Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 80-81 (12.10.1928)
- Date
- 1928-10-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 568 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 80/81, 12.X. 1928 Zweiter Band ״JUfUsdies Lexikon Der Zehnf<thr~$d1ekel und das Weliadrefjbudi Von Dr. med. Walter Kohner, Karlsbad. Ich möchte im Folgenden ein Problem zur allgemeinen Diskussion stellen, welches ich im Vorjahre in einem Artikel in der ״Jüdischen Rundschau“ bereits berührt habe und das damals die Aufmerksamkeit des Organisationsdepartements der Exekutive in London gefunden hat. Wenn ich diese Frage neuerlich aufs Tapet bringe, so geschieht dies deswegen, weil ich während des heurigen Sommers im Gespräche mit einer Reihe führender Zionisten den Eindruck gewonnen habe, daß mein Vorschlag annehmbar und ausbildungsfähig sei. Das Problem des Schekels bietet seit der allerersten Zeit der zionistischen Tätigkeit eine außerordentliche Schwierigkeit, die, kurz gesagt, darin besteht, daß der Preis dieses Zahlungsmittels, dieser zionistischen Legitimation, notgedrungenerweise so niedrig gehalten werden muß, daß seine Aufbringung nicht rentabel ist. Ich möchte auf die ganze Diskussion in dieser Frage nicht weiter eingehen. Die Ablösung des Schekels durch andere Arten der Mitgliedschaft an der Zio nisiischen Organisation hat sich als untunlich erwiesen, weil die psychologischen Grundlagen des Schekels, seine historische Bedeutung vor allem, derart stark sind, daß sich das zionistische Gefühl allerorts dagegen wehrt, den Schekel fallen zu lassen. Ich möchte der zionistischen Oeffentlichkeit meinen Vorschlag nochmals unterbreiten, wobei ich glaube, zwei dringende Notwendigkeiten der Zionistischen Organisation zu gleicher Zeit in befriedigender Weise zu erfüllen. Diese zwei Notwendigkeiten sind erstens: die Schaffung eines entsprechenden Einkommens für die Exekutive, aus welchem die Erfordernisse des Apparates und der Organisation zur Gänze gedeckt werden können; zweitens: die Erweckung des Interesses der Mitglieder der Zionistischen Organisation an dieser Organisation selbst. Eine Begründung der ersten Notwendigkeit scheint mir überflüssig zu sein, doch glaube ich über die zweite einige Worte verlieren zu müssen, wobei ich mir wohl bewußt bin, anfänglich auf den Widerstand aller derjenigen stoßen zu müssen, denen die sentimentale Auffassung ihres Zionismus so sehr in Fleisch und Blut übergegangen ist, daß sie sich nur schwer dazu entschließen können, der Realität ins Auge zu blicken, ich behaupte, daß es für die Schlagkraft der Zionistischen Organisation unumgänglich notwendig ist, ihren Mitgliedern mehr zu bieten als das sogenannte ScnHment, an einer großen und erhabenen Arbeit mitarbeiten zu dürfen. Dieses Gefühl wird immer nur für einen geringen Teil der Zionisten ausschlaggebend sein, während die große Masse der Zionisten als menschlich allzu menschliche Wesen erst dann voll und ganz an der Organisation hängen werden, wenn diese Organisation sich ihnen gegenüber in der einen oder der anderen ,weise dankbar erweist, wenn die Möglichkeit vorhanden wäre, die in einer halben Million Mitgliedern ruhende wirtschaftliche Potenz in einer gewissen Weise den einzelnen Mitgliedern zugutekommen zu lassen, so wäre es von vornherein wahrscheinlich, daß diese Organisation, da sie außer ihrem großen Zwecke auch nofch einen gewissen Rückhalt für ihre Mitglieder bieten könnte, eine außerordentlich tragfähige und wirkungsvolle werden müßte. Es ist nun möglich, die in der Zionistischen Organisation ruhende Energie in eine in das praktische Leben des einzelnen Mitgliedes fördernd eingreifende Kraft umzusetzen. Die Form hierfür ist das Weltadreßbuch. Ich kann es mir wohl versagen, des näheren auszuführen, von welch außerordentlicher Bedeutung es für einen Großteil unserer Mitglieder sein muß, zu wissen, wer in der Welt ein Gesinnungsgenosse ist. Es ist eigentlich unbegreiflich, daß der so naheliegende Gedanke noch niemals in. Wirklichkeit wnigesetzt wyrde. Es , wird wohl kaurn einen '׳feifflgeh'unter den ftti wirtschaftlichen Leben stehemfeh Zionisten geben,welcher nicht wohl schon unzählige Male das Bedürfnis empfunden hätte, im privaten und wirtschaftlichen Leben Namen und Adressen von Menschen zu wissen, welche allein durch die Zugehörigkeit zur gleichen Ideengemeinschaft ihm von vornherein näherstehen. Der Weg zum Weltadreßbuch führt zwanglos über den Zehnjahrschekel. Mein Plan ist folgender. An Stelle der jährlichen mühseligen Sammlung für den Schekel wird eine Aktion eingeleitet, welche die Zionisten zur Bezahlung des Schekels für zehn Jahre im voraus veranlaßt. Der auf diese Weise gesammelte Betrag wird einem Treuhänder übergeben, der ihn zinsbringend anlegt Er führt an die Organisation jedes fahr den für dieses Jahr entfallenden Betrag ab, während die Zinsen für die Aufrechterhaltung des Apparates und für die Drucklegung des Adreßbuches oder Mitgliederverzeichnisses verwendet werden, soweit für den letzteren Zweck überhaupt noch Zuwendungen notwendig sind, da ja bekanntlich ein aut großer Grundlage angelegtes Adreßbuch durch Aufnahme von Annoncen usw. an und für sich ein geschäftliches Aktirtim ersten Ranges darstellt. Die Berechnung der Rentabilität dieses Vorganges ergibt eine Summe von 22y״ »/o, welche im Laufe von zehn Jahren fewonnen wird. Wenn z. B. auf der Welt nur hunderttausend ehnjahr-Schekel zujeM. 1,— gegeben würden, so würde dies einer Summe von einer Million Mark entsprechen, aus welcher 225 (X» Mark für die Zwecke des Apparates zur Verfügung ständen, welcher diese Summe aufbringen soll, wobei schon gerechnet ist, daß der Organisation jedes Jahr die runde Summe von 100 000 Mark abgeführt wird. Demjenigen Zionisten, der seinen Schekel für zehn Jahre im voraus bezahlt, wird zugesichert, daß sein Name und sein Beruf nach Orten oder auch im weiteren Verlaufe nach Branchen geordnet in das Weltadreßbuch aufgenommen wird. Das Verzeichnis der Zahler des Zehnjahr-Schekels bildet zugleich die beste Grundlage für jede zionistische organisatorische Arbeit. Die ständige Evidenzhaltung ist an und für sich organisatorisch von großer Wichtigkeit. Durch jährliche Nachträge wird das Verzeichnis komplett erhalten. Das Verzeichnis ist zugleich ein Wählerverzeichnis für Kongreßwahlen usw. Es ist wohl nicht notwendig, über die technische Durchführung dieser Arbeit hier ausführlich zu sprechen, da ja das Geld für sie vorhanden sein wird. Natürlich wird neben dieser Sammlung des Zehnjahr- Schekels der Einjahr-Schekel von allen denen genommen werden, die nicht in der Lage sind, einen so hohen Betrag aufzubringen. Diese Beträge werden wie bisher direkt an die Exekutive abgeführt. Ich bin gern bereit, den Interessenten die genauen Berechnungen zur Verfügung zu stellen. Wenn ich noch einmal aut dieses Thema zurückkomme, so geschieht es deswegen, weil ich glaube, daß zu Beginn der Winterarbeit den einzelnen Ortsgruppen ein Diskussionsthema von so eminenter Wichtigkeit nicht unwillkommen sein wird. VerarfeünBg eines Cbainz-Führers Moskau, 9. Oktober. (J T. A.) Schalom R a s c h b a , einer der Führer des Hechaiuz in Rußland und Direktor eines Siedlungskollektivs, wurde vom Minsker Gericht wegen zionistischer Betätigung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, aber provisorisch auf freiem Fuß belassen. Wie der J. T. A.- Vertreter erfährt, hat die Sowjetregierung soeben zwei Chaluzim Pässe zur Reise nach Palästina ausgestellt. Man erwartet, daß zahlreiche andere Chaluzim, die um solche Pässe nachgesucht haben, diese erhalten. Die Chaluzim hoffen, daß die Palästina-Regierung ihnen die Einreisevisa nicht verweigern wird. Soeben erschien im Jüdischen Verlag Berlin der zweite Band des ״Jüdischen Lexikons", der die Buchstaben D bis H umfaßt. Dieses enzyklopädische Handbuch des jüdischen Wissens wurde bekanntlich von Dr. Georg Herlitz und Dr. Bruno Kirschn e r begründet, und die Herausgeber haben die Mithilfe einer Reihe von Fachredakteuren für die einzelnen Gebiete gewonnen. Der Mitherausgeber Dr. Kirschner ist, wie im Vorwort dieses Bandes mitgeteilt wird, von seiner Tätigkeit zurückgetreten, nachdem er, wie im Vorwort ausgesprochen wird, sich in neun Jahren unermüdlicher Arbeit außerordentliche Verdienste um das Werk erworben hat. Auch dieser zweite Band beweist, wie wertvoll dieses Lexikon, das erste populäre und umfassend orientierende Handbuch dieser Art, für den auf jüdischem Gebiet arbeitenden Menschen, darüber hinaus aber für das jüdische Haus sein wird. In der letzten Zeit macht sich ja unverkennbar in immer höherem Maße der Drang nach jüdischem Wissen bemerkbar. Nach einer Generation, die sich vom Judentum immer mehr entfernte, tritt heute eine Generation in den Vordergrund, die sich die durch die Entwicklung des letzten Jahrhunderts verlorengegangenen Kenntnisse allmählich wieder erobern will. Es ist natürlich nicht jedem möglich, sich durch gründliches Studium ein fundiertes Wissen zu erwerben, zumal auch dies nicht alle weitverzweigten Gebiete, die das Judentum betreffen, umfassen könnte. Aber das Bedürfnis,״sich rasch über Tatsachen zu orientieren und von Zeit zu Zeit, mit oder ohne Anlaß, einem sachlichen und übersichtlichen Artikel über einen Gegenstand der jüdischen Vergangenheit oder Gegenwart zu lesen, ist heute auch in dem normalen jüdischen Hause vorhanden, bei Eltern und bei Kindern. Daher glauben wir, daß dieses Lexikon in einem richtigen Moment gekommen ist und eine wichtige Funktion im Judaisierungsprozeß der heutigen jüdischen Generation erfüllen wird. Das Lexikon ist schon reim äußerlich ein Schmuck jeder Bibliothek. Es ist gut und übersichtlich gedruckt und erhält einen bedeutenden Reiz durch die zahlreichen Iliustrationen und Tafeln. Da finden wir die Wiedergabe sehr interessanter alter Stiche aus dem jüdischen Leben der Vergangenheit, die Wiedergabe von Dokumenten, von alten Drucken und Handschriften, wir finden bedeutende jüdische Kunstwerke, Bilder aus dem modernen jüdischen Leben, eine Tafel jüdische Trauringe (zum Artikel Eherecht), die die bedeutende jüdische Goldschmiedekunst vergangener Jahrhunderte demonstriert, Notenbeigaben, Landschaftsbilder und vor aliem eipe überaus große Zahl von P o r - träts bedeutender jüdischer Männer und Frauen. Was den I nhalt selbst betrifft, so ist es natürlich unmöglich, in einer kurzen Anzeige einen Einblick zu geben in ein Werk, das 1724 Spalten umfaßt. Es ist auch hier nicht der Ort, auf diesen oder jenen Beitrag kritisch einzugehen. Es ist selbstverständlich, daß bei einer Enzyklopädie dieser Art und bei so vielen Mitarbeitern eine gewisse Ungleichmäßigkeit nicht zu vermeiden ist. Wir müssen uns an dieser Stelle damit begnügen, auf einige der besonders großen und wichtigen Artikel dieses Banaes hinzuweisen. Da ist z. B. der Artikel ״Deutschland“, über ZeltschritteDseban Mit dem vierten Heft ist soeben der zweite Jahrgang der Zeitschrift ״Die Kreatur" (Herausgeber Martin Buber, Victor von Weizsäcker und Josef Wittig, Verlag Lambert Schneider, Berlin) abgeschlossen. Es ist eine einzigartige Zeitschrift von ausgeprägtem geistigen Charakter, gerichtet auf Erfassung der Wirklichkeit ohne die Fessel dogmatischer Begriffsenge. Sie erfüllt außerdem eine echt humanistische Sendung durch die Zusammenarbeit von drei ausgeprägten Persönlichkeiten dreier verschiedener Konfessionen im HerausgeberkoHegitim. Das neue Heft enthält einen grandiosen Aufsatz von Leo Schestow über das historische Los Spinozas, betitelt ״Kinder und Stiefkinder der Zeit", worin Spinoza als der Alann, der ״Gott getötet“ hat, in seiner geistesgeschichtlichen Wirkung gezeigt wird. Margarete Susman, die tiefsichtige jüdische Schriftstellerin, schreibt über die Frau ln der Romantik, der den Lesern der ״Jüdischen Rundschau“ wohlbekannte Ernst Simon (Jerusalem) veröffentlicht einen sehr interessanten Beitrag ״Das Werturteil im Geschichtsunterricht“, worin er das Problem von der Seite des Lehrers und von der Seite der Schule her untersucht und die Möglichkeit einer toleranten und zielfesten Erziehung erörtert. Weitere Beiträge von Wittig, Weizsäcker, Emst Michel, Edith Klatt ergänzen das reiche, besonders gelungene Heft (Abonnement 12 M. jähr- ]ich). Eine wichtige Verbindung politischer und geistiger Aspekte bietet die ״Europäische Revue“ (Herausgeber Prinz Rohan, Verlag Kurt Vowinckel, Berlin-Granewald, ö M. vierteljährlich). Die letzten Hefte enthalten wieder eine ganze Reihe für unsere Leser interessanter Beiträge. Heft 7 bringt einen orientierenden Aufsatz von Julius Becker über ״Die Kontinente im Rat des Völkerbundes“, eine Byzantinische Reise von dem jüdischen Dichter Walther E i d 1 i t z , eine Würdigung der bedeutendsten vier tschechischen Lyriker von dem fschecholuden Ottokar Fischer, eine Shakespeare-Studie ״Caesar und Brutus“ von Gundolf. Der bedeutendste englische Prediger Dean Inge veröffentlicht einen Aufsatz ״Einige Christenheit?“, worin er das Gemeinsame der christlichen Konfessionen sucht. Aus den vorhergehenden Heften erwähnen wir nur Paul Sch i e - m a n n s Aufsatz über ״Nationalitätenprobleme“ (Minderheitsfragen), Leo Schestows Essay über Tolstoi, Andre Malrauxs Tagebuch der Kämpfe um Kanfon von 1925, Karl Wolfskehls Studie über ״Geistige Strömungen unserer Zeit“; dazu kommen zahlreiche Beiträge prominenter Politiker verschiedener Nationalität und anderes, was anzuführen den Rahmen dieser Anzeige sprengen würde. Die ״Neue Bücher sch au“ (Verlag_ I. M. Spaeth, Berlin), linksgerichtete literarische Monatsschrift, widmete ihr 9. Heft Tolstoi, ihr 10. Heft Panait Istrati. Außerdem wird über eine ganze Reihe literarischer Erscheinungen aus allerlei Ländern berichtet. Das letzte Heft befaßt sich auch mit der Polemik Karl Kraus — Alfred Kerr und enthalt eine Enquete über die Frage ״Gibt es eine proletarische Kunst?“ u. v. a. Das kürzlich erschienene Heft 3 der Zeitschrift ״J ü d i 3 c h 0 Arbeit*- und Wanderfürsorge" enthält einige überaus interessante Aufsätze. Rechtsanwalt Foerder, Breslau, gibt in seinem Aufsatz ״Der Begriff der Dentsehstämmigkeit" einen Beitrag rar Reform des Fremdenrechts in Deutschland. S. Adler- Rudel, Berlin, schreibt über die bisherige Regelung des Rechtes der ausländischen Arbeitnehmer in Deutschland. Das Heft enthält ferner einen Aufsatz des polnischen Ministers S 0 k a 1 über die Trennung der Auswamlererfamiiien (Agunoth), des wetteren einen Bcrieht von Dr. Kreutzbergor, Berlin, über den Internationalen Kongreß für Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik In Paris. 50 Spalien umfassend, mit Illustrationen aus der jüdischdeutschen Geschichte. Außer der Geschichte sind darin auch statistische Daten über die heutige Verteilung der Juden in Deutschland enthalten. Auch ein großer Artikel ״E n g 1 a n d“ steht in diesem Band. Von speziellem Interesse unter den Länderartikeln ist ״G a 1 i z i e n“, wo die Lage der Juden immer eine eigentümliche war. Sehr interessant ist auch der Artikel ״Finanzwesen, Anteil der Juden", wo die Tätigkeit der großen jüdischen Finanziers dargestellt wird. Sehr gelungen ist der Artikel ״Galuth“, und eine besondere Hervor- Hebung verdient die Geschicklichkeit, mit welcher der Artikel ״Geschichte der Juden" auf etwa 30 Spalten zusammengedrängt wurde, woran sich noch ein längerer Artikel über ״Geschichtsschreibung" schließt Der Artikel ״Geschichte“ enthält als eine willkommene Beigabe 15 große synchronistische Uebersichtstabellen über die gesamte jüdische Geschichte in allen Ländern vom Beginn des jüdischen Volkstums bis zur Gegenwart. Von einem anderen Gesichtspunkt interessant ist der Artikel ״Gem e i n d e“, worin die Entwicklung der jüdischen Gemeinde und ihre gegenwärtige Struktur in den einzelnen Ländern dargestellt wird; in Verbindung damit sollen noch ״Gemeindesteuern" und ״Gesamtorganisation der Juden“ genannt werden. Der Artikel ״Gebote und Verbote“ enthält ein vollständiges Verzeichnis der berühmten 613 Vorschriften des Maimonides, die oft zitiert, aber wenig gekannt werden. Größere Tabellen enthalten auch die Artikel ״Fauna“ und ״Flora“, in welchen die Terminologie der Tier- und Pflanzennamen in der Bibel ira einzelnen aufgeführt wird. Außerordentlieh groß ist natürlich die Zahl der Artikel über Themen der jüdischen Geschichte, Begriffe der jüdischen Theologie und Philosophie, juristische Artikel (z. B. Eherecht, Erbrecht, Eid usw.), aber auch das moderne Judentum wird entsprechend einbezogen. So z. B. enthält der Artikel ״Hand w e r k“, abgesehen von dem historischen Teil, einen umfangreichen Teil über die heutige Verbreitung des Handwerks unter den Juden. Nur kurz wollen wir noch aufzähien folgende Artikel: Friedhofskunst, Grabsteine, Frankfurt am Main, Hamburg, Hagadah, Halachah, Hellenismus, Damaskus, Gordon (Jehuda Loebund Aron David), Einstein, Dreyfus, Kurt Eisne r, Eugen Fuchs, Graetz, Gebetbücher, Haskalah, Heine usw. Und schließlich sei noch des großen Artikels über Theodor Herz! gedacht, der eine besondere Bedeutung erhält durch die Beigabe eines faksimilierten Briefes ״An das jüdische Volk“, der, während der Uganda-Krise und offenbar kurz vor Herzls Tod geschrieben, eine Art Vermächtnis an das jüdische Volk darstellt. Herzl spricht von seinem inneren Konflikt, da sein ״Herz bei den Zionisten“, sein ״Verstand bei den Afrikanern" sei. Der Brief schließt: ״Es ist ein gutes Volk. Aber leider auch ein tief unglückliches Volk. Gott helfe ihm weiter!“ Diese wenige Zeilen werden wohl genügen, um darzutun, welche Bereicherung dieses jüdische Lexikon für das jüdische Leben und jüdische Erkenntnis in Deutschland bedeutet. Arno Nadels Ehrentag Freunde Arno Nadeis hatten, wie schon kurz mitgeteilt, zu Mittwoch, dem 3. Oktober, zu einem Festbankett gebeten, das in den Sälen des Zoo stattfand und eine große Anzahl von Ver-t ehrern und Freunden um den nun fünfzigjährigen Dichter, Musiker, Maler vereinigten. Männer und Frauen bedeutenden Namens (Else Lasker-Schüler, Intendant Jessner, Arthur Holitscher, Magnus Hirschfeld und viele andere) zierten die Tafel und feierten mit Freunden auf eine schlichte und erhabene Weise Arno Nadel und sein Werk. Nach Begrüßungsworten Hans Martin Elsters hielt die Hauptrede Felix Stässmger, sein nächster Freund. An der Hand einer bereits vor Jahren erfolgten Handschriftdeutung Schermanns zeigte er, wie auf dem polyglatten Hintergrund erstaunlichster Vielseitigkeit sich die schöne geschlossene Menschlichkeit des Dichters und Künstlers ausgestaltet hat. Er feierte den Dichter des ״Ton“, den Dramatiker, der aus dem Quell biblischer Stofte schöpfte, den Komponisten, der in einem Oeuvre ohnegleichen die Melodien seines Volkes eingefangen hat, den Maler, der mit erstaunlicher Fruchtbarkeit seine Pastelle in die Welt hinausgesandt. Vor allem aber zeigte er, wie die seltenen und vielfachen Gaben zusammengehalten werden durch das gütige Wesen des reinen Menschen Arno Nadel. Stössingers Rede, in ihrer Schlichtheit ebenso wohltuend wie überzeugend, wurde mit jubelndem Beitall aufgenommen. Ihm folgte, ebenfalls lebhaft begrüßt, Arthur Holitscher, der leidenschaftlich und als der Revolutionär, der er sich fühlt, seinen Freund als Mitstreiter im heiligen Kampf für die Sache des Rechtes, die Sache aller Unterdrückten feierte. Als letzter, zwar nicht programmäßiger Redner, aber trotzdem recht am Platze, sprach Kurt BI u m e n f e I d, der die Glückwünsche der zionistischen Freunde überbrachtc und mit Recht an den Juden Arno Nadel appellierte, an den Urquell in ihm, aus dem seine große Künstlerliebe und Menschenliebe floß. Selbst seine Weltweite, ob sie sich in der Tiefe seiner Schöpfungen oder in der Breite seiner politischen Strebungen ausweist, stammen aus diesem Quell. Seiner Rede folgte langanhaltender, spontaner Beifall. Den Höhepunkt des Abends bildeten die Dankworte des Jubilars, deren innere Ergriffenheit und schmucklose Einfachheit tief zu Herzen ging und mehr für die Echtheit des Gefeierten Zeugnis ablegte, aß es irgendwelche Rede vermochte. Für die Grazie seines Wesens zeugte der wundervolle Humor, den er dabei mit souveräner Liebenswürdigkeit spielen ließ, so daß am Schlüsse das Bankett mit Recht sich zu einer großen Ovation für den Dichterkünstler ausgestaltete. Noch lange hielten Tanz und Vorträge die Teilnehmer gesellig beisammen. E. B. C. Lieder von Heinrich Schal it. Innerhalb einer Vorbildliehen Programmfolge sang Wilhelm Guttmann, der außerordentliche, hochkultivierte Kammersänger, eine Reihe von Liedern des Münchener Komponisten Heinrich Schal it, die er zu starker Wirkung und großem Erfolg brachte. Unter diesen Erstaufführungen interessieren uns besonders die Vertonungen von Jehuda _ Haievy-Gedichten (״Seelenlieder‘^• Als ״jüdische Musik“ kann man diese Kompositiönsweise nicht bezeichnen, aber so etwas liegt wohl auch nicht in der Absicht des Komponisten, Er steht zweifellos innerhalb der deutschen Mtisik und ist durch die Art seiner stimmungmalenden und formal ziemlich schematischen Ausdruckssprache den deutschen Romantikern (etwa Schumann) sehr verwandt. Sein ernster, geschmackvoller und zurückhaltender Stil dürften geeignet sein, die Sympathien eines ähnlich eingestellten Hörerkreises zu erwecken. A. J.-L. i11H11i1ni111111111nn1111iHu11111in1111111111111111111l111111!111111H1111i11111111M11'1׳n11i111i111i111111u1ihl11M11111»H11111i11111111n111111111111i1t1i[111111111111H1n111111111111111H11n1111u11u1111111H11i!HH1un1111111111111111111111111u1111111111nn1111M11111111111111irt11111111111H11n11ii1m1