Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 85 (26.10.1928)
- Date
- 1928-10-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 85,?6.X.!828 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 567 Brief aus Palästina Sprachenkampf In Tel-Awiw. — Eröffnung der Schulen. — Zum Hafenbau. — Die erste Presseausstellung. (Von unserem Korrespondenten.) A.-Q., Tel-Awlw, 17. Oktober. Am Abend von Simchat-Thora veranstaltete der Klub der linken Poale-Zion in Tel-Awlw einen Abend, zu dem Mit• güeder der Partei und Freunde eingeladen waren. Die Sprache der Veranstaltungen war jiddisch. Eine Gruppe junger Leute (die nach verschiedenen Berichten von Augenzeugen zum ״Brith Trumpeldor“, der revisionistischen Jugendorganisation, und zum ״Gdud Megine Hasafah“ gehörten) durchzog die umliegenden Straßen in Reihen und unter Absingung nationaler hebräischer Lieder. Sie marschierten zum Klub der Poale-Zion und es entstand eine heftige Schlägerei. Die Angreifer verstellten den Ausgang, umherUegenac Ziegelsteine wurden zu Hilfe genommen, die Fensterscheiben eingeschlagen und eine Anzahl der Beteiligten erlitt nicht unbeträchtliche Verletzungen, Die Polizei, die zu spät kam, konnte nichts mehr tun als den Tatbestand feststellen. Eine mehr oder weniger ernsthafte Prügelei junger Leute wäre nicht weiter der Beachtung wert. Seine Bedeutung bekommt der unangenehme Zwischenfall dadurch, daß diese Methode gewissermaßen als ein Mittel im politischen Kampfe angewendet wird. Am Tage nach dem Ueberfall brachte die Presse eine Erklärung des ״Brith Trumpeldor“, daß die Organisation nichts mit diesem Ueberfall zu tun habe. Zugleich kam es bei einer Demonstration des Brith (die dann von der Polizei verhindert wurde) zu Reibereien mit Mitgliedern der Poale-Zion, die anscheinend die Absicht hatten, gleiches mit gleichem heimzuzahlen. Nimmt man noch dazu, daß bereits bei der Demonstration der Arbeiter am 1. Mai vom Brith Trumpeldor der Versuch gemacht wurde, den Zug der Arbeiter zu sprengen, so kann man nicht ohne Sorge dieser Entwicklung der Kampfmethoden Zusehen. Und wenn es sich auch bei alledem fraglos nur um kleine Kreise von unbesonnenen Jugendlichen handelt, die wahrscheinlich gar nicht verstehen, wohin der Weg führt, den sie zu gehen un Begriffe sind, so müssen gerade solche Anfänge auch nicht zu leicht genommen werden. Diese Ueberlegungen waren es wohl in erster Reihe, die die palästinensische Presse veranlaßten, den Zwischenfall beim Klub der Poale-Zion leidenschaftlich zu diskutieren. Die Munizipalität Tel-Awiw hat eine sechsstündige Sitzung der Erörterung des Zwischenfalls gewidmet. Bei diesen Diskussionen vermischen sich unglücklicherweise drei Facta. Der Kampf gegen die jiddische Sprache, der Ueberfall selbst und der Streit der ״Bürgerlichen“ mit den ״Arbeitern“. Im ersten Punkt, der Ablehnung des Jiddischen, sind sieh alle im Jischuw bis auf das kleine Häuflein der Poale-Zion einig. Auch in der Beurteilung des Ueberfalis als solchem gibt es offiziell keine Meinungsverschiedenheiten. Von allen Seiten wird eingeräumt, daß diese Methoden nichts Gutes bringen können. Aber man kann sich des Eindrucks nicht ganz erwehren, daß es auch Menschen Wer gibt, die es nicht für gar so verwerflich halten, wenn der Oegner einmal außer mit Reden — wenn sich eine gute Gelegenheit bietet — auch durch die Faust zur Räson gebracht wird. Wenn diese Ansicht heute überall auf der Welt die Jugend gewinnt, sei es in der Form des Faschismus oder des Bolschewismus, so werden wir vielleicht auch hier gegen ähnliche Ueberzeugungen kämpfen müssen. Innerhalb der Munizipalität Tel-Awiw ist dieses Ereignis Anlaß zu einem schweren Parteikampf geworden. Obwohl es gemeinsame Punkte gab, die von fast allen Fraktionen gleichmäßig gestützt werde«! wie der Kampf gegen jiddisch und die Ver» urteüung der Anwendung von Gewalt im politischen Kampfe, konnte man sich über weniger wichtige Fragen nicht einigen. Die Linke bestand auf einer scharfen Formulierung der Be- Schlüsse und auf einem Protest gegen die beiden Organisatignen, die im Verdacht der Leitung des Ueberfalies sieben. Die Rechte stimmte dem nicht zu, weil sie vorher genau feststellen wollte, wer an dem Unternehmen beteiligt gewesen sei. So verging eine ganze Sitzung — vor zahlreicher Zuhörerschaft — mit schwerem Streit, der aber kaum Resultäte ergab. Unglücklicherweise nahm dieser Punkt der Tagesordnung so viel Zeit in Anspruch, daß eine andere Frage, die äußerst dringend ist, verschoben werden mußte. Bis heute ist die Verhandlung über das Sehulbudget der Stadt noch nicht zu Ende geführt worden. Die Zionistische Exekutive hat fast an allen Punkten die Schulen zur rechten Zeit eröffnen können, und gerade in Tel-Awiw war es unmöglich, den Termin einzuhalten. Während das Gymnasium bereits im Betrieb ist und die privaten Schulen ebenfalls zu arbeiten beginnen, sind die Schuten der Exekutive noch gesperrt. Der Grund dafür ist eine Komplikation in der Aufstellung des Budgets der Munizipalität. Die Stadt hatte einen Jahresetat von 60000 Pfund vorgesehen, während die Regierung nur 45 000 Pfund bewilligen will. Nach dem Anschlag der Reglerung können nur 8000 Pfund für Schulzwecke in den Finanzen der Stadt verankert werden, so daß der Rest — nach dem ersten Plan der Munizipalität handelte es sich um zirka weitere 8000 Pfund — aus anderen Quellen gedeckt werden muß. Nach verschiedenen Kürzungen hat sich der Vorschlag der Stadt auf 11000 Pfund gestellt, jedoch scheint keine Aussicht zu sein, daß diese Summe von der Regierung akzeptiert wird. Es würde also nötig sein, die fehlenden 3000 Pfund auf andere Art, z. B. durch Schulgelder hereinzubringen. Dagegen besteht vor allem bei der Linken ein starker Widerstand, weit man Volksschulerziehung nicht von Schulgeldern abhängig machen will. Es scheint jedoch fraglieh, ob unter den gegenwärtigen Verhältnissen dieses an sieh berechtigte und vernünftige Prinzip durchzuführen ist. Unterdessen können die Schulen nicht eröffnet werden, solange die Exekutive keine sicheren Unterlagen dafür be■ kommt, daß Tel-Awhv die entsprechende Quote im Er■ Ziehungsbudget auf sich nimmt. Es war ein schwerer Fehler, daß die Munizipalität während der letzten zwei Monate keine Möglichkeit fand, diese Angelegenheit in Ordnung zu bringen und sich noch in letzter Stunde dazu hinreißen ließ, sich durch eine andere, praktisch nicht so wichtige Frage völlig okkupieren zu lassen. Höchstwahrscheinlich wird heute oder morgen das Budget festgesetzt, so daß die Schulen Anfang nächster Woche eröffnet werden könne«. Die Lehrerschaft von Tel-Awiw bemüht sich, einen starken Druck auf den Stadtrat auszuüben, um die Verhandlungen zu beschleunigen; die Eltern und die öffentliche Meinung der Stadt unterstützen sie aufs eifrigste. In diesen Tagen hat die Regierung ein ausführliches Protokoll über eine Besprechung des stellvertretenden Ober■ kotnmissärs mit Vertretern der Arbelterorganlsatlon veröffentlicht, in der vor altem über die Arbeit beim Hafenbau in Haifa verhandelt wurde. Das Protokoll ist bedeutsam, da es die Stellungnahme der Regle rung zu den Forderungen der Juden f’ir Haifa enthält. Es handelt sich dabei hauptsächlich um drei Punkte: Die Festsetzung eines bestimmten Prozentsatzes Jüdischer Arbeit beim Hafenbau, die Bestimmung eines Lohnminimums und das Verbot, ausländische Arbeiter für die Ausführung des Unternehmens zu imporderen, In diesem letzten Punkte hat die Regierung eine einigermaßen zufriedenstellende Antwort erteilt, indem sie erklärte, daß nur dann Arbeiter ins Land gebracht werden sollen, wenn eine besondere Notwendigkeit dafür vorhanden ist. (Wahrscheinlich qualifizierte Kräfte, die im Lande nicht vorhanden sind.) Es ist Interessant zu bemerken, daß diese Forderunfz auch von der arabischen Presse unterstützt wird. Die Festsetzung eines Lohnminimum s hat bekanntlich in den Verhandlungen mit der Regierung bereits eine lange Geschichte. Sowohl in London wie in Jerusalem hat man sich darum bemüht, der Regierung klarzumachen, daß sie beim Hafenbau nicht nur mit dem arabischen, sondern auch mit dem jüdischen Standard rechnen muß. Die Definition der jüdischen Forderung, wie sie in der genannten Unterredung von der Arbeiterorganisation präzisiert wurde, erscheint als nicht übertrieben. Es wird ein Lohn vorgeschlagen, der sich zwischen dem in der arabischen Arbeit üblichen und dem bei jüdischer organisierter Arbeit angewandten bewegt. Das bedeutet also, daß man bereit Ist, für den Hafenbau den Standard etwas herabzusetzen. Aus der Antwort der Reglerung muß man schließen, daß diese überhaupt nicht die Absicht hat, ein Lohnminimum festzusetzen. Nach den An* gaben des Chefs für öffentliche Arbeiten wird — wie vorher schon öfters verlautet vor allem mit Maschinen gearbeitet 81000 MARK Im Vor)ohr ous Büchsen 20000 MARK H«0an wieder In BUchsen. BEGINNET DIE LEERUNG! werden. Im ganzen werden kaum mehr als 1000 Ar beiter beschäftigt sein, von denen ein großer Teil halb oder ganz qualifiziert sein muß. Die frage des Lohnminimums besteht nur für die Unqualifizierten. Diese sollen fast durchweg in Akkord beschäftigt werden, wodurch die Festsetzung eine» Minimums nach der Meinung der Regierung an Bedeutung einbüßt. Nach einem Ausspruch von I,uke wird die Regierung es nicht zuiassen, daß die Arbeiter ״ausgebeutet“ werden: auf welche Weise sie dies zu tun gedenkt, ist bisher nicht klar. Der dritte Punkt, die Beschäftigung eines bestimmten Prozentsatzes jüdischer Arbeiter, bängt mit dem vorigen eng zusammen. Denn bei ganz geringen Löhnen wird die Arbeit für die Juden außerordentlich erschwert Wieviel Prozent Juden die Regierung einstellen will, darüber hat sie keine klare Auskunft gegeben. Es scheint beabsichtigt, Juden wie Araber so weit wie möglich getrennt zu beschäftigen, unter anderem um für jede Arbeitsart den entsprechenden Ruhetag einsetzen zu können. Im ganzen gesehen muß diese Antwort der Regierung als ungenügend betrachtet werden und es ist zu hoffen, daß die Anstrengungen in Jerusalem und London weitere Früchte zeitigen werden. Vom 25. September bis 9 Oktober fand in Tt!-Awiw die erste palästinensisch-jüdische Presseausstellung statt. Der Initiator war ein alter Sammler palästinensischer Zeit* sqhriften, Probst, der sein Archiv der Kulturkommission der Arbeiterorganisation (Waadath Hatarbut) zur Verfügung stellte. Diese übernahm das Arrangement der Ausstellung und ergänzte das vorhandene Material aus den Beständen ihrer Bibliothek. Die Ausstellung umfaßt die Zeit von 1856 bis 1938. Von der! 632 jüdischen Zeitungen, die bisher in Palästina erschienen sind, konnten 585 zur Stelle geschafft werden. Besonders reichhaltig ist die Abteilung der Arbeiterpresse, die als erste Veröffentlichung den ersten 1908 hektographisch erschienenen ״Hapoej-Hazair“ enthält. Die Sprachen der Ausstellung sind: hebräisch, jiddisch, spaniotisch, kastiiianisch, arabisch, englisch, deutsch, französisch und Esperanto. Die Ausstellung umfaßt folgende Abteilungen: Orthodoxe Presse, Literatur und Wissenschaft, Chibbath-Zion, rabbinische Presse, Informationen, Kinder-, Schüler- und Jugendzeitungen, Fachzeitschriften, Erziehung und Bildung, Arbeiterpresse, arbeitende Jugend, Arbeiterskauts, Jubiläumsschriften, Witzblätter und Varia. Die Ausstellung gibt einen interessanten Einblick in die publizistische Entwicklung des jüdischen Palästina im Laufe der letzten 60 Jahre. Folge za leisten, fielen die Araber über sie her und verprügelten sie. Ein Jude namens Isasc M i s r a c h i wurde so schwer mit einer Eisenstange geschlagen, daß er schwere Kopfwunden davontrug. Zwei der angreifenden Araber wurden verhaltet und vom Gericht sofort zu je 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Sie legten gegen das Urteil Berufung ein, Lord Ailenby zu den Vorgängen an der Klagcmauer Feldmarschall Lord Ailenby, der Eroberer Palästinas, der S|ch gegenwärtig in Amerika aufnält, hat auf eine Frage über seine Meinung von den Vorfällen an der Klagemauer folgende Antwort erteilt: Ich bedauere das taktlose Vorgehen der Polizei bei dem Vorfall an der Klagemauer in Jerusalem außerordentlich. Die Juden der ganzen Welt kennen meine Stellung zu dem Aufbau Palästinas als jüdischnationale Heimstätte und wissen, wie freundlich ich diesem Werk gegenüberstehe. Ich kann nur versichern, daß sich meine Stelhing nicht ändern wird. (Ziko.) Protest des deutschen orthodoxen Rabbtnerverbftndcs Frankfurt a. M., 23. Oktober. (J.T. A.) Die General- Versammlung des Verbandes orthodoxer Rabbiner Deutschlands, die soeben in Frankfurt a. M. getagt hat, nahm die folgende Entschließung an: ״Der orthodoxe Rabbinerverband in Deutschland hat mit tiefem Schmerz von den Vorkommnissen Kennnis genommen, die sich am vergangenen Jom Kippur am Kothel Maarowi ereignet haben. Die Generalversammlung richtet an die ge* samte gesetzestreue jüdische Diaspora einen flammenden Appell, nichts zu scheuen, um eine Wiederholung derartiger Vorkommnisse oder gar die Ausschließung jüdischer Beter von dieser heiligsten Stätte der Judenheit wirksam zu verhindern. Die Generalversammlung richtet an die Leitung der Agudas Jisroe! die Aufforderung, mit höchstem Nachdruck bei der palästinensischen Regierung, der Mandatarmacht und dem Völkerbund alle erforderlichen Schritte zu ergreifen, um das durch die Jahrhunderte gesicherte Recht des jüdischen Volkes, am Mathel Maarowi unbelästigt betet» zu dürfen, Antastungen gegenüber zu verteidigen und zu erhalten und hierbei die rein religiösen Motive, die für die gesetzestreue Judenheit in dem Kampf um den Kothel Maarowi ausschließ־ lieh maßgebend sind, in voller Klarheit zur Geltung zu bringen.“ Die Vorgänge an der Klagemauer (Fortsetzung von der ersten Seite.) Die BetchlQtse des Waad Leaml Jerusalem, 23. Oktober. (J.T,A.) Der Waad Leumi (jüdischer Nationalrat Palästina) hat beschlossen, eine Proklamation an die Araber zu veröffentlichen und darin sowie in mündlichen Verhandlungen mit arabischen Vertretern zu erklären, daß, wenn auch die westliche Tempelmauer als jüdischer Besitz betrachtet wird, dies keineswegs eine Verletzung einer muselmanischen heiligen Stätte bedeutet. Der Waad Leumi beschloß ferner, an die Regierung Palästinas die Aufforderung zu richten, gegen die antijüdische Verhetzung Stätigkeit gewisser Kreise wirksame Mittel zu ergreifen, da die Regierung für alle Konsequenzen jetzt und in Zukunft verantwortlich gemacht werden muß. Der Waad Leumi beschloß, die Frage der Entsendung einer Abordnung nach den auswärtigen Ländern erst nach der Tagung der Mandatskommission des Völkerb und es in Genf, die am 26. Oktober eröffnet wird und in der die Frage der westlichen Tempelmauer zur Verhandlung steht, zu behandeln. Konferenz des muselmanischen Rats Jerusalem, 24. Oktober. (J.T.A.) Der Oberste Rat der Moslems bat eine Konferenz von Delegierten ganz Palästinas einberufen, i n welcher das Problem der Klagemauer behandelt werden soll. Man sieht dem Ausgang dieser Konferenz mit großem Interesse entgegen und ist insbesondere gespannt darauf, wie die Kreise des moslemischen Rates auf den an die Moslems ergangenen friedlichen Appell des Waad Leumi reatieren werden. Bekanntlich hat der Waad Leumi erklärt, daß er Besitz der Klagemauer durch die Juden niemals das moslemische Besitzreeht an der Omar-Moscnee antasten könne. Abermals ein Ueberfall an der Klagemauer Jerusalem, 21. Oktober. (1.T. A.) Wiederum sind Juden an der Klagemauer von Arabern mißhandelt worden. Am Sonnabend, 6 Uhr morgens, als sich die ersten jüdischen Andächtigen vor der Klagemauer zum Oottesdienst einfanden, erschien eine Gruppe Araber und forderte die Juden auf, Stühle und andere an der Mauer befindliche Gegenstände zu entfernen. Als die Jude« sieh weigerten, der Aufforderung Tagung der orthodoxen Rabbiner Deutschlands Frankfurt a. M., 23. Oktober. (J.T.A.) Die die•- jährige Generalversammlung des Verbandes orthodoxer Rabbiner Deutschlands fand unter starker Beteiligung der Mitglieder aus allen Teiler» Deutschlands im Hörsaal der Israelitischen Religionsgesellschaft, Frankfurt a. M., am 21. Oktober statt. In Vertretung des durch Krankheit verhinderten Rabbiners Dr. Bondi-Mainz eröffnete Provinzial- Rabbiner Dr. Hirschfeld-Gießen die Generalversamtnlang mit einem Nachruf auf den heimgegangenen Gründer und langjährigen Vorsitzenden, den Rabbiner Dr. Salomon Breuer, und die übriger» seit der letzten Tagung heimgegangenen Mitglieder. Aus dem Geschäftsbericht ist die Tatsache hervorzuheben, daß der Verband zur Zeit aus über 50 Mitgliedern besteht und eine rege Aktivität auf den verschiedensten Gebseteudes jüdischen Lebens entfaltet hat. Noch in der ersten Eröffnungssitzung wurde auf Antrag des Rabbiners Dr. Moses Auerbach-Berlin eine Resolution in der Angelegenheit des Kothel Maarowi beschlossen. Die zweite Sitzung fand am Sonntag abend statt. Rabbi* ner Dr. Auerbach- Halberstadt hielt ein Referat über die Lage der Orthodoxie in Deutschland, Rabbiner Dr. Br eslauer- Fürth sprach über ״Der Schabbos im modernen Wirtschaftsleben“. Auf vielfachen Wunsch fanden diese Referate öffentlich statt. _ Jung-Jüdischer Wanderbnnd Ir Rheinland-Westfalen Am 21. d. M. fand in Calcum bei Düsseldorf ein Gautag der rheinischen und westfälischen Bünde des Jung-Jidisehen Wanderbundes statt. Bei diesem Treffen setzte man sich, da es die erste Zusammenkunft des Gesamtgaues seit dem Bundestag war, noch einmal mit den Ergebnissen des diesjährigen Bundestages auseinander. Die rheinischen Bünde stehen seit dem Bundestag in ihrer Majorität aus erzieherischen Gründen (Frage der politischen Erziehung) in einem gewissen Gegensatz zum Gesamtbund. Ueber die Problemstellung dieser gegensätziiehen Auffassungen, in der beide Teile sich noch nicht restlos verstehen, ist zu sagen, daß sie vor kurzer Zeit sehr gut von Dr. K a n o w i t z auf der Sitzung des Landesvorstandes charakterisiert worden ist. Das Ergebnis der Aussprache war, daß trotz dieser Unterscheidungen das Erziehungsziel und -ideal, die Chaiuziirth Und der Chaiuz, gemeinsam sind. Den Standpunkt der Bundesleitung vertrat Urtel Rosenblatt, der sich in Hechaluzangelegenheiten augenblicklich im Rheinland befindet. Am Nachmittag schritt man dann zur Wahl einer neuen Gauleitung, die aus Heini Schupler, Ernst Bloch (Köln) und Noomi Auerbach (Essen) besteht. Die neue Oauieltung legte dem Oau einen vollständig ausgearbeiteten Erziehungsplan vor, über den auf einer besonderen Führertagung im November endgültig beraten werden soll. Augenblicklich wird nach diesem Plan bereits in den Bünden Köln, Duisburg und Essen gearbeitet. Unter den sonstigen Beschlüssen sei noch derjenige nervorgehoben, der sämtlichen Bünden des Gaues die aktive Unterstützung der Anfang November überall einsetzenden Aktion für den Palästina-Arbeiterfonds (PAF) zur Pflicht macht. Hebräisches Lied, Spiele und Horra umrahmten diese sachlichen Beratungen der Führerschaft bis rum Abend, wo dann alle Bünde in gemeinsamem Abmarsch zur nächsten Bahnstation zogen. _______ Jabotbtsky in Palästina Jerusalem, 16. Oktober. (J.T.A,j Jabotinsky hat nach seinem Eintreffen zu dauerndem Wohnsitz in Palästina zum erstenmal in einer von Tausenden von Zuhörern besuchten Ver- Sammlung in Tel-Awiw gesprochen und einen Ueberblick über die gegenwärtige Lage im Zionismus und in Palästina gegeben. Er foroerte die Zuhörerschaft aut, für jüdische Arbeit und hebräisebe Sprache einzutreten. Im Hauptbüro des Keren Hajessod sind im Verlauf des Monats September an Spenden insgesamt 31234 Pfund eingegangen. _ Moskau, 22. Oktober. (J. T. A.) Die ״Jewsekzla“ (jüdische Sektion der kommunistische!» Partei) begeht jetzt die Feier ihres zehnjährigen Bestehens. Ziel der ״Jewsekzia“ ist es, den Kommunismus unter den jiddisch sprechenden Massen in den Ländern der Sowjetunion zu verbreiten, ihre Presse- Organe sind die Tageszeitungen ״Emess“ in Moskau, ״Stern“ in Charkow, ״Oktiabr“ in* Minsk und andere periodische Schriften. Führer der lewsekzia sind Mereschitt, Litwakow, Diamantstein, Tschemeriski u. a. m.