Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 80-81 (12.10.1928)
- Date
- 1928-10-12
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Dom Bundestag vorangegangen war ein Jüngerenlagcr, m dem über 100 der Jüngsten im Bunde zusammengefaßt waren. 111 ihnen wurde während der zwei Wochen ihres Beisammenseins das Gemeinschaftsgefühl in einem ihnen bisher noch unbekannten Maße geweckt, und durch das gemeinsame Leben trat ihnen ihre Beziehung zum jüdischen Volke klar vor Augen. Hebräische Arbeit, Siehoth gaben den Anstoß, nun nach dom Bundestag weiter denselben Gehst zu leben und die empfangene Anregung zu benutzen und zu vertiefen. Die neue Bundesleitung besteht aus Mosche Brachmann, Mcir Bosenberg und Uri Rosenblatt. Die Redaktion des ״Jungen Juden'* wurde wieder Georg Lubinski, die des ״Hcchawor“ Meir Bosenberg übertragen. Das Bundesbüro befindet sich jetzt Berlin SW 68, Ncuenburger Str. 07. Neue Bestrebungen im deutschen Makkabi Von Fritz M au tn c r - Rer] in Am 2. September wurde in Breslau der 1:1. Turntag des deutschen Kreises im Makkabi-Weltverband abgchaltcn, der sich in der Hauptsache mit Fragen der Richtung und Methode der inneren Arbeit beschäftigte. Schon in den letzten Jahren wurden im Makkabi die Stimmen immer lauter, die erkannten, daß mit dem steten Anwachsen der Bewegung die Fortschritte in der gewollten jüdischen Erfassung der!Mitglieder in den Bar Kochba-Vereinen nicht schritthiclten. Besonders der Niedergang des größten zionistischen Bundes in Deutschland, des Blau-Weiß, ließ im deutschen Makkabi das zionistische Verantwortungsgefühl immer größer werden. Seit einem Jahre ist die Frage der zionistischen Erfassung der Makkabi-Jugcnd die aktuellste Frage der Bewegung geworden. Die vorangegangenen schriftliehen und mündlichen Diskussionen haben nun zunächst ihren Höhepunkt in den Beratungen des Breslauer Tumtages gefunden, der alles in allem, einen neuen Beweis für die äußere und innere Stärke der Makkabibewegung brachte; es waren 50 Delegierte, die je 100 Mitglieder vertraten, anwesend, ferner etwa 5ךב Turner aus allen Teilen Deutschlands und einige Gäste des tschechischen Kreises. Im folgenden will ich nur von der Tagung selbst berichten, die voll und ganz von den oben erwähnten Fragen beherrscht war. Den Anlaß gaben Anträge des Bar Kocliba- Breslau, in denen die Schaffung einer Makkabi-Jtigendbewegung gefordert wurde. In Breslau selbst ist dieser Weg durch Schaffung eines Bar Kochba Ilazair bereits begonnen worden. (Es werden in den Ilazair nur solche Jungen aufgenommen, die. sich durch Kurse bestimmte Kenntnisse angeeignet haben und auch sonst verschiedenen Forderungen nachkommen. Die Ilazair-Jungen müssen andere Bar Kochbaner zu den A'orbercitungskursen heranziehen, um im Laufe der Zeit die gesamte Bar Kochba-Jugend zu erfassen. Als äußeres Zeichen wird bei Aufnahme in den Ilazair die Bar Kochba Hazair-Nadel verliehen.) Nach dem Jahresbericht der Kreisleitung, aus dem man an allen Orten Fortschritte der Vereine entnehmen konnte, wurde die Tagung durch einige Referate eingeleitet. Nathan Kaminski (Kreisleitung) betonte in seinem Referat über ״Richtung und Methoden unserer Arbeit“ besonders unsere Stellung zu den neutralen Turn- und Sport-Vereinen. Wälirend früher allein die Parole der körperlichen Ertüchfigung der jüdischen Jugend Bar Kochba-Vereine entstehen ließ und diese Parole von assimilierten Kreisen nicht anerkannt wurde, haben sich heute unter diesem Schlagwort jüdische Vereine gebildet, die sich neutral nennen, d. h. aber in Wahrheit: das ״Jüdische" als Problem und als Aufgabe ignorieren. Dagegen versuchen wir, den jungen Menschen, der heute nur mit einer gefühlsmäßigen jüdischen Ein- Stellung in unsere Reihen tritt, die Situation seines Judeseins vor Augen zu führen und ihn zur Beantwortung der jüdischen Frage zu bringen. Nur dann hat nach unserer Ansicht ein jüdischer Sportverein Existenzberechtigung, wenn er sich vom nichtjüdischen unterscheidet, das Jüdische wirksam werden läßt und dem auch Ausdruck gibt, indem er sich in die Reihen des neuen aufbauenden Judentums stellt, das die große zionistische Bewegung uns bedeutet. Darum sei eine zionistische Intensivierung, wie sie in Breslau durch den Bar Kochba Ilazair angestrebt wird, zu begrüßen. Denn aus einer solchen starken Bewegung wie der unsrigen müssen auch zionistische Führer hervorgehen. Heinrich JvH/m-Berlin beschäftigte sich in seinen Ausführungen über dasselbe Thema mit sehr vielen wichtigen Fragen der jiidischen Lebensaufgabe, die ich im Rahmen dieses Berichts nicht, wiedergehen kann. Seine Grundauffassung der jüdischen Arbeit an der Jugend gipfelt in der Forderung einer tieferen gründlicheren Beschäftigung mit der jüdischen Geschichte und Kultur, die, Vorbedingung zur Erfassung unserer Menschen sei. Auch sei eine stärkere Hinwendung zu Erez Isreal notwendig. Kurl Blumenfeld, der während der ganzen Tagung anwesend war, wendet sich in seinem Referat zunächst der Frage Geist und Sport zu. Der Sport bedeute für das geistige Leben, besonders das politische, bei einseitiger Betonung eine gewisse, Gefahr. Er ist dazu gcschaffen, die Masse zu entpolitisieren. Daher sei eine Synthese von Sport und geistiger, jüdischer Arbeit heute mehr denn je Aufgabe des Makkabi, der jetzt in einer ganz anderen jüdischen Umwelt steht wie vor dem Kriege. Wer damals den Mut hatte, in einen jüdischen Turnverein zu gehen, war schon dadurch als Zionist gekennzeichnet. Heute gibt es eine jüdische Gesellschaft, der jüdische Vereine Selbstverständlichkeit sind. Sich dieser gegenüber abzugrenzen, ist die Aufgabe einer Turn- und Sportorganisation, die zionistisch sein will. Sie kann das nur durch ein ganz starkes zionistisches Bekenntnis. Der Makkabi muß eine Massenbewegung bleiben, braucht aber bewußt zionistische Gruppen, von denen der zionistische Impuls ausgeben muß*). •) Eine ausführliche luhailsaugalie dieses Referats erscheint in der nächsten Nummer des ״Makkabi". Gegenüber den Breslauer Forderungen vertreten einige die Ansicht, daß durch einen zu engen Zusammenschluß und vollkommene Festlegung der Weg zu den breiten Schichten der jüdischen Jugend versperrt werden könnte. Für sie ist der Makkabi das Sammelbecken der jüdischen Jugend und soll es weiter bleiben, eine Erziehungsgomein- Schaft zum Zionismus, keine zionistische Erziehungsgenieinschaft. Ein Delegierter sagte z. B., man darf keine Intensivgruppen schaffen, uni die zionistische Atmosphäre im Gesamtverein nicht zu vernichten; andere fürchteten Scparatisraus eines ״Hazair“ oder geistigen Dünkel gegenüber nur sporttreibenden Mitgliedern. Dr. Julimhurgcr, der beste Vertreter der Breslauer, betonte demgegenüber, daß natiirlieh auch der Ilazair in Breslau sich es zur Aufgabe macht, Nachwuchs für die Gesamtarbeit zu stellen, schon um auch dadurch die meist gleichgültige Einstellung der Senioren zu ändern, und Ernst Co/m-Breslau konnte darauf hinweisen, daß es ihm gerade durch die Schaffung des ״Ilazair“ gelungen ist, den Fiihrermangel zum Teil zu beheben. Für die Breslauer setzten sich außer einigen Mitgliedern der Kreisleitung fast nur die Vertreter von Brannschweig und Frankfurt a. M. ein, was zum Teil auch daran gelegen haben mag, daß viele der Breslauer Anträge unklar gefaßt waren. Ein Teil der Delegierten lehnte sie nicht aus Gegnerschaft, sondern aus der Ueberzeugung heraus ab, daß papieme Beschlüsse nicht gefaßt werden dürften und daß die Entwicklung diese Fragen entscheiden würde. Nachdem zum Schluß der Diskussion Dr. Leiewer noch einmal stark betonte, daß uns allen nur das eine Ziel einer schlagkräftigen, zionistischen Makkabi-Bewegung vorschwebte, wurde folgende Resolution angenommen, die der Pcrmanenzausschuß in Abänderung der Breslauer Anträge unterbreitete: ״Der Deutsche Kreis im Malzkabi-Weltverhand sieht, seine besondere Aufgabe in der Erziehung der in seinen Reihen befindlichen Jugendlichen zu Zionisten, die erfüllt sind von dem Gefühl der Verantwortlichkeit für das Schicksal des jüdischen Volkes. Jede Arbeit der Bar Kochba-Vereine muß dieser Aufgabe Rechnung tragen. Die jüdische Erziehungsarbeit muß in den Vordergrund der Vereinsläligkeit gestellt, werden." Wir wollen hoffen, daß diese Debatte, die notwendig war. doch eins zur Folge haben wird, wenn auch Breslau und viele andere nicht mit ihren Ergebnissen zufrieden waren: Es werden diejenigen, die sieh als Zionjsten für die zionistische Arbeit in den Makkabi-Vereincn verantwortlich fühlen, aufstehen und eine neue bessere Makknbi-Goncratkm mitschaffen helfen, soweit es in ihren Kräften stellt, gleichgültig, ob mit oder gegen die Methoden des Ilazair. Und auch der Bar Koehba-Breslau wird siHi freuen, wenn in anderen Vereinen das ohne Ilazair gelingen wird, was Breslau mit Ilazair hoffentlich erreichen wird. Aus einer Selbstdarstellung der Deutchen Zeire Misrachi Die Zentrale des Zeire Misrachi für Deutschland stellt uns' den folgenden Auszug eines Briefes zur Verfügung, den sic an ihre Wiener Chawerim gerichtet, hat, und der die Aufgaben des Zeire Misrachi nach der Auffassung der deutschen Leitung kurz umreißt. ״. . . Der Zeire Misrachi ist einerseits Mitglied des Weltmisrachi und damit selbst eine politische Partei, andererseits aber ist er ein Jugendbund (wobei Jugendlichkeit nicht auf ein bestimmtes Alter beschränkt ist, sondern als psychologische Haltung verstanden werden soll), und als solcher eine Erziehungsgemeinschaft. Wir in Deutschland legen den Hauptwort auf das letztere. Uns liegt es nun aber fern, den Wert einer politischen Arbeit geringzuschätzen. Im Gegenteil, wir glauben, daß der Zeire Misrachi sowohl in dem Weltmisrachi wie innerhalb des Zionismus überhaupt seine besonderen politischen Aufgaben hat." . . . ״Durch die Setzung ,Awoda* in unserem Programm deuten wir nicht nur an, daß wir die Arbeit, die tätige Ausführung des Aufbauwerkes für unser wesentliebes Ziel halten, es bedeutet fernerhin, daß wir als Arbciter unseren Platz auf Seiten der Arbeiter einzunehmen haben. Unsere Politik hat eine Politik echten jüdischen sozialen Empfindens zu sein, die die historischen Gegensätze, wie sie sich etwa im Kapitalismus und Sozialismus darstellen, in ihrer geschichtlichen Notwendigkeit begreift und sie nicht im allgemeinen ausgleichenden Humanitätsbegriffe leugnen oder wegwischen will. Sie hat daran zu arbeiten, beide Kräfte aus dem Verständnis ihrer Entstehung im Sinne unserer ebenfalls am Leben geformten Lehre in unserem zukünftigen Staate zu bejahen und sie in der Ausgestaltung unseres Lebens zu vereinen. Praktisch hat sich diese Grundeinstellung in der besonderen Betonung unseres revolutio- *nären Charakters auszuwirken, in der Aktivierung unserer Kräfte zum Angriffe gegen die heutige Gesellschaftsordnung, die von jenem ,humanitären‘ Glückseligkeitsbcgriffe ebensoweit entfernt ist, wie etwa von dem sozialen Bilde unserer Bibel. Daher werden wir uns generell auf Seiten der Lin!- ken zu halten haben, und unsere besondere Aufgabe im Weltmisrachi hat zu sein, diese unsere sozialen Anschauungen dort durchzusetzen. . . ״Die Frage der Ausgestaltung unserer inneren Arbeit ist naturgemäß durch das von uns gesetzte Ziel stärkstens becinflußt, wenn wir auch den Realitäten des Lebens Rechnung zu tragen haben. Wir sind eine Erziehungsgemeinschaft, kollektiv organisiert, und von dem erzieherischen Wert eines hündischen Lebens überzeugt. Wir wollen aber den Bogen nicht überspannen. Wir überlegen in jedem Falle, ob wir einem Chawer oder einer Chawerah raten sollen, etwa landwirtschaftlicher Chaluz zu werden, wir verlangen keinen unbedingten Autoritätsglauben unserer Chawerim. Wir schätzen das Individuum und sind der Ueberzeugung, daß nur durch eine wahrhaft ganze Persönlichkeitsbildung der Mensch dienend an einem Werk mitwirken kann. Das besagt, daß die Anlagen des Einzelnen voll auszuwerten sind, daß bei einer Erziehung nicht schematisch etwa zum landwirtschaftlichen Chaluz erzogen werden darf, sondern auf die individuellen Differenzen besonders zu achten ist, die in ihrer spezifischen Ausbildung dem gemeinsamen Leben cinzuordnon sind. Unser Erziehungskleal ist ja festgelegt in unserem Artikel 1. Dort ist die Rede vom Einsatz der ganzen Persönliehkeit, was die Bildung einer solchen voraussetzt, — von dem besonderen Platze in Erez Jisracl aber ist nicht die Bede. Wir erziehen hier zu der seelischen Disposition des Chaluz, zu der Ergriffenheit von der zionistischen Idee in ihrer Tora wa-Awoda-Auffassung, die jetles Opfer zu leisten gewillt ist. Es ist allerdings klar, daß ein solches Bewußtsein an sich selbst nicht genug haben kann und der konkreten Zielrichtung bedarf. Diese Richtung aber eben schreiben wir nicht generell vor...“ ״Mittel dieser Erziehung sind Fahrten, Kurse, Heimabende, kurz Schaffung eines jüdischen Lebens hier in der Galulh, soweit wie möglich. Es gilt, die, Chawerim und Chaweroth aus ihrer bisherigen Bahn herauszureißen, ihr Verhältnis zu Elternhaus, Gesellschaft, Religion, zu dem gesamten Leben grundlegend zu_ändern; <!>r Bund muß ein relativ jüdisches Ideallcben zu errichten suchen. Aber auch hier muß eine Grenze gezogen werden. Wir erziehen die Mensehen zu mitarbeitenden Juden am Aufbauwerke Palästinas, wir erziehen zu einem Ziele, womit wir anssprechen, daß wir sie letzthin freigeben wollen. Die Aelterenschaft, die aus dem Zeire Misrachi erwächst, wird frei von jeder bündischen Disziplin sein, — sie wird aber schon so diszipliniert worden sein, daß sie wiederum die neue Generation und die neuen Aufgaben formt und, zu ihrer Erziehung und Bewältigung, milhilft, die Wege zu suchen. Die Ilauptwirksam- Leit wird aber dem Wellmisraclii, dem Gesamlzionismus gelten müssen. Mit der wachsenden Erfahrung und der Erweiterung des Lebenshorizontes soll auch die veranlwovlungsvolle Tat sich umfassenderen und weittragenderen Dingen zuwenden, wenn auch die Grundeinstellung, die Verknüpfung und Durchdringung von Tora wa-Awoda immer gleich bleiben soll.“ Das KJVer Camp in Geisa Das Kartell jüdischer Verbindungen hatte vom 5p. bis 31. Juli in Geisa, einem kleinen Landstädtchcn in der Rhön, sein diesjähriges Camp. Als Verarstaltungsforni, die im Kartell jüngeren Datums ist, stellte das Camp einen nach einjähriger Unterbrechung wieder aufgenommenen, im ganzen vollständig gelungenen Versuch dar. Auf dem Wege zur organisatorischen Erstarkung des Kartells, um di.e sich das gegenwärtige Präsidium in erster Linie bemüht, bedeutete das Camp mithin einen wesentlichen Erfolg. Besucht war das Camp von über 100 meist jüngeren Bundesbrüdern, am stärksten waren der Ruder-V. .1. St., Berlin, und die Ilasmonaca, Breslau, vertreten, sonst war das Bild stark durch die sogenannten Sommerverbindungen Heidelberg, München, Freiburg usw. bestimmt. Das Ueberwiegen der., jüngeren Generation gab dem Camp einen frischen Zug, die Freude am Zusammenleben und Sich-kennen-lemen trat stark hervor, so daß ernste Aussprache und sachliche Arbeit vielleicht nicht voll zu ihrem Rechte gekommen sind. Sport und Spiel nahmen einen großen Teil der Zeit in Anspruch, die schöne Landschaft lockte zum Wandern und die ״geselligen Veranstaltungen“, für die immer noch eine leidige Fonnenfrage besieht, waren nicht zu umgehen. Trotzdem brachte das Camp nicht nur einzelne einander persönlich näher, auch als Ganzes liinlcrli.eß die Tagung das Gefühl einer menschlichen Bereicherung, befestigte den Glauben an die Zukunft des Kartells und seiner tragenden jüngeren — erfreulich jungen — Generation. An sachlichen Veranstaltungen bot das Camp außer einer teilweise mit Niveau geführten Aussprache über die Jewisk Ageney-Frage eine Erziehungsdebatt«, die deshalb interessant ist, weil aus ihr einiger Aufschluß über die innere zionistische Situation des Kartells geschöpft werden kann. Die Aussprache wurde eröffnet mit einem ausführlichen Referat des Präsidiumsmitgliedes Tuchler. In gedrängter, gehaltvoller Diktion legte Tuchler ein umfassend«; System dar, das den Gesarntbereich der Erziehungsaufgaben umfaßte, wie sie die Arbeit jdes aktiven Kartells heute bestimmen. Getragen von einer humanistischen und im eigentlichen Sinne pädagogisebnn, deswegen aber auch in hohem Grade unpolitisehen Grundauffassung, wurde das gesamte Erziehungswerk basiert auf einer Einordnung in die kulturellen und historischen Zusammenhänge des Judentums. Der judaisierte Zionist wurde als wesentliches Erziehungsziel hingeslellt. Die Erfüllung mit jüdischen Inhalten eröffnet den Weg auch zur Anteilnahme am realen Geschehen und an den praktischen Aufgaben des Zionismus. In dieser Richtung kommt es darauf an, nachweisbare Ergebnisse zu erzielen, eine Verknüpfung jedes Einzelnen mit dem Aufbauwerk wirklich hemislollen und somit in jeder Hinsicht das Streben zur vollen Ausbildung der Persönlichkeit ausklingen zu lassen in die jüdische Tat. In der Diskussion ergab sich, daß die Grundhaltung des Referenten keineswegs von allen Anwesenden gebilligt wurde. Man wandte sich nicht so sehr gegen einzelne Forderungen wie gegen die gesamte Auffassung, die von vielen als zu unpolitisch und den brennendsten Aufgaben des Kartells nicht entsprechend empfunden wurde. Von anderer Seite wurden Vorschläge gemacht, die auf eine stärkere Politisierung und dadurch Verlebendigung des Kartells hinausliefen, ferner wurde besonders die Auseinandersetzung, teils mit bestimmten politischen Strömungen der Gegenwart (Kommunismus), teils mit den wichtigsten und bestimmenden Realitäten des jüdischen Lebens, besonders im Osten und in Palästina, verlangt. Die Debatte war zeitlich sehr begrenzt. Sie führte daher naturgemäß zu keiner erschöpfenden Aussprache über die behandelten Fragen. Sie werden vielmehr allgemein nach wie vor, besonders soweit es sich um die damit verbundenen Probleme der Praxis handelt, als offene Probleme empfunden. P. Sch.