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Jüdische Rundschau · 1928-08-31 · Heft 69 (31.8.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 69 (31.8.1928)
Date
1928-08-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 69, 31. VIII. 1928 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 495 Der Bundestag des Jung-Jüdischen Wanderbundes Von Kurt Löwenstein. Die zionistische Jugendbewegung in Deutschland hat im Verlaufe der letzten Jahre eine doppelte Krise durchzumachen gehabt. Einmal wurde sie von mehr ״lokalen“ Schwierigkeiten aufs schwerste gefährdet: Zusammenbruch des Blau-Weiß, und dann wirkte die Wirtschaftskrise Palästinas naturgemäß auf die mit der Arbeit im Lande verbundene Jugend heftig ein. Der Jung-Jüdische Wanderbund, der heute die stärkste Stütze der zionistischen palästinozentrisch eingestellten Jugend in Deutschland darstellt, ist aufs engste mit den wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Zielen der palästinensischen Arbeiterschaft verknüpft. Es bestand daher die Gefahr, daß auch der Jung-Jüdische Wanderbund (J. J. W. B.) von der Alijahsnerre und den Nöten der Arbeiterschaft aufs schwerste getroflen werden würde. So ging man denn mit einem nicht ganz leichten Herzen zu dem diesjährigen Bundestag des J. J. W. B., der v o m 29. b i s 31. Juli in Scharzfeld am Harz stattfand. Diese Befürchtungen erwiesen sich jedoch als unbegründet. Auf dem Bundestag konnte man die erfreuliche Feststellung machen, daß trotz aller Krisen eine neue jugendliche Generation im Bunde herangewachsen ist, die mit großer Lebendigkeit daran geht, das Bundesleben von sich aus mitzugestalten. Diese Tatsache dokumentierte sich sowohl in zwei Lagern, die vor dem Bundestag die Jüngeren und nach dem Bundestag die Mittleren des Bundes vereinigten, stark besucht waren und sehr lebendig verliefen. Ferner traten in der Er- Ziehungsaussprache auf dem Bundestag eine ganz bedeutende Zahl von Jungführern auf, die mit aller Leidenschaft um die Fragen des Erzichungswcgcs rangen, vielleicht die gleichen fehlerhaften Ansichten vortrugen und verfochten, die auch frühere Generationen der zionistischen Jugend einst verteidigt hatten — doch ist es wohl Schicksal einer jeden neuen Generation, bestimmte Erfahrungen am eigenen Leibe durchzumachen! —, aber auf jeden Fall eine lebenskräftige neue Führerschicht des Bundes darstellten. Die zweite Tatsache, welche diesen Bundestag zu einem zionistisch sehr positiven Ereignis stempelte, war die Reaktion des Bundes auf die Möglichkeit einer neuen Ali j ah aus Deutschland. Die Antwort, die der J. J.W. B. und seine Chaluzim gaben, als die Nachricht von der Möglichkeit einer neuen Alijah auf dem Bundestage eintraf, war mehr als Begeisterung. Man spürte deutlich die Stärke des zionistischen Gefühls und empfand es, daß von den Menschen des Bundes ein schwerer Druck genommen wurde. Diese starke zionistische Kraft des Bundes zu kons.aticren, die aus lebendigen Gefühlsquellen gespeist wird, war das zweite Positivum dieses Bundestages. — Dane,:e!1 muß man natürlich auch auf bedeutende Schwierigkeiten hinweisen, die der J. J. W. B. auf seinem Wege nach außen und innen hin vorläufig noch zu bewältigen hat. Er umfaßt heute im wesentlichen in Deutschland lebende, zum Teil hier schon geborene und mehr oder weniger assimilierte ostjüdische Jugend, daneben kleinbürgerliche westjüdische Elemente und einzelne aus anderen westjüdischen Kreisen stammende Führer. Es ist ihm nicht gelungen, in der Jugend des westjüdischen Bürgertums festen Fuß zu fassen. Die Schwierigkeiten in dieser Hinsicht liegen naturgemäß primär darin, daß er als sozialistischer Bund mit seinem Erziehungsziel der Chaluziuth in gewissen Gesellschaftskreisen nicht heimisch sein kann. Daneben aber scheint es so, als ob auch der Wille des Bundes, diese jugendkreise für sich zu erobern, nicht sehr stark ist. Auf diesem Bundestage wurde das eindeutige Erziehungsziel des Ohaluz, der auf dem Wege produkiiver Arbeit sich in die palästinensische Arbeiterschaft eingliedert, erneut fcstgcstcllt. Die daneben seit Jahren bestehende Frage derjenigen Aelteren, die als Nichtchaluzim dem Bunde angehören, wurde insofern einer Lösung nähergebracht, als man für diese Menschen politische Aufgaben im Sinne der Arbeiterschaft Palästinas als wesentlich anerkannte und gemeinsam mit den Arbeiterparteien daran gehen wird, für sie außerhalb des Bundes die organisatorische Form ihrer Betätigung zu finden. — Neben der im Wesen der Menschen bereits tief verwurzelten zionistischen Verbundenheit war die Darstellung der zionistischen Stellungnahme des Bundes, wie sie auf diesem Bundestage in den Diskussionen zutage trat, allerdings recht wenig getdärt und überhaupt zum großen Teile sachlich verfehlt. Man hat es im J.J.W. B. aus einer gewissen Abneigung gegenüber intellektuell-ideologischer Arbeit heraus verabsäumt, eine systematische politisch-zionistische und auch sozialistische Erziehung durchzuführen. So kam es denn dazu, daß ein Teil der Chawerim des Bundes die revolutionäre Bedeutung des Z i o n i s m u s für die heutige Judenheit nicht mehr begriff; und auch auf dem Gebiete des Sozialismus wird die Eigentümlichkeit des zionistischen Sozialismus Palästinas zum Teil mißverstanden, man assimiliert sich sehr stark an das Vorhild des europäischen Sozialismus und versucht, diesen mit dem Zionismus in etwas mechanischer Weise zu verknüpfen. Die Folge ist eine dauernde Unsicherheit gegenüber dem und ein Menschenverlust an den Kommunismus und das Entstehen eines ideologisch-ungefestigten sozialistischen Zionismus. Allgemein hat sich — und das ist gegenüber dem vorjährigen Bundestag als ein Fortschritt zu werten — der Gedanke der Politisierung der Aelterenschaft des Bundes durchgesetzt. Allerdings lehnt der Bund jegliche Verknüpfung mit einer der in Deutschland bestehenden politischen Organisationen des Zionismus ab. Wo es sich um gemeinsame Interessen der palästinensischen Arbeiterschaft handelt, nimmt er aber geschlossen Anteil. * Dem Bundestag des J.J.W. B, ging am 29. Juli eine C h a 1 u z b c s p r e c h 11 11 g voraus, die sich mit der Frage der Durchführung■ der neuen Alijah befaßte. Die Tagung selbst wurde am 29. abends mit einer Bundesfeier eröffnet, in deren Mittelpunkt eine Ansprache von Georg Lubinski stand. Der 30. Juli war zum größten Teile den sportlichen Wettkämpfen der Jüngeren und Mittleren gewidmet. Am Nachmittag fand unter Leitung von Dow Stock ein Chug iwri statt, lin Anschluß hieran sprach Uri Rosenblatt vor dem ue־;mtbunde über ״Die geistige Situation des BuniTcs'u an dieses Referat knüpfte sich eine prinzipielle Auseinandersetzung über die Grundlagen der Bundesarbeit. Am 31. Juli sprach Dobkin vom Merkas Hechaluz haolami über die Lage im Welthechaluz. Hierauf sprach Manfred Rosenberg über ״Die pädagogischen Grundlagen der Btin d e s a r b e i t“, über die dann ausfiihrlich diskutiert wurde. Es folgte eine Sitzung des neu eingesetzten Bundesrates, der aus 21 Chawerim und Chaweroth des Bundes besteht. Zugleich tagten die Mädchen unter Leitung von Ada Fischmann und Golda Meierson und besprachen Fragen der beruflichen Vorbereitung. Die Jüngeren- und Mittlercnschaft des Bundes hatten eine eigene Sitzung, in der einige die Jüngeren interessierende Fragen (Autonomie der Jüngeren, Jüngerenlager, die Zeitschrift der Jüngeren ״Hechawer“ u. a.) besprochen wurden. Am Abend vereinigte sich der Bund zu einer Schlußsitzung, in der die Bundeslciturig neu gewählt wurde; sie besieht jetzt aus Mosche Brachmann, Manfred Rosenberg und Uri Rosenblatt. Am Bundestage nahmen etwa 600 Chawenn! und Chaweroth des Bundes und zahlreiche Gäste aus Palästina teil. Probleme Jerusalems Von Dr. Fritz Loewenstein, Jerusalem. Jerusalems Bedeutung lag im Altertum in der Beherrschung des von Aegypten durch die westjordanischen Berge führenden, in Mesopotamien endenden Weges. Heute würde niemand auf den Gedanken kommen, Jerusalem zur Hauptstadt des Landes zu machen, wenn nicht die unvergleichlichen historischen Imponderabilien mitsprächen. Obwohl Jerusalem die größte Stadt Palästinas ist, ist sic wirtschaftlich völlig rückständig. Aller die Welt empfindet, daß, wer in Jerusalem sitzt, Herr Palästinas ist, und deshalb haben die Engländer nach der Eroberung des Landes wiederum Jerusalem zur Hauptstadt gemacht und diesem Beispiel sind die zionistischen Zentralinstitutionen gefolgt. Jerusalem hat, wie bekannt, eine jüdische Mehrheit. Aber das kommt im Stadtbild nicht deutlich zum Ausdruck, weil die orientalischen Juden wie die Araber gekleidet sind und man lange im Orient gewohnt haben mu,'i. um an den Gesichts- Zügen den orientalischen Juden vom Araber zu unterscheiden. Im Stadtbild tritt das C h r i s t c n t u m stark hervor: Geistliche aller christlichen Konfessionen, zahllose Kirchen und Klöster tragen dazu bei, der Stadt einen erheblichen christlichen Einschlag zu geben. Der mangelnde jüdische Ejnfluß bei zahlenmäßiger Ueberlegenheit beruht zum Teil auf der Tatsache, daß ein großer Teil gerade des Jerusalemer Jischuws nicht eingebürgert ist und deshalb bei den Wahlen zu den Stadtkörperschaften nicht mitwählen durfte. Wie erinnerlich, erhielten die Juden nur ein Drittel aller Sitze, während sie zahlenmäßig Anrecht auf zwei Drittel gehabt hätten. Freilich nahmen die Juden einen sehr aktiven Anteil auch bei der Wahl der arabischen Vertreter und gaben den Ausschlag für den Sieg der Naschaschibi-Gruppc auf Grund einer vorherigen Wahlabmachung, bei der die Naschaschibis sich verpflichteten, daß in Zukunft jüdische Arbeiter bei den Arbeiten der Stadt und jüdische Beamte in der Stadtverwnltung in gleichem Maße wie arabische verwendet werden sollten. Es muß konstatiert werden — und darüber gibt es keine verschiedene Meinung in sämtlichen Kreisen des Jischuws —, dal! dieses Wahlbündnis sich als verfehlt herausgestellt hat und daß dieNaschaschibisihrWortglattgebrochen haben, ohne auch nur im mindesten zu versuchen, dies zu heschönigen. Nach wie vor werden sämtliche öffentliche Arbeiten an arabische Unternehmer vergeben, die nur arabische Arbeiter beschäftigen. Nach wie vor ist der Magistrat, wenn man diesen modernen Ausdruck hier einmal benutzen darf, eine fast ausschließlich arabische Behörde, deren Arbeitsmethode einem Europäer völlig unverständlich ist und wo Worte wie ״Verwaltung“ oder gar die neuerdings so beliebte ״Efficiency“ nicht angewendet werden dürfen. Nur ein Utopist kann z. B. auf den Gedanken kommen, auf einen Brief an diesen arabischen Magistrat jemals eine Antwort zu erhalten. Die vier jüdischen Mitglieder des Magistrats sind in hoffnungsloser Minderheit und dieselben Männer, die Jahre und Jahre den unglaublich schwierigen und undankbaren Kampf für die jüdischen Rechte in Jerusalem gekämpft haben, neigen heute dazu, die ganze bisherige Politik für falsch zu halten. Man muß sich Einzelheiten vergegenwärtigen, um die Erbitterung und Enttäuschung zu verstehen, die hier herrschen. Man sehe sich einmal den Zustand der Straßen in ausgesprochenen Judenvierteln wie Machneh Jehudah oder Meah Schearim an und vergleiche sie mit Vierteln, die keinen ausgeprägt jüdischen Charakter haben, und wird sehen, daß hier eine bewußte Uebergehung und Geringschätzung des jüdischen Elements am Werke ist. Aber es ibt ernstere Dinge. Es muß gesagt werden, daß die öffentichen Sicherheitsverhältnisse in Jerusalem besonders im letzten Jahre schlechte geworden sind. Es entspricht nicht ganz der historischen Würde Jerusalems, daß in dieser Stadt am Abend auszugehen in gewissen Stadtvierteln ein Risiko ist und daß man Frauen in manchen dieser Viertel selbst am Tage schwer allein gehen lassen kann. Eine Aenderimg der unbefriedigenden Situation für die Juden Jerusalems ist nicht leicht herbeizuführen. Der jischuw weist nicht die relative Einheitlichkeit der Tcl-Awiwcr Bevölkerung auf. Tel-Awiw besteht fast nur aus Neueinwanderern, mit entschiedener Ueberlegenheit des aschkenasischen Elements und trotz der vorhandenen politischen und sozialen Gegensätze gibt es dort ein Gefühl, gemeinsam Bürger der neuen jüdischen Sfadf zu sein und über ihre Entwicklung־ und Autonomie zu wachen. Man möchte sagen, daß Tel-Awiw eine zionistische Stadt ist, was man von Jerusalem keinesfalls sagen kann. Nicht nur deshalb, weil Jerusalem erhebliche agudistische und bewußt antizionistische Bestandteile hat, was in Tel-Awiw tast völlig fehlt, sondern vor allem deshalb, weil große Teile des alten Jischuw und der Sefardim in ganz anderen Vorstellungsweiten leben als das moderne aschkenasische Einwandererelement. Der Agudist hat seine Gründe, Nichtzionist zu sein; diese Elemente aber haben gar keine Gründe, sondern verstehen zu einem großen Teil noch gar nicht, um was es geht. In der letzten Zeit erörtert man in Jerusalem häufig die Frage, welche Politik in bezug auf Organisierung und Siedlung der Jerusalemer Jischuw zu führen habe und wie er sein Verhältnis zum arabischen Jerusalem definieren soll. Man wird sich erinnern, daß seinerzeit, als die Wahlen zu den städtischen Körperschaften erfolgten, die Regierung die neuen jüdischen Viertel, Makor Chajim, Talpioth, Rechawiah, Montefiore, Beth Hakerem und Bajit Wegan, nicht zu Jerusalem rechnete und ihren Bewohnern das Wahlrecht nahm, obwohl diese Bewohner sämtlich ihren Beruf in Jerusalem selbst ausüben. Inzwischen hat sich an diesen Dingen nichts geändert. Es hat Fälle gegeben, wo diese neuen Siedlungen recht zufrieden damit waren, ihre Angelegenheiten nur mit der Regierung und nicht mit der arabischen Stadtverwaltung erledigen zu müssen. Jetzt ist die Stadt an diese Viertel herangetreten und hat sie aufgefordert, mitzuteilen, ob sie der Stadtgemeinde beitreten wollen. Damit ist eine für die zukünftige Entwicklung Jerusalems sehr wesentliche Frage aufgeworfen worden. Es gibt bisher keine einheitliche Ansicht in dieser Frage. Es gibt in Jerusalem eine weitverbreitete Meinung, die eine separatistische Siedlungspolitik nach dem Muster Tel-Awiws befürwortet. Ein Blick auf die Karte zeigt, daß die neuen Viertel im Nordwesten, Westen und Süden liegen, und es liegt nahe, sich vorzustellen, daß einmal das zwischenliegende Land gekauft und somit eine geschlossene jüdische Siedlungsflächc vorhanden wäre, zumal ja auch der westliche Teil der Jaffa- Straße gänzlich jüdisch ist. Man denkt daran, auf den Anschluß an das eigentliche Jerusalem zu verzichten und ein jüdisches Jerusalem zu erstreben. Dagegen gibt es zwei sehr ernste, wie uns scheint, entscheidende Bedenken. Man mag grundsätzlich zur Frage der autonomen jüdischen Bezirke stehen wie man wolle: unverkennbar stellt Jerusalem heute und für alle Zeiten ein ungewöhnlich wichtiges Imponderabile dar, auf das wir nicht leichtsinnig verzichten dürfen. Das historische Jerusalem aber sind Altstadt und Oelberg, niemals Talpioth oder Beth Hakerem. Und ein zweites Moment: ein solches jüdisches ״Neu-Jerusalem“ würde natürlich niemals den ganzen Jischuw umfassen können: der ganze Jischuw der Altstadt, die wichtigen Viertel Meah Schearim, Sichron Moscheh usw. würden stets außerhalb einer derartigen Kombination bleiben. Unsere wie!!- tigsten Institutionen, Exekutive, Keren Hajessod und Keren Kajemeth, Universität und Bibliothek, ein Teil der Schulen (dort gibt es eine gewisse Tendenz, in die neuen Vorstädte zu gehen) würden außerhalb der neuen Stadt bleiben. Die Folge wäre eine außerordentliche Schwächung unseres Einflusses im eigentlichen Jerusalem, für die wir in der Voraussicht der sehr langsamen Entwicklung des neuen Jerusalems nur einen ungenügenden Ersatz fänden. ״Humor in der indischen Kunst“ Zur bevorstehenden Ausstellung in der Betliner Sezession (15. September bis 15. Oktober). Ls sind keine zwei Jahre her, da konnte man noch da und dort in der jüdischen Presse lesen, daß es zwar jüdische Künstler gäbe, die auch manchmal jüdische Motive malten, daß aber die Existenz einer jüdischen Kunst noch sehr zu bezweifeln sei und zumindestens noch lange kein Faktum, keine unumstößliche Tatsache. Inzwischen wurde es anders. Trotz der gewiß europäischen Kunstform des Expressionismus oder vielmehr gerade durch seine seelische Auflockerung fanden die jüdischen Künstler, vor allem die Maler, wenn sie Erinnerungen aus dem jüdischen Volksleben malten für das spezifisch jüdische der (Jhassidim- Tän/e, der vielfältig gebrochenen Bewegungen, der Ausdrücke für Freude und Schmerz so eigene, nur jüdische Züge, daß man immer wieder von dem Vorhandensein einer jüdischen Kunst sprechen durfte. Wir sahen and! seit den letzten drei Jahren in allen großen Ausstellungen der ״Großen Berliner“, der ״Juryfreien“, der ״Akademie“, der ״Sezession“ regelmäßig die jüdische Kunst vertreten, nicht nur das jüdische Motiv oder den zufälligcrweise jüdischen Künstler, sondern den bewußt im Volkstum wurzelnden. Ich denke vor allem an jenes Häuflein, das zwar nicht geschart um Chagall, aber von seinem Vorstoß beeindnickt, sich in Paris zusammenfand und sich zur jüdischen Volkskulhir bekannte. Es sind die: Kulviansky, Marek Swarc, Rvbak, l..azar Segal, wahrscheinlich auch Jankel Adler. Ob Rahel Szalit, die starke Gestalterin, damals in Paris war, weiß ich nicht. Gewiß ist, daß die Jankel Adler, Lazar Segal, Rahel Szalit, Kulviansky, Feigl, Arthur Brvks eine starke, nicht umzustoßende Tatsache ■sind und daß die jungen: Barcinsky, Kirschenbaum, Bronstein nicht schwächer sind. Budko, in der Malerei westlicher als die genannten, gehört in der Graphik zu ihnen. Aehnlich ist es mit Steinhardt. Arthur Segal gehört dazu durch seine Geistigkeit. Jedenfalls: die Tatsache dieser Ausstellung ist durchaus ein Erfolg der jüdischen Renaissancebewegung; denn die Tatsachc, daß die jüdische Presse nach den schaffenden Kräften der jüdischen Gegenwart Ausschau hielt, hat dazu geführt, daß die jüdische Kunst sich nach und nach ihren Platz In den großen Ausstellungen eroberte. Vorher haben auch viele jüdische Maler und seihst die jüdischen Maler jüdischer Kunst ״neutrale Werke“ ״cingcschickt“ und ihre jüdischen Arbeiten nicht ausgestellt. Der Ausstellung selbst ist nur zu wünschen, daß sie ihrem großen Programm gemäß auch wirklich alle die schaffenden Kräfte erfaßt, die gegenwärtig am Werke sind. Ruth Morold, Kleine Nachrichten Am 17. August (1. Elul) beging Ussischkin seinen 65. Geburtstag. (Ziko.) Miß Szold ist nach Beendigung der Beratungen des A.-C. bereits nach Palästina zurückgekehrt und hat dort ihre Tätig* keit als Mitglied der Zionistischen Palästina-Exekutive wieder aufgenontmen. Der Preußische Minister für Wissenschaff, Kunst und Volksbildnng hat an Stelle des verstorbenen Justizrats Lilienthal zum Sachverständigen für jüdische Angelegenheiten den Rabb. Dr. B a e c k , Berlin, bestellt. Der Präsident des französischen Pro Palästina-Komitees, Senator Justin G 0 d a r d , wandte sich im Namen des Komitees an Lord Balfour mit der Bitte, die Ehreamitgliedschaft des Komitees anzunehmen. Lord Balfour erwiderte, daß er diese Auszeichnung mit Freude annehme. — Ehrenpräsident des französischen Pro Patästina-Komitees ist der Präsident der französisehen Republik Aston Doumergue. Jerusalem, 28. August. (J. T. A.) Das Zentralkomitee der linken Partei Poale Zion in Palästina hat den Ausschluß von 47 Parteimitgliedern wegen Verletzung der Parteidisziplin und Hereinbringung von Uneinigkeit in die Partei ausgesprochen. Unter den Ausgeschlossenen befinden sich Personen, die bisher führend in der Partei waren. Nach der arabischen Zeitung ״Al Ordin“ sollen alle Waren, die aus Palästina kommen, mit Ausnahme von Tabak, im Transit durch Transjordanien vom Zoll befreit werden. (Ziko.) Dr. Amira und Ing. Reiner werden die Hebräische Universität und den Verband der Ingenieure und Architekten in Palästina auf dem internationalen mathematischen Kongreß in Bologne vertreten. — Zu dem im Dezember d. J. in Kairo stattfindenden Kongreß für Hygiene und Tropenkrankheiten wird der Verband der jüdischen Aerzte Palästinas eine Vertretting entsenden. New York, 22. August. (J.T. A.) Innerhalb der demokratischen Partei des Staates New York ist man entschlossen, für den Fall, daß der jetzige populäre Gouverneur von New York Al Smith zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wird, den Obersten Herbert Lehman als Kandidaten der demokratischen Partei für den Gcmverneurposteii des Staates New York zu nominieren. Herbert Lehman ist einer der Führer der jüdischen sozialen Hilfstätigkeit in Amerika und einer der Vize- Präsidenten des Joint Distribution Committee. Wie Zeitungskorrespondenten aus Palästina zu melden wissen, soll infolge der Verschärfung der Lage in Aegypten die englische Regierung beabsichtigen, den Bau des Hafens in Haifa in größerem Umfange als bisher geplant durchzufiihren, damit dort auch die größten Kriegsschiffe Anker werfen können. (Ziko.) In kurzem wird in Jerusalem eine Ausstellung der palästinensischen Presse eröffnet werden, die die Entwicklungsgeschichte der Presse in Palästina illustrieren soll. Die Ausstellung wird von der Kulturkommission der palästinensischen jüdischen Arbeiterföderation (Histadruth Haowdim) organisiert. Der ordentliche Delegiertentag des § c 11 vv c i zerischcn Zionisten Verbandes ist für Sonntag, den 9. September, nach Zürich einberufen worden. (Ziko.) Wie ״Emess“ mitteilt, sind bis Ende Juli 170 jüdische Siedler, d. s. 26 0';״ aller Pioniere, aus Bir-Bidschan in die früheren Heimatorte z u r ii c k g e w a n d e r t. L o t» d o n , 27. August. (J. T. A.) Das Londoner katholische Organ ״C a 11! o 1 i c H e r a 1 d“ befaßt sich in einem Artikel mit dem neuen Steuergesetzentwurf Palästinas und führt darüber Klage, daß die jüdischen Institutionen auf dem Gebiete der Steuern gegenüber den Institutionen der übrigen Konfessionen bevorzugt werden. Wenn das jüdische Imrtiigratiienheim Steuerfreilich genießt, meint das Blatt, so müßten die katholischen Pilgerheime der gleichen Vergünstigung teilhaftig werden. ״Catholic Herald“ nennt als die verantwortliche Person für den Steuergcsetzenfwurf den Oberstaatsanwalt B e n t w i c h und fügt hinzu, es sei ״interessant“, daß er Jude ist. Paul M. Warburg, ein führender amerikanischer Finanzmann und Bruder von F e I i x M. Warburg, wurde am 10. August dieses Jahres 60 Jahre alt. fn Jerusalem ist Anfang August im Alter von 36 Jahren die Schwester von Ingenieur Kaplanskv, Fräulein Helene Kaplansky, gestorben, die seit 17 Jahren in den Diensten des Keren Kajemeth gestanden hat. (Ziko.) Zum Ehrenkonsul Lettlands in Jerusalem wurde der Jude Mardechai K a s p i ernannt. Kaspi ist Inhaber einer der größten palästinensischen Importfirmen.

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