Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 74-75 (21.9.1928)
- Date
- 1928-09-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 532 ] u e 1 ס sc h 1 roiroscKWü Nr. 74/75, 2t. IX. 1928 Das südafrikanische Judentum Von Lt. Col. F. H. Kisch, Jerusalem. Das südafrikanische Judentum stellt von allen jüdischen Gemeinschaften, die ich kenne, die geeinteste dar: geeint im Hinblick auf die eigenen lokalen Gemeindeangelegenheiten und geeint im Hinblick auf den Aufbau Palästinas. Die große Mehrzahl der südafrikanischen Juden kommt aus Litauen und hat eine vererbte Liebe für h e b r ä - i s c h e Kultur, was immer ein sicherer Orundstein für die Plattform jüdischen VolksbevuBtseins ist. In Stadt und Land und selbst in den isolierten jüdischen Ansiedlungen, welche sich entlang den das Land durchschneidenden großen Verkehrswegen befinden und als Versorgungsstationen dienen, ist fast jeder Jude ein aktiver Zionist. Die Gegner des Aufbaus von Palästina als der jüdischen Nationalen Heim* stätte, die mir begegneten, könnten an den Fingern einer Hand gezählt werden. Eine organisierte Gegnerschaft gibt cs überhaupt nicht. Es gibt auch keine Parteidifferenzierung innerhalb der südafrikanischen Zionistischen Föderation. Natürlich neigen die einzelnen Zionisten zur Denkweise der Rechten oder der Linken des europäischen Zionismus; alle Zionisten sind aber restlos in der Zionistischen Föderation vereinigt. Die Föderation selbst wird von einer gewählten ehrenamtlichen Exekutive geleitet, deren Mitglieder einen großen Teil ihrer Zeit und Kraft hingebungsvoll dem zionistischen Werk widmen. Sie werden dabei von einem außerordentlich leistungsfähigen Sekretariat unterstützt. Die Zionisten des ganzen Landes haben selbstlos beschlossen, daß in ihre Exekutive nur gewählt werden kann, wer in Johannesburg oder in unmittelbarer Nähe davon wohnt. Dadurch wird erzielt, daß alle Mitglieder dieser Körperschaft sich regelmäßig treffen und ihre Aufgaben gemeinsam erfüllen können. Bemerkenswert sind die finanziellen Leistungen der südafrikanischen JuJcnheit. Seit der Campagne des Herrn Sokotow im Jahre 1926 betragen die Leistungen für den Keren Hajessod £ 1 pro Kopf und Jahr. Dieses Verhältnis konnte auch in der neuen Campagne behauptet werden, die zu leiten ich die Ehre hatte. Diese Campagne wird mit voller Sicherheit nicht weniger als £ 125 009 erbringen. Damit ist aber die finanzielle Teilnahme der Südafrika* nischen Judenheit am Palästina-Aufbau nicht erschöpft. £ 45 000 wurden in den letzten vier Jahren für den Keren Kajemeth beigetragen. Die Arbeit für den Keren Kajemeth befindet sich zudem im Augenblick in einem Zustand der Reorganisation und schnellen Entwicklung. Außerdem hat die südafrikanische Judenheit die Waisen- Siedlung ״Kfar Jeladim“ bei Balfouria geschaffen und unterhält sie. Sie hat ferner die Palestine Enterprise Company, Ltd. begründet, welche eine wichtige Rolle in der städtischen Entwicklung gespielt hat, besonders in Haifa. Es besteht die Hoffnung, daß das Kapital dieser Kreditinstitution in kurzer Zeit auf £ 100000 erhöht wird. Es muß in diesem Zusammenhang hervorgehoben werden, daß es unter den südafrikanischen Juden nicht so viel individuellen Reichtum gibt, wie man ihn in Amerika und, in eingeschränkter Zahl, in England findet. Die Wenigen, die es zu großem Venndgen jebn^ht haben, yerlegtp ihre Wohnsitze nach EpraM, BeitrSge iUÖÖfb die wir von ,mehreren der wohlhabendsten Juden erhielten, stellen großzügige Zu- Wendungen dar, wenn man in Betracht zieht, daß man in Südafrika sehr wohl weiß, daß Keren Hajessod-Beiträge eine dauernde Verpflichtung bedeuten. Es ist aber vielleicht noch interessanter zu berichten, daß Zuwendungen im Befrage von £ 200 bis £ 300 in vielen Fällen unmittelbar von Juden gemacht wurden, die ihre finanzielle Leistungsfähigkeit zur äußersten Grenze anspannen mußten, um mit diesen Beträgen der Verwirklichung ihrer teuersten Hoffnungen zu dienen. Dasselbe gilt nicht weniger von vielen der kleineren Beiträge. Die Fälle sind nicht selten, wo Menschen, die für den Ausbau ihrer Unternehmungen zu kämpfen haben und sich dauernd in finanziellen Schwierigkeiten befinden, trotzdem bemerkenswerte Beiträge für den Keren Hajessod leisten. Durch die monatlichen Zahlungen für den Keren Hajessod bildet sich ein dauernder Zusammenhang zwisehen der südafrikanischen Judenheit und Palästina. Abgesehen davon aber wird ein solcher Kontakt aufrechferhalten durch die K. K. L.-Büchsen, Sammlungen, Basare usw. und schließlich durch die Zeitschrift ״Zionist Re- Verdacht auftaucht, man mißtraue ihm als Juden. Er verleugnet nicht sein Judentum, er bekennt sich zu ihm, aber er hält den Unterschied des Volkstums für unerheblich. Der Rationalist meint, vernünftige Erwägung müsse doch zeigen, daß der Jude in der revolutionären Sache Mitbruder, ja treuester, zuverlässigster Kämpfer sei. Aber auch in der Revolution ist das Volk, das lebende, handelnde, kämpfende Volk, mehr dem Bereich der triebbeherrschten Natur als dem der Vernunft zugehörig, der entscheidende Faktor, und die Macht des Blutes läßt sich nicht wegdisputieren und nicht wegdekretieren. Der siegreiche, erfolgreiche Rote General, dem die Revolution alles zu danken hat, bekommt es zu fühlen... Die Aufführung ist gutes Berliner Theater, wenn auch die Regie manche allzu idyllische Revolutions-Szenen hätte vermeiden und damit auch Schwächen des Stückes hätte verdecken sollen. Glaubt Engel, daß es im revolutionären Hauptquartier so harmlos zugehen kann? Kortners hervorragende Darstellungskunst erhebt das Geschick Podkamienskis 711 einem seelischen Erleben von großer Innerlichkeit und, Ergriffenheit. Sein Podkamienski ist ein Einsamer unter den Genossen, einsam in seiner überragenden Intellektualität. Als die Geliebte Podkamienskis, Seraphima Ivvanowna, ihn fragt, warum Rruzkin seinen Vater ermordet hat, antwortet er: ״Weil er roh ist!“ Wieviel liegt in diesen Worten, und welchen Sinn verleiht Kortner ihnen! In diesem Moment ist er nicht mehr der General, sondern einfach der Jude aus Pocikamien, dem jede Gewalttat zuwider ist. Sein Gegen- Spieler, schon im Aeußeren, ist der elementare, erdverbundene Muschik-General Bruzkin, dem Saufen und Morden selbstverständliches Handwerk seiner beinahe gutmütig-kindlichen Natur ist. Ferdinand Hart gibt in diesem breitspurigen Riesen den richtigen Kontrast zu Kortner. Wangen* heim als dreister Aristokrat und Eleonora von Mendelssohn als zarte und innige Frauengcstalf, sowie Emil Lind (Jude Frischmann) und der köstliche Egon Fried eil erganzen das ausgezeichnete Ensemble, zu dem man Ungar beglückwünschen kann. Sch. Gore 1 ik. cord“, deren Stellung als führendes jüdisches Organ in Südafrika unbestritten ist. Auch durch den Verbrauch palästinensisclier Produkte, um dessen Förderung sich einzelne Zionisten sehr verdient gemacht haben, wird die lebendige Be- Ziehung der südafrikanischen Judenheit zu Palästina aufrechterhalten. Palästinensischer Wein, palästinensische Mazzoth, Erzeugnisse des Bezalel und neuerdings auch die Produkte der Textilunternehmungen in Tel-Awiw kann man in den jüdischen Häusern des ganzen Landes finden. Schließlich gibt es eine Anzahl südafrikanischer Juden, die auf palästinensische Zeitungen abonniert sind und sie regelmäßig lesen. In letzter Hinsicht ist indessen die wahre Verbindung eine solche des Herzens und des Geistes; sie ist in der Tatsache begründet, daß jeder südafrikanische Jude in seiner Verbundenheit mit Palästina Genugtuung findet für den Exil- Charakter seines Lebens, das sechstausend Meilen von Jerusalem entfernt und auch von den großen jüdischen Gemeinschaften Europas abgeachnitfen ist. Die innere seelische Verbundenheit strebt danach, sich auf all den erwähnten Wegen und auch — sowie es möglich ist und jetzt in steigender Zahl — durch persönliche Besuche des Landes selbst auszudrücken. Ich habe schon die traditionelle Liebe für hebräische Kultur erwähnt, die beim größten Teil der älteren Generation im südafrikanischen Judentum lebt. Eine neue Lage ergibt sich hinsichtlich der neuen Generation, die durch das Medium der englischen Sprache in den südafrikanischen Schulen und Universitäten erzogen wird. Sie entbehrt natürlich der hebraisierenden Atmosphäre, die auf ihre Eltern, etwa in Wilna, einwirkte. Die Eltern sind zu der Einsicht gekommen, daß diese Veränderung eine Lockerung des Verhältnisses zum Judentum und zur jüdischen Gesamtheit zu bringen droht. Daher werden die ernstesten Anstrengungen gemacht, für die heranwachsende Generation vergrößerte Möglichkeiten der Erlernung der hebräischen Sprache und Kultur zu schaffen. Der Zionismus und das nationale Judentum helfen dabei, der Jugend selbst das Bedürfnis nach hebräischen Studien einzupflanzen; leider ist es aber immer erst noch eine kleine Zahl der heranwachsenden Generation, die unsere nationale Sprache mit Erfolg erlernt hat. Den Juden aller Welt vorbildlich ist die Oebefreudigkeit unserer südafrikanischen Volksgenossen. Einige Beispiele mögen dies zeigen. In Johannesburg begnügte sich ein Führer der südafrikanischen Finanzweit nicht mit der eigenen Abgabe von £ 1000, sondern verwandte die letzten drei Tage vor seiner Abreise nach Europa dafür, Juden seines Kreises, die aber dem Zionismus nicht nahestanden, zu besuchen und sie zu Abgaben zu veranlassen. In einer kleinen Eisenbahnstation, wo es nur einen verelnzelten jüdischen Haushalt gab, übergab die Frau bei der Durchreise des Zuges — ihr Mann war als Bahnarbeiter beschäftigt — Frau Kisch eine vor vielen Jahren aus Europa mitgebrachte goldene Kette, mit dem Wunsch, daß sie zum Besten des Keren Hajessod verkauft werde. Aehnliche Hingabe zeigten einzelne Gemeinschaften. Es gab kleine Gemeinden, die meinen oder meiner Mitarbeiter Besuch nicht erst abwarteten, sondern mit eigener Initiative und mit eigenen Menschen die Geldsammlung zu Erfolg brachten, wobei in mehreren Fällen alle Juden der Gemeinde Spender waren. .T’Isjgab ilntn Ball,- w# 1leh1,wi^tai,:eines 1Aufe»thaljh1s.von- 40 Minuten auf offener Straße zu einer Versammlung sprach, weiche die Gesamtheit der Juden des Distriktes —• alles in allem 10 Familien — und einige nichtjüdische Besucher umfaßte. Ich setzte meine Reise — in diesem Falle im Auto — fort, um £ 250 für den Keren Hajessod reicher geworden. Ohne Zweifel haben die Leistungen des Zionismus schon jetzt viel dazu beigetragen, die Selbstachtung des Südafrikanischen Judentums zu steigern und auch die Achtung zu erhöhen, die ihnen von den nicht jüdischen Bewohnern des Landes entgegengebracht wird. Es war meine Eigenschaft als Repräsentant der zionistisehen Bewegung und des Jüdischen Nationalheims, um deretwillen ich in Südafrika von der Regierung der Union, von den Provinzialregierungen, der Regierung Süd-Rhodesiens und vielen Körperschaften im ganzen Lande begrüßt wurde. Und der Charakter dieser Begrüßungen war so, daß die Südafrikanischen Juden zugleich mit mir z.u fühlen bekamen, wie selbst auf diese große Entfernung hin die zionistische Leistung in Palästina uns in den Augen der nichtjüdischen Weit eine neue Position erworben hat. VerbflUpng der Ansiedlnngskosten? Der Tel-Awiwer Zeitung ״Haarez“ entnehmen wir einen Bericht über die Gründung eines Arbeiterviertels bei der Kolonie Chede.ra, die einen bemerkenswerten Vorsuch darstcllt, die Ansiedlungskosten in Palästina zu vormindern. Es handelt sich um eine Gründung der von der Palestine Economic Corporation (Brandeis-Flexner-Gruppe) gegründeten Leih- und Bau-Kooperative, die durch den Arbeiterrat von Chederah den Bau von vierzig Arbeiterhäusern eines neuen Typus ausführen ließ, bei dem sich die Baukosten auf nicht mehr als £ 55 pro Haus belaufen. Die Pläne stammen von dem Leiter der Gesellschaft M oh I, der sich seit langer Zeit um Verbilligung der Baukosten bemüht. Jedes Haus besteht aus einem Zimmer, einer Küche und einer Terrasse. Jede Familie erhält ein Haus mit 2'/a Dunam Boden, Stall, Geflügel und eine Kuh für insgesamt £ 130, wovon der Ansiedler £ 25 bar und den Rest in zwölf Monatsraten abzuzahlen hat. Die Ansiedler werden während der Saison die Arbeiten in Chederah bei den Kolonisten übernehmen und in den toten Monaten sich mit ihrer eigenen Wirtschaft beschäftigen. Fünf Familien befinden sich bereits am Platze, kürzlich wurden 20 neu ausgewählt, sämtliche sind Angehörige des Mittelstandes aus Tel-Awiw. Bei der Auswahl der Ansiedler haben sich die Kolonisten Butkowsky und Meyersohn aus Chederah, die der Leitung der neuen Gründung angehören, beteiligt. Wenn sich der hier erwähnte Versuch bewährt, so wäre damit ein neuer Häusler-Tvpus geschaffen, der nicht nur das Problem der Ansiedlungskosten, sondern auch das der jüdischen Arbeit in den Pflanzungskolonien zu lösen beitragen könnte. Der Fall Jacob Helr Jerusalem, 12. September. (J.T.A.) Der Weltverband der sephardischen Juden, der den zwischen Oberrabbiner Jacob Meir und dem Waad Leumi ausgebrochenen bekannten Konflikt schlichten sollte, veröffentlicht ein Kommunique, in dem festgestellt wird, daß beide Parteien unrichtig gehandelt haben. Rabbi Meir beabsichtigt nicht, aus der Knesseth Israel auszutreten, und der Waad Leumi darf nicht Rabbi Meir seines Postens verlustig erklären, weil dies nicht in die Kompetenz des Waad Leumi falle. Der Weltverband der sephardischen Juden fordert daher beide Parteien auf, miteinander wieder Frieden zu schließen. Dr. Lee K. Frankel Aber die Snrvey Kommission NewY0rk,13. September. (J.T. A.) In einem der J. T. A. ewährten Interview erklärte das Mitglied der Joint Palestine urvey Commission Dr. Lee K. Frankel, daß diese Kornmissian nicht mehr bestehe. Die Angelegenheit befinde sich jetzt in den Händen von Louis Marshall und Dr. Weizmann, die alle weiteren Schritte tun werden, welche sie für nötig erachten, ״Die Kommission“, erklärte Dr. Frankel, ״war ernstlich bemüht, die Lage in Palästina so objektiv wie möglich zu prüfen. Die Kommission nahm den hinter der Palästina- Bewegung stehendenlrjealisrausals feststehend an. Es jw;äK Jinsfir *ufridrtlrt! Bestreben, die Verhältnisse in Palästina unp*FteffiÄ׳'’Bi IjWwb ׳;rinaltoh«ruk|ve“Plltte•‘vorzuleg»m,-%ie' Päilstlria afn wirksamsten aufgebaüt werden könne. Es Istfliefff meine Sache, zu sagen, in welchem Ausmaß uns das gelungen ist.“ Um Sekslom Schwarzbard Die Palästina-Regie ring hat das Gesuch Schalom Schwarzbards um ein Einreisevisum nach Palästina endgültig mit der Begründung abgelehnt, daß sein Zuzug nach Palästina unerwünscht sei. Daraufhin fand in Te 1 Äwtw eine große Volksversammlung statt, in der gegen die Maßnahme der Palästina-Regierung protestiert wurde. Die Versammlung beschloß, die Bemühungen zur Erlangung eines Einreisevisums für Schwarzbard fortzusetzen und die Zionistische Exekutive sowie den Waad Leumi aufzufordem, die in Angelegenheit Schwarzbards mit der Palästina-Regierung geführte Korrespondenz zu veröffentlichen. Ferner forderte die Versammlung die syrische Regierung auf, bekanntzugeben, aus welchen Gründen sie Schwarzbard aus Syrien ausgewiesen hat. Eine nene Karle Jerusalems Eine neuartige Schulwandkarte der Stadt Jerusalem wurde soeben von P. S t e g m 111 e r S. D. S. im Verlag Kösel ft Pustet in München herausgegeben (Größe 135x63 cm, Dreifarben- Steindruck, Preis 12 Mark). Es handelt sich um kartographische Auswertung des Luftbildes der Stadt, hergestellt nach Fliegeraufnahmen. Der Beschauer bekommt a’so einen wirklichen Eindruck vom Aufbau und vom Landschafts־ bild der Stadt, obwohl natürlich wohl von keiner anderen Stadt so wie von Jerusalem gilt, daß kein Bild Imstande ist, die erschütternde Schönheit des wirklichen Anblickes wiederzugehen. Immerhin bietet diese neue Idee, die gewissermaßen mit den Mitteln neuer Technik zu einer alten Methode kartographischer Wiedergabe mit Landschaftsbild zurückkehrt, den außerordentlichen Vorteil, daß auch Schüler, die Jerusalem noch nicht gesehen haben, eine erfiilltere Vor- Stellung bekommen als bei abstrakter Darstellung. Der ursprüngliclie Zweck der Karte gilt zweifellos der Verwendung im christlichen Religionsunterricht, doch ist sie auch für moderne jüdische Zwecke brauchbar. Eine Erläuterungskarte mit etwa 1-10 Namen — in verschiedensten Sprachen erschienen — gibt Aufschluß über die wichtigsten Gebäude, vor allem die christlichen Kirchen und Kultstätten; auch von jüdischen Punkten sind eine ganze Reihe angeführt, etwa die Klagemaner, mehrere Synagogen, Krankenhäuser, Gräber usw. sowie die Zionistische Exekutive, Außerhalb der Altstadt ist die Zeichnung ungenau. Die jüdischen Viertel sind z. B. nicht genau eingezeichnet, Msa Schearim heißt einfach ״Jüdische Kolonie“. Die neuen Viertel liegen zum Teil bereits außerhalb des Rahmens, der durch die Karte gedeckt wird, zum Teil aber fehlen sie auch. Zum Teil erscheinen bebaute Straßen auf der Karte als grüne Plätze und Wiesen. Auch manche Straßenführung ist mcht ganz richtig, z. B. führt auf der Karte die Straße von der Post nur bis etwa zum Hotel Warschawski, während sie in Wirklichkeit noch weiter, an dem italienischen Hospital vorbei nach Mea Schearim führt. Schimon Hazadik ist nicht eingezeichnet. Die hebräische Erläuterungstafel, die uns außer der deutschen noch vorlag, nimmt mehr Rücksicht auf jüdische Interessen, zeigt j. B. auch die jüdische Nationalbibliothek und gibt am Rande der Karte wenigstens mit Pfeilrichtung an, wo jüdische Viertel oder wichtige Gebäude, wie Universität, Bezaiel usw., liegen. Die hiet gemachten kleinen Ausstellungen, die bei künftigen Auflagen vielleicht zu Verbesserungen Anlaß geben werden, mindern aber nicht den Wert dieser wirklich schönen Karte, für die auch wir dem Verfasser dankbar sein können und die gewiß auch in Palästina selbst Freunde finden wird. Vartrag EUsehewa ♦ Am 19. d. M. fand in den Räumen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ein Vortragsabend der hebräischen Dichterin EI i s c h e w a statt, der von der Berliner Zionistischen Vereinigung und von der Histadruth Iwrith veranstaltet wurde. Die Versammlung war sehr gut besucht. Dr. Emil Cohn hielt die einleitende Ansprache, in der er auf das Wunder der Einfühkmg der Nichtjüdin Elischewa in den Geist der hebräischen Sprache u*d Erez-Israels hinwies. Frau Elischewa trug dann Gedichte vor. Dr. Tschcrnichowski analysierte das Schaffen der Dichterin, das durch Wahrheit, Einfachheit und Klangfülle ausgezeichnet ist. Nach einem Vortrag der Elischewa und nach Schlußworten Dr. Cohns fand der harmonisch verlau lene Vortragsabend sein Ende. Arno Nadel-Abend. Anläßlich des 50. Geburtstages von Arno Nadel veranstaltet die B. Z. V. am 2. Oktober, abends 81׳j Uhr, im Oartensaal des Logenhauses, Kleiststraße, einen Arno Nadel-Abend unter Mitwirkung von Oad Shelaso, Felix Sfössinger (Rezitation), Oberkantor Gollanin, Frau Rahel Ernioinikoff (Gesang), Frau Alice Jacob- Löwenson (Klavier). Die Ansprache hält Ör. Seit. Hildesheimer. Um ein umfassendes Bild von der vielseitigen Tätigkeit Nadels zu geben, wird auch eine Aus- Stellung der neuesten Gemälde Arno Nadels an diesem Abend stattfinden, Karten zum Preise von M. 3,—, 2,— und 1,— erhältlich im Büro der B. Z» V., Meinekestr. 10, Bismarck 7165/70. Vom Moskauer Jüdischen Akademischen Theater, Alexander Granowsky, der Leiter des Jüdisch-Akademischen Theaters, hat kürzlich von der Kunstkonimission der Sowjets den Auftrag erhalten, sofort nach Rußland zurückztikehren. Wie wir erfahren, hat Granowsky, der gegenwärtig in Wien gastiert, einen Aufschub der Heimreise erwirkt, so daß er sein vierwöchiges Gastspiel im Theater des Westens am 1. Oktober beginnen kann.