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Jüdische Rundschau · 1928-09-21 · Heft 74-75 (21.9.1928) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 74-75 (21.9.1928)
Date
1928-09-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 530 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 74/75, 21. K. 1928 lasten stark die zionistischen Kassen. Die Notlage dieser Gesellschaft ist nicht so sehr auf Spekulationsgeschäfte zurückz.uführcn, als vielmehr auf jene Eigenart zionistischer Psychologie, die auch in geschäftlichen Dingen kein Maß anerkennt. Natürlich wünscht jeder Zionist, daß mögliehst viel Boden Palästinas in jüdische Hände kommt; das bedeutet aber nicht, daß bei der wirklichen Durchführung von Käufen man ohne Rücksicht auf die eigenen Mittel und in vagen Hoffnungen auf künftige Eingänge verfahren darf, sonst läuft man eben Gefahr, seine Verpflichtungen nicht einlösen zu können und hierdurch viel mehr Schaden zu stiften, als man durch die begrüßenswerte Initiative Nutzen bringt. Die Finanzlage in Amerika ist heute kaum mehr abgelöst von Zion Commonwealth zu betrachten, und es hieße sträfliche Abenteurer-Politik machen, wenn man vor diesen Tatsachen die Augen verschließen und mit auf dem Papier stehenden Budget- Ziffern operieren wollte, ohne die Wahrscheinlichkeit der Deckung zu berücksichtigen. Denn ob die Mitwirkung der Marshall-Gruppe, deren Konferenz am 20. Oktober die Beschlüsse des A.-C, vorliegen werden, schon in diesem Winter fühlbar wird, steht keineswegs fest. * Unter diesem Gesichtspunkt müssen wir auch die Lage der Palästina-Exekutive betrachten, die die undankbare Funktion hat, mit den einlaufenden Geldern des Keren Hajessod die verschiedenen Zweige der Arbeit in Palästina zu verwalten. Durch Jahre beobachten wir, daß die Exekutive durch die Sorgen um die täglichen Zahlungen nicht Zeit und Möglichkeit zu umfassenden neuen Plänen findet. Gerade im gegenwärtigen Augenblick wäre dies besonders notwendig. Denn wir stehen, wenn nicht die Anzeichen und Prophezeiungen trügen, a n der Schwelle einer neuen Einwanderung, der ״fünften Alijah“. fn den letzten zwei Jahren hat sich in aller Stille ein neuer Aufschwung vorbereitet, der insbesondere durch die Ausdehnung des Pflanzungsbau es charakterisiert ist. In zunehmendem Maße investieren Privatpersonen Kapitalien in Plantagen, das be* pflanzte Areal wächst, die Interessenten mehren sich, auch andere Industrien bewähren sich, der nun schon seit langem immer wieder verschobene Hafenbau wird endlich einmal beginnen, dies wird Kapital und Unternehmer nach Haifa locken, ja es besteht sogar die Gefahr, daß nichtjüdische und jüdische Spekulanten sich dort festsetzen; die Juden haben jetzt zu zeigen, ob sie in der Tat in Palästina Fuß fassen oder sich diese Chance von anderen wegnehmen lassen wollen. Die Zionistische Organisation müßte der zu erwartenden Einwanderung bemittelter Eiemente Rechnung tragen. Das Informations- und Kreditwesen müßte stark ausgebaut werden, usw. Auch die R^gie rwpg npM«* Ihre,tun, um die begonnene Aufwärtsbewegung zu unterstützen. In den Erklärungen, die Mr. Luke der Presse abgab, vermissen wir einen Hinweis auf diese Aufgaben. Dagegen berührt es außerordentlich peinlich, wenn gerade in diesem Moment die Durchfüllrung eines der wichtigsten Projekte, der von Juden und Arabern in gleicher Weise verlangten Verlegung des Eisenbahnknotenpunktes von Ludd nach Tel- Awiw aus Sparsamkeitsgründen aufgegeben wird, weil die Regierung £ 200000 als Bezahlung alter, aus der Okkupationszeit herrührender ״Schulden“ an den englischen Fiskus bezahlen muß. Die neuen Männer, die die Regierung Palästinas in diesem Herbst übernehmen, hätten sich bei der Bevölkerung besser einführen sollen. Der Mangel jedes Mitbestimmungsrechtes der Bevölkcrung bei der Verwaltung des Landes macht sich in solchen Fragen besonders fühlbar. * Mit großer Genugtuung wird die zionistische Welt die Nachricht aufnehmen, daß die Palästina-Exekutive auch die Zeit für eine Einwanderung von Chalu• z i m für gekommen hält. Sie hat von der Regierung (wie an anderer Stelle gemeldet wird) 1200 Zertifikate angefordert. Daß ein solcher Zuschuß von Arbeitskräften erforderlich ist in einem Moment, wo in den Städten noch Arbeitslose sind und die Auswanderung weitergeht, beweist die Richtigkeit der Anschauung, daß die Regelung der Einwanderung keine mechanische Angelegenheit ist, sondern auf das engste zusammenhängt mit der Eigenart und Arbeitswilligkeit und Gesinnung de•• in Betracht ׳kommenden Menschen. Diesen Gedanken haben wir, als seinerzeit die chaotische Auswanderung einsetzte, in die Form gekleidet, die Palästina-Exekutive sollte eine genaue Registrierung der arbeitslosen Elemente vornehmen, um dann zu entscheiden, welche für die in nächster Zeit sich eröffnenden Arbeitsgelegenheiten geeignet sind, und so den ohnedies vor sich gehenden Prozeß der Auslese regulieren und beschleunigen, um möglichst bald wieder zu, aufbauenderArbeitzu gelangen. Bis zum heutigen Tage wird daraufhin (leider gerade von der Arbeiterpresse Palästinas) behauptet, die ״Jüdische Rundschau“ trete ein für systematische Organisierung der Auswanderung aus dem Lande. Wir hielten es untör unserer Würde, gegen diese von Führern der Arbeiterpartei Achduth Awodah sogar in palästinensischen Massenversammlungen erhobenen Beschuldigungen zu polemisieren. In der Chaluzbewegung ist die Nachricht von der Anforderung neuer Zertifikate mit Erleichterung und Freude aufgenommen worden. Dies ist begreiflich, wenn man bedenkt, wie lange diese Menschen, von nationalem Tatendrang erfüllt, bereits darauf warten, daß die Tore Palästinas sich ihnen öffnen. Die ganze zionistische Welt wird mit ihnen aufatmen■ auf die Kunde hin, daß die Mauer gefallen ist. Aber ebenso wie es das Recht der Chaluzim ist, die Ermöglichung der Alijah zu fordern, ebenso ist es die Pflicht der Exekutive, mit der größten Vorsicht zu;Werke zu gehen, um zu verhindern, daß in Mittelalter im 20. Jahrhundert Ritualmord-Märchen und Friedhof-Schändungen Das Judenjahr 5689 wird von antisemitischer Seite durch Exzesse in Nord und Süd eingeleitet, ln Litauen (Wilkovischki) werden Juden von litauischen Hakenkreuzlern verprügelt, ln Deutschland reihen sich den früheren Schändüngen jüdischer Friedhöfe einige neue an. In Südslawien wird wieder das Ritualmord-Märchen gesponnen und die jüdischen Bewohner von Petrovoselo schweben in Todesgefahr. Die Ritualmord-Hetzer 1n Jugoslawien sind zwei jugoslawische Studenten. Es ist auffallend, daß überall, in Rumänien, Ungarn, Deutschland, Litauen, Südslawien und Bulgarien die antisemitischen Exzesse gerade von Studenten ausgehen. Wenn man die Zusammenhänge untersucht, so kommt man auf eine gemeinsame Quelle: den von Deutschland ausgehenden ״wissenschaftlichen“ Rassenantls e m i t i s m u s. Es ist wirklich nicht übertrieben, wenn man feststellt, daß von den ncu-deutschen Ideen die Theorie des in Deutschland ausgebauten Rassenantisemitismus in aller Weit die stärkste Verbreitung gefunden hat. Es ist leider so, daß die vielen ausländischen, in Deutschland studierenden Studenten von ihren deutschen Kommilitonen zunächst und am freudigsten die Ideen des radikalsten ״wissenschaftlich“ begründeten Judenhasses übernehmen. Gerade hinsichtlich der Friedhofsschändüngen war Deutschland beispielgebend. Die deutschen Methoden auf diesem Gebiete sind flugs in Rumänien und in Ungarn zur Anwendung gekommen. Auch die jugoslawischen Studenten, die in Petrovoselo das Verschwinden eines mittlerweile wieder aufgefundenen, bei Juden bediensteten Mädchens zum Anlaß einer antisemitischen Hetze genommen haben, scheinen ihre Eingebung aus der deutsch-völkischen Literatur empfangen ztt haben. Es mag für in Deutschland lebende Juden peinlich sein, aber die Tatsache steht fest, daß das Gift des ״wissenschaftlichen“ Antisemitismfs aus Deutschland durch tausend Kanäle den Weg in die ganze Welt nimmt und die Phantasie besonders der studierenden Jugend in allen Ländern befruchtet. Für die Juden sind jedoch diese Erscheinungen damit nicht abgetan, daß man feststellt, wo die geistigen Quellen für das Wiederaufflammen dieses Spukes aus dem Mittelalter liegen. Die Juden sind die Leidtragenden und sehen sich in einer Zeit selbstgefälliger Zivilisation, moderner Freiheitsforderungen und Gcrechtigkeitsprinzipien, im Bewußtsein und im Verhalten weiter Schichten der Völker, in deren Mitte sie leben, in eine Situation zurückgestoßen, die formal rechtlich seit Jahrzehnten nicht mehr besteht. In der ganzen Welt gelten auf dem Papiere für Juden die gleichen Rechte wie für die anderen Menschen. Auch in Ungarn hütet sich die Numerus-Clausus-Verordnung davor, sich ausgesprochen als Maßnahme gegen die Juden zu bezeichnen. Trotz dieser papierenen Gleichberechtigung sind die Juden in den meisten Ländern tatsächlich weit entfernt davon, volle Rechtsgleichheit und Rechtssicherheit zu besitzen. Emanzipation, Verkündigung der Menschenrechte, VerkümJigung nationaler Rechte für alle Völker hat das Judenproblem nicht zu lösen vermocht. Diese Frage ist eben ganz eigener Art und kann nur sehr bedingt in die Begriffe der persönliehen und auch der nationalen Gleichberechtigung eingereiht werden. Es bleibt immer ein großer Rest bei all diesen Reform- und Reclienexempeln. Die gesamte abendländische Welt lebt oder bemüht sich zu leben im zwanzigsten Jahrhundert. Einem großen Teil des jüdischen Volkes gegenüber aber gelten noch Anschauungen des Mittelalters. So traurig es für uns selbst ist, um dies einzugestehen, wir müssen doch erkennen, daß durch den kleinsten Anlaß die Ungelöstheit der Judenfrage uns schmerzlich ins Gedächtnis gerufen wird. Seien wir dessen stets eingedenk! ♦ Die Vorgänge In Petrovoselo Anläßlich des Baues des jüdischen Tempels in der jugoslavischen Banatstadt Zenta kam es dort zu einer Ritualmordhetze, die die Judenheit des gesamten Banats bedrohte. Unbekannte Agitatoren haben unter der christlichen Bevölkerung der roßen Dörfer in der Umgebung von Zenta das Gerücht verreitet, daß die Juden beim Bau der Synagoge das Blut von christlichen Kindern gebrauchen. Dies Gerücht drohte, katastrophaie Folgen nach sich zu ziehen, als zufällig ein fünfzehnjähriges christliches Dienstmädchen, Margarete Takaes, das bei dem jüdischen Kaufmann Max Pollack im Großdorfe Petrovoselo im Dienste stand, plötzlich verschwand. Bauern!passen umzingelten die jüdischen Häuser und eröffneten auf sie ein Steinbombardement unter der Drohung, die Juden müßten das Verschwinden des christlichen Mädchens mit dem Hungertode sühnen. Polizei und Gendarmerie zerstreute die Volksmenge durch Schreckschüsse und rettete die in den bereits halb demolierten Häusern eingeschlossenen Juden. Schließlich wurde Margarete Takaes in erschöpftem Zustande und einer Ohnmacht nahe in einem Nachbardorfe von Petrovoselo gefunden. Dies entfesselte einen neuerlichen Bauernsturm, da die Bauern glaubten, die Schwäche des Mädchens entspringe einer Nasenblutentzapfung durch die Juden, obwohl nach sofort vorgenommenem gericntsärztlichen Befund das tagelange Herumirren der Takaes in Minnerkleidern, ohne daß sie irgendwelche Nahrung zu sich genommen hätte, nachdem sie von einem Unbekannten entführt und genotzüchtigt worden war, die Ur- Sache des Schwächezustandes des Mädchens war. Lieber die näheren Umstände hüllt sich das ganz entkräftete Mädchen vollkommen in Stillschweigen. Die Erregung der Dorfbevölkerung dauert an, obwohl die Behörden durch ausgesandte Trommel- Schläger in den Banatdörfem verkünden lassen, daß alle Gerächte von jüdischen Ritualmorden und Benutzung von Christenblut eine blöde Erfindüng sind, und daß jede antijüdische Agitation die härteste Strafe nach sich ziehen werde. Die Behörden haben bisher 40 antisemitische Gewalttäter verhaftet. Auf Intervention des Großrabbiners von Jugoslavien, Dr. lsak Alkalay, verfügte der Ministerpräsident Dr. Koroschec, der zugleich Innenminister ist, strenges Vorgehen gegen An- Stifter und Teilnehmer der judenfeindlichen Unnihen. Er machte den zuständigen Bezirksvorstand persönlich verantwortlich, falls den Juden in Petrovoselo das Geringste zugefügt würde. Am 13. September delegierte der Ministerpräsident eine spezielle Kommission unter Führung eines hohen Beamten nach Petrovoselo. Diese Kommission konstatierte ebenfalls die vollkommene Grundlosigkeit sämtlicher judenfeindlicher Gerüchte. Nachdem aber die Juden neuerlich bedroht und ihre Häuser beschmutzt wurden, ist im Dorfe der Ausnahmezustand proklamiert worden. öhfte;'^e|p|1d»e ttei*kJ&Por(f>ewphnernnirtlj•״ 8 Uhr abends das ,Haus verlassen.. Der Sicherheitsdienst der Gendarmerie wurde verstärkt. Zwecks Beruhigung der fanatisierten Bauernbevölkerung sind 10 verhaftete Bauernburschen vorläufig wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die gerichtliche Untersuchung geht weiter. Zwei Hochschüler werden verdächtigt, das Ritualmordmärchen verbreitet zu haben. IIIIIIMIIIIIIIIIIIIIIlIHlnilllllllllllllllllllllllllinimillllllllllllllllllllllimiHllllllltllllHIIIIHIHflMIIIIIIIIIMIIIIIWIIIIIIMIIIIIIIIIIIIHIIlnillllllllllllllllllllllMIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIlirilllllllllllHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIinlllinilHIIIIIIIIIIIIIIIIHIIWIIIIIIII dieser wichtigsten zionistischen Frage ein Scheinerfolg erreicht wird, der in seinen Nachwirkungen zu einer Niederlage wird. Wenn die wegen ihrer Vorsicht von links bekämpfte Exekutive der Meinung ist, es seien in den Pflanzungen Arbeitsplätze für 1200 Menschen, dann ist anzunehmen, daß die neuen Einwanderer tatsächlich untergebracht und nicht der Zionistischen Organisation zur Last fallen werden. (Nur mit einem Satz mag noch erwähnt werden, daß die Behauptung von Berl Katznelson im ״Dawar“, die ״Jüdische Rundschau“ habe sich gegen jede Alijah ausgesprochen, entweder ein Mißverständnis oder eine Entstellung ist; wir haben lediglich gegen die Art der Behandlung dieser Fragen im A.-C. Stellung genommen und sind auch heute noch der Meinung, daß sich die äußerst schwierige und die Zionistische Exekutive gegenüber der Mandatarmacht materiell verpflichtende Alijah-Frage nicht in der Weise, wie es das A.-C. in seiner letzten Sitzung tat, behandeln läßt. Dies auch an die Adresse der ״Chaluz-Blätter“, denen wir ihren Angriff auf die ״Jüdische Rundschau“ nicht weiter verübeln.) Möge die neue Chaluz-Alijah wirklich den Anbruch einer neuen Epoche des Aufbaues signalisieren! * Wir stehen in den Anfängen der Verwirklichung unserer Idee, nur allmählich können wir uns in die von Grund auf veränderte Situation finden, nur allmählich gewinnen wir den Kontakt mit jener Wirklichkeit, die wir gestalten wollen. Der Zionismus wendet sich heute, bereichert durch Erfahrungen, aber mit ungebrochenem Willen und Glauben, neuen Aufgaben zu. Das Manifest der Exekutive erinnert in würdiger Weise die Zionisten an ihre Pflichten. Zu Beginn des neuen Arbeitsjahres ist dies ein gutes Wort. Denn wenn nicht jeder einzelne Zionist das Seine beiträgt, wenn nicht die heute vorhandenen Anzeichen eines neuen zionistischen Optimismus sich zu Taten verdichten, dann stehen wir vor der Gefahr, daß unser Werk in Palästina wieder nicht vorwärtskommt und die alten Nöte unsere verantwortlichen Organe lahmlegen. Nur durch das Bewußtsein stetigen Wachstums aber kann der zionistische Geist erneuert werden. Dieses zu bewerkstelligen, ist die gemeinsame Aufgabe der Zionisten aller Parteischattierungen und aller Länder, und dieser Entschluß soll am Anfang des Arbeitsjahres stehen. R. W. Die nenen Zertifikate Wir haben bereits gemeldet, daß die Zionistische Palästina- Exekutive sich an die Regierung mit dem Ersuchen gewandt hat, ihr 1200 Zertifikate für Einwanderer zur Verfügung zu stellen. Davon sind 200 für politische Flüchtlinge aus Rußland bestimmt und 1000 sollen den Cha 1 uz- Organisationen der verschiedenen Länder zur Vertugung gestellt werden. Die Exekutive ist nach eingehender Prüfung der Sachläge zu dem Resultat gekommen, daß für diese neuen Ein- Wanderer Arbeitsmöglichkeit im Lande vorhanden ist. In der Sitzung, die der Frage gewidmet war, wurde (den palästinensischen Zeitungen gemäß) folgende Berechnung angesfeilt: Die in der nächsten Zeit zur Bepflanzung zur Verfügungstehende Bodenfläche beträgt 10000 Dunam. Diese Arbeit wird 1000 Arbeiter beschäftigen. Außerdem besteht die Möglichkeit, 300 Mädchen teils bei den neuen Arbeitern, teils in den bestehenden Siedlungen zu beschäftigen. Ferner zeigte sich die Notwendigkeit, für etwa 150 Verwandte einer bestimmten Kategorie Einreiseerlaubnisse zu erhalten. Und schließlich kommen hinzu noch 50 Plätze für Professionalisten. Dies beträgt zusammen 1500 Zertifikate. Die Exekutive hat jedoch berücksichtigt, daß bei den Pfianzungsarbeiten ein bestimmter Prozentsatz der Arbeit von den Siedlern selbst ausgeführt werden wird. Man schätzt die dadurch nötige Verminderung auf 200 Mann. Außerdem wird es nötig sein, 200 städtische Arbeiter ins Dorf zu überführen, und schließlich werden etwa 100 von den politischen Flüchtlingen aus Rußland bei den Pflanzungsarbeiten untergebracht werden müssen. Daher beschloß man, die errechnete Zahl von 1500 um diese 500 zu reduzieren und von der Rcgierung 1000 Zertifikate zu fordern, abgesehen von den bereits früher angeforderten 200 Zertifikaten für die russischen Flüchtlinge. Me iSdischen Arbeiter bei Luke A’ der Luke ein Memorandum, worin sie folgende Forderungen stellte: Beschäftigung jüdischer Arbeiter durch die Mumzipalitäten, wobei sie darauf liinwies, daß, obwohl die 48 000 Juden Jerusalems zwei Drittel der Gesamtbevölkerung der Stadt bilden, bei den von der Stadtverwaltung vergebenen Arbeiten nur 10 0/0 Juden beschäftigt sind; Vornahme von öffentlichen Arbeiten durch das Regierungsdepartement und Sicherung der Beschäftigung von Juden bei den Hafenbauarbeiten in Haifa. Schließlich forderten die Arbeitervertreter die Zulassung neuer jüdischer Einwanderung durch Bewilligung der von der Palästina-Exekutive angeforderten 1000 Zertifikate.

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