Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 72-73 (13.9.1928)
- Date
- 1928-09-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 72/73, 13. IX. 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 515 wir Juden hier berufen sind, in der politischen Sphäre uns zu bewähren. In dieser Sphäre, so wie sie heute ist, vergiftet durch materialistisches und imperialistisches Denken, sich zu bewegen, ist schwer. Mit realem Denken kommt mau wohl eine Strecke, aber nicht ans Ziel. Selbst eine Macht wie England kann uns nur vorwärts, aber nicht ans Ende schieben; wir dürfen immer nur mit der Macht rechnen, die wir in uns und durch uns selbst repräsentieren. Eine Macht aber werden wir durch die sittliche Kraft unserer Idee. Wenn es die politische Gerechtigkeit nicht verlangt, müßte es die Klugheit verlangen, daß man für sich nicht mehr im Lande fordert als der Macht entspricht, die man darstellt, und die Sicherung der für die jüdische Entwicklung notwendigen Rechte. Und noch ein Wort an die Jugend. Wenn sich heute, wie wir lasen, eine zionistisch-sozialistische Jugend als dritte Generation des Zionismus auftut, so wird ihre Kraft davon abhängen, ob sie die jüdische Wahrheit sich ganz zu eigen gemacht hat, daß im Gesamtstrom des Weltgeschehens keine Politik von Dauer sein kann, die jenes Zuschusses an moralischer Verantwortlichkeit und seelischem Feingefühl entbehrt, der allein die Gerechtigkeit im politischen Leben zu begründen vermag. Nur eine Politik, die den Menschen als sittliches Wesen nicht verleugnet, kann zum Frieden führen. Erkennt unsere dritte Generation diese Wahrheit nicht, so müßte man warten, bis man von der dritten an die vierte appellieren kann, daß diese lerne, wieder vom Menschen auszugehen, der lebendiger ist als alle Theorie und stärker als alle Organisation. Die Durchführung des Budgets Eine Erklärung der Palästina - Exekutive In Nr. 69 der ״J. fl." hat unser palästinensischer Korrespondent die Schwierigkeiten geschildert, die sich der Durchführung des Palästina-Budgets in der vom A.-t.l. beschlossenen Fassung entgegenstellen. Die Palästina-Exekutive veröffentlicht nun zu diesem Punkt die folgende Erklärung: Die Finanzlage der Zionistischen Exekutive Palästinas hat, sowohl was die erwarteten Einkünfte betrifft, als auch hinsichtlich der Ausgaben, die im Jahre 5689 zu machen sind, eine Verschlechterung erfahren; sogar in dem kurzen Zeitraum seit der Berliner Tagung des Aktions-Comitds ist eine Verminderung der Eingänge zu verzeichnen. Wie in früheren Jahren, ist es auch heute die Pflicht der Exekutive, sich bei Beschlußfassungen über notwendige Ausgaben nicht blindlings an das formell ängenommene Budget zu klammern, sondern ihre Entschlüsse auf Grund einer zuverlässigen Schätzung der in sicherer Aussicht stehenden Einnahmen zu fassen. Die Exekutive hat sich demgemäß an den Keren Hajessod mit einer Anfrage über die Aussichten der Eingänge für das kommende Janr gewandt; das Hauptbüro hat im Namen des Direktoriums die Auskunft erteilt, daß, wie die Sachlage heute ist, kein Grund besteht, eine über die ursprüngliche Schätzung hinausgehejtde Einnähme des Keren Hajessod für das Jahr 5689 zu erwarten. Die Exekutive steht nun wieder — wie in der Vergangenheit öfter — vor der Notwendigkeit, ein Arbeitsbudget festzusetzen, das beträchtlich niedriger ist als das von dem Aktions- Comltd angenommene. Es erhebt sich nun die Frage, wie man die notwendig gewordenen Einschränkungen der Ausgaben vornehmen könne. Es wurde der Vorschlag gemacht, einen mechanischen Schnitt durch alle Budgetposten zu machen, In der Weise, daß alle in einem bestimmten Verhäitnis verkleinert werden sollen. Mechanisch kann man aber ein Budget nicht behandeln; von gewissen Posten ließen sich Abstreichungen nicht vornehmen, ohne daß später doch ein Defizit sich ergibt. Wenn also heute die Exekutive annähernd auf den Budgetvorschlag zurückkommt, den sie der Berliner A.-C.-Tagung unterbreitet hatte, so ist dies keineswegs dadurch zu erklären, daß die Exekutive justament an ihrem Vorschlag sich klammem und sich dem A.-C.-Beschluß nicht unterwerfen wolle, sondern diese Haltung ergibt sich aus der Tatsache, daß das heute sich bietende Bild der Keren Hajessod-Einnahinen der früheren Schätzung gleich ist, die der Aufstellung des Budgetvorschlags der Exekutive zugründe lag. Es wird jedocli anerkannt, daß mit Bezug auf einen Posten des ursprünglich von der Exekutive vorgeschlagenen Budgets eine neue Lösung gefunden werden müsse: den Posten des Kulturkomitees (Waadath hatarbuth) der Jüdischen Arbeiterföderation (Histadruth). Das Kulturkomitee ist in einem sehr hohen Maße von direkten Zuschüssen aus Zionistischen Fonds abhängig; ohne solche Zuschüsse ist dessen ganze Arbeit gefährdet. Die Exekutive hat demgemäß beschlossen, 2500 Pfund dem Kulturkomitee der Allgemeinen Arbeiterföderation, ebenso im Verhältnis Zuschüsse für die Kulturkomitees der Misrachi-Arbciter und der jemenitischen Arbeiterorganisation zu bewilligen. Diese Zuschüsse stehen außerhalb der 1200 Piund, die vom Aktions-Comite zur Deckung des Defizits des Kulturkomitees der allgemeinen Arbeiterföderation bewilligt worden sind. Als das Aktlons-Comitd ein Budget annahm, das um 42 000 Pfund höher war als das von der Exekutive auf Grund der Schätzung der Keren Hajessod-Einkiinfte ursprünglich aufgestelite, fand die Exekutive cs für nötig, die folgende Erklärung abzugeben: ״Die Exekutive spricht die Hoffnung aus, daß es den vereinigten Anstrengungen der Mitglieder des Aktions- Comitds und der Keren Hajessod-Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit der Exekutive gelingen wird, die Einkünfte zu erhöhen. Die Exekutive wird die vom A.-C. vorgenommene Erhöhung des Budgets nur soweit verwirklichen, als die Einkünfte es erlauben werden.“ Meute sieht sich die Exekutive durch die Macht der Tat- Sachen gezwungen, demgemäß zu verfahren. Sie hegt aber noch immer das Vertrauen, daß alle Mitglieder des Aktions- Comitös, alle Telle des Jischuw in Erez-lsrael und die Keren Hajessod-Arbelter überall sich mit ihr in dem Bemühen vereinigen werden, ein Arbeitsbudget wieder herzustellen, daß die vom A.-C. ausgesprochenen Wünsche voll zu befriedigen in der Lage wäre. Heute glaubt die Exekutive in der außerordentlich schweren Aufgabe, der sic angesichts der gegenwärtigen finanziellen Lage gegenübersteht, das Recht zu haben, die Unter- Stützung aller Zionisten zu fordern. Die Konlereoz der Marsball-Groppe Wie die J. T. A. mitteilt, wird die unparteiische Palästina- Konferenz der Vereinigten Staaten, die von Louis MarshaU im Zusammenhang mit der Erweiterung der Jewish Agency einberufen wird, am 20. Oktober zusammentreten. Louis Marshall wird schon in den nächsten Tagen den Einberufungsappell erlassen. Es wird erwartet, daß Dr. Weizmann der Konferenz beiwohnen wird. Weizmanns and Sachers Amerika-Reise London, 5. September, (j. T. A.) Harry Sacher begibt sich in diesen Tagen an Bord der ״Mauratania“ nach den Vereinigten Staaten, um die Vorverhandlungen mit der Gruppe der Nichtzionisten über die Erweiterung der Jewish Agency zu führen. Prof. Weizmann wird zum Zwecke des Abschlusses dieser Verhandlungen Anfang Oktober eine Reise nach Amerika anlreten. Die Finanz* aud Budgetpolitik der Palästina •Regierung Jerusalem, 7. September. (J.T.A.) Der stellvertretende Oberkommissar Herr Luke empfing die Vertreter der Presse und machte ihnen die folgenden Mitteilungen über die Finanz- und Budgetiage der Regierung Palästinas: Die Regierung Palästinas hat für das Jahr 1929 betrachtliehe Ersparnisse in ihren laufenden Ausgaben ins Auge gefaßt, in Anbetracht der Verminderung der Einkünfte werden Beschneidungen der Budgetteile gemacht werden müssen. Davon sollen aber die vitalen Notwendigkeiten des öffentliehen Dienstes nicht betroffen werden. Wegen der Not- Wendigkeit, Ersparnisse zu machen, mußte der Plan der Verlegung des Eisenbahn-Knotenpunktes von Ludd nach Jaffa fallen gelassen werden. Die Einsammlung der Z e h e n t s t e u e r in den von der Dürre betroffenen Landgebieten ist verschoben worden, die Regierung gewährt den Landwirten in diesen notleidenden Gebieten Darlehen in der Form von Saatgut-Verteilung. Das Zoll-Abkommen zwischen Palästina und Syrien wird einer Revision unterzogen werden nach der Richtung hin, bessere Bedingungen zu erlangen für den Handel in Artikeln, die in Palästina hergestellt werden. Der Piantagenbau in Palästina Jerusalem, 7. September. (J. T. A.) Die Herren P o 1 i - kansky, Yaffe und andere jüdische Kapitalisten aus Südafrika erwarben in der Nähe der Kolonie Nes Ziona ein Bodenareal im Umfange von 900 Dunam. Die Gesellschaft hat bereits mit der Anlage von Plantagen begonnen. Herr Yaffe gründete ferner eine Gesellschaft, die eine große Konservierungsanlage mit Kühlspeichern schaffen wird. Die Gesellschaft investiert in diesem Geschäft 35 000 Pfund. Eine von den Herren Gordon, Loshak und Stolbov geführte Londoner Gruppe beschloß die Investierung von 80000 Pfund in neuen Plantagen. Die Gruppe erwarb bereits in der Nähe von Rechowoth 900 Dunam Boden. Kleine Nadiriditen Wie die Zionistische Organisation mitteilt, hat Lord M e 1 c h e 11 (Sir Alfred Mond), der Präsident der englischen zionistischen Föderation, die diesjährige Keren Hajessod- Aktion der englischen Zionisten mit einer persönlichen Spende von £ 1000 eingeleitet. Am 9. September hielt im Anschluß an den 33. Delegiertentag des schweizerischen Zionistenverbandes Nahum S o k o 1 o w auf einer großen zionistischen Kundgebung in Zürich einen Vorfrag: ,,Erez-lsrael als Werk des ganzen Judentums.“ Wie mitgeteilt wird, soll mit dem Bau des archäologischen Museums in Jerusalem zu Beginn 1929 angefangen werden. Die Kosten des Baus sind mit £ 190 OCX) veranschlagt. Bau und Einrichtnug des Museums sind durch eine Spende Rockefeilers ermöglicht worden. Das Erziehungs-Department der Zionistischen Palästina- Exekutive hat Dr. L u r i e zum Inspektor über alle dem Department unterstehenden Volksschulen im Kreise von Jerusalem und die Mittelschulen im ganzen Lande und Dr. Rieger zum Inspektor über die Volkshochschulen im Kreise Haifa und Ober- und Untergaliläa ernannt. (Ziko.) Das Deutsche Archäologische Institut zu Berlin ernannte Dr. Weiter, den I.eiter der Ausgrabungen in Nablus, zu ihrem Bevollmächtigten in Palästina und beauffragte ihn mit der Wahrnehmung der deutschen archäologischen Interessen in diesem Lande. Die Pica hat die Anlegung einer neuen jüdischen Siedlung in Rabia bei Chedera beschlossen. Am 15. September beginnt eine von einer Automobilsportgruppe veranstaltete Autotour von Jerusalem nach Paris. Eine Gruppe deutscher Studenten, die die bekanntesten Flüsse der Welt mit Faltbooten durchfährt, ist in J e r u s a 1 e m eingetroffen. Die Groppe will den Jordanlauf mit den Faltbooten zurücklegen, um sich dann zu gleichem Beginnen nach dem Euphrat zu begeben. Die Sowietregierung bestätigte die Statuten der neugegründeten jüdischen wissenschaftlichen Gesellschaft, die die Erforschung der jüdischen Geschichte, Literatur und Sprache zum Ziele hat. Die dritte Weltkonferenz der revisionistischen Union soll am 25. bis 30. Dezember stattfinden. Jerusalem, 1. September. (J. T. A.) Die palästinensische Versicherungsgesellschaft ״Judca Insurance Company“ hat Wladimir Jabotinsky den Posten eines Geschäftsführenden Direktors angeboten. Prof. David Davidson, das letzte noch lebende Mitglied der ersten Fakultät des Hebrew Union College, beging am 28. August seinen SO. Geburtstag. Folgen der Frankfurter Rabbinerwahl. Rechtsanwalt Dr. Isaac B re u c r ־ Frankfurt a. M. hat seine sämtlichen Aemter in der Agudas Jisroel niedergelegt. Er ist also aus dem Geschäftsführenden Ausschuß der Agudas Jisroel sowie aus der Leitung der Palästinazentrale der A. J. ausgeschieden. Wegen der Feiertage erscheint die nächste Doppelnumxner der ״Jüdischen Rundschau“ am Freitag, den 21. dieses Monats. Jugendtreffen in Brieselang In der Zeitschrift ״Der Morgen“ behauptete jüngst ein jugendlicher Mitarbeiter, daß die jüdische Jugendbewegung mit Ausnahme seines Verbandes und noch einer Organisation schon seit einiger Zeit gestorben sei. Um die Behauptung nachruprüfen, müßte inan, sofern man sich weiter nur literarisch auseinandersetzen wollte, das Wesen der Jugendbewegung untersuchen, ihren ״Verfall“ gegenüber ״unserer“ Zeit bedauernd feststellen usw. u$v. (folgen 20 Zeilen über das Wesen der Jugendbewegung). * Wer jedoch sozusagen ans dem Leben seine Informationen holen wollte, konnte am vorigen Sonntag in Brieselang eines besseren belehrt werden. Brieselang ist die ideologische Jugendherberge Berlins. Jede neue Spaltung innerhalb der Jugendbewegung, aber auch jede Zusammenfassung wird in Brieselang vollzogen. Bei Brieselang gibt es ein großes ״Jugendland“, das von dem Landkreise und der Stadt Berlin unterhalten wird, und das fast an jedem Sonntage von einer großen Zahl von Jugendlichen aufgesucht wird. An diesem Sonntag waren es über 1200, die alle jüdischen Bünden angehörten/ die im Landesausschuß Berlin der jüdischen Jugendverbände zusammengeschlossen sind. Die bunte Kluft der Jungen und Mädchen, ein großer Teil schon fast uniformiert und in straffster Zucht, die Farben der Wiese und der Bäume rings herum und schließlich einer der schönsten Sonnentage wirkten zusammen. Es bedürfte daher gar nicht mehr besonders vieler Dinge, um den Tag schön werden zu lassen. Es ist ja ein eigentümliches Geheimnis, daß wenn eine so große Zahl bunt gekleideter junger Menschen sich nur um einen Platz lagert, es schön wirkt. Um wieviel mehr noch, wenn ein von allen gemeinsam ausgearbeitetes Programm einigermaßen richtig abgewickelt wird, * Man hatte zuerst einen ״Polizeipräsidenten“ gewählt, der brauchte aber gar nicht in Funktion zu treten. Zuerst sammelten sich ״Presse und Pressephotographen“ um die sportlichen Wettkämpfe. Unter allgemeiner Spannung nahmen die Zuschauer um die in eine Rennbahn verwandelte Chaussee — jeglicher Verkehr auf ihr wurde dadurch unterbunden — Aufstellung, dann rasten die Pcndelstaffetten los. Ermunternde Zurufe aus der Zuschauermenge: ״Zieh Kamerad!“ Bei jedem Ereignis wurde geklatscht, um den Eindruck der sportlichen Hochspannung zu erzeugen. Kein Bund mehr war prinzipiell von der körperlichen Betätigung ausgeschlossen. Selbst die orthodoxen Bünde beteiligten sich. Die Esräer mit Baskenmützen, eigenst für diese Kämpfe ausgerüsfet, sausten über die Strecke. Ungeheuer verbissene Gesichter, jetzt sogar ein Esräer in Front. Begeisterte Zurufe seiner Anhänger. Da — vergißt er plötzlich den Staffettenstab zu übergeben, andere behaupten, er hätte die Mütze verloren, und wie aus der Pistole geschossen schießt ein Junge des Kadimah in Front und gewinnt für seinen Bund — den Wanderpreis des ״Berliner Tageblatts“. Wohl mancher berat, ob man einen Protest anmelden soll. Auf einem eine halbe Stunde von dem Jugendland entfernten Sportplatz wird dann das Entscheidungsspiel im Handball ausgetragen. Kaum jemand hatte es sich trotz der brennenden Mittagssonne nehmen lassen.... Jung-jüdischer Wanderbund und Kadimah stehen sich gegenüber; eine Zeitlang geht das Spiel ohne besondere Ereignisse vor sich, die Torsteher folgen lächelnd der Schußbahn der Bälle, die hoch über die Torlatten hinausfliegen. Endlich, in der ...zigsten Minute das erste Tor für Kadimah, bald darauf ein zweites. Dann Halbzeit. Erbittert ziehen die J. J. W. B.er ihre Kittel aus und spielen nunmehr, wie der Kaaimah in der ersten Halbzeit, mit bloßer Brust. Das wirkt. Nach kurzer Zelt das erste Tor für den J. J. W. 8. Aber der Kadimah hat für die Proklamierong seiner Erfolge eigens einen Sprechchor organisiert. Der verkündet ״lautsprecherisch“ jedes Tor und kann zum Schluß den Sieg mit 4:2 kundtun; der J. J. W. B. kann einen ״Achtungserfolg“ für sich buchen. * Zurück zum zeltumstandenen Lagerplatz. Am Abend vorher hatte hier schon eine Vorfeier mit all ihren Vorfreuden: Lagerfeuer, Sprechchor und gemeinsamem Singen stattgefunden. Jetzt erfolgt hier, nachdem die Bünde sich wieder im Viereck gesammelt und hingesetzt haben, die Preisverteihmg. Wieder hat das Schicksal seine Hand im Spiele und verteilt ״ohne Wahl die Gaben“: die Kameraden gewinnen den Theodor Herzl-Preis der Z. V. f. D., die Deutsch-jüdische Jugendgemeinschaft erhält als Wanderpreis und doch zum Studium Nordaus gesammelte Schriften. Der Kadimah erhält — außer anderen Preisen — die parteipolitisch neutrale Menorah der Jüdischen Gemeinde Berlin, zwar aus schwerem Silber, jedoch neutral. * Darauf beginnt die Singerast. Die Bünde singen nach dem Alphabet: zuerst beginnt die Deutsch-jüdische Jugendgemeinschaft, es endet der Wanderbund Kameraden. Dazwischen Ui, J. J. W. B. und Kadimah. Hier siegt — ohne daß es dafür Preise gibt — der J. J. W. B. Das Lied von Engel ״Dindan“ ergreift alle Anwesenden und wird als Ausdruck des Lebenszieles dieser Menschen empfunden. Die Nachmittagssonne tut das ihrige, um einen Augenblick lang etwas wie eine religiöse Weihe über den versammelten 1200 Menschen entstehen zu lassen, ln die darauf beginnende hebräisch gesungene Internationale donnert ein Eisenbahnzug. * Bei einem solchen Jugendtreffen zeigt eigentlich jeder Bund, was er im Gegensatz zu den anderen kann, und doch gibt es Augenblicke, wo alle zusammengehören. Dem Reporter wurde versichert, daß bei der Rückfahrt nicht alle Teilnehmer in dem eigens eingelegten Extrazug Platz finden konnten. So viele waren da. L u b s. Kongreßpolen lür den Keren Kaiemeth Warschau, 9. September (J. T. A.) Anläßlich des Besuches der Keren Kajemeth-Delegation in Polen, an der Bistritzki, Harzfeld, Bonfeld, Esrachi, Rabbi Schapiro und zeitweilig auch Rabbi Meir Berlin, teilnehmen, fand in Warschau unter anderem auch eine Konferenz der Keren Kaiemeth-Kommissare in allen größeren Städten Polens statt, um die Erklärung der Delegierten entgegenzunehmen und einen genauen Arbeitsplan für das kommende Jahr auszuarbeiten. Nach Anhörung der Reden wurde der Beschluß gefaßt, die Keren Kajemcth-Eingänge im Jahre 5689 zu verdreifachen und sich zur Aufbringung von 150 000 Dollar zu verpflichten. An einem Massen-Meeting, auf dem die Erez- Israel-Delegierten sprachen, nahmen mehr als 5000 Personen teil. Eine Konferenz für Sabbat-Schutz. Soeben wurde in Tel- A w i w eine allpalästinensische Konferenz für Sabbat-Schutz eröffnet. Es nehmen an derselben 40 Delegierte aus Tel-Awiw und 25 Delegierte aus den Kolonien teil. Der ehemalige Bürgermeister von Tel-Awiw, Dizengoff, schlug die Gründung einer allpalästinensischen Gesellschaft von Laien zum Schutze des Sabbat vor. Die Gesellschaft soll dafür eintreten, daß der Sabbat als streng offizieller Ruhetag der Juden und der jüdischen Orte Palästinas in noch erhöhtem Maße als bisher Geltung erlangen solL