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Jüdische Rundschau · 1928-09-28 · Heft 76-77 (28.9.1928) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 76-77 (28.9.1928)
Date
1928-09-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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beite 549 Nr, 76/77, 28• IX. 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Jüdische Gemeinde Berlin Ans der RepriseatanteBverssnintang Auf der Tagesordnung der Repräsentantenversammlung vom 19. d. M. standen 41 Punkte. Wenn auch sowohl die Liberalen wie auch die Volksparteiler manchen Antrag in der Sitzung zu• rückzogen, blieben doch noch sehr viele Gegenstände zur Be• ratung und Beschlußfassung übrig. Die Liberalen hatten die Ferienzeit dazu ausgenützt, um eine große Anzahl von Anträgen Und Anfragen auszuarbeiten, die nun in der Sitzung auf den Gemeindevorstand und die Repräsentanten wie ein Trommelfeuer niederprassein sollten. Die strittigsten dieser Anträge gelangten jedoch nicht ztir Verhandlung, gleich mehreren Vorlagen des Vorstandes, wie Subventionierung der Schulen des Schulvereins, der hebräischen Realschule in Haifa und des hebräischen Theaters ״Habimah“. Vor Eingang in die Tagesordnung bemangelte Prof. Türk, daß man während der Sommerferien eine Sitzung der Repräsentantenversammlung abgehalten und in dieser Sitzung u. a. auch eine Beihilfe für den ״Hechaluz“ bewilligt hätte. Er, Prof. Türk, habe zwar im Landesverband für den ״Hechaluz“ gestimmt, weil ein großer Teil der im ״Hechaluz“ ausgebiideten Mitglieder in Deutschland verbleibe; er vermöge jecfoch nicht einzusehen, daß diese Frage gar so drin• gend gewesen sei. In der Sitzung vom 19. d. M. gelangte ein Antrag der Liberalen zur Verhandlung und Annahme, der Gesellschaft ״Ort“ eine Subvention zu gewähren, und namens der Volkspartei wies Waldmann darauf hin, daß die Bestrebungen des ״Ort“ hauptsächlich den Juden außerhalb Deutschlands ge'ten und daß die von der Volkspartei wärmstens unterstützten Bestrebungen des ״Ort“ in ihrer Gesamtheit eine eminente nationale Arbeit der Judenheit repräsentieren. Er kündigte einen Antrag auf Unterstützung der ״Ose“ an und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Liberalen für diesen Antrag elntreten werden, obwohl die Hauptarbeit der ״Ose“ sich nicht gerade auf deutsche Juden bezieht. Die ausgedehnteste und lebhafteste Debatte rief ein Antrag der Liberalen, betreffend Veranstaltung ״religiöser Feierstunden“ in den Berliner Orgelsynagogen, hervor. Diese religiösen Feierstunden sollen nach dem Antrag der Liberalen an Sonntagen abgehalten werden und im wesentlichen aus Ansprachen über religiös• kulturelle Themen bestehen. Gegen diesen Antrag wandten sich namens der Volkspartei Dr. Klee und Hans Ooslar. Dr. Klee wies in einer sehr eindrucksvollen, unpolemischen Rede auf die Gefahren derartiger re'igiöser Feierstunden an Sonntagen bin. Auch beim besten Willen der Liberalen könne diese Einrichtung den Anfang eines Sonntagsgottesdienstes bedeuten. Die Geschichte der Reformsynagoge in der Johannisstraße schrecke. Wenn man diese religiöse Feierstunde an irgendeinem anderen Wochentage oder außerhalb der Synagoge abhalten wolle, so wäre dagegen nichts einzuwenden. Sonntag und Synagoge als Zeitpunkt und Ort dieser Institution seien für jeden, dem Bewahrung des Judentums heilig ist, unannehmbar. Der liberale Antrag wurde nach Entgegnungen Rosenthals,Türks.Guttmanns und anderer Liberaler vertagt. Von anderen Beschlüssen sind zu erwähnen; Subverrtionierung des Verbandes ostjüdischer Organisationen und des Büros für Schächterschutz, Annahme eines Antrages zur Errichtung eines statistischen Büros der Jüdischen Gemeinde, dessen Arbeiten in erster Linie dem Kampf gegen Taufe und Mischehe zugute kommen sollen; Beihilfe für die Erhaltung des historisch bedeutsamen Jakob-Tempels an der Jakobsohn-Schule in Seesen. Eine Vorstandsvorlage, betreffend Bewi’Iigung eines neuerlichen Beitrages für die jüdische Sonderschau auf der Kölner ״Pressa“, wurde gegen die Stimmen der Jüdischen Volks- Partei abgelehnt. s. n. <*d;<׳rv,״. 1ר:! .*< י?\*Mt! ס- 4׳1. OlU W ׳ . tiiiWJ Wanderer- und Flüchtlingsschutz Dr. James Simon, der Präsident des Hilfsvereins der deutsehen Juden, lud für den 19. d. M. die Vertreter der jüdischen Presse in seine Wohnung. Der Generalsekretär des Hilfsvereins, Dr. W i s c h n i t z e r, berichtete über die O e n f e r T a g u n ־ gen der Konferenzgemeinschaft derprivaten Emigration«- ge Seilschaften und über Wandererschutzfragen. Dr. Wischnitzer wies auf die wachsende Bedeutung der Konferenzgemeinschaft hin, deren Resolutionen von den in Frage kommenden Regierungen beachtet und berücksichtigt werden. So sei das Entgegenkommen der Vereinigten Staaten in der Frage der Zulassung von nahen Verwandten bereits in Amerika lebender Einwanderer, die angeordneten Untersuchungen wegen Erschwerung der Intelligenzprüfungen bei Erteilung von Einreisevisen nach Amerika usw. auf die informatorische Tätigkeit der Konferenzgemeinschaft zurückzuführen. In der Konferenzgemeinschaft sind ungefähr 80 private Organisationen, darunter sehr viele katholische, vertreten. Die Beteiligung der jüdischen Organisatlonen sei von größter Bedeutung, und es ist zu bedauern, daß die der Konferenzgemeinschatt angeschlossenen jüdischen Organisationen keine Vertreter nach Genf entsandt, bzw. die dort weilenden jüdischen Vertreter nicht bevollmächtigt haben, auch im Namen der nicht durch Delegierte vertretenen Körperschaften zu stimmen, ln die Exekutive der Konferenzgemeinschaft sind als jüdische Vertreter die Herren Luden Wolff und Cohen, London, gewählt worden. Der dritte jüdische Kandidat unterlag gegen einen katholischen Vertreter. Die Konferenzgemeinschaft war durch Sachverständige bei den von den Regierungen einberufenen Emigrationskonferenzen in Rom und Havana vertreten. Das Internationale Arbeitsamt lind insbesondere dessen Leiter, Albert Thomas, bringen den Arbeiten dar Konferenzgemeinschaft das größte Interesse entgegen. In Angelegenheit der Flüchtlingsfürsorge ist in einer von 15 Regierungsvertre'ern beschickten Konferenz beim Oberkommissar für das Flüchtlingswesen, Nansen, beschlossen worden, spezielle Nansen-Vertreter in allen Staaten, in denen Flüchtlinge (Russen und Armenier) leben, zu bestellen. Nach erfolgter Ratifizierung dieses Beschlusses durch die einzelnen Regierungen werden also besondere ״Nansen-Konsuln“ amtieren. Man wird dafür sorgen müssen, daß bei der Wahl dieser Konsuln die Prinzipien völliger Unparteilichkeit gewahrt werden. Dr. Wischnitzer und James Simon beantworteten eine Reihe an sie gestellter Fragen und wiesen darauf hin, daß die großen jüdischen Hilfsgesellschaften, vor allem lea, Joint Foreign Committee, American fewish Committee und Hilfsverein der Deutsehen luden, in Zukunft ihre Wirksamkeit in engster Welse koordinieren werden. Selbstverständlich sei diese Gemeinschaft nicht exklusiv und stehe anderen jüdischen Organisationen offen. Per laküsehe Numerus clausus te Polen Lemberg, 21. September. (J.T.A.) Das Ergebnis der diesjährigen Inskriptionen an der hiesigen Universität ist iolgendes: An der medizinischen Fakultät wurden von insgesamt 120 Inskribierten nur 10 Juden (8 0/0) aufgenommen. 300 Kanditaten, fast ausschließlich Juden, wurden zurückgewiesen. An der juridischen Fakultät wurde« von 541 Neuinskribierten 126 Juden (23 «/#) aufgenomtr$n und an der naturwissenschaftlichen Fakultät 95 Juden von insgesamt 225• An der humanistischen Fakultät wird der Numerus clausus nicht angewandt. Verschlimmert haben sich die Verhälinisse im Vergleich tum vorigen fahre an der medizinischen Fakultät (10 Juden gegen 15 im Vorjahre) und an der juridischen Fakultät, wo der Prozentsatz der aufgenommenen Juden von 31,0/0 im Vorjahre auf 23.0/0 in diesem Iahre gefallen ist. Kleine Nachrichten Das Colonial Office hat sechs englische Hafenbaufirmen aufgefordert, Offerten für die Arbeiten am Hafenbau von Haifa, mit denen im November begonnen werden soll, einzu reichen. Wie die ״Times“ aus Jerusalem meldet, wird dort offizielt bekanntgegeben, daß die Vorbereitungen für die W a h * len zum transjcydanischen Parlament befried!- gend fortschreiten. Das strenge Vorgehen gegen die Führer der Opposition habe die Hindernisse bei Anlegung der Wahlregister beseitigt. Wie in Jerusalem gerüchtweise verlautet, beabsichtigt die Regierung, nach der nächsten Graduierung die Schule für Rechtsanwälte zu schließen, weil es im Lande bereits zu viele Advokaten gebe. Der frühere französische Oberkommissar von Syrien, General W e y g a n d, soll demnächst Palästina besuchen. Als Kenner des Orients will General Weygand eine Monographie über die französischen und englischen Mandatsgebiete des Nahen Ostens veröffentlichen. Der ״Haaretz“ berichtet von einer Reihe neuer privatkapitalistischer Investierungen in Palästina. So beabsichtigt ein südafrikanischer Jude Vaf fe aus Johannesburg, ein besonderer Fachmann in Kühlhäuseranlagen, eine Gesellschaft für Konscrvicrungsanlagen und Kühlspeicher in Palästina zu gründen. Er und seine Oese hliftsgenosfeו investieren in dieses Unternehmen £ 35 000. Der erste Kühlsneicher wird in Tel- Awiw eröffnet werden, dem weitere in Jerusalem und Haifa folgen sollen. Wie verlautet, planen einige Kapitalisten die Erbauung eines neuen großen Hotels in der Kolonie Ramat-Gan in der Nähe von Tel-Awiw. Das Hotel soll cina große Halle enthalten, die besonders geeignet für die Abhaltung internationaler Kongresse sein wird. In das Unternehmen sollen 100 000 Pfund investiert werden. Unter der Beschu'd'gung kommunistischer Be a'igting hatten sich zwei Juden aus Tel-Awiw, Isaak Hofschi und Moses K u p e r ווו ä 11, vor Gericht zu verantworten. Kurerman wurde zu drei Monaten Gefängnis und darauffolgender Landes- Verweisung, Hofschi zu vier Monaten Gefängnis ver* urteilt. 111 der Nähe von Tel-Awiw werden Anstalten zur Einrichtung einer neuen deutschen Kolonie getroffen. 50 junge deutsche Siedler werden in dieser Kolonie seßhaft gemacht werden. Die Trace der Haifa—Damaskus-Eisenbahn, die über Semach ging, ist verlegt worden und führt jetzt über die von der Rutenberg-Company erbaute Jordan-Brücke. Die jüdische Gemeinde-Verwaltung von Wilna hat den Zionisten, Abgeordneten Dr. W y g 0 d s k i, zum Präsidenten gewählt. Die Regierung der Vereinigten Staaten beabsichtigt, wie verlautet, in Anerkennung der Bedeutung Jerusalem* als Zentrum des Mittleren Ostens ihr Generalkonsulat von Beirut nach Jerusalem zu verlegen. Der Verwaltungsbezirk des amerikanischen Generalkonsulates in Jerusalem wird Palästina, den Libanon, Syrien und den Irak umfassen. Jerusalem, 17. September, (I. T. A.) Der Hilfs-Ober- Inspektor des Jerusalemer Zentralgefängnisses Maurice Pincus, ein Jude, trat von seinem Posten zurück, weil er trotz glänzender Dienstzeugnisse seit acht Jahren bei Beförderungen übergangen wurde. Pincus kam 1918 als britischer Soldat nach Palästina. Entgegen einer im ״Palestine Bulletin“ veröffentlichten Meldung erklärt Prof»■ >F <*do n! daß er derzeit keineswegs beabsichtige, die Hebräische Universität zu Jerusalem und Palästina zu verlassen. (Ziko.) Eine Gruppe von Juden aus Tel-Awiw hat einen großen Teil der Böden von Abukischk erworben, wo große Plantagen angelegt werden. Das Departement für Altertümer der Palästina-Regierung wird im Verein mit der Britischen archäologischen Gesellschaft binnen kurzem sechs Kilometer von Rosch Pinah, wo man die alte Kanaaniterstadt H a z u r vermutet, Ausgrabungen vornehmen. Die ״Vossische Zeitung“ veröffentlicht einen Bericht ihres Korrespondenten Dr. Wolfgang von Weis! aus Aden, worin die Lage der Juden im Jemen geschildert wird. Die Juden werden dort unter der Herrschaft des Imam Jahja in der grausamsten Weise geknechtet, und die Auswanderung wird ihnen verboten. Trotzdem wanderten in den letzten 15 Jahren etvp 19 000 luden unter größten Gefahren nach Palästina aus. In demselben Artikel berichtet Weis! auch von den phantastischen Gerüchten über die Existenz jüdischer Beduinenstämme im Innern Arabiens. Dem amerikanischen Forscher Dr. Futterer gelang es als erstem den Gipfel des aus der Bibel bekannten Berges Nebo im Automobil zu erreichen. Der bisherige ordentliche Professor für neutestamentliche Wissenschaft am Herder-Institut in Riga, Lic. theol. Dr. phil. Joachim Jeremias, der vor einiger Zeit zum Leiter des Seminars für Nachbiblisches Judentum (Institutum judaictim) an der Universität Berlin berufen wurde, ist zum außerordentlichen Professor an der Universität Berlin ernannt worden; zugleich erhielt Jeremias einen Lehrauftrag zur Vertretung des rabbinischen Schrifttums. Am 25. September, abends, hielt Professor Dr. Gotthold Weil im Berliner Rundfunk einen Vorfrag über Jerusalem. Die letzte Nummer der ״Funkstunde“ Dringt aus Anlaß dieses Vortrags ein Bild vom Strandleben in Tel- Awiw. Die Vorsitzende des Verbandes für Frauenrechte in Palästina, Frau Dr. Rosa Welt-Strauß, hat im Rahmen einer Veranstaltung des Internationalen Verbandes für Frauen- Stimmrecht in Genf einen Vortrag über die Frauenbewegungin Palästina gehalten. Die Mossul-Röhren. Vor einiger Zeit wurde in der Presse mitgeteilt, daß die Royal Dutch Cy. (Shell) einen größeren Bodenkomplex im Haifaer Hafengebiet gekauft hat; daraus wurde aer Schluß gezogen, daß dieser Kauf in unmittelbarem Zusammenhang mit der Verlegung der Mossul- Röhren nach Haifa steht. Wie wir nun aus gutinformierter Quelle erfahren, beruht diese Kombination nicht auf Richtigkeit. Die Absichten der Shell-Company sind vielmehr lediglich die, von dem künftigen Hafen aus den Vorderen Orient mit Petroleum zu versorgen. Das Testament Nathan Lamport*. Der unlängst verstor* bene jüdische Industrielle Nathan Lamport hat von seinem Zwei-Millionen-Dollar-Vermögen eine Million Dollaf testamen* farisch für jüdische Zwecke vermacht. 60 «/» davon sind für religiöse Bilaungsanstalten bestimmt, davon 20 8/0 für Amerika, 20 8/0 für Palästina und je 10 «/# für Polen und Sowjetrußland, während weitere 30 ®/o unter den Hilfsorganisationen in diesen vier Ländern zur Verteilung gelangen sollten. Die restlichen 10 0/« sind für Gewährung von zinslosen Darlehen an verarmte Juden bestimmt Bernhard Barons Süitnngea London, 23. September. (I. T. A ) Bernhard Baron hat neuerdings eine Summe von 575.000 Pfund zur Schaffung eines ״Bernhard Baron-Wohlfahrtstrusts für Krankenhäuser und Asyle zur Pflege und Erziehung von Waisen und verkrüppelten Kindern“ gestiftet. Die Kuratoren dieses Trusts sollen gemäß der Stiftungsurkunde in der Dauer von 20 Jahren jährlich einen Teil des Stiftungsvermögens für Institutionen verwenden, in denen verwaiste und verkrüppelte Kinder zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft erzogen werden. Die Zuwendung des Kapitals soll an jedem 5. Dezember, dem Geburtstage Bernhard Barons, geschehen; und zwar sollen 75»/# der Gelder für christliche und 25»;־» für jüdische Heime und Asyle verwendet werden. Bisher hat Herr Baron insgesamt mehr als 1.230.000 Pfund für öffentliche Wohlfahrtszwecke ausgegeben; mit seiner neuesten Stiftung erhöht sich die Oesamtsumme seiner Stiftungen auf fast zwei Millionen Pfund. Die ersten Diplome des Hailaer Tethnftnms Jerusalem, 20. September. (J.T.A.) Das Haifaer Technikum wird im Monat Dezember zum ersten Male die Diplomierung von 18 Absolventen vornehmen, die ihren vierjährigen Ausbildungskursus beenden. Die Diplome werden von der Palästina-Regierung bestätigt werden und somit allgemeine Gültigkeit haben. Der Prüfungskommission gehören Vertreter des Haifaer Technikums der Palästina-Regierung und der Zionistischen Palästina-Exekutive an. Vorerst werden nur Architekten und Zivilingenieure graduiert. Die deutschen Juden and die Krimkolonien Auf Einladung von Willy Dreyfus sprach der Direktor des Agro-Joint in Rußland, Herr Dr. Joseph R o s e n, der gegenwärtig in Berlin weilt, in Anwesenheit von Dr. James Simon vor einem Kreise interessierter Persönlichkeiten über die jüdische Kolonisation in der Sowjetunion. Er schilderte die katastrophale wirtschaftliche Lage der russischen Juden, zeichnete in großen Umrissen den Werdegang des Kolonisationswerkes und wies auf dessen weitere Entwicklungsmöglichkeifen hin. Die dringendste Aufgabe in den bereits existierenden Kolonien bildet die Schaffung kultureller und sanitärer Einrichtungen. Es besteht ein fühlbarer Mangel an Schulgebäuden, Ambulatorien, Krankenhäusern, Badeanstalten, Kinderspielschulenus w. Die Kolonien des Agro-Joint allein benötigen noch 150 Schulgebäude und 100 Amb u I a t o r i e n. Der Hilfsverein der Deutschen Juden sollte die Gesamtleitung des kulturell-sanitären Werkes in den Kolonien übernehmen. . Konferenz der Orfsgrnppenvorsffzenden des Z.V.LD. Die vom Landes Vorstand für den 14. Oktober 1928 nach Berlin einberufene Konferenz der Ortsgruppenvorsitzenden der Z.V.f.D. ist mit Rücksicht auf die bevorstehenden Aktionen des Keren Hajessod auf den 4. N'ovem• ber 1928 verlegt worden. Das Programm für diese Konferenz, sowie näheres Material wird den Ortsgruppen und Vertrauensleuten in einem Rundschreiben in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden. Arno Nadel-Feier / Die Berliner Zionistische Vereinigung veranstaltet am Dien*- tag, dem 2. Oktober, abends 8Vs Uhr, im Gartensaal des Logenhauses, Kleiststraße 10, eine Arno Nadel-Feier zum 50. Geburtstag (am 3. Oktober 1928). Auf dem Programm stehen Dichtungen und Kompositionen von Arno Nadel, und zwar 1. Orgelvorspiel G-Dur (Klavierübertragung von Alice Jacob-Loewenson): Alice Jacob- Loewenson; Ansprache; Dr. Schalom Hildesheimer; 2. Das dichterische Werk von Arno Nadel; Felix Stössinger; 3. Der Gast (aus ״Um dieses alles“), Rahels Tod (aus dem ״Sündeafail"): Gad Shelaso; 4. Religiöse Gesänge (aus den JonteffUedem): a) Das feierliche Borchu, b) W׳cKaul maamlnim (chassidiscne Sjrnagogcnweise), c) Elauhaj ad schelau nauzarti (chassidisches Tischlied): Leo OoUanin (am Klavier:!da Qollanin). — Pause. — 5. ״Hodu“: Alice Jacob-Loewenson; 6. Gedichte: a) Buddhist!- sches Abendlied (aus ״Um dieses alles“), b) Satyr und Tänzerinnen (aus ״Tänze und Beschwörungen“), c) Gott sieht (aus dem ״Ton“), d) Der Mörder (aus ״Um dieses alles“), e) Wer fragt? (aus dem ״Ton“), f) Kein Zurück (aus Um dieses alles“), g) Um diese Zeit (aus ״Um dieses alles“), h) Der Leichenzug (aus ״Um dieses alles“): Gad Shelaso; 7. Kinder- und Frauen- Iieder: a) Schluf man Tochter, scheine, feine, b) Er hat mir zugeeugt zu nehmen, c) Hör nur du schein MSderle (Sammlung Winz), d) Bin ich mir gegongen Fischelech kolfen, e) Schein bin ich, schein (Kinderlied, Sammlung Winz): Rahel Ertnoinikoff (am Klavier: Alice Jacob-Loewenson); 8. Jüdische Volkslieder: a) Der Parom, b) Aheim, c) Der jontefiaicke Teg, d) Die Szukkele: Leo Golianin (am Klavier: ida Gollanin). (Näheres im Inserat,) Isidor Engländer 60 Jahre alt. Unser berührter Gesinnungsgenosse Herr Isidor Engländer, Berlin, der seit 1897 der Zionistischen Organisation angehört, feiert am Simchas- Thora seinen sechzigsten Geburtstag. Isidor Engländer betätigt sich eifrig bei jeder zionistischen Arbeit, insbesondere in der Jüdischen Volkspartei. Wir drücken dem trotz seiner 60 Jahre jugendfrischen Jubilar unsere Glückwünsche aus. בית מדרש לעברית יעל קהלת היהודים בברלין. Hebräische Lehranstalt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Beginn des Wintersemesters 1928/1929. Die Hebräische Lehranstalt errichtet im Wintersemester neue Anfingerklassen für Schüler und Erwachsene im Schulgebäude, Große Hamburger Straße 27, daneben Zweigklassen im Westen. Vorgeschrittene finden nach Maßgabe ihrer Kenntnisse Aufnähme in einer der bestehenden Klassen. Es wird auch beabsichtigt, für Studenten Anfang November besondere Klassen einzurichten. Ebenso sollen für Vereine (Jugendbünde usw.) auf Wunsch bei genügender Beteiligung besondere Kurse eingerichtet werden. Beginn des Unterrichts für sämtliche Anfängerklassen (auch für die im Westen): Donnerstag, den 11. Oktober, und zwar beginnt der Unterricht für jüngere Schüler um 5 Uhr und für Erwachsene um 8 Uhr abends in der Schule, Große Hamburger Straße 27. Zeit und Ort des Unterrichts wird in der ersten Unterrichtsstunde festgesetzt werden, Anmeldungen nimmt der Leiter der Hebräischen Lehranstalt, Herr Nissan Berggrün, in! Schullokal, in seiner Sprechzeit, Montag bis Donnerstag, 6V3 bis 71/* Uhr abends, entgegen. Während der Ferien sind Anmeldungen an seine Adresse: Berlin- Grunewald, Trabener Straße 2 (Telephon: Brabant 501), zu richten. t

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