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Jüdische Rundschau · 1928-09-07 · Heft 71 (7.9.1928) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 71 (7.9.1928)
Date
1928-09-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 500 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 71, 7. IX. 1928 älteren Hugo Stinnes die Ausnützung des unaufhaltsamen Staatsbankerotts war. Die sinnlose Anhäufung von verschiedensten Gütern und die durch keine wirtschaftliche Raison erfolgte Zusammenkoppelung von zahlreichen Pro• duktionszweigen in der Hand des alten Stinnes waren nicht der Ausfluß eines genialen Schöpfertalents, sondern der Ausdruck eines ungehemmten Dranges, zu verdienen und Macht zu erraffen. In dieser Hinsicht scheint uns tatsächlich ein Unterschied nicht zwischen jüdischem und nichtjüdischem Kapitalismus, sondern zwischen jüdischen und nichtjüdischen Kapitalisten zu bestehen. Erfahrung lehrt, daß der Zustand der persönlichen Saturiertheit bei jüdischen Kapitalisten eher einzutreten scheint als bei nichtjüdischen. Rci einem gewissen Ausmaße des erworbenen Vermögens bedeutet jeder Neugewinn nicht mehr die Möglichkeit eines genußreicheren Daseins. Wenn ein hundertfacher Millionär sich noch bemüht, weitere Millionen zu erwerben, so geschieht das sicherlich nicht zu dem Zwecke, um mehr Geld zu haben, sondern um mehr Macht zu erlangen, um dem persönlichen Geltungsbedürfnis zu fröhnen. Es ist nicht mehr reiner Erwerbstrieb, der solche Krösusse zur Schaffung von Trusts und Konzernen veranlaßt, sondern Machthunger, hinter dem sich der Drang verbirgt, die Süße der Gewalt voll auszukosten. Wenn ein Rockefeiler, Morgan, Stinnes und viele andere in ihrem kapitalistischen Erwerbsdrang ruhelos sind oder waren, so einzig und allein, weil sie Macht erlangen, weil sie herrschen wollten. Diese Komponente des Herrschenwollens, des Wunsches, Macht und Gewalt in der Hand zu haben, scheint nach allen Erfahrungen in der Seele der großen jüdischen Kapitalisten in schwächerem Maße vorhanden zu sein als bei de.1 nichtjüdischen. Selten kommt cs bei jüdischen Kapitalisten vor, daß der kapitalistische Erwerbsdrang und Ausdehnungstrieb Generationen hindurch gleich stark bleibt. Man nehme die Familie Rothschild, die nach wenigen Jahrzehnten finanzieller Herrschaft sich vollends in ein Patriziergeschlecht verwandelt hat, das sich mehr kontemplativer Lebensweise als hastendem Erwerbe hingibt. Man denke an Walter Rathenau, der sich als Sohn eines großen Organisators und Kapitalisten in intensivster Weise Gedanken über den Sinn der Wirtschaft und des Verdienens hingab. Man erinnere sich an Lord Melchett (Sir Alfred Mond), dem neben seiner kapitalistischen Betätigung sein System der Sozialpolitik gleich wertvoll ist. Auf nichtjüdischer Seite sind ähnliche Beispiele nur dünn gesät: Carnegie, der sein ungeheueres Vermögen für verschiedene Zwecke verteilt, Nobel, der aus seinen Millionen eine Stiftung schafft und Ford, der bei rastlosem Expensionsdrang und stärkstem Machthunger sich in der Rolle eines Sozialreformers gefällt.. Die Rücksichtslosigkeit in dem Wunsche zu verdierterl* Vermögeh aufzustapehi und Macht zu erlangen, scheint eine immanente Tendenz kapitalistischer Betätigung zu sein. Sie hat trotz Sombart mit Judentum oder Puritanismus wenig zu schaffen. Viel mehr glauben wir an die größere Wahrscheinlichkeit, daß der Kapitalismus der Nachfahre des Gewaltprinzips ist, welches nach Qumplowicz und Franz Oppenheimer zur Entstehung der Staaten und zur Schaffung von Monopolen geführt hat. Die letzte Wurzel des Kapitalismus ist Gewalt. Diese aber ist bei Juden, welche seit mehr als zweitausend Jahren die Gewalt nur als Leidende und nicht als Ausübende kennengelernt haben, im tiefsten Grunde ihrer Seele verhaßt. Der ewige jüdische Schrei nach Gerechtigkeit ist der Ausdruck der Empörung über Gewalt in jeder Erscheinungsform. Darum erscheint uns die jüdische Disposition zur Betätigung eines gewalttätigen Kapitalismus geringer als die gleiche Disposition bei nichtjüdischen Kapitalisten. Natürlieh muß sich dieses immanente Judentum nicht naturnotwendig bei allen Juden durchsetzen. In den meisten Fällen hängt die besondere Methode des jeweiligen Kapitalisten, einerlei was er ist, von seiner individuellen Veranlagung ab. Pauschalbewertung, raffendes Kapital sei jüdisch, schaffendes Kapital nichtjüdisch, ist ebenso sinnlos wie die Nomenklatur schaffendes und raffendes Kapital selbst. M.W. Wassermangel in Jerusalem Jerusalem, 3. September. (J. T. A.) Wie hier mitgeteilt wird, droht der Stadt Jerusalem wie vor drei Jahren auch in diesem Jahre eine Periode des Wassermangels, so daß auch diesmal eine Wasserzufuhr aus Ramleh notwendig sein wird. Vor drei Jahren glaubte man, das Problem der Wasser- ■Versorgung in der Weise als gelöst betrachten zu können, daß eine Wasserzuführung aus Äin-Fara zur Ergänzung der Salomon-Teiche eingerichtet wurde. Es hat sich jedoch erwiesen, daß diese beiden Quellen nur die Hälfte des Jerusalemer Wasserbedarfs zu liefern in der Lage sind. Warenaustausch Palästina •Polen Warschau, 3. September. (J.T. A.j Der polnische Handelsattache für Palästina und den Mittleren Osten, der frühere jüdische Sejm-Deputierte Dr. Hausner, hielt mit dem Ministerpräsidenten Professor Bartel eine längere Beratung ab, in der die Frage der Auswanderung aus Polen nach Palästina und die Handelsbeziehungen zwischen diesen beiden Ländern eingehend erörtert wurden. Dr. Hausner empfing die Vertreter der jüdischen Presse in Warschau und gab ihnen Aufklärungen über die palästinensisch-polnischen Handelsbeziehungen. Insbesondere informierte er über die von Polen in Palästina getätigten Tabakkäufe. (Von uns in der vorigen Nummer mitgeteilt. — RcdJ Die polnische Regierung ist in der Lage, so große Posten Tabak aus Palästina zu beziehen, daß dies einen weiteren Aufschwung der Tabakproduktion in diesem Lande herbeiführen würde. Der Tabakimport geschieht auf der Grundlage des Warenaustauschs, indem auch polnische Waren von Palästina importiert werden. Die Aussichten des Wirtschaftsaustausches zwischen Polen lind Palästina sind im allgemeinen sehr gute. Jerusalem, 4. September. (J. T. A.) Wie amtlich mitgeteilt wird, weist der Haushalt der Regierung Palästinas im ersten Halbjahr 1928 ein Defizit von 146691 Pfund auf. Sünden gegen den eigenen üeiii Der in Genf weilende Georg Bernhard veröffentlicht in der ״Vossischcn Zeitung“ vom 4. September einen Aufsatz über den Völkerbund, und macht in seinen Ausführungen auf zwei Erscheinungen aufmerksam, die von ihm als Sünden des Völkerbundes gegen den eigenen Geist bezeichnet werden. Diese Betrachtung Bernhards ist besonders für Zionisten interessant, die im Völkerbund den Garanten des Palästinamandates erblicken. Die betreffenden Abschnitte in Bernhards Artikel lauten: Aber, was man bei aller Toleranz und bei aller Sorge um den Bestand des Völkerbundes (den man wollen muß, so unvollkommen er auch sein mag) nicht dulden darf, sind Sünden gegen den eigenen Geist, sind Vorgänge, die die Heranbildung organischen Lebens im Völkerbund statt zu fördern, verhindern. Zwei solcher Dinge sind in den letzten Zeiten geschehen, merkwürdig wenig von der Oeffentlichkeit beachtet, aber trotzdem von ungewöhnlicher Tragweite für die ganze Zukunft des Völkerbundes. Zunächst hat, wie ln der ״Vossischen Zeitung“ ausführlich berichtet worden ist, England die Verantworiung vor der Mandatskommission des Völkerbundes für die Errichtung des selbständigen Königreichs in Trans- Jordanien abgelehnt. Das palästinensische Mandat, das Engfand verwaltet, erstreckt sich auch auf Transjordanien. Wenn der Begriff des Mandats überhaupt einen Sinn haben soll, wenn er nicht einfach eine lügnerische Vermummung von Eroberung und Annexion ist, so ist für alles, was der Kolonialmandatar tut, dieser der Mandatskommission und dutch diese dem Rate der Völker selbst verantwortlich. Man kann nicht Könige ernennen, man kann keine Politik gegen andere Mächte treiben, ohne den Mandatsgedanken zu verletzen, mindestens nicht, ohne vor dem Völkerbund für derartige Dinge Rede und Antwort zu stehen. England erklärt, daß ja auch in dem selbständigen Königreich Transjordanien die Bestimmungen für die Mandate fortdauern. Vorausgesetzt, daß England das wirklich glaubt, glaubt es auch der Emir von Transjordanien? Es ist schon sehr bedauerlich, daß Deutschland zu diesen Vorgängen sich nicht im Völkerbundsrat geäußert hat. Die deutsche Regierung hätte dazu alle Veranlassung, und cs wird an sie im Reichstag die Frage zu richten sein, was sie denn eigentlich m tun gedenkt, um den Gedanken der Kolonialmandate in dem Sinne auszubauen, der verhindert, daß der Mandatsbegriff mm leeren Schlagwort herabsinkt. Und noch ein Zweites ist geschehen, ganz hinter den Kulissen, aber vielleicht sogar noch von etwas größerer Bedeutung. Jm Völkerbundsekretariat gibt es eine Abteilung für Minderheiten. Wenn der Völkerbund wirklich eine Aufgäbe erfüllen kann und muß, so ist es die des Schutzes der Minderheiten und der Ueberwachung der Minderheiten- Politik der Völker. Die Minderheitenabteilung des Völkerbundes muß eine neutrale Stelle sein, zu der die Staaten ebenso wie, die Minderheiten völliges Vertrauen haben. So war es auch bisher. Nun aber ist der Posten des Direktors der Minderheitenabteilung frei geworden. Ein ursprünglich vorgesehener Schweizer ist einer Reihe von Mächten nicht genehm gewesen. Der neue Posten ist von einem Spanier besetzt worden. Dagegen ist gewiß nichts einzuwenden, obwohl die Begründung dieser Besetzung, daß man den Posten Spanien geben müsse, um gewissermaßen seinen Wiedereintritt in den Völkerbund zu feiern, nicht gerade sehr glücklich war. Nun war ein Spanier unter den Sckreiamtsbeamfcrt, von d׳*m man allgemein glaubte, daß er die Anwartschaft auf den Posten habe, auch ein ruhiger, neutraler, international gesinnter Mann, Aber gewissen spanischen Steilen war dieser Mann anscheinend gerade wegen seiner Neutralität nicht sehr genehm. Man nahm schließlich einen Spanier streng faszistischer Observanz, einen, der 1m Kampf gegen die katalonische Minderheit bereits erprobt war. Man kann zur katalonischen Frage stehen wie man will, man kann, wie die spanische Regierung, erklären, ein Minderheitenproblem gibt es in Spanien nicht, oder man kann umgekehrt die katalonischen regionalen Bestrebungen unterstützen. Auf alle Fälle War es aber selbst vom spanischen Standpunkt aus unklug, einen so wenig neutralen Bewerber auf die Liste zu stellen. Ganz unmöglich war es aber vom Völkerbund, einen solchen Bewerber zu akzeptieren. ״Der Merker werde so gestellt, daß frei von Haß und Liebe das Urteil bleibe, das er fällt.“ Hier handelte es sieh nicht mir um eine Sache der Minderheiten, hier handelt es sich vielmehr um eine Sache der im Völkerbunde vertretenen Nationen. Denn wenn das Prinzip, das hier einmal befolgt wurde, bei der Besetzung anderer Aintsstcllcn im Völkerbund ebenfalls Platz greifen sollte, so wird dem Völkerbund diejenige Voraussetzung entzogen, die die Gewähr für eine gedeihliche Fortentwicklung sein muß: das Vertrauen derer, die an den Völkerbund appellieren, und das sind, wie gesagt, in der Minderheitenfrage nicht bloß die Minderheiten, sondern die Staatsregienlögen selbst. Der nene Numeros clausus in Ungar■ Budapest, 2. September. (LT. A.) Die Auswirkung des novellierten Numerus clausus-uesetzes in Ungarn hat auch in nichtjüdischen Elternkreisen starke Empörung hervorgerufen. Aber geradezu katastrophal ist die Aus- Wirkung in bezug auf die jüdische Hörerzahl. In Budapest 7. B. sind unter 1800 Bewerbern nur 32(1 an der juridischen Fakultät zugeiasseti worden, unter ihnen 14 Juden, also nocli weniger als die Verhältniszahl nach dem Numerus clausus-Qesetz. ergibt. An den Provinzuniversitäten haben 1200 junge Leute um Aufnahme an den juridischen Fakultäten nacligesucht, aber nur 240 wurden aufgenommen. Hier war das Verhältnis der Aufnahme von Juden ein noch ungiinstigeres als in Budapest. Das gleiche gilt von den anderen Fakultäten. Die Eltern der jungen Leute, die von den juridischen Fakultäten in Budapest und in der Provinz abgewiesen worden sind, haben sich bereits organisiert und habe« in Budapest heute vormittag eine Protestversammlung abgehalten. Budapest, 3. September. (J,T.A.) Kultusminister Grat Klebeisberg hat ein Communiquc veröffentlicht, in welchem er erklärt, der bisherige Weg habe sich als ungangbar erwiesen, der Kultusminister habe nun die Dekane der verschiedenen Fakultäten angewiesen, auf Grund einer eingehenden Prüfung der Aufnahmegesuchc betreffs einer entsprechenden Heraufsetzung des Numerus clausus schleunigst Bericht zu erstatten. IllillllllllllllllllllllllllllilllillilllllllllllllllllllillllltlllllllllllW Die nächste Nummer der ״Jüdischen Rundschau" erscheint anläßlich der Feiertage als Doppel-Nummer am 13. dieses Monats. (Die Dienstag-Nummer fällt aus). Illllll!ll!llillllllllll!ll!lllllllllllllllllillllll!llllllllllllillllllllllll!lllillllllil!lllll!lillllllill Wat iti in Brüssel wirklich ▼orgefallen? Die Behandlung der Fragen des Palästinaaufbaus in Brüssel Während des Kongresses der Arbeiterinternationale hat in der י gesamten jüdischen Presse eine besondere Beachtung ge* runden. Insbesondere wurde die angebficlt antlpalästinenslsehe Stellungnahme der assimilatorischen österreicltisehen sozialistischen Führer Friedrich Adler und Otto Bauer einer heftigen Kritik unterzogen. Im Organ der deutschen, österreichischen und tschechoslowakischen Poale Zion, ״Der jüdische Arbeiter“, veröffentlicht nun Mendel Singer, Delegierter des Sozialistenkongresses in Brüssel, nachstehende Darstellung, für deren Richtigkeit natürlieh Mendel Singer einstehen muß. Die Richtigstellung lautet: 1. Es ist nicht wahr, daß der III. Kongreß der S. A. I. in Brüssel in einer Plenarsitzung oder in einer Sitzung einer Kommission sich mit der auf Initiative des Weltverbandes Poalc-Zion cinberufencn Konferenz für das arbeitende Palästina oder mit dem damals geplanten und nachher konstituierten sozialistischen Komitee für das arbeitende Palästina befaßt hat, Es hat auch niemand beabsichtigt, diese Frage vor das Forum des Kongresses zu bringen. Was über die Behandlung der Frage der Konferenz für das arbeitende Palästina durch den 111. Kongreß der S. A. I. in Brüssel geschrieben wurde, ist glatt Erfindung. II. Richtig ist, daß in einer Sitzung der Exekutive der S. A. I., die vor Eröffnung des Kongresses getagt hat, die Frage der Schaffung eines Komitees von sozialistisehen Führern für das arbeitende Palästina aufgeworfen wirde. Es handelte sieh auch hierbei nicht hauptsächlich um dieses Komitee, sondern darum, ob cs zweckmäßig sei, neben der Internationale Komitees für besondere Zwecke zu schaffen. Da unverantwortliche Journalisten aus dem bürgerlichen und dein sich sozialistisch nennenden Lager die Nachricht verbreiteten und kommentierten, daß Friedrich Adler und Otto Bauer bei dieser Gelegenheit gegen unsere Palästinabestrebungen und ausschließlich gegen das zu gründende Komitee für das arbeitende Palästina aufgetreten sind, erachte ich cs als meine Pflicht, folgendes festzustellen: 1. Genosse Friedrich Adler ist gegen die Schaffung von Komitees von Mitgliedern der S. A. I. für besondere Zwecke aufgetreten. Er brachte die Befürchtung zum Ausdruck daß die Existenz solcher Komitees die Schlagkraft der internationale schwächen könnte. Einzig und allein aus diesem Grunde äußerte er auch Bedenken gegen das geplante Komitee für das arbeitende Palästina, wobei er aber betonte, däß das geplante Komitee für das arbeitende Palästina sich von allen anderen Komitees vorteilhaft unterscheide, da es nur aus Sozialisten bestehen soll, und zwar aus führenden Genosäen der Internationale, deren Namen dafür bürgen, daß nichts unternommen werden wird, das gegen die Grundsätze und die Taktik der Internationale verstoße. 2. Genosse Otto Bauer hat wohl den allgemeinen Standpunkt Friedrich Adlers unterstützt, aber auch er tat es nicht aus Gründen prinzipieller Gegnerschaft zu unseren Palästinabestrebungen. 3. Alle Gegner der Bildung besonderer Komitees haben unterstrichen, daß alle Gruppen,, die der internationale attgehören, die Möglichkeit haben, mit ihren Wünschen direkt -an die Internationale heranzutreten. Diese Möglichkeit wurde natürlich auch der Vertretung der Poale-Zion mit Bezug auf ihre Palästinaforderungen eingeräumt. Der Tod Bokanowskis Paris, 2. September. (J. T. A.) Das Verkehrsflugzeug, das den Handelsminisfer Maurice Bokanowski, der zugleich Leiter der französischen Handels-Luftschiffahrt ist, nach Clermont-Ferrand führen sollte, ist am 2. September in Brand geraten und abgestürzt. Sämtliche Insassen, unter ihnen Minister Bokanowski, haben den Tod gefunden. Die politische Laufbahn des auf so tragische Weise umgekommenen Handelsminisiers Maurice Bokanowski war glänzend. Bokanowski war Jude und hat bei verschiedenen Gelegenheiten — so auch vor einigen Monaten in einem Interview mit dem J. T. A.-Vertreler anläßlieh seiner Reise nach Algier — zum Ausdruck gebracht, daß er treu dem jüdischen Glauben anhängt und stolz sei, von einer Gemeinschaft abzustammen und ihr anzugehören, die der Welt so hohe ethische Werte vermittelt hat. Minister Bokanowski war nicht das einzige jüdische Opfer dieser Flugzeugkatastrophe; das gleiche Flugzeug benutzte der 23jährige jüdische Ingenieur Marcel Vida vom Flugzentrum La Bourgct, der ebenfalls den Tod fand. TMlicher Unfall Bernhard Duhms Basel, 4. September. (J.T.A.) Der 81jährige berühmte Dozent für aittestamentiiehe Theologie an der Universität Basel, Prof. Dr. Bernhard Duhm, wurde in Basel, als er mit seinem Sohne, dem Göttinger Professor, die Straße überschreiten wollte, von einem Privatauto überfahren und starb nach zwei Stunden an den erlittenen inneren Verletzungen, pas Hauptgebiet dieses christlichen Gelehrten war die Geschichtsbetrachtung des Alten Testaments. Seine erste Arbeit handelte von der ״Theologie der Propheten“, sein viel beachtetes Alterswerk heißt ״Israels Propheten“. Viel Beachtung fand auch sein Werk ״Jesaia“. Die ״)Mische Partei“ der Tschechoslowakei Prag, 4. September. (J. T. A.) In Trentschin-Teplitz fand am 2. September eine sehr stark besuchte Sitzung des Präsidiums und der Exekutive der ״Jüdischen Partei“ für die Slovakei und Karpathorußland statt, in welcher die Anlehnung an die Beschlüsse des Kaschauer Parteitages festgelegt wurde, daß die Partei bei den kommenden Wahlen zu den Bezirks- und Landesvertretungen, denen große politischc Bedeutung zukommt, selbständig auftreten solle. Das Parteipräsidium wurde beauftragt, die notwendigen Vorbcrcitungen für die Wahlen zu treffen. Es wurde ferner beschlossen, das zehnjährige Jubiläum der tschechoslowakischen Republik durch eine Reihe großzügiger Veranstaltungen festlieh zu begehen und unter dem Namen ״Masaryk-Fonds" eine Stiftung für begabte jüdische Schüler in der Tschechoslowakei zu errichten. Das Parteipräsidium wurde beauftragt, den oranisatorischen Ausbau der Partei zu vollenden. An den räsidenten der Republik, Professor Masaryk, wurde ein Begrüßungstelegramm gesandt. Munkacz (Mükacevo), 3. September. (J.T. A.) Auf dem Wege nach Palästina ist Dr. Arthur Ruppin heute hier eingetroffen. Er wird einige Tage in Karpatho-Rußland zubringen, um die Lage der Juden und der jüdischen Landwirte in diesem Gebiete zu studieren. Am Mittwoch setzt Dr. Ruppin die Reise nach Palästina fort.

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