Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 78-79 (5.10.1928)
- Date
- 1928-10-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 558 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 78/78, 5. X. 1828 Wiedersehen mit Granowsky (Zum Gastspiel im ״Theater des Westens".) Sprechen wir zunächst von ״B i n j o m i n“. Es war ein herzliches, erfreuliches Wiedersehen. Das Granowsky-Theater gibt in diesem Stück sein bestes, im künstlerischen und im jüdisehen Sinn. Denn so sehr auch vielleicht der Ehrgeiz dieses Theaters in einer andern Richtung zielt, so wird es doch seinen eigenen künstlerischen Erfolg nur dort erreichen, wo es seiner tieferen Eigenart gemäß Neues schafft. Die Welt der ״Träumer des Ghetto", nicht der großen Einzelnen, von denen Zangwill spricht, sondern des träumenden, fabulierenden, die Leiden seiner Armut und seiner Verfolgungen in einer gottvertrauenden Heiterkeit verklärenden Volkes, das Mendcle für die Weltliteratur enthüllt hat. Diese Menschen, die trotz ihrer materieilen Not nur Verachtung für die materielle Welt und die bäurische Roheit haben und deren tausendjährige Sehnsucht nach dem Zauberreich des Messias, nach dem sonnenverklärten Strand Ercz Jisroels geht, obwohl sie über die engen Grenzen ihres Tunejadowka niemals herausgekommen sind, sind die Erben einer großen geistigen Tradition, und noch in ihrer Lächerlichkeit ist eine ergreifende Wahrheit, die resignierende Einsicht in die Begrenztheit der Menschenwelt, «in romantischer Optimismus, der irgendwo vergraben in jedem jf«den schlummert, der vielleicht auch ein Element unserer zionistischen Bewegung ist, die in ihrem westlichen Gewände so rationalistisch maskiert auftritt. Diese Welt des Ostjudentums, die schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die tiefgreifende Veränderung der Weltwirtschaft u. a. ins Wanken geraten war und heute wohl im Verschwinden begriffen ist, bedeutet die Verkörperung eines Stückes jüdischer Geschichte, das trotz allen Verzerrungen in seiner Art einzig ist, gerade wegen des unbeirrten weltfremden Festhaltens an dem allein geistig belangvoll Erscheinenden; sie hatte die erhabene historische Funktion, der eigentliche Bewahrer jener jüdischer Gefühis- und Geistesströme zu sein, aus denen allein auch eine Erneuerung des Judentums kommen kann. Die tiefe Liebe und gütige Ueberlegenheit des selbst ganz dazugehörigen Großvaters Mendele war erforderlich, um diese Welt dichterisch zu gestalten, und was zu Granowskys Ruhm Höchstes gesagt werden kann, ist, daß man in seinem ״Binjomin" den Geist Mendeles spürt. Ja, dieser Geist ist so stark, daß er über die vielleicht anders gearteten Intentionen der Granowsky-Truppe den Sieg davonträgt und diese Schauspieler aus sich herausstellen läßt, was als das Erbe ihrer eigenen Jugend in tieferen Schichten ihrer Seele ruht, ihr wahres Selbst, ihr wahres ״Kollektiv“. Denn im Gegensatz zu dem künstlich und rationalistisch zusammengezimmerten ״Kollektiv“ der kommunistisehen Theorie erleben wir in dieser Binjomin-Aufführung eine Episode kollektiven geistigen Miteinanderlebens, die ein unvergleichliches Kabinettstück und für mich der Höhepunkt der ganzen Aufführung ist: die Erzählung der Montefiore- Anekdote, in der wir leibhaftig vor uns sehen eine Neugestalt aggadistischen Geistes, die Freude am naiven, der Pointe (der ״Spitz“) zustrebenden Fabulieren, an dem das ganze Volk mitlebend und mitschaffend Anteil nimmt: natürliche Gemein- -schaft, die in einfacher, ungelehrter, völlig ursprünglicher Art herrliche Blüten des Geistes treibt. So wird diese an dieser Stelle bereits anläßlich Granowskys erstem Gastspiel mehrfach gewürdigte Binjomin-Aufführung mit den unvergeßlichen Gestalten des M i c h o e 1 s (Binjotnin) und des S u s k i n (Senderl), dem gutmütig gravitätischen, in der Maske verblüffend gelungenen Mendele Goldblatts mit seiner Kliätsche, dem oft gerühmten Zusammenspiel in Gesang und Tanz und den gleichfalls vortrefflich in den Rahmen sich fügenden Nebenfiguren, immer ein jüdisches und künstlerisches Erlebnis sein. Sind wir beim ״Binjomin“ in der eigensten Sphäre des jüdischen Theaters, so hat das Stück, mit dem Granowsky diesmal sein Berliner Gastspiel einleitete, sich als mißglücktes Experiment erwiesen. Die Aufführung von ״Trouadek“, einer französischen Operette nach Jules Romain, bringt die Problematik des jiddischen Theaters wieder zum Bewußtsein. Hier wird nicht eine ursprünglich jiddische Sphäre kongenial dargestellt, sondern ein fremder Stoff aus fremdem Milieu in die jiddische Atmosphäre übertragen. Denn so sehr Granowsky vielleicht gewünscht hat, nicht Monte Carlo zu verjiddischen, sondern in jiddischer Sprache ein — freilich unwirkliches, die Lebenskomödie persiflierendes — Monte Carlo ursprünglich zu gestalten, so wenig überzeugend ist doch dieses Unternehmen ausgefallen. Will Granowsky seinem eigentlichen Publikum, also einer jiddischen Zuhörerschaft in Moskau oder vielleicht in Berdltsehevv Theaterstücke fremder Provenienz in der Muttersprache dieses Publikums vorführen, dann gäbe es dankbarere Aufgaben als diese Operette. Allerdings taucht dann die Frage auf, mit welcher Art von Dichtungen man so umspringen kann wie Granowsky es tut und ob das Theater wirklich nur den Sinn einer naiven Spaßmacherei, gemischt mit politischer und sozialer Tendenz, zu erfüllen hat. Diese Diskussion aber würde hier zu weit führen. Bleiben wir also bei der Tatsache ״Trouadek“. Trouadek, dessen Geschichte und primitive Abenteuer kaum zu erzählen lohnt, ist eine revueartige Satire auf die menschliche Gesellschaft, den Staat, die Justiz, Politik, Demokratie und Parlament, verspottet das Spießertum in allen seinen Institutionen und Funktionen. Manche Nummern dieser Revue sind sehr amüsant, und wenn man sich erst einmal mit dem Stil und Charakter des Ganzen abgefunden hat, dann kann man si^jj dank der vorzüglichen Interpretationskunsi auch bei dieser Parodie ausgezeichnet unterhalten. Natürlich darf man nicht daran denken, daß hier französische Grazie sich präsentieren soll, sondern muß auch diese Variante jiddischen Humors etwa so hinnehmen, wie die Vorstellungen Tewjc des Milchhändlers von der großen reichen europäischen Welt. Es gibt eine Reihe von ausgezeichneten Bildern, vor allem die durcheinanderwirbelnden Finales, es gibt vor allem wieder die schauspielerische, gesangliche und tänzerische Leistung von M i c h o e 1 s, dem der rhythmische Akrobat Gärtner, das mollige Fräulein Rottbaum, der breitspurig verschmitzte Einbrecher S c 11 i d 1 o s und andere zur Seite stehen. Eine besondere Erwähnung verdient die Stiefelputzerepisode des Herrn Goldblatt, in der etwas von ostjüdischer Urwüchsigkeit die französische Maske durchbricht. im Verlag ״Die Schmiede“, Berlin, erschien ein dem Moskauer Jüdischen Theater gewidmetes Sammelbuch, in welchem im Anschluß an eine Reihe von Aufsätzen (von Ernst Toller, Josef Roth, Alfons Goldschmidt) schöne Photographien von Szenenbildern aus Trouadek und anderen Dar- Stellungen des Theaters gezeigt werden. Das Buch verdient die Aufmerksamkeit aller Freunde des Theaters, die hier eine dauernde Erinnerung aufbewahren können. Und nun warten wir auf ״Die Nacht auf dem alten Markte". R. W. * Dk Tro׳uadek-Musik — von Leo Pulver — ist nette, harmlose, lustige und oft einfallsreiche Bühnenmusik. Bewußt (und bisweilen vielleicht auch unbewußt; aus dem Füllhorn Offenbachscher Melodik und Rhythmik schöpfend und ihn gleichzeitig parodierend. Dem Sinn des Genres und Stoffes gemäß fast ohne jüdischen Einschlag. Nur manchmal bricht bei dem großen Michaels der Nigun durch: eine auch durch die moderne Revue nicht zurückzudämmende Naturgewalt. — Ansonsten ergibt sich manch witziger Orchestereffekt und manche ulkige Kombination aus französisch-stilisierter Operettenmusik und jiddischem Jargon. Dieses Jiddisch in dieser Gestaltung ist und bleibt doch das elementarste musikalische Ereignis im Qranowsky-Theater. Man ersehnt nach diesem vergnüglichen Exkurs des Granowsky-Ensembles wieder ein jüdisches Stück mit jüdischer Musik. Alice Jacob-Loewenson. Zehn Jahre Habtmah Das hebräische Theater ״Habimah“ feiert am 8. Oktober sein zehnjähriges Jubiläum. Aus diesem Anlaß hat ״Habimah" von der Stadtverwaltung Tel-Awiw ein Oru nd stück zum Bau eines eigenen Theaters zum Geschenk erhalten. Zur Feier des Jubiläums hat sich unter dem Vorsitz von B i a 1 i k ein Ehrenkomitee gebildet, das das Patronat über die Jubiläumsfestlichkeiten in Palästina übernommen hat; diese Festlichkeiten gipfeln in einer Festvorstellung des Habimah- Ensembles. Das Komitee bereitet auch eine Jubiläumsschrift vor, deren Redaktion Bialik übernommen hat. Während seines Aufenthalts in Berlin hat sich Herr Constantin Stanislawski, der berühmte Schöpfer des Moskauer Künstler-Theaters, der sich auch um die Gründung von ״Habimah“ große Verdienste erworben hat, auf die Einladung des Berliner ״Habimah“-Sekretariats hin bereit erklärt, in das Ehrenpräsidium einzutreten. Auch ArnoIdZweighat sich zum Eintritt in das Ehrenpräsidium bereit erklärt. Arno Nadel-Feiern Ein Fest im Freundeskreis, so gestaltete sich die Stimmung der Arno Nadel-Feier der Zionistischen Organisation. Feierstunde aus Arno Nadels künstlerischem Werk: den Liedern, den Gedichten und dem Wort der Freunde. Der Gartensaal des Logenhauses war dicht gefüllt. Nach dem Orgelvorspiel G-Dur in eigener Bearbeitung von Alice Jacob-Loewenson, am FJügel interpretiert, sprach Dr. Schalom Hildesheimer den Gruß der Zionistischen Vereinigung und den Dank für die jüdische und zionistische Kulturarbeit, in deren Dienst sich Arno Nadel, der Dichter, Maler und Musiker, seit 30 Jahren gestellt hat. Er würdigte vor allem Arno Nadels Arbeit für die Renaissance der jüdischen Musik, den Bewahrer der schönen synagogalen Gesänge des Ostens, den Schöpfer des Kompendiums der für die Liturgie geeignetsten Geisänge, den Sammler jüdischer Volkslieder. Danach sang QoITiMtii» ״da* «ferch#» reigg«- bettet in ״das große Bam-Bam". In Öollanins meisterlicher Interpretation erlebte man die hinreißende Gewalt und Innigkeit dieses Stückes mit ganzer Inbrunst und Feierlichkeit. Bam-Bam, das war halb Glockenschlag und halb Gong. Der Künstler bewies die Vielseitigkeit seines künstlerischen Ausdrucks durch das folgende ״Erholungsstückchen“ ״W’chol ma’aminim" und dem grandiosen, tiefstes Weltproblem aufrührenden ,,chassidi• sehen Tiscnlied“. Felix Stossinger, Arno Nadels Verkünder und gläubiger Verehrer seiner Kunst — er ist jetzt Verleger des dichterischen Werkes und Impresario seiner Aus- Stellungen —, würdigte Arno Nadel als Schöpfer einer höheren künstlerischen Einheit aus jüdischem und okzidentalem Wesen, den Künstler, der dem Weitwesen in einer neuen Art mystisch nahe ist. Stössingers Aufzählung zeigte den außerordentlichen, den wenigsten bekannten Umfang des noch lange nicht abgeschlossenen Nadelsrhen Lebenswerkes. Gad Shelaso, durch eine Erkältung indisponiert, sprach u. a. Gedichte aus dem Bande ״Um dieses alles“ und ״Rahels Tod“ aus dem Bande ״Der Sündenfall“. Zum Schluß las er wieder ausgezeichnet das Gedicht .,Der Leichenzug“ aus dem Bande ״Um dieses alles“. Dies Gedicht ist geschaffen aus dem Wechsel der Rhythmen: Rhythmus des Traucrmarsches, Rhythmus des Totenwurms und der mystischen Helligkeit der Ekstase. Ein Erlebnis war — wie stets — die Begegnung mit der Sängerin Rahe! Ermolnikoff. Die Kinder- und Frauenlieder, Volkslieder, von Arno Nadel gleichfalls bearbeitet, und das heißt hier: bewahrt und esteigert in ihrer reinen Kunst, sang sie wie eine Frau aus em Volke, sie singt, summt, klagt, trällert ihren Schmerz hinaus, weint. Im Vorraum sah man einige Pastelle Nadels. Die mitwirkenden Künstler, vor allem aber der anwesende Jubilar, wurden stürmisch gefeiert. Ruth Moroid. * Eine Feier für Arno Nadel veranstaltete auch der Vorstand der Synagoge ״Cottbusser Ufer", wo Nadel Chordirigent ist. ln der Predigt wies Rabbiner Dr. Bleichrode auf die Größe des Schriftstellers, Malers und Korn- Eonisten hin. In der Sukkoh sprachen Herr Herzog und Herr ewy vom Vorstand, und Dr. Bleichrode überbrachte noch einmal seine persönlichen Glückwünsche. Arno Nadel dankte ihm mit kurzen, schlichten Worten, nachdem der von Nadel geleitete Chor ihm durch Vortrag eines Psalms eine Huldigung dargebracht hatte. Der Deutsche Rundfunk veranstaltete am 2. Oktober eine Arno Nadel gewidmete Stunde. Alfred K e r r hielt den einleitenden Vortrag, Gertrud E y s 01 d las aus Nadels Dich* tungen. Auch die deutsche Presse feiert Arno Nadel. Im ״Berliner Tageblatt“ weist Fritz Enge! darauf hin, daß Nadel sich schon ln der alten Ghetto-Luft seiner Wilnaer Heilhat mit dem Strom europäischen Geistes erfüllt hat, es sei erstaunlich, wie der im Halbdeutschtum geborene Poet die deutsche Sprache meistert. ״Schon daraus“, schließt Fritz Engel, ״erwächst der deutschen Literatur und ihren ausführenden Organen, den Bühnen, die Pflicht, sich dieses nicht verlorenen, sondern gewonnenen Sohnes herzlicher anzunehmen.“ Am 3. d. M. fand ein von Nadels Freunden veranstaltetes Bankett statt, an dem etwa 160 Persönlichkeiten der führenden künstlerischen und literarischen Kreise Berlins teil• nahmen. Nach Hanns Martin Elster, Felix Stössinger und Arthur Holitscher, die den Jubilar als Dichter feierten, sprach der Vorsitzende der Z. V. f. D., Herr Kurt BI u m e n f e 1 d , der das Jüdische in Nadels Wesen und Wirken, sein Wurzeln im jüdischen Volkstum hervorhob. Nadel dankte tief gerührt für die großartige Ehrung und bekannte in seiner Rede auch, wie er sich nach schweren inneren Kämpfen zum Zionismus durchgerungen hat. Die Feier war überaus gelungen und wurde unausgesprochen zu einer starken jüdischen Kundgebung. Zar Geschichte der deatscheo Joden Israel Rabin, Vom Rechtskamp{ der Juden in Schlesien (1582—1713). Im Selbstverlag Breslau. M. Weinberg, Geschichte der Juden in der Oberpfalz. IV. Sulzbürg. V. Herzogtum Sulzbach. — Beide: Kommissionsverlag der Ewer-Buchhandhmg, München 1927. Schriften der Histor. Komm, des Verb. d. bayer. Israel. Gern., Bd. II. Berthold Rosenthai, Heimatsgeschichte der badischen Juden seit ihrem geschichtlichen Auftreten bis zur Gegenwart. Konkordia-A.-G. in Bühl (Baden) 1927. 532 S. Das Urkundenmateriai über die Geschichte der Juden in E>eutschland liegt heute ziemlich vollständig — wenn auch nicht ausreichend beachtet und bearbeitet — vor. Dagegen fehlt es zur Durchdringung der der Reformation folgenden Jahrhunderte und insbesondere der Emanzipationszeit noch durchaus an der Kenntnis des in zahlreichen Provinzial-, Stadt- und Oemeindearchiven befindlichen Akten raaterials. Es zugänglich zu machen, verlangt mühevolle Kleinarbeit, und ehe die äugemeine Geschichtsschreibung es sich nutzbar machen kann, ist eine bezirksmäßig-monographische Darstellung erforderlich. — Die Arbeit von R a b 1 n ist in dieser Verbindung besonders hervorzuheben. Sie zeigt, unter erstmaliger Bearbeitung eines umfangreichen archivalischen Stoffes, den mehr als hundertjährigen Kampf, den die zwei Gemeinden Zülz und Großglogau um ihren Bestand und ihre Handelsrechte nach der in den Jahren 1582 bis 1592 erfolgten Austreibung der übrigen Judengemeinden aus Schlesien geführt haben. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei den hartnäckigen Bemühungen der Zülzer Juden (über ״Die Juden in Zülz“ hat Rabin bereits gearbeitet), die erst mit der 1699 ergangenen Bestätigung des Prager Privilegs von 1627 enden, zugewandt. Durch Karls IV. Toleranzedikt von 1713 erfolgt jedoch schon eine Gesamtregelung für Schlesien, die nach der Neugründung zahlreicher Landgemeinden durch seit 1650 zuwandernde Juden aus Polen ohnehin notwendig wurde. — Wie wichtig die durch genaue Quellenangaben ausgezeichnete Arbeit von Rabin in dem oben erwähnten Sinn für die allgemeine Geschichtsschreibung ist, ersieht man am besten, wenn man die Dürftigkeit der Behandlung gerade dieses bedeutsamen Ab- Schnittes der Geschichte der schlesischen Juden in den Werken von Zimmermann, Braun und Bondy-Dworsky berücksichtigt. Auch Weinbergs Arbeiten gewinnen ihre Bedeutung durch die erstmalige Bearbeitung des örtlichen Aktenmaterials, wenn auch leider die Quellennachweisungen nicht ausführlich oder nicht immer genau genug sind. Die Oberpfalz gehört zu den wenigen Bezirken, in denen die allerdings nicht sehr zahlreichen Juden nach den großen Ausweisungen im übrigen Bayern (seit 1551) und trotz der offiziellen Vertreibung auch aus der Oberpfalz (1554) mancherorts festen Fuß fassen konnten und nach dem 30 jährigen Krieg mitunter eine recht bemerkenswerte Geschichte zu verzeichnen haben. Es sei nur an die hebräischen Druckereien in Sulzbach, über die Weinberg bekanntüch separat gearbeitet hat, erinnert. Der V. Teil dieser Oeschichte der Juden in der Oberpfalz bringt weiter interessante Einzelheiten über die pfälzischen und bayerischen Hoffaktoren Schwabacher und Jakob Josef in Sulzbach sowie über die einzige in Deutschland (bis 1819!) bestehende reinjüdische Territorialgemeinde Floß. Zu erwähnen ist auch die Publikation der Memorbücher der behandelten Gemeinden. Bd der Darstellung der Geschichte der Juden in heutigen Staaten des Deutschen Reichs handelt es sich um die Oeschichte in (und von) Territorien, die in dieser ihrer Form noch nicht gar zu läng* existieren. DJe Rosenthals Heimats• geschichte beigegebene Karte Badens nach dem Stande *ein 1769 verzeichnet allein 60 (sechzig!) verschiedene Herrschaftsgebiete, in denen Juden nach den jeweiligen Landessatzungen lebten. Es gibt noch nicht so lange ״badische Juden“ im heutigen Sinne. Und so liegt auch die Hauptbedeutung des hier besprochenen Werkes nicht so sehr in den Abschnitten, die der Geschichte der Juden in den einzelnen Hoheitsgebieten bis zum Jahre 1809 gewidmet sind — es gibt hierfür ja auch schon bemerkenswerte Monographien, wie die Schriften des verstorbenen Mosbacher Rabbiners L. Löwenstein —, obgleich auch hier manchmal Neues geboten wird, wie die wichtige Anlage II über den Streit des Juden Mayer von Dortmund mit dem Grafen Konrad von Pappenheim; vielmehr beansprucht die mehr als die Hälfte des Buches einnehmende, aktenmäßig gut belegte Darstellung der einzelnen Phasen des Emanzipationskampfes der Juden in dem neuen Großherzog■ tum unser Hauptinteresse. Die zwar langsamen, aber standigen Fortschritte, seit dem 1. Konstitutionsedikt vom 14. Mai 1807, bis zu der endgültig alle Schranken beseitigenden Judengesetzgebung Badens von 1862 werden lebendig vorgetragen, besonders ausführlich die Parlamentsdebatten von 1833 und 1862. Zum Schluß wird die innere Entwicklung der ״Landes- Synagoge“ und der großen Gemeinden bis zum Jahre 1926 detailliert geschildert. (Auch auf die Tätigkeit der Zionist!• sehen Organisation in Baden wird hingewiesen.) Das auch durch gute Ausstattung, Urkunden• una Bildbeilagen ausge* zeichnete Buch soll hierdurch weiten Kreisen empfohlen werden. Georg Landauer. Max Broda neuer Roman. Der neue Roman Max Brods, an dem er jetzt arbeitet und der demnächst im Zsolnay-Verlag erscheinen wird, wird den Titel haben; ״Zauberreich der Liebe“. Entgegen den in der Presse aufgetauchten Nachrichten, daß es sich um einen Palästina-Roman handle, teilt di« Prager ״Selbstwehr“ mit, daß nur das letzte, allerdings entscheidende Kapitel des Romans in Palästina spielt, und zwar in einer Kwuzah. Der Held des Romans, ein Nichtjude, kommt, in seinen Idealen zerbrochen und verzweifelt, nach Palästina; er verfolgt keinen anderen Zweck mehr, als nach Befriedigung einer letzten Rache mit seinem Leben abzuschließen. Die Erfahrungen seines Lebens haben ihm bewiesen, daß nur Unlauterkeit und Gewalt die Weit beherrschen. Das Leben der Menschen in der Kwuzah, welche Reinheit der Gesinnung mit Energie der Lebensgestaltung vereinen, macht auf ihn einen so tiefen Eindruck, daß er seine pessimistische Lebensanschauung überwindet und neuen Lebensmut zu schöpfen vermag. General von Schoenalch, der bekannte Pazifist und Freund des Zionismus, dessen Palästinabuch den Lesern unserer Zeitung wohl bekannt sein dürfte, läßt in der nächsten Zeit eine Sammlung von etwa 80 seiner besten Aufsätze unter dem Titel ״Zehn Jahre Kampf für Frieden und Recht 1918—1928“ Ende Oktober im Fackelreiter-Verlag Hamburg-Bergedorf erscheinen. Das etwa 250 Seiten starke erstklassig ausgestattete Buch wird 4 M. kosten. Der Verlag übermittelt uns ein Vorzugsangebot folgenden Inhalts: Wer bis zum 20. Oktober vorausbestellt und gleichzeitig drei Mark auf das Postscheckkonto Hamburg 9955 des Fackelreiter-Verlagcs, Hamburg-Bergedorf, überweist, erhält das Buch für diesen Betrag gleich nach Erscheinen portofrei zugestellt. Nach dem 20. Oktober wird es indessen zum Subskription*־ preise nicht mehr geliefert werden können. Es wird dann auch im Buchhandel zum Preise von 4 Mark zu haben sein. Ebenfalls sein Bekenninisbuch ״Mein Damaskus“, welches vergriffen war und vom Fackclreiter-Verlag ln einem Neudruck herausgebracht wird.