für die Weiterarbeit in der Heimat dieser einzelnen Personen sowohl als auch für die zionistische Entwicklung überhaupt von gewissem Werte sein kann. Ich glaube also, daß die Arbeit in den Ortsgruppen der Kurorte eine bedeutungsvolle und verantwortungsvolle ist. Was nun die Sommerarbeit als solche anbelangt, so bildet das Rückgrat derselben die Veranstaltung regelmäßiger Zusammenkünfte, die mindestens einmal in der Woche in einem geeigneten, möglichst Im Zentrum des Kurlebens gelegenen, rituell geführten Lokale stattfinden sollen. Der Charakter dieser Veranstaltungen soll darauf Rücksicht nehmen, daß Kurgäste, Leidende oder erholungsbedürftige Personen, nicht nur körperlieh, sondern auch geistig eine gewisse Diät erhalten sollen. Aus den Themen, welche bei diesen Zusammenkünften^ besprechen werden sollen, sollen vor allem die ausscheiden, welche geeignet sind, Beunruhigung und allzu tief gehende Meinungsverschiedenheiten hervorzurufen. Selbstverständlich gehören Angelegenheiten lokalen Charakters nur insoweit in das Programm dieser Zusammenkünfte, als ihre Nutzanwendung für die Allgemeinheit offensichtlich ist. Ebenso müssen sich die Veranstaltungen freihalten von jeder Langeweile, weswegen rein wissenschaftliche, die Aufmerksamkeit und den Geist der Zuhörer allzu stark in Anspruch nehmende Themen auseschaltet werden sollen. Dagegen hat die Besprechung akueller Themen den Vorteil, daß sich eine große Reihe von Gesinnungsgenossen an der Diskussion beteiligen können und daß es möglich ist, durch geschickte Führung dieser Abende allen Zuhörern Gelegenheit zur eigenen Meinungsbildung zu geben. Es hat sich als besonders vorteilhaft herausgestellt, die Referenten an den einzelnen Abenden aus den Kreisen der Kurgäste selbst zu wählen, wobei ich es jedoch für unvorteilhaft halte, nur darauf zu sehen, daß nur Träger berühmter Namen zu Worte kommen. Daß bei diesen Vorträgen eine gewisse Kürze und eine energische, wenn auch taktvolle Führung der Diskussion notwendig sind, ist um so wichtiger, weil nichts mehr zu vermeiden ist als auch nur der Anschein einer gewissen Bevorzugung bzw. Zurücksetzung einzelner Redner. Besonders für Sommerzusammenkünfte geeignet erscheint mir die Abhaltung einer sogenannten ״gesprochenen Zeitung“, die darin besteht, daß eine ganze Reihe von Referenten für ganz kurze Berichte über verschiedene Themen gewonnen werden, welche ihre Ansprachen in der Form eines Zeitungsartikeis, Feuilletons usw. halten. Dabei ist auch Gelegenheit, eine große Reihe von ״Notizen“ über Aktualia, Keren Hajessod, Keren Kajemeth, Palästinaarbeit, einiges Zahlenmaterial und schließlich und endlich auch gesprochene Annoncen zu bringen, die natürlich bezahlt werden müssen. Daraus ergibt sich eine Einnahmequelle für die Ortsgruppe selbst, bzw. für den Nationalfonds. Humoristische Einlagen tragen außerordentlich zur Belebung des Abends bei, der auf diese Weise amüsant und lehrreich zu gleicher Zeit wirken kann. Was die bei den Zusammenkünften besprochenen großen Themen anbclangt, so darf nie vergessen werden, daß eine Zusammenkunft von Zionisten aus allen Ländern die einzigartige Möglichkeit bietet, meinungs- und willensbildend auf ein intemationales Publikum zu wirken. Neben diesen Zusammenkünften bietet sich in Kurorten auch die Möglichkeit des geselligen Zusammen- Schlusses, der persönlichen Berührung unter den Gesinnungsgenossen, eine Möglichkeit allerdings, auf die die Ortsgruppenmitgiieder selbst nur initiativ einwirken können; Früh- Stücks- und Jausentische in verschiedenen Etablissements, kleinere Tanzabende, in kleinen Kurorten auch vielleicht gemeinsame Ausflüge. Daneben kommen besonders für große Kurorte als wichtige Betätigungsgebiete die Veranstaltungen von großen Meetings in Betracht, bei denen eine Reihe von Rednern, Träger möglichst berühmter Namen zu Worte kommen sollen, die erfahrungsgemäß sich als außerordentlieh wirksam herausgesfellt haben. Auch die Themen dieser Meetings müssen sorgfältig gewählt werden, da sie zugkräftig, jedoch nach keiner Seite hin anstoßerregend sein müssen. Daß der Nationalfonds in den Kurorten durch Veranstaltung von Blumentagen, Tombolas, Gartenfesten u. ä. große Möglichkeiten hat, ist selbstverständlich. Zur Aufgäbe des Nationalfonds gehört auch die Veranstaltung einer großangelegten Herzlfeier, die erfahrungsgemäß stets sehr stark besucht ist. Ich glaube gezeigt zu haben, daß die zionistische Arbeit in den Kurorten ganz außerordentliche Möglichk e i t e n bietet, und ich würde es für angezeigt halten, daß die Kurortearbeit als besonders wichtig und besonders dankbar mit in das Zentrum unserer organisatorischen und propagatorischen Betrachtungen gerückt wird. Dazu dürfte es notwendig sein, daß auf dem Wege der Zeitungen alle Gesinnungsgenossen darauf aufmerksam gemacht werden, sieh an den Zusammenkünften in den Kurorten zu beteiligen, um auf diese Weise dem Gedanken der Zusammengehörigkeit und des Zusammenwirkens der Zionisten über die Grenzen von Ländern und Erdteilen hinweg zum Siege zu verhelfen. Die internationalen Kurorte besonders können jedes Jahr eine ganze Reihe von kleinen Kongressen veranstalten mit allen Vorteilen, jedoch ohne alle Nachteile dieser Kongresse. Jüdischer Geist ohne jüdisches Volk? Von Dr. Moritz Bileski*). Die Auseinandersetzung mit dem zionistischen Problem, die seit einiger Zeit in der ״C.-V.-Zeitung“ von Dr. Holländer — zuletzt in einem größeren Aufsatz ״Saturiertheit und Revolution“ — geführt wird, zeigt aufs neue die Tiefe der Kluft, welche die Anschauung des Zionismus von den Ansichten des im C.-V. organisierten Judentums trennt. Das ist das Ergebnis, das im Interesse der von Holländer versuchten ״wirklichen Klärung“ festgestellt werden muß. Für den Zionismus ist irgendein Ausgleich mit den von ihm vorgetragenen Meinungen unmöglich; ihnen gegenüber kann es noch immer nur eine Aufgabe geben; das Judentum zur *) Dieser bereits seit längerer Zeit gesetzte Beitrag erscheint leider aus Raummangel etwas verspätet. Prüfung dieser Ansichten und zur Wahl zwischen ihnen und dem Zionismus aufzurufen. Holländer sucht den alten Gegensatz, mit dessen Schwere seit jeher die nationale Auffassung des Judentums auf die antinationale aufgeprallt ist, zu mildern. Er konstatiert, daß der Begriff des Zionismus (und auch der des C.-V.) einem ״steten Wandel unterworfen“, daß insbesondere der Begriff ״jüdisch-national“ und ״Zionist“ nicht mehr eindeutig sei. Der Wandel bestehe vor allem darin, daß der ״soviel Unheil anrichtende Volksbegriff bei dem heutigen Geschlecht einer gewissen charakteristischen Abmilderung unterworfen“ sei. Holländer verweist auf zionistische Stimmen, die diesen Begriff als vieldeutig und dem Wesen des Judentums nicht voll entsprechend bezeichneten, und erinnert dabei durch die Erwähnung der ״Verkennung Wissenschaftlieher Grundbegriffe“ an seine früheren Versuche, den Zionisten durch Verweisung auf die Wissenschaft von der Nation klarzumachen, daß sie den Volksbegriff auf das Judentum nicht anwenden dürften. Dieser Versuch, den Volksbcgriff aus der Diskussion über das Wesen des Judentums zu eliminieren oder seine Bedeutung wenigstens abzumildern, kann nicht gelingen. Der Zionismus erkennt heute wie immer, daß das Judentum eine nationale Gemeinschaft ist. Es ist nicht richtig, daß die Ergebnisse der Wissenschaft von der Nation diese Anschauung wankend machen könnten, die Wissenschaft bestätigt vielmehr die zionistische Erkenntnis. Im Rahmen eines Aufsatzes ist es unmöglich, die verschiedenen Lehrmeinungen vom Wesen der Nation durchzugehen und mit dem Wesen des Judentums zu vergleichen. Wenn man aber summierend das Ergebnis einer solchen Arbeit vorwegnimmt, so ist festzustellen: die verschiedenen wissenschaftlichen Betrachtungen über das Wesen der Nation unterscheiden sich als Spielarten eines Begriffs. Ungeachtet der Betonung, die in der einen Definition der einen, in der anderen einer anderen Eigenschaft beigelegt wird, hat sich eine immer größere Klarheit und Einheitlichkeit in der Auffassung vom Wesen der Nation (oder des Volks,

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