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Jüdische Rundschau · 1928-11-02 · Heft 87-88 (2.11.1928) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 87-88 (2.11.1928)
Date
1928-11-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 610 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 87/88, 2. XJ. 1928 Die Belebung der Ortsgruppe "!י Unsere Konferenz Die Z. V. f. D. hat für Sonntag, den 4. d. M., eine Konfercnz von Vertretern der zionistischen Ortsgruppen einberufen, die sich mit den Fragen der Ortsgruppenarbeit belassen soll. Wir veröffentlichen Im folgenden eine Reihe von meist auf Erfahrung beruhenden Aeußcrungen, die natürlich nur einen Teil der Fragen betreffen. Wir hoffen, daß die Konferenz selbst weiteres wichtiges Material liefern wird. Die Ortsgruppe Von Moses Weidmann. Wenn wir uns fragen, aus welchen Gründen man in eine zionistische Ortsgruppe eiirtritt, so werden wir nach gegebener Antwort in der Lage sein, den Umkreis der Ortsgruppenbetätigung zu zeichnen. Es ist festzuhalten, daß in der Regel die gleichen Motive, die einen Juden zum Zionismus führen, ihn auch veranlassen, sich mit den Gleichgesinnten seines Wohnortes zu einer Gruppe zusammenzuschließen. Nur einzelne Zionisten mögen es vorziehen, infolge ihrer individuellen Veraniagung, sich selbst und ihrer Idee isoliert zu leben. Bei diesen Personen handelt es sich jedoch um einen inneren Widerspruch in ihrer geistig-jüdischen Haltung. Darum mögen solche Individuen bei der nachfolgenden Betrachtung außer Acht bleiben. Man wird Zionist, weil man die Tatsache seines Judeseins in der Zerstreuung und in den bisherigen jüdischen Formen und Bindungen als problematisch ansieht. Man hat die Sehnsucht, zwischen dem jüdischen Denken und Fühlen und dem jüdischen Sein einen Ausgleich zu schaffen. Man Ist aller Fik■ ticmen des jüdischen Normaldaseins in der Diaspora müde. Man wünscht an Stelle des Auch*Judentums volljüdisches Leben, ln einem Satz zusammengefaßt: man wird Zionist aus dem Gefühle oder aus der klaren Erkenntnis heraus, das Judentum, wie es sich in der Zerstreuung äußert, zu überwinden. Die Sehnsucht nach einem Selbstverständlichkeits. und Voll- Judentum ist aber nur in einer normalen jüdischen Gemeinschaft zu erfüllen. Zionismus ist darum judeo* und palästinozentrisch. Die Zionistische Organisation, die Zusammenfassung aller zionistisch fühlenden Juden in der Welt, ist somit die jüdische Zukunftsgemeinschaft unterwegs. Die Ortsgruppe Ist oder soll nichts anderes sein als eine Zeile dieser auf dem Marsche zu einem Volljudentum sich bewegenden jüdischen Gemeinschaft. Dieser ersehnten jüdischen Zukunftsgemeinschaft wird, was ja nur natürlich und selbstverständlich ist, nichts Jüdisches fremd sein können. Der adonistischen Ortsgruppe darf somit auch keine jüdische Sache belanglos erscheinen. Das heißt: sie muß, soweit als möglich, gemeinschaftsbildend wirken. Voraussetzung hierfür ist regelmäßiges Zusammenkommen. Alles übrige wird sich von selbst ergeben: Arbeit für den Palästina-Aufbau, Arbeit auf jüdisch-kulturellem Gebiete, Interesse für jüdische Kunst und Wissenschaft, gesellschaftliche Betätigung und Anteilnahme am öffentlichen jüdischen Leben. Auf Grund langjähriger Erfahrungen erscheint mir als das Um und Auf jeder Gruppe das Vorhandensein wenigstens einer zionistischen Familie, in der neues Judentum gelebt wird. Ein derartiges Zentrum wirkt beispielgebend und gleicht einem Herdfeuer, das in alle Winkel des zionistischen Hauses in der betreffenden Stadt Lieht und Wärme!strahlt. Vor einer Sache muß sich jeder Zionist hüten: daß sein Zionismus nur Lippenbekenntnis bleibe und nicht gelebt werde. Demgemäß wäre es ein Fhich jeder Ortsgruppe, wenn sie nichts anderes wäre als e i n e jüdische Oruppe neben anderen jüdischen Qruppen. Wovor sie sich hüten soll, ist in erster Linie der Betrieb und das leider sonst in anderen jüdischen Organisationen zu beobachtende ״Gschaftlhubcrtum". Eine zionistische Ortsgruppe ist nicht dazu da, Ehrenämter zu vergeben und unsinnige Geschäftsordnungsregeln und Riten zu beobachten. Eine zionistische Ortsgruppe soll eine Ahnung davon vermitteln, wie jüdisches Leben unter normalen gesunden Verhältnissen aussehen kann. Voraussetzung hierfür sind nicht nur Statuten und Programme, sondern s e e - lisch« Umstellungen der Einzelnen. Die Arbeitsgebiete einer Ortsgruppe im Detail zu nennen ist überflüssig. Alles Jüdische fällt in den Bereich der Ortsgruppentätigkeit; in erster und wichtigster Linie die Jugenderziehung. Diese kann aber nur dann gedeihen, wenn die Aelteren so leben, wie sie reden. Man kann nicht zionistisch reden und ,.israelitisch‘‘ leben. Wenn man jüdisch fühlt, denkt, redet und handelt, dann wird man Zionist, dann will man Gemeinschaft und schafft sich diese auf jede erreichbare Weise, unter den gegebenen Verhältnissen am zweckmäßigsten in einer Gruppe mit Gesinnungsfreunden. Interne Veranstaltungen Von Rudolf Samuel (Breslau). Die internen Veranstaltungen der Ortsgruppe sind besonders wichtig. Denn zweifellos bilden sie das Rückgrat des ganzen Ortsgruppenlebens. Nur dort, wo der Zionismus seine Anhänger zu einer innerlich starken und lebendigen Gemeinschaft zusammenschließt, kann diese auch nach außen werbend und anziehend auftreten. Wenn wir im besonderen das Problem der internen Veranstaltung einer Ortsgruppe in der Großstadt betrachten, müssen wir uns über die Grenzen klar sein, die uns gezogen sind. Wir dürfen nicht mehr verlangen, als zu leisten überhaupt möglich ist, und wo Unzufriedenheit herrscht, muß man, sich darüber klar werden, daß diese oft durch Wünsche verursacht wird, die zu erfüllen schlechterdings nicht möglich ist. Gewiß ist die zionistische Bewegung in allen ihren Formen mehr als eine Parteiorganisation im durchschnittlichen Sinne und wird im Leben des einzelnen Zionisten einen größeren Raum einnehmen. Der organisatorische Körper jedoch, mit dem die Bewegung in das Reich der Notwendigkeit heraustritt, ist im wesentlichen der einer Parteiorganisation, unterscheidet sich nur wenig von den Organisationen anderer Parteien und unterliegt den gleichen soziologischen Gesetzen wie diese. So sind für uns bestimmte Grenzen gezogen, die wir auch mit allen Parteien teilen, und wie für sie ist für uns die Frage eines innigen Kontaktes zwischen den Mitgliedern einer Gruppe in einer Großstadt ungelöst, wahrscheinlich existiert dafür überhaupt keine vollständige Lösung. Wie alle anderen Parteien können wir gelegentlich In großen Veranstaltungen die große Menge der Zionisten an einem einzigen Abend sammeln, können wir ferner In Internen Veranstaltungen Fragen auf rollen, die tiefer in die Probleme und Alltagssorgerr der zionistischen Bewegung rindringen, und es ist Aufgabe des Vorstandes, dafür zu sorgen, daß die verschiedenen Seiten unserer Bewegung, etwa die p o 1 i - tische, soziale, kultureile oder religiöse, gleichmäßig zu ihrem Recht kommen. Aber wir können beispielsweise nicht einen innigen menschlichen Kontakt zwischen den Zionisten in der Großstadt hersteilen. Wie jede Partei können wir durch die Organisierung zwangloser Zusammenkünfte die Möglichkeit des gegenseitigen KennenJernens bieten, aber wir können nicht Freundschaft vermitteln. Im Grunde also kann von der zionistischen Ortsgruppe nicht mehr verlangt werden als von der Ortsgruppe einer anderen Partei, und wenn doch die Ergebnisse günstiger sind, wenn doch zum Beispiel der Besuch einer durchschnittlichen Ver- Sammlung, die nicht durch die Anwesenheit eines auswärtigen Gastes verschönt wird, prozentual sehr viel stärker ist als der etwa an einem Zahlaoend der SPD., so liegt das nicht an den Veranstaltern, sondern daran, daß die ideelle Kraft des Zionismus seine Anhänger stärker ergreift und fesselt. Zweifellos hängt das auch mit der ganz besonderen Prägung zusammen, die gerade in Deutschland das Kennzeichen des Zionismus ist, und die vielleicht bewirkt hat, daß die Zahl der organisierten Zionisten in Deutschland nicht so groß ist wie sie sein könnte, aber der wir es sicher zu verdanken haben, daß der einzelne Zionist sich in besonders starkem Maße mit der Bewegung und der Organisation verbunden fühlt. Unter den Themen, die in den internen Veranstaltungen der Ortsgruppe zu behandeln sind, muß, wie ich flaube, die Politik eine besondere Rolle spielen; denn der ionismus ist in erster Linie eine politische Bewegung, Das ist eine Tatsache, die wir immer zu leicht vergessen. Der Historiker mag sagen, daß der Zionismus nur eine der Bewegungen ist, die in der Assimilationszeit entstanden, als die Gefahr des Untergangs des Judentums immer näher rückte. Und in der Tat, aie Bewegung, die an den Namen Samson Raphael Hirschs anknüpft, und ebenso andererseits die liberale Reform, sie haben beide mit dem Zionismus das eine gemeinsam, daß sie Abwehrbewegungen gegen den Zerfall des Judentums sind. Aber das Kennzeichen des Zionismus ist auch unter diesem Aspekt die Politik. Er will nicht das Interesse der Juden für jüdische Qesclnchte erneuern, sie nicht in irgendeiner Form für die Religion zurückgewinnen, sondern in erster Reihe will er durch politisches Handeln neue und bessere Bedingungen für das Leben des jüdischen Volkes herbeiführen, in voller Uebereitistimmung damit sehen wir immer wieder, daß diejenigen Menschen, die zwar gefühlsmäßig Zionisten sind, die aber doch nicht für längere Zeit bei der aktiven zionistischen Arbeit bleiben können, gerade die unpolitischen Menschen sind. Während es zum Beispiel nur selten gelingt, Künstler und Wissenschaftler aller Art in die aktive und Kämpfende Front des Zionismus einzureihen, setzt sich diese fast ausschließlich aus Menschen zusammen, die nicht zu einem betrachtenden und besinnlichen, sondern zum politischen Typus gehören. daraus geht hervor, daß die politischen Themen bei den internen Veranstaltungen besonders stark berücksichtigt werden müssen, aber andererseits darf deshalb auch das Wort Politik nicht zu eng gefaßt werden. Der Zionismus als solcher muß sich eine Meinung bilden über alles, was in der Sphäre der Politik vor sich geht. Das heißt, er muß zum Beispiel zu allen Bewegungen Stellung nehmen, die in irgendeiner Form Lebensbedingungen ändern wollen, und man kann sich sehr gut vorsteiien, daß Themen wie: ״Pazifismus“, ״Die vereinigten Staaten von Europa“ oder ״Sozial! am u 5“, scheinbar ohne jede nahe Beziehung zu unseren Problemen, doch in unseren Veranstaltungen behandelt werden. Andererseits soll das politische Geschehen innerhalb der Zionistischen Weltorganisatjon und in Palästina in ganz besonders ernster Weise behandelt werden. Jeder Zionist ist in einem gewissen Sinne, der in diesem engen Rahmen nicht erläutert werden kann, Staatsbürger des Zionistenstaates und übt aueh durch Wahl und Abstimmungen derartige Staatsbürgerliehe Rechte aus. Die Wahl zum Zionistenkongriß bedeutet gleichzeitig auch eine Stellungnahme — zum Beispiel — zu den Fragen unserer Kolonisationspolitik oder zur Zusammensetzung unseres Budgets, also zu Fragen, von deren Beantwortung die ganz reale Gestaltung des Lebens für die vielen Tausende von Zionisten unmittelbar abhängt, die bereits in Palästina sind. In einem anderen Staate wird dem einzelnen Staatsbürger in tausendfältiger Weise Gelegenheit geboten, sich vor folgenschwerer» Entscheidungen eine Meinung zu bilden. Im Staate der Zionistischen Weltorganisation müssen alle diese Gelegenheiten durch die zionistische Presse und die zionistische Ortsgruppe ersetzt werden. Wenn wir also nicht wollen, daß unsere politischen Entscheidungen lediglich unter den Eindruck flacher Schlagworte fallen, so müssen unsere eigenen politischen Probleme besonders ernst behandelt werden. Besser als diese notwendigerweise nur skizzenhaft gebüebenen Andeutungen wird das, was wir meinen, aus zwei Beispielen hervorgehen, aus der Wiedergabe zweier Vortragszyklen, die in den letzten Jahren in der Breslauer Ortsgruppe veranstaltet wurden. Der eine diente dazu, in besonders ernsthafter Weise die Breslauer Zionisten mit den Fragen des wirtschaftlichen und politischen Lebens in Palästina vertraut zu machen. Es ist klar, daß der einzelne Zionist eine Stellungnähme zu so lebenswichtigen Fragen wie etwa die der Konsolidierung {die bei den letzten Kongreßwahlen mit im Mittelpunkt der Erörterung stand) nur dann vornehmen kann, wenn er nicht nur über die spezielle Frage informiert ist, sondern sie in einen größeren Zusammenhang einzuordnen vermag. Der zweite Zyklus faßte eine große Zahl von Problemen zusammen, die die Stellung des Zionismus in der Welt, in der wir heute leben, angehen. Es wurden damals folgende Vorträge gehalten: I. Zyklus über Palästinafragen, abgehalten in Breslau im Winter 1925/26: 1. Die politischen Verhältnisse Palästinas. Referent: Dr. Robert Weltsch (Berlin); 2. Palästina, Land und Leute. Referent: Dr. Joseph Marcus (Breslau); 3. Die neue Einwanderung. Referent: Dr. Georg Landauer (damals Berlin); 4. Die landwirtschaftliche Kolonisation in Palästina. Referent: Dr. Elieser Ascher (Berlin); 5. Die sozialen Formen des p a!! s t i n e n s isehen Lebens. Referent: Dr. Rudolf Samuel (Breslau); 6. Bodenpolitik. Referent: Dr. Hugo Schachtel (Breslau); 7. Kulturelle Probleme. Referent; Dr. Joseph Prager (Breslau); 8. Finanz- und Wirtschaftspolitik. Referent: Dr. Rudolf Samuel (Breslau). II. Zyklus ״Ketzergedanken", abgehalten in der Breslauer Ortsgruppe im Winter 1926/27: 1. Ist der Zionismus die Lösung der Judenfrage? Referent: Dr. Franz Meyer; 2. Zionismus und Deutschtum. Referent: Dr. W. Lux; 3. Kann der Zionismus ein bestimmtes Verhalten zu religiösen Einrichtungen oder Gruppen vorschreiben? Referent: Rechtsanwalt Jacobsohn; 4. Kann Hebräisch eine lebende Kulturspräche sein? Referent: Dr. J. Prager; 5. Probleme des Nationalismus. Referent: Dr. R. Samuel. Gerade die Form der Vortragszyklen scheint sich gut bewährt zu haben. Hierdurch wird erreicht, daß bestimmte Probleme im Laufe eines Winters intensiv und von allen Seiten her beleuchtet werden. Die Vorträge fanden meist vierzehntägig statt, in den dazwischenliegenden Wochen wurden die Propagandaveranstaltungen angeordnet bzw. andere interne Vortragsabende, die den Zusammenhang mit den aktuellen Problemen herstellten. Aus diesen Beispielen mag hervorgehen, wie wir uns die internen Veranstaltungen einer Ortsgruppe denken. Es sind alle Probleme, die im Zionismus aut tauchen, zu behandeln. In besonderer Weise sind die politischen Probleme zu betonen, wobei Politik als Stichwort für einen großen Fragenkreis gedacht ist und zum Beispiel auch ökonomische und soziale Probleme erfaßt. Unter diesen politischen Fragen liegt das Schwergewicht bei denen, die Im Leben der Zionistischen Weltorganisation eine bedeutungsvolle Rolle spielen. Jugendarbeit in der Ortsgruppe Von Dr. Heinrich strauß, Hamburg. Dreißig Jahre ist der Zionismus jetzt in Westeuropa alt, und es liegt schon in diesem Zeitablauf begründet, daß das Generaiionenproblem bei uns immer brennender geworden ist. Aufgabe einer zionistischen Jugendarbeit muß demgegenüber sein, dies Problem zu überwinden und die neu heranwachsenden Menschen in den älter werdenden Rahmen der Zionistischen Organisation einzugiiedem: zu unserem Vorteil, damit die Organisation vor Verkalkung bewahrt wird, und zu ihrem Vorteil, damit daa in dreißig Jahren Zionismus Errungene der zionistischen Arbeit der Jugend zugute kommt. Diese wenigen Sätze können das Problem nicht erschöpfen, sie zeigen aber wenigstens das wünschenswerte Ziel; und wer sich dies vor Augen hält, muß sagen, daß wir bisher sehr geringe Erfolge in dieser Hinsicht erreicht haben. Wie wäre es sonst zu erklären, daß die verschiedenen Wellen zionistischer Jugendbewegung oft genug in dieselben Fehler wie frühere vertanen,, ohne daß die Organisation — doch eigentlich die natürliche Sammlerin und *LeRerih zionistischer Energien ültt Erfahrungen — ihnen Irrwege ersparen kann? Nuh mag es ja auch bei uns Leute geben, die an den Erfolg derartiger Bemühungen überhaupt nicht glauben, die vielmehr der Meinung sind, daß sich eben ״jede Generation selbst die Hörner abstoßen muß“. Wir können vom Standpunkt der Weiterentwicklung zionistischer Arbeit diese resignierte Ansicht nicht teilen. Nichts wäre aber verfehlter, als wenn man nun, selbst in bester Absicht, aus dieser Erkenntnis heraus versuchen würde, unmittelbar in die zionistische Jugendarbeit einzugreifen, sei es als unerwünschter Ratgeber, sei es als überlegener Kritiker; oft genug hat in der zionistischen Jugendarbeit von Zionisten selbst geübte schroffe, manchmal sogar lieblose Kritik schöne Anfänge der Entwicklung verschüttet. So muß erster Grundsatz jeder Jugendarbeit In der Ortsgruppe weise Beschränkung sein: Hilfsstellung, und nicht mehr ist es, was wir unserer Jugend schulden und was ihr willkommen ist. Jede Ortsgruppenarbeit muß also von der Autonomie der Bünde, die in ihren verschiedenen Bundesleitungen zum Teil im Gegensatz zueinander stehen, ausgehen, und Aufgabe der Ortsgruppe ist es demgegenüber, die lokalen, allen Richtungen und Bünden gemeinsamen zionistischen Notwendigkeiten zu betonen und ihnen gerecht zu werden. Deshalb muß Grundsatz unserer zionistischen Jugendarbeit Dezentralisation und Differenzierung sein; an jedem Orte liegen die Dinge anders. Die folgenden Ausführungen dürfen deshalb nur als Anregungen atifgefallf werden, wie sie sieh aus der Arbeit einer Ortsgruppe ergeben haben. Der Punkt, wo der Nutzen zionistischer Jugendarbeit nach außen zahlenmäßig am leichtesten erkennbar wird, ist die Arbeit der Fonds, insbesondere des Keren Kajemeth. Es ist eine Binsenwahrheit, daß der Erfolg der Nationalfondsarbeit vor allem von der genügenden Zahl freiwilliger Helfer abhängt. Diese kann man, vor allem in der Jugend, finden, wenn die Ortsgruppen diese Arbeit als eine sie zu innerst angehende Sache, nicht als eine neben ihrer Arbeit hergehende, bürokratisch durch einen eingefahrenen Apparat durchgeführte Samm- Iungsmaschine empfinden, und wenn gleichzeitig die Jugend innerhalb der Ortsgruppe den ihr zustehenden Platz einnimmt. So ist es bei uns in Hamburg Prinzip, daß zu den zionistischen Veranstaltungen an die Helfer des Keren Kajemeth Karten ohne oder mit geringem Eintrittsgeld ausgegeben werden. Sonstige Angehörige der Jugendbünde erhalten diese Karten nur dann, wenn sie für ihre Nichtbeteiligung an der Nationalfonds־ arbeit ausreichende Entschuldigungsgründe nachweisen können. Diese Beteiligung der Jugend erstreckt sich auf alle Veranstaitungen; auch bei dem Keren Hajessod-Abend mit Wedgwood zum Beispiel haben wir die Galerieplätze des Saales an die Helfer des Keren Kajemeth gratis verteilt; nicht nur zum Nutzen des Nationaifonds, der dadurch neue Helfer gewinnt, sondern auch zu unserem Nutzen, denn die Jugend soll derartige größere zionistische Manifestationen auch als ihre Angelegenheit empfinden. — Ebenso wichtig ist es, immer wieder Helfer- Statistiken zu veröffentlichen, die die zahlenmäßige Beteiligung der verschiedenen Bünde an der K, K. L.-Arbeit zeigen. Diese Pubiizierung erregte zuerst Widerstand bei der Jugend, die darin eine Abweichung vom Prinzip der Gemeinsamkeit der Nationalfoadsarbeit sah, hat sich aber in da Praxis als ein #

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