Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 67 (24.8.1928)
- Date
- 1928-08-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 07, 24. VIII. 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 479 Die Liberale Weltkonferenz Es ist eine delikate Aufgabe, als unbeteiligter Beobachter die Eindrücke der Weltkonferenz für das Liberale Judentum wiederzugeben. Denn sofern sich diese Konferenz als eine religiöse Veranstaltung, mit sehr viel Gebeten, viel Predigten und Feiertagsstimmung darbietet, entzieht sie sich der öffentliehen Kritik desjenigen, der in die Sphäre der praktischen Religionsübung nicht einzugreifen legitimiert und gewillt ist. Es kann hier nicht Partei genommen werden in Gewissens• fragen und kultischen Kontroversen. Dennoch dürfen wir an diesem Ereignis nicht stillschweigend vorübergehen, da nach unserer Meinung sich auch hier eine jüdische Energie manifestiert, die wir in unserer Terminologie — wahrscheinlieh sehr im Widerspruch mit Wunsch und Bewußtsein der Beteiligten — nicht anders als ״national“ zu nennen vermögen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl des Judentums sucht nach einem Ausdriick, über die Grenzen der Staaten hinweg. Die Reform und die Assimilation haben die Juden aller Länder sehr weit vom Judentum weggetrieben, haben sie die jüdische Gemeinschaft negieren lassen; manche Symptome sprechen dafür, daß die Versprengten nun einen Weg zurück suchen, einen stärkeren Anschluß an die jüdische Gemeinschaft und ihre Güter. Wenn auch zum Teil sehr verschwommen, scheint doch das Bedürfnis.nach mehr Judentum die treibende Kraft auch der sich nun interterritorial entfaltenden liberalen Bewegung zu sein. Besonders deutlich zeigt sich das in der jüdisch-liberalen Jugend, z. B. in Deutschland. Aber darüber hinaus finden wir in allen Ländern Repräsentanten des liberalen Judentums, die sich mit der bloßen Negation nicht mehr begnügen, die den historischen Irrtum der Verbindung zwischen Liberalismus und Assimilation begreifen, und in ihrem Streben nach Positivem notwendigerweise auch zu einer Erkenntnis der volklichcn Zusammenhänge des Judentums kommen. Zugleich beginnt der Liberalismus zu begreifen, daß auch in der religiösen Sphäre eine tiefere Anteilnahme an jüdischem Leben nur von denen erwartet werden kann, denen das Erlebnis ihres Judentums als zentralen Bestandteils ihres Wesens die Kraft dazu gibt. Und wenn wir die Dinge vom zionistischen Gesichtspunkte fassen, so müssen wir — so irreal und fremdartigfassadenhaft uns auch die Art dieser Konferenzberatungen oft anmutet — uns doch darauf besinnen, daß cs hier vielfach um Fragen geht, die auch uns Zionisten, wenigstens die nicht gesetzestreu lebenden, angeht. Die Frage der jüdischen Lebensgestaltung im Galuth, die Frage der 1.ebensformen, die als symbolhafte Realität zumindest in der Erziehung der Kinder kaum entbehrlich sind, ist im zionistischen Kreise gerade in den letzten Jahren als sehr aktuell empfunden worden, und ihre Diskussion führte stets unaufhaltsam zum religiösen Problem. Hier gibt es also einen Berührungspunkt mit der Welt des jüdischen Liberalismus. Wir wissen längst, daß eine rationalistisch-schematische Trennung־ von Religion und Nation im Judentum unmöglich ist. Wir, die auch in unserem Nationalismus das irrationale Moment stark empfinden, können auf eine Analyse unserer jüdischen Gefühlseinheit auf ihre nationalen und religiösen Elemente hin gern verzichten. Wer von zionistischen Tagungen geschult ist, findet sich zunächst in einer Veranstaltung wie dieser liberalen Weltkonferenz schwer zurecht. Erst allmählich muß man begreifen, daß es hier nicht um konkrete Fragen geht, die zur Entscheidung drängen, sondern daß diese Konferenz mehr eine Art Demonstrationsversammlung mit akademischer Diskussion ist, aus der die Teilnehmer seelische Erhebung schöpfen wollen. Auf der Presse-Tribüne hörte man oft die erstaunte Frage, was die Konferenz eigentlich wolle, welches Resultat erstrebt sei, und so fort. Es wäre aber ungerecht, diese Veranstaltung mit unseren Maßen zu messen, wenn sie auch, wie alle jüdischen Tagungen, äußerlich viel vom Zionistenkongreß übernommen hat. Gibt es also keine konkrefen Gegenstände der Beratung, so sind wir doch weit entfernt, den Wert einer prinzipiellen Aussprache zu bagatellisieren. Freilich hat auch in dieser Hinsicht die Konferenz nur sehr Fragmentarisches gegeben. Sie erhielt ihre Bedeutung durch das Referat von Dr. B a e c k, der anerkanntermaßen die überragende Figur der Konferenz war. Sein Referat, dessen Gedankengang wir hier nur in gedrängtem Auszug wiedergeben können, wurde freilich vielfach mißverstanden, und zwar nicht nur von den Gegnern, die dagegen polemisierten, sondern auch von manchen Rednern, die dem Referenten einen Dienst zu erweisen meinten, indem sie seine Problem- Stellung verflachten und banalisierten. Dr. Baeck hat eine Konzeption der Idee des religiösen Liberalismus gegeben und die Diskrepanz zwischen dieser Idee und dem empirischen Liberalismus enthüllt. Seine Rede war eine große Anklagerede gegen sein Publikum. Die Reform, die eine Erneuerung der jüdischen Religiosität wollte, verpuffte in ihrem Streben, ״zeitgemäß“ zu sein; in unserer Sprache würden wir sagen: Durch das Ueberwuchern der assimilatorisch-opportunistischen Tendenz im Liberalismus ging sein religiöser Grundgedanke verloren. Baecks Gedankengang berührte sich in vielen Punkten mit ähnlichen Gedanken Bubers. Was Baeck jüdischen Liberalismus nennt, heißt bei Buber Verwirklicliungstendenz des Judentums; was Baeck verwirft, nennt Buber die ״Gesinnung des Vertrags“. Und die große religiöse Forderung, im wirklichen Leben, im Kampfe gegen die Zeit, unbekümmert um die Meinung der Welt, Judentum zu verwirklichen, ist in Bubers Sprache übersetzt die Forderung, ״im Angesichte Gottes zu leben“. Der Name Bubers wurde auf der Konferenz nur einmal genannt, und zwar von Dr. Gottscbalk (Frankfurt), freilich leider in Verbindung mit einem mißverständlich angewandtem Zitat. Der Liberalismus als historische Erscheinung, als Bekenntnis der assimilierten Bourgeoisie, ist geradezu der Gegenspieler der Verwirklichungstendenz. Wenn Baeck den Heroismus der Menschen, die in Erez-lsrael die jüdische Zukunft aufbauen, in seine Bejahung einbezog, wenn er von der 1n unserer Zeit beginnenden Renaissance des Judentums sprach, so zeigt sich schon deutlich, wie sehr in dem Gedankenbereich des Referenten der Rahmen jenes Liberalismus, der auf der Konferenz repräsentiert war, gesprengt wurde. Mit Recht hat ein Redner in der Debatte betont, Dr. Baeck habe nicht von der ״Botschaft des jüdisehen Liberalismus“ geredet, wie sein Thema hieß, sondern schlechthin von der Botschaft des Judentums. In der Debatte kamen die Gegensätze zwischen ■ der gemäßigten und extremen Reform zum Ausdruck. Im allgemeinen kann man sagen, daß Deutschland die konservativere Note vertritt, während Amerika radikal ist. Dies gilt jedoch vor allem in religiös-kultischen Fragen, während in sozialer Beziehung Amerika die national wertvollere Arbeit leistet, interessant ist auch die verschiedene Terminologie. In Amerika bedeutet ,,Reform“ den rechten und ״liberal“ den linken Flügel, in Deutschland ist es umgekehrt. Hier ist der ״Liberalismus“ gemäßigter und die Berliner Reformgemeinde (Sonntags-Gottesdienst) nimmt eine Sonderstellung ein. Der Prediger der Reformgemeinde, Dr. Lehmann, richtete auch eine Attacke gegen die traditionsnahe Richtung im deutschen Liberalismus, und erhielt von deren Vertretern einige scharfe Antworten, besonders von Dr. Wiener und Prof. Elbogen. Die Referate der Engländer und Amerikaner hielte« sich im allgemeinen im engeren Fragenbereiche der religiösen Reform. Prof. Morgenstern hob hervor, daß das Judentum nicht einseitig definiert werden könne, weil die jüdische Geschichte ein Geisteskampf zwischen Universalismus und Partikularismus ist. Die Tiefe der Problematik berührte in der Debatte allein Dr. Wiener, der die Tragik und Gefahr der jüdischen Situation über all die Spielereien der Kulfusreform hinweg zu enthüllen versuchte. Vor dem Liberalismus steht die Frage des Seins oder Nichtseins der Religion in dieser Zeit, und das könne nur begreifen, wer das Wesen der Religion als eigene Kategorie versteht, die als solche mit Wissenschaft, ja selbst mit Ethik nichts zu tun hat, sondern eine prinzipiell andere Sphäre betrifft. Die Frage, die nicht verwischt werden darf, ist die, ob wir noch der Erschütterung durch das Geheimnis offen sind. Und gerade wenn wir Religion so begreifen, dann wird die Frage des jüdischen Charakters unserer Gemeinschaft noch aktuellen. Als Dr. Wiener hier zu der Schlußfolgerung kam, daß der jüdische Liberalismus sich auch um die Idee des jüdischen Volkstums nicht herumdrücken könne, wurde er unbegreiflicherweise vom Vorsitzenden, Justizrat Dr. Blau, unterbrochen, der sich auf den Beschluß berief, daß die Frage des jüdischen Nationalismus im Rahmen des Verbandes nicht diskutiert werden dürfe. Dieser Beschluß kann sich aber sicherlich nur auf die politische Seite beziehen, keineswegs kann er einen konsequenten ideologischen Zusammenhang, der sich vollständig im Rahmen des Themas hält, verbieten. Wir zweifeln nicht an dem Willen Dr. Blaus, objektiv zu sein; aber sein Unterbewußtsein läßt ihn die Objektivität dahin verstehen, daß zwar Angriffe auf den jüdischen Nationalismus gestattet sind, daß auch z. B. die Beteuerung der Zugehörigkeit zur ״deutschen Volksgemeinschaft“, die sich ein Redner leistete, nicht die Neutralität verletzt, daß aber auch nur die Erwähnung der wurzelhaften Problematik des Zusammenhangs zwischen jüdischem Volkstum und jüdischer Religion unzulässig sei. Trotz diesem Eingriff des Präsidenten, der von einem großen Teil der Konferenz unverkennbar peinlich empfunden wurde, hat Dr. Wieners Bernerkung beinahe erlösend gewirkt. Blitzartig öffnete sich der Spalt, durch den man in die Hintergründe blicken konnte, wo hinter all den Nebeln schöner und weniger schöner Reden die wahren Probleme unbarmherzig ihrer Lösung harren. Dunkel empfand die Konferenz etwas von dieser Macht der wirklichen jüdischen Lebensprobleme. Dies zeigte sich auch in der Resonanz, die die Sondernummer der ״Jüdischen Rundschau“ gefunden hat. Mehrere Redner in der Diskussion nahmen Bezug auf Beiträge, die dort veröffentlicht waren. Auch in den Kreisen des jüdischen Liberalismus wird man vielleicht bald verstehen, daß ein wirkliches Lebensinfercsse an der Zukunft des Judentums und an jüdischer Lebcnsgestaltung nur bei den Kreisen zu finden ist, die auf dem Boden des jüdischen Volkstums stehen. R. W. * Der Verlauf der Verhandlungen Ueber die Eröffnungssitzung der Liberalen Weltkonferenz haben wir bereits in der vorigen Nummer berichtet. Was die Zusammensetzung der Konferenz betrifft, so waren eigentlich nur vier Länder vertreten, und zwar die Vereinigten Staaten, England, Frankreich und Deutschland, dazu kamen noch einzelne Persönlichkeiten aus Schweden, Canada und Polen/ Die amerikanische Delegation war die stärkste und umfaßte u. a. Prof. Dr. Julius Morgenstern, Cincinnati, Rabbi Dr. Siivermann (den bekannten Keren Hajessod-Freund), New York, Rabbi Dr. Schulmann, New York, Dr. Lee K. Frankel (das Mitglied der Joint Palestine Survey Commission) usw. Die französische Delegation war geführt von Rabbin Germain Levy. In der englischen Delegation, geführt von Montefiore, befand sich unser Gesinnungsgenosse Rev. Dr, Perlzweig. Auch der Vertreter Canadas war ein junger Zionist, Rabbi Stein. Bei der Eröffnungssitzung war die Jüdische Gemeinde und die großen Organisationen vertreten, darunter auch die Zionistische Vereinigung für Deutschland. Das Referat Dr. Baeck ln der Sonntagssitzung erstattete Dr. Baeck sein Referat über ״Die Botschaft des liberalen Judentums an den Juden von heute“. Baeck wendet sich zunächst gegen die Auffassung, Liberalismus bedeute, daß man tun könne, was man will. Der Liberalismus ist nicht da zur Förderung der Bequemlichkeit, sondern er ist ein großes Ernstnehmen, das nicht aus einer Schwäche der Religion kommen darf, sondern aus einer Stärke. Religiöses Leben kann niemals ״zeitgemäß“ sein. Es war der Irrtum der ersten Reformer, daß sie zeitgemäß sein wollten. Es ist stets in der Geschichte so, daß Sklaven von gestern, die eben erst befreit wurden, Menschen der letzten Mode zu sein wünschen. Dies nicht nur im Aeußerlichen, sondern auch im Geistigen. Der Unterdrückte von vorgestern will immer besonders modern sein und oft erleben wir die Komödie, daß die Mode, während er sie anlegt, schon veraltet ist. Er trägt dann die neueste Mode von gestern. Wir Juden sind in dieser Hinsicht Schicksalsgenossen etwa der Sozialdemokratie, die auch den von bürgerlichen Denkern erfundenen historischen und biologischen Materialismus übernahm, als die Bourgoisie ihn bereits aufgegeben hatte. Die Reform der vergangenen Geschlechter hatte oft die abgelegten Kleider der Umwelt an. Dies war Mißverstehen der Idee der Reform. Es kann sich nicht darum handeln, zeitgemäß zu sein, denn Religion ist immer eine Kraft des Widerspruches. Ihr Sinn ist es, die Welt umzugestalten zum Gottesreich; sollen wir etwa den Text ändern und sagen: wir wollen das Gottesreich anpassen der heute bestehenden Welt? Das neunzehnte Jahrhundert bedeutet für uns Juden den Eintritt in die Welt. Unsere Väter haben zwar in der Welt ge - wohnt, aber nicht in ihr, gelebt. Nun wurde die strenge Bindung der Gemeinde aufgelöst und der Jude, der früher im Schutze der Gemeinde sein Sondcrleben geführt hatte, wurde in eine fremde Umwelt gestellt. Die geschichtliche Funktion des Liberalismus ist es, daß er es unternimmt, diese Aufgabe: des jüdischen Lehens in der Welt, zu lösen. Sie ist kaum begönnen. Auch die moderne Orthodoxie geht im Grunde von dieser Problemstellung aus: Samson Rafael Hirsch war nicht in seinem System, aber in seiner Methode ein Liberaler, denn er war entschlossen, das Judentum in die Welt hineinzustellen. Der Fehler der Väter der Reform war es, daß sie nur die dekorativen Seiten sahen, die Aeußerlichkeiten haben sic beschäftigt, die Ornamente. Auch das hat gewiß seine Bedcutung. Aber dies ist nicht das zentrale Problem des Judentums. Entscheidend ist nicht das Ornament, sondern die Linie, nicht das Dekorative, sondern das Konstruktive, nicht wie das Judentum scheint, sondern wie es wirklich ist. Wo nur das Dekorative gilt, da werden die Menschen selbst kleinlich; wo man das Konstruktive sucht, dort kann nur der große Gedanke die Lösung bringen. Wem es darauf ankommt, etwas zu scheinen, der will stets scheinen für sich; er steht gewissermaßen vor einem Spiegel; wer aber etwas sein will, der will es sein für die Welt, er steht vor seiner Geschichte, vor der Prüfung seines Wesens. Darum ist auch das Judentum universal, es will eine Botschaft sein, aber dies kann es nur sein, wenn der jüdische Mensch selbst eine Botschaft wird, wenn er den Spiegel verhüllt, nicht auf Scheinenwollen ausgeht. Das Ghetto ist vorbei für immer, nun haben wir Juden in der Welt zu sein, das bedeutet aber, die Last der Weit zu tragen, Aergernis dem einen, Torheit dem anderen zu gelten. Wer das nicht kann, der kann nicht Jude in der Weit sein. Im Ghetto als Jude zu leben, war viel leichter, dazu gehörte nur die Einfügung in die Gemeinde; ja sogar heute orthodox zu sein, ist viel leichter, dazu gehört nur der Gehorsam gegen das Gesetz. Beides, Ghetto und Orthodoxie, ist äußerlich schwer, das eine bedeutete Enge und oft Tod, das andere bedeutet vielfach Entbehmngen, aber im Geistigen haben sie es doch leicht. Ein Liberaler zu sein, das ist mehr. Wir können es andeuten mit einem Worte Platos, der die Dichter und Schauspieler, die in seinem Staat Aufnahme heischen, mit den Worten abweist: Wir selbst sind die Dichter des Dramas, unser Leben ist das Drama. Im jerusaleniischen Talmud steht ein beinahe blasphetnischer Satz. Es wird dort erzählt, wie Gott sich weigerte, Moses die Tafeln zu übergeben, und Moses entriß Gott die Tafeln und seine Hand war stärker als die Gottes. Und Gott sprach: Heil wird immer sein über dieser Hand, die stärker ist als ich. Das ist das Wort vom liberalen Juden. Uns ist die Aufgabe gestellt, mit Gott uin die Tafeln zu kämpfen. Wir sind in der Welt die großen Nonkonformisten, die Menschen, die nie zeitgemäß sein können, weil sie um das Ewige ringen. So ist das Judentum das große Drama in der Welt und wir selbst sind Dichter und Spieler dieses Dramas. Nur wer dies begreift, der kann Botschaft sein. Und wer dies weiß, der wird jeden Heroismus werten, auch den im Heiligen Lande, in Erez-lsrael. Dann wird vielleicht auch der Tag kämmen, wo wir wieder ein jüdisches Wort hinaussenden können in die Welt. An der Debatte» die den ganzen Montagvorrjüttag und die Montagabend-Sitzung: in Anspruch nahm, beteiligten sich 11.* ׳ar Rabbiner Galflner, Berlin, Rabbiner Dr. Schulmann, New York, Frau OUendorf, Breslau, Dr. Friedmann, Budapest, Hersch, Cambridge, Rabb. Dr. Dienemann, Offenbach, Rabb. Dr. Wiener, Berlin, Professor Elbogen, Berlin, Professor Morgenstern, Cincinnati, Rechtsanwalt Stern, Berlin, Dr. Goldensohn, Pittsburg, Woyda, Berlin, Dr. Seligsohn, Berlin, Dr. Vogelstein, Breslau, Rabbi Silverman, New York, Rabbi Mattuck, London, Rabbiner Gottschalk, Frankfurt a. M., Rechtsanwalt Galliner, Berlin, Dr. Norden, Elberfeld, Rabb. Seligmann, Frankfurt, Rabb. Dr. Wolft, Dresden, Frau Bertha Falckenberg, Berlin. Nach Abschluß der Debatte, die w ir leider aus Raummangel nicht ausführlich wiedergeben können, erstatten die Referenten Dr. Lehmann, Dr. PhiTippsolin, Dr. Baeck und Montefiore Schlußworte, in denen sie nochmals kurz ihre Hauptgedanken resümieren. Der Montagnachmittag war den Verhandlungen der einzelnen Sektionen gewidmet. In der ersten Sektion, die dem Thema ,,Gottesdienst“ gewidmet war und die unter dem Vorsitz von Prof. Dr, Elbogen stattfand, referierten Rabbi S. H. Goldenson, Rabbiner der Rodef Shalom Congregation in Pittsburg und Rabbin Germain Levy, Rabbiner der Union Liberale Israelite in Paris. In der zweiten Sektion wurde das Thema ״Häusliches Leben“ behandelt. Redner waren Hon. Lily Montagu und der Vorsitzende der Vereinigung für das liberale Judentum Heinrich Stern. Die dritte Sektion (Vorsitzender Rabbi Julian Morgenstern, Präsidenf des Hebrew Union College in Cincinnati) behandelte das Thema ״Jugend“. Es sprachen Dipl.-Ing. Ludwüg L.ew’in vom jüdisch-liberalen Jugendverein in Berlin und Rev. M. L. Perlzweig, London. Montag, abends d Uhr, wurde die Konferenz nach mehreren Dankreden und Gebeten geschlossen. Der Vorsitzende Dr. Blau betonte in seiner Schlußrede nachdrücklich den Gemcinschaftsgedanken. Die Leitidee der Konferenz sei der Dienst am Judentum gewesen. Die Konferenz sei zu würdigen als Manifestation der — ״Jüdischkcit“, ״wenn das Wort erlaubt ist“, schloß Dr. Blau. ♦ Die Jugendsekiion Man braucht den Leistungen einzelner Referenten und Debattenredner im Plenum nicht nahezutreten, um doch als Ganzes den interessantesten und ergiebigsten Teil der liberalen Weltkonferenz in den Verhandlungen der Jugend Sektion zu finden, obwohl dieser nur knapp eineinhalb Stunden zur Verfügung standen und sich die Redner äußerste Beschränkung auferlegen mußten. Hier, so konnte man bald bemerken, ging es wirklich um Entscheidungen, es sprach sich lebendiges Bcdürfnis aus, man suchte Wege, es gab auch nicht die im Plenum erstaunlicherweise selbstverständlichen Mundschlösser, sobald jemand über ״gewisse Fragen“ anders als die Majorität der offiziellen Partcigcwaltigcn sprechen wollte. Es war auch ein anderes Publikum anwesend. Von den Delegierten mir wenige, wohl die am lebendigen Fortwirken am meisten Interessierten, und sonst meist junge Menschen. Ludwig Lewin, der augenblickliche Leiter der Jüdisch- Liberalen Jugend (lli) Deutschlands, hielt das einleitende Referat. Es war zum großen Teile informierend, berichtete über die fli-Organisation und ihre Tätigkeit. Und wenn in diesem Referat auch die ״deutschjüdische“ Orientierung als Maßstab galt, um Jugendorganisationen, die selbst orthodoxe Mitglieder haben, als nahestehend zu bezeichnen, was sich ja keineswegs aus r e 1 i g i ös - liberalen Beweggründen motivieren läßt, während den anderen (also vornehmlich den zionistischen) Jugendgruppen gegenüber lediglich der ,Wunsch nach gutem