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Jüdische Rundschau · 1928-09-28 · Heft 76-77 (28.9.1928) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 76-77 (28.9.1928)
Date
1928-09-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 548 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 78/77, 28. IX. 1928 Theater ״Ton in des Töpfers Hand״״ (Tragödie einer Familie. Von Theodor Dreiser, Renaissance- Theater. Dir. Gustav Hartung.) Wahrlich, wie der Ton in de• Töpfers Hand, so seid ihr, Haus Israel . Jsr. 18,6 Theodore Dreiser hat seinen Roman ״Amerikanische Tragödie“, das Schicksal der Familie eines amerikanischen Straßenpredigers, des ״Hallelujah-üriffith“, wie ihn die Leute nennen, mit furchtbarer Eindringlichkeit und verbissenerWirklichkeitstreue erzählt. Nun läßt er dieser Tragödie einer amerikanischen Familie die Tragödie einer jüdischen Familie folgen. ״Ton in des Töpfers Hand“ hat er mit einem Bibelworte dies Drama genannt. Held dieses Dramas ist — und darum geht es uns hier an — nicht der arrne Psychopath, dessen unselige Veranlagung ihn immer wieder zum Verbrechen treibt, obwohl sich um sein Schicksal die Schicksale der Anderen gruppieren und obwohl Dreiser in amerikanischer Kraßheit uns keines seiner Verbrechen erspart — sondern der Held dieses Dramas ist, wie schon aus dem Untertitel hervorgeht: eine Familie — und zwar eine jüdische. Auf den ersten Blick mag es manchem verwunderlich scheinen, wie es Dreiser, der selbst kein Jude ist, möglich war, dieses sehr jüdische Bild zu entwerfen. Die Familie des in Amerika eingewanderten Odessaer Juden Aron Berchanski hat sich besonders im jüngeren Geschlechte ganz der Umwelt angepaßt; die Tochter verdient ihr Brot und genießt ihr Leben als Manieure, die Söhne sind amerikanische Geschäftsleute geworden. Nur die Eltern bieten in Käppchen und Scheitel noch das Bild russisch-jüdischer Einwanderer. Aber die alte Einheit der Familie ist geblieben — und beherrscht ihrer aller Leben. Das zeigt sich, als das festgefügte Haus der Familie ins Wanken gerät durch die Tat des einen unseligen kranken Sohnes. Wie eine Mauer stellen sich alle diese verschiedenartigen Menschen vor den Verfolgten, 11m ihn vor dem Eingreifen des Gerichtes zu schützen. Gerade die Schwester Rae, die Manieure, die sich in früheren Tagen aufs schärfste gegen den Bruder gewendet hat, wird jetzt zur stärksten Verteidigerin des Unglücklichen. Vergleicht man dieses instinktive Zusammenstehen der Familienmitglieder, dieses schützende Sich-vor-den-Angegriffenen-stellen mit dem Verhalten der amerikanischen Familie in Dreiser’s Roman, so erkennt “than, daß Dreiser hier das Besondere und Seltsame der jüdischen Familie, wie sie dem Amerikaner erschien, wiedergeben wollte. Georg Hermann hat einmal in seinem Roman ״Henriette Jacoby“ andeutend und in Nebensätzen die Unterscheidungsmerkmale jüdischer und christlicher Familien ähnlich festgelegt. Nur einer durchbricht scheinbar die festgefügte Mauer. Nachdem alle anderen den Sohn und Bruder gedeckt haben, so viel sie konnten, bricht der alte Vater, der allein um die Tatsächlichkeit des Verbrechens wußte, zusammen, als er fühlt, daß es sich um die Wahrheit handelt. ״Verstehst Du denn nicht, daß wir die Wahrheit herauskriegen wollen?!“ hatte er schon vorher dem unglücklichen Sohne gesagt. Die Wahrheit steht über der Familie; die Wände des Familienhauses müssen stürzen, um die Wahrheit zu retten. Diese Tragödie einer Familie soll vielleicht dadurch noch eindringlicher zur Wirkung kommen, daß der Autor den Kontrast zu der Welt des Verbrechertums, in die die Familie hineingerissen wird, besonders scharf unterstreicht, indem er die ganze Hölle offen vorführt. Man muß gestehen, daß dieser Naturalismus schwere Anforderungen an die Nerven der Zuschauer stellt. Es muß auch Befremden hervorrufen, daß diese Art degenerierten und vertierten Menschentums gerade in ein jüdisches Milieu gestellt wird, und man wird das peinliche Gefühl nicht los, daß hier eine Spekulation auf die Empfänglichkeit des Publikums für Grausamkeits-Sensationen illegitim verbunden wird mit der Erwartung der Gangbarkeit von Judenstücken. Wenn es dem Dichter nur um das Problem der jüdischen Familie ging, so hätte derselbe Effekt mit weniger Aufwand an Scheußlichkeit erreicht werden können. Eine Reihe ausgezeichneter Schauspieler nahmen den halbgeformten Stoff zur Hand und erschufen ihn aufs neue. Da war Ernst Deutsch , dessen Isidor eine unheimlich wahre Studie eines schwerbelasteten Menschen ergab. Da war Hermann V all ent in, der als Vater in seinen stärksten Augenblicken beinahe an den alten Schildkraut erinnerte. Unvergeßlich endlich Frieda Richard, die ״Mamme“, die in einer fast wortlosen Szene nur durch Blicke, Gebärden, abgerissene Worte tiefstes Wesen einer Mutter ausdriieken konnte. Bertha Badt-Strauss. Das Moskauer Jüdische Akademische Theater (Granowsky-Biihne) eröffnet sein zweites Berliner Gastspiel heute, den 28. d. M., 8 Uhr abends, im Theater des Westens mit ״Trouadek“, exzentrische Operette in 30 Bildern nach Jules Romain, Musik von Leo Pulver. Sowjet und Granowsky-Theater. Die Zeitung ״Emess“ teilt mit, Granowsky hätte das Volkskommissariat für Kultus ersucht, ihm und seinem Ensemble in Anbetracht des bisherigen Defizits der Tournee die Bewilligung zu einer Amerika-Tournee zu erteilen. Ein französisches Theaterkonsortium hätte sich bereit erklärt, diese Tournee zu finanzieren. Das Kultus-Kommissariat lehnte dieses Ersuchen ab und entsandte einen speziellen Kommissar nach Berlin zur Regelung der Angelegenheiten des Granowsky-Theaters und zur Vorbereitung von dessen Rückkehr nach Rußland. Der Prager jüdische Dichter Rudolf Fuchs, der u. a. durch seine Uebertragungen des bekannten tschechischen Lyrikers Peter Bezruc bekannt ist, hat eben ein Stück beendet, das die Vorgänge des März 1921 behandelt und in dessen Mittelpunkt die Gestalt Max H ö I z s steht. Das Drama, das den Titel ״Aufruhr im Mansfelder Land“ trägt, erscheint in den nächsten Wochen im Neuen Deutschen Verlag zu Berlin. ln Wien starb der jüdische Gelehrte und frühere Rabbiner Dr. Siegmund Gelbhaus im Alter von 76 Jahren. Sein Hauptwerk behandelte den Einfluß des Kabbalismus aut den Spinozismus. ln der Hinterlassenschaft befindet sich ein großes Manuskript über die ״Zusammenhänge zwischen Islamismus und Mosaismu s“. Gelbhaus gehörte zu den Lektoren der Israelitischen theologischen Lehranstalten in Wien. Er war der letzte noch lebende Wiener Freund Grillparzers. Fünfzehn Jahre Pasteur-Institut in Jerusalem Von Dr. A r o n S a n d 1 e r. Etwa ein Jahr vor Beginn des Krieges wurde von der ״Gesellschaft jüdischer Aerzte und Naturwissenschaftler (später: Jüdische Gesellschaft) für sanitäre Interessen in Palästina“ ein Institut in Jerusalem gegründet, in dem zum ersten Male der Gedanke einer großzügigen Bekämpfung der endemischen Krankheiten des Landes nach modernen wissenschaftlichen Methoden verwirklicht war. Herr Dr. Beham, der die Leitung des Instituts übernahm, eröffnete zunächst eine serologische und eine Wutschutz-Abteilung. Zusammen mit dem Malaria-Komitee der deutschen Regierung und mit der Nathan Straus-Stiftung (Health-Officc), welch letztere Abteilungen für Hygiene, Bakteriologie und Trachomforschung angliederte, erstand ein hygienisches Institut in Jerusalem. Nur die Abteilung von Dr. Beham hat den Krieg überdauert. Unter unsäglichen Schwierigkeiten gelang es ihm, seine Abteilungen nicht nur durchzuhalten, sondern auch noch um neue zu vermehren, so daß er 1929 bereits über eine Wutschutz-Abteilung, eine sero-diagnotische lind eine bakteriologische Abteilung verfügte Während des Krieges bedienten sich die verschiedenen Armeeleitungen und nach dem Kriege das Sanitätsdepartement der Regierung des Institutes, besonders zur Gewinnung von Pockenlymphe und zur Wutscliutz- Behandlung. Die Palästina-Regierung schlug Herrn Dr. Beham die Uebernahme seiner Abteilungen als Regierungsinstitut vor. Dieses Anerbieten schlug er ebenso ab, wie er auch gegenüber der Hadassah seine Unabhängigkeit verteidigt hat. Es wurden später Filialen in Tel-Awiw und Haifa, vorübergehend auch in Petach Tikvvah errichtet. Von 75 Tollwutverdächtigen im Jahre 1914 waren 56 Juden und 19 Nichtjuden, 192D war die Zahl der jährlich an Tollwut Behandelten auf 460 gestiegen. Bis heute sind 4560 Gebissene behandelt worden. Vor Begründung des Instituts mußten die Gebissenen in Kairo Heilung suchen. Jede Verspätung des Beginns der Behandlung, auch nur um einen Tag, kann aber bei dieser Krankheit zum Verhängnis werden. Mehr als eine Million Dosen frischer Pockenlymphe, ebenso für mehr als 1500 Infektionskranke Vaccine für Behandlungszwecke wurden in dem Institut hcrgestellt. Die Bedeutung des Instituts ist auch von arabischer Seite vielfach dankbar anerkannt worden. So hat das Pasteur-Institut auch im Sinne des Ausgleichs zwischen Juden und Arabern gewirkt. In mehreren hebräischen Broschüren wirkte Dr. Beham für die Aufklärung der Bevölkerung, besonders über die Hunds- Wirt und den Typhus — all das, ehe es ein medizinisches Werk der Hadassah und der Regierung im Lande gab. Durch das Pasteur-Institut waren auch die serologischen Untersuchungsmethoden in Palästina eingeführt;,die Untersuchungen auf Syphilis, Tuberkulose, Echinococcus und Maltafieber; noch im letzten Jahre hat Dr. Beham die Untersuchungsmethode auf Tuberkulose nach Calmette eingeführt. Zu Beginn des Krieges wurde das Institut noch zeitweise von amerikanischen Zionisten unterstützt, späterhin mußte es sich aus eigenen Einnahmen erhalten; eine Unterstützung von seiten des Gründungskomitees war seit Kriegsbeginn ausgeschlossen, so daß der Betrieb Herrn Dr, Beham auf eigene Verantwortung überlassen werden mußte. Durch alle diese Schwierigkeiten hat der Leiter des Institutes in vorbildlichem Pflichtbewußtsein und in zionistischem Idealismus sein Schifflein gesteuert. Noch heute steht das Institut nach jeder Seite unabhängig da, auch gegenüber der gratis arbeitenden Regierungs-Konkurrenz, und kann für sich das Verdienst in Anspruch nehmen, in medizinisch-wissenschaftlicher Beziehung im Lande bahnbrechend zu wirken. ln Tel-Awiw ist ein Jubiläums-Komitee von Aerzten unter Vorsitz des bekannten Arztes Dr. H i 11 e I Joffe-Haifa zusammengetreten, das zur Jubilämns-Feier (am Chol Hamoed Sukkoth) eine dem Institut gewidmete Festschrift herausgeben wird. Mögen׳ alle, die dem ersten medizinischen Institut Palästinas, seinem wissenschaftlichen und unabhängigen Wirken, seinen jüdischen und medizinischen Erfolgen Bewunderung zollen, dem schwer ringenden Leiter des Instituts zu Hilfe kommen und sich an der Sicherung dieses hohen Kultur- Werkes beteiligen. Der neue Hadassah ^Direktor ״Haaretz“ betont, daß die bevorstehende Ernennung des neuen obersten Leiters der Hadassah-Institutionen in Palästina eine Angelegenheit von großer Wichtigkeit sei. Schon Seit langem spreche man darüber, daß eine Reform unseres gesamten Gesundheitswesens erwünscht sei, jetzt aber seien diese Reformen absolut erforderlich geworden, nachdem sowohl innerhalb der Hadassah selbst wie in der ganzen Lage des Gesundheitswesens eine ernste Situation entstanden sei. Der neue Hadassah-Direktor werde die schwierige Aufgabe haben, neue Wege zu finden, um das Hadassahwerk mit den ganzen kolonisatorischen Aufgaben der Bewegung in Einklang zu bringen. Gewiß sei es ein Recht der amerikanischen Organisation Hadassah, diese Person zu ernennen; denn die Hadassah trage die Verantwortung für das Gesundheitswesen. Man müsse aber die Auffassung ablehnen, daß die Ernennung des Direktors einfach in der Form erfolgen könne, daß die amerikanische Hadassah-Organisation einen Beamten nach Palästina schicke, ohne im mindesten mit der Palästina-Exekutive sich zu verständigen, die die Verantwortung für das Gesamtaufbauwerk trage, von dem die Hadassah nur einen Teil ausraache. Hadassah und Zionistische Exekutive müßten sich bemühen, den ^zwischen ihnen bestehenden Bruch zu heilen. Die Hygiene der Jaden Auf dem gegenwärtig in Newcastle stattfindenden englischen medizinischen Kongreß stellte Dr. W. C. Miller fest, daß ״das blonde Individuum einen viel höheren Grad von Empfänglichkeit für Infektion zeigt, als die jüdische Rasse in den Vereinigten Staaten oder in den dichtbevölkerten Teilen von Europa“. ״Die Statistiken zeigen“, fuhr Dr. Miller fort, ״daß die Tuberkulose-Sterblichkeit bei Juden 37 auf 1000 ausmacht, während die Gesamtsterblichkeit durch Tuberkulose 138 auf 1000 beträgt“. ״Die jüdische Nation ist dank dem strengen Festhalten an hygienischen Traditionen bis auf den heutigen Tag eine sehr gesunde Rasse geblieben, stellte der Präsident des Verbandes der Gesundheitsinspektoren (Sanitary Inspectors׳ Association), Dr. M, E. Morris, fest. Die Hebräer des Altertums, sagte er weiter, waren ihrer Epoche in den sanitären Gesetzen und Vorschriften sehr weit voraus.“ Das jüdische Nationalhaus Von Areh. Alex Baerwald, Regierungsu. Baurat, Haifa. Ueber das Ergebnis des Wettbewerbs für das Verwaltungsgebäude der Zionistischen Organisation, des Keren Kajcmeth und des Keren Hajessod in Jerusalem wurde bereits in Nr. 67 der ״J. R.“ kurz berichtet. Dieser interessante Wettbewerb für die erste größere Bauaufgabe nach dem Kriege hatte alle palästinensischen Architekten und Ingenieure, ja sogar auch Nichtfachleute mobil gemacht und 37 Entwürfe ergeben. Da ein Architekt drei Entwürfe einlieferte und zwei andere je zwei, so haben sich 33 Konkurrenten beteiligt. Diese große Zahl von Bewerbern — es gibt kaum einen Fachmann in Palästina, der sich nicht beteiligt hat — zeugt nicht nur von der Wichtigkeit der Bauaufgabe, sondern ist leider auch ein Zeichen der Beschäftigungslosigkeit vieler Techniker. Das Ergebnis des Wettbewerbes, für dessen Entscheidung die Herren Prof. Frank aus Wien, Dr. ing. Reiner und Architekt Cliaikin F. R. J. B. A. aus Jerusalem als Preisrichter wirkten, muß als recht erfreulich bezeichnet werden. Die Arbeiten wurden nach verschiedenen Gesichtspunkten geprüft und nach Punkten bewertet, so daß auch Teilnehmer, die gute Teilleistungen aufwiesen, nicht leer ausgingen. Die fünf Wettbewerber mit den meisten Punkten wurden als Preisträger betrachtet. Bei der Einstellung der Preisrichter, von denen Herr Professor Frank bei den Empfängen, die der Ingenieur- und Architekten-Verein Palästinas ihm zu Ehren veranstaltete, seine Auffassung auseinandersetzte, war es klar, daß Entwürfe mit romantischer Tendenz und mit dem Bestreben, die Baulichkeiten dem orientalischen Charakter der Landschaft und der Eigenart Jerusalems anzupassen, wenig Gnade finden würden. Professor Frank ist Vertreter der modernsten, absolut sachlichen internationalen Architektur; er sieht die Ent- Wicklung der Baukunst in der Mechanisierung, Typisierung und in gewisser Beziehung auch Uniformierung der Architektur. Diese Anschauung hat schließlich die Zurückführung aller Gebäude auf einige Typen zum Ziel, die in der ganzen Welt ähnlich sein werden. Ob diese Anschauung, die zurzeit überall, wo moderne Architekten am Werk sind, die vorherrschende ist, auch für Palästina am Platze ist, wo die klimatischen Bedingungen in zwingender Form die Gesetze des Baues vorschreiben, mag dahingestellt sein. Ebenso wenig kann mit Bestimmtheit gesagt werden, ob die internationale Baukunst auch für Palästina die allein richtige sein kann,, also für das Land, in welchem die Juden gerade das Gegenteil, eine nationale Entwicklung mit eigener Sprache, Literatur und bodenständiger Lebensweise erstreben. Wie dem auch sei: Das Preisgericht hat jedenfalls die fünf klarsten und großzügigsten Projekte als die besten erkannt. Es sind nach der Reihenfolge der Bewertung die Arbeiten der Herren Architekten Ratner, Krakauer, Kuzinski, Kaufman und des Ingenieurs Hecker. Die gestellte Aufgabe war außerordentlich interessant und schwierig. Die Haupt- Schwierigkeit bestand darin, das an sich kleine nur zweistockige Verwaltungsgebäude der zionistischen Institutionen architektonisch so bedeutend zu gestalten, daß es nicht durch spätere vierstöckige Bebauung der ganzen Straße zur Bedeutungslosigkeit herabgedrückt würde. Während alle Bewerber mit mehr oder weniger Geschick ihre Gebäudetrakte an die Straßenfronten oder parallel oder auch schräg zu den Straßenfronten legten, wobei an der Straßenkreuzung oder an den Straßenfronten Plätze geschaffen wurden; während andere durch turmartige Höherführung einiger Gebäudeteile versuchten, sich der späteren Erdrückung zu entziehen, hat Dipl.־ Ing. Eugene Ratner in der klaren Einsicht, daß alle diese Mittel unzulänglich sind, die Baulichkeiten rings um einen sich breit nach den Straßen öffnenden Ehrenh^f gelegt, der sie dem Höhen-Wettbewerb mit der Nachbarsclt1#$ entzieht, sie dem Straßenstaub und Straßenlärm entrückt ■ntk ihnen mit einem Schlage die Besonderheit und Vornehmheit #nes öffentliehen Gebäudes ersten Ranges verleiht. Ratner hat das Gelande mit virtuoser Freiheit aufgeteilt und seinen Baukörper in souveräner Weise gestaltet, die von keinem der anderen Projekte auch nur annähernd erreicht ist. Die Erteilung des ersten Preises an Ratner ist um so höher zu bewerten, weil sein Projekt bei aller Sachlichkeit und Modernität doch aus dem Geiste der Romantik und der innerlichen Verbundenheit mit Palästina geboren ist, also sich nicht völlig mit den programmatischen Prinzipien der Preisrichter deckt, sondern über sie den Sieg davon getragen hat. (Eine Abbildung des Modells des Ratner’schen Entwurfes brachten wir in Nr. 67. — A. J. R.) Man kann den zionistischen Behörden nicht nur zum Projekt, sondern auch zur Persönlichkeit Ratners Glück wünschen. Er hat neben seiner Lehrtätigkeit am Technikum in Haifa mehrere Bauten in Palästina errichtet, unter denen das Haus der Arbeiterschaft und das große Amphitheater in Haifa die bedeutendsten sind. Möge es ihm beschieden sein, die Vervvaltungsgebäudc der zionistischen Behörden nach seinen Plänen zu errichten und zu vollenden! Das Herzl -Wolllsohn - Museum in Jerusalem Das Berliner Museum, das die persönlichen Erinnerungen an die ersten Führer der Zionistischen Organisation, Theodor Herzl und David W 01 f f s o h n , enthielt, ist nunmehr best'miTiung gemäß nah Jerusalem überführt worden, wo es in den Räumen der Hebräischen National-Bibiiothek Aufstellung finden wird. Es handelt sich neben bedeutsamem brieflichen und anderem urkundlichen Material über die Anfänge der zionistischen Bewegung um einen großen Teil der Wohnungseinrichtung Theodor Herzls und Wolffsohns, namentlich um die Arbeitszimmer und die Bibliothek der beiden zionistischen Führer. Der Testamentsvollstrecker David Wolffsohns, Dr. Eduard Leszinsky, Berlin, hat die Uebersiedlung in die Wege geleitet; die Aufstellung in den Räumen der National- Bibliothek, die ja aus den Mitteln der Wolffsohn-Stiftung, der Erbschaft David Wolffsohns, errichtet wird, bat bereits stattgefunden. Reglernngspräsidenl Bausmann in Danzig Regierungspräsident Dr. Hermann Hausmann (Stralsund), Mitglied des deutschen Pro Palästina-Komitees, hielt im Danziger Schützenhaus vor einer zahlreichen Zuhörerschaft ein Referat über die Aufbauarbeit in Palästina und appellierte an die Versammelten, sich zugunsten des Keren Hajessod und des Keren Kaiemeth zu besteuern. Er schloß mit den Worten: ״Ehre dem jüdischen Volke“.

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