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Jüdische Rundschau · 1928-11-02 · Heft 87-88 (2.11.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 87-88 (2.11.1928)
Date
1928-11-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 87/88, 2. XI 1928 JUEDISCH E RUNDSCHAU Seite Oll ganz brauchbares Mittel durchgesetzt, den Wettbewerb der Bünde für eine Erhöhung der Helferziffcrn auszunutzen. Das wichtigste Gebiet, bei dem sich Jugend- und Ortsgryppenarbeit trifft, ist die Kulturarbeit, ln dieser Hinsicht hat ja in den meisten Ortsgruppen im Laufe des letzten Jahres eine stärkere Behandlung von Kulturthcmen und im Zusammenhang damit eine stärkere Beteiligung der Jugend an diesen Veranstaltungen eingesetzt, so daß alle Ausführungen darüber etwas post fcstum kommen. Deshalb hier nur ■wenige Sätze, die sich auf den Zusammenhang mit der Jugendarbeit beziehen. Was bisher stückweise, durch gelegentliche Kulturwochen oder ähnliche Veranstaltungen, mit Erfolg durchgeführt wurde, muß endlich in der Gesamtanlage des Ortsgruppenprogramms seine Berücksichtigung finden: Das Publikum in unseren Veranstaltungen hat sich geändert; die regulären Mitgliedervcr- Sammlungen — die Vorträge mit auswärtigen Propagandarednern bleiben hier natürlich außer Betracht — werden entweder gar nicht oder von der Jugend besucht; diese hat deshalb auch den Anspruch darauf, daß das Programm der Innenarbeit ihren Bedürfnissen angepaßt wird. In Hamburg sind in diesem Winter, außer den wiederum stattfindenden Kulturwochen, drei Reihen von Jugendvorträgen zu je fünf bis acht Abenden in Aussicht genommen, und zwar über ״Zionistische Grundfragen“ (veranstaltet vom K. J. V.), ״Zionismus und Sozialismus“ (veranstaltet vom J. J. W. B.) sowie ״Zionismus und gesetzestreues Judentum“ (veranstaltet von den Zeire Misrachi). Die erste Vortragsreihe soll einer auch bei den Aclteren immer wieder notwendigen Prüfung der lebensanschaulichen Grundlagen des Zionismus dienen, die zweite wird die spezifische Eigenart eines zionistischen Sozialismus zum Gegenstand haben, und in der dritten soll die Lehre in ihrem Werden und ihrer Bedeutung gewürdigt werden. Alle diese Vorträge stehen der gesamten Jugend und auch den interessierten Aetteren offen. Die einheitliche Planung und Veranstaltung dieser Vorträge durch die Ortsgruppe dient der dringend notwendigen Rationalisierung der Bildungsarbeit in den Bünden; bei der bisherigen Methode getrennter Arbeit wurden oft genug dieselben Themen mit unzureichenden Kräften bei ungenügender Beteiligung gleichzeitig behandelt, was alles nunmehr vermieden wird. Eins der wichtigsten, ja ein unentbehrliches Instrument der Kulturarbeit für die Ortsgruppe ist die 11 e b r ä i s c h e S p r a c hschule. Wo die administrative Verantwortung von der Ortsgruppe an die Gemeinde übergeben ist — und dieser Schritt sollte überall mit Rücksicht auf unsere Jugend, die dort lernen soll, dreimal überlegt werden —, müssen wir wenigstens so viel Einfluß behalfen, daß die Besetzung der Lehrersteilen mit aktiven Zionisten sichergestellt ist. Nur dann kann das kulturelle Leben der Ortsgruppe einen Nutzen haben von den Fortschritten in der Sprachschule, und nur dann hat auch die zionistische Forderung der Erlernung des Hebräischen die unentbehrliche persönliehe Note. Durch eine derartige Umgestaltung ihres Programms wird die Ortsgruppe für die zionistische Jugend wieder mehr Bedeutung gewinnen. Sie hat die Aufgabe, der zionistischen Jugend die Einheit des Zionismus zu zeigen gegenüber den bisher überwiegend empfundenen innerzionistischen Parteigegensätzen. Daß die nationaljüdische Jugend als Einheit in Erscheinung tritt, ist Aufgabe der von der Ortsgruppe zu veranstaltenden nationaljüdischen Jugendtreffen; cs muß ferner das Bestreben der Ortsgruppe sein, die Träger der Jugendarbeit in den verschiedenen Bünden in einem Kreise zu vereinen, der nicht nur die gemeinsame zionistische Jugendarbeit nach außen, sei es Tätigkeit für die Fonds oder Werbung von Menschen, leitet, sondern vielleicht auch zu einer Besprechung gemeinsamer zionistischer Erziehungsfragen kommt. Daß die zionistische Jugend der verschiedenen Richtungen zum Bewußtsein ihrer Einheit kommt, ist heute besonders notwendig, wo sich die gesamte jüdische Jugend allenthalben in den Landesausschüssen konstituiert. So wünschenswert die darin sich ausdrückende Tendenz zur Ucberwindung übertriebener Parteiung an sich ist, so wichtig ist es vom zionistisehen Standpunkt, daß innerhalb dieser Organisation eine sich den andern gegenüber als Einheit fühlende zionistische Jugend, nicht nur einzelne zionistische Jugendorganisationen, vorhanden ist. Es stimmt in dieser Hinsicht bedenklich, daß an manchen Orten zwar große jüdische Jugendtreffen, nicht aber Tagungen der nationaljüdischen Bünde stattgefunden haben. Und daß diese gefehlt haben, ist eine Unterlassungssünde der Ortsgruppe. Noch brennender ist das Generationenproblem heute — dies sei zum Schluß bemerkt — allenthalben bei der Jüdischen Volkspartei. Auch von der zionistischen Jugend werden heute die erwähnten Landesausschüsse als ihre ausschließliche Interessenvertretung gegenüber der Gemeinde empfunden. Es ist demgegenüber Aufgabe der Ortsgruppe, als unentbehrliches Zwischenglied den direkten Zusammenhang zwischen Volkspartei und zionistischer Jagend sicherzustellen, da für die zionistische Gemeindearbeit der Verlust der Fühlung mit der Jugend besonders verhängnisvoll wäre. Gelingt es uns nicht, das Generationenproblem zu überwinden, so ist zunehmende Verödung der Ortsgruppen die unausbleibliche Folge: die Jugend greift zur Selbsthilfe; die Bildungsarbeit, die im Rahmen der Ortsgruppe vor sich gehen sollte, geschieht nunmehr außerhalb, ohne das Leben der Ortsgruppe zu bereichern; die Mitgliederzahl bleibt stabil oder nimmt ab, denn dem natürlichen Abgang an Mitgliedern steht kein regelmäßiger Zuwachs aus den Jugendorganisationen gegenüber; die Folge muß ein langsamer aber unausbleiblicher Rückgang der Zionistischen Organisation sein. Vor dem Kriege war die entschlossene Hinwendung zur Jugendarbeit unser Vor- Sprung im deutschen Judentum; achten wir darauf, daß dieser Vorsprung nicht verloren geht. Ueber die Belebung der Ortsgrappen-Arbeii Von Georg Landauer. Es sei vorausgesetzt, daß es an Programmen für die Ortsgruppenarbeit keineswegs fehlt: es gibt Propaganda, Kulturarbeit, Jugend und Hechaluz, Alijah, Keren Hajessod, Keren Kajemeth, Touristik, Presse, Gemeinde, Schekel usw., schließlieh soll auch der Gruppenverband von den Ortsgruppen bedient werden. Der Fülle der Aufgaben, die, wie schon dieser Anfang einer Aufzählung zeigt, keineswegs immer nur in Finanzaktionen bestehen, und den in unserer Gesamtarbeit peinlich spürbaren Mängeln ihrer Erfüllung steht die Klage über den zu kleinen Mitarbeiterkreis gegenüber. Soweit meine Erfahrungen reichen, ist tatsächlich eine der wichtigsten Ursachen dafür, daß die Arbeit in den Ortsgruppen nicht lebendig und abwechslungsreich, daher auch nicht anregend und wirksam genug ist, darin zu suchen, daß der Kreis der Zionisten, die die Träger der Ortsgruppenarbeit sind, z ti klein ist. Natürlich, täuschen wir uns nicht über den wahren Charakter dieses Umstandes: er betrifft allein die technische Seite des Zionismus, die tagtäglichc Arbeit, den ״Betrieb“. Die starken belebenden Antriebe zionistischer Aktivität sind ja die großen jüdischen und zionistischen Ereignisse, hauptsächlich in unserer Palästina-Arbeit, sodann an der politischen Front und endlich im allgemeinen jüdischen Leben. Aber alles das soll in der Ortsgruppe verarbeitet, ausgewertet, umgesetzt werden. Diese Aufgaben beanspruchen eine Unsumme geistiger, matcricller, persönlicher Kräfte. Sie können durch einen Vorsitzenden oder einen Vorstand nicht geleistet werden. Lind naturgemäß muß Interesselosiglieit bei den ״Mitgliedern“ cintreteu, wenn ihre ganze zionistische Leistung in dem Besuche von — im Tenor auf Nichtzionisten eingestellten Propagandavcranstaltungen, Wahlen und Beitragszahlungen bestehen soll. Daher scheint mir, so wesentlich für die zentrale Arbeit der Z. V. f. D. straffe Konzentration ist, innerhalb der Ortsgruppenarbeit eine weitgehende Dezentralisation am Platze. Selbst die Frage des Nachwuchses der Z. V. f. D. wird nicht anders zu lösen sein als dadurch, daß die jugendlichen Zionisten zur Teilnahme an der zionistischen Tagesarbeit herangezogen werden. Die Losung: die Jugend dem Keren Kajemeth, ist nicht ausreichend. Und gering sind die Erfolge einer Erziehungsarbeit zu veranschlagen, die nicht die zionistische Jugend mit dem Ehrgeiz erfüllt, die zionistische Gesamt arbeit einmal zu übernehmen und in sie hineinzuwachsen. Die Ortsgruppe •wird den Charakter haben, den ihr die Jugend gibt; die Jugend wird in der Ortsgruppe den Einfluß haben, den sie sich zu erringen versteht. Ein möglichst weiter Kreis von Zionisten soll an der ständigen Arbeit beteiligt werden. Die Ortsgruppen arbeiten heute keineswegs nach einer kollegialen Verfassung. Ich möchte Vorschlägen, in weiterem Umfange als es bisher gesehieht die Ehirchführung. der einzelnen Programmpunkte der Ortsgruppenarbeit örtlichen Ausschüssen zuzuteilen; je größer die Ortsgruppe ist, desto berechtigter ist diese Methode; und sie ist auch 11m so eher möglich, als ja die größeren Ortsgruppen über eigene Sekretariate mit einem Beamten verfügen, so daß die technischen Voraussetzungen gegeben sind. Hauptsächlich aber muß erreicht werden, daß eine größtmögliche Anzahl einzelner Gesinnungsgenossen an die kleine, tagtägliche Arbeit herangebracht wird. Die Vorbcreitung jeder Versammlung in einem gewissen begrenzten Kreis von Bekannten, Versorgung mit Literatur und ״Ueberwachung“ bestimmter Persönlichkeiten; Herbeischaffung des so wichtigen Einzelmaterials für die Aktionen der Fonds, für die Vorbereitung der Gemeindewahlen, schließlich bei der Durchführung der Wahlen und Aktionen; Auswertung der persönlichen Bc- Ziehungen für Propaganda und Presse usw. Zionisten müssen für den Zionismus tätig sein; kann der Zionismus nicht seine Anhänger selbst aktivieren, wie sollte er in der weiten indifferenten Masse wirken können; die Ortsgruppe aber muß der ״Arbeitgeber** sein. Werden die Zionisten nicht ständig mit zionistischen Aufgaben befaßt, so Hegt ihre Bedeutung nur noch in der Statistik. Die Zentrale der Z. V. f. D. und die Ortsgruppenvorstände sollten diesem Problem der Heranziehung vieler Zionisten zur Orts gruppenarbeit, die größte Aufmerksamkeit zuwenden. Damit die Vorstellung der in vollkommene Teilnahmslosigkeit versunkenen nichtzionistischen Gemeindebürger vom Schwung, von der Geschlossenheit und der Tatkraft unserer Gesinnungsgenossen sich nicht als eine Ueberschätzung heraussteilen möge. Ortsgruppe und Frauenarbeit Von Edith Hirsch (Berlin). Es scheint so, als ob die zionistische Frauenarbeit sich überall außerhalb der allgemeinen zionistischen Ortsgruppen in selbständigen Frauengruppen organisiert. Diese Entwicklung muß überraschen, denn die Zionistische Organisation hat seit ihrem Bestehen die Frauen gleichberechtigt bei sich aufgenommen. Suchen wir nach einer Erklärung dieser Erscheinung, so scheint uns, daß der deutsche Zionismus — denn nur von diesem ist hier die Rede — niemals die Gewinnung der Frau für den Zionismus als eine besondere Aufgabe betrachtet hat, die gefordert hätte, der geistigen Individualität der Frau Rechnung zu fragen und auch die speziellen Frauenprobleine im Aufbau Palästinas mehr in sein Interessengebiet einzubeziehen. Es sind eben nicht viele Frauen für eine politische Bewegung zu gewinnen; hingegen vermag sie der Zionismus, als kulturelle und soziale Renaissancebewegung, sehr wohl zu ergreifen. Hinzu kommt, daß Männer und Frauen bei uns vielfach in jüdischen und zionistischen Dingen ungleich vorgebildet sind; auch dem muß man gerecht zu werden suchen. Mir scheint, durch diese Vernachlässigung der Arbeit für die Frauen seitens des deutschen Zionismus sind uns schon wertvolle jüdische Frauenpersönlichkeiten teils an andere jüdische Parteien, teils an andere Bewegungen verloren gegangen. Ueberall fühlt man, daß Frauen, die bisher entscheidungslos und passiv abseits standen, Anteil nehmen wollen an der Gestaltung, der modernen Gesellschaft und sie nach ihrem Geist mitprägen wollen. Andererseits sind unsere jüdischen Männer bereits lange in ihren Anschauungen feslgclcgt und auch durch ein schweres Berufsleben in der Betätigung ihrer Interessen gehindert. Es könnten uns also gerade durch die Frauen neue Menschen zugeführt werden. Dieser Quell frischer, bildungs- und arbeitswiliiger Frauenkräftc droht dem Zionismus verloren zu gehen, wenn er sich nicht mehr als bisher werbend bemüht, ihn in seinen Strom aufzunehmen. Jedenfalls — die zionistische Frauenarbeit hat sich in den meisten Orten selbständig konstituiert, und wenn auch die Arbeit lokal verschieden ist, so haben die Frauen wohl überall Kurse zur Vertiefung des eigenen jüdischen und zionistischen Wissens eingerichtet. Zusammenhängende Darstellungen aus dem Gebiet der Bibel und der jüdischen Geschichte werden hier gegeben, und als besonders wichtig Kurse, die sich mit aktuellen Fragen Palästinas beschäftigen. Wesentlich scheint uns, daß die Darstellungen nicht immer von denselben Rcfcrentinnen gegeben werden, sondern daß die Frauen in Form von Seminaren durch Selbstarbeit a1׳ den Kursen tcilnehmen. An manchen Orten wird in eigenen Frauenkursen intensiv und daher erfolgreich Hebräisch gelernt, und es sind auch hebräische Kindergärten eingerichtet worden, ln einer Ortsfruppe gibt es einen erfolgversprechenden Kursus zur Schulung er Frauen in zionistischer Propaganda, und in größeren Orten rüstet man sich zu Zirkel- und Werbeveranstaltungen großen Stils. — Die Arbeit für den National-Foiids durch Leerung und Aufstellung von Büchsen gehört überall selbstverständlich in das Arbeitsgebiet der Frauen, Jugendarbeit wird in besonderen Mäddiengruppeii versucht, wo ähnlich wie bei den Frauen — nur in den Abendstunden — in Kursen allgemein-jüdische und zionistische Probleme erörtert werden. Doch sollte von den Frauengnippen, wo sie in sich selbst schon einigermaßen gefestigt sind, für die praktische Ausbildung der Chaluzoth in Hauswirtschaft und weiblichem Handwerk mehr Sorge getragen werden; hierfür bietet Deutschland doch gerade gute Möglichkeiten. Es fordert auch durch die große Zahl der Ostiuden, die in Deutschlands Großstädten wohnen, dazu auf, daß wir Zionistinnen uns mehr um ihre Jugend kümmern und diese Arbeit nicht fast ganz anderen jüdischen Frauenorganisationen überlassen. Ueberhaupt sollten uns die Vorgänge in den jüdischen Gemeinden, in denen wir leben, mehr beschäftigen, denn auch wir müßten gleich den anderen Parteien mehr geeignete Frauen für die Vertretung unserer Interessen in den Gemeinden bereitstellen können. Wünschen wir noch mehr Mitarbeit und Anteilnahme der zionistisehen Frauen an der Arbeit der neutralen jüdischen Frauenverbände, so scheint es, daß die Fülle der Aufgaben für einen großen Kreis wirklich arbeitender Zionistinnen ausreicht. Denn zunächst werden unsere Kräfte fast ausschließlich noch durch die Aufbringung der Gelder absorbiert, die wir für die praktische Arbeit durch Kulturverband und Wizo nach Palästina gelangen lassen. Mir scheint, man braucht den Zustand paralleler zionistischer Männer- und Frauenarbeit nicht durchaus zu bedauern; nur muß man wünschen, daß die gesonderte Frauenarbeit belebend und stärkend auf die Ortsgruppenarbeit wirkt. Denn erkennt man auch die Berechtigung rein männlicher Studentenverbindungen an — zionistische Ortsgruppen dürfen nicht Männerbünde sein, und sie werden hoffentlich durch verstärkte Heranziehung und Mitarbeit der Frauen dieses Gepräge immer mehr verlieren. Darum rufen wir bei Beginn der Winterarbeit alle Frauen auf, sich für die Verbreiterung und Gestaltung zionistischen Lebens zutiefst verantwortlich zu fühlen. Und alle Zionisten möchten wir dringlich auf die Bedeutung der weiblichen Mitarbeit auf allen Lebensgebieten hinweisen und sie zugleich daran erinnern, daß jede Bewegung erst durch die Frau im Erdreich lebendigen, organischen Wachstums verwurzelt ist, erst durch die Frau echte Verwirklichung erfährt. Erweitert die Grenzen! Von Dr. Alfred Apfel, Berlin. Es erscheint mir unbedingt erforderlich, daß sich alle Ortsgruppen, insbesondere aber die großstädtischen, nicht auf die Erörterung jüdischer oder rein zionistischer Probleme beschränken. Der Zionismus stellt den Anspruch, den ganzen Menschen zu erfassen und seine gesamte Weltanschauung zu fundieren. Es läßt sich aber nicht verkennen, daß alle denkenden Zionisten zur Zeit von Problemen auf das Tiefste bewegt werden, mit denen sich die übliche zionistische Tagesarbeit nicht beschäftigt. Ich denke neben vielem anderen vor allem an die großen sozialen und politischen Strömungen, wie Sozialismus, Kommunismus usw., die in steigendem Maße das Interesse der Jugend absorbieren. Die Tätigkeit der Ortsgruppen muß, wenn sie nicht monoton und als neben dem Leben herlaufend erscheinen will, zu den wichtigsten Strömungen Stellung nehmen, am besten an Hand aktueller Vorkommnisse. Es besteht sonst die Gefahr, daß viele Anhänger ihren ideellen Hauptstützpunkt außerhalb zionistischer und jüdischer Organisationen suchen. Die kleine Ortsgruppe Von Dr. E. Pos n er, Insterburg (Ostpr.). Das Wort ״kleine“ kennzeichnet die Enge der Wirkungsmöglichkeit. Die kleine Ortsgruppe gleicht der großen in ihrem Aufgabenkreis, indem sie der Mittelpunkt alles zionistisehen Wollen«, Könnens und Geschehens innerhalb ihrer Gemeinde sein soll. Sie muß gleichsam die in ihr schlummern• den und ihr von außen zuströmenden zionistischen Energien in eine der Aufnahmefähigkeit der Ortsgruppen- und Gemeinde• mitglieder adäquate Spannung uniformen. Die kleine Ortsgruppe unterscheidet sich von ihrer großen Schwester in der Form und in den Wegen, ihre Auf• gaben zu erfüllen.; Die Zahl der Ortsgruppen- und Gemeindemitglieder in einer kleinen oder mittleren Stadt ist fast_ eine konstante Größe, die Grenzen der ideellen und materiellen Erfassung von neuen Menschen sind eng gezogen. Vorträge und größere Versammlungen sind von zweifei• haftem Wert. Das Auditorium ist stets dasselbe, es kommen nur Menschen hin, die schon zu uns gehören, eine Er• scheinung, die man auch in größeren Ortsgruppen beobachten kann, nur daß dort die kleinliche Rücksichtnahme auf wirt• schaftliche und gesellschaftliche Bindungen sich viel krasser auswirkt. Schon eher können kleinere Zirkel, in denen gelesen und über allgemein jüdische Fragen diskutiert wird, eine uns günstige Atmosphäre schaffen. Die Unmöglichkeit, in größerem Ausmaße Propaganda zu treiben, wird durch die Möglichkeit der individuellen Beeinflussung einigermaßen ausgeglichen. Man kann unter Berücksichtigung des Folgenden doch von Zeit zu Zeit einen neuen wertvollen Menschen gewinnen, der dann fest zu unseren Idealen steht. Nur muß man sich vor Augen halten, daß der Zionismus ein Minimum von geistiger Elastizität zur Vorausseizung hat. (Zionismus wird, so bedauerlich es auch an sich sei, immer in seiner Totalität Besitz einer vom Schicksal bevorzugten Art von Mehschen bleiben.) Der Forderung der Hebraisierung des eigenen Ichs und seiner Umgebung wird es in einer kleinen Ortsgruppe stets schwer sein, gerecht zu werden. Nur ausnahmsweise wird sich in einer kleinen Gemeinde ein geeigneter Lehrer finden, der nicht nur hebräische Grammatik, sondern den Mitgliedern der Ortsgruppe wirkliche hebräische Kulturwerte übermitteln kann. Der Vorschlag, der früher gemacht und auch versucht wurde, für mehrere kleine Ortsgruppen einen gemeinsamen Lehrer zu halten, stößt auf unüberwindliche Hindernljse, nicht nur aus finanziellen, sondern auch aus verkehrstechnischen Gründen. Ueber den brieflichen Unterricht fehlen dem Schreiber dieser Zeilen die Erfahrungen. Der einzige Ausweg wäre der, daß diejenigen Ortsgruppenmitglieder, die über gewisse Vorkenntnisse verfügen, sich gemeinsam auto׳didak%dh soweit fortbilden, daß sie eine hebräische Zeitung kam und so mit der hebräischen Welt in Fühlung bleiben köB*p!. Die Verbundenheit mit Palästina kann insofern gepflegt werden, als in den bereits erwähnten Zirkeln Geschichte und Geographie des Landes stärker berücksichtigt werden, dadurch der Wunsch, das Land kennen zu lernen, geweckt wird und demzufolge auch vereinzelt Gemeindemitglieder veranlaßt werden, Boden im Heiligen Lande zu kaufen. In materieller Beziehung macht sieh gerade besonders in der kleinen Ortsgruppe das Verfehlte des Nebeneinander- Bestehens mehrerer zionistischer Fonds bemerkbar. (Eine erschöpfende Begründung dieser Ansicht würde hier zu weit führen.) Man kann dem in die Kompliziertheit des zionistischen Budgets nicht Eiageführten unmöglich stunden-

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