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Jüdische Rundschau · 1928-09-13 · Heft 72-73 (13.9.1928) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 72-73 (13.9.1928)
Date
1928-09-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 516 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 72/73, 13. IX. 1928 Literatur 'Blait Ein grofjcs Buch (Zum Erscheinen des 4. Bandes von A. D. Oordons Schriften.) Die Partei Hnpoel-Hazair hat nicht nur ein Werk treuer Pietät vollbracht, indem sie die sämtlichen, gedruckten und!ingedruckten Schriften A. D. Oordons sammelte und herausgab, sie hat die hebräische Literatur um ein Werk von großen menschlichen Dimensionen bereichert. Nicht daß cs ein Werk der philosophischen Konzeption und Abstraktion wäre. Die Aufsätze, die in dem eben erschienenen vierten Bande gesammelt sind, tragen so anspruchslose Titel wie ״Die landvvirtschaftliehe Konferenz“ oder ״Das Hebräischsprechen“, aber es ist das Einzigartige an Oordon, daß er das Nächste mit dem Fernsten, das Kleine mit dem Großen verbindet. Während die meisten von uns entweder in der Kleinheit unseres Parteilebens versinken oder sich von ihm abwenden, bringt es Qordon fertig, mit ruhiger Sclbstverständlichkeit von der letzten Sitzung des Landwirtschaftliehen Ausschusses auszugehen und mit der ״Erneuerung des Menschen“ oder der ״kosmischen Verwurzelung des Individuums“ zu enden. Und das eine ist ihm so wichtig oder so vertraut wie das andere. Dieser Band ist vor allem der Frage der Legion gewidmet und die Aufsätze, die er enthält, sind hier zum ersten Male veröffentlicht. Auch hier nimmt Gordon seine Stellung aus letzten seelischen und kosmischen Gründen heraus. Er begnügt sich nicht damit, festzustellen, daß ״diese Begeisterung für Kampf und Blutvergießen im vollständigen Gegensatz zu unseren nationalen und mensehheitüclien Idealen und zu unserer Arbeit in Palästina steht“, daß diese ganze Bewegung nur zeige, wie leicht wir geneigt sind, ״uns und unsere Bestrebungen zu vergessen und zu verraten, wenn andere uns auch nur zulächeln“. Er begnügt sich auch nicht damit, zu schreiben: ״Ich dachte in meiner Einfalt, daß wir danach streben, ein ehrliches Mensch-Volk zu schaffen (״Am-Adam“, Qordon’s Lieblingswort), ein Volk, das verantwortlich ist für alles, wofür ein Einzelner verantwortlich ist, ein Volk, das nicht aufgebaut werden will durch die Zerstörung anderer Völker, ein Volk, auf dessen Fahne nicht geschrieben steht: ״In Blut und Feuer wird Juda auferstehen“ (Wahlspruch der Wächter- Organisation ״Haschomer“), sondern: ״Ein Volk wird nicht wider das andere das Schwert erheben.“ Kann denn ein einzelner Mensch noch Mensch sein, solange sein Volk ein wildes Tier ist? Liegt nicht darin, daß man dem Volke erlaubt hat, ein wildes Tier zu sein, die Quelle aller Widersprüche, aller Lügen und Häßlichkeiten des gesellschaftlichen Lebens? Ich dachte, wir suchten in Palästina neue Wege, um uns und unser Leben zu erneuern . . — Gordon begnügt sich nicht mit dieser ersten Abwehr. Er gräbt tiefer. Woher, fragt er sich, diese begeisternde Kraft des Militarismus, der auch wir uns nicht zu entziehen vermochten? Aron David Gordon Seine Antwort ist: Hypnose. Er bemerkt, was vor ihm Gustav Landauer so oft betont hatte, daß die Herrschenden in unserer Gesellschaft selbst ganz ohnmächtig sind, wenn ihnen nicht die Beherrschten ihre Arme leihen. Er sieht, daß diese Faust, welche herrscht, ״nur eine tote mechanische Hand“ ist, ״und alles, was sie verderbend wirken will, nur durch die Kraft der Hände jener vollführt, die zu verderben sie beschlossen hat. Es bedarf nur eines Winkes von Seite der Herrsehenden und Tausende von Händen sind bereit, ausführendes Organ zu sein — ihres eigenen Verderbens. Das ist die Kraft der Hypnose. Warum aber vermag der Herrschende den Beherrschten zu hypnotisieren? Weil diese Beherrschten selbst erfüllt sind von dem Streben nach Herrschaft. Sie verehren die Faust, wenn auch unter Haß und Zähneknirschen, weil in der Tiefe seines Herzens jeder einzelne von ihnen selbst eine Faust sein möchte, und wenn er schon sein Ziel nicht erreicht hat, verehrt er denjenigen, dem es glückte. So ist also das Streben nach Herrschaft Ursache aller Schwäche der Beherrschten und macht sie zu guten Medien der Stiggestion. Hier also gilt es anzugreifen, will man die wirkliche Befreiung der Menschen. Es nützt nicht Klassenkampf zu predigen, denn das ist nur Ersetzung einer Herrschaft durch die andere. Das ist nicht Befreiung. Es gilt, den verborgenen Imperialism u s aus seinen Winkeln auszuspüren, den geistigen, verkappten, den Imperialismus der Partei, der Zeitung, der öffentlichen Meinung. Es gilt, die Un mittelb a r k e i t der Einstellung zum Leben wieder zu bringen. Nur dies kann der Sinn der Erziehung sein: den Menschen auf sich selbst zu stellen, ihn ״zu befreien von dein geistigen Imperialismus und Kapitalisinus, von der gesellschaftlichen und persönlichen Hypnose, ihn — jenseits der Herrschaft des geistigen und körperlichen ,Kapitals‘, das unterwirft und knechtet — dem Leben des Kosmos zu öffnen, dieser Quelle, die jedem Menschen offenstellt, die bereit ist, jeden Mensehen zu speisen und zu bereichern, in jenem Maße, als er bereit ist, ,aus ihr zu schöpfen. Alle Erlösung also bedeutet: den Menschen zu jenem Stande zu erheben, wo er, als Einzelner und als Volksgenosse, selbständig lebt, handelt und schafft.“ Gordon sah die großen Vorteile, welche in diesem Betracht unsere Wurzellosigkeit uns bietet: die Freiheit von der Suggestion ist ihr ״einziger Nutzen“. Um so mehr bedauert er es, daß wir die Vorteile dieser Lage nicht auszunutzen verstanden haben, daß wir im Kriege der allgemeinen Suggestion nicht Widerstand geleistet haben, und wenigstens als Volk bis zum Schlüsse neutral geblieben sind, ״ein lebendiger und vollständiger, wenn auch passiver und stummer Protest gegen allen Schmutz des Krieges und der Politik“. Um diese ungeheuere moralische Chance hat uns die Legionsbewegung gebracht. Das Große an Gordons, des Arbeiters, Stellung ist sein Protest gegen die Hypnose des Partei- I e b e n s und des Klassenbewußtseins. Man lese die wundervolle Schilderung seiner ״Ausflüge zu den Straßenbauten“. Sie sind auch rein erzählerisch überaus reizvoll, vielleicht das lebendigste Bild, das uns aus der Zeit der dritten Ali/ah und der Straßenbauten in Nord- Palästina geblieben ist. Wie da Gordon die Diskussionen an den Abenden schildert, wie er aus den Reden der Debatter die Parteihypnose heraushört, wie er mit feinem Ohre zu unterscheiden weiß zwischen jedem Worte, das CHER AUTORE DESYERLAGES LAMBERT SCHNEIDER IN BERLIN-DAHLEM DIE SCHRIFT zu verdeutschen unternommen von MARTIN BUBER und FRANZ ROSENZWEIG ¥ Em-clne Bände: Das Buch ,Im Anfang־' Pappe 4.— Leinen... 6.— Pergament .. 10.- Das Buch .Namen‘... Pappe 4.— 6.— Pergament . 10.— Das Buch .1fr rie!‘ ... Pappe 4. Leinen. 6.— Pergament... 10,— Das Buch,InderWüste‘ Pappe 4.— Leinen. 6.— Pergament... 10.- Das Buch ,Reden־ ... Pappe 4.- Leinen. 6.- Pergament. 10.- Das Buch ,Jehoschua‘ Pappe 4.- Leinen. 6.- Pergament. 10.- Das Buch .Richter‘ .. Pappe 4.— Leinen. 6.— Pergament. 10.— Das Buch ,Schmuei‘.. Pappe 5.— Leinen. 7.— Pergament. 12.- Im Herbst 1g28 erscheint: Das Buch ,Könige‘ .. Pappe 5.— Leinen. 7.— Pergament.12.— Subskription: SUBSKRIBENTEN auf das ganfeWerk Pappe je 4.— erhalten die Bände Leinen je 6.— fum Einheitspreis Pergt. je 10.— DIE FÜNF BÜCHER DER WER SUNG. (Schritt Bd. 1-V) ln Kassette Pappe .... 20.— Leinen ... 30.— Pergament 50 — MARTIN BUBER: Reden Uber das Judentum bifcsch. 2.50 geb. 3.50 MARTIN BUBER: Rede Uber das Erzieherische brosch, 2.— AUS UNBEKANNTEN SCHRIF- TEN. Eestgabe für Martin Buber zum 50. Geburtstag.Leinen 7.— LEO CHESTOW: Dostojewski und Nietzsche geb. 5.- LEO CHESTOW: Tolstoi und Nietzsche.. geb. 5.— MARTIN BUBER ¥ LEO CHESTOW ¥ HERRMANN HERRIGEL * EUGEN ROSENSTOCK ¥ FRANZ ROSENZWEIG ¥ WALTER STRICH ¥ JOSEF W1TTIG HERRMANN HERRIGEL: Das neue Denken ... brosch. 5.— Leinen 7.50 FRED NEUMEYER: Ausrast und Wanderschaft. Gedichte.brosch. 2.50 Halbleder 3.50 HANS ROSENFELD: Glaube und Weltanschauung als Grundlagen europäischer Kulturentwicklung.brosch. 2.25 EUGEN ROSENSTOCK UND JOSEF WITTIG: Das Alter der Kirche. Kapitel und Akten. 3 Bände brosch. 32.— Leinen 40.— EUGEN ROSENSTOCK: Religio depopulata. Zur Achtung Josef Wittigs . brosch. 2.50 EUGEN ROSENSTOCK: Industrievolk. brosch. 1.— EUGEN ROSENSTOCK: Abbau der politischen Lüge brosch- 1.— FRANZ ROSENZWEIG: Die Schrift und Luther brosch- 1.50 FRANZ ROSENZWEIG: Jehuda Halevi. 92 Hymnen und Gedichte. Deutsch . Leinen 15.— Leder 30.— LUDWIG STRAUSS: Ruf aus der Zeit . brosch. —.50 DIE AKTEN UND THEOLÜ- GISCH-KANONISTISCHES GUTACHTEN ZUM SCHRIFT- TUM JOSEF WITTIGS brosch. 7.50 DIE KREATUR. Fline Zeitschrift viermal im Jahr erscheinend. Herausgegeben von Martin Buber, Joset W'ittig und Viktor von Weizsäcker. Jahrgang I.geb. 14.— Jahrgang II.geb. 14.— Einzelheft... 3.50 Jm Jahresbezug jedes Heft 3.— Gegen Einsendung von 50 Pfennig Porto werden Probehefte kostenlos versandt.

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