Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 80-81 (12.10.1928)
- Date
- 1928-10-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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In diesem Stil des Denkens, der Rede und des Gestus, der Form und der Arbeit, der sich auf dem erst dritten Bundestag des Kadimah bereits in frühen Ansätzen offenbart, liegt mehr als eine Aeußerlichkeit: liegt Ausdruck und Symbolik, die das Bild des jüdischen Menschen bereiten. Man erhält den bestimmten Eindruck, daß diese jungen Zofim sich an* schicken, die ״Tracht" zu ״tragen“, nicht nur besitzen. Der Außenstehende ahnt nicht, wieviel Geschmack, Phantasie und Energie dazu gehört, sich diese Formen wirklich auch geistig zueigen zu machen. Wer den Gleichschritt versteht, der die Masse durchdringt, wenn sie um das abendliche Feuer aufzieht, der wird auch begreifen, daß diese Menschen, gollen sie zu einem einheitlichen seelischen Typus erwachsen, Ihren eigenen Stil entwickeln müssen. Das Lager bezeugt, daß Menschen, di« erfüllt sind von einem gemeinsamen Wollen, sich zu treffen vermögen in in einer einheitlichen Grundstimmung zum Schaffen neuer und gültiger Maßstäbe des Zusammenlebens. Konventionen werden zu blassen Schemen. Die ״Du"-Beziehung verbindet alle zu einer überzeitlichen und -räumlichen Gemeinschaft. Niemand ist sich fremd oder gleichgültig. Ein Pfadfindergesetz, zutiefst in jüdischer Ethik wurzelnd; das der gegenseitigen Hilfeleistung, läßt ein Bewußtsein der Distanz, der völligen Verschiedenheit oder des Unbekanntseins nicht aufkommen. Alle gemeinsamen Aufgaben, deren es auf dem Lager unzählige gibt, werden eingeordnet in den Gefühlskreis der stärksten persönlichen und sachlichen Anteilnahme. In das Lagerleben hinein ragen die Symbole als sichtbare Zeichen der Ideen, welche die jüdische Lebensform beeinflussen. Der Mythos jüdischer Vergangenheit entzündet sich an den Fahnen und Wimpeln, auf denen altjüdische Tier- Symbolik lebendig wird, und die sinnvoll die einzelnen Mischmarim repräsentieren. Hauptsächlich die Jüngeren des Bundes fühlen in der lauten und verhaltenen Symbolik ihrer Lagerwelt, wenn auch nur unbewußt, daß sie in eine Atmosphäre jüdischer Form getaucht und durch sie verbunden sind, die nicht aufdringlich wirkt, und deren Inhalt sie deshalb gerne nachspüren. Einige Tage in solcher Umgebung, ständig — wenn auch zuweilen spielerisch — dem Ernst jüdischer Erneuerungsbereitschaft hingegeben, unterlegt für die Jungen und Mädchen der sonst oft künstlich angenäherten Eindeutigkeit jüdischer Ueberlieferung einen ganz neuen Sinn. Es ist erstaunlich, wie der Bund, der die Ueberreste dreier Bünde in sich zu verschmelzen hat, sieh in der kurzen Zeit seines Bestehens ausgebreitet und in sich gefestigt hat, wie sein Lager schon ein unverkennbares Eigen-Geprägc trägt, und sein Leben unter dem Gesichtspunkt des Wissens um seine jüdische Aufgabe verläuft. Die Art des Reagieren« auf Anordnungen, die selbstgewollte Disziplin während der verschiedensten Veranstaltungen', die keine untätige Pause, keine Müdigkeit, Unlust oder Verlegenheit während der fünf Tage aufkommen läßt, erweisen die gewaltige pädagogische Bedeutung des Lagers. Leider ist es unmöglich, im einzelnen zu berichten von all den wesenhaften Details, die, sej gs das!Lagerfetter oder der Chug iwri, Horrah oder Scoutspiel, Baden oder Kochen: zu erlebten Aeußerungen, zu zukunftsversprechenden Elementen jüdischer Gemeinschaftsentwkklung werden. In jedem wird nun die Frage auf steigen: welches ist eigentlieh das Ziel, die jüdische Aufgabe, zu deren Erfüllung solche Lebensentfaltung notwendig ist? Der Kampf um di« Klarstellung dieser Frage und um die Möglichkeiten ihrer Beantwortung wird nun in das Zentrum der Beratungen gestellt, die die Aeltercn des Bundes zwei Tage in Wächtersbach vereinigen. Das Plenum ist in zwei Lager geteilt, die mit starkem Ansturm einander berennen. In zähem Ringen verteidigt die Schar, in deren Reihen die bisherige Bundesleitung zu finden ist, ihre Ueberzeugung, die in den Sätzen der vorjährigen Resolution gipfelt: ״Kadimah ist ein unabhängiger Jugendbund mit reinen Er- Ziehungsaufgaben. Er lehnt es ab, die Nachwuchsbewegung irgendeiner politischen Organisation zu sein. Feind allen Zerspliiterungs- und Verfallstendenzen im Judentum, will er die jüdische Jugend zur verantwortlichen Mitarbeit an den gemeinsamen Aufgaben der Weltjudenheit erziehen. Innerhalb dieser Aufgaben kommt, entsprechend der unzertrennlichen Verknüpfung Palästinas mit der Geschichte des jüdischen Volkes, dem Wiederaufbau des Landes eine bcsondere Bedeutung zu. Intensives Hebräischlernen, Eindringen in die kulturellen und religiösen Probleme, Kenntnis der jüdischen Kulturwerte und der jüdischen Geschichte sowie das Wissen um die Gegenwartsfragen des jüdischen Volkes sind die unerläßlichen Vorbedingungen, um die Angehörigen unseres Bundes dazu zu befähigen, sich selbst innerhalb der jüdischen Probleme zu orientieren und nach ihrer Erziehung im Kadimah zur eigenen Entscheidung über ihren zukünftigen jüdischen Weg zvt gelangen.״ Die Erziehung muß nach dieser Auffassung eine ״objektive" sein, es muß auf jeden Fall vermieden werden, daß der entschiedene Führer irgendeine Beeinflussung in ideelicher Hinsicht auf jene ausübt, die seiner Führung anvertraut sind. Die Jugend soll zurückgeführt werden auf eine allgemeine jüdische Grundlage und von hier aus, nachdem sie im Bund das Material empfangen hat, um sich selbst ihre Ueberzeugung zu bilden und den Bund verlassen hat, einmünden in eine der politischen Strömungen des Judentums. Im Bunde ist demnach eine offizielle politische Stellungnähme ausgeschlossen. Neutral ist er dennoch nicht, weil er mit aller Kraft sich den Auflösungstendenzen im Judentum entgegenstemmt. Den Gruppen, die den Untergang der deutschen Juden als Juden dulden, steht er feindlich gegenüber. Eine antizionistische Strömung ist im Kadimah nach den Richtlinien, die er sich gezeichnet hat, unmöglich. Um den Zersetzungserscheinungen entgegenzütreten, stellt er sich die Aufgabe, zu arbeiten an der Einheitsfront der jüdischen Jugend in Deutschland, weshalb er in steter Fühlung mit den übrigen Jugendbünden bleibt. J.J.W.B. Von Meir Rosenberg-Berlin Die chaluzische Jugend spürt jede leise Regung der Veränderung, sei es eine Verschlechterung oder Verbesserung der Position der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina, weil sie sich selbst als Fortsetzerin dieser Arbeiterschaft betrachtet. Dan Schicksal der Arbeiterschaft in Erez Israel entscheidet so das Schicksal dieser Jugend mit. Das wirkt sich besonders dort aus, wo man es als wesentliche Aufgabe ansieht, neue Menschen zu erfassen, sie der Idee der Chaluziuth nahezubringen und ihr zur Verwirklichung zu verhelfen. Die Jugend des Jahres 1938 orientiert sich nicht mehr allein an Ideen und Idealen, sondern richtet sich im wesentlichen nach den realen Begebenheiten, realen Erfolgen ihrer Bewegung, deren erstes Glied sie ja nicht mehr ist. Darum erfüllt sie ihre erzieherische Aufgabe im Hinblick auf die Träger ihrer Idee in Erez Israel und leidet mit ihnen gemeinsam unter den Erschütterungen, denen diese im Lande ausgesetzt sind. Dies mußte gesagt werden, um die Situation zu klären und dem Leser Verständnis einzuflößen für dm höchsten Augenblick des Bundestages 1928 des Jung-Jüdischen Wanderbundes. Dobkin vom Hechaluz referierte über die Situation. Nach seinen Ausführungen konnte er von der A.-C.-Resolution Mitteilung machen, auf Grund deren die Exekutive von der Regierung 1250 Zertifikate anzufordern hat. Es läßt sich nicht in Worten schildern, was in diesem Augenblick für ein Empfinden unter den Chawerim Platz griff und wie Freude und Zuversicht im Nu aller Mienen erhellte und eine Horrah, eine Freudenborrah, die Fortführung der Diskussionen unterband. Das war der Augenblick dieses Bundestages. Es hat keiner angenommen, daß mit der Bewilligung dieser Zertifikate auch die allgemeine Wirtschaftslage schon vollends geklärt ist, aber man empfand: dieser Schritt dokumentiert den Glauben des A.-C., daß es nunmehr wieder Fortschritt gibt, und daß die Stagnation nunmehr vorüber ist, die die Gemüter quälend belastete. Derartige Imponderabilien wie das zufällige Eintreffen einer solchen Nachricht können den Kurs und die Entwicklung besonders einer Jugend in unvorhergesehenem Maße beeinflussen. Dieser Augenblick des Bundestags war Antwort auf eine im Bunde rege Debatte über die allgemein zu stellende Forderung der Chaluziuth an jeden Chawer des Bundes, eine Debatte, die sich im Anschluß an ein Referat von Uri Rosenbl&tt ergab. Ein Teil der Chawerim nämlich, die sich mit den Ideen des Bundes eng verknüpft fühlen, aber doch bisher noch nicht zur Verwirklichung dieser Idee schritten, fühlen ihre Existenz im Bunde ungefestigt, ringen um ahsolute Anerkennung und kämpfen gegen eine unousgesprochene Degradierung, die sie von seiten der Chaluzim sich gegenüber empfinden. Der J.J.W.B. kann zwar nicht die Lebensgestaltung dieser Chawerim in gleichem Maße bc- Werteiiw*!e das Leben der Chaluzim, verkennt aber picht das Anrecht jener, sich mit allen ihnen zu Gebote stehenden Kräften einzuordnen in die Bewegung, um mit ihren Das ist der Standpunkt, der die bisherige Leitung des Bundes in ihrer Innen- und Außenarbeit bestimmt hat. Ihr Arbeitsbericht läßt noch einmal alle positiven und negativen Bewertungen dieser Gedankengänge passieren. Dann geht die ״Opposition“ zum Angriff über. Zu ihrem überzeugenden Sprecher wird in mehrstündigem Referat Georg Guthmann. Ein maßgeblicher Teil des Bundes findet das dargeslclltc Erziehungsziel unklar, es macht unsicher, hemmt die Aktionsfähigkeit. Hauptsächlich die jüngeren Führer pochen darauf, daß die Üebermittelung bloßer Grundlagen, auf denen sich keine Erkenntnisse aufbauen, nicht da« letzte Ziel einer Bewegung sein kann. Sic fordern die Unbedingtheil einer jüdischen Lebenserneuerung von Grund auf, von einer starken Idee her. Die Ideologie der bisherigen Bundesmehrheit läßt sie unbefriedigt, denn sie findet in dem Zwang zur vorsichtigen Taktik und zum Kompromiß ihre deutliche Schranke. Politisches Schielen nach allen Seiten hin haben der Verinnerlichung der Bundesidee geschadet. Zwar sind die Erziehungspostulate wie sie sich in der Resolution dokumentieren, straff genug, aber ihre Erfüllung ist durch das Fehlen der realen Zwecksetzung unvollkommen geblieben. Man fragt sich: worin liegt die spezifische Existenzberechtigung des Kadimah? Fundierung und Verwirklichung dessen wird verlangt, was sich bereits organisch im Bund entwickelt. Auf seiner ersten Tagung wurde die Neutralität als Selbstzweck proklamiert (die Radikaleren bekannten sich zu der unglücklichen Formulierung ״positiv-jüdisch“), auf der nachsten wurde die ״Palästina-Klausel" in die Resolution eingefügt, und nun hat er sich durch die Umzentrierung auf die Probleme des jüdischen Volkes offensichtlich zum Tendenzbund gewandelt. Dieser Umweg war durch die Umstände der Zeit, den Zusammenbruch des Blau-Weiß bedingt: er mußte gegangen werden. Jetzt soll und muß man aber ehrlich genug sein, zu konstatieren, daß die Bundesarbeit in Form und Inhalt einen ausgesprochen national-jüdischen Charakter trägt. Es beruht auf einer Selbsttäuschung, zu glauben, daß zionistische Führer, deren Anzahl im Bunde überwiegt, ihre Weltanschauung, der sie nur durch Erhaltung und werbende Ucbermittlung gerecht werden, in ihrer Erziehungsarbeit hintan stellen können. Die nationalen Ideen stufenweise (je nach der Möglichkeit des Begreifens) in den Jungen und Mädchen zu verankern ist auch theoretisch-pädagogisch herechtigt. Die moderne Pädagogik bekennt sich mehr und mehr zu der 4nscbauung, daß Erziehung bewußtes Beeinflussen von Menschen unter weitgehendster Berücksichtigung ihrer Veranlagung ist. Die Phrase von der Gefahr der erzieherischen Vergewaltigung muß endgültig aiif.regeben werden. Die weltanschauliche Grundlegung des jüdischen Nationalbewußtseins in der westjüdischen Jugend i=t. die Aufgäbe des Kadimah. Mitteln, sei es als Führer oder als geistige Berater, die Arbeit des Bundes zu unterstützen. Jener Augenblick der Nachricht von einer bevorstehenden Alijah schnitt eine eingehende Diskussion üher die Motive und Konsequenzen einer solchen Einstellung ab. Man setzte sich mit Rücksicht auf die durch die Horrah zum Ausdruck gebrachte Stimmung und geistige Haltung des Bundes über jene Probleme hinweg. ״Der Bund hat geantwortet.“ (Späterhin mag man es wohl als Mangel empfunden haben, um diese Aussprache gekommen zu sein.) Die Alijahsperrc machte sich auch noch in anderer Hinsicht in der geistigen Haltung des Bundes bemerkbar. Die Chaluzim, die Chawerim des Bundes, die schon mehrere Jahr# in der Hachscharah standen, konnten ihren Willen, sich in die Reihen der palästinensischen Arbeiterschaft einzuordnen, nicht Ausdruck geben, weil sie an die Galuth gefesselt waren. Es erwachte in ihnen das Bedürfnis, darum mit doppelter Intensität nun die politische Stellung der Arbeiterschaft in Erez Israel zu stärken und hier in Deutschland an der Peripherie der Bewegung Einfluß zu gewinnen und, soweit wie möglich, einen Teil der Verpflichtungen abzutragen. Um diese Politisierung des Bundes entspann sich ein Kampf nach zwei Richtungen hin. Es war zur Diskussion gestellt, inwieweit der Bund zur Politik bestimmt und befähigt sei und ferner, in welcher Hinsicht sich die politische Betätigung dann auswirken müßte. Die politische Struktur des J.J. W. B. ist gekennzeichnet durch seine Erziehung zur Chaluziuth, d. 11. zürn Arbeitertum. Der Kampf um die Existenz zeichnet eindeutig die politische Haltung vor. Unausweichliehe Konflikte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer weisen den Chaluz zur klassenkämpferischen Haltung hin. Es fragt sich nur für den J.J.W.B., ob ein Eingreifen in die politische Maohtgruppierung in der Galuth nicht die Stoßkraft zur chaluzischen Erziehung durch Aufteilung der Kräfte schwächt.. Und gerade die bevorstehende Alijah und der mit ihr verbundene Anreiz zur neuen Hachscharah heben zum Teil den Diskussionsstoff auf. Damit allein ist aber die Frage noch nicht gelöst, denn die Existenz mancher nichtchaluzischen Chawerim bleibt weiter bestehen und für sie ist durch die Gründung der Liga für das arbeitende Palästina auf Initiative des J.J.W.B. hin ein neues Arbeitsgebiet geschaffen worden. Dies waren die Grundgedanken des Bundestages, der nicht zuletzt sein palästinanahes Gepräge dadurch erhalten hat, daß mehrere Chawerim und Chawerolh aus dem Lande anwesend waren. Dow Stock sammelte einen Chug Iwri, Ada Fischmann und Golde Meyersohn sprachen über die Stellung der Frau in der Ivwuzah, gaben Aufklärung über die Not- Wendigkeiten einer zweckmäßigen Hachscharah für die Mädchen. Am ersten Abend sollten palästinensische Chawerim über die augenblickliche Situation berichten, aber die A.-C.-Sitzung hinderte sie am Erscheinen und so sprach Georg Lubinski an ihrer statt; er gab dem von allen gefühlten dumpfen Druck der schwierigen Situation im Zionismus Ausdruck und rief in wenigen Worten die Chawerim zur restlosen Verantwortung für die Bewegung auf. Demnach ist der Bund reif zur Annahme des zionistischen Programms? Nein. Der Zionismus schließt politische Faktoren in sich ein. Die seelische Struktur des jungen Mensehen läßt aber die Vorwegnahme des Ergebnisses und der Konsequenz aus einer weltanschaulichen Haltung nicht zu. Dem jungen Menschen muß ferner die Chance der letzten Konsequenz deshalb gewahrt bleiben, weil das Bekenntnis zur zionistischen Wirksamkeit vitale Umwälzungen (Um- Schichtung, Alijah) mit sich bringt. Schließlich wird dem Zionismus selbst der beste Dienst erwiesen, wenn die Mensehen erst im Alter der Reife auf seine Seite treten, wenn sie imstande sind, alle verantwortlichen Erwägungen selbständig anzusteilen. Aus entwicklungspsychologischen, moralischen und zionistischen Gründen also muß der Zionismus in seiner politischen Folgerung als Erziehungsziel des Bundes ausscheidcn. Seine weltanschauliche Komponente dagegen (,,Nationaljudaismus" nennt sie Georg Guthmann schlagwortartig, obwohl er weiß, daß dieser Begriff nur klar wird innerhalb des Komplexes seiner gedanklichen Definition), d. h. die Erfüllung mit national-jüdischen Werten zur Erzielung eines lebendigen jüdischen Volksbewußtseins wird als Erziehungsgrundlage akzeptiert. Diesen Argumenten und Uebcrlegungen, die ihren Widerhall finden in den Beschlüssen für Außen- und Innenarbeit, beugt sich die Mehrzahl der Gegner. Der Sieg dieser Auffassung findet zum großen Teil seinen Ausdruck in der Zusammensetzung der Bundesführung und der Bundesleitung. Diese, bestehend aus Georg Guthmann, Karl Guggenhcim und Henry Ungar, hat jetzt ihren Sitz in Frankfurt a. M. Was werden die nächsten Aufgaben der neuen Leitung sein? Das für den Winter geplante Führerlagcr muß die neuen Erkenntnisse pädagogisch vertiefen, und in die Systematik der Pfadfindererziehung einordnen. Es muß weiter versucht werden, eine Verständigung mit den übrigen jüdischen Jugendbünden herbeizuführen, aber nur unter Wahrung und scharfer Präzisierung des eigenen Standpunktes. Die Gründung eines zionistischen Aelterenbundes muß angeregt werden, dem die aus dem Pfadfinderbund ausscheidenden älteren Kadimäer angehören, ohne daß dieser Bund erganisatorisch etwas mit dem Kadimah gemeinsam haben soll. Eine Fülle von Arbeiten, die hier nur angedeutet sind, wartet auf die Leitung. Sie wird einer harten Kritik ausgesetzt sein, sowohl von den gemäßigten als auch den radikaleren Angehörigen des Bundes. Alle sind sich jedoch darin einig: daß die starre Behauptung einer gefaßten Meinung wird weichen müssen der aufriittelnden Wahrhaftigkeit jüdischen Zukunftswillcns. Der jüdischen Zukunft zu dienen, an ihren Gesetzen formend tätig zu sein: darin erblickt der Kadimah seinen höchsten Sinn.