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Jüdische Rundschau · 1928-11-02 · Heft 87-88 (2.11.1928) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 87-88 (2.11.1928)
Date
1928-11-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 87/88, 2. XI.!028 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 609 Guten Appetit! Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem. Jerusalem, den 8. Marcheschwan 5688, (22. 10. 1928). Heute ist Fasttag. Keiner von denen, die im Kalender stehen, sondern einer von den schweren und doch, ach, so häufigen, die wegen irgendeines nationalen Unglückes von unseren Rabbinern angesetzt wurden: als Zeichen der Trauer und der inneren Umkehr, die der äußeren vorangehen muß. Und als ein solches Unglück empfinden die Frommen Erez-Israels, und nicht nur sie, die Unbill, die uns seit dem Jom Kippur beinahe täglich um der Klagemauer willen angetan wird, an der man uns nicht mehr ruhig beten lassen will. Erst hat man die Scheidewand zwischen Männern und Frauen mit Gewalt entfernt, dann hat man begonnen, eine neue Mauerschicht aufzusetzen und so das traditionelle Bild zu verschandeln; nun verbot man den Betern das Anzünden ihrer Lampen und ließ u. a. den Raw Kuk zum Gouverneur von Jerusalem rufen, um ihm dies mitzuteilen — hätte man auch den griechischen Patriarchen zu sich kommen lassen, statt ihn aufzusuchen? Die letzte Bestimmung, die den Gottesdienst an den Abenden nahezu unmöglich gemacht hätte, nahm man zwar, auf Col. Kischs Drängen, am nächsten Tage zurück, und der Gentleman, der sich als Herr der heiligen Stadt fühlt, mußte, wohl auf höhere Anweisung, die gestern bemühten jüdischen Notabein in ihren Häusern aufsuchen und ihnen den Widerruf anzeigen — aber am vorgestrigen Sabbat ereigneten sich Prügeleien zwischen arabischen Rowdies und jüdischen Betern, die von der Polizei nicht nur, wie es geschah, schneller und strenger gerichtlicher Sühne hätten zugeführt, sondern geahnt und verhindert werden müssen. Soweit sind wir nun wieder. Der Stellvertreter des noch abwesenden Oberkommissars aber, Herr Luke, läßt mitteilen, daß er gerade in diesen Tagen eine Dienstreise nach Transjordanien macht. Jerusalem ist in Sorge. Dieser Sorge gab Raw Kuk dadurch Ausdruck, daß er für heute, den 8. Marcheschwan, einen תענית צביד ausrief, einen Fasttag der ganzen Gemeinde. Man kann vielleicht meinen, die Juden Palästinas hätten etwas übertrieben, etwas hysterisch auf die Angelegenheit der Klagemauer reagiert, statt nach einem würdigen, ernsten, doch nicht zu lauten und vor allem gemeinsamen Protest alles Schwergewicht auf die Sicherstellung unseres Rechtes in der Zukunft zu legen. Man muß auch befürchten, daß die Chauvinisten unter uns sich die Gelegenheit, im Trüben zu fischen, nicht werden entgehen lassen, und daß sie dem ganzen arabischen Volk anrechnen, was einzelne unverantwörtliche Rowdies verübten, angestiftet von ebenso unverantwörtlichen Notabein. Man soll auch schließlich davor warnen, einige hiesige Exponenten Englands mit dem ganzen englischen Volke und sogar Staate zu verwechseln, wie überhaupt, in der noch fortwirkenden Erziehung zur nationalen Minorität, die fast alle zionistischen Führer genossen haben, und im Sturm der Aufregung zu vergessen, daß die Palästina-Regierung, trotz allem, eben doch unsere Regierung Ist. Dies alles ist richtig; aber gerade den F a s 11 a g trifft es nicht Diese Demonstration ist stumm und intern; sie hat nichts für sich als das Gewicht einiger Jahrtausende Leiden, nichts als die geschichtliche Not Israels, nichts als die kleinen, häßlichen Bethäuser und Betstuben, in die sich die Juden nun heirte wieder zurückziehen, um zu ihrem Gott zu rufen, daß *ihnen Recht wider die Menschen Verschaffe. Ghetto? Vielleicht. Gahith? Gewiß! Aber gerade dies wäre die tiefe Wirkung dieser Maßnahme, der sich auch die Engländer wohl kaum hätten entziehen können: durch das alte passive Kampfmittel der Galuth zu zeigen, daß wir auch im Heiligen Lande eine Galuth vorgefunden haben, in vieler Beziehung. Dies, wenn nichts anderes, müßte die Gewissen aufhorchen lassen: Israel fastet in Erez-Israel um Israels Heiligtum. ״Wäre" und ״würde"? Warum müssen wir von der M 5 g - lichkeit eines solchen Eindruckes reden, statt von seiner Wirklichkeit? Weil gestern, neben den Aufrufen des Raw Kuk, plötzlich andere an den Wänden Jerusalems klebten; unterzeichnet vom Raw Sonnenfeld, dem separatistischen Konkurrenten im alten Jischuw. Er und die Seinen sind, ausdrücklieh, mit diesem Fasttag ״n i c h t einverstanden“; es gebe andere Gründe zur Trauer, wie z. B. die Sabbatentweihungen, die modernen Frauenkleider, die Hebräische Universität; aber im Falle der Klageraauer könne man ״zu unserer erhabenen Regierung" schon das Vertrauen haben, daß sie alles in ihrer Weisheit ordnen werde. Da ist er wieder: jener unnatürliche Bund zwischen extremer Orthodoxie und knechtischer Loyalität, jenes Sich-abseitsstellen nicht nur in der religiösen Scheingeborgenheit des ״vollkommenen Gerechten“, sondern auch in der politischen Anbiederang, die beinahe denunziatorisch wirkt, indem sie äugenzwinkernd zu verstehen gibt: ״W i r haben ja nichts gegen die Maßnahmen unserer erhabenen Regierung, aber jene...“. Da ist sie wieder, jene Volksfremdheit der alten Thoraweisen, die, von dummschlauen Politikern geprellt, ihrem Heiligtum zu dienen glauben und es in Wahrheit in so tiefe Einsamkeit und Fremde stürzen. Da sind sie wieder, doch in einem anderen Sinne nun, Ghetto and Galuth, ihre Zerrissenheit und Zwietracht, mitten in Erez-Israel. Wer neulich die große Protestversammiung miterlebt hat, unter freiem Himmel, an der Tausende teilnahmen, der sah wenig Bürger, aber ein proletarisches Volk, das für sein Heiligtum zeugte: Chaluzim und Chassidim. Es war sonderbar: diese tief Getrennten, diese in allem Aussprechbaren Geschicdenen, diese nur noch (nur noch?) im wortlosen Niggun des gemeinsamen Liedes Verbundenen, fanden sich hier, über alle bourgeoisen Vermittelungsschichten hinweg, unter ihnen hindurch, über ihnen hin, zu gemeinsamer Kundgebung. Diesen ersten Einklang nach langen Mißklängen gestört zu haben, darf als Bewußtsein eines wirklichen Erfolges den orthodoxen Essern ara heutigen Fasttage das Mahl würzen. Wir aber klagen, wie einst Achad Haam, nicht nur um die Mauer, sondern um Israel. Die heutige Nummer erschein( anläßlich der Zionist. Ortsgrappenkonierenz als Dappelauauneir; die Dienstag, nummer vom 6. November fällt aas; die nächste Nummer der ״Jüdischen Rundschau" erscheint am 8. November. Die Pefliion an den Völkerbund Das von der Zionistischen Exekutive der Palästina- Regierung zur Weiterleitung an den Völkerbund übergebene Memorandum in der Angelegenheit der Klagemauer hat den folgenden Wortlaut: ״An Seine Exzellenz, den verwaltenden Beamten der Regierung von Palästina, Jerusalem. Im Namen der Exekutive der Zionistischen Organisation, die in Artikel 4 des Palästina-Mandates als die Jewlsh Agency für Palästina anerkannt ist, habe Ich die Ehre, Sic zu bitten, diese Petition Im geeigneten Wege dem General- Sekretär des Völkerbundes zur Informierung der Permanenten Mandatskommission zuzuleiten. 2. Die Petition bezieht sich auf einen beklagenswerten Zwischenfall, der sich kürzlich in Jerusalem am jüdischen Versöhnungstage ereignete und in der ganzen jüdischen Welt den schmerzlichsten Eindruck hervorgerufen hat. Am jüdischen Versöhnungstage, der im Jahre 1928 auf den 24. September fiel, gegen 9 Uhr vormittags, stieß britische Polizei in Ausführung von Anordnungen des Stellvertretenden Distriktskommissars von Jerusalem durch die Menge der Andächtigen vor dem Kotel-Maarawi, allgemein als ״Klagemauer“ bekannt, vor und entfernte eine tragbare Wand, die am Abend vorher aufgestellt worden war. Diese Wand trennte gemäß dem traditionellen jüdischen Ritus die betenden Männer und Frauen voneinander, sie beeinträchtigte aber in keiner Weise das Wegerecht. Die dringenden Bitten der Andächtigen, die Entfernung der Wand auf den Schluß des Gottesdienstes und des Fasttages zu verschieben, wurden unbeachtet gelassen, ln der Durchführung des Befehls zur Entfernung der Wand stießen die Polizisten mehrere hochbetagte Andächtige, Männer und Frauen, zur Seite — dies ließ sich bei der Durchführung des Befehls vielleicht gar nicht vermeiden — und schlugen sie zu Boden. Ein Betender, der sich an die Wand klammerte, wurde den Platz entlang geschleift. Ebendiese Wand wurde 10 Tage vorher, am jüdischen Neujahrsfeste, an der gleichen Stelle benutzt, ohne daß irgendeiner jüdischen Behörde Irgendeine Klage oder ein Protest übermittelt worden war. 3. Die Regierung Palästinas hat in einem offiziellen Communiquö die unternommene Aktion damit begründet, daß die Anbringung der Wand und deren Befestigung an das Pflaster eine Verletzung des Status quo bedeuteten, die die Regierung nicht zulassen könne, und daß der mit dem Arrangement des Gottesdienstes betraute Diener am Vorabend des Versöhnungstages davon unterrichtet worden war, daß die Wand am folgenden Tage beim Gottesdienst entfernt werden würde. Die Exekutive bedauert es, von dieser Erklärung nicht befriedigt sein zu können, und beharrt darauf, daß kein irgendwie geartetes formales Abweichen von früherem Brauch bezüglich zeremonieller Arrangements für Gottesdienste an der Mauer die Verwendung von Polizei zu einem aggressiven Vorgehen an einem solchen Orte und an einem solchen Tage rechtfertigen könne. Auch vermag die Zionistische Organisation nicht einzusehen, wieso Irgendein Fehler seitens eines einfachen Hausmeisters, wie es der Bethausdlener ist, auf den eben hingewiesen worden sei, eine Tat der Distriktsbehörde, ohne daß vorher irgendeine verantwortliche jüdische Behörde hiervon in Kenntnis gesetzt worden wäre, rechtfertigen könne. 4. Die Exekutive bringt der Permanenten Mandatskommisslon in Erinnerung, daß dies nicht der erste Fall ist. in dem die Palästina-Regierung es als notwendig befunden hat. die Polizei in aggressiver Weise gegen den Kotei-Maarawi anzusetzen. Ein ähnlicher Zwischenfall hat sich im Jahre 1925, ebenfalls am Versöhnungstage, ereignet; damals wurden Polizisten von der Distriktsbehörde mit dem Auftrag entsandt, Bänke und andere Sitzgelegenheiten zu entfernen, die von hochbetagten und gesundheitlich geschwächten Andächtigen, die an diesem Tage fasteten, vor dem Kotei-Maarawi aufgestellt worden waren, wie dies im Absatz 9 des Schreibens vom 3. Mai 1926, das Dr. Weizmann im Namen der Zionistischen Organisation an den Oberkommissar für Palästina zur Uebermittlung an den Generalsekretär des Völkerbundes gerichtet hat, mitgeteilt wurde. Damals wie heute wurde die Order zu der Polizei-Aktion von dem zuständigen Verwaitungsbeamten in Verfolg von Vorstellungen moslemischer Behörden bezüglich des jüdischen Gottesdienstes erteilt. 5. Die Exekutive ist dessen gewiß, daß es der Wunsch der Permanenten Mandatskommission wie der Mandatsregierung gewesen ist, eine Wiederholung des Zwischenfalles vom Versöhnungstage 1925 zu vermeiden. Die Tatsache, daß eine solche Wiederholung nicht vermieden worden ist, beweist die Unmöglichkeit, den jetzigen Zustand andauern zu lassen. 6. Damit die Permanente Mandatskommission In die Lage versetzt werde, die Bedeutung eines solchen Zwischenfalles für das jüdische Volk richtig einzuschätzen, sei folgendes erklärt: Der Versöhnungstag Ist der heiligste Tag & jfl-׳ dischen Kalenders; das Schinone Essre-Gebet, während dessen der Zwischenfall sich ereignete und die Polizei in die Menge der Andächtigen vorstieß, ist das wichtigste Gebet der ganzen Andacht; der Kotei-Maarawi ist von je die heiligste Stätte des jüdischen Volkes seit der Zerstörung des Tempels gewesen. 7. Andererseits gilt die jüdische Andachtsstätie an der Kfagemauer keiner anderen Nation oder Gemeinschaft als Heiligtum; während In den vergangenen Generationen die Juden die mühseligsten Reisen zu unternehmen pflegten, um, wenn auch nur wenige Augenblicke, an der Mauer beten zu können, haben die moslemischen Anwohner den Platz niemals zu Gottesdiensten benutzt und haben auch nie Bedenken dagegen getragen, ihn in der ostentativsten Weise zu entweihen. Die Exekutive legt Gewicht darauf, alle jene ln Umlauf gebrachten Gerüchte, wonach es die Absicht der Juden sei, die Unverletzlichkeit des heiligen Bezirks der Moslems, der die Aska-Moschee und die Omar-Moschee einschließt, anzutasten, als falsch und verleumderisch zurückzuweisen. 8. Die Forderung des jüdischen Volkes ist es, daß Ihm die Freiheit gelassen werde, ohne Einmischung von außen, ln Uebereinstimmung mit seinen religiösen Riten, zu beten. Das Grundstück vor der Mauer ist eine Andachtsstätte der Juden; es müsse daher mit einem Zustand aufgeräumt werden, bei dem eine einer anderen Religionsgemeinde angehörende Institution, in dem gegebenen Falle ist es der moslemische Oberste Rat, sich aarein elnmischen dürfe, wie die Juden ihre Gottesdienste an ihrer heiligsten Stätte ein* richten. 9. Ebenso ist die jüdische Bevölkerung des Glaubens, daß die Permanente Mandatskommission anerkennen wird, daß es mit dem Geist und dem Buchstaben des Mandates unvereinbar ist, wenn die betenden Juden vor der Klagemauer sich auf eine enge Passage (28 Meter lang und 3,6 Meter breit) beschränken müssen, und zwar nur darum, weil auf dem angrenzenden Boden, der Eigentum des Wakuf fmoslemitische kirchliche Stiftung) ist, ein paar Hütten stehen, denen keine religiöse Bedeutung beizumessen sei. Diese Behausungen beherbergen Mitglieder der marokkanischen Gemeinde, die auf dem Hin- und Herwege den Gebetsplatz der Juden passieren, wobei sie oft Lasten tragen und zuweilen beladene Esel vor sich hertreiben. 10. Die soeben geschilderte Lage ist schmerzlich und demütigend für das gesamte jüdische Volk, und die Exekutive wagt es, ihrer Meinung Ausdruck za geben, daß sie auch des Völkerbundes wie der Mandatarmacht, unter deren gemeinsamen Auspizien die Verwaltung Palästinas geschient, unwürdig ist. 11. Die jüdische Bevölkerung hat sich stets bemüht gezeigL für sich Bedingungen für eine freie und ungestörte Andacht am Kotei-Maarawi durch ein direktes Ueberelnkommen mit den moslemischen Behörden auf der Grundläge entsprechender Entschädigung für Irgendwie angetastete »1■ der Für die gesamte judenheit heiligsten Andachtsstätie hauptsächlich Pflicht einer zivilisierten Regierung in Palästina Ist. Daß eine wirkliche Freiheit der Andacht unter den obwaltenden Umständen unmöglich ist, ist durch den bestehenden Zustand dargetan und durch Erfahrung bestäügt. Die Exekutive hegt darum das ernsteste Vertrauen, daß die Mandatsregierung ihren guten Willen beweisen wird in der Förderung eines Uebereinkommens, das die jetzt bestehenden Hindernisse für eine freie Andachtsübung an diesem heiligen Orte aus dem Wege räumt. ״ t ״. Die Jewish Agency appelliert an die Permanente Mandatskommission und an die Mandatarmacht, die Erreichung Sir, ich habe die Ehre zu sein Ihr F H K i $ h für den Präsidenten der ״Zionistischen Organisation.“ * Die beiden Oberrabbiner Kuk und Jacob Meir sandten telegraphische Petitionen an den König von England und an den Völkerbund, in denen sie bitten, für die Sicherung der Freiheit der jüdischen Gottesdienste an der Klagemauer, sowie für eine schnelle Lösung des gesamten Problems der Mauer Sorge zu tragen. Die Mandatskommission wird gebeten, die Angelegenheit noch in ihrer gegenwärtigen Session einer endgültigen Erledigung zuzuführen. 11)1111111111111111111111i1111111111111111111111111111111111111111111[11H1111111111111111111i11111111111111111111111111111111u11111111i1111[111111111111111111111111111111111i111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111i111111i111111111n111H11111111111111111111111111111 Kinderspiele In Jerusalem ln Jerusalem ist vor mehr als Jahresfrist eine Institution begründet worden, über die zu berichten Pflicht ist, zumal sie, obwohl zunächst aus rein humanitären Antrieben begonnen, ungewollt eine wichtige politisch-erzieherische Aufgabe zu erfüllen bestimmt ist. Als die kürzlich verstorbene Frau Berta Guggenheim (New York) die Mittel hergab, um in Jerusalern einen Kinderspielplatz zu eröffnen, dachte sie wohl vor allem an Luft und Licht, Sport und Spiel der Kinder, die in' der engen Altstadt Jerusalems aufwachsen. Aber der Zufall fügte es, daß der erste Spielplatz vor dem Zionstor außerhalb der Mauern eröffnet wurde, da wo das jüdische Viertel der Altstadt, die armenische Siedlung und die Häuser der arabischen Dagani-Familien und anderer Araber Zusammenstößen. So entstand mit dem amerikanisch-jüdischen Gelde ein Spielplatz, wo jüdische, armenische und arabische Kinder zusammen spielen. Wenn man bedenkt, wie unübersteiglich die Mauer ist, die heute die beiden Völker Palästinas gesellschaftlich, bildungsmäßig, politisch und religiös trennt und wie sehr diese Abgeschiedenheit der Entwicklung des Landes und eines schlichten, von keinen nationalen Trieben gestörten Heimatsbewußtseins hinderlich ist, wird man diese Seite des Play-ground-Werkes besonders zu schätzen wissen. Es war im Anfang nicht leicht. War doch der Platz, wo heute die Kinder spielen, früher ein ״Kampffeld“, wo regelmäßig nach Schulschluß zwischen jüdischen und arabischen Kindern Schlachten ausgetragen wurden. Auch als die Kinder gemeinsam zu spielen begannen, ja da erst recht, gab es zunächst zwei Lager, zwischen denen es zu Zusammenstößen und Steinwürfen kam. (Sieinewerfen gilt in den Augen der Jerusalemer Jugend durchaus als eine legale Kampfform, mit der sich augenscheinlich auch schon die Lehrer abgefunden haben.) Heute ist von ail dem nichts zu merken. Hundert Kinder und mehr kommen täglich für drei Stunden zusammen, jüdische und nichtjüdische in ungefähr gleicher Anzahl. Der Spielplatz, allen Kindern zugänglich, wird von einer palästinensischen Lehrerin geleitet, welche auch für die heikle politische Seite ihrer Arbeit viel Verständnis hat. Sie beschäftigt die Kinder — es sind solche von 4 bis 14 Jahren da — außer mit Spiel und Sport mit Handarbeit, naturgeschichtliehen Beobachtungen und dergleichen, verzichtet aber mit Absicht auf alles, was geeignet wäre, jüdische und arabische Kinder in zwei Lager zu spalten: also alles, was mit der Sprache, zusammenhängt, Gesang, Erzählungen, Bücher. Sie und ihre beiden Helfer sprechen ebenso gut und ebenso oft hebräisch und arabisch und es fanden sich auch freiwillige Helfer, ältere Schüler aus den umwohnenden arabischen Familien. Von der gesundheitlichen Seite braucht nicht erst gesprochen zu werden. Was es Kindern, deren Eltern meist in den Slums der Altstadt wohnen, bedeutet, täglich im Freien zu spielen, versteht sich von selbst. Der Spielplatz ist mit Sandplätzen, Turngeraten jeder Art, Duschen reichlich ausgestattet. Die Zucht des fair play ist für alle Kinder eine gute Schule. Nächstens sollen an andern Stellen Jerusalems und in Tel- Awiw derartige Spielplätze begründet werden. Die Verwalter der Stiftung haben natürlich nur gesundheitliche Rücksichten im Auge. Aber sie sollten auch die Seite ihrer Arbeit, von der hier die Rede war, nicht außer Acht lassen. Bei der Wahl des Spiel- Platzes sollte vor allem darauf Rücksicht genommen werden, daß wie jetzt vor dem Zionstor jüdische und nichtjüdische Kinder (und Eltern) Zusammenkommen. In 10 oder 20 Jahren, wenn diese Kinder das Schicksal Palästinas mitgestalten werden, wird sie das Bild des Spielplatzes ihrer Jugend begleiten. B. In Warschau verstarb der bekannte Führer der jüdischen Arbeiterorganisation ,,Bund“ in Polen, B. Michalewicz, im Alter von 52 Jahren. Michalewicz war Mitglied des Vor- Standes der Warschauer Jüdischen Gemeinde.

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