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Jüdische Rundschau · 1928-09-28 · Heft 76-77 (28.9.1928) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 76-77 (28.9.1928)
Date
1928-09-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 76/77, 28. IX. 1028 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 543 Brief aus Polen Keren Kafemeth und Keren Hajessod. — Die Gemeindewahlen in Lemberg. Von unserem Korrespondenten. —g. Warschau, Mitte September. Während die einzelnen zionistischen Fraktionen in Polen ihre Tätigkeit nach den Sommerferien noch nicht auf genommen haben (dies geschieht hier gewöhnlich erst nach den Feiertagen), hat in Kongreß;■!י י- •-" Wochen der Keren Kajemeth unter guten Auspizien eine Tätigkeit entfaltet, welche eine zionistische Leistung von hohem Wert zu werden verspricht. Eine Abordnung aus fünf Personen mit dem hebräischen Schriftsteller Bistritzki an der Spitze ist bereits Ende August eingetroffen und hat sofort mit der Propagandaarbeit begonnen. Diese Propaganda unterscheidet sich vorteilhaft von jeder bisherigen durch ihr scharf umrissenes, den besonderen Verhältnissen in Polen angepaßtes Programm. Die Delegation kam aus Palästina mit Losungen, die eine günstige Aufnahme unter den breitesten jüdischen Massen in Polen zu finden vermögen. Und zwar wird die Botschaft von derUeberwindungder Hauptkrise im Lande verkündet und die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit eines großen Bodenerwerbs in Erez-Israel als Vorbedingung für die 1 ü n f t e Älijah gelenkt. Und da die jüdischen Massen in Polen an dem raschen Beginn dieser Alijah, ihrer gesunden Durchführung und ihrem Gelingen am meisten interessiert sind ergeht an diese Massen der Ruf, dem Nationalfonds die Verwirklichung seiner Bodenkaufpläne zu ermöglichen. Allein nicht nur diese klare Formulierung des Zieles der diesjährigen Nationalfondsaktion verspricht einen Erfolg. Es liegt auch au der Art und Weise, wie die Delegation ihre Propaganda zu entfalten beabsichtigt. Wir haben in allen unseren Schilderungen des zionistischen Lebens und der zionistischen Schwierigkeiten in Polen in den letzten Jahren immer wieder vom Erziehungsproblem als dem fundamentalsten Problem, von dessen Lösung die Zukunft des polnischen Zionismus abhängt, gesprochen. Erziehung der Massen und eines zionistischen Nachwuchses, Vergeistigung der Bewegung, das Hineinbringen idealistischer Stimmung, Schaffung einer neuen Atmosphäre — dies sind die dringendsten Gebote einer gut verstandenen zionistischen Propaganda. Das hat auch Bistritzki erkannt, als er vor zwei Jahren einige Monate in Polen weilte. Seine damalige propagandistische Tätigkeit in einer, durch die aus Palästina Zurückekehrten. vergifteten Stimmung, war eine zionistische Tat. isfritzki lenkte sein Hauptaugenmerk auf das Erzieherische, ging unter die Jugend, suchte Fühlung mit der breiten, abseits von den Parteien stehenden Masse und es gelang ihm, überall dauernde Begeisterung hervorzurufen, zur intensiven und systematischen Arbeit anzueifern und neue Menschen für Palästina zu werben. Die Delegation beabsichtigt jetzt, eine Zeitiang erzieherische Kleinarbeit zu leisten. Sie will sich bestimmten Bevölkerungsgruppen widmen, diese genau zu erfassen suchen, also zunächst: die Lehrerschaft, die Schuljugend, die orthodoxe Jugend und die breite orthodoxe Masse und die iüdischen Frauen. Durch eine ausgedehnte, richtig aufgefaßte Ideenpropaganda sollen diese Kreise für die Gedanken des Paiästinaaufbaus und der geistigen Erneuerung gewonnen und ihnen das brennende Bodenproblem klar vor Augen geführt werden. Die Delegation hat sich auch zur Aufgabe gestellt, die neugewonnenen Menschen im Rahmen des Keren Kajemeth zu organisieren, um dem Nationalfonds in Polen eine neue Armee von Mitarbeitern zu sichern. in Ziffern ausgedrückt, heißt das Ziel: 1500001 Dollar ln diesem Jahre für den Jüdischen Nationalfonds! (Das Drei־ fache des Vorjahres.) Obzwar wir hoffen« daß es gründen wird, diese Summe zu erreichen, glauben wir doch aussprechen zu müssen, daß uns die Gefdsammlung zunächst nicht als das Wichtigste erscheint. Sondern die erzieherische Arbeit, welche da geleistet werden wird. Diese erzieherische Arbeit, die keine der zionistischen Fraktionen in ihrem gegenwärtigen Zustande zu leisten imstande ist. Der Nationalfonds bewährt sich also in Polen nicht twr als Volksschatz, sondern auch als Volkserzieher. * Der Keren Hajesacl Drive soll in Polen im Novetnber beginnen. Leib Jaffe wird schon für die nächsten Tage hier erwartet, um die Aktion vorzubereiten und zu leiten. Während jedoch der Keren Kajemeth, um zu seinem Ziele zu gelangen, Erziehungsarbeit leistet und sich an die Jugend und an die lugendführer wendet, muß der Keren Hajessod, um seine Pläne zu verwirklichen, bewährte zionistisch gesinnte und aufopferungsfähige Helfer und Mitarbeiter der älteren Generation zur Verfügung haben. Leider fehlt es in Polen an solchen Menschen. Es fehlen die richtigen zionistischen Führer in umfassendem Sinne des Wortes. Bevor also der Keren Hajessod hierzulande an seine Arbeit herantritt, muß er darangehen, dieses Führerp robletn zu lösen bzw. zu lösen versuchen. Die Parteiführer haben leider letztens versagt und es ist zweifelhaft, ob eine Besserung eintreten wird. Die Zusammenarbeit der Parteien scheitert immer wieder an dem schlechten Willen oder an der Unfähigkeit der Führer. Dabei muß betont werden, daß es sich da nicht um die Föderationen handelt. Diese haben letztens, was z. B. den Keren Hajessod anbelangt, den besten Willen bekündet. Die Zerklüftung innerhalb der allgemeinzionistischen Bewegung in Kongreßpolen verursacht vielen Schaden, nicht zuletzt dem Keren Hajessod. Leib Jaffe, welcher, wie kein Zweiter, ausgezeichnet Land und Leute kennt, hat eine schwierige Aufgabe vor sich, die er wohl imstande sein wird zu meistern, wenn er zunächst mit der Wegräumung dieser ihm gut bekannten Hindernisse beginnen und — wenn das nicht geht — über die Führer zur stets getreuen Soldatenschar hinabsteigen wird. * Die Wahlen zu den jüdischen Gemeinden in den Rand* gebieten und in Galizien nähern sich ihrem Ende. In Galizien haben die Zionisten in den Provinzstädten letztens ziemlich gut abgeschnitten. Das Hauptaugenmerk der Oeffcntlichkeit war auf Lemberg gerichtet, wo aie Entscheidung bereits gefallen ist. Die Zionisten haben die größte Stimmen- und Mandatenzahl erreicht, 40 °/0 aller abgegebenen Stimmen und 11 von 25 Mandaten (Allgemeine Zionisten 10, Hitachduth 1). Unter anderen Umständen wäre dies als ein großer Erfolg zu buchen. Die gesamte zionistische Oeffentlichkeit und die zionistische Presse haben aber den Ausgang dieser Wahlen mit Unzufriedenheit aufgenommen. Es sei hervorgehoben, daß die Bedingungen fiir den Wahlkampf für die Zionisten ungemein schwierig waren. Ihnen gegenüber stand eine Clique, bestehend aus den bisherigen Gemeindemachthabern, aus verschiedenen verkappten Assinulanten und — zionistischen Ueberläutern. Nicht um die Idee, aber um die Macht ging ein verbissener, mit den skrupellosesten Mitteln und großem Geldaufwand geführter Kampf. Die Zionisten hatten wohl Ideengegner vor sich, diese aber taten so, als ob es sich darum ar nicht handelte. Sie traten sogar als Palästinareunde, als jüdische Nationalisten auf. Sie nutzten vorhandene persönliche Animositäten im zionistischen Lager in Ostgalizien aus, proklamierten im Zusammenhang mit der Kultusgemeinde unangebrachte wirtschaftliche Losungen und errangen 8 Mandate, Aber auch die Agudah trat in den Wahlkampf ein. Bisher in Lemberg ohne Einfluß, gelang es ihr — zur allgemeinen Ueberraschung — 5 Mandate zu bekommen. So droht die Gefahr, daß die assimilatorische Gruppe zusammen mit der Agudah ihre numerische Mehrheit ausnützen und die Herrschaft in der Gemeinde übernehmen wird, ohne die Zionisten zur Mitarbeit heranzuziehen. So wird eine eigenartige Situation geschahen werden, da in Lemberg sicherlich die Zionisten eine gewaltige Mehrheit der Bevölkerung hinter sich haben (zum Sejm wählten die Lemberger Juden vor einem halben Jahre zwei Zionisten!) Es wird in der zionistischen Presse die Meinung au»■ gesprochen, daß die bisherigen Führer der allgemein-zionistischen Organisation in Ostgalizien viele Fehler begangen haben und daß die letzten Gemeic-Iewahlen eine veran* Iassung sein sollen, ihre bisherige Taktik einer Revision zu unterziehen. Es sei noch bemerk;, daß, während die Hitachduth in Lemberg trotz selbständige* Auftretens ihre Liste mit der der Allgemeine« Zionisten gekoppelt hat, es die Poale Zion vor- Sta haben, eine Listenverbindung mit dem — Bund einen. Auf diese Weise haben sie diesem zur Erlangung eines Mandates verholfen. ,! Die kanadischen Zionisten haben soeben auf Rechnung Ihrer gegenüber Ussischkln bei seinem vorjährigen Besuche ln Kanada übernommenen Quote von einer Million Dollar dem Keren Kajemeth in Jerusalem 40 000 Pfund überwiesen. 11mt11nn1m!111m1nn1n1H1₪1m11n1H1111₪111n1n1nmn11111n1mtn(n1in1111f1n1mi111n111[n111nH(n111(1ntn1t1u1mHH11D1fn Die nächste Nummer der ״Jüdischen Rundschau״ erscheint wegen der Feiertage als Doppel-Nummer am 5. Oktober• (Die Dienstag •Nummer fällt aus). iuii1i11i1111jj11111i11i1uu1ii1i1111iMmi1iw1i1111u1Hi1111111111i111111im11111111iiü1111111111111H11nm11)Hl1n1m11m11iunn1n!1H Die verregnete Sukkah Eine Skizze aus dem Leben der Jüditchen Landbevölkerung Von BinjaminSege 1. ... Der Jom Kippur war zu Ende, und wir kehrten heim in unser benachbartes Dorf.... Zu Hause angelangt, holte Vater, <aum daß er die Havdalah gesprochen, noch mit den Sabbatgewändem angetan, aus der Ecke einen schweren, großen Hammer hervor und begab sich beim Scheine der Windlaterne, von der ganzen tollenden und frohlockenden Schar seiner Sproß- Inge begleitet, in den großen Garten hinaus, um den Pflock für die Laubhütte einzurammen. So wurde die Sukkah unmittelbar in den Jom Kippur angeschlossen, und nichts Wochentägliches (alte sich dazwischen gedrängt.... Nun war das Fundament jür die Laubhütte gelegt, und wir Kinder fingen an, die Pläne 'iir den Bau zu entwerfen. Am nächsten Tage standen wir früh auf und machten uns ׳echtzeitig an die Arbeit. Ich war der Baumeister und die Kleinen schleppten nach meinen Befehlen allerlei Material herbei, als da varen: Bretter, Leitern und Planken, und wir versuchten mit ver-;inten Kräften,eine Wand aufzurichten; aber es mißlang allemal. Vater lachte vergnügt über unseren Eifer und tröstete uns, daß a das Ausschmücken der Sukkah, wenn stärkere Hände sie aufgebaut, auch eine schöne Sache wäre. Einstweilen beschäftigte ms der Ethrog. Am zweitnächsten Tage sollte Vater in die Stadt fahren und ihn herbeibringen. Wir sprachen von ihm wie von;iner märchenhaften, sehnsüchtig erwarteten Persönlichkeit. Die Kleineren, die entweder nie einen Ethrog gesehen hatten oder sich seiner nicht zu erinnern wußten, bückten mit einer Art Bewunderung zu mir auf, der ich ihn von Angesicht zu Angesicht sannte und ihnen erzählen mußte, wie er aussah: wie ein Apfel, jnd doch nicht wie ein Apfel, denn er war länglich; wie eine Zitrone, aber doch viel, viel feiner, grünlich blaß, mit einem ׳arten Knöspchen oben, und am entgegengesetzten Ende hatte er einen winzigen Stiel. Er lag in einer Silberdose, eingehüllt in weißem, feinem Flachs, damit er keinen Schaden nehme. Und einen Duft verbreitete er, einen Duft, sag’ ich euch, ungleich schöner als die Gewürzbüchse am Sabbatausgang.... Von dem armen Lulav, dem doch an den Festtagen der Segensspruch galt, sprach man überhaupt nicht. Auch nicht von der Myrthe und der Weide, obgleich sie mit zum Festesstrauß gehörten. Am dritten Tage verspätete sich der mit Ungeduld erwartete Vater um einige Stunden. Allemal lief ein anderer Knirps auf die Straße hin, um Ausschau zu halten.... Endlich erwogen wir, daß es höchste Zeit für uns war, an die Ausschmückung der Laubhütte zu schreiten, die doch morgen von den Erwachsenen in einigen Stunden aufgerichtet werden konnte. Wenn wir nicht rechtzeitig fertig waren, würden sie fähig sein, das Werk unserer Hände zu verschmähen.,.. O, wie hatte ich noch vom vorigen ahre her meine bitteren Erfahrungen.... Unsere alte Dienerin aga, die alle jüdischen Gebräuche genau kannte und uns Kindern eine Schutzpatronin war, schleppte für uns aus dem Garten eine mächtige Riesenmelone herbei. Wir machten uns daran, sie auszuhöhlen, in die Haut kleine Fensterchen zu schneiden. Wenn man die so zugerichtete Melone an der Decke der Sukkah aufhing und in das hohle Innere eine brennende Kerze hineinsteckte, so gab das eine unvergleichliche Hängelampe, die an den Abenden die Bewunderung aller Erwachsenen erregen mußte.... Während wir in die Arbeit versunken waren, kam ein vierjähriger Bote atemlos herbeigelaufen. ״Er ist da!“ ״Wer ist da?“ ״Der Ethrog ist da!“ Wir stürzten in das Zimmer. Vater stand am Tisch und hatte eben eine weiße Holzkiste ausgepackt. Wir umlagerten ihn und streckten die Hände vor. ״Will sehen, will sehen!“, schrie das Kleinste und zerrte lieftig an Vaters Rockschössen. Vater hob den zweijährigen Schreihais auf die Arme: ״Da, sieh!“ Vater entfernte den Deckel, und vier Ethrogim, nebeneinander in zwei Reihen ruhend, schimmerten blaßgrün durch die Strähne des feinsten Flachses.... Im Zimmer entstand ein Schweigen. Ein feiner, fast mystischer Duft verbreitete sich, erinnerte an ferne, ferne Gegenden; mir gaukelte er unendliche Sandwüsten vor, unter einem tiefblauen Himmel, Palmenhaine, glitzernde Springbrunnen, an denen junge Mädchen in Krügen Wasser auffingen, um es knienden Kamelen zu reichen.... Die Mutter kam herzu.... Der Vater griff einen der Ethrogim heraus und betrachtete ihn zärtücn. ״Ein Muvchar!“ (Prachtexemplar), sagte er, zur Mutier gewendet. ״Sieh da, Evas Biß!“ Er wies aut eine kleine Scharte in der grüngoldenen Haut, die in der Tat wie die Spur eines Zahnes aussah. ״Als unsere Urmutter Eva den Adam im Paradies verführte, vom Baume der Erkenntnis zu essen, das war nämlich der Ethrog- Vorgänge in der arabischen Weit Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AG, Tel-Awiw, den 12. September 1928. I. In den letzten zwei Monaten haben sich in den Ländern zu beiden Seiten des Jordan Ereignisse abgespielt, die — verschieden in ihrem äußeren Verlauf — ihrem inneren Sinne nach parallelen Bewegungen entsprangen. In Transjordanien brachten die letzten Monate den Höhepunkt des Kampfes um den englisch-transjordanischen Vertrag und im Anschluß daran um die Wahlen zum Legislative Council. In Palästina haben sich Im Zusammenhang mit den Forderungen der siebenten arabischen Konferenz nach der Schaffung eines Parlaments bedeutsame Aenderungen im arabischen Lager vollzogen. Zu beiden Seiten des Jordan wird heute von den Arabern ein Kampf geführt, der von denselben Ideen getragen ist und denselben Zielen zustrebt, nämlich der Einführung einer Selbstverwaltung, die das rein bürokratisch-administrative System ablösen soll. In beiden Ländern wendet sich die national-arabische Bewegung gegen dieselbe Mandatsregierung und dieselbe Beamtenschaft, und allem Anschein nach stehen die Führer des Kampfes in beiden Ländern in Kontakt. Seit der Unterzeichnung des Vertrages zwischen England und Emir Abdullah über die zukünftige Regierungsform Transjordaniens ist es östlich des Jordan nicht mehr ganz ruhig geworden. Die Protestbewegung gegen die englischen Forderungen und gegen den Emir, der sie bewilligte, hat sich mehr und mehr ausgebreitet und zu einem Zusammenschluß der national gerichteten Elemente geführt, die sich schließlich in Amman zu einer Konferenz zusammenfanden. Ihre Bevollmäelttigten kamen zu Verhandlungen mit dem stellvertretenden Oberkommissär nach Jerusalem, ohne daß irgend etwas dabei erreicht wurde. Die Protestbewegung trug einen besonderen Charakter, weil sie sich nicht nur gegen England oder die Administration, sondern auch gegen den Emir und seine Berater wandte. Die Stellung Abdullahs in Transjordanien trug von Beginn an einen rjecht komplizierten Charakter. Seine Bemühungen um angemessene Subsidien, die offensichtliche Abhängigkeit von England, seine Unfähigkeit, sich nach beiden Seiten zu hehaupten, all das schwächte seine Position und seine Autorität. Und seine letzten Versuche, die Führer der nationalen Bewegung auf die Wege seiner bzw. Englands Politik umzulenken, sind eine Kette von Unannehmlichkeiten und Mißerfolgen. Die Männer, die in seiner Regierung saßen, sind gleichfalls das dauernde Ziel von Angriffen der Nationalen. Vor allem gegen den Premier, Hassan Khaüd Pascha, geht seit langem eine Campagne, und seit Monaten kommen von allen Seiten Gerüchte über einen Kabinettswechsel. Trotz aller Schwierigkeiten scheint die Mandatar-Regierung sich in dem Gedanken gewiegt zu haben, daß die Einberufung des Legislative Council die Proteste zum mindesten für eine Zeitlang verstummen lassen würde. Vielleicht auch lag ihr nur an einer Ausschreibung der Wahlen als solcher, um nachher beweisen zu können, daß sie bereit war, so etwas wie den Beginn eines Parlamentes zu gewähren, daß jedoch die Bürger Transjordaniens dieses Angebot ausgeschlagen haben. Jedenfalls kann man von normalen Wahlen zum Legislative Council in Transjordanien nicht sprechen. Die Nationalen hatten mit ihrer Propaganda für den Wahlboykott einen ansehnlichen Erfolg, in manchen Dörfern soll man sogar der von der Regierung entsandten Wahlkommission den Eintritt verwehrt naben. Der Wille eines großen Teiles der Bevölkerung, sich an den Wahle«, die auf Grund des engiisch-transjordanischen Vertrages ausgcschrieben sind, als Protest gegen den Vertrag nicht zuoeteilige», ist jedenfalls klar zum Ausdruck gekommen. •׳- •' ,-!יו Unterdessen führt Abdullah seinen Kampf um die Aufrechterhaltung seiner Autorität und die Unterstützung seiner — bzw. der englischen — Politik weiter. Nach seinem Besuch in Jerusalem gelegentlich der Einweihung der neu restaurierten Moschee El Aksa hat er verschiedene Kreise seines Gebietes aufgesucht, um sich mit den Scheichs und Führern auseinanderzusetzen. Allem Anschein nach wieder ohne Erfolg. Einer seiner Begleiter auf dieser Fahrt war Musa Kasira Pascha El Husseini (der bekannte moslemische palästinensische Politiker), und es verlautete sogar gerüchtweise, daß Abdullah die Absicht habe, Musa Kasim ein hohes Amt in der transjordanischen Regierung zu übertragen. (Das Gerücht wurde bereits dementiert. — A. d. R.j Die Bewegung in Transjordanien von der Konferenz in Amman bis zum wahlboykott bezeichnet das Wachstum des Nationalbewußtseins und eine Periode des Zusammenschlusses einer Anzahl von Führern, die sich zu einem Teil auch aus den Scheichs der Beduinen rekrutieren. Es ist wahrscheinlich, daB diese Bewegung nach den Anstrengungen der letzten Zeit Ruhepausen, vielleicht auch Rückschläge haben wird, aber das Ziel, die Errichtung einer Selbstverwaltung, ist bereits formuliert worden. bäum, da biß sie zuerst hinein und reichte dann die Frucht dem Manne!“, erklärte mein Vater lächelnd die anmutige Volksübcrlieferung. ״Einzelne Exemplare des Ethrog haben bis aut den heutigen Tag die Spur dieses Bisses behalten und werden darum besonders geschätzt.“ Mir erwuchs nun die ehrenvolle Aufgabe, für die Myrthenzweiglein und die Weidenruten Futterale und für den Lulav Ringlein zu flechten. Der vorjährige vertrocknete Lulav wurde hervorgeholt und entblättert. Kunstgerecht schlangen sich die schmalen, blassen Blätter unter meinen geschickten Fingern zu einem langen, weichen Futteral, der Scheide eines Dolches ahnlieh. Dann wurden einige Blätter in lange Fasern gespalten und zu festen, schön geflochtenen Ringlein geformt, die den neuen Lulav zusammenhielten und ihn schlank und geschmeidig machten.... Am nächsten Morgen fiel mir die Aufgabe zu, einen Aus• Flug nach dem Bache zu machen und fönt Weidenruten zu schneiden, die den Festesstrauß der vier Arten vollenden sollten. Als ich zurüekkam, fand ich die Laubhütte schon vollständig auf• gebaut, für uns Kinder blieb nichts zu tun übrig. Die hurtigen Hände der Erwachsenen hatten mit Hilfe von zwei benachbarten Bauern den Bau aufgeführt, in dem zwanzig Menschen bequem speisen konnten. Von außen an dem vor vier Tagen einge■ rammten Pfahl, von der entgegengesetzten Seite an die Wand des Hauses gelehnt und ein Fenster einrahmend, aus allerlei primitivem Material fest gezimmert und von innen mit Teppiche« und Matten überzogen, ragte die Laubhütte stolz in die Höhe und schien verächtlich auf die hilflosen Bretter herabzuschauen, die wir Kinder so eifrig herbeigeschafft hatten.... Noch fehlte das Dach. Vater besah meine Beute und nickte beifällig. Es waren fünf schöne geschmeidige Zweiglein, die ich gebracht, noch ganz jung, aber ansehnlich, die grüne« Blätter schmiegten sich sanft an den Stengel, umstanden ihn symmetrisch und waren alle un• versehrt, wiesen nicht die leiseste Spur von Raupenstich auf. Ich hatte meine Sache gut gemacht. Zum Lohne aurfte ich die ausgehöhlte Melone, die wir Kinder gestern im Schweiße unseres Angesichtes als Hängeleuchter hergerichfet hatten, an die Decke aufhängen, am Abend sollte darin eine Kerze, eine leibhaftige Kerze erstrahlen. Die Kleinen stürmten I1e־ein und umtan/.ten jubelnd das Wunderwerk. Aber Vater hob den Kopf und blickte sinnend nach allen Himmelsrichtungen. Er machte eine zweifelnde Miene. -Wer

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