Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 71 (7.9.1928)
- Date
- 1928-09-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer 0,23 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestraüe 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bet der Expedition monatlich 2,— Goldmark, ▼ierteljihrlich 5,75 Goldmark. Au1landsahonn«em«»ts werden in der Wihrasl «Ur •inxelneo Linder berechnet Nummer 71 | Berlin, 7. IX. 1928 Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rnndachau G. nt. b. H.. Berlin W15.Meinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Ans •igeaprniss 8 * ••paltNoopereülexeile 0,50 G־M. Stellengesuche 0,25 G.-H. Aaa«if cBcefefal: Dienstag and Freitag nachmittag• i Uhr. Telephon: Bismarck 7165-70־. Postscheckkonto! Berlin Nr. 17392 Für Oettcrreieh: Posiapafkaiatoamt Wien, Konto Nr,!56030. Für Ticbecboalowakeh FoaUparkaiaenamt Prag. Koato Nr. 39410. für Polen: Posttparkatacaaat Waracbaa, Konto Nr. 190708. RedaktionsschluQ Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״י איוי• היס״ח | xxxni. jahrg. Dur Zionismus •rstrobt fOr da» Jüdlsehe Holk «llo ScheHung olnor •HetiHKh rechtlich ooslchorton Molmstitto In Poianino. ״Bosnier Programm.«« Einwanderung, Selbstverwaltung und religiös - kulturelle Erneuerung Am 4. September hielt Dr. Arthur Hantke, geschäftsführender Direktor des Keren Hajessod Jerusalem, der sich vorübergehend in Europa aufhält, um gemeinsam mit dem zweiten Direktor des Keren Hajessod, Leib J a f f e, die diesjährige Keren Hajessod-Arbeit in Europa zu organisieren, im Rahmen der Berliner Zionistischen Vereinigung einen Vor* irag über ״Palästinensische Wirklichkeit und deutsch-jüdische Probleme“. Dr. Arthur Hantke, welcher jahrzehntelang die Geschäfte des deutschen Zionismus als Vorsitzender der Zio* nistischen Vereinigung für Deutschland, als Mitglied des Großen und des Engeren Aktions-Comit£s beeinflußt und beobachtet hat, ist wohl einer der besten Kenner des deutsch* jüdischen Lebens. Seine zionistische Vergangenheit, die gegenwärtig durch seine Arbeit im Dienste des Palästina-Aufbaus in Erez-Israel gekrönt wird, befähigt ihn, ein zutreffendes Urteil über die Lage und die Tendenzen des Geschehens in Palästina abzugeben. Aus dieser zweifachen Erfahrung heraus, der genauen Kenntnis des deutschen Judentums und des neujüdischen Palästina, sowie der wechselseitigen Be- Ziehungen zwischen deutscher Judenheit und zionistischer Bewegung flössen die Ausführungen Dr. Hantkes in seinem cineinhalbstündigen Vorfrage. Auf Grund eines umfassenden Tatsachenmaterials schälte Hantke aus dem Komplex des von ihm behandelten Themas drei Grundfragen heraus: Aus- Wanderung deutscher Juden nach Palästina, Erziehung zur Selbstverwaltung hier und in Erez-Israel und schließlich die religiös-kulturelle Erneuerung. Es hat in den vergangenen Jahrzehnten, besonders in der Zeit von 1815—1850 eine große Auswanderung von deutsehen Juden, besonders aus Süd- und Westdeutschland, gegeben. Die großen Jahudim-Gruppen in Amerika, London und auch in Paris sind die Nachkommen jener deutsch-jüdischen Aus* wsadfftr, ״־®Brei» -'diese■ - Äusw«»i#rimg!־»;»*<rstei::titf*f 5dl#>?®g®f* * gischesten und charakterfestesten Elemente — hat das deutsche Judentum einen empfindlichen Blutverlust erlitten und ist in seiner Entwicklung gehemmt worden. Man hat gegen-. wärtig das Gefühl, als ob sich das deutsche Judentum instinktiv aus Angst vor neuem Verlust wertvollster Elemente gegen die Auswanderung nach Palästina wenden würde. Diese Aus- Wanderung deutscher Juden nach Erez-Israel ist zahlenmäßig nicht groß. Sie beläuft sich bisher auf ungefähr 500 Seelen und bildet, obwohl das deutsche Judentum ungefähr 4 °,0 der Weltjudenheit ausmacht, nur ein Prozent der neujüdischen Einwanderung nach Palästina. Aber während die seinerzeitige Auswanderung vom jüdischen Standpunkte aus völlig belanglos war, hat die Auswanderung deutscher Juden eine große jüdische Bedeutung, denn schon diese geringe Anzahl deutschjüdischer Palästinawanderer knüpft besondere Beziehungen zwischen der deutschen Judenheit und Palästina an, In immer stärkerem Maße merkt man die Fernwirkung Palästinas auf Kreise, die sich sträuben, sich dem Zionismus ahzuschließen. Möglicherweise handelt es sich sogar bei dieser palästinensisch beeinflußten nichtzionistischen deutschen Judenheit um eine Uebergangserscheinung, die zu einem bewußten Judentum führt. Die Einwanderung aus Deutschland nach Palästina muß vom Geiste der Chaluziuth getragen werden, und zwar auch in solchen Fällen, wo es sich nicht um Arbeitereimvan- Schloß des Minderheltenkongrcsses Genf, 2. September. (J. T. A.) In der Debatte zum Thema ״Nationalitätenkampf und Rechtsverschlechterung“ sprachen die jüdischen Vertreter Dr. Margulies (Tscheche- Slowakei) und Dr. Markus Krämer (Rumänien). Dr. Krämer erklärte, die jüdische Minderheit in Rumänien sei bereit, an den Minderheitenfragen im Geiste der Solidarität mitzuarbeiten. Im Verlauf der Aussprache über die Resolutionen betreffend Ausbau der Nationalitäten-Kunde, der Minderheifen-Bibliographie und Herausgabe eines statistischen Minderheitenjahrbuchs drückten mehrere Redner dem jüdischen Vertreter Litauens Dr. Robinsohn den Dank dafür aus, daß er als erster eine Bibliographie der Minderheitenfrage aufgestellt hat. In die Exekutive wurde wiederum Leo M o t z k i n als jüdischer Vertreter gewählt. Der Friedens-Weltkongreß der Jugend Amsterdam, 3. September. (J.T.A.) ln Ommen (Holland) ging in diesen Tagen der Internationale Friedens-Welt- Kongreß der Jugend, der zehn Tage dauerte, zu Ende. Es nahmen an ihm 450 Vertreter der Jugendorganisationen in 31 Ländern, sowie Vertreter internationaler Jugendverbände teil. Die jüdische Jugend war durch den Weltverband der jiidisehen Jugend und die Weltorganisation Haschomer Hazair repräsentiert, deren Delegierter, Ben Tow, in den Kommissionen für Rassen- und Minderheitenfragen referierte und die Grundsätze des Kampfes gegen Antisemitismus, die Probleme der jüdischen Aufbaubewegung in verschiedenen Ländern und des Auf bau s Palästinas als Mittel zur Lösung der Judenfrage auseinandersetzte. Die Kongreßdelegierten bezeugten für die jüdischen Probleme großes Interesse. Auf Vorschlag des jüdischen Delegierten wurden Entschlüsse betreffend die Möglichkeit der freien kulturellen Entwicklung der jüdischen Minderheiten, gegen die Pogrome in Rumänien, gegen denNumerusclausus und gegen die antisemitische Politik gewisser Regierungen gefaßt. Ein besonderer Entschluß wendet sich gegen die antisemitischen Ausschreitungen der rumänischen und der ungarischen Studenten. derer handelt. Pioniergesinnung ist eine unerläßliche Voraussetzung, denn es gilt in Palästina auf manche Wirtschaftliehe ,Möglichkeit und auf Komfort zu verzichten. Dieser Verzicht wird aber wettgemacht durch die unbedingte Sicherung der jüdischen Existenz, die in der Diaspora in erschreckendem Maße gefährdet ist. Ein wesentliches Moment im Werden des neuen Palästinas ist die dort sich vollziehende Erziehung zur Selbstverwaltung. Die Erfahrungen, die man in Tel-Awiw gemacht hat, sind Warnungszeichen. Die Juden müssen die Kunst der Selbst- Verwaltung lernen, und den in Deutschland lebenden palästinazentrisch eingestellten Juden obliegt es, sich im Sinne der Selbstverwaltung zu erziehen. Es geht nicht an, daß man, wie es vor Jahrzehnten in ostjüdischen Kehillas üblich war, immer zur Aufsichtsbehörde läuft In dieser Hinsicht war die Protestaktion nach den letzten Wahlen in der Berliner Jüdischen Gemeinde kein ermunterndes Zeichen. Selbstdisziplin, Selbstverwaltung, sind Dinge, die allmählich gelernt werden müssen. Was die Frage der religiös-kulturellen Erneuerung anbetrifft, die ein Hauptziel des Aufbaus eines jüdischen Volkes im Jüdischen Nationalheim in Palästina ist, so handelt es sich hier um einen Prozeß, der nicht im Verlaufe von wenigen Jahren zu einer Lösung gebracht werden kann. Es ist dies vielmehr eine Aufgabe von Jahrzehnten, vielleicht von Generationen. Ein Blick in die jüdische Geschichte lehrt daß es zu allen kritischen Zeitläuften unseres Volkes nicht anders gewesen ist. Wenn jedoch von einer religiösen Erneuerung gesprochen wird, wie es zuletzt auf der Weltkonferenz der Liberalen in Berlin geschah, so muß man sich darüber klar sein, daß diese Erneuerung weder unter den kulturell übermächtigen Einflüssen der Außenwelt im Galuth, noch von Ist so nur in Erez-fsrael, wo sich eine VerMlthing zwiscl«» Volk und Land vollzieht. Man nehme nur das Beispiel des Schabbat in Palästina. Dort allein weiß man, was Schabbat ist. Der ״Schabbos“ selbst der Orthodoxen strengster Observanz hier im Galuth hat stets als Relief den Sonntag, an dem man ״seinen Ausflug nach dem Wannsce“ machen kann. Im jüdischen Palästina gibt es nur einen Schabbat und keinen Sonntag. Darum weiß man in Palästina, ob man nun fromm oder unfromm ist, was Schabbat bedeutet und welchen Inhalt er bekommen soll. Am Schlüsse seiner Ausführungen wies Dr. Hantke auf den beschämenden Umstand hin, daß im 19. Jahrhundert die verschiedensten Nationen in Jerusalem, dieser Stadt mit jüdischer Mehrheit, zahllose repräsentative Institutionen geschaffen und Gebäude errichtet haben, während die Juden, welche im 19. Jahrhundert genug Geld für tausend andere Zwecke aufgebracht haben, sich dieser repräsentativen Verpflichtung gegenüber Jerusalem nicht bewußt geworden sind. Nunmehr ist man gezwungen, um Jerusalem, in den Vor- Städten, Neues zu errichten, und die Zionistische Organisation sieht sich bemüßigt,* ihr Bureauhaus in Jerusalem zu einem repräsentativen Gebäude auszugestalten. Lang anhaltender Beifall dankte Dr. Hantke für seine überzeugend vorgetragenen Ausführungen. Die Wanlerfrage in Genf Genf, 3. September. (J.T. A.) Am 1. September wurde im Gebäude des Internationalen Arbeitsamtes in Genf eine Sitzung des ״Beratenden Komitees für die Flüchtlinge“ abgehalten. Von jüdischer Seite beteiligten sich an derselben der Vertreter von Emigdirect Z. Aberson, der Vertreter von Ica Luden Wolf und der Generalsekretär des Hilfsvereins der deutschen Juden Dr. Mark Wischnitzer. Es wurden verschiedene fragen des Flüchtlingsschutzes und der Hilfe für die Flüchtlinge behandelt. Am 3. September wurde in Genf die fünfte internationale Konferenz der privaten Organisationen für den Schutz der Wanderer eröffnet. Von jüdischer Seite nehmen an derselben teil: Adolph Göpel and für Hias, Aberson für Emigdirect, Lucien Wolf für Ica, Dr. Victor Jacobson für die Zionistische Organisation und Dr. Mark Wischnitz“er für den Hilfsverein der deutschen Juden. Zwecks Vereinigung aller jüdischen Vertreter zu gemeinsamer Aktion fand am Sonntagabend eine gemeinsame Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Organisation statt. An der Sitzung, die auf Anregung des Emigdirect-Vertreters, Zevi Aberson, stattfand, nahmen außer Aberson noch Leo Motzkin als Vertreter des Rates für die Rechte der jüdisehen Minderheiten, Luden W o 1 f, im Namen des Joint Foreign Committee und der lea, Dr. Mark Wischnitzer für den Hilfsverein der deutschen®Juden und Herr Cohen (London) als Vertreter der Jüdischen Gesellschaft zum Schutze von Frauen und Mädchen teil. Es wurden die auf der Tagesordnung der Konferenz der Privaten Gesellschaften stehenden wichtigsten Programmpunkte eingehend erörtert und beschlossen, daß die jüdischen Vertreter in Fragen, die den jüdischen Wandererschütz betreffen, möglichst Zusammengehen sollen. Am Montag, dem 3. September, 3 Uhr nachmittags, wurde die Konferenz der Privaten Gesellschaften für Wandcrerschufz bei Teilnahme der genannten jüdischen Vertreter eröffnet. Schaffen und Raffen Neben den von der Wissenschaft geprägten Bezeichnungen ״Industriekapital", ״Finanzkapital“ usw. ist in den letzten Jahren eine Unterscheidung gang und gäbe geworden, die mit wirklicher Volkswirtschaft sehr wenig zu tun hat, jedoch von der großen Masse der Unkritischen in den Vorrat ihrer Begriffe aufgenommen wurde. Diese Unterscheidung־ stellt einen Gegensatz zwischen schaffendem und raffendem Kapital auf. Das schaffende Kapital tendiert nacli dieser Auffassung in erster Linie dahin, neue Werte hervorzubringen, den Produktionsprozeß zu rationalisieren, das Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit zu verbessern und sich bewußt in den Dienst der Allgemeinheit unter Hintansetzung privater Interessen zu stellen. Das raffende Kapital aber läßt sich, nach der Auffassung der ״Wirtschaftler“, die diesen Begriff geprägt haben, einzig und allein vom Wunsch nach Profit leiten. Dem raffenden Kapital ist Produktion, Allgemeinwohl, Arbeitsprozeß, Lage des Arbeiters, Moral, Ethik vollkommen gleichgültig. Es kennt nur ein Ziel: Verdienen; um jeden Preis verdienen; selbst unter Anwendung der verwerflichsten Methoden; verdienen unter Mißachtung von Recht und Gesetz. Ferner sagen diese ״Wirtschaftler“, daß Repräsentanten des schaffenden Kapitals die Nichtjuden, Träger des raffenden Kapitals die Juden sind. Diese Feststellung wird ganz im Sinne der arischen Rassentheorie gemacht. Der nichtjüdische Arier ist eben auch im Kapitalismus schöpferisch, der Jude ist auch als Kapitalist Nutznießer, rein rezeptiv und ein Schmarotzer. Diese Betrachtung wird im gegenwärtigen Augenblick veranlaßt durch den sogenannten Fall Stinnes, der den Erben eines der größten deutschen Vermögen in Beziehung zu einer Verletzung der Gesetze über die Auf- Wertung von Kriegsanleihen in Deutschland bringt. Ef soll hie״ nicht darauf cingcgangcr. «verJeu, ״!. ■A. .:־.׳ jungen Stinnes gemachten Vorwürfe den Tatsachen entsprechen oder nicht. Das ist im Grunde genomtnen ziemlieh belanglos. Aufrichtig gesagt, verstehen wir die moralische Entrüstung der Oeffentlichkeit in diesem Falle nicht ganz. Wer die Geschichte des Entstehens der großen amerikanischen Vermögen von Myers gelesen, wer den Hexentanz der Kriegsgewinnler und Inflationsprpfitierer miterlebt hat, begreift nur schwer, warum man sich gerade im Falle Stinnes über die Unmoral einer Methode des Geldverdienens besonders aufregt, die zumindest seit einem Jahrhundert Kennzeichen der meisten großen Geld- Verdiener gewesen ist. Wer für die erfolgreichen ״Haifische“, wie die Kriegsverdiener in Italien genannt werden, jahrelang nur Bewunderung und Anerkennung gefunden hat, darf sich nicht das Recht anmaßen, plötzlich die Nase zu rümpfen, wenn einer dieser Geldverdiener erwischt wird. Es ist sicherlich keine Verleumdung, wenn man behauptet, daß der ׳Unterschied zwischen einem bei seiner Schiebung erwischten Großverdiener und vielen anderen hochgeehrten Verdienern nur darin besteht, daß die zweiten das Glück hatten, nicht erwischt zu werden. Es bleibe in diesem Zusammenhänge auch unerörtert, daß in dem Abgrund der Inflation, die eigentlich ein Staatsbankerott war, nicht nur die mühelos aufgestapelten Gewinne von Plusmachern des Krieges, sondern auch viele in langjähriger Arbeit ehrlich ersoartc Groschen vertrauensseliger kleiner Leute versunken sind. Schließlich sei ausdrücklich betont, daß wir uns mit dem Falle Stinnes nicht etwa zu dem Zwecke beschäftigen, um den unbelehrbaren Rassenantisemiten und Judenschmähern ein Etsch! Etsch! zuzurufen oder sie gar von der Unrichtigkeit ihrer Auffassung zu überzeugen. Wir wollen nur aus Anlaß dieses Vorfalles einmal Schlagworte beleuchten, die selbst von manchen Juden in einem Winkel ihres Herzens als nicht ganz unstichhaltig betrachtet werden. Es bleibe dahingestellt, ob die Marxische Definition, Kapital ist Mehrwert heckender Wert, in all ihren Konsequenzen richtig ist. Zweifellos jedoch ist die Unterscheidüng in ein moralisch einwandfreies und moralisch verwerfliches Kapital falsch. Ebenso falsch wie die Unter- Scheidung eines jüdischen und nichtjüdischen Kapitalisten. Es gibt nur ein einziges Kapital und dieses hat das Bestreben, sich zu verzinsen. Einerlei, in wessen Händen es sich befindet. Und die Kraft der ihm innewohnenden Tendenz ist so groß, daß sie sich auch in den Trägern äüßert, mögen diese Europäer, Asiaten, Juden oder Nichtjuden sein. Uns scheint es, daß der Kapitalismus auf die Träger in stärkerem Maße abfärbt als die jeweiligen Träger imstande sind, den Geist des Kapitalismus zu beeinflussen. Gerade der Fall des älteren Hugo Stinnes ist in dieser Hinsicht lehrreich. Trotz des vielstimmigen Oeschreis der vielen Diener und Nutznießer des Herzogtums Stinnes von der schöpferischen Bedeutung des Stinncschen Werkes ist es jedem Kenner der Wirtschaftsentwicklung im Nachkriegsdeutschland klar, daß das Hauptmerkmal der ״wirtschaftlichen“ Konzeption des