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Jüdische Rundschau · 1928-08-17 · Heft 64-65 (17.8.1928) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 64-65 (17.8.1928)
Date
1928-08-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 466 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 64/65, 17. ViTT. 1928 Voraussetzung |ür das Zusammengehen, daß der jeweils bloß Mitmachendc wirklich an seine Theorie — glaubt. Ith muß glauben können, daß der andere letzthin gar nicht anders kann, als meine Arbeit tun. Das ist ja überhaupt der eigentliche Glaubensakt aller Politik. Freilich — es muß ein wirklicher Glaubensakt sein, also keine dogmatisch verfettete Eingewöhntheit tmcl Eingewöhntheit im Eigenen, sondern ein durch fügliehe Zweifel und Verzweiflungen am Eigenen durchbrechendes immer wieder Einwohnen in dies Eigene, dies immer wieder und immer dennoch Eigene. Ihr sehr ergebener Franz Rosenzweig. Bücherschau Rudolt Kaulla: Der Liberalismus und die deutschen Juden. Das Judentum als konservatives Element. Dunckcr und Humblot Verlag München 1*528. Zuerst weiß man nicht genau, ob es sich um eine Doktorarbeit oder eine Tendenzschrift handelt. Entstehung und Wesen des modernen Liberalismus, seine Verknüpfung mit dem Judentum, die politischen und religiösen Folgen dieser Verbindung werden in einem sachlich dozierenden Ton abgChandelt. Das Ganze hat in der Tat etwas von der abstrakten Weltfremdheit einer Dissertation. Logisch ist immer alles richtig־ und trotzdem wird es, neben die Wirklichkeit gehalten, schief und unzureichend, weil das Leben sich nicht in die paar einfachen Grundideen pressen läßt, mit denen der ideologische Betrachter operiert. Auch die soziologischen Vorgänge, die diesem Buch zugrunde liegen, sehen in Wirklichkeit viel komplizierter und deshalb eben anders aus als der Verfasser sie darstellt, soviel Richtiges er im einzelnen auch sagen mag. Und schließlich merkt man, daß dies alles durchaus nicht um seiner selbst willen durchforscht und erkannt wurde, sondern ganz offenbar zu dem Zweck zwischen den deutschkonscrvativen Parteien und den Juden eine Annäherung herbeizuführen. Die Konservativen werden bedeutet, daß der Antisemitismus ihres Programms nur dazu führe, die restlose Assimilation der Juden und ihre völlige Absorbierung zu verhindern, gleichzeitig aber die Unksparteien zu ihrem Schaden zu verstärken. Und was die Juden anbetrifft, so wird die Erkenntnis von dem platten Rationalismus eines aufklärerischen Programms mit dem Hinweis verbunden, daß sie ihre wirtschaftliche Interesscnvertretung durchaus nicht immer bei den Parteien finden, zu denen sie sich in ihrer Eigenschaft als Juden hingezogen fühlen. Auch das ist wieder rein logisch ganz in Ordnung; nur ist die Annahme begründet, daß das alles weder uns helfen noch den Rechtsparteien bei den nächsten Wahlen mehr jüdische Stimmen bringen kann. Das Buch dürfte alles in allem um etwa fünfzehn Jahre zu spät gekommen sein. Damals hat man sich, auch von unserer Seite, bemüht, eine Verbindung zu den deutschen Rechtsparteien herzustellen. Es mag ganz dahingestellt bleiben, wie weit das schon damals eine innere Berech igung gehabt hat. Wenn man in der Autorität und der Form die Grundprinzipien konservativen Wesens sieht, die dem wahren Judentum ebenso zu eigen seien wie den bewahrenden Eiementen in der deutschen Politik, so dürfte das immerhin eine etwas äußerliche Betrachtung sein. Schließlich kommt es bei der Autorität auf ihr Wesen und bei der Form auf den Inhalt an, durch den sie bestimmt wird. Es ist zweifelhaft, ob die göttliche Autorität des frommen Juden wirklich etwas Gemeinsames mit der Autorität hat, von der Schwerindustrie und Großgrundbesitz auch ohne Offenbarung wissen, weshalb sie dem Volk erhalten bleiben muß. Aber dem sei nun, wie es wolle: die ganze Frage ist heute reichlich akademisch geworden. Heute steht so absolut beherrschend die Auseinandersetzung zwischen dem Bürgertum als solchem und dem sozialen Willen der großen Masse im Vordergrund, daß die feinen Unterschiede innerhalb des Bürgertums praktisch tatsächlich nicht viel belangvoller sind als etwa vor der französischen Revolution der Streit um ein Mehr oder Weniger an feudalen Rechten. Wenn also Kaullas Untersuchung Anspruch auf lebendiges Interesse erheben wollte, so hätte sie sich der Frage zuwenden müssen, woraus die relativ starke jüdische Beteiligung an den nichtbürgerlichen Parteien zu erklären ist. Rein wirtschaftlich ist sie unverständlich (viel unverständlicher, als daß die bürgerlichen Juden vorwiegend demokratisch wählen: sie sind ja überwiegend Mittelstand). Und es dürfte auch nicht ausreichen, sie allein mit dem Drang nach gesellschaftlicher Gleichberechtigung erklären zu wollen. Hier scheint ein imponderabiles Moment, das im jüdischen Menschen selbst liegt, entscheidend zu sein. Dies Moment hätte Kaulla, selbst bei seiner Untersuchung, nicht ganz außer acht lassen dürfen. Dann wäre sein Thema immer noch unfruchtbar geblieben, aber Einzelheiten seiner Erkenntnis hätten fruchtbar werden können. Gustav Krojanker. Ludwig Lewisohn, Roman Summer (Römischer Sommer). New York und London, Harper & Brothers. 1927. Die Stimme ist Esaus Stimme — aber die Hände sind Jakobs Hände: so könnte man, des Erzvaters Isaak Wort uölkehrend, i'on diesem Buche sagen. Der Name weist nach Rom, und dort spielt auch der beste Teil des Buches; aber die Schicksalsgestalt ier Handlung ist eine junge Jüdin aus Marokko, und von allen Denkmälern der ewigen Stadt lebt hier nicht Pantheon und nicht Peterskirche, sondern einzig und allein der ״tragische Triumphbogen des Titus“, der Judäas Tragödie auf römischem Boden wiederspiegelt. Ttia Resagitur: um Deine Sache handelt es sich; das spürten wir bei jedem neuen Buche Ludwig Lewisohns, seit dieser amerikanische Kunstrichter und SprachKünstler, der fähigste Vermittler zweier Kulturen, zwischen der Kultur des alten und des neuen Erdteils zuerst in der Mitte des Lebensweges — an jener verhängnisvollen Stelle der Umschau und Selbstschau, die Dante meinte — den Juden in sich entdeckte; nicht den jüdischen Amerikaner, sondern den Juden ״an $kh“. Seit dieser Zeit trägt jedes Buch Lewisohns für uns besondere Botschaft. Up Stream (deutsch unter dem Titel ״Gegen den Strom“) erzählte die leidvolle Geschichte von der Wandlung des jüdischen Amerikaners zum amerikanischen Juden; ״Israel“ gab die Weiterbetrachtung des Judenproblems bei den Völkern und Lewisohns eigene innere Befreiung beim Anblick des neuen jüdischen Frühlings im Lande der Vater. Auch der kürzlich hier gewürdigte Roman ״The Island Within“ erzählte von der Heimkehr eines entfremdeten Juden zu den Seinen. Und nun bringt dies fast zur selben Zeit erschienene Buch ״Römischer Sommer“ verwandte autobiographische Geschehnisse unter fremder Maske. Denn freilich verbirgt sich auch hier ein gut Teil eigenes Erleben in der Geschichte des amerikanischen Journalisten John Austin, der ein Erfolgreicher ist, aber ein Schaffender werden möchte und zu den tiefsten Quellen seines geistigen Daseins herabsteigen will. Nicht im Wirbelsturm des amerikanischen Tages — in Rom, der uralten Heimat des Geistes, glaubt er diese Quellen rauschen zu hören. Dort aber findet er — wenn auch nicht die erhoffte Heimat seiner Seele; sondern er findet wie einst jener Jüngling von Sais ״Wunder des Wunders — sich selbst“. Und die Gestalt dieser Schicksalsführerin trägt die geheimnisvoll lieblichen Züge einer jungen Jüdin Esther Azancot aus Marokko. Esther trägt bewußt mit am Schicksal ihres Volkes. Als Tochter des jüdischen Arztes in Marokko hat sic schon als Kind die erste Judenverfolgung schaudernd miterlebt; sie hat dann in ihren französischen Schuljahren die seelischen Wunden, die ihr der Antisemitismus ihrer Schulgefährtinnen schlug, erlitten; aber als furchtbarstes Erlebnis ihrer Tage bleiben ihr tief eingegraben die Bilder aus den Schreckenstagen der Ukraine, da die kleinen Judenkinder nur die eine Bitte hatten, man möge sie erschießen und nicht langsam zu Tode martern wie ihre Eltern.... Wer die Last solchen Schicksals auf die Schultern trägt, der kann sicli nicht dem rassenfremden Manne zum Lebensbunde vereinen; das fühlt Esther Azancot, und darum weist sie die Liebe John Austins, ob sie sie auch teilen mag, zurück. Zuviel weiß sie von der Kluft, die sich auch in der glücklichsten Mischehe am Ende doch noch zwischen jüdischer Mutter und christlichem Kinde, zwischen jiidischer Frau und christlichem Manne auftun kann. In der Arbeit für den Aufbau einer neuen jüdischen Welt in Palästina sucht sie die Erfüllung ihres Lebens zu finden. — John Austin aber wird nach Jahren bürgerlich glücklich mit einer artverwandten jungen Amerikanerin. Mag sein, daß manche Gestalten dieses klugen und schönen Buches ein wenig allzu klug und gedankenbeschwert wurden. Für uns aber bestellt sein Wert nicht nur in seinen künstlerischen Eigenschaften; vielmehr in dem scharfen Erfassen und Darstellen kulturgeschichtlicher Seelcnbildcr und Bedingtheiten. Zu wem es spricht, das sagt schon die schöne Widmung: vom Forum Romanum spricht sic, und von den blutroten Mohnblumen auf dem weißen Marmor — und von dem tragischen Triumphbogen des Titus, von dem der Jude den Blick abwendet... Bertha Badt-Strauß. Dr. Henny Koblenz: Die Erziehung der Schulpflichtigen und Jugendlichen in jüdischen Heimen. (Kommission des Philo- Verlags Berlin, M. 2,50.) Die pädagogische Reform der letzten Jahrzehnte hat vor allem die Erziehung in den Heimen beeinflußt. Während in der wilhelminischen Zeit die Heime mehr oder weniger kasemeomäßig geleitet waren und die; Erziehung sich nur auf Autorität begründete, hat heute auf diesem Gebiete eine große Wandlung stattgefunden. In den meisten dieser Institute ist die Selbstverwaltung eingeführt, und man versucht den Geist der Landerziehungsheime zu übernehmen. Selbstverständlich ging das nicht ohne Kampf ab. Die Verfechter des Alten w'oilen nicht einsehen, daß ihre Theorien überlebt sind, und daß mit ihren Methoden die Aufgabe der meisten dieser Heime, neurotische Jugendliche zu heilen, nicht zu lösen ist. So ist es denn zu erklären, daß viele der solchen Heimen anvertrauten Jugendlichen gleich nach ihrer Rückkehr ins normale Leben wieder in die alten Fehler verfallen. Wer die jüdische Entwicklung der letzten zehn Jahre kennt, wird sich nicht weiter verwundern, daß das sögenannte ״liberale Judentum“ sich in diesem Kampfe für die reaktionären Ideen einsetzt. Ein erneuter Beweis dafür ist die Art, in der ״Haeroticus“ in der Jüdisch-liberalen Zeitung vom 16. Dezember v. J. die oben erwähnte Arbeit bespricht. Die Verfasserin steht in dem Verdacht, Vorliebe für das ״kommunistisch-zionistische“ Erziehungsideal zu haben, und deshalb wird nicht nur die Arbeit in Grund und Boden verdammt, sondern die Verfasserin persönlich angegriffen und beleidigt. Dabei zeugt die Besprechung nicht gerade von tiefer Kenntnis moderner pädagogischer Erziehungs-Probleme, und -Methoden. Das Buch stellt meines Wissens den ersten Versuch dar, die jüdische Anstalts- und Heimerziehung zu behandeln und ist schon aus diesem Grunde zu begrüßen. Die Verfasserin gibt zunächst eine Geschichte des jüdischen Anstaltswesens überhaupt, dann folgt ein Bericht über die verschiedenen Formen der jüdischen Heime für die normale Jugend (Schulpflichtige und Jugendliche) und über die anormale Jugend. Die jüdische Einstellung der Heime hätte etwas ausführlicher behandelt werden dürfen. In ihrer Kritik ist die Verfasserin viel zu zurückhaltend, obw'ohl sie ihre Sympathie für das von Gertrud Benzian geleitete Paulinen-Stift in Hamburg deutlich erkennen läßt. (G. Benzian hat im ,,Juden“, Jahrgang 1924, selbst über ihre Erziehungsmethoden berichtet.) Die jüdische Oeffentlichkcit schuldet der Verfasserin Dank für ihre Arbeit; sie sei allen an Heimerziehung und Wohlfahrtspflege Interessierten empfohlen. Lcvy Wolff. llllllllllllll>IIIIIIIIIIIMIII[llllllll:lllllllllllllllllllllllll|[IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIII[lllllllllllllllllllllllllllll|:1llll|||||llll|||||li||l|||l||l:||||||||||||||||||t||||||||||||||||||||||||HIIII|||||:l|||||||1:1llllllllll|l|ll:lllllllllll||lllla|||||lll|||||lll||||l||l||||||||||||||||HIIIIIIIIH iidische Institutionen im Genier internationalen Jahrbuch In dem vom ״Ständigen Zentrum für internationale informa- Sion״ (Centre Permanent d’Informations Internationales) in Gent lerausgegebenen Internationalen Jahrbuch für das Jahr 1928 'Annuaire International de Geneve 1928) werden unter den ver-;chiedenen internationalen Organisationen und Institutionen, die n Genf ihren Sitz haben, auch die ״StändigeAgenturder Zionistischen Organisation beim Völkerbu nd“ jnd der ״Rat für die Rechte der jüdischen Minf e r h c i t e n, früher Komitee der jüdischen Delegationen“ :rwähnt. * Als Ziel der Zionistischen Weltorganisation wird die Vervirklichung des Baseler Programms bezeichnet. Artikel 4 des 3alästina-Mandats, der die Zionistische Organisation als Jew'ish \gency anerkennt, wird zitiert, wobei erwähnt wird, daß das Mandat der Zionistischen Organisation zwei Hauptaufgaben;teilt: 1. mitzuarbeiten mit der Palästina-Administration in allen lic Gründung des jüdischen Nationalheims betreffenden Angelegenheiten; 2. Schritte zu unternehmen, um sich der Mitarbeit aller Juden, die an der Arbeit zugunsten des Jüdischen Nationalheims teilnehmen wollen, zu versichern. Das Genfer Büro der Organisation existiert seit Juni 1925 unter der Leitung von Dr. Victor Jacobson und steht in ständigem Kontakt mit den verschiedenen Sektionen des Völkerbundes und des Internationalen Arbeitsamtes. In der Notiz über den ״Rat für die Rechte der jüdischen Minderheiten“ wird eine kurze Uebcrsicht über die Geschichte der Gründung des Komitees der jüdischen Delegationen zur Zeit der Friedenskonferenzen gegeben und erwähnt, daß dieses Komitee sich als ständiges Organ zum Schutze der jüdischen Minderheitenrechte konstituiert hat. Erwähnt wird die Züricher jüdische Minderheitenkonferenz vom August 1927, auf welcher der Rat begründet wurde, der die Arbeit des Komitees der jüdischen Delegationen fortzusetzen hat. Das Büro dieses Rates wurde am 1. Oktober 1927 in Genf eröffnet, seine Aufgaben bestehen in der Sammlung aller Dokumente betreffs der rechtliehen und faktischen Lage der jüdischen Minderheiten in den verschiedenen Ländern und, wenn notwendig, in der Intervention beim Völkerbund wegen der Durchführung des Schutzes der jüdischen Minderheiten. Das Jahrbuch weist auch auf die ״Liga der jüdischen Frauen“ hin, die in Genf im Jahre 1920, nach den grauenvollen Judenpogromen in der Ukraine, begründet wurde und sich die systematische Bekämpfung des Antisemitismus in allen seinen Formen zur Aufgabe gestellt hat. Ein sozialistisches Pal8sttna K0mttee Brüssel, 10. August. (J. T. A.) Am 9. August wurde in Brüssel im Zusammenhang mit dem Kongreß der sozialistischen Internationale die bereits angekündigte Palästina- Konferenz abgehalten. Der von Eduard Bernstein, Leon Blum, Arthur Hendcrson und Emile Vanderveldc unterschriebenen Einladung folgten etwa 40 führende Personlichkeiten der Zweiten Internationale. Emile Vanderveldc, der den Vorsitz führte, hielt einen Vortrag über die jüdische Arbeit in Palästina und las das letzte Kapitel seines demnächst erscheinenden Buches ״Ein Marxist in Palästina“ vor. Er ergänzte diese Vorlesung durch eine eingehende Schilderung des jüdischen Aufbaus in Palästina und wies darauf hin, daß die Arbeitersehaft in diesem Aufbau eine wichtige Rolle spielt. Er wandte sich gegen gewisse Stellen in dem Bericht der Joint Palestinc Survey Commission, die diese Leistungen nicht nach Gebühr anerkennen. Angesichts gewisser kapitalistischer Tendenzen in diesem Berichte, schloß Vanderveldc, ist es erst recht die Pflicht der Internationale, das Arbeiterwerk in Palästina zu fördern. Nach Vanderveldc sprach S. Kaplansky. Er führte aus, heute stehe die jüdische Arbeiterschaft in Palästina an der Front einer schweren verantwortungsvollen Arbeit, die die Hilfe der Arbeiter-Internationale in vollem Maße verdient. Der Poale-Zionist M. J a r b 1 u m entwickelte das Programm des zu gründenden Palästina-Komitees der Internationale. Vanderveldc brachte sodann eine Resolution ein, die ungefähr besagt: Die Leistungen der neuen jüdischen Gemeinschaft in Palästina werden anerkannt, insofern sie auf dem Prinzip der Arbeit, der sozialistischen Umformung und der internationalen Solidarität beruhen; diese Arbeit verdient die Unterstützung und Förderung seitens aller Sozialisten. Die Versammlung wählte ein Komitee, das sich ausschließlich aus Sozialisten zusammensetzt und das einen dauernden Kontakt mit den Poale Zion als den Vertretern der palästinensischen Arbeiter- Schaft unterhält. Das Komitee wird regelmäßig die Internationale über seine Arbeiten, sowie über die Fortschritte der palästinensischen Arbeiterschaft auf dein Laufenden halten. Die Resolution fand einstimmig Annahme, die Konferenz schloß in einer feierlichen Stimmung. Der von der Konferenz gewählte Exekutivausschuß des Palästina-Komitees setzt sich aus den folgenden Persönlichkeiten zusammen: Eduard Bernstein, Dr. Br e i t s c h e i d, Reichskanzler Hermann Müller, und Reichstagspräsident Paul Loebe (Deutschland), Emile Vandervelde, Senator Brouckicre und Camille Huysmans (Belgien), George Lansbury, Colonel Josiah Wedgwood und Arthur Hendcrson (England), Jean Longuet, Leon Blum, Renaudel (Frankreich), Turati (Italien), Shipliakoff (Vereinigte Staaten), der Präsident der Internationalen Gewerkschäften Oudegeest (Holland), Tschernowund Zeretclli (Georgien). Sitz des Komitees wird Brüssel sein. Als Sekretäre werden fungieren Pierard und Jarblum. Der Palästina-Konferenz gingen aus verschiedenen Ländern Begrüßungen zu, so u. a. vom Chefredakteur der New Yorker jüdischen sozialdemokratischen Tageszeitung ״Vorwärts“, Ab. K ah an, Oberst Ke n wor t hy , Shipliakoff, Schloßberg, Tawney u. a. * Lord Olivier, der vor dem Kongreß der Zweiten Internationale den Bericht der Kolonienkommission erstattete und die Resolution zugunsten der Kolonialländer und Völker einbrachtc, erklärte in einem Referat, Palästina sei in die Resolution betreffend die Kolonien nicht eingeschlossen, weil Palästina nicht Kolonialland ist. Es bestehe mit Bezug auf dieses Land ein Mandat, welches genügende Garantien um Schutz für die Rechte der Bevölkerung bietet. * * Eine Werbeschrift der Poale-Zfon. Das Verbandsbüro der Poale Zion hat im Zusammenhang mit dem Brüsseler Kongreß der Zweiten Internationale eine Werbeschrift ״Die jüdische Arbeiterbewegung in Palästina“ in deutscher, englischer und französischer Sprache herausgegeben und unter den Delegierten des Kongresses und der Nebenkongresse verbreitet. Die Werbeschritt ist vom Leiter des statistischen Ausschusses der Histadruth Haowdim Dr. Walter Preuß verfaßt und von Ing. Kaplansky eingeleitet. Die Deleg a t i o n der Poale Zion auf dem Brüsseler Kongreß der Internationale setzte sich aus den folgenden Personen zusammen: S. Kaplansky (Mitglied der Exekutive der Internationale), B. Locker (Berlin), Reiß (Warschau), Jarblum (Paris), Dov Hos (London), Ben Zwi, S. Rubaschow, Ben Gurion, Harzfeld, Meierson, Mereminsky (Palästina). Im Rahmen des Kongresses der Zweiten Internationale fand in Brüssel eine internationale Konferenz sozialistischer Frauen statt, auf welcher Golda Meierson die palästinensischen sozialistischen Frauen vertreten hat. Frau Meierson hielt ein ausführliches Referat über Frauen- und Kinderfiirsorge unter der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas. Sie schilderte das Kinderpflege- und -Erziehungswesen in den Arbeiterkolonien, hauptsächlich in den Kwuzotli, und forderte die sozialistischen Frauenorganisationen in den verschiedenen Ländern auf, diesem sozialistischen Erzichungswerk die verdiente Aufmerksamkeit zuzuwenden. Das Referat fand das gespannteste Interesse der Frauen-Delegierten, Osteuropäische Konferenz der ,JUifachdulh“ Freitag, den 17. d. M. tritt in Krakau eine Konferenz der osteuropäischen Landesverbände der zionistischen Arbeitspartei ״Hitachduth“ zusammen. In der Konferenz werden folgende Landesverbände vertreten sein: Polen, Ost- und Westgalizicn, Rumänien, Transsylvanien, Bukowina. Lettland und Estonien. Die Landesverbände in Sowjet-Rußland und Litauen werden aus leichtverständlichen Gründen nicht teilnehmen können. Auf der Konferenz wird u. a. behandelt werden die Lage im Zionismus und in Palästina (Referent J. Sprinzak). die sozial-ökonomische Arbeit der Partei in den Galuth- Ländern (Referent Dr. A. Tartakower), die politische Arbeit der Partei (Referenten Dr. J. Hellmann, J. Levi und I. Skvirski), die Lage in der Hechaluzbewegung (Referenten A. Goldstein und F. Werber) und in der Jugendbewegung ״Gordoniah“ (Referent P. Lubjanikier). Es wird auch eine Reihe von organisatorischen Maßnahmen für die einzelnen Länder beschlossen werden. Im Alter von 53 Jahren verstarb in Jerusalem der berühmte Kantor und Komponist synagogaler Musik Jacob de G u z m a n. Er war vor dem Kriege Kantor der großen Synagoge in Moskau.

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