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Jüdische Rundschau · 1928-09-13 · Heft 72-73 (13.9.1928) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 72-73 (13.9.1928)
Date
1928-09-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 514 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 72/73, 13. IX. 1928 Politisches Neujahr Von Emil Bernhard -Cohn. Es hilft nichts: Religion und Volk, und damit auch Politik und Moral sind im Judentum so ineinander vor* schlungen, daß die hohen und heiligen Tage, die jetzt nahen, selbst einem politischen Blatte aufgeben, sich er* neut an den uralten Maßstäben Israels zu messen und sich wieder einmal zu orientieren an den letzten Gedanken der Religion und Moral. Der Primat des Judentums über der Judenheit steht außer Zweifel, und selbst der verbissenste Nationalist wird sich nicht dagegen wehren, wenn ihm mit den Schofartönen des ersten Tischri die Bestätigung und Rechtfertigung seines Wesens herübertönt. Zedakah, Gerechtigkeit, ist der Ruf des Tages, und wenn diese Gerechtigkeit auch ursprünglich als soziale Gerechtigkeit dem Quell unserer Thora entsprang, kann sie doch für das neue Werden unseres Volkes auf der allen Erde auch als politische Gerechtigkeit zur Geltung kommen. Darum soll die Mahnung zu gerechter Politik am heutigen Tage allen Wohlgesinnten Gruß und Glückwünsch sein. Man braucht nicht lange hinzuschauen, um das ironische Lächeln jener Tagespolitiker zu bemerken, die jede Verbindnug von Politik und Moral, und nun gar von Politik und Religion, als phantastisch abzutun belieben, und die heute mehr auf Lenin als auf die Thora schwören. Dennoch glaube ich, daß die Rolle der Juden selbst in der neuesten Geschichte ihr tausendjähriges Erbe nicht verleugnen kann. Sie haben immer nach der Gerechtigkeit gerufen, nicht bloß im eigenen, sondern auch im fremden Lager, und sollten — zumal am Neujahrstage — nicht vergessen, daß das schon ein ganz alter jüdischer Ruf gewesen ist. Wenn man heute als ein Sozialist die Blätter der Thora befragt, so tönt einem zwar der Ruf nach der sozialen Gerechtigkeit unaufhörlich entgegen, aber in so modifizierter Form, daß der eingefleischte Marxist eine materialistische Gänsehaut kriegt: ״Denn der Arme wird nicht schwinden aus dem Lande!“ Mit diesem Bekenntnis beginnt und endet für unsere Bibel alle soziale Gerechtigkeit, auf diesem Fundament hat die Thora ihren sozialen Bau vom Recht und Frieden auf Erden errichtet. Man braucht nicht erst in Moskau anzufragen, ob diese Auffassung erlaubt, ob sie sozialistisch sei. Sie war und ist, verkündet man uns, immer und überall nichts als die Ausgeburt herrsehender Kasten, die ihr Gewissen beruhigen wollen. Und doch ist das ein Irrtum, jedenfalls in dieser krassen Form, denn die Thora hat unmittelbar hinter dieses Wort vom ״Armen, der nicht schwinden wird“ jenes andere gesetzt, das scheinbar das Gegenteil sagt: ״Aber bei dir wird es keinen Armen geben.“ Damit hat die TfioÄ bedeutet, daß es immer nur eine größtmögliche, nie aber eine absolute Gerechtigkeit geben kann, sie hat neben die Forderung des Absoluten die relative Bedingtheit der realen Welt gestellt, sie hat gesagt, und das ist das Menschliche an ihr, daß das Exempel dieser Welt nicht restlos aufgeht, daß immer ein Rest bleibt, der nur ausgeglichen w׳erden kann, wenn jeder Einzelne von sich einen ״Zuschuß an Seele“ dazutut: Zedek, Zedek tirdof! Gerechtigkeit, Gerechtigkeit sollst du nachjagen! Es ist von tiefer Bedeutung, daß man hinter ihr herlaufen muß, immer hinter ihr herlaufen, weil man sie völlig nie erreichen kann. Von uns, von unserer seelischen Zugabe hängt es ab, ob der Arme, den es immer geben wird, ein Armer bleibt oder nicht. So ist Zedakah, d. h. soziale Gerechtigkeit, unmöglich ohne — Zedakah, d. 11. spendende Menschenliebe, und des Wortes Doppelsinn ein vollgültiger Beweis, daß das letzte Wort bei der sozialen Gerechtigkeit der Mensch hat, der Einzelmensch und keiner sonst. Es ist der Grundirrtum der materialistischen Auffassung, daß die soziale Ungerechtigkeit beseitigt werden kann, indem man einfach an die Stelle einer mangelhaften eine bessere Organisation, an die Stelle einer schlechten eine gute Verteilung der Güter setzt. Die jüdische Lehre will ebenfalls die beste Verteilung aller Güter, ist aber weise genug, sich nicht einzureden, daß dadurch allein die soziale Gerechtigkeit gewährleistet sein könne: die letzte Bürgschaft liegt immer im Menschen. Heute und hier steht nicht die soziale, sondern die politische Gerechtigkeit zur Frage, die seit dem Traktat des großen Kant ״Zum ewigen Frieden“ nicht aus der öffentlichen Diskussion geschwunden, aber auch nicht über sie hinausgekommen ist. Die politische Welt, gleich ob sie von Rom oder Moskau oder sonst w׳oher gemeistert wird, kennt bis auf den heutigen Tag nur jene Politik, wo ״alle Rechte gelten“, nur die Gerechtigkeit nicht, die in den Augen unserer Zcitpolitiker ein sentimentales Spielzeug für Narren und für Kinder bleibt, lind alle Spatzen pfeifen es von den Dächern, daß der Völkerbund in Gefahr ist, eine Kulisse zu werden, hinter der die neuen Kriege vorbereitet und die neuen Dolche geschliffen werden. Und mittenhinein in diese Politik ist das Judentum gestellt mit seiner alten Idee der Gerechtigkeit, heute repräsentiert durch die einzige jiidische Partei, den Zionismus, der sich allem Widersprach zum Trotz als Sprecher und Sachwalter des Judentums durchgesetzt hat. Da mahnt uns der heiligste und jüdischste Tag unseres Jahres, daß, wenn wir wirklich uns mit einem moralischen Rechte als Sachwalter des Judentums bezeichnen wollen, wir höhere Pflichten haben als die Pflichten der Parteipolitik. Jüdische Politik darf nur eine Politik der Gerechtigkeit sein. Auch bei der politischen Gerechtigkeit geht es ohne Rest nicht ab; und ebenso w׳enig wie der Arme schwinden wird aus dem Neuer Aufbau, neue AUfab, neue Cbaluzfufb Eine Kundgebung der Exekutive Zionisten! Am Beginn des neuen Arbeitsjahres, auf der Mitte des Weges von Kongreß zu Kongreß, wenden wir uns an die zionistischen Verbände, ihre Führer und Mitglieder, um sie erneut zu freudiger und vertrauensvoller Mitarbeit aufzurufen. Ziel und Rechtfertigung unserer heutigen, durch den XV. Kongreß eingeleiteten Politik des Ucberganges und der Vorbereitung ist neuer Aufbau, neue Alijah, neue Chaluziuth, und wir hoffen zuversichtlich, daß dieser ihr Sinn mit fortschreitender Entwicklung unserer Arbeit immer deutlicher erkennbar werden wird. Es ist freilich ein Kernstück dieser Politik, ohne daß sie zum Scheitern verurteilt ist, daß nicht nur entbehrliche Ausgaben eingeschränkt, sondern daß vor allem die Einnahmen erhöht und die finanziellen Voraussetzungen für vergrößerte produktive Ausgaben geschaffen werden. In dieser Hinsicht muß die Mitte des Weges von Kongreß zu Kongreß einen Wendepunkt bilden, wenn der in Basel angestrebte Erfolg erzielt werden soll. Der Jahresabschluß unserer beiden Fonds, des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth, wird zwar von der finanziehen Macht unserer Organisation beredtes Zeugnis ablcgen, aber die Einnahmen bleiben im laufenden Jahre dennoch hinter Erwartungen und Notwendigkeiten zurück. An ihrer Steigerung im nächsten Jahre mitzuwirken ist dringliche und ernste Pflicht, deren Erfüllung von allen Teilen der Bewegung, in nicht geringerem Maße als von der Exekutive selbst, als eigenste und persönlichste Aufgabe aufgefaßt werden muß. Das Aktions-Komitee hat in seiner letzten Sitzung in einem wichtigen Beschluß erneut auf die zentrale und dominierende Stellung der beiden Fonds, des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth, innerhalb unseres Arbeitsbereiches hingewiesen. Aber es genügt nicht allein, den organisatorischen Vorrang der Fonds vor den Sondersammlungen festzustellen. Noch wesentlicher ist, daß in allen Orten der Geist unbedingter Opferbereitschaft für das Werk des Aufbaus neu angefacht wird. Mitarbeitern und Spendern muß immer wieder das letzte Ziel aller unserer Anstrengungen vor Augen geführt werden: Eine jede Beisteuer zu den Fonds muß verstanden werden als ein Beitrag zur Befreiung und Erneuerung jüdischen Volkstums und zur Selbstbefreiung des jüdischen Individuums aus den Verstrickungen des Galuth. Die vorbereitenden Maßnahmen zur Schaffung einer festen Arbeitsgemeinschaft mit nichtzionistischen Gruppen für den Aufbau Palästinas sollen im kommenden Arbeitsjahre endgültig zum Abschluß gebracht werden. Die Gründe für die Erweiterung der Jewish Agency haben im Laufe der Jahre seit Konzipierung dieser Idee an Gewicht nur gewonnen, die Einsicht in die Notwendigkeit dieser Politik ist gewachsen, und es ist das wesentlichste Ergebnis der Sitzung des A.-C., daß sie die Führer der Organisation fester als je zuvor in dem Willen einigte, auf dem Weg zur Verbreiterung der Basis der Aufbauorganisation weiter fortzuschreiten. Vor uns steht das Ziel: Stärkung unserer politischen Basis durch Schaffung einer großen, geschlossenen jüdisciien Palästinafront, Ausbreitung des Palästinagedankens in allen Schichten des Volkes, Beschleunigung und großzügige Erweiterung des Aufbaus. Die Exekutive wird dieses Ziel nach den Ergebnissen der Berliner Sitzung des A.-C., gestützt auf die Zustimmung der überwältigenden Mehrheit der Organisation, mit Entschiedenheit weiter verfolgen. Auf dem Wege zur Verständigung mit den nichtzionistischen Palästinafreunden bildet der Bericht der Joint Palestine Survey Commission einen großen Schritt vorwärts. Von einer höheren Warte aus gesehen, erscheint der historische Wert dieses Dokumentes in der von ihm bekundeten und durch die Kritik an Einzelheiten nur gesteigerten, uneingeschränkten Zustimmung zum Palästinawerk als solchen begründet. Das A.-C. hat diese Bedeutung des Berichtes zu würdigen gewußt. Es ״begrüßt den im Bericht zum Ausdruck gekommenen Wunsch zur Zusammenarbeit aller Kreise beim Aufbau des jüdischen nationalen Heimes in Palästina in der Erwartung, daß eine solche Zusammenarbeit zu der erwünschten Beschleunigung und Stärkung des palästinensischen Aufbauwerkes führen wird“. Das A.-C. hat in der Stellungnahme zu dem Bericht die wesentlichsten Prinzipien der zionistischen Aufbauarbeit und ihre Bedeutung für eine Kooperation mit anderen Kreisen noch einmal hervorgehoben una hat erneut in bestimmter Weise erklärt, daß die erforderlichen Schritte zur Erweiterung der Jewish Agency unverzüglich unternommen werden sollen. Wir erwarten zuversichtlich, daß die Beschlüsse des A.-C. bei unseren nichtzionistischen Freunden den bereits bekundeten Willen zur Zusammenarbeit noch mehr befestigen werden. Und wir erwarten weiterhin, daß in der Zwischenzeit, bis zur Er- Weiterung der Jewish Agency, auch in nichtzionistischen Kreisen der Appell der Joint Palestine Survey Commission Widerhall finden wird, ״alle Anstrengungen zu machen, um die Lage der bestehenden Fonds (Keren Hajessod und Keren Kajemeth) in der Uebergangsperiode zu stärken, damit die 'Aufbautätigkeit und das Konsolidierungswerk keinen Schaden leiden“. In dem Bewußtsein, einem großen Ziel entgegenzugehen, treten wir in das neue Arbeitsjahr ein. Die Lage in Palästina zeigt klare Anzeichen einer Wendung zum Guten. Die Unternehmungen des privaten Kapitals, ermöglicht durch die von der Zionistischen Organisation geschaffenen Bedingungen, durch ihre Vorsorge für kommerzielle Kredite, durch ihre Leistungen für das öffentliche Wohl auf dem Oeblete des Schul- und Gesundheitswesens, und gedeckt durch ihre politische Arbeit, bilden einen wesentlichen Teil des zionistischen Gesamtwerkes, — durch dessen immer tiefer greifenden Einfluß sie angeregt wurden, — und sie haben auch in den letzten Jahren nicht aufgehört, das Land zu bereichern und den Arbeitsmarkt zu beleben. Es besteht berechtigte Hoffnung, daß diese Entwicklung, gefördert durch die bewunderungswürdige Anpassungsfähigkeit unserer Arbeiterschaff an wirtschaftliche Aufgaben jeder Art, in verstärktem Umfange anhaltcn wird. Die Wiederaufnahme der chaluzischen Alijah wird von der Exekutive in die Wege geleitet werden. An Bemühungen, durch Abschluß langfristiger Anleihen unter annehmbaren Bedingungen das Herannahen des Zeitpunktes zu beschleunigen, in dein das auf Volksmitteln und der hingebenden Opferwilligkeit unserer Pioniere aufgehaute Siedlungswerk durch neue kolonisatorische Maßnahmen erweitert werden kann, wird es die Exekutive um so weniger fehlen lassen, je mehr die Entwicklung der Fonds Stabilität in den laufenden Einnahmen und Ausgaben in Aussicht stellen wird. In allen Zweigen der Administration werden Verbesserungen angestrebt und cs wird nichts unterlassen werden, um das Vertrauen in die Produktivität unserer wirtschaftlichen Arbeit, die, wie wir glauben, schon jetzt immer deutlicher sichtbar wird, in allen Kreisen des Volkes zu rechtfertigen und zu stärken. So hoffen wir, daß von Palästina aus sich ein Geist wachsender Zuversicht der ganzen Bewegung mitteilen und die im Galuth dringend notwendige Neubelebung der Geister und der Begeisterung anregen wird. Die Konsolidierung und Kräftigung der Organisation ist eine der wichtigsten Aufgaben, die der Exekutive und mit ihr allen Führern der Verbände obliegt. Es wird unser Bemühen sein, alle Teile der Organisation mit neuer Hoffnung und neuem Vertrauen zu erfüllen. Die Zionistische Organisation wird auch in Zukunft Kern und Kraftzentrum der Palästinabewegung im jüdischen Volke bilden und allem, was in und für Palästina geschieht, Anstoß und Richtung geben müssen. Um dieser Aufgabe zu genügen, muß die Zionistische Organisation stark sein und mit Recht ist gesagt worden: die Organisation ist so stark wie sie sich fühlt. Die Organisation muß sich ihrer sittlichen und geistigen Kraft erneut bewußt werden. Sie muß wieder lernen, sich als eine machtvolle und geschlossene Einheit zu empfinden, aufgebaut auf einer Idee, die jede andere Vorstellung von der Zukunft des jüdischen Volkes hinter sich läßt, eng verbunden allem, was an großen und kühnen idealistischen Vorstellungen in den besten Kreisen unserer Jugend lebendig ist. Mehr als je wird es gerade im kommenden Arbeitsabschnitt von Bedeutung sein, daß die Organisation vor sich selbst und vor der Welt von ihrer Geschlossenheit Zeugnis ab* legt und daß sie von dem Bewußtsein organischen Wachstums aus eigener Kraft durchdrungen ist. Die Zionistische Organisation muß in der ganzen Welt die legitime Vertretung aller derer werden, die m ihrem Herzen Zionisten sind, ohne noch unserem Verbände angeschlossen zu sein. Das Symbol zionistischen Bürgertums, der Schekel muß in die Hände aller derer gelangen, die unsere Hoffnungen und unseren Glauben in die Zukunft Palästinas teilen, wir appellieren an die Freunde und Mitarbeiter in allen Parteien und Gruppen, sich dafür cinzusetzen, daß der XVI. Zionistenkongreß die Größe unserer Organisation würdig widerspiegele. Hunderttausende von Juden sind bereit, zu uns zu kommen und den Schekel zu zahlen, wenn wir uns entschließen, zu Ihnen zu gehen und sie aufzufordern, es zu tun. Sorget dafür, daß der XVI. Kongreß Freunden und Gegnern und uns selbst in überzeugender Weise dartue, daß das zionistische Ideal die bewegende Kraft im Leben des modernen Judentums ist! Im Einklang mit einem Beschluß des Aktions-Comites sollen die Probleme der zionistischen Propaganda und Oranisation auf einer zu ihrer Behandlung einzuberufenden onderkonferenz geklärt werden. Wir bitten alle Gcsintiungsenossen, sowohl der ideologischen wie der praktischen Seite ieser Fragen besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und die allzu sehr vernachlässigte Diskussion über die Erneuerung des Geistes und Gefüges der Organisation an allen Orten wieder anzufachen. Zionisten! Unser Werk kann nur gelingen, wenn es vom Geiste gegenseitigen Vertrauens, vom Geiste der Einheit von Leitung und Organisation getragen ist. Die Exekutive tritt in das neue Arbeitsjahr ein, entschlossen, ihre Pflicht zu tun und die Weisungen des Kongresses und des Aktionskomitees loyal auszuführen. Die Exekutive erbittet ebenso von allen Gruppen der Bewegung, ohne Ausnahme, Unterstützung durch Einsatz aller Kräfte für die Sicherung unseres Werkes in Palästina und im Galuth und durch willige Unterordnung unter die Beschlüsse der Organisation. Gesinnungsgenossen! Wir vertrauen auf Euch — wir erwarten, daß Ihr auf uns vertraut! Erfüllt vom Geiste der Einheit, wird unsere Arbeit im kommenden Jahre Früchte tragen. Die Exekutive der Zionistischen Organisation Chaim Weizmann Nahum Sokolow Selig Brodetsky Frederick H. Kisch Louis Llpsky Felix Rosenblüth Harry Sacher Henriette Szold London, 2. September 1928. Jerusalem, 17. Elul 5688. ......111 Lande, wird die Unterdrückung auch nicht schwinden aus den Völkern. Eine wahre, ernste Politik des Juden sollte darum ohne einen Zuschuß an Seele nicht möglieh sein. Das ewige Minus an Recht muß durch ein Plus an Seele wettgemacht werden. Hier ist der Punkt, wo jeder Politiker und jeder wahre Sozialist nachdenklieh innehalten sollte, um sich zu entscheiden, wohin er geht. Diese Entscheidung wird ernst, wenn wir an unsere Palästina-Politik denken, deren Schwierigkeiten so allbekannt sind, daß ich sie nicht zu schildern brauche. Der moderne Palästina-Aufbau gibt zum erstenmal nach vielen Jahrhunderten dem jüdischen Volk wieder den Stolz, damit aber auch die Verantwortung eigenen bewußten politischen Handelns. Die Größe und Schönheit dieses Werkes besteht nicht zum wenigsten darin, daß

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