Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1928-08-31 · Heft 69 (31.8.1928) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 69 (31.8.1928)
Date
1928-08-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2652971-2653034--20219-2678177
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

» Seite 496 JUEDISCHE RUNDSCHAO Nr.69, 31. VIII. 1928 Misrachi*Versammlungen in Deutschland Aus Breslau wird uns berichtet: Am 8״ August sprach vor einen! zahlreichen Auditorium der Vorsitzende der Misrachi-Wcltorganisation, Raw Meir B e r - 1 in, Jerusalem. Der Vortragende äußerte sich zunächst über die Palästinakrise der letzten zwei Jahre, deren Umfang aus Kleinmut, oft auch aus Böswilligkeit von unsern Gegnern übertrieben worden ist. Es fehlt in bezug auf Palästina die Geduld, die sonst bei jaler Aufbauarbeit als selbstverständliche Voraus- Setzung gilt. — Die Krise darf heute bereits als überwunden betrachtet werden. In Anbetracht der Schwierigkeiten der zionistischen Aufgaben entsteht die Frage, ob denn die Opfer auf denjenigen Arbeitsgebieten, die nicht unmittelbar mit der Kolonisation zusammenhängen, zurzeit wirklich berechtigt sind. Besonders bezüglich des Erziehungswesens wird oft die Ansicht laut, daß diese Fragen sich ganz von selbst lösen würden, wenn erst die äußeren Lebensbedingungen sichergestellt seien; man könne diese Angelegenheit der natürlichen Entwicklung überlassen. Darauf ist zu erwidern, daß solche Anschauungen Produkte des Diasporalebens sind. Man ist gewöhnt, in jeder jüdi- •eben Gemeinde mit kulturellen Einrichtungen zu rechnen. Die Einwanderer in Palästina finden aber nichts vor, und es besteht die Gefahr, daß sie seihst, oder aber die erste Generation nach ihnen, uns verlorengehcn, wem! die kulturelle Betätigung dem Belieben und dem Können des Einzelnen überlassen bleibt, ln Palästina handelt es sich nicht bloß um Neuland, sondern auch um die Heranbildung neuer jüdischer Menschen, deren Durchdringung mit jüdischen Kulturwerten die erste Voraussetzung eines wirklich jüdischen Palästina ist. Im engeren Zusammenhang mit diesen Problemen steht die Agency-Frage, die in den letzten Wochen die Gemüter erregte. Der nationale Palästina-Aufbau ist nicht bloß eine Geldfrage, und die Rettung kommt nicht von der Agency allein, sie mag noch so praktisch sein. Nur ein Volk mit nationalem Willen, eine Volksbewegung, ist zur Lösung der Aufgabe fähig. Palästina darf nicht ein Asyl werden; auf den Geist des Jischuw kommt es an. Erez-israel ist das bestmöglichste Land, in welchem das Judentum erlebt ,werden kann, wo Sabbat, Sprache, alle Aeußenmgen der Kultur eine natürliche und bestimmte Note erhalten. Weil aber weite Kreise im Zionismus gewöhnt waren, nur die Wichtigkeit der Kolonisationsfragen zu betonen, und da die Pflege jüdischer Art weniger wesentlich erschien, erlebte der Zionismus in der Agency-Angelegenheit seine Niederlage. Mit Hilfe der Geldmagnaten mag es wohl neue Kolonien geben, aber eine Erneuerung geschieht auf diesem Wege nicht. Um so mehr ist in diesem Augenblick der Misrachi verpflichtet, seine Stimme zu erheben. Das demokratische Prinzip im Zionismus begünstigt die Entwicklung in unserem Sinne, sofern nur endlich diejenigen kommen, die es am meisten angeht. Der Misrachi ist nicht eine Körperschaft zur Stärkung der Religion. Es genügt nicht, für sich religiös sein zu wollen, es istt nicht von so schwerwiegender Bedeutung, daß w i r uns religiös ausleben; worauf es ankommt, ist die Wirkung auf das Ganze. Schon jetzt geschieht es, daß Kolonien die Hilfe des Misrachi verlangen, um die Schaffung kultureller Einrichtungen durchzuführen. Das bedeutende Schulwerk des Misrachi findet wohl ungeteilte Anerkennung. Die große Aufgabe unserer Generation besteht nicht darin, ein Land, in welchem Juden wohnen, aufzubauen, sondern ein jüdisches Land zu schaffen. Nach einer kurzen Diskussion wies der Versitzende der Breslauer Misrachigruppe, Dozent Dr. R a b i n , darauf hin, daß die anderen oppositionellen Parteien sich nicht aus weltanschauliehen Grundsätzen von der zionistischen Mitte trennen, daß vielmehr politische, zum Teil temporäre Erscheinungen ihre Sonder- Stellung bedingen. Den Misrachi dagegen führt seine geschlossene Weltanschauung zur Opposition, die Sehnsucht nach voller Erneuerung des Judentums und das Verlangen, die ewigen Fundamente des Judentums weiterhin als Grundlage eines jüdisehen Lebens gewahrt zu wissen. Daher ist der Misrachi nicht eine kämpferische Gruppe innerhalb des Zionismus, er ist d c r Geisteskämpfer des Zionismus, wie er allein in Wahrheit gedacht und vollendet werden kann: jüdisches Leben, das verschüttet und beengt war, in seiner alten Kraft und Schönheit wieder aufzubauen. Zur Erneuerung dieses Lebens ist die Wiederbelebung der religiösen Kräfte im Judentum notwendig. Von einer speziellen Behandlung der Agudah-Frage wurde in dieser Versammlung abgesehen, weil in den Kreisen der Breslauer Agudah dem Misrachi viel Verständnis und Sympathie entgegengebracht wird. Um nicht eine Trübung des freundschaftlichen Verhältnisses der beiden Breslauer Organisationen herbeizuführen, glaubte der Misrachi auf eine Kritik der Agudah diesmal verzichten zu sollen. L. * > Auch in Frankfurt a. M. hielt Raw Berlin am 14. August in einer guten Versammlung einen Propagandavortrag über ״Die Lage in Erez-Fsrael“, der großen Eindruck machte. Ein Vertreter der Agudah sprach in der Diskussion und griff mit Berufung auf die misrachistische Kritik an dem zionistischen Kulturwerk den Misrachi an. Raw Berlin wandte sich in einem Schlußwort gegen die Agudah, die jede Aufbauarbeit in Erez- Israel vermissen lasse und lediglich kritisiere. Ein Welt verband der Scbomre-Schabbos Das Vorbereitungskomitee zur Gründung eines Weltveraandes Schomrc-Schabbos teilt mit, daß bisher aus fast allen Ländern Zustimmungserklärungen und Mitarbcitszusichcruugcn zur Erreichung des erstrebten Zieles eingelaufen sind. Das vorbereitende Komitee hofft, in allernächster Zeit die Gründung der Weltorganisation vornehmen zu können. Zeit und Ort der Gründungsversammhmg wallen noch bekanntgegeben werden. Das Komitee richtet an alle, die mit seinem Ziel sympathisieren, die Bitte, ihre Bereitwilligkeit zur Mitarbeit zu erklären. Bei dieser Gelegenheit weist das vorbereitende Komitee darauf hin, daß die zu gründende Organisation einen absolut überparteilichen Charakter haben soll. Zuschriften sind erbeten an Herrn Dr. S. Grünberg, Berlin NW 40, Thomasiusstraße 21. Das vorbereitende Komitee besteht aus den Herren: Seminardozent Dr. Grünberg, H. Abramczyk, Raphael Gradenwitz, James Goldschmidt, Hans Goslar, Rabb. Dr. Klein, Alfred Markus, Moritz Merzbach, Dr. Werner Silberstein, Dr. Paul Sulzberger, Dr. Alfred Wiener. Die Geschichte der Juden in der Bukowina unter österreichischer Verwaltung 1774—1918 von Dr. Samuel Josef Schulsohn. 1. Abteilung. Die Vertreibung der Juden aus der Bukowina. 1774—1783. (Sonderdruck aus dem ״Jeschurun“, Jahrgang 15, Heft 1,2, 3/4.j Diese mit großem Flciße und gründlicher Sachkenntnis abgefaßte Arbeit stützt sich auf ein genaues Studium der einschlägigen Aktcnmaterialien. Dr. Schulsohn, der auch eine lesenswerte, originelle Arbeit über die Geschichte der Siedlung des jüdischen Elementes in Rumänien geschrieben hat, ist auf Grund seiner Herkunft aus der Bukowina und der Kenntnis der dortigen Verhältnisse ein berufener Forscher auf diesem bis jetzt von der jüdischen Geschichtschreibung stiefmütterlich behandelten Gebiete. Die vorliegende Arbeit vermittelt, unseres Wissens zum ersten Male, eine Zusammenßtelhmg des einschlägigen Materials. b. z. Karlsbader Brie! Karlsbad ist auch für uns Zionisten von großer Bedeutung. Es ist nicht nur der Salon der tschechoslowakischen Republik, sondern auch Treffort vieler Tausender Juden aus allen fünf Erdteilen. Diesen Umstand nützt die zionistische Ortsgruppe seit Jahren aus, indem sic allwöchentlich am Donnerstag Vereinsabende im Hotel ״Glattauer“ veranstaltet, an denen die Zionisten und Palästinafreunde aus aller Welt zusammenkommen. Die von der zionistischen Ortsgruppe aufgelegten Präsenzlisten werden einst neben ihrem Seltenheitswerte als Autogrammensammlung bedeutender Zionisten und sonstiger jüdischer Persönlichkeiten auch historischen Wert haben. Hier fernen unsere Gesinnungsgenossen einander kennen, und dadurch entstehen persönliche und gesellschaftliche Beziehungen, die von großem Werte sind. Die Hauptbedeutung unserer Vereinsabende Hegt jedoch auf ideellem und ideologischem Gebiete. Als Treffpunkt der großen Armee der einfachen und führenden Zionisten aus allen Weltteilen und aus den verschiedensten Richtungen im Zionismus sind die wöchentlichen Zusammenkünfte oft klärende Diskussionsabendc. Diese Abende sind im Sommer oft kleine ,,Kongresse“, auf denen die Führer fast aller Richtungen im Zionismus um die Richtigkeit ihrer Weltanschauung und Handlungsweisc! den. Stam-Zionisten, Misrachisten, Poale Zion, I titachduth, Radikale und Revisionisten kommen hier zu Worte, tragen ihre Anschauungen vor und begründen ihre Stellungnahme zu den uns bewegenden Fragen des zionistisehen und allgemein jüdischen Lebens. Berliner Zionistische Vereinigung Dienstag, den 4. September, abends 8' - Uhr im Gartensaal des Logenhaases, Kleiststraße 10 Vortrag: Dr. Arthur Hantke, Derusalem: ״Palästinensische Wirklichkeit und deutsch - jüdische Probleme“ Dank der Initiative der Ortsgruppen- und besonders der Kreisleitung unter Führung von Dr. Walter Kohner und unter tätiger Mitwirkung von Fritz U11 m a n n zeichnet .,ich die heurige Saison in besonderem Maße aus. Die Diskussionen stehen auf hohem Niveau. Zionistische Führer kamen bei überfülltem Saale zu Worte: Dr. Hugo Herrmann, Brünn; Dr. I. Schipper und die Abgeordneten Farbstein und Grünbaum, Warschau; Alfred Berger, Berlin; und David Jellin, Jerusalem. Als mächtige zionistische Kundgebung war auch das am Sabbat-Ausgang, den 18. August, veranstaltete Meeting im ״Bayerischen Hof“ zu werten, an dem die Herren Dr. Alfred Klee, Berlin; Abgeordneter I. Grünbaum und David Jellin an die den Saal füllenden Massen appellierten, den Aufbau Palästinas tatkräftig zu unterstützen. So arbeitet Karlsbad in der sonst ״toten“ zionistischen Saison für die Verlebendigung und Vertiefung unseres Wissens um den Zionismus. Es wäre nur zu wünschen, daß auch die anderen Kurorte, die betreffs jüdischer Kurgäste in einer ähnlichen Lage wie Karlsbad sich befinden, unserem Beispiele folgen sollen. I. B. * Die Feier des vierzigjährigen Amtsjubiläums des Rabbiners Dr. Ziegler gestaltete sieh zu einer machtvollen Kundgebung der Verehrung für den Jubilar seitens des hier anwesenden internationalen Publikums. In der Synagoge hielt Rabbiner Dr. Bach-Wien die Festpredigt, Prof. Dr. Blau- Budapest gratulierte Im Namen des Budapester Landesrabbiner- Seminars, aus dem Dr. Ziegler hervorgegangen ist. Dr. Ziegler dankte und erwähnte, wie in freundlicher Teilnahme an seinen sozialen Schöpfungen, ihm insbesondere das amerikanische Judentum die Erhaltung des von ihm begründeten Kurhospitals ermöglicht habe, ln einer von der Bnei Brith- Loge veranstalteten Abendfeier hielt Dr. Kfemperer die Festrede. Oberrabbiner Dr. N i e m i r o w e r-Bukarest und Direktor J e 11 i n - Jerusalem gratulierten für die Großlogen ihrer Distrikte, Rabbi Dr. Sifverman vom Tempel Emanuei in New York feierte den Lehrer und Wissenschaftler, Rechtsanwalt Dr. Klee- Berlin den treuen Mitarbeiter am Aufbau Palästinas, Prof. Dr. Stern- Saaz sprach für die tschcchoslowakischen Logen und den Rabbinerverband. Unter den Erschienenen bemerkte man eine Reihe von Rabbinern aus allen Ländern, so u. a. Rabbiner Dr. Freimann-Posen, Dozenten und Professoren, u. a. Prof. Dr. Marmorstein vom Jews College in London, Vertreter inländischer und ausländischer Gemeinden, Abordnungen von Vereinen usw. Dem Jubilar zu Ehren wird in Karlsbad ein jüdisches Altersheim errichtet werden, außerdem lassen die Karlsbader Zionisten einen Dr. Ignaz Zicgler-Ha in in Palästina pflanzen. Der ״Lloyd T r i e s t i n o“ wird von Mitte September mittels seiner beiden Dampfer ״Giannicolo“ und ״Bucovina“ einen regulären Schiffsverkehr mit Palästina durchführen. Die Dampfer werden alle zwei Wochen folgende Roufe befahren: Triest, Brindisi, Jaffa, Haifa, Beirut, Alexandria, Beirut, Haifa, Jaffa, Brindisi, Triest. An unsere Abonnenten! *י Die Post verlangt von uns die Anmeldung der vom 1. Oktober 1928 ab zu liefernden Exemplare bis zum 15. September. Wir sind daher gezwungen, die Abonnementsgebühren von denjenigen Abonnenten, die die ״Jüdische Rundschau" direkt bei uns abonnieren, in den ersten Septembertagen zu erheben, und zwar werden wir ihnen zu diesem Zweck Nachnahmen zugehen lassen. Wir bitten darum, im eigenen Interesse dafür Sorge zu tragen, daß diese Nachnahmen prompt eingelöst werden, da sonst Unregelmäßigkeiten in der Zustellung der ״Jüdischen Rundschau" nicht zu vermeiden sein dürften Berlin, im August 1928. Verlas ,Jüdische Rundschau“ Berlin W15, Melnekestrafte 10 ״Mehr werben, besser werben 1" In diesen Tagen wurde in Berlin ein sogenannter Palästinafilm uraufgeführt, dessen Dilettantismus, Geschmacklosigkeit und Naivität (sofern man nach den ersten zwei Teilen urteilen darf) Anlaß geben, ihn unter die beliebte Rubrik ״Kientopn vor ... Jahren“ einzuordnen. So wie diesmals mit schlechten ״Naturfilmen“ die Lücken des Programms aufgefüllt wurden, so bietet man hier dem Publikum eine wahllose Aneinanderreihung schlecht gesehener und miserabel photographierter Details, die vor dem Lande nur Langeweile und lebhaften Abscheu erwecken können. Beispiele schrecken: Jerusalem beginnt mit einer Aufnähme zweier alter Eisenbahnwaggons, Bahnstrecken und Mündungspunkte, bekanntlich generell die häßlichsten Teile eines Landes, werden bevorzugt behandelt, immer wieder sieht man Krankenhäuser, Gräber, Friedhöfe, als sei Palästina ein reines Bestattungsunternehmen, und die Starrheit der durchweg denkbarst ungeschickt gestellten Gruppen vermag auch der einsame Klavierspieler, der das Orchester darstellt, nicht zu lösen. Es lohnte sich kaum, hierüber viele Worte zu verlieren — und die Organisation wird hoffentlich vor dieser Spekulation auf das Interesse der Masse warnen - , wenn nicht die Frage entsteht, was wir denn besseres geleistet haben. Zweifellos waren manche der Keren Kajcmeth-Filmc photographisch wesentlich geschickter, aber auch das Schema des immer wieder zu Beginn antizionistischen, nach einigen Akten durch die Fülle der Gesichter (unter denen die Mischpoche eine hervorragende Rolle spielt) zum Zionisten bekehrten Mister Goldfield verliert allmählich an Ueberzeugungskraft. — Ein anderes Bild: In Köln ist mit viel Wirksamkeit und Publikum eine Ausstellung inszeniert worden, die den geeigneten Rahmen für eine geschickt aufgezogene Propaganda bietet. Was zeigt die jüdische Sonderschau auf der ״Pressa“? Der Ravillon an sich, seine Architektonik usw. stehen als ästhetische Probleme hier nicht zur Diskussion; gehen wir also in die ״zionistischc Abteilung“. Eine winzige Koje, vollgepfropft mit Zeitungsausschnitten, die bekannten, unvermeidlichen Bilder und — im ganzen ־ eine Werbewirkung, die bei allem guten, aber dilettantischen Willen minimal ist. Vielleicht werden einige ohnehin interessierte Besucher ein paar Informationen oder Kuriositäten mitnehmen, aber zur Menge spricht nichts. Im Gegensatz etwa zum Pavillon Sowjetrußlands, der beweist, daß man auf die Masse mit denselben psychologisch durchdachten Methoden wirken kann und muß, wenn man eine politische Anschauung vertritt, wie wenn man ein Automobil verkaufen will. Der Zionismus ist noch fern von dieser Erkenntnis. Gelegentlich hat Julius Berger an dieser Stelle auf die Not- Wendigkeit hingewiesen, neuartige Propagandamethoden einzuführen, aber wo bleibt die große zionistische Werbestelle, die mit erstklassigen Werbefachleuten die Kampagnen inszeniert? In Deutschland zumindest beschränkt man sich in der extensiven Propaganda auf die gelegentliche Abhaltung von ״Massenkundgebungen“, deren Wirkung zweifellos schon abgebraucht und nur bei besonderen Anlässen reproduzierbar ist und auf die sicherlich relativ erfolgreiche, aber äußerst kostspielige Kleinarbeit der gesinnungsmäßigen Werbung einzelner Außenstehender. Ueber den Wert beider Methoden ist kaum zu streiten, wohl aber über ihren ökonomischen Wirkungsgrad. Und es scheint, daß dieser gering ist, und zwar, weil wir uns in unseren Methoden nicht genügend auf die heutige Psychologie der Masse umgestellt haben. Unsere Organe und unsere Tagungen ersticken in einem Uebermaß an theoretischer Problematik, und aus dieser Atmosphäre treten wir heraus an die Oeffentlichkeit, die vielmehr Tatsachen und Richtlinien (auch wenn sie die Gefahr der Schlagwörter in sich tragen) zu hören wünscht. ״Mehr werben, besser werben!“ hieß der Leitsatz des letzten Delegiertentages. Nur noch ein paar Andeutungen zu diesem Thema. Wir brauchen ein Werbezentrum, das den Reiseverkehr endlieh großzügig organisiert, denn Palästina ist, nach Schaffung einiger Voraussetzungen, wirklich ein ideales Touristenland. (Your holidays in the holy land! — als Beispiel für ein Schlagwort!) Wir müßten ein paar gute Spielfilme in Palästina drehen lassen,denn das Land ist, durch die Gegensätzlichkeit und Reichhaitigkeit seiner Landschaft, durch die Reinheit der Luft und die historischen Stätten ein Filmgebiet par excellence; und jüdische Filmunternehmer, Schauspieler und Regisseure sollte es doch geben! Wir brauchen internationale sportliche Veranstaltungen, Autorennen, Messen, historische Spiele. Man muß von Palästina sprechen; eine Bildstelle müßte dauernd die illustrierten Zeit- Schriften, die aktuellen Filmwochenschauen, die Radiosende- Stationen und die Zeitungen mit Material beliefern. Denn wir brauchen die Oeffentlichkeit nicht zu scheuen, auch nicht die christliche, aber wir müssen lernen, das Interesse, das uns von allen Seiten entgegengebracht wird, mit allen Mitteln wachzuhalten; dann wird auch Interesse und Leistung von unseren Volksgenossen leichter zu erzielen sein. F r i t z W u 1 f f. Berlin, 22. August 1928. Der Orientalistentag in Bonn. Vom 21. bis 25. August fand in Bonn der Fünffe Oricntalistentag statt. Zum Kongreß waren Orientalisten und Alttestamentler aus verschiedenen Zentren Deutschlands sowie auch aus Holland, der Tschechoslowakei, Palästina, Aegypten, Persien und Amerika erschienen. Es sind u. a. auch Referate aus den Gebieten der Bibclforschung, der hebräischen Sprachforschung, über Ausgrabungen in Palästina, alttcstamcntlicher Theologie und Religion Alt-Israels gehalten worden. Als Festgabe der ״Zeitschrift für Alttestamentliehe Wissenschaft“ zum 5. Deutschen Orientalistentag in Bonn erschien ein Werk von Prof. Kahle ״Die hebräischen Bibelhand- Schriften aus Babylonien“ mit Faksimiles von 70 Handschriften. Von den jüdischen Gelehrten, die dem Orientalistentag in Bonn beiwohnten, sind zu erwähnen: Prof. E. Mittwoch (Berlin), Prof. J. Markon (Berlin), Rabbiner Dr. Jacob (Dortmund), Prof. J. Morgenstern (Cincinnati), Dr. J. R a b i!1 (Breslau), Prof. J. S c 11 e f t e 1 o w i t z (Köln), Prof. L. Lew v (Gießen). Sterbefall. In der Nacht vom 27. August verschied in Berlin im 74. Lebensjahre Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal. Er wurde 1855 geboren, bekleidete zuerst das Rabbineramt in Köthen (Anhalt), dann in Rogasen (Posen), später in Preußisch- Stargard. 1907 kam er nach Berlin, wohin er zum Rabbiner der Oranienburger Vorstadt (Verein ״Ohcl Jakob“) berufen worden war. Der Verstorbene war Religionslehrer und lehrte Mischna an der Präparandie der Hochschule für die Wissenschaff des Judentums. Die Beisetzung erfolgte am 29. d. M. unter zahlreicher Beteiligung von rabbinisehen Kollegen und Vertretern des konservativen Judentums. Am 2. August starb in Helsingfors (Finnland) unser Gesinnungsgenosse Dr. Abraham Enge I. Der Verstorbene hatte um die finnische Judenhcit und besonders um die zionistische Bewegung in Finnland die größten Verdienste. Ihm ist auch die Gründung und staatliche Unterstützung der in Helsingfors bestehenden jüdischen Schule, in der Hebräisch als Hauptfach ge• lehrt wird, zu verdanken. Während des zehnjährigen Bestehens dieser Anstalt war er Vorsitzender des Schulkomitees. Während der vielen zionistischen Aktionen, die in den letzten Jahren ir, Finnland unternommen wurden, stellte sich Dr. Engel ganz ir. den Dienst dieser Aufgaben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.