Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1928-09-21 · Heft 74-75 (21.9.1928) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 74-75 (21.9.1928)
Date
1928-09-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2652971-2653038--20262-2678224
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 74/75, 21. IX. 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 535 Die Wirtschaftspolitik Palästinas Pressekonferenz mit dem stellvertretenden Oberkommlsslr. Von unserm Korrespondenten. AQ, Tel-Awiw, den 6. September 1928. Am 5. September fand in Jerusalem eine Zusammenkunft zwischen dem Stellvertreter des Oberkommissärs, Luke, und den Pressevertretern statt. An der Konterenz beteiligte sich von der Regierung aus neben dem Leiter des Pressedepartements und des Uebersetzungsbiiros auch der Leiter des Büros für Regelung der Bodenfragen. Die tinberufung einer Pressekonferenz mit dem obersten Beamten Palästinas ist für das Land ein Novum. Bisher hat man in Palästina der Presse außer den offiziellen Nachrichten wenig Gelegenheit zu direkter Information durch die Regierung gegeben. Luke betonte selbst in seiner Einleitungsrede, daß diese Zusammenkunft die erste ihrer Art sei. Es ist geplant, solche Konferenzen wie die gestrige in bestimmten Zeitabständen einzuberufen. Von der recht beträchtlichen Fragenreihe aus Pressekreisen, die der Regierung vor der Konferenz zugegangen war, ist eine Anzahl der interessantesten nicht beantwortet worden. Vor allem hat der stellvertretende Oberkommissär fast alles, was die Politik Englands im Mittleren Osten betrifft, aus seiner Information ausgeschaltet. Gerade in Palästina, wo sich heute die Fäden der Politik des Mittleren Orients konzentrieren, geht das Interesse der Oeffentlichkcit und der Presse weit über die Landesangelcgenheiten hinaus. Die Regierung hat jedoch mit der Auswahl der Themen, die sie beantwortete, und vor allem, der, die sie nicht beantwortete, den deutlichen Fingerzeig gegeben, daß sie über diesen umfassenderen Fragenkomplex sich nicht zu äußern wünscht. Es wurde erklärt, daß in der Frage der Mossulröhren, in der Angelegenheit der Toten Meer-Konzession und der Verhandlungen mit Ibn Saud nicht; neues zu sagen sei. Lieber die Mossulfrage sind die synsehen und palästinensischen Zeitungen in den letzten Wochen voll von den begründeten und unbegründeten Gerüchten, angefangen von Protesten Syriens und dem sonderbaren Bericht von zwei — einer syrischen und einer palästinensischen — Röhrenleitungen bis auf den Bodenkauf der Royal Dutch bei Haifa und den Plan der Eisenbahn Haifa—Bagdad. Es ist also kein Wunder, daß man diesem ״Petrolcum-Proble m“, dessen Lösung für Palästina eine lebenswichtige Sache ist, leidenschaftliches Interesse zuwendet und vielleicht auch von den Aeußerangen Lukes wenigstens einen schwachen Hinweis aut den Gang der Ereignisse erwartete. Die Unklarheit der Verhältnisse wieder hält die Regierung auch vor jeder Andeutung zurück. Aehnlich liegen die Dinge, die die Djedda-Konterenz betreffen. Im Zusammenhang mit den Debatten im irakischen Parlament und den Gerüchten über die Ernennung Clavtons, des englischen Vertreters auf der Konferenz mit Ibn Saud, zum Nachfolger des abtretenden irakischen Oberkommissärs besteht ein starkes Interesse für die Konferenz und ihre Fo'gen. Und man hat in Palästina ein feines Gefühl dafür, daß es sich hier nicht um einen reinen Grenzkonflikt, sondern um die Wege der Politik des Nahen Ostens handelt, mit denen Palästina mit tausend Fäden verknüpft ist. Drei Fragen innerer palästinensischer Politik hat Luke ebenfalls — wie zu erwarten war — von der Tagesordnun״ abgesetzt: Die Frace des Legislative Council in Palästina, die Frage der Einwanderung und die Frage des Vorsitzes des Obersten moslemischen Rates. Der letzte Punkt ist zurzeit der Gegenstand eines heftigen Kampfes innerhalb der arabischen Presse. Es gilt zu entscheiden, ob der Vorsitzende des Rates auf Lebenszeit oder auf eine Anzahl von Jahren zu ernennen sei. Dte christlichen Araber ,IjJippfen eine Ernennung aut Lebenszeit und Weisen äut thfe eigenen schweren Erfahrungen mit den Patriarchen hin. Auch unter den Moslems gibt es einzelne Stimmen, die für eine begrenzte Amtsdauer sind, sie führen ihren Kampf im Namen der ״Demokratie". Es war verständlich, daß in dieser recht komphzierten Situation die Regierung von jeder Stellungnahme abgesehen hat. Dagegen gab der stellvertretende Oberkommissär eine Fülle von einzelnen Angaben über die wirtschaftliche und legislatorische Politik der Regierung in nächster Zeit. Er berührte eine Reihe von Punkten, in denen seit langem ein Beschluß der Regierung erwartet wird. Dahin gehört der Handelsvertrag mit Syrien, der gegenwärtig zwischen der englischen und französischen Mandatsregierang erneut bearbeitet wird und nach den Er- Klärungen von Luke eine größere Handelsfreiheit alsbisherfürGütervorsieht,d1einSyr1enbzw. in Palästina hergestellt werden. Eine Perspektive, die für die industrielle Entwicklung des Landes von Bedeutung ist. Außerdem sind neue Regelungen für Transitverkehr nach- Transjordanien gemacht worden. Von besonderer Bc!.::tung ist die Bekanntgabe des Regierungsbcsch’usses, den durch den Regenmangel geschädigten Landwirten zu Hilfe zu kommen. Ueber diesen Punkt verhandeln die Vertreter der jüdischen tu!! a-aHs •hen Landwirte seit Monaten mit den Behörden, ohne bisher ein Resultat zu erzielen. Man verlangte wegen der durch die Trockenheit verursachten Mißernte Aufschub fürdieSteuern una'Anleihen für Saatgut. Beide Forderungen sind jetzt von der Regierung angenommen v nrden, obwohl nocli nicht klar ist, in welchem Maße. Denn dpr Steuererlaß und die Zuteilung von Saatgut geschieht auf Empfehlung der Distriktsgouverneure, so daß das Maß der Hilfsaktion nicht feststeht. In der Frage des Hafenbaus ist wenig Neues zu vermerken. Wie schon vorher verlautet, werden die Grandpläne für Haifa im Oktober beendet sein, so daß die Arbeit in den Steinbrüchen Ende dieses Jahres beginnt. Der Ausbau des Jaffaer Hafens, für den die Regierung £ 110 (XX) ausgesetzt hat und der einige Neubauten wie ein Zollhaus, Quarantäne und eine Vergrößerung des Quais und der Hafenzugänge in sich schließt, wird fortgesetzt. Die Verlegung der Eisenbahnstation von Ludd nach Tel-Awiw wird aus Geldmangel auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Nachricht, daß die englische Gesellschaft ״Power Securities Corporation“ die Konzession von Mavromatis zur Elektrifizierung Jerusalems erworben habe und mit dem Bau einer Kraftstation befinnen wird, hat der Oberkommissär bestätigt. Der Teil er Konzession, der die Wasserversorgung Jerusalems betrifft, ist bisher nicht einbegriffen, wird jedoch eventuell derselben Ge- Seilschaft zufallen. Die Wasserversorgung ist jetzt am Ende des Sommers wieder ein aktuelles Problem, weil auch in diesem Jahre die Bedürfnisse der Stadt nicht völlig befriedigt Werden können. Die Leitung, die vor zwei Jahren angelegt wurde, hat die Lage verbessert, aber durch das Wachstum der Einwohnerzahl und vor allem durch einen sorgloseren Wasserverbrauch in den neuen Vierteln, die Wasserleitungen besitzen, ist die Nachfrage gestiegen. Es scheint jedoch, als ob dieser Punkt nicht sö rasen erledigt werden wird. Interessant sind die Versuche der Regierung, für bestimmte Arbeitszweige ernannte Kommissionen mit beratender Stimme heranzuziehen. Es ist ein Ausschuß für Handel und Industrie gebildet worden, der mit der Regierung in den Fragen der Zollbestimmungen für Rohstoffe konferieren soll. Die Eisenbahnkommission, die vor einiger Zeit ernannt worden war, um Kürzungen im Budget vorzuschlagen, besteht ausschließlich aus Regierungsbeamten. (Die Eisenbahnergewerk- Schaft hatte verlangt, daß man sie in den Fragen, die die Arbeiter betreffen, zur Kommission zulasse. Die Bemerkung Lukes, für diese Kommission nur Beamte zu verwenden, ist anscheinend als eine Ablehnung dieser Forderung zu verstehen.) Als eine wichtige Aktion der Regierung aut wirtschaftlichem Gebiete ist die Anlegung des Katasters und die Bodengewinnung zu betrachten, die vor einiger Zeit in Angriff genommen worden sind. In Jaffa und Ramallah sind bereits Kommissionen tät'g, die die Bodenbesitzrechte feststellen, damit nach Befriedigung der diversen Ansprüche die Eigentumsurkunden (Kuschan) ausgestellt werden können. Die Arbeit ist außerordentlich langwierig, da eine ungewöhnlich große Zahl von Streitigkeiten zu senhehten ist. Die Bodenvermessung wird ebenfalls in Angriff genommen, und zwar zuerst in den Ebenen, wo die Arbeit leichter und rascher von statten geht als in den Bergen. Die Ausstellung von ordnungsgemäßen Besitztiteln wird den Besitzern die Möglichkeit geben, auf ihre Böden Hypotheken aufzunehmen, was die schwere Frage des Agrarkredits erleichtern kann. Das ist um so wichtiger, als die Regierung aus finanziellen Gründen die Schaffung einer Agrarbank hinausschieben muß. Neben diesen Fragen, die die Entwicklung des Landes aul wirtschaftspolitischem Gebiete betreffen, hat sich Luke noch zu einigen Gesetzesvorschlägen feäußert, die die Regierung zurzeit bearbeitet. Darunter ist das rziehungsgesetz zu nennen, das Mitte Juli veröftentlicht worden ist und jetzt entsprechend den Aenderungsvor- Schlägen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen noch einmal überprüft werden muß. Für den jüdischen Jischuw handelt es sich dabei hauptsächlich um eine Verankerung der Autonomie der jüdischen Schulen im Gesetz. Die Regierung bereitet ferner ein neues Munizipalitätsgesetz vor, das die Kompetenzen der Lokalbehörden und ihr Verhältnis zur Zentralregierung festiegen soll. Dabei wird auch die finanziere Macht der Munizipalitäten bestimmt werden. Eine gewisse Elastizität der Paragraphen soll die Möglichkeit geben, bei Anivendung der Bestimmungen die Wünsche der verschiedenen Munizipalitäten so weit wie möglich zu berücksxhtigen. Es bleibt noch zu erwähnen, daß die Pläne für den Bau des archäologischen Museums in Jerusalem bereits Destätigt worden sind und Anfang nächsten Jahres mit der Ausführung begonnen wird. Der Bau des Hauses wird £ 140 (XX), die innere Einrichtung £ 50 (XX) kosten. Die Aeußerungen des stellvertretenden High Commissicners auf der Pressekonferenz haben in einer ziemlich umfassenden und zugleich detaillierten Form den Arbeitsplan der Regierung auf wirtschaftspolitischem und legislatorischem Gebiete gegeben. Seine Richtlinien liegen in einer langsamen und vorsichtigen Entwicklung des Landes. Der Hafenbau, die Handelsverträge, die Kommission für Zollfragen, die Ausgabe der Konzession für die Elektrifizierung Jerusalems, der Versuch, die Bodenfrage zu ordnen und ähnliches ergeben einen gewissen Fortschritt, der nicht zu unterschätzen ist. Der Ersatz der ottomanischen Praxis durch ein neues Munizipalitätengesetz kann, richtig ausgeführt, einen Teil der Verwaltungsarbeit aut neue Grundlagen stellen. Es braucht nicht betont zu werden, daß all dieses nur ein Beginn ist. Fraglos wird gerade die Judenheit alles tun, um die Entwicklung zu beschleunigen (man denke nur an die brennende Frage der Eisenbahn Ludd—Tel-Awiw). Es wäre erfreulich, wenn auch die Regierung aus dem neu geschaffenen Kontakt gewisse Erkenntnisse für ihre eigene Ha!- tung verwertete. Dr. Juda Wilenski in Transsylvanien Dr. Juda Wilensky, der seit sieben Jahren im Dienste des Keren Hajessod wertvollste propagandistische Arbeit geleistet hat, die ihn zweimal nach Argentinien und nach Brasilien, Chile und nach den baltischen Ländern führte, zog sich vor einiger Zeit zu dauerndem Aufenthalte nach Palästina zurück. Vorher hatte Wilenski in dreijähriger Arbeit den Gedanken des Keren Hajessod in Alt-Rumänien propagiert und dieses Land zu einem der besten Keren Hajessod- Länder gemacht, ln den letzten Monaten ließ sich Dr. Juda Wilenski dazu bewegen, seine bewährte Kraft wieder in den Dienst des Keren Hajessod zu stellen. In diesem Jahre hat sich Wilenski Transsylvanien als Wirkungsgebiet gewählt. Wer Dr. Wilenskis bisherige Arbeit für die zionistische Idee kennt, weiß, daß es ihm auch in Transsylvanien gelingen wird, die Arbeit für den Keren Hajessod auf neue Grundlagen zu stellen. Sind doch seine Methoden auch von anderen Ländern mit Erfolg zur Anwendung gebracht worden. Wie uns aus Transsylvanien mitgeteilt wird, verspricht man sich von der Anwesenheit Wilenskis einen besonderen Antrieb in der diesjährigen Keren Hajessod-Kampagne und freut sich, gerade einen der bewährtesten Vertreter der alten zionistischen Garde als Hauptdelegierten des Keren Hajessod zu begrüßen. Leiter der organisatorischen Arbeit bleibt Herr Dr. S z ö n y i. Für die Propaganda haben sich außer Dr. W i 1 e n s k i, Dr. Otto A b e I e s aus Wien, der in der zionistischen Welt als Schriftsteiler und Publizist bekannt ist, sowie Dr. Spiegel von der Biram-Realschule in Haifa, ferner Herr L e v a n o n aus Palästina zur Verfügung gestellt. Herr Levanon hat bisher in Alt- Rumänien in der Keren Hajessod-Arbeit wertvolle Erfahrungen gesammelt und erfolgreich gewirkt. Außerdem wird Frau Dr. Klompus aus Reval (Estland) erwartet, die sich gleichfalls einige Monate für den K. H. in Transsylvanien propagandistisch zu betätigen gedenkt. Frau Dr. Klompus ist jüdische Dezernentin im estischen Unterrichtsministerium und wegen ihrer Leistungen auf dem Gebiete des jüdischen Schulwesens in Estland bekannt und geschätzt. _ Palästinensische Lehrer besuchen Syrien 50 jüdische Lehrer Palästinas haben unter Führung von Dr. Epstein und A v i s s a r Syrien und dem Libanon einen Besuch abgestattet, um die dortigen Lehr- und Schulmethoden kennenzulernen. Die syrische Regierung tat ihrerseits alles, um den palästinensischen Gästen den Besuch der öffentlichen Unterrichtsanstalteil zu erleichtern. Das syrische Unterrichtsministerium veranstaltete für die Lehrerexkursion einen herzliehen Empfang. Es fand auch ein Begrüßungsabend der J üd tsehen Gemeinde von Damaskus statt. Anläßlich des Besuches von Beirut veranstaltete die dortige Jüdische Gemeinde zu Ehren der palästinensischen Lehrer einen großen Empfang in der Sommerfrische Aley. (Ziko.) iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiimiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiwiiiiimnitiiiiiniBfflHiiinfiifiifiiimmiiiitiiHiiiwiHiiiiiiiHn Die nächste Nummer der ״Jädiachen Rundschau“ erscheint wegen der Feiertage als Doppel-Nummer am 28. dieses Monats. (Die Dienstag-Nummer fällt aus). ll)illll[llllllll)lllllllilllllllilllli)Ill)llillH{lllllll)llitilIllBlllll1mill)llHllllllillliilliifllllll)h)lilJillHUlll)llll)l)lllilll»liIHm11HJJ Makkabi-Tagnng ln Breslau Dem 12. Jüdischen Turntag des Deutschen Kreises 1'm Makkabi-Weltverband, der vom 2.-4. September in Breslau tagte, gebührt vom zionistischen Standpunkt aus besonderes Interesse. Die innere und äußere Entwicklung der deutschen Makkabi-Vereine war in den letzten zwei Jahren recht bemerkenswert. Aeußerlich ist der fast vollendete Uebergang zum Sport, im wesentlichen der Leichtathletik, und eine beträchtliche zahlenmäßige Erstarkung (über 6000) zu verzeichnen. Der Aufschwung brachte außerordentliche sportliehe Erfolge insbesondere ׳ des Bar Kochba, Berlin, die ja durch die Tageszeitungen allgemein bekannt sind. Dieser äußere Aufstieg spielte auf der Tagung gegenüber der geistigen Entwicklung nur eine geringe Rolle. Die Kernfrage der Tagung war das Problem ״Zionis* mus und Bar Kochba“. Zu diesem Punkt lagen eine Anzahl von Anträgen in der Hauptsache des Breslauer Bai Kochba vor, die die zionistische Intensivierung des Verbandes zum Gegenstand hatten, und zwar die Entwicklung im Sinne einer radikalen Jugendbewegung in der organisatorisehen Form eines ״BarKochba-Hazair“. Die Grundläge für die Debatte gaben drei Referate: Nathan Kam i n s k i legte den Unterschied zwischen den neutralen und den Makkabi-Vereinen in Ziel und Wirken dar und forderte die systematische zionistische Erziehung der Jugend durch die bisher erprobten Methoden, die nur an Intensität gewinnen müßten. Heinrich Kühn machte den Versuch einer theoretischen Fundierung der Bewegung. Dann sprach der Vorsitzende der Z. V. f. D. Kurt Blum enf ela konkret zum Thema ״Bar Kochba und Zionismus“. Mit umfassender Beherrschung der Materie würdigte er den Versuch des Makkabi, durch die Popularität des Sports neue Jugend zu gewinnen und zu zionisieren, zeigte aber auch, welche besonderen Schwierigkeiten diesem Streben aus inneren und äußeren Gründen entgegenstehen. Er betonte die unerläßliche Notwendigkeit der zionistischen Bewährung, forderte dringend verstärkte Tätigkeit auf zionistischem Gebiet, Offenheit im Programm, und begrüßte die neue Entwicklung, für die er Freiheit der Entfaltung forderte. Auf die Wechsel- Wirkung zwischen Führer und Geführten, Programm und Erfolg ging er besonders ein. Die Rede Blumenfelds fand ungeteilten starken Beifall und Zustimmung. In der Debatte kamen — auf beiden Seiten manchmal etwas überspitzt — zwei Anschauungen zum Ausdruck. Die ,,radikale" Richtung Breslau verfocht den Standpunkt, über den Weg strenger zionistischer Verpflichtung eine Entscheidüng der ״Lauen“ herbeizuführen und den Verband ganz zionistischer Disziplin einzuordnen. Darüber hinaus forderte man die Bildung von Jugendgruppen, die ein intensives Eigenleben führen sollten und für die besondere Verpflichtung gelte. Die Vertreter der anderen Richtung sahen darin eine Gefährdung der breiten Basis der Bewegung. Sie befürchteten eine Zersplitterung oder ein Auseinanderfallen der Bewegung. Auch schien der Mehrheit die Zeit für derartig verpflichtende Beschlüsse für jeden Einzelnen noch nicht gekommen und sie lehnte nicht durchführbare Beschlüsse aus politischen Gründen ab. Einige vertraten den Standpunkt, daß man prinzipiell das Tor nicht verschließen dürfe und daß man die intensive Erziehung engeren Bünden überlassen müsse. Auf beiden Seiten war ein starker selbstbewußter Wille zur Erfassung der Jugend für den Zionismus, man stritt nur um den Weg. Die gefaßten Beschlüsse zeigen zunächst eine klare eindeutige Festlegung der Tendenz (Erziehung zum Zionismus). Verpflichtung zu Keren Hajessod (Ehrenämter wie Z.V. f. D.). Die Erzielung der SchekelkWung von jedem Einzelnen wird als Aufgabe, nicht als organisatorische Verpflichtung hingestellt Die Bildung intensiver Jugendgruppen wird befürwortet. Die Tagung hat die Entwicklung der Bewegung in keiner Richtung verbaut. Sie hat den jungen Kräften in der Bewegung die Freiheit der Enthaltung gelassen, ihnen einen Start gegeben. Auf der anderen Seite hat sie überalb wo man sich nicht entscheiden will oder nicht über die Führer verfügt, die Arbeiten nach den bisherigen Methoden bestehen lassen. Sie hat damit die Möglichkeit der Arbeit und Wirkung aller in der Bewegung tätigen Krlfte für die nächsten zwei Jahre gesichert. ei. Wert und Wflrde zionistischer Kleinarbeit Briet eines Nationalfondskommissärs an die Zentrale. Sehr geehrte Mitarbeiter!! Ich arbeite persönlich seit letztem Sonntag an der RoscH Haschanah-Aktion, habe bisher 31 Leute besucht und etwa 600 Mark gesammelt. Ich habe sechs Mitarbeiter vom Vorstand unserer Ortsgruppe, deren Resultate noch nicht vorliegen. Ich erwarte dieses Jahr ein sehr günstiges Resultat. Noch nie waren Nichtzionisten, die ich besucht habe, so bereit, mitzuhelfen, nie vorher so bereit, Information entgegenzunehmen. Ich sehe immer mehr ein, daß es überhaupt keinen besseren Weg gibt, zionistische Propaganda zu treiben als diese Aktionen, die uns Gelegenheit geben zu Auseinandersetzungen und Besprechungen und Erklärungen in Privathäusern und in Büros mit Leuten, die das Jahr hindurch kaum von der Aufbau-Arbeit in Palästina hören, oder die von der anderen Seite her gegen uns orientiert sind. Propagandaredner, welche in Versammlungen, die uns viel Geld kosten, große Vorträge halten, sprechen gewöhnlich nur zu überzeugten Zionisten, da die anderen so gut wie gar nicht zu unseren Sitzungen kommen. Ihre Tätigkeit ist daher ganz zwecklos. Wenn es gelingen würde, unsere bedeutenden Mitglieder dazu zu bewegen, Geldsammlungen von Mann zu Mann zu machen, dann könnten wir nicht nur unsere Einnahmen verdoppeln und verdreifachen, sondern auch viele neue Mitglieder gewinnen, und wir könnten neues frisches Leben in unsere ganze Bewegung hineinbringen. Wenn ich sehe, wie dankbar Abseitsstehende sind, die Gelegenheit zu haben, bei diesen Geld- Sammlungen jüdische Männer zu sehen und zu sprechen, die aus wirklicher Liebe zur Sache bereit sind, diese schwierige Sammel- Kleinarbeit zu leisten, dann bedaure ich es, daß so wenige unserer Mitglieder bereit sind, mitzuarbeiten. Wenn unsere besseren Redner und prominenten Mitglieder es nicht für unter ihrer Würde betrachten würden, an diesen Sammelaktionen teilzunehmen, ja sogar Büchsen aufzustelien, dann würde das zionistische Leben in Deutschland ein ganz anderes Bild zeigen. Leider herrscht bei uns in Deutschland eine ganz falsche Ansicht von Würde. Arbeit würdigt den Mann. Eine jede Arbeit. Arbeit aus ganz unegoistischen Motiven, aus heiliger Begeisterang für das Ideal erhebt und belebt. ׳ Das unseren Mitgliedern klar zu machen, muß unsere größte Aufgabe sein. Vom Zentralbüro in Berlin aus und von den Leitungen der Ortsgruppen. Mit Zionsgruß Hermann Schocken. Dresden, 8. September 1928. Kapitalisten beabsichtigen, in der Siedlung R a m a t h - G a n, in der Nähe von Tel-Awiw, ein großes Hotel zu erbauen. Eine große Halle soll die Abhaltung internationaler Kongresse ermöglichen. In das Unternehmen sollen £ 100000 investiert werden. (Ziko.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.