Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 85 (26.10.1928)
- Date
- 1928-10-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 599 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 85, 28. X. 1928 geistig-jüdische Erziehung hat ebenfalls die Methode der Spezialisierung und Individualisierung sieh zu eigen gemacht, d. h. sie ist nicht mehr auf gefühla- und stimmungsmäßiger Grundlage aufgebaut, sondern wendet sich an das denkende und erkennende Bewußtsein. Gerade die Arbeit des letzten Jahres hat darin Fortschritte gezeitigt. Waren dies die Probleme, die den Bar Kochba in seiner Tätigkeit als Erziehungsorganisation beschäftigten, so liegen die Verhältnisse auf dem anderen Gebiete, dem der Repräsentation der jüdischen Volkskraft, wesentlich einfacher. Hier heißt es: Masse und Erfolg! Es galt zunächst, die jüdische Jugend für den Gedanken ihrer körperlichen Ertüchtigung zu gewinnen, aus Stubenhockern Naturfreunde, aus Duckmäusern Kraftmenschen zu bilden. Das Beispiel allein kann erziehen. Vom ersten bescheidenen Schauturnen im Jahre 1903 in Basel, bei welchem Max Nord au das Wort vom ״Muskeljudentum“ prägte, bis zu dem Einmarsch der 2000 jungen Juden beim Hallensportfest der jüdischen Gemeinde «1 Berlin, an dem der Bar Kochba einen ausschlaggebenden Anteil hatte, war zwar ein weiter, aber konsequenter Weg. Anfangs schwieg die Presse, als aber in den letzten Jahren der blaue Magen Dawid im weißen Felde immer wieder siegreich über die Bahn zog und sich oft genug im zähen Endkampf siegreich an die Spitze setzte, da fand auch sie gerechte Worte der Anerkennung. Im jüdischen Leben Berlins ist der Bar Kochba heute dank seiner Tätigkeit ein Faktor geworden, mit dem jeder, der in der jüdischen Öffentlichkeit ein Ziel verfolgt, wird rechnen müssen. 1300 Mitglieder, in 26 Abteilungen organisiert, sind an der jüdischen Gegenwart und Zukunft interessiert und jederzeit bereit, dort mitzuarbeiten, wo die Entwicklung im jüdischen Leben ihren Anschauungen von der notwendigen jüdischen Zukunft entspricht. Der Bar Koehba wird seinen Ehrentag mit dem stolzen Bewußtsein feiern können: 30 Jahre Arbeit mit Erfolg! Heinrich Kuhn. Der sportliche Aufstieg des Bar Kochba Von Dr. Robert Atlasz. Man braucht noch nicht in der C.-V.-ldeologie befangen zu sein, die krampfhaft jede Leistung irgendeines Juden registriert, um sie als Argument für die Gleichwertigkeit jüdischer Leistung den andern entgegenzuhalten, wenn man von der sportlichen Leistung des Bar Kochba spricht. Man weiß heute bereits zur Genüge, daß Juden nicht nur auf geistigem, sondern auch auf körperlichem Gebiete ihren Mann stehen und in ihren Leistungen in keiner Weise anderen Völkern nach stehen. Das ist schon häufig genug gezeigt und nachgewiesen worden und muß nicht noch einmal hervorgehoben werden. Wenn wir — aus besonderem Anlaß heraus — rückblickend den sportliehen Aufstieg des Bar Kochba überschauen wollen, so soll hier weniger die sportliche als die jüdische Leistung, die die Erfolge des Bar Kochba gezeitigt hat, gekennzeichnet werden. Denn nicht das sportliche Moment des Erfolges, sondern nur das jüdische sollte maßgebend sein, nur dieses allein kann und soll als Aktivum und Positivum für den Zionismus gewertet werden. Von Bedeutung und Interesse für den Zionismus ist der sportliche Sieg eines Juden oder eines jüdischen Vereins nur dann,, wenn dieser unter betont jüdischer Flagge errungen wird, unter den blau-weißen Farben mit dem Davidstern aut der Brust Hier sieht der laue, abseits stehende Jude die jüdische Leistung, die sich frei und offen als solche bekennt, nicht unter frepsleni Deckmantel für andere kämpft, sich vielleicht noch ihres Judentum« schämt Durch das Beispiel des bewußten, jüdischen Kampfes wird weiten Kreisen der Assimilation, die heute noch, wenn das Wort ״Jude“ fällt, ängstlich zusammenzucken, gezeigt, wie freies, offenes Bekennen zur jüdischen Sache Hochachtung erweckt, und viele fühlen sich veranlaßt, sich einem solchen Verein anzuschließen, dessen Namen in aller Munde ist und dem anzugehören eine Ehre bedeutet. Sportliche Erfolge sind das beste Werbemittel zur Gewinnung der heutigen Jugend, und nur durch seine Siege ist der Bar Kochba in der Lage, einen ständig größer werdenden Kreis der jüdischen Jugend zu erfassen und in seine Reihen zu ziehen. Immer mehr jüdische Sportsleute aus andern Vereinen schließen sich dem sieggewohnten, aufwärtsstrebenden Vereine an, und ihre Leistunden kommen jetzt der jüdischen Sache zugute. Sie kommen nicht zum Bar Kochba, weil sie Zionisten sind oder gar welche werden wollen, sie kommen wie die Motten zum Licht, zu dem immer heller strahlenden Davidstern. Aufgabe des Bar Kochba ist es dann, sie zionistisch zu erfassen und zu beeinflussen, und man kann mit Befriedigung feststellen, daß das im weitesten Maße geschieht. Man kann natürlich von einer so extensiv arbeitenden Gemeinschaft niemals zionistische Leistungen großen Stiles verlangen, aber die innerhalb des Vereines vorhandenen Intensivgruppen stehen andern zionistischen Gemeinschaften qualitativ in keiner Weise nach. Ich möchte die Kampfmannschaft des Berliner Bar Kochba das ״Aushängeschild“ des Bar Kochba nennen. Ihre Leistungen sind es, auf die alle Welt schaut, sie war es, die durch ihre außerordentlichen Erfolge den sportlichen Aufstieg des Bar Kochba bewirkt und weite Kreise der jüdischen Jugend Berlins zu den blau-weißen Fahnen und damit in den zionistisehen Bannkreis gezogen hat. Wohl kein Sportverein hat in wenigen Jahren einen so schnellen und aufsehenerregenden Aufstieg genommen wie der Bar Kochba. Vor wenigen Jahren noch ein kleiner, wenig beachteter Turnverein, in dem die Leichtathletik ein recht stiefmütterliches Leben führte, ist es ihm im Laufe von vier Jahren gelungen, von der B-Klasse in die A-Klasse des ,,Verbandes Brandcnburgischer Athletikvereine“ aufzusteigen. Was das bedeutet, kann nur der ermessen, der weiß, daß wohl kaum ejn anderer deutscher Sportverein an Leistungsfähigkeit und Kampfstärke mit einem der Berliner Großvereine konkurrieren kann. Und der Bar Koeftba hat erreicht, was vorher noch kein anderer Verein erreicht hat, er ist in diese Extraklasse des deutschen Sports hineingekommen und hat dort gleich eine so überragende Rolle gespielt, daß viele Zeitungen den Bar Kochba als den ״kommenden führenden Berliner Leichtathletik verein“ bezeichnet haben. Nun, das mag noch gute Weile haben, denn noch viel zu schmal ist die Basis der Leichtathletik im Bar Kochba, um jetzt schon die führende Stellung übernehmen zu können. Ueberblickt man aber die letzten Jahre, so muß man feststellen, daß sie eine lange Kette oft aufsehenerregender Erfolge sind, die durch eisernen Fleiß und unbeugsamen Siegeswillen errungen worden sind und die auch dem schärfsten Gegner Hochachtung und Respekt abgezwungen haben. Eng verbunden mit dem Aufschwung des Bar Kocnba ist der Name des finnischen Olympiakämpfers Katz, der durch eine lange Reihe von Siegen über die gesamte deutsche Lang- Streckenelite den Bar Kochba in ganz Deutschland bekannt gemacht hat. Eine kleine, begeisterte Schar junger und ehrgeiziger Athleten hat ihn hierin erfolgreich unterstützt. Aus der langen Reihe der Siege möchte ich nur erwähnen: (1927) Katz’ Sieg im 5000-m-Laufen be! den ״Europawettkämpfen der Berliner Morgenpost“, wo er die besten deutschen und einige bekannte ausländische Langstreckenläufer in einer Zeit schlug, die damals Rekord war und die auch heute nur knapp unterboten worden ist. Beim S. C. C.-Internationalen wurde die 4 x 800־m-Staffel des Bar Kochba (Janklowitz, Eger, Katz, Bergmann) hinter ״Teutonia“, die einen Weltrekord aufstellte, zweite, schlug alle andern deutschen Mittelstreckenstaffeln und schuf damit die zweitbeste Leistung der Welt. In diesem Jahre war die 4 X 100-m-Staffel die Domäne des Bar Kochba. Sie war die viertbeste Deutschlands. (Deutschland ist bekanntlich das Land der Sprinter, und kein Land der Welt hat סי viele tte 4X 100-m־Staffcln wie Deutschland.) Ihre Bestzeit war ,2 Sekunden, eine Zeit, die nur von sehr wenigen Ländermannschaften erreicht wird. Der größte sportliche Erfolg des Bar Kochba war wohl die 25 X 2-Rundenstaffel beim letzten Berliner Hallensportfest im überfüllten Sportpalast. Hier feierte der ״Benjamin der A-Vereine“ einen außerordentlichen Triumph über die Berliner Großvereine. Ganz zum Schluß erst gelang es ddn alten Staffelkämpen des Deutschen Sportklubs, des oftmaligen Potsdam—Berlin- und Hallensportfeststaffelsiegers, den weit enteilten Bar Kochba wieder $einzuholen und schließlich mit Brustbreite niederzuringen. Dieser Staffelkampf erregte ungeheures Aufsehen und wurde von der gesamten Presse in dicken Schlagzeilen vermerkt. Daß der Bar Kochba beim Hallen- Sportfest der Jüdischen Gemeinde und bei den Makkabi-Meisterschäften den Löwenanteil der Siege davontrug, ist nur selbstverständlich. Als besonderes Kennzeichen der fortschreitenden Entwicklung verdient der Großstaffellauf Potsdam—Berlin angeführt zu werden. Vom 20. Platz arbeitete sich der Bar Kochba auf den 16. Platz vor, dann auf den 10., um schließlich in diesem Jahre auf dem 7. Platze zu enden. Für solche Massenwett״ bewerbe fehlt dem Bar Kochba noch das große Menschenreservoir, aus dem er schöpfen kann. Aber es ist zu hoffen, daß der Bar Kochba durch seine Erfolge immer weitere Kreise der jüdischen Jugend an sich ziehen kann, die dann seine sportliehen Leistungen auf eine immer breitere und größere Basis stellen werden und die auch in ihrer zionistischen Leistung der sportlichen nicht nachsteben werden. Die fesUIefien Veranstaltungen Am 22. Oktober 1898 ist der Jüdische Turn- und Sportverein Bar Kochba zu Berlin gegründet worden. In den 30 Jahren seiner Existenz ist er immer wieder für die körperliehe Ertüchtigung der jüdischen Jugend eingetreten. An allen Arbeiten, die diesem Ziele dienten, hat er teilgenommen, insbesondere auch am Sportdezernat des Jugendamtes der Jüdisehen Gemeinde zu Berlin. So hat er sich durch technische und organisatorische Leistungen die unbestrittene Führerschaft erworben. Um weiter auf diesem Gebiete führend und bahnbrechend zil wirken, hat er sich für das Jtihiläumsjahr ein hohes Ziel gesteckt: Die Schaffung eines Klubheims, das besonders dadurch wertvoll sein wird, daß es außer den übrigen Gesellschafts- und Büroräumen Räume für Musik, Schach, Ping-Pong, einen Bibliotheks* und einen Gymnastiksaal enthalten soll. Das Jubiläumsjahr wird eingelejtct durch einen Festakt am Sonntag, dem 28. Oktober, in der Aula der Technischen Hochschule in Charlottenburg. Diese Feier ward eine würdige Demonstration des Bar Koehba-Gedankens sein. Ihre Mit- Wirkung haben zugesagt Herr Manfred Lewandowski, sowie die Jüdische Orchestervereinigung und Chor unter Leitung von Herrn Leo Kopf. Die Festrede wird Herr Dr. Israel Auerbach, einer der ältesten Pioniere der Bar Kochba- Bewegung, halten. Am Abend desselben Tages , vereinigen sich die Freunde des Bar Kochba im Logenhaus, Kleiststraße, zu einem Bankett. Am Sonnabend, dem 3. November, wird in den Oesamträumen der Philharmonie der Jubiläums* ball stattfinden, von dem man bereits jetzt Voraussagen kann, daß er zu den großen jüdischen Bällen der Saison gerechnet werden wird. Namhafte Firmen haben wertvolle Geschenke für die Tombola gestiftet und erste Künstler sind für ein Kabarett gewonnen. ,.,Oie,,nächste Zeit wird dinn im Verein ausgefüllt Sflnmit intensiven Vorbereitungsarbene» ftr ein Im '־ Januar statiflndendes Schauturnen, dessen Organisation die Männerturnabteilung, die Gründung«- und Stammabteilung des Vereins, übernommen hat. Und schließlich wird der Sommer ein J u b i - iä umssportfest bringen. Noch eine besondere Arbeit, begonnen am Vorabend des Jubiläums, wird dieses Jahr auszeichnen und dann hoffentlieh zur ständigen Einrichtung werden: es ist das Jugendfiihrerscmlnar des Bar Kochba, entstanden aus der Not- Wendigkeit, die Erzieher der Bar Kochba-Jugend mit einem umfassenden jüdischen Wissen und mit der Fähigkeit, dieses Wissen pädagogisch anzuwenden, auszustatten. Das Seminar findet in den uns von der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums freundlichst zur Verfügung gestellten Räumen statt. Es besteht aus drei Arbeitsgemeinschaften: jüdische Geschichte, jüdische Literatur und Geschichte des deutschen Judentums. Die Leiter dieser Seminare sind die Herren Kuhn, Hirsch und Dr. Leiewer. Zirka 40 junge Führer nehmen daran teil. Es ist beschlossen, dieses Seminar mit der in Gründüng begriffenen jüdischen Jugendschule zu vereinigen. Eine besondere Note wird das Leben des Vereins dadurch erhalten, daß größerer Wert auf den gesellschaftlichen Zusammenschluß seiner Mitglieder gelegt werden wird. Diesem Zwecke soll ja vor allem das neue K i u b h e i m dienen, ganz besonders aber auch die Pflege von Gebieten, die ihrem Wesen nach stark gesellschaftsbildcnd sind: Schach, Musik. N. N. Uebnnfisbetrieb des Bar Kochba Erwachsene: Alt-llerrrn-Bund: IhMembend jeden Donnerstag, 8—10 Uhr, W 3!i, Steglitzer Sir.?.9. — Kampfmsnnschaft: Hallenahend jeden Dienstag, 8 -10 Uhr, Sophie-Charlotte-Str. 70. — Hockey-Abteilung: Jeden Sonntag Wettspiele, — Handball-Abteilung: Jeden Sonntag Wettspiele. — Märtner-Sporl-Abteilung: Hallenabend jeden hfi/tirorh von S—10 Uhr, II׳, Wormser Str. 11, — Charlottrnburgrr Mürm״r-Abteilung: HaUenahend jeden Montag von 8■—10 Uhr, Charlotte nburg, Sybrlslr. 20. — Wilmersdorf er Gymnastik-Abteilung; HaUenahend jeden Montag von 8—10 Uhr, IV(/- mcmhrf, Hindenhurgslr. 36. — Mätiner-Turii-Abteilung: Hallenahmid jeden Donnerstag von 8—10 Uhr, Gr. Hamburger Str. 27, — Abteilung Bölzewviertch HaUenahend jeden Mittwoch von 8—10 Uhr, A'0, Heinrich-Rätter 8>r. IS. — Wandergruppe: Uallemhend siehe Männer-Sporl-Ableilung. — Schach-A b leilung: Spielabende jeden Monlarj, 8 Uhr, im Heim, Heiligegeiststr. 52. — Kammermusik-Vereinigung. — Damen-Sport-Abteilung: llallenabend jeden Montag von 8—10 Uhr, IV, Steglitzer Str. 29. — Damen-Gymnastik- Abteilung, SckSneberg: HaUenahend jeden ,Mittwoch von 8—10 Uhr, Sohöneberg, Aposlet-Paulus-Slr.!1—Charlottenburger Damen-Gymnastik-Abteilung: HaUenahend jeden Montag t*an 8—10 Uhr, Charloitenburtf, Sybelslr. 2—4, — Franen-T um-Abteilung; HaUenahend jeden Donnerstag von. 8—10 Uhr, N, AugusUtr. 67. Jugendliche: Jugcnd-SpoH-Ahtcilung: HaUenahend jeden. Montag von 8—10 Uhr, Schöneberg, HohensUnijenstr, i/7. — Jugendי Turn-Ableitungen: HaUenahend jeden Montag und Donnerstag van 8—10 Uhr, iV, Weißenburger Str. ha. — Jungmädchen-Abteilung: Hallenabend jeden Dienstag von 8—10 Uhr, N, Gr. Hamburger Straße 27. — Knaben-Sport-Abteilang! Hallenabend jeden Mittwoch von 6—8 Uhr, Schöneberg, Apostel-Paulus-Str. 11, — Schüler- Sport-Abteilung: llallenabend jeden Dienstag von 6—8 Uhr, IV, Joaehimslhaler Str. 32. — Schüler-Turn-Abteilung: Hallenabend jeden Montag und Donnerstag von 6—8 Uhr, Weißenburger Str. ha. — I. Mädchen-Abteilung: HaUenahend jeden Mittwoch von 6—■8 Uhr, 1/fhindstraße 10. —• Charlottenburger Mädchen-Abteilung: Hallenabend jeden Montag von 7—1/29 Uhr, Charlaitenburg, Sybel- Straße 2—4. — Schwimmabteilung: Dienstag, 81/2—10 Uhr, Hallenbad Charlaitenburg, Krumme Str. 10. Die Marshall-Konferenz in New York Ein wörtlicher Bericht über die Verhandlungen der New Yorker Marshall-Konferenz, am 20. und 21. Oktober steht noch aus. Zu unseren Depeschen in der vorigen Nummer ist nachzutragen, daß die Konferenz Louis Marshali er* mächtigt hat, ein Komitee, bestehend aus 7 Personen, mit allen Vollmachten zu ernennen. Dieses Siebenerkomitee soll die weiteren Verhandlungen führen und einen Ausgleich der Differenzen zwischen dem Bericht der Survey Commission und den Berliner Beschlüssen des Aktions- Comites schaffen. Ferner ist dieses Siebenerkomitee ermächtigt, die amerikanischen Mitglieder für die erweiterte Jewish Agency zu nominieren. Auf der Konferenz herrschte ein Geist absoluter Loyalität gegenüber den Forderungen des Zionistischen Aktions-Comites. Leib Jane bei Minister Zaleski Warschau, 23. Oktober. (J. T. A.) Der polnische Minister des Aeußeren, Graf Zaleski, empfing den Dcleierten des Hauptbüros des Keren Hajessod, Herrn Leib affe, und unterhielt sich mit ihm eingehend über Fragen alästinas und des Zionismus. Leib Jaffe berichtete dem Minister ausführlich über die Lage in Palästina, über die bevorstehende polnische Keren Hajessod- Konferenz und über die Pro Palästina-Bewegung in den verschiedenen Ländern. Graf Zaleski sprach zum Schluß im eigenen Namen sowie im Namen der polnischen Republik die Sympathien für die Ideale des Zionismus und für den Aufbau Palästinas aus. Die allpolnisehe Keren Hajessod-Konferenz wird am 5. und am 6. November in Warschau tagen; es werden an derselben Delegierte aus 462 polnischen größeren und kleineren Städten teilnehmen. Die Wedgwood *״Tournee Während Wedgwoods Anwesenheit in Berlin gab der Dirigent im Auswärtigen Amt, Baron von Richthofen, ein Frühstück, an dem u. a. teiinahmen der Botschaftsrat der englischen Botschaft Nicolson, Geheimer Botschaftsrat. Frhr. v. Ow-Wachendorff, Legationsrat Sobernheim, Willy Dreyfus, Leo Simon, Georg Bernhard, Kurt Blumenfeld, Dr. Rosenblüth. Herr Willy Dreyfus, Mitglied des Präsidiums des deutschen Keren Hajessod, gab zu Ehren Wedgwoods ein Frühstück, bei dem u. a. anwesend waren der englische Botschafter, Baron von Richthofen, Katharina von Kardorff, Minister a, D. Dr. Dernburg, Ministerialdirektor Badt, Prof. Ludwig Stein, die Bankiers Gurtmann, Bonn, Jarislowsky, Herr Leo Simon, Kurt Bhanenfeld, Dr. Rosenblüth, * Anläßlich der Wedgwood-Veranstaltung in Nürnberg veröffentfichfe das dortige 8״-Uhr-Abendblatt“ in seiner Aus- J‘ Wulf Rettjch-HaidyI. *Die Schlußworte des warmherzig geschriebenen Aufsatzes lauten: ״Worin liegt nun die Bedeutung des Pallstinawerkes für den Nichtjuden, für die Menschheit im allgemeinen? Wie kommt es, daß Männer wie General Wedgwood oder General Schoenaich, daß führende Regierungskreise in Deutschland und England sich für das Werk elnsetzen? Wahrscheinlich werden bei einzelnen interessierten Stellen, & B. bei der englischer» Regierung, di« ja in weitschauender Politik nach immer vorbildlich ist, auch praktische Erwägt»* gen mitspielen, aber der eigentliche Grund, aus dem heraus führende Persönlichkeiten außerhalb des Judentums sich für das Werk einsetzen, liegt tiefer. Er liegt in der Erkenntnis, daß hier die Möglichkeiten für etwas Neues, vielleicht vorbildlich Umwälzendes liegen, in dem Empfinden, daß hier der Boden ist, aus westlicher Tatkraft und östlicher Vertiefung lin Geschlecht entstehen zu lassen, das wesentlich mit dazu berufen ist, den neuen Menschen heranzubilden, der kommen muß, wenn nicht schon die nächste oder übernächste Generation den so viel bespotte!- teq Untergang des Abendlandes erleben soll. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß sehr viele, sogar streng religiöse Juden sich nicht mehr bewußt sind, daß die Position, die das Judentum heute in der Welt hat, weniger eine Folge der ״Tüchtigkeit" der neueren Generationen, als eine Folge der geistigen Vertiefung eines großen Teiles ihrer Vorfahren ist. Diese Beobachtung allein schon spricht für die Notwendigkeit und die Berechtigung des Palfistinawerkes.“ Die Sanierung der Zion Commonwealth New York, 21. Oktober. (J. T. A.) Die Exekutive der Zionistischen Organisation Amerikas hat init Zustimmung der Zionistischen Weltexekutive Pfandbriefe in Höhe von 500000 Dollar zur Sanierung der American Zion Commonwealth ausgegeben. In derselben Sitzung wurde eine Protestresolution wegen der Vorfälle an der Klagemauer in Jerusalem und wegen das Versuchs der Araber, die Klagemauer zu verbauen, beschlossen. Ein Weizmann-Vortrag io Brüssel Brüssel, 21. Oktober. (J.T.A.) Die Universität Brüssel hat Professor Weizmann eingeladen, am 7, Dezember im Universitätsgebäude eine Vorlesung über Zionismus zu halten. Prof. Weizmann hat die Einladung angenommen. Die Sabbatrnbe io Tel*Awiw Jerusalem, 21. Oktober. (J.T.A.) Die Palästina- Regierung hat ihren Beschluß kundgegeben, die vom Stadtrat von Tel-Awiw erlassene Verordnung über strenge Arbeitsruhe an de!! Sabbattagen nicht gelten zu lassen. Zur Begrilndung gibt die Regierung an, daß die Einführung eines Zwangs-Sabbatruhe-Gesetzes Komplikationen zur Folge haben und in der öffentlichen Verwaltung Schwierigk e i t e n liervorrufen würde. Die Diskussion über die Zwangssabbatruhe Sn Palästina hat bekanntlich begonnen, als der Stadtrat von Tel-Awiw den jüdischen Händler AHschuIer, der am Sabbat seinen laden offenhielt, mit einer Geldstrafe belegte. Daa Jaffaer Distriktsgericht hat dann diese Strafe annulliert, woraufhin der Stadtrat von Tel-Awiw an das Oberste Cericht in Jerusalem appellierte, welches den Bescheid des Jaffaer Gerichts be- «tätigte. Der UeberiaU an! den Poale Zion-Klub Jerusalem, 20. Oktober. (J.T,A.) Der Stadtrat von Tel-Awiw hat in seiner letzten Sitzung «einer Entrüstung über den Ueberfall auf den Poale Zion-Klub. in Tel-Awiw seitens der Mitglieder der Legion zum Schutze der hebräisehen Sprache (Gdud magine Hasafah) während der Feier des 20. Jahrestages der Czernowitzer jiddischen Sprachkonferenz Ausdruck gegeben. Der Stadtrat hat eine Kornmissten zur Untersuchung des Falles eingesetzt.