Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 78-79 (5.10.1928)
- Date
- 1928-10-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 560 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 78/70, 5.X. 1082 Pressesdiau Iin Anschluß an die Liberale Weltkonferenz in Berlin hat sich in der ״Jüdisch-Liberalen Zeitung“ eine Debatte über die Zukunft des jüdischen Liberalismus entspönnen. Der Redakteur des Blattes, Herr Bruno Woyd a, veröffentlichte einen kritischen Artikel, worin er bedauernd feststellt, daß ein tiefer Riß das liberale Judentum in zwei Teile spaltet. Die Anschauungen von Wiener und Le 11ni a 11 n weichen voneinander so stark ab, daß nicht mehr von einer gemeinsamen Grundlage gesprochen werden könne. Der Verfasser wendet sich gegen die Anschauungen Dr. Wieners, der eine Minorität vertrete. Die Majorität hafte daran fest, daß die Religion mit der wissenschaftlichen Logik in Einklang gebracht werden muß, und lehne auch den von Dr. Wiener postulierten Zusammenhang mit dem jüdischen Volkstum ab. Wovda ist der Ansicht, daß die Gemeinsamkeit der geistigen Grundlage des Liberalismus geschaffen werden oder, wenn dies nicht möglich ist, die ״erforderliche Scheidung vollzogen werden“ muß. Dr. Siegfried Braun, Köln, warnt vor der im Lager des liberalen Judentums herrschenden Phrase und fordert die Schaffung eines neuen Gebildes von religiösen Vorschriften, einer Art von ״neuem Schulchan Arueh“, ohne den der Liberalismus nicht auskommen könne. Die Aufgabe sei die Gewinnung der Indifferenten. Dies sei bisher nur dem Zionismus gelungen, der der jüdischen Jugend einen neuem jüdischen Inhalt gab. ״Was in Palästina noch werden mag, wissen wir nicht. Es wäre töricht, dem grandiosen Ringen um die Vielfalt dessen, was ein Volkstum ausmacht, Mißlingen zu wünschen. Das aber steht fest, wie auch immer das Schicksal über das junge Gebilde dort im Osten entscheiden möge: die Lage der Diaspora bleibt unberührt davon, und sie wäre hoffnungslos, wenn nicht von der Seite der Religion her Hilfe käme.“ . Im konservativen ״Jüdischen Wochenblatt“ (Frankfurt/ Main) polemisiert Lazarus Barth in einem Artikel ״Zionistnus und Liberalismus“ gegen einen in derselben Zeitung früher erschienenen Aufsatz von M. A. Loeb, der anläßlich der Liberalen Weltkonferenz Betrachtungen über die angebliche Annäherung von Zionismus und Liberalismus angestellt hat. Loeb hatte u. a. geschrieben: ״Der Zionismus hat den früher stets scharf betonten Kampf gegen Assimilation und Assimilatoren gänzlich eingestellt.“ Demgegenüber weist Lazarus Barth die Unhaltbarkeit dieser Behauptung nach. Er stellt fest, daß der Kampf für die jüdischen nationalen Rechte im Osten ausschließlich von den Zionisten geführt wird, während die Orthodoxie mit den Assimilanten Wahlbündnisse schloß, und erinnert auch an die innerjüdischen Auseinandersetzungen in Deutschland. * Ln der ״C. -V. - Zeitung“ finden wir eine eigentümlich anmutende Bemerkung gegen die Lausitzer Wenden, denen vorgeworfen wird, daß ihr Vertreter an einer Tagung in Südslawien teilgenommen hat. Ist es an sich schon völlig unerklärlich, was diese Angelegenheit eine jüdische Organisation angeht, so wirkt es außerordentlich peinlich, wenn ausgerechnet der Ccntral-Verein sich zu Bemerkungen hinreißen läßt, die nicht anders gedeutet werden können als eine Denunziation eines friedlich seit Jahrhunderten in Deutschland wohnenden, seiner Eigenart treu anhänglichen Stammes. Wir Juden, denen so oft ungerechterweise wegen unseres interterritorial verstreuten Volkstums unsere Gleich- Berechtigung angezweifelt wird* haben ans allerwenigsten An» laß, derartige reaktionäre Anschauungen zu unterstützen. Oder meint der C.-V., daß er seine nationale Zugehörigkeit zum Deutschtum durch Ketzerriecherei beweisen muß? Will er auf diese Weise erreichen, daß man gegen die Juden, die durch Verurteilung der Aktion der Wenden ihr Alibi nachweisen, nicht ähnliche Vorwürfe erheben kann? Dies wäre wohl eine etwas naive Anschauung. Wir halten es für unsere Pflicht, zum Ausdruck zu bringen, daß nicht alle Juden diese Haltung des C.-V., die an Gespensterfurcht erinnert, mitmachen. * Die pädagogische Zeitschrift ״Das Werdende Zeitalter“ bereitet eine Sondernummer vor, in der das neue Erziehungswerk Palästinas in seiner Bedeutung innerhalb der Weltbewegung für die Erneuerung und Befreiung der Er- Ziehung gewürdigt werden soll. Dr. Elisabeth Rotten, die Herausgeberin des ״Werdenden Zeitalters“ und Vorsitzende der deutschen Sektion des ״Weltbundes für Erneuerung der Erziehung“, wird demnächst in der kulturellen Kundgebung der Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästina ״Kind und Jugend im neuen Judentum“ über die Zusammenhänge zwischen der pädagogischen Wcltbewegung und der Jugenderziehung im neuen Judentum reden. Eine Zeitschrift für die jüdische Jugend. ״Das Zelt“. Verlag B. Heller, München, Herzog-Max-Str. 4. Abonnements preis für das Vierteljahr 1,20 M. Seit Januar d. J. erscheint in München allmonatlich ״Das Zelt, Zeitschrift für die jüdische Jugend“. Die vorliegenden sieben Hefte geben ein klares Bild von den Absichten der Herausgeber. Es wird hier — nicht zum erstenmal, aber mit besonderer Ernsthaftigkeit und Zielbewußtheit — der Versuch unternommen, der jüdischen Jugend im Alter von etwa 12—16 Jahren eine Zeitschrift 7u geben, die in einer, wie uns scheint, sehr glücklichen Form die allgemeinen Interessen Jugendlicher mit ihren speziell jüdischen verquickt. Das Schulkind erhält durch diese abwechslungsreichen Hefte starke geistige Anregungen. Jede Nummer enthält in schönem Ausgleich zugleich Belehrendes (aus der Geschichte, dem Leben der Natur, der Technik) und Unterhaltendes (in Form von Spielen, Rätseln, Anekdoten, Anweisungen für handfertliche Beschäftigungen aller Art usw.). Hinzu kommt noch die vorzügliche technische Ausstattung der Hefte, die jedesmal mit reichen Illustrationen versehen sind. Man kann sich lebhaft vorstellen, mit welcher Freude und welcher Spannung jedes dieser Hefte von der jungen Leserschar erwartet wird. Die Redaktion hat ein ausgezeichnetes Fingerspitzengefühl für das, was Juden besonders entzückt. Diese Hefte gehören in jedes jüdische Haus, wo es Kinder des erwähnten Alters gibt, und die gerade in unseren Kreisen oft gehörte Frage: ,,Was gebe ich meinem Kinde an jüdischen Stoffen zu lesen?“ findet in den Zeltheften eine selten sachliche Beantwortung. Jüdisches Haus und jüdische Schule sollten sich diese ausgezeichnete Gelegenheit, den Kindern wirklich anziehenden Lese-, Belehrungs- und Untcrhaltungsstoff zu bieten, nicht entgehen lassen, um so weniger, als die Auswahl der Stoffe sehr verantwortungsbewußt getroffen ist und jede Einseitigkeit und Unausgeglichenheit vermieden wird. Leider scheint bis heute die Zeitschrift in zionistischen Kreisen nicht die Beachtung gefunden zu haben, die ihr gebührt. Zionistischen Eltern, die Wert darauf legen, daß ihre Kinder eine interessante jüdische Lektüre in die Hand bekommen, sollten ״Das Zelt“ abonnieren. Damit will aber nicht gesagt sein, daß die Zeitschrift spezifisch zionistischen Charakter besitzt. Das wäre ja auch sinnlos für dieses Alter. Aber die von ihr ausgehenden positiven jüdischen Wirkungen auf das Vorsteilungs- und Gefühlslcben des Kindes müßten von Zionisten ganz besonders begrüßt werden, M. M. Kleine Nachrichten Der finnländische Außenminister Hjalmar Procope, der in der letzten Sitzung des Völkerbundsrates den Vorsitz führte und zum Berichterstatter über die Mandatsfragen für das Jahr 1928/29 gewählt worden ist, sprach sich gegenüber dem Genfer Korrespondenten der Jüd. Tel.-Agentur über seine Stellung zum Zionismus und zum Palästina-Mandat aus und erklärte, er habe volles Verständnis für, die zionistischcn Ideen und Bestrebungen und hege Sympathie für die zionistische Bewegung. Die arabische Sektion des Internationalen Orienfalistenkongresses in Oxford nahm eine Resolution an, worin der Befriedigung Ausdruck gegeben wird über die vom orientalistischen Institut der Hebräischen Universität Jerusalem begonnene Konkordanz der klassischen arabischen Poesie bis zum Ende der omajadischen Periode. Drei palästinensische arabische Studenten, Hörer der Universität in Beyruth, arbeiteten während der Ferien am chemischen Institut der Jerusalemer Universität. Der amerikanische Konsul in Beirut, Herr Paul Knabenschue, wurde zuin Generalkonsul in Jerusalem ernannt. Das Staatsdepartement dementiert die Nachricht, daß das Generalkonsulat in Beirut nach Jerusalem verlegt werden wird. Wie aber die J. T. A. erfährt, plant die amerikanische Regierung die Einsetzung eines Ministerresidenten in Jerusalem in Anerkennung der Bedeutung Palästinas als Zentrum für den Mittleren Osten. Die Palästina-Regierung hat mit der Anlegung einer Luftfahrtstation und der Erbauung eines Aerodroms in der Nähe von K e I a n d i a , 10 km nördlich von Jerusalem, begonnen. Dr. W i 1 e n s k y , Keren Hajessod-Delegierter für Transsilvanien, wurde vom rumänischen Außenminister Du ca empfangen, der ihm alle Unterstützung seiner Arbeit versprach. Die Gattin des stellvertretenden Oberkommissärs, Mrs. Luke, und die Gattin des Gouverneurs von Jaffa, Mrs. Campbell, besuchten dieser Tage die Säuglingsstation der Wizo im Stadtteil Nordiah von Tel-Awiw und drückten ihre Anerkennung über die dort geleistete Arbeit aus. Wie aus Jerusalem gemeldet wird, hat die Nachricht von dem tragischen Ableben des Ministers Maurice Bokanowski unter der Judenheit Palästinas Trauer hervorgerufen. Bokanowski galt hier als ein Freund des jüdischen Aufhaus in Palästina, an •welchem er, wie es heißt, tätigen Anteil genommen haben soll. Ein naher Verwandter Bokanowskis, R a t s c h k o w s k y, lebt als Kolonist in der jüdischen Kolonie Gedera. J e r 11 s a I e ni , 25. September. (J.T. A.) Die Zionistische Exekutive ernannte Dr. M. Lurie zum Inspektor der hebräisehen Schulen in Jerusalem und Distrikt und Dr. E. R i e g e r zum Inspektor der Schulen in HaifaundGaliläa. Dieser Tage wurde von Amerika eine Linotypedruckmaschine als Geschenk der Ciewerkschafts-Campaign in Amerika an den ״Dawar“ nach Palästina verschifft. Die jüdische Schriftsetzerunion von New York hat ihrerseits 600 Dollar für diesen Zweck beigesteuert. Um den Kauf machte sich auch der Manager des ״Forward“, Wladek, verdient. bie karpathorussischen Juden haben sich mit einem Memorandum an den Präsidenten der Republik gewandt, in welchem sie die im Zusammenhang mit der Handhabung der Staatsbürgerschaftsgesetze für das karpathorussische Judentum entstandene Lage schildern und um Abhilfe ersuchen. Die von New Yorker Juden begründete ״Achusa Aleph“, die bereits die Kolonie Raananah in der Nähe von Jaffa besitzt, hat weitere 4000 Dunam für die O r a n g e n k u 11 u r besonders geeigneten Bodens erworben. In Tel-Awiw verstarb Chaim Ettinger, einer der ältesten Zionisten, der noch Mitglied des Odessaer Zentralkomitces der Chowewe Zion war, im Alter von 74 Jahren. In Radin verstarb der Gaon Rabbi Naplitali T r o p, Oberhaupt der Jescbiwah des Chofez Chajim. Der Pariser Maler Mane Katz zeigte jüngst in Jerusalem im Hause Dr. Tichos einer größeren Gesellschaft, in der auch mehrere auswärtige Konsuln sich befanden, etwa 30 seiner in Palästina entstandenen Gemälde. ln Czernowitz fand die feierliche Einweihung eines großen Gebäudes der allrumänischen jüdischen Partei Poale Zion statt. Wie aus Tronpau in Schlesien gemeldet wird, hat die dort dieser Tage verstorbene Frau Mojsezko nach testamentarisehen Bestimmungen für jüdische Zwecke gegen 500 000 Kronen!unterlassen. Außer einer Anzahl lokaler jüdischer Wohlfahrts- Institutionen bedachte die Verstorbene auch den Keren Hai e s s o d und den Keren Kajemeth mit je 50 000 T schechokrönen und den tschechoslowakischen Chaluzverband mit 10 000 Kronen. Ministerialdirektor Dr. Badt Im Zeppelin. Die ״Voss. Ztg.“ veröffentlicht eine Schilderung ihres Korrespondenten vom Bord des ״Zeppelin“, worin es 11. a. heißt: Am Nebentisch . . . zeigt der preußische Ministerialdirektor Dr. Badt einen interessanten Brief, datiert vom September 1903 aus Friedrichsliafen, eigenhändig unterschrieben vom Grafen Zeppelin und gerichtet an Professor B־>dt, den Vater des jetzigen Inhabers des Briefes. Graf Zeppelin bittet darin ergebenst, ihm ״die Durchlesung der gedruckten Anlagen freundlichst nicht versagen zu wollen“. Es war das zu der Zeit, als man den Grafen noch in weitesten Kreisen für einen hoffnungslosen Phantasten hielt, und er keinen anderen Ausweg sah, als sich an einige aufgeklärte Männer in allen Teilen Deutschlands zu wenden, von denen er Verständnis für seine Pläne erhoffte. Organisation — Propaganda. Die vom Aktions-Comite eingesetzte Kommission zum Studium der Fragen der Organisation und Propaganda hielt am 28. September in “London ihre erste Sitzung unter dem Vorsitz von Herrn Felix Rosen bliitli ah. Die Kommission umfaßt die Herren Prof. Brodetskv, Dr. Feiwel, Rcv. Goldbloom. Großmann, Dow Hos und Michael Schiff. Die Kommission beschloß, zunächst auf schriftlichem Wege im Einvernehmen mit den verschiedenen zionistischen Gruppen die Probleme zu klären und nach Abschluß dieser Enquete eine Sachverständigenkonferenz einzuberufen, die Vorschläge für den nächsten Kongreß ausarbeiten soll. Zionistische Körperschaften und Personen, die zu diesen Fragen Bemerkungen zu machen haben, werden gebeten, ihre Zuschriften an die Zionistische Exekutive in London zu richten. Major Franz Carl Endrcs, der bekannte Freund des Zionismus, der schon vor dem Krieg ein vielbeachtetes Buch über Zionismus geschrieben hat, veröffentlicht im Verlag Rascher & Cie (Zürich) ein Büchlein ״Giftgaskrieg, die große Gefahr“. Ein Fachmann, zugleich ein Humanist und denkender Menschenfreund, schildert hier die von einem künftigen Krieg zu gewärtigende Vernichtung. Es sind Tatsachen, die alle Menschen wissen sollten, man muß diesem Buch daher aufrichtig weiteste Verbreitung wünschen. Deutsche Ausgrabungen in Palästina Wie die ״T i m c s“ aus Jerusalem melden, hat der deutsche Gelehrte Dr. Weiter, der im Aufträge des deutschen archäologischen Instituts in Balata und am Berge Gerizitn Ausgrabungen unternimmt, die Stadtmauern, ein Tor und den Tempel des Baal Berith freigelegt, der bereits in der Bibel im Buche der Richter erwähnt wird. Unter den freigelegten Befestigungen der Alten Stadt wurden noch Spuren einer früheren Ansiedlung gefunden, deren Alter auf ungefähr 1800 v. Chr. zurückgeht. — Auf dem Berge Oerizim wurde eine altchristliche Basilika freigelegt, die von Kaiser Zeno im Jahre 484 zur Siiline des Christenmassakcrs durch die Samaritancr erbaut wurde. Das Beiteln in Jernsalem Wie der J. T. A. mitgeteilt wird, bereitet die Pa!ästina-Regierung eine Verordnung vor, wonach das Betteln in den Jerusalemer Straßen und an der Klagemauer verboten sein soll. Von diesem Verbot werden mehr als tausend Juden und Jüdinnen betroffen werden, die das Betteln, besonders an der Klagemauer, als Beruf betreiben. Der Rat der Jüdischen Gemeinde Jemsalems hat sofort nach Bekanntwerden der Absicht der Regierung eine außerordentliche Versammlung einberufen, in der über Maßnahmen beraten wurde, wie den Bettlern, die bei Durchführung der Verordnung plötzlich vor dem Nichts stehen werden, zu helfen sei. Araber and Kellogg •Pakt Die palästinensisch-arabische Presse wendet sich dagegen, daß Ibn Saud wie auch die anderen Mächte des Orients nicht eingeladen worden sind, an der Feier der Unterzeichnung des Kellogg- Paktes in Paris teilzunehmen. Sie verlangt, daß die Staaten des Orients der jetzt an alle ergangcnen Einladung der Mitunterzeichnung nicht Folge geben soll, bevor nicht die ganze Frage auf einer von diesen Staaten einzuberufenden Konferenz behandelt worden ist. Eine alte Jndensiedlang anigefunden Der Nestor der europäischen Archäologen und Historiker, Monsignore, Dr. Fran B111 i c, der Wiedereritdecker der größten altrömischcn Stadt an der Ostküste der Adria, Salona bei Split (Spalato) in Dalmatien hat nach vierzigjährigem Forschen den Beweis erbracht, daß in Salona eine jüdische Gemeinde schon im dritten Jahrhundert nach Christi bestand. Die Resultate seiner Forschungen hat Dr. Fran Bulic in einer wissenschaftlichen Abhandlung unter dem Titel ״Hebräische Denkmäler i m r ö m i s c 11 e n D a 1 m a t i e n u n d d e r j ü d i s c h e F r i c dhof in Salona“ niedergelegt. Ausgegrabene Gemmen, Tonlampen mit jüdischen Symbolen (Menorah) sind wichtige Beweismittel, aber der wichtigste Fund ist das Fragment eines Sarkapliags mit massiv ausgearbeiteter Menorah, wie sie auch auf dem Titusbogen in Rom zu sehen ist. Schon die bisherigen Ergehnisse sind geeignet, das größte Interesse zu erwecken, aber noch größeres Aufsehen werden die Funde erregen, wenn der jetzt noch verschüttete jüdische Friedhof in Salona ausgegraben sein wird, denn kein offener jüdischer Friedhof in Europa ist älter als 800 Jahre, während der in Salona etwa 1700 Jahre alt sein dürfte. Dieser Friedhof wäre somit in ganz Europa der älteste freie jüdische Friedhof — also außerhalb der Katakomben der aus altrömischer Zeit stammt. Dr. F. Bulic, ein katholischer Priester, genannt ״Der Heilige von Split“, ersuchte den jüdischen Historiker, Dr. Lavoslav S i k in Zagreb, seine Entdeckung der jüdischen Welt zur Kenntnis zu bringen. Dr. F. Bulic hofft Zuversichtlich; daß die• ganz^■ jüdische Welf seine Bemühungpn. um die Freilegung der heiligen jüdischen Stätte in Salona nach*" Kräften fördern werde. Masik-Nachrichten Konzert im Schlosse Monbijou (zugunsten der Wohlfahrtseinrichtungen des Verbandes Berlin des Jüdischen Frauenbundes). Die Gemeinnützige Vereinigung zur Pflege deutscher Kunst bot in den erlesenen Räumen des Schlosses Monbijou, sonst nur den spärlichen Besuchern des Hohenzollern-Museums bekannt, erlesene Kunst um edelsten Zweckes willen dar. Kerzen flammten in den Spiegelsälen; Lotte Leonard, wohl jetzt eine der ersten Bach-Sängerinnen, sang mit ihrer goldenwarmen Stimme Lieder aus längst verklungenen Zeiten, wie sie in diesen Rahmen paßten: Händel, Bach, Frank, altenglische Lieder. Dazu erklang bald zirpend wie ein Spinett, bald volltönend wie eine Orgel das Cembalo unter Alice Ehlers’ Meisterhand, und das Kammer- Orchester der Gemeinnützigen Vereinigung spielte Handels Conccrto Grosso mit seltener Hingabe unter Leitung des Generalmusikdirektors Knapstein. Das festlich gekleidete und festlich gestimmte Publikum saß wie gebannt — auch hier ein besonderes Bild; selten sieht man so viel geisterhcllte Gesichter in einem Konzertsaal beisammen. Ein Abend, der — was man von gemeinnüt/igen Veranstaltungen nicht immer sagen kann —Stil hatte. Hoffentlich hat er den Wohlfahrtseinrichtungen des Jüdisehen Frauenbundes reichen Ertrag gebracht. Bertha Badt-Strauß. Der Musiker Max Lampel, über dessen verdienstvolles Wirken in Palästina wir wiederholt in der ״Jüdischen Rundschau“ berichtet haben, ist in Berlin eingetroffen und wird sich hier einige Zeit aufhalten. Lampel ist in Palästina als Organist und als Dirigent eines Orchesters, das er selbst organisiert hat, in mehreren Konzerten hervorgetreten. Noch unmittelbar vor seiner Abreise hat er in Jerusalem die Uraufführung eines neuen symphonischen Werkes von Dr. Eckertz (dem Schwager des früheren deutschen Konsuls Kapp) geleitet. Herr Lampel ist bereit, in Berlin und Deutschland sich jüdisehen Organisationen bei Veranstaltung von Festa b e n d e n usw׳. für Ausgestaltung des musikalischen Teils und persönliche Mitwirkung zur Verfügung zu stellen. Er übernimmt auch Musikunterricht. Seine Adresse in Berlin ist: Charlottenburg, Blcibtreustr. 12, Telefon: Bismarck 2658. Konzert. Der Kammerchor Michael T a 11 be irilt rum erstenmal in der Singakademie am 5. Oktober auf, und zwar in Verbindung mit der seit etwa 30 Jahren in Berlin nicht aufgeführien Kantate von Job. Seb. Bach: ״Der Streit zwischen Phoebus und Pan". Georg Bertram spielt in demselben Konzert das Mozart-Konzert D-moll. Kinderorchester. Leitung Alice Jacob-Loewenson. (Als Vorbercitung und Ergänzung zu jedem Inslrumental-Unlerrirht.) Gruppei: Für Kinder von 10—15 Jahren: Freitags *46 bis 3/(7 L'lir. Gruppe II: Für Kinder von (5—9 Jahren, Beginn: Donnerstag, den 18. Oktober, 6) ז Uhr. Vorkennlnisse sind nicht erforderlich. Honorar monatlich 5 M. pränumerando inklusive Ferien. Anmeldungen an Frau Alice Jacob-Loewenson, Schöneberg, Mcraner Str. 11. Telephon: Stephan 903. Der jüdische Violinccllist und Komponist Joachim Stutschewskv, gegenwärtig einer der eifrigsten Förderer der neuen jüdischen Musik, veranstaltet im kommenden Winter in einer Reihe von Ländern Konzerte mit jüdischer Musik. Zunächst finden Konzerte in Deutschland, der Tschecho- Slowakei und in der Schweiz statt. Die palästinensische Gesellschaft für neue Musik, welche bereits ein Jahr ihrer Tätigkeit hinter sich hat, ist als nationale Sektion in die InternationaleGe- Seilschaft für neue Musik eingetreten.