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Jüdische Rundschau · 1928-09-28 · Heft 76-77 (28.9.1928) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 76-77 (28.9.1928)
Date
1928-09-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 546 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 76/77, 28. IX. 1928 von Deutsch". Man stelle sich ähnliches an christlichen Kirchen vor! Und wie zeitbetont ist nicht gerade Lcwandowskls religiöse Chorkunst! Sollte nicht eine Gemeinde wie die Berliner die Verpflichtung fühlen, den anderen Gemeinden mit gutem Beispiel voranzugehen in dem Bestreben, den Gottesdienst so wirkungskräftig wie nur möglich zu gestalten, vor allem durch reichliche und abwechslungsreiche Heranziehung des Besten, Eigenartig-jüdischsten, Ueberzeitlich-religiösen aus dein weiten Gebiete der synagogalen Musik? Es ist eine Pflichtversäumnis gegenüber den vielen, die Anspruch darauf haben, ihre religiösen Bedürfnisse so gut wie möglich befriedigt zu bekommen. Allzu lange hat Dilettantismus die beherrschende Rolle gespielt. Und die Kantoren? Bei aller Anerkennung des Vortrefflichen, das von einzelnen dieser Herren im kantoralen Gesänge geleistet wird, darf nicht übersehen werden, daß den meisten von ihnen sowohl das Verständnis für die Bedeutung des Chorgesanges in der Synagoge als durch die Fähigkeit zu aktiver Teilnahme und Einflußnahme auf diesem Gebiete abgeht. So zerfällt der Gottesdienst in zwei Teile: hier der Kantor, dort der Chor, wobei dieser häufig genug der Leitung von Leuten unterstellt wird, die zur synagogalen Musik nur ein sehr platonisches Verhältnis haben. Und was tut man draußen im Reiche, in den mittleren und kleinen Gemeinden, um dem Gottesdienst die größtmögliche Kraft zu geben, Seelen zu erheben und zu binden? Da sitzen die Kantoren, die ihre Ausbildung in den seligen Lehrerseminaren erhalten haben, wo man ihnen kaum gesagt hat, was ein Chor eigentlich ist. Und was sich dort als Gottesdienst ausgibt, ist dann meistens nicht viel mehr als ein Zerrbild davon. Es ist ein wahrer Jammer, wenn man an all die ungenutzten Möglichkeifen denkt, an die wunderbar reiche Chorliteratur, mit der man unsere Gotteshäuser zu Stätten einzig dastehender religiöser Erhebung machen könnte. Und gerade in den Provinzgemeinden ließe sich so unendlich viel tun für die Hebung des gotfesdienstliehen Interesses! Besonders die Jugend wird sich immer leicht sammeln lassen für eine künstlerisch-religiöse Selbstbetätigung in der Synagoge, wenn nur der Kantor selbst Verständnis und Begeisterung genug besitzt für diese Aufgabe, vor allem aber durch ein achtunggebietendes Können und Wissen auf dem Gebiete des synagogalen Chorgesanges seine Sänger dauernd zu fesseln weiß. Heute liegt die ״Leitung“ des Chorgesanges in solchen Städten häufig genug in den Händen jüdischer Scharialane oder gar nichtjüdischer Kräfte. Wir begegnen da derselben Banausen-Auffassung von Kunstausübung, die die lächerliehe Institution des nichtjüdischen Organisten geschaffen hat, der hier vom religiösen Künstler zum Schabbesgoj degradiert ist. Nichts ist so bezeichnend für die Unfruchtbarkeit, den Dilettantismus und die religiöse Halbheit des alten Liberalismus wie gerade dieses unkritische Hineinsetzen der christlichen Orgel und des christlichen Organisten in die Synagoge. Schon Geiger schreibt: ״Es darf der Jude sie (die Instrumentalmusik in der Synagoge) ausführen, und es soll es ein Jude, weil der, welcher das Gebet und den religiösen Gesang mit dem Instrumente begleitet, von dem vollen Gehalte dieses Gebetes, der ganzen Empfindung dieses Gesanges ergriffen sein muß, um auch seiner musikalischen Begleitung die volle Weihe einztthauchen.“ Aber nun kommt der Pferdefuß (einerseits soll man, andererseits braucht man nicht): ״Doch wäre dieser Punkt vielleicht der einzige, in welchem man ängstlichen Gemütern eine -Rücksicht angedeihen lassen könnte, daß man nämlich an Sabbaten und Festtagen die Musik durch Nichtjuden ausführen lasse.“ Und die Folgen: eine jüdische Orgelmusik haben w׳ir noch nicht, trotz hundert Jahre Orgelei. Und wie wird die Orgel im Gottesdienste benutzt? Man höre sich nur an, wie in den Berliner Synagogen der Chorklang, das künstlerisch stilisierte Gebet von Menschenlippen und aus Menschenherzen, von der Orgel her zerstört wird — freilich auch ein vortreffliches Mittel, um den Mangel an feinerer Nuancierung im Chorgesang zu verdecken. Hat man wirklich kein Gefühl dafür, daß die meisten dieser Chorgesänge, besonders der Lewandowskischen, durchaus a cappella gedacht sind, nur der rein menschlichstimmlichen Ausdeutung des Gebetswortes dienen? Dort, wo wirklich die Orgel im jüdischen Gottesdienste eine Sonderaufgabe zu erfüllen hätte, versagt sie so gut wie allenthalben: Stimmungbereitung auf jüdischer Grundlage während stiller Gebete, Vor- und Zwischenspiele, desgleichen Modulationen in organischem Zusammenhang mit dem Gottesdienst usw. Natürlich ist es für eine Besserung all dieser Dinge nötig, daß der Leiter des Gottesdienstes, der Kantor, wirklich Leiter sei: überlegener Beherrscher der Chorliteratur, der Chortechnik, der Musiktheorie, der Dirigiertechnik — in allen Fällen sollte er die Gesänge mit dem Chor selbst einstudieren. Nur auf diese Weise kann die Chorinstitution organisch mit dem Gottesdienste verwachsen. Und soll die Orgel mit Vernunft und Geschmack im jüdischen Gottesdienst verwendet werden, soll sie ein organischer Bestandteil desselben werden, soll sie wirklich auf ihre Weise ausdrücken, was das jüdische Herz empfindet, müssen wir jüdische Organisten ausbilden. Aber wo? Und wo sollen die Kantoren , in der hier angedeuteten Art ausgebildet werden? Hier ist eine ebenso dringende wie dankbare Zukunftsaufgabe für den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden wie für alle, die sich für die künftige Ausbildung der Lehrer und Kantoren interessieren. Die einseifige Ausbildung für das Solisfisch-kantorale muß ersetzt werden durch eine umfassende Ausbildung in allen Elementen, die zusammen unseren Gottesdienst ausmachen. Das moderne Ohr, das moderne Empfinden verlang! neben dem Einzelvortrag des Kantors vor allem den mehrstimmigen Gesang der Masse — der öffentliche Gottesdienst ist ja auch eine Veranstaltung der Gemeinschaft und soi! ihrem religiösen Empfinden Ausdruck verleihen —, daneben auch den instrumentalen Einschlag. Mi^ Rücksicht hierauf müßte die Ausbildung der künftigen Kantoren und Lehrer organisiert werden — bei der Ausbildung zum Kantor müßten die Vorbilder eines Sulzer und Deutsch gegenwärtig sein — nicht weil sie komponierten, sondern weil sie Chöre organisieren und mit dem kantoralen Element im Gottesdienst zusammenschmieden konnten. (Man vergleiche hierzu den gewaltigen Eindruck, den Liszt von dem Chorgesang in Sulzers Wiener Gottesdienst empfing [Gesammelte Schriften, Bd. 3, S. 18 ff.]) Liegt den verantwortlichen Stellen wirklich die Bewahrung und Fortentwicklung unseres religiösen und gottesdienstlichen Lebens am Herzen, so werden sie die hier gegebenen Anregungen zu benutzen wissen. Werden sie der Ansicht sein, es sei bisher auch ohne dergleichen ganz gut (und wie gut!) gegangen, so werden die Gottesdienste weiter erstarren, die Synagogen sich weiter leeren, und man wird weiter jammern über die bösen Menschen, die schlechten Zeiten — und vielleicht wird dann auch irgendein Kluger sein, der sich an die Brust schlägt und ausruft: mea culpa, mea maxima culpa — oder auch chotossi! Wenn’s dann nicht schon zu spät ist. Zar alten and neuen liturgischen Musik Von Alice J ac ob-Loe wenson. Trotz der Schwierigkeiten, die jeder Emeuertingswille auf dem Gebiete der synagogalen Musik zu überwinden hat, ist das Aufbauen auf der ältesten uns überlieferten jüdischen Kultmusik, die Berücksichtigung der Traditionen der orientalischen Juden als Aufgabe zu erkennen. Das setzt allerdings zunächst einmal den Verzicht auf alle europäischen Musik-Aspirationen, das . völlige Schluß-machen mit der gewohnten . Musikanschauung voraus. Wenn man das gesamte Material überblickt, das hier vorliegt, so scheint der alt-orientalische Nussach, insbesondere der jemenitische, sowie das, was von diesem auf irgendeine Wcke nach Europa gekommen ist und eine Anzahl aus dem Geiste dieser Ueberlieferungen heraus entstandener chasonisclier Rezitative, chassidischer Nigunim und Teile aus jüngeren, durchkomponierten Liturgien die intensivste Vor- Stellung von der ältesten Synagogalmusik zu vermitteln. Die Rückkehr zu dieser echten, alt-jüdischen Musik würde das Vertrautwerden mit dem expressiv-monotonen Charakter und mit den melodischen Tonsystemen des alten Orients (also mit der Pentatonik, den Vierteltönen usw.) zusammen mit allen geistigen und emotionalen Inhalten, die dieser Musik zugrunde liegen, notwendig machen sowie das ebenfalls aus ihrem Wesen resultierende Wiederaufnehmen des einstimmigen Gemeindegesangs. Nach der europäischen Homophonie und Polyphonie, die sich — ein Zeichen des Golus — in die jüdische Kultmusik verirrt haben, wird der Weg zu dieser neuen Einung vielleicht zunächst einmal über eine uns fremd-anmutende, scheinbar-anarchische Polyphonie gehen, geboren aus der chaotischen Fülle der Traditionen, Sprachen und Dialekte. Vorläufig haben wir es jedoch mit dem jungen europäischen Tempelgesang zu tun. Die modernen Versuche auf dem Gebiete der synagogalen Musik — also mindestens die von Sulzer an etwa — kranken trotz ihrer unbestrittenen Meriten fast alle an den gleichen Symptomen: Sie haben den Ehrgeiz, die neuerworben: musikalische Allgemeinbildung, die sie insbesondere durch die Musik von Bach bis Wagner gewonnen haben, auf ihr eigenes Gebiet zu übertragen. Es ist merkwürdig, wie der deutsche komponierende Chasan nicht vom Einfluß Mcndclssohn’s loskommt. Wie er förmlich der Suggestion unterliegt, daß die Mendelssohn'sche Musik, weil von einem Juden herstammend, auch unbedingt jüdische Musik sein müsse. Sicher lassen sich bei Mendelssohn jüdische Komponenten festste'len; aber bekanntlicli überwiegt in ihm entschieden das deutsch-romantische Element. Und gerade dieses ist es meist, was der Kantor oder der Chor-Dirigent erwischt, der sich in seinen Werken vom Geiste dieses Komponisten inspirieren läßt. Auf diese Weise kann nur ein schiefer und illegaler Kompromiß entstehen. Zumal die so gezeugten Kompositionen trotz vieler Vorzüge und Begabtheiten im allgemeinen nicht viel Zwingendes haben und zum Teil sogar nur mehr oder weniger geschickte Konstruktionen aus hergebrachten Floskeln darstellen, worüber auch der bisweilen erhebliche — ebenfalls von der Romantik herrührende — ״Stimmungsgehatt“ keineswegs hinwegtäuschen kann. Man kann schon froh sein, wenn man hier einem Komponisten begegnet, der auf effektvolle ״Mätzchen“ verzichtet und nicht durch sogenannte ״jüdische Motive“ ein ״jüdisches Timbre“ in seine deutsche Melodie hineinzubringen versucht. Ein Zitat R. Jakob Josef von Pollenoji, der älteste Schüler des Israel Baal Schern, über die Kantoren seiner Zeit: ״Und so verhält es sich mit den Vorbetern der Gemeinden. Es hat sich der Uebelstarid verbreitet, daß dieselben in allen schönen und frommen Gemeinden zur Störung der Andacht verleiten, indem das Volk, während sie ihre Melodien auspacken, sich in Gespräche einläßt, das Gebet unterbricht, wodurch sie über sich und die anderen mancherlei Ungemach heraufbeschwören. Woher diese Sitte stammt? Ich habe gehört, daß der Ursprung ein sehr lobenswerter war. Denn als Vorbeter war ursprünglich der Angesehenste der Gemeinde ausersehen (vgl. Schulchan Aruch, § 53). Es waren also Leute, welche die überlieferten tiefen Bedeutungen (Kawonot) kannten. Deshalb führten sie Nigunim ein, welche ihnen Zeit ließen, bei jedem Worte die dazugehörigen Bedeulungcti in Gedanken auszusprechen, auch für jeden Teil des Gebetes entsprechende Melodien aufzustellen. Damit steht unsere alte Ueberlieferung in Einklang, daß man an den Melodien der hohen Festtage (jomim nauroim) keine Aenderungen vornehmen soll, denn dieselben stehen im engsten Zusammenhänge mit dem tiefen Sinn der Gebete. Mit der Zeit, als der Verfall eintrat, ging der tiefe Sinn der Andacht verioren. Es blieb die bloße Melodie, und der Vorbeter sank zum bloßen Sänger herab, der die Andacht in Sünde für sich und die Gemeinde umwandelt. Wehe über die Schande! Wie kann so einer die Keckheit besitzen, sich als von der Gemeinde gesandter Fürsprecher und Vermittler zwischen Israel und unserem himmlischen Vater hinznstellen, vor den großen und turchtbaren König, den Urquell und die Wurzel aller Welten! Diese Vorbetcr betreiben ihr Amt als einfaches Gewerbe, als Krippe, die das Futter für den Esel enthält, ohne wie dieser zu wissen, daß nicht die Krippe ihn füttert, sondern der Herr, der dieselbe füllt.“ Der Chordirigent des ״Friedenstempels", Berlin, Chemja VVinawcr, begleitet die ,,II a b i m a 11 auf ihrer diesjährigen Palästina - Tournee. SynagogaleMusik auf der Schallplatte Die Tatsache, daß wir heute schon in der Lage sind, d i e Stimme der Juden der ganzen Welt zu jeder Zeit und an jedem Ort für unser Ohr lebendig zu machen, scheint ein noch relativ unbekanntes Faktum zu sein. Die technische Vollendung der Grammophonplatte ermöglicht das bereits auf geradezu berauschende Weise. Zunächst einige Zahlen als Ueberraschung: der Lindströra- Konzern, die Deutsche Grammophon-Gesellschaft, das Vox-Haus und die Homophon-Company haben laut ihrer Kataloge insgesamt etwa 1325 Platten jüdischer Musik produziert. Eine Zusammenstellung dieser Platten — an denen man nebenbei die Entwicklung der Aufnahmeverfahren studieren kann — ergeben wohl das wesentlichste und lebendigste Archiv jüdischer Musik. Man hat bis heute vornehmlich Synagogalmusik aufgenommen. Den Gesang voii Kantoren und Chören aus allen Ländern der Erde, von Berlin bis Warschau, von Odessa bis Jerusalem kann man sich in seinen vier Wänden Vorspielen lassen. Ein grandioses Museum der jüdischen Rassen, Sprachen, Traditionen und Temperamente wird hörbar, alle Abstufungen der Chasanuth: Angefangen vom ekstatischen ״Baal Tefillah“ mit dem ״allein echten Nigen“ über den kontemplativen ״Chasan“, der jedoch um seine Wirkung schon weiß und sie durch improvisierte Varianten und Einfügungen zu steigern sucht, bis zum modernen, kultivierten, an europäischer Musik geschulten ״Vorbeter“, der bereits mit dem Bewußtsein des Künstlers seine eigenen Kom- Positionen kreiert. Bekannte und unbekannte Synagogenweisen finden sich hier in jeglicher Aufmachung: Als Sologesang (Alter Melitzer aus Tarnow, Homocord), als Vokalquartett (Berliner Synagogen- Quartett, Vox); Chöre (Synagogenchor des r riedenstempels unter Chemja Winawer, Odeon, Hebräischer Chor ״Iwria“ unter Leo Kopf und Synagogenchor Berlin, Homocörd), Orchester (Efim Schachmeister mit seinem Künstlerorchester, Polyfar-Rauinton). Mit Orgelbegleitung (das ״Kol nidre“ von Manfred Lewandowsky gesungen, Homocord-Elektro, und die Josef Borin-Platten, Poiyfar); mit großem Orchester und Chor (unter Walter Sieber mit Oberkantor Hermann Fleischmann aus Köln als Solisten, Parlophon); mit Harmonium (Pinkassowicz, Poiyfar und Homocord: Aron Weiß, Vox). So kann man vergleichen, wie ein und dasselbe Stück in den verschiedenartigsten Besetzungen klingt. Mir liegen z. B. s e c h s Kol Nidre-PIatten vor: einmal in der Lewandowskyschen Fassung in deutscher Sprache durch den verstärkten Chor des Friedenstempels, der von Chemja Winawer geleitet wird kräftige Interpretation dieses sehr alten Gebetstücks gibt, das im allgemeinen von den Solisten sentimental mißverstanden wird; oder — fast ohne alle Zutat — wieder von Alter Melitzer mit Chor (Homocord); von M. G o r d o n gesungen und von Felix Robert Mendelssohn und Jacob Dymont auf Cello und Harmonium begleitet. In ähnlich vielfältiger Weise liegt das ״S c h m a J i s r 0 e 1“ vor: Besonders interessant bei Wolf W i 1 d e r aus Odessa ist die Verbindung von alter Tradition und moderner Chorbearbeitung oder die Fassung von Lewandowsky, die auf der Schallplatte ungeheuer eindrucksvoll ist (Wechselgesang zwischen Vorbeter und Chor), (W i n awe r, Odeon). Wunderschön ist das ״L e c h o Daudi“ in der gleichen Bearbeitung und Besetzung. Hier wirkt der gedämpfte, eenoartige Fernchor im Hintergrund der Solostimme (Hartenberg) besonders plastisch und nuancierend. Die Arrangements und Kompositionen von Lewandowsky — soviel sich prinzipiell gegen seine modernisierende Entjiidischung der synagogalen Liturgie sagen läßt — sind in der Tat wie nichts für Schallplattenzwecke geeignet. Allerdings sind sie noch nie zu solcher Wirkung gelangt wie auf den Odeon-Platten unter Winawer mit dem Chor des Friedenstempels. Diese und die Parlophon-Aufnahmen der herrlich klingenden Stimme des Oberkantors Hermann Fleischmann, Köln, bei denen zum erstenmal ein großes sinfonisch besetztes Orchester für diesen Zweck nutzbar gemacht wird (zusammen mit großem Chor), gehören — was Tonfülle, Klangarchitektonik und Ausdruckskraft anlangt — zu dem Gelungensten, was es auf diesem Gebiet gibt. Von Winawer sind bis jetzt erschienen: der 92. Psalm, ״Uw’zel“ (mit ganz zart klingenden Frauenstimmen), die strahlende ״Deutsche Keduschoh , ״Halleluja“. ״Ma tauwu“, ״Adaun Aulom“, ״Enosch k’chazir jaumow“, ״Jehallelu es Schern“, ״W'schomru“, das oben erwähnte ״Kol nidre“, ״W’al jede Awodecho“, ״Ki k’schimcho“, ״En komaucho“, ״Joh schimchoh“, ״Uwmicho jaumar“ (größtenteils unterstützt durch die ausgezeichneten Solisten Fraenkel und Hartenberg), und von Fleischmann, Köln: ״Jigdal“, ״W’hogen baadenu“, ״Enosch k’chazir jaumow“, ״Uw’schaufor godaul“, ״Jaale“, ״Taurass haschem temimoh“ (alles auf Odeon- und Parlophon-Platten). Sehr echt w׳irken die Alter M el itzer-Aufnahmen (Homocord): ״Schma Kolenu“, ״Schma Jisroel“, ״El mole rachamim“, ״Hajaum tamzenu“, ״Kol nidre“, ״Jaale“, ״Nile“, ״Ausheben der Thora“ und ein sehr interessantes ״Oschamnu“ mit langen eingeschalteten Rezitativen auf ״Oj, Oj, Oj, Oj“. Selbst sein Schofar-Blasen wurde aufgenommen, was jedoch eine etwas fragwürdige Angelegenheit ist. Außer ihrn sind als gute Vertreter alter und neuer Traditionen noch zu erwähnen: M. Gordon und Wolf Wilder (Hömocord), Soma Rona und Aron Weiß (Vox), J. Borin (Poiyfar) und Pinkassowicz (Homocord und Poiyfar). Ferner hat die ״Deutsche Grammophon - Gesellschaft“ eine ״Fantasie über hebräische Gesänge“ herausgebracht (״Zion“ von M. Philippson). Ausführende: Efim Schachmeister mit seinem Künstler- Orchester. Selbst die älteren Aufnahmen synagogaler Musik bilden — sollten sie auch teilweise noch nicht nach den neuesten technisehen Verfahren aufgenommen worden sein — eine so lebendige Historie der liturgischen Traditionen, wie sie auf andere Weise ja gar nicht zu erfahren ist. Zudem stellen sie ein Studienmaterial von unschätzbarem Wert für jeden an seiner Wesensgeschichte ■ Hi*aAAAlA«lA44 AM rtA« AaIUaL «t-L _ . _ , _ . _J selbst wenn er sich für ״ganz und fftcmecerd-£lec4r• Schallplatten In allen Sprachen, auch hebräisch, span iolisch ,Jiddisch interessierten Juden dar gar unmusikalisch“ hält. Bei all dem bliebe nur noch zu wünschen, daß bei neuen Aufnahmen eine vielseitigere Auswahl der Komponisten getroffen würde (das Hauptkontingent wird fast überall durch Lewandowsky bestritten) und daß ferner ein sehr lohnendes Gebiet Berücksichtigung fände: die neue jüdische Kunstmusik. Hier ist noch ein reiches, ganz unbcackertes Feld: viele Werke erster Autoren in mannigfachsten Besetzungen und vorzüglieh interpretiert, die sich für Grammophonaufnahmen besonders eignen. A. J.-L. überall erhältlich üem«Rh«11C9111pa11Y BerlinSW§8> Am 27. August 1928 fand in Jerusalem unter Leitung von Max L a m p e 1 die Erstaufführung der zweiten Symphonie (in D-Dur) von Herbert Eckertz statt. Das Werk hatte starken Erfolg.

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