Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 66 (21.8.1928)
- Date
- 1928-08-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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UNTERHALTUNGS-BEILAGE 21■ August 1928 DER JÜDISCHEN RUNDSCHAU Nr. 31 Das Judentum und seine Umwelt (Michael Q ult mann: ״Das Judentum und seine Umwelt“. 1. Band, Allg. Teil. Berlin, Phiio-Verlag 1927.) Von Dr. WilhelmStein, Wien. Die nationale Bewegung hat lange nichts von einer Apologetik des Judentums wissen wollen. Und das mit Recht. Denn die noch junge Volksbewußtheit sieht in der Abwehr des Antiscmitismus eine schwächliche und unwürdige Verteidigung, die über kleinliche Polemik und charakterlose Rücksichtnahme auf einen unerbittlichen Gegner das Wesentliche, eben die Selbst* Verständlichkeit der nationalen Existenz, vergißt. Sobald aber der feste Punkt der Zugehörigkeit zum Volk gewonnen ist, hört ebenso die nervöse Unsicherheit wie die unangenehme Ueberheblichkeit auf, die beide aus der gleichen Quelle des Minderwertigkeitsgefühls fließen. Wir wollen und müssen uns wieder mit den Angriffen auseinandersetzen, die dem Judentum und der jüdischen Religion gelten. Einmal weil der bloß theo* logische Standpunkt etwa Güdemanns oder Köhlers der unbedingten Ganzheit unserer Auffassung vom Judentum nicht gerecht wird und dann vor allem, weil die von nichtjüdischer Seite kommende Kritik, die nicht erwidert wird, allmählich auch die jüdischen Kreise erreicht und dem Abfall gar noch eine geistesgeschichtliche Rechtfertigung zu geben vermag. In Wien er* hielten vor ein paar Monaten zahlreiche jüdische Eltern die Aufforderung, ihre Kinder konfessionslos erklären zu lassen, da das Judentum rückständig und überwunden sei. Das Schreiben ging zweifellos von sozialdemokratischen, assimilatorischen Juden aus, wurde aber bald verleugnet, weil die offizielle sozialdemokratische Parteileitung bis zur Gewinnung der zur Majoritat im Nationalrat noch fehlenden Stimmen ihre religionsfeindliehe Taktik zurückgestellt hat. Ehrlicher waren die jüdischen Assimilanten, welche ihre Kenntnis von der moralischen und weltanschaulichen Minderwertigkeit des Judentums so hilfsbereit Weitergaben. Gegen eine solche Gesinnung nützt nur ernste Prüfung und sachliche Auseinandersetzung. Wirf können darum Michael Guttmann für sein Buch ״Das Judentum und seine Umwelt“ nicht genug danken. Wenn es in seiner Tendenz mehr nach außen hin gerichtet Ist, dient es doch mindestens ebensosehr der vernunftmäßigen Festigung und Sicherung des Gefühls. Schon daß ein bedeutender Teil des Gesamtwerkes das Thema eines Kollegs darstellt, das der Verfasser an der Universität Jerusalem im Wintersemester 1924/1925 gehalten hat, bürgt für den Wert und die Würde dieser reichen, aus langjähriger Vertrautheit mit dem Gegenstand hervorgegangenen Leistung. Der Titel könnte auf eine Arbeit schließen lassen, die das vor mehr als 30 Jahren erschienene Buch Bertholets ״Die Stellung der Israeliten und der Juden zu den Fremden“ von jüdischer Seite her korrigieren soll. Guttmann wählt aber einen völlig verschiedenen Blickpunkt, wenn er im induktiven Verfahren Einzelprobleme des israelitischen Fremdengesetzes zunächst vornimmt, um dann erst zum zentralen Gedanken vorzustoßen, der strengen begrifflichen Scheidung zwischen konfessionellem Partikularismus und ethischem Universalismus. An dem glücklieh gewählten Beispiel des Auszugs aus Aegypten wird uns gezeigt, wie das religiöse Erlebnis dieses historischen Geschehens, durch Kult und Ritus symbolisiert, nur ״das innere Seelenleben der unmittelbar oder mittelbar Betroffenen bzw. Interessierten bewegt, demnach als eine rein interkonfessionelle, in unserem Falle innerisraelitische Sache den Außenstehenden, geschichtlich Uninteressierten kalt läßt“. Aber der Auszug ans Aegypten beeinflußt oder schafft nicht nur Kult und Ritus, sondern wirkt weiter auf Ethik und Weltanschauung, indem er die Lehre von der allgemeinen Menschenliebe entscheidend gestaltet: in Aegypten Vergötterung der Tiere und Vertierung von Menschen; in Israel Vermenschlichung des Fremden als vollständige Umwertung des Bisherigen. Ganz nebenher sei hier die feinsinnige Bemerkung Guttmanns verzeichnet, daß ״das biblische Verbot, den ägyptischen Peiniger zu verabscheuen, so manches Epos im Keim erstickt“ hat. Für den Israeliten sind also in diesem Fall Kult und Ethik zu einer Einheit verschmolzen, wie das eben für jeden Angehörigen irgendeiner Religionsgemeinschaft in unzähligen anderen Fällen geschehen ist. Am greifbarsten versinnlicht diesen Gedanken das Gleichnis vom Baume, dessen Wurzeln in das ewig nährende Erdreich gesenkt sind, sowie Kultus und Ritus aus dem unerschöpflichen Volkserleben stammen, während die Früchte des Baumes die Morallehren darstellen. Nur der Jude kann am Sederabend sagen, ״Sklaven waren wir bei Pharao in Aegypten und der Ewige unser Gott führte uns von dort heraus“, jeder Mensch aber kann die aus dem ganzen Erlebniskomplex erfließende Lehre annehmen, daß Gott der Lenker der Geschichte und der Befreier der Unterdrückten sei. Durch diese Unterscheidung klärt Guttmann auch das weitverbreitete Mißverständnis vom Gegensatz zwischen dem partikularistischen Gesetz und dem universalistischen Prophetismus auf, denn der Prophet verwirft ja nicht den Kult, sondern erkennt nur seine nationale Gebundenheit und Geltungskraft, wenn er vor seinem eigenen Volk die ethische Komponente der Religion In der nächsten Nummer beginnen wir mit einer neuen Beilage Von Jüdischer Nnslh, die. von Alice Jacob-Loewen»©!* redigiert, in zwangloser Folge erscheinen wird. betont oder zu den anderen Völkern von den Forderungen der Humanität spricht. Mit erfreulicher Entschiedenheit läßt aber Guttmann den Vorwurf des engherzigen Partikularismus, den die christlichen Theologen und Religionshistoriker dem Judentum machen, auf das Christentum selbst zurückfallen. Die Kirche ist keineswegs dadurch entstanden, daß ihre Begründer, vor allem Paulus, einfach das Zeremonialgesetz vom Judentum substrahierte, um so eine universalistische, allen Völkern der Erde zugängliehe Weltreligion zu destillieren. Denn in Wahrheit wurde der ״Gottessohn“ oder ״der göttliche Mittler“ zum Mittelpunkt eines neuen Kultsystems und damit eines neuen Partikularismus. Gieseler, Harnack, Wendland, Reitzenstein, Clemen — um nur ein paar Namen zu nennen — haben die zahllosen Eiemente aufgezeigt, die aus der gesamten Antike herbeiströmten, um sich rings um den Christuskomplex zu kristallisieren. Darum ist es ja auch längst nicht mehr bestritten, daß gerade diese Attribute das Christentum den Menschen der ausgehenden Antike so vertraut und annehmbar machten. Es gibt eben in der Geschichte keine Religion ohne Mythos und Kult. Während aber das Judentum seine gelegentliche Propaganda für die allgemein menschlichen Ideen getrieben hat und die wenigen gewaltsamen Bekehrungen, die unsere Geschichte kennt, nur widerwillig anerkannt wurden, hat die Kirche ihre Werbetätigkeit nicht nur unbedenklich zugunsten ihres gesamten Glaubensgutes eingesetzt, sondern oft genug waren gerade die partikularistjschen, amoralischen und nurkonfessionellen Fragen Ausgangspunkte der blutigsten Kämpfe. Die Idee der partikularismusfreien Einheitsreligion, wie sie Paulus konzipiert hatte, war weder im Innern, noch nach außen zu verwirklichen. Die religionsgeschichtliche Entwicklung, besonders seit der Reformation der letzten Jahrhunderte, hat via facti die Undurchführbarkeit des von der Kirche sehnsüchtig erträumten Religionsmonismus, im Sinne eines unumschränkt geltenden, allein seligmachenden Glaubensbekenntnisses erwiesen, ohne daß aber diese Idee als Dogma zusammengebrochen wäre. Die Ueberwindung des Religionsmonismus durch die Wirklichkeit bedeutet aber den Sieg der alten biblisch-traditioneifen Auffassung von der Zulässigkeit einer Konfessionsverschiedenheit. Das jüdische Religionsgesetz ließ auch den nichtisraelitisehen Einwohner Palästinas unbehelligt in Palästina wohnen, da cs von ihm lediglich die Einhaltung der wenigen noachidisehen Gebote verlangte, die keinerlei konfessionelle Färbung zeigen. Das Judentum lehrt eben den ethischen Univcrsalismu* im engsten Zusammenhang mit der Auffassung von der Einheit des Menschengeschlechtes, ohne aber den Volks- und erdbedingten Partikularismus der Einzelreligion aufzugeben. Leasings ״Fabel von den drei Ringen“ setzt voraus, daß zwei Ringe falsch und ihre Träger betrogene Betrüger seien. Die Religionsgeschichte und die vergleichende Religionswissenschaft aber zeigt die innere Berechtigung auch der Sonderformen der Religionen, sofern sie alle der echten Sehnsucht entstammen, das Göttliche in uns und über uns zu suchen. Ihre Verschiedenheit ist notwendigerweise dadurch verursacht, daß Religion eben in den letzten Tiefen der Seele wurzelt. Damit sind die verschiedenen typischen Ausprägungen des metaphysischen Bedürfnisses gegeben. Die Ausführungen Guttmanns schließen mit einer scharfen und überzeugenden Kritik der Angriffe auf das Judentum von der ältesten christlichen Zeit an bis in die unmittelbare Gegenwart. Die Gruiidstimmung der Ueberheblichkeit und Verständnislosigkeit hat sich bei allen diesen Angreifern nur in der Form gewandelt. Um so aussichtsloser ist Guttmanns Bemühung, diesen Gegnern zeigen zu wollen, daß die gefährliebsten Feinde der Religion überhaupt sie selbst seien, weil Kämpfe der Religionen untereinander die Achtung vor dem Heiligsten im tiefsten Innern erschüttern, nicht nur fremdem Glaubensgut gegenüber, sondern auch zum Schaden des cigenen Bekenntnisses. Die christliche Apologetik ist noch recht weit von der Sachlichkeit der außerkonfessionellen Wissenschäften entfernt, die ihrerseits durchaus nicht als objektiv gelten können, wie etwa Friedr. Delitzsch oder Ed. Meyer beweisen. Uns selbst aber ist Guttmanns Arbeit wertvoll, weil sie die Kenntnis der alten jüdischen Quellen mit der Behcrrschung der einschlägigen modernen Wissenschaft verbindet und getragen ist von gläubiger und doch prüfender Liebe zu unserem Volke und seiner größten Schöpfung. Palästinensische Sommerfrische Alte Palästinenser sagen, eine Glut wie in diesem Sommer komme nur in Jahrzehnten einmal vor. Man verschmachtet förmlich vor Hitze, trinkt literweise Eisgetränke und verdirbt sich damit den Magen. Am Spätnachmittag, bei Sonnen- Untergang gibt es wohl ein paar kalte Windstöße, die einem wahre Erlösung bringen — allerdings auch häufig einen tüchtigen Sommerschnupfen — aber nachts steht die Luft wieder wie eine glühende Wand in den Schlaf^mmern, und Moskitos und Landfliegen veranstalten Treibjagden auf die ermatteten Menschen. Nein, ein solcher Sommer ist wirklich schon lange nicht mehr gewesen. Die geplagten Palästinenser fragen sich, ob wohl ein Zusammenhang zwischen dieser unnormalen Temperatur und den Erdbeben des vorigen Jahres besteht. Wer mir irgend kann, strebt, seiner gewohnten Umgebung zu entfliehen, in der Hoffnung, daß es anderswo besser ist. Viele Leute, die eigentlich in diesem Jahr auf eine Auslandsreise verzichten wollten, haben sich unter dem Druck der glühenden Atmosphäre doch noch zu einer solchen entschlossen, und so hat — trotz der schweren finanziellen Lage — wieder ein wahrer Exodus nach dem Westen begönnen. Erkleckliche Summen wandern wieder ins Ausland ab, und der Prozeß der Einwurzclung von Jung und Alt wird wieder einmal auf Monate unterbrochen. Wer aber nicht ins Ausland kann oder mag, versucht wenigstens seinen Wohnsitz für eine Weile zu wechseln. Wenn man mitansieht, wie von Jahr zu Jahr in steigendem Maße und dieses Jahr mehr als zuvor in den Sommerferien Tel-Awiwer nach Jerusalem und Jerusalemer nach fchuda Burlai Luna Aus dem Hebräischen übersetzt von Erich Brauer. lUündi twbot•• (6. Fortsetzung.) VIII. Die Sonne war noch nicht aufgegangen. Der Horizont war im Osten in einen dünnen Wolkendunst gehüllt. Der Morgen war kalt und frisch — einer der ersten Wintertage brach an. Leichte Feuchtigkeit und Taufall frischten den Boden und das Geländer der Veranda auf. Und das Laub an den Bäumen im Garten erstrahlte grün von dem Nebel, der sich zerstreute und lichtete. Mula Obadjah saß mit seinem Weibe Luna auf der breiten Bank mit weichem Polster. Sie tranken Tee aus einem großen Messingkruge, der vor ihnen auf dem Tisch stand. Mula Obadjah hatte schon zum!weiten und zum dritten Male seinen Becher gefüllt und goß sich den vierten ein, wie er es morgens gewohnt war, bevor die Sonne aufging. Er schaute auf Luna, die ein weißes Hauskleid anhatte, auf sie und ihr Antlitz, das bleicher und schmaler war als nach der Hochzeit. Er sah, daß der Becher, der vor ihr stand, noch zum Drittel gefüllt war und rülpste vor Wohlsein aus aufgeblasenen Backen: ״Trinke doch“ — sagte er zu ihr bucharisch —, ״du hast ia noch nicht ein Glas ausgetrunken.“ Luna rückte das Glas mit trotzigem Schweigen fort. ״Gut, Luna, gut. Am Morgen braucht man Tee.“ ״Nicht nötig — genug,“ antwortete Luna, auch sie bucharisch. Es war noch Zeit zum Gebet, der Minjan begann sich gerade tu sammeln und Mula Obadjah sann darauf, Luna an seine Sprache zu gewöhnen. ״Ich kann nicht schlafen am Morgen. Fängt das Tageslicht an, öffnen sich die Augen.“ ״Gewiß ... schläft auch am Tage ... auch früh zur Nacht“, radebrechte Luna bucharisch. Auch sie wollte diesmal mit ihm sprechen, um ihn wegen der Angelegenheit mit der Wohnung zum Sprechen zu bewegen. Sie hatte gestern von Ezechiel gehört, daß ihr Mann mit der Absicht umgehe, ihre Wohnung zu vermieten. Gestern hatte sie vergessen, ihn darüber zu befragen. Jetzt erinnerte sie sich und sie fing an, halb bucharisch und halb hebräisch. ״Du willst unsere Wohnung weggeben? Ezechiel sagte mir so. Ist dies richtig?“ ״Ja, in der nächsten Woche.“ ״Und wir, wohin?“ ״Auch hier. Ich gebe nicht die ganze Wohnung ab. Nur die zwei Zimmer an dieser Seite.“ (Er zeigte mit dem Finger nach Norden.) ״Uns genügt ein Zimmer zum Schlafen und der Vorraum zum Essen. Jene werden von der anderen Seite eintreten.“ ״Wie? Du hattest doch gesagt ein Zimmer, Salon, alles würdest du kaufen, alles, was man in einem Salon braucht ... und dann ein Zimmer ... als Eßzimmer ... nicht in der Vorhalle — einen Salon, sagtest du, werde ich haben.“ ״Er ist nicht nötig. Wozu brauchen wir ihn? Uns genügt es auch so.“ ״Du hattest versprochen, zwei Schränke zu kaufen. Mit einem Spiegel, hattest du gesagt.... Schränke sind nicht da, die ^leider nicht׳ gut, so sind sie“ (und sie knüllte und knaufte mit der Faust ein Stück ihres Kleides), ״so, Fetzen. Tische, Sofas ... Möbel sagtest du. Wann wirst du sie kaufen?“ ״Gott erbarm. Gut: nachher ... es wird alles werden“, antwortete er ihr und machte sich auf, zum Beten zu gehen. Luna blieb auf ihrem Platze sitzen. Sie hatte ihren Arm auf den Stuhl gestützt, ihren kleinen Finger in den Mund gesteckt. Ihr Blick war auf einen der Baume im Garten geheftet. Es war, als klärte sich ihr jetzt irgendeine Rechnung, die sie die ganze Zeit beunruhigt hatte, irgendein trügerischer Kauf. Sie sah, daß alles, was sie fühlte, woran sie nicht denken wollte und was sie doch bewegte, Wahrheit war. Drei Wochen nach der Hochzeit, und Tag für Tag, stieß sie auf irgend etwas, auf irgendein neues Geschehen, das die Leere und den Ekel in ihr immer mehr vergrößerte, diese Leere in ihrem Herzen. Sic merkte alles, alles. Aber sie wollte nicht daran denken, ihren Sinn ״davon“ abwenden. Mehr noch. Sie wollte auch das zum Schweigen bringen, was sie noch gefühlt hatte in den Tagen der Hochzeit. Und was hatte sie für eine Hochzeit gehabt, welchen Sinn hatte diese Hochzeit? Selbst eine Feier hatte man nicht veranstaltet. Er hatte sich davor gedrückt mit: ״Sabbat ist heute“, ״Pessach ist heute“. Aber hatte ihr etwa eine Feier gefehlt? Wozu die Feier, wenn das Elend im Herzen? Für wen? Um sich eine Maske anzulegen, um aufzutreten als Glückliche und Beglückte? Aber damals begann sie, seine Art und seinen Charakter zu erkennen. Ihr Wille — nichts galt er in seinen Augen. Bei allem, was nicht ihn selbst und seinen Vorteil betraf, hörte er gar nicht auf ihre Worte und kümmerte sich überhaupt nicht um sie. Alles tat er nach seinem Geschmack und nach seinem Willen. Vor ihren Worten und ihrer Meinjmg bog und wendete er sich und wich aus. Er horchte auf ihre Stimme und erfüllte ihr Wort bis zum ersten Hochzeitstag. Aber von da an: sie sah es, keine Geltung hat sie für ihn. Und wie bitter war diese ganze Trauung in den Halbfeiertagen des Laubhüttenfestes gewesen. Sie glaubte, man habe sie in ein sonderbar fremdes Haus eingeladen. Dort saßen zehn Gäste, alte Bucharen, Männer und Frauen, an einem langen Tisch, auf dem viel fette Speisen standen. Das war alles. Und diese Bucharen und Bucharinnen sollten Verwandte sein, ihre Verwandten? Sie verstand kein Wort, als die fetten Weiber in den bunten gebauschten Gewändern auf sie einredeten. Sie wartete nur mit Ungeduld, daß alles das zu Ende wäre, daß der Schluß dieser fremden Tage käme, daß sie wieder allein, allein wäre, ganz für sich innen in ihrem Gemache. Aber nie war sie