Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 78-79 (5.10.1928)
- Date
- 1928-10-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 78119, 5. X. 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 555 Der Protest gegen den Klagemauer - SHandai Aktionen der Exekutive — Versammlungen Im Lande — Segenaktion der Araber Die Berichte, die aus Palästina in der vergangenen Woche eingetroffen sind, beweisen die große Erregung, die im Lande durch die Vorgänge am Jom Kippur hervorgerufen wurde. Nachstehend geben wir die Meldungen über die Protest-Demonstrationen und die von den jüdischen Instanzen ei!!geleiteten Schritte wieder. Intervention bet Luke Am Tage nach dem Zwischenfall, d. i. am 25. September, erschienen bei dem stellvertretenden Oberkommissar Luke die Oberrabbiner Kuk und Jacob Meir, der Vorsitzende der palästinensischen zionistischen Exekutive Oberst Kisch, die Vertreter des Waad Leumi Dr. J. Thon, Kalvarisky und Meyuchas und verhandelten mit ihm zwei Stunden lang über die Frage der jüdischen Andachtübung vor der Klagemauer. Der Unterredung wohnten der Direktor des palästinensischen Polizeiwesens Oberst Mavrogordato, "der Oberstaatsanwalt Bentwich, der Distrikts- Kommissar von Jerusalem, Major Keith-Roach, und andere hohe Beamte bei. Die jüdischen Vertreter gaben im .Namen der Judenheit Palästinas und der Judenheit der gesamten Welt ihrer schärfsten Entrüstung über das Vorgehen der Polizei an der Klagemauer Ausdruck. Sie forderten eine Bestrafung der Schuldigen und eine radikale LSsungdes Problems der Klagemauer in dem Sinne, daß die Juden über ihre heiligste Stätte sollen verfügen können. Herr Luke versprach, eine Antwort auf diese Forderung in kurzem zu erteilen. Der Distriktskommissar ergriff das Wort zur Rechtfertigung seiner Order an die Polizei. Er setzte auseinander, daß die in der Nachbarschaft der Klagemauer wohnenden Muslim über die Aufstellung der Scheidewand in Erregung geraten waren, und daß zu befürchten war, daß die erregten Muslim ein Steinbo m bardement gegen die jüdischen Andächtigen eröffnen würden. Schon dies allein rechtfertigte die gewaltsame Entfernung der Schirmwand. Eine definitive Antwort der Regierung wurde noch nicht erteilt. Die Regierung hat ein Offizielles Communiqu6 herausgegeben, worin erklärt wird, daß am Vorabend des Jom Kippur das Inspektorat des Moslemischen Wakuf (Kirchengutes), zu welchem der Vorhof der Klagemauer gehört, sich beschwerte, weil die Juden durch Errichtung einer Scheidewand, durch Anbringung von Lampen usw. den Status quo verletzt haben. Daraufhin habe der Stell- Vertreter des Distriktsgouverneurs an demselben Abend ein Versprechen von jüdischer Seite erhalten, daß die Scheidewand beseitigt werden wird. Dies sei jedoch wegen des Feiertags nicht aurchgeführt worden. Daher — so schließt die offizielle Erklärung — sei es nötig gewesen, durch Polizei die Beseitigung vorzunehmen, doch spricht die Regierung ihr Be^äuerp aus; über die.'Art.und Weise ־des Vötgfehens der Polizeiorgane. < Der Moslemische Oberste Rat teilt mit, die Regierung sei vom Obersten Rat zweimal aufgefordert worden, die bestehenden Besitzverhältnisse zu schützen und die Scheidewand, sowie Tische, Lampen usw. vor der Klagemauer zu entfernen. Durch diese Aufforderung an die Regierung sei der Moslemitische Oberste Rat einer beabsichtigten Aktion der m os 1 e mi t i s ch e n Menge zuvorgekommen, die Anstalten traf, am Morgen des Jom Kippur, vor der Ankunft der jüdischen Andächtigen, den Platz vor der Mauer zu besetzen. Noch am Sonnabend vor Jom Kippur hat sich ein erregter Zwischenfall vor der Klagemauer abgespielt Araber überfielen einen Juden, der vor der Klagemauer betete, und mißhandelten ihn schwer. Sein Zustand gibt zu ernsten Besorgnissen Anlaß. Die schuldigen Araber wurden verhaftet. Das palästinensische Oberrabblnai hat dem stellvertretenden Oberkommissar, Herrn H. C. L u k e, einen formellen. Protest gegen die Aktion der Jerusalemer Polizei am Jom Kippur vor der Klagemauer überreicht. Die gesamte jüdische Presse Palästinas fordert einmütig die Auslösung der Klagemauer und des Platzes vor derselben seitens der Juden. Die Zeitung ״Doar Hajom“ erinnert an die Erklärung des ehemaligen Gouverneurs von Jerusalem, Sir Ronald Storrs, daß vor einigen Jahren die Möglichkeit bestand, Klagemauer und Platz um einen Preis von 70 000 Pfund loszukaufen. Die jüdischen Gemeinden in Jerusalem, Tel-Awiw und Haifa hielten Sonder- Sitzungen ab, in denen wegen der Vorgänge an der Klagemauer schärfste Protestresolutionen gefaßt worden sind. Die Stadt Tel-Awiw sandte eine Abordnung nach Jerusalem, die von Bialik geführt wird und die die Aufgabe hat, die Zionistische Exekutive zu veranlassen, von der Regierung Großbritanniens und dem Völkerbund ein entschiedenes Eingreifen und eine endgültige Lösung zu fordern, sowie Kundgebungen in der ganzen Welt zu arrangieren, in denen der einmütige Wunsch der Judenheit zum Ausdruck kommen soll, daß die westliche Tempelmauer dem jüdischen Volke zurückgegeben wird. Die Stadtgemeinde Tel-Awiw und die Haifa er jüdische Gemeinde haben aus Protest gegen die Brutalitäten an der Klagemauer an den zu Ehren der in Palästina weilenden britischen Seeoffiziere gegebenen Banketten nicht teilgenoinmen. Am 26. September abends fand eine gemeinsame Sitzung von Vertretern des Waad Leumi, der Zionistisehen Exekutive und der großen jüdischen Gemeinden des Landes statt, in der energisch die Forderung nach einer Sühne wegen der Vorgänge an der Klagemauer gestellt wurde. Ara 27. September, nachmittags, veranstaltete die Judenheit in allen Städten und Orten Palästinas einen eimföndigen Proteststreik am gegen den Zwischenfall an der Klagemaucr zu demonstrieren. In den Straßen ruhte der Verkehr, die Versammlungssäle waren alle überfüllt. Auf die Versammhingen folgten friedliche Kundgebungen in den Straßen, die urogrammäßig vor sich gingen und vollkommen ungestört verliefen. In allen Versammlungen wurden Resolutionen angenommen, in denen Großbritannien als Mandatarmacht Palästinas und der Völkerbund als der Protektor Palästinas aufgefordert werden, die Klagemauer und den Platz vor ihr den Juden zurückzugeben. Während der Versammlungen wurden Rufe laut: ״Nieder mit der Polizei, nieder mit dem Distriktskommissar!“ Am Schluß der Versammlungen und während der Kundgebungen draußen wurde ״Hatikwah“ gesungen. An den Jerusalemer Kundgebungen nahmen rund 10 000, an den Kundgebungen in Tel-Awiw etwa 15000 Juden teil. Einer der Versammlungen in Jerusalem wohnte der in Palästina weilende berühmte Rabbi von Radzimin bei, dessen Rede besonderen Eindruck machte. Am Freitag, dem 28. September, besuchten Abordnungen der jüdischen Gemeinden in allen Orten Palästinas die betreffenden Ortsbehörden und überreichten ihnen die in den Versammlungen gefaßten Resolutionen. Abschriften der Resolutionen wurden dem Völkerbund in Genf und der Regierung Großbritanniens übermittelt. Das Zentralkomitee der Weltorganisation M i s r a c h i hat den Oberrabbiner des Britischen Reiches, Dr. J. H. Hertz, telegraphisch ersucht, bei der Regierung in London bezüglich der Regelung des Problems der Klagemauer zu intervenieren. Drei in Palästina wohnhafte nichtjüdische Engländer haben durch das von der Jüd. Tel.-Agentur herausgegeben« ״Palestine Bulletin“ ein offenes Schreiben an die jüdische Gemeinschaft Palästinas gerichtet, in welchem sie sich mit der Protestbewegung der Judenschaft solidarisch erklären und die Forderung erheben, daß die schuldigen Personen der Strafe zugeführt werden. Die ursprünglich in Palästina verbreitete Meldung, daß Polizei-Inspektor Duff, der die Aktion vor der Klagemauer geleitet hat, in eine Untersuchung gezogen, und daß er für die Dauer der Untersuchung von seinem Dienste suspendiert worden sei, hat sich nicht bestätigt. Erklärungen der Exekutive Das Hauptbüro der Zionistischen Weltorganisation in London hat von der palästinensischen Zionistischen Exekutive eine Kundgebung, betreffend die Vorgänge an der westlichen Tempelmauer (Klagemauer) in Jerusalem am Jom Kippur, erhalten, die besagt: Fs muß unser Bestreben sein, zu erreichen, daß der Völkerbund eine radikale Lösung des Problems der Klagemauer in einer Weise vornimmt, daß eine Wiederholung der Zwischenfälle an der Klagemauer in jeder Form unmöglich sein soll, fn der Kundgebung der pa- Iästinensischen Exekutive wird dringend gefordert, daß die Pro Palästina-Komitees in allen Ländern, sowie die zionistisehen Landesverbände nachdrücklichst protestieren erstens gegen die moslemische Intoleranz, die ,aus einem läppischen Anlaß eine Störung des heiligsten teliglSsetI Festes an der heiligsten Stätte der Judenheit verursacht hat; zweitens gegen die ganz und gar ungerechtfertigte Aktion der britischen Behörden, die aus purer Nachgiebigkeit gegenüber den moslemischen Wünsehen und ohne sich zuvor mit irgendeiner verantwortlichen jüdischen Behörde in Verbindung gesetzt zu haben, in so unangemessener Weise eingegriffen haben, um einen Status quo zu erhalten. Col. F. H. Kisch, heißt es in der Mitteilung weiter, habe mündlich bei dem die Regierung repräsentierenden Beamten protestiert, der in seiner Erwiderung betont hat, daß die Tatsache, daß die Scheidewand eine Neuerung darstellt (obwohl sie bereits zu Rosch Haschanah aufgestelit worden war), unter keinen Umständen ein gewaltsames Eingreifen und eine Störung der Jom Kippur-Andacht an dieser heiligsten Stätte der Juden gerechtfertigt hat. Die Frage, ob es den Juden erlaubt werden könne, eine Schirmwand aufzustellen, hätte bis nach dem Festtag verschoben werden müssen. Uebrigens haben die betenden Juden keinen physischen Widerstand gegen die Entfernung der Wand geleistet, sondern nur gegen die Maßnahme protestiert. Mensehen seien dabei auch nicht zu Schaden gekommen. Ungeachtet dessen, schließt Kisch die Erklärung der palästinensisehen Exekutive, sind wir der Ansicht, daß die Maßnahme der Behörde und der Grund, weswegen sie getroffen wurde, den schärfsten Protest herausfordert. Das Londoner Büro der Exekutive versendet ein Communlque, in dem es heißt: Die gesamte jüdische Welt beklagt aufs tiefste die Ereignisse, die sich in Jerusalem vor der Klagemauer am Tage des Versöhnungsfestes abgespielt haben. Die Zionistische Exekutive behält sich eine weitere Stellungnahme nach Eintreffen ausführlicherer informationen vor. Im weiteren Verlauf der Erklärung weist die Zionistische Exekutive darauf hin, daß sie noch vor zwei Jahren das Problem der Klagemauer aus Anlaß vorangegangener bedauerlicher Zwischenfälle, die die tiefsten Empfindungen der Juden verletzten, vor der Mandatarmacht und dem Völkerbund aufgerollt und dabei der Hoffnung Ausdruck gegeben hat, (faß Mittel und Wege gefunden werden, die einem Zustande ein Ende machen, der schwere Besorgnisse für die Zukunft rechtfertigt. Die Exekutive liegt nun die bestimmteste Hoffnung, daß angesichts der jüngsten Ereignisse die Frage der Klagemauer nunmehr einer ernstesten Betrachtung unterzogen werden wird. Die Palästina-Regierung hat später anläßlich des S u k k o t h- Festes auf Grund eines ihr von dem Mufti von Jerusalem im Namen des moslemitischen Obersten Rates überreichten Protestes die Entfernung der Thoralade (Aron Kodesch), die vor der westlichen Tempelmauer stand, angeordnet. Es verlautet, daß sich die Regierung vor der Entfernung des Aron Kodesch mit Col. Kisch, dem Leiter der palästinensischen Zio nistischen Exekutive, ins Benehmen gesetzt hat. Eine arabische Massenversammlung Am 30. September fand in der Omar-Moschee, die auf dem einstigen Tempelplatz errichtet ist und unmittelbar an die!Gagemauer grenzt, eine von etwa 1000 Personen besuchte mohammedänische Massenversammlung ab, die den Beschluß faßte, an die britische Regierung und an den Völkerbund telegraphische Kundgebungen zu senden, in denen gefordert wird, daß d i e jüdischen Rechte an der Klage mauer nicht erweitert werden. Durch eine Erweiterung der jüdischen Rechte, heißt es in der Kundgebung, würden die Besitzrechte der Muslim an der Omar-Moschee bedroht erscheinen (?!). Während des Gottesdienstes an der Klagemauer am 30. Sepfernher haben Araber die jüdischen Andächtigen mit Steinen beworfen. Zwei Araber wurden von der Polizei verhaftet. Die arabische Presse teilt mit, daß Sir Ronald Storrs, als er noch Gouverneur von Jerusalem war, den arabischen Autoritäten den Vorschlag gemacht habe, daß sie den Juden den Platz vor der Klagemauer gegen Hergabe von wertvollem Boden an anderer Stelle abtreten. Die Araber hatten damals dieses Angebot zurückgewiesen. Die Presse droht mit Unruhen, wenn die Juden versuchen sollten, ihre Rechte an der Klagemauer zu erweitern. Die für den 2. Oktober geplante jüdische Demonstration in Jerusalem wurde abgesagt, weil die Araber mit Gegenkundgebungen drohten. Die palästinensisch-jüdische Arbeiterorganisation (Histadruth Haowdim) hat sich an die britische Arbeiterpartei mit einer telegraphischen Kundgebung gewandt, in der die Entelgnung der Grundstücke vor der Klagemauer und die Stellung der Klagemauer und des Platzes vor derselben unter die ausschließliche Kontrolle der Juden gefordert wird. Ferner wird die Bestrafung aller an dem Zwischenfall am Versöhnungstage Schuldigen gefordert. Oberstleutnant Kenworthy, Labour-Mitglied des Unterhauses, hat eine Interpellation im Unterhaus über die Vorgänge an der Klagemauer am Jom Kippur angekündigt. Kenworthy teilte der J.T. A. mit, daß er dem Unterhause die skandalöse Behandlung der betenden Juden durch die Jerusalemer Polizei schildern und fordern wird, daß Maßnahmen getroffen werden, die eine Wiederholung solcher Vorkommnisse ausschließen. Die ״English Zionist Federation“ hat in einer Resolution ihrem Protest gegen die Vorfälle an der Klagemauer Ausdruck gegeben und die englische Regierung aufgefordert, eine Wiederholung solcher Ereignisse unmöglich zu machen, sowie für Anerkennung der jüdischen Rechte an der Klagemauer Sorge zu tragen. Die Besiizvcrhälhiisse an der Klagemauer Zwischenfälle an der Jerusalemer Klagemauer waren in den letzten Jahren nicht selten. Es ist noch in aller Erinnerung, wie am Jom Kippur-Tage des Jahres 1925 arabische Polizeibeamte vor der Klagemauer die Stühle, die sich die älteren Andächtigen mitgebracht hatten, um während der Gebetspausen auszuruhen, f“ *'י ” .. ’ ’ ' _ Storrs, der zu jener Zeit Gouverneur von Jerusalem war, erklärte einer jüdischen Abordnung, die sich ber ihm gegen die Brutalität der Polizei beschwerte, daß die Order, die das Mitbringen von Stühlen verbietet, noch vor einigen Jahren vom damaligen Oberkommissar Sir Herbert Samuel erlassen worden war, und zwar infolge eines Protestes der moslemischen Autoritäten, da die Umgebung der Klagemauer religiöses Eigentum der-Moslenrften sei. fm übrigen verfügte Sir Ronald Stern, daß einige der weggenommenen Stühle zurückgebracht werden, und gestattete außerdem, daß Kissen und leere Petroleumkannen von müden Andächtigen zum Ausruhen benutzt werden. Bei dieser Gelegenheit teilte Sir Ronald Storrs mit, daß er im Jahre 1918 auf Ersuchen Dr. Weizmanns mit den moslemischen Behörden in Verhandlungen trat, um von ihnen das Besitzrecht an diesem Platze für die Juden zu erwerben. Er bot eine Summe von 75 000 Pfund. Die Verhandlungen hatten sich aber zerschlagen. Nach dem Zwischenfall des Jahres 1925 nahm Dr. Weizmann in dem Mantelschreiben, das dem Memorandum der Zionistischen Organisation an die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes über die Jewish Agency beigegeben war, auf diese Vorfälle Bezug und legte dar, man wolle nicht über die Polizei klagen, die die ihr erteilte Order so rücksichtslos wie möglich durchführte, man wolle auch nicht leugnen, daß die Anweisungen an die Polizei durch den Buchstaben des Gesetzes gerechtfertigt sein mögen, die Zionistische Exekutive fühle sich nichtsdestoweniger verpflichtet, darauf hinzuweisen, daß der Zwischenfall in der gesamten jüdischen Welt den peinlichsten Eindruck hervorgerufen hat. Er sprach die Hoffnung aus, daß die Mandatarmachtund der Völkerbund Mittel und Wege finden werden, um gemeinsam eine Lösung zu finden, die einem Zustand, der Anlaß zu ernstlicher Besorgnis gebe, ein Ende machen solle. In der Sitzungder Mandatskommission wurde dann die Angelegenheit behandelt. Colonel Symes, der die Mandatarmacht vertrat, legte dar, daß das Grundstück vor der Klagemauer einem moslemischen Wakuf gehöre; den Juden sei es zwar gestattet, auf diesem Platze zu verweilen, sie dürften aber nichts unternehmen, was den Eindruck erwecken könnte, daß das Grundstück ihnen gehöre. Die Muslim befürchten, daß, wenn den Juden erlaubt sein würde, Stühle mitzubringen, sie dann befestigte Bänke aufstellen würden, und nicht lange danach würden sie einen gesetzlichen Anspruch auf das Grundstück auf Grund des ״E r s i t z e n s“ erheben. So sehr die Administration mit den betenden Juden an der Klagemauer sympathisiere, so gebietet es ihr doch die Pflicht, den Status quo zu respektieren. Die Besitzverhältnisse an der Klagemauer könnten nur durch ein Abkommen zwischen den Muslim und den Juden geregelt \yerden, die Regierung würde ihr Aeußerstes tun, um aas Zustandekommen eines solchen Vertrages zu fördern. Clayton High Commlssioner Im Irak Sir Gilbert Clayton, der ehemalige Chefsekretär der Palästina-Regierung, der später die Verhandlungen mit I b n Saud geführt hat, wird einer offiziellen Meldung zufolge demnächst als Nachfolger von Sir Henry Dobbs zum nigh Commissioner für Irak ernannt werden. Bekanntlich galt Clayton eine Zeitlang als der aussichtsreichste Kandidat für das Hochkommissariat von Palästina. Sowohl nach Herbert Samuel als auch nach Lord Plumer wurde der dem Zionismus sehr freundliche Clayton als Nachfolger genannt. 1111 Die nächste Nummer der ״Jüdischen Rundschau" erscheint wegen der Feiertage als Doppel-Hummer am 12. Oktober. (Die Dienstag-Nummer fällt aus).