Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 63 (10.8.1928)
- Date
- 1928-08-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 454 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 83, IO.Vm.1928 Literatur und Kunst Alfred Döblin 50 Jahre? Von Arnold Zweig. Je näher man das Werk Alfred Döblins kennt, diese vier großen erzählenden Prosamassen, ״Wangd-lun“, ״Wadzek“, ״Wallenstein“ und ״Berge, Meere, Giganten“, die beiden Essaybände, viele kleine Nebenwerke, darunter den ״Schwarzen Vorhang“ und schließlich den ״Manas“, das Versepos, diese neuen kurzen, frei rhythmisierten Prosazeilen — alles bei S. Fischer erschienen — um so unverständlicher wird einem das Datum, das von Döblins Geburt vor fünfzig Jahren berichtet. In diesem Menschen ist kein Alter — keine Spur von Planmäßigkeit bewußter Ordnung, Ruhe, Weder gehen seine Bücher auseinander hervor, noch liegt einem seiner Werke ein und nur ein, aber dafür wirklich durchgeformtes Erlebnis, eine einheitliche, aber nun von Sinn, Ueberlegung, Geist und Weltdeutung durchtränkte Fabel zugrunde. Jungenhaft und lyrisch schleudert er die mächtigen Brocken seiner Gestaltungen dem Leser hin, mächtig nach ihrem inneren Umfang, nach ihrem Gewicht, nach ihrer Ausdehnung, und fordert ihn auf, damit fertig zu werden. Diese Aufforderung wirkt sehr stark, weil Döblins Phantasie von jener sinnlichen Anschauungsfülle bedient wird, die ihn mit Recht zu einer zentralen Gestalt innerhalb des neueren Schrifttums macht. Keines seiner Bücher ist an irgendeinem Punkte fertig. So wie der ״Wang-Iun“ ursprünglich vier Sprünge enthielt, sehen wir etwa in ״Berge, Meere, Giganten“ zusammengebacken und zusammengehalten lediglich durch den unhemmbaren Ausstrom aus dem Erzähler Geschichten von der verschiedensten Art und dem verschiedensten Werte, Episoden, groß ausgesponnene Heldenballaden wie die über Marduk, gigantisch-herrliche Berichte wie den von der Enteisung Grönlands mittels der in einem Feuersee verwandelten Insel Island bis zur Schaffung der Turntmenschen; alles dies und noch unaufzählbar mehr überliefert in dem springenden, klappernden, oft großartig malenden, oft wieder lange Strecken monoton hinlaufendcn Stil, den sich Döblin geschaffen hat. Sein ist eine Prosa, unmittelbar kräftig im Tonfall, aufs epische Hören gestellt, aber von einem hauptsächlich mit Gesicht begabten Erzähler gesprachen: aus diesem Gegensätze leitet sie ihre Zwiespältigkeit und ihren Reichtum und schließlich ihre Einheitlichkeit her. Döblins Auge sieht, wie der echte Epiker soll, das Winzige eines Speichelflecks im Barte Wadzeks mit genau derselben pathetischen Schärfe wie die Geschwader der Turmalinschiffe, die Ihre elektrisch geladenen, glutbringenden Schleier durchs Meer fahren, in ihm alle Lebenskeime zu riesigem Aufschwellen, rosenfarbenem Erblühen bringend. An extensiver Phantasie wie an intensivem Eindringen ln denjenigen Moment der Gestalt, der ihm gerade vor dem Seelenblick steht, ist Döblin heute die stärkste Kraft unter uns, und nur durch die barocke Unzucht und Ueberfülle seines laufenden und sich überstürzenden Geistes steht er sich selbst im Wege, hindert er seinen eigenen Ruhm. Ihm verweigert sich die beständige, ln sich selbst ruhende, mit sich selbst in Zusammenhang bleibende Gestalt: die wesen-, haft gesehene und geformte, oder auch nur ihr dauerndes, mit sich identisches Dasein — und damit die Form auch der Fabel, des Gesamtwerkes, der eigenen Dichterperson. So wie es zur Grundbegabung des Plastikers gehört, eine Gestalt abzugrenzen aus der Masse von Phantasie, Ton und Stein, die ihm unbegrenzt zur Verfügung steht, ist Zucht die Hauptaufgabe auch des in Worten Gestaltenden, und obwohl es der Zuchtlose nicht wahr haben will, wird das Getümmel und Gedränge der hochbegabten Einzelheiten beeinträchtigt durch den Mangel an Achse, den man bei jedem Döblin’schen Kunstwerk feststellen muß. Eine gewisse Verzärtelung gegen sich selbst, eine Wehleidigkeit um die wertvollen Brocken, die man aus einem Werke wegschneiden und unter den Tisch werfen muß, damit durch Aussparung das Gebliebene um so eindringlicher und allseitiger sichtbar werde, verhindert Alfred Döblin bisher, zu seinem eigenen Format zu gelangen. Es geht ihm wie Jean Paul, er steht sich selbst im Wege, weil ihm alles, was von diesem bedeutenden und wichtigen Manne, dem Verfasser Alfred Döblin, abgesondert wird, zu schade, zu kostbar erscheint, um einen Teil davon zu opfern. Alles an Döblin mutet jugendlich an, barock, quellend; auch wenn er denkt und sein eigenes Künstlertum theoretisch untersucht und begründet, ähnelt er einem begabten Zwanzigjährigen mehr als einem fünfzigjährigen Manne, der er doch nach Höhe, Weite und dichterischer Genialität seiner Schau ist. Es gibt Prosaseiten in seinen Büchern, die, ebenso wie zahlreiche Einzelseiten Jean Pauls, klassische Prägung tragen; man kann sogar behaupten, bei keinem heutigen Dichter gäbe es so viele Einzelseiten, die das Zeug dazu haben, für den Stil unserer Zeit repräsentativ zu stehen. - Aber als Gestalter von bedeutenden Atalten, als Schöpfer von runden, einheitlich geschaffenen, durchgeistigten und sinnbeladenen Kunstwerken ist Alfred Döblin uns und sich noch sehr viel schuldig geblieben. Ein Grund dafür ist unter anderen freilich die lange Wartezeit dieses Mannes, zu dem Ruhm zu kommen, der ihm gebührt. Wenn man wie er, von seinem eigenen Werte wissend, Jahrzehnte ausdauern muß, bis man die zentrale Geltung auch unter den Kennern erreicht, die man sich selber zuerkennt, gerät leicht eine Ueberspannung des Selbstgefühls als Ersatz dafür in eine Person, die dergleichen doch an sich nicht nötig hätte. So werden ״Dichterlaunen“ und Allüren eines Geniekonvents allzulange festgehalten. Heute ist es nicht mehr nötig, Leute auf Alfred Döblin aufmerksam zu machen; man sieht auf ihn als auf einen der vier oder fünf Geister der jüngeren deutschen Prosa, auf die es wahrhaftig ankommt. Unter den Fünfzigjährigen wird man in ganz Europa keinen so jugendlichen, keinen so trächtigen, nach vorwärts weisenden Geist finden wie diesen jüdischen Berliner Arzt, der ein Mensch ist mit seinem Widerspruch und liebenswert in seiner schrulligen Schärfe, den barbarisch großartigen Südseeplastiken seiner Werke, den mächtigen und in aufschlußgebender Richtung bcwegten Komplexen seiner Gedanken, die er gerade in dein Buche ״Das Ich über der Natur“, überall zu Zustimmung und Widerspruch aufreizend, hinausgesagt hat. Dieser sehr jüdische Schreiber Alfred Döblin, der eigentlich ein ununterbrochen redender Redner ist, dieser Denker Alfred Döblin, dessen Gedanken mehr von der Phantasie als von der westlichen Logik und Intuition bestimmt werden, dieser philosophische Mensch, der mittels dichterischer Schau Erkenntnisgruppen aufschließt, dieser zugleich Überlegene und unterlegene Gestalter, unterliegend seinen eigenen Gestalten, überlegen einer gesamten Literatur von heute und gestern, dieser zwiespältig einheitliche Mann, halb Mittelmeermensch, halb Berliner, hat in seinem letzten Epos den Vorstoß bis zum mythenschaffenden Ingenium des lyrischen Urtyps, des besessenen Dichters eingetragen: ״Manas“, ein Zauberepos, das sich gegen seine Bewältigung durch den Leser wehrt wie ein lebendiges Tier, das sich gleichsam immer wieder schnaubend und kratzend den zugreifenden Fäusten des Geistes entringt und weggaloppiert in eine Dimension, in die man ihm nicht folgen kann, um alsbald wiederzukehren, dazustehen, sieh ansehen zu lassen, großartig greifbar wie ein lebendiges, atmendes Wesen. Hier ist wenigstens eine Leitidee und Leididee in der Gestalt des Manas angelegt und durch fürchterlich quellende Abenteuer festgehalten: ein Mann sucht den Schmerz der Welt zu fühlen; das Ist ein Zuwachs an Geschlossenheit und Kraft, zu dem wir, widersprechend und leidenschaftlich bejahend, wie ■wir zu Alfred Döblin stehen, uns und ihn beglückwtinschen. In dieser Ausstrahlung magischen Weltgefiihls betrachten wir einen Wortzauberer, dessen groteske Tänze gleich Erdbeben der Seele uns Zuschauer mitreißen, und dessen Gebärden, Sprache geworden, nach vorwärts weisen wie sonst nichts unter den heute Dichtenden. Verglichen vollends mit den greisenhaften und läppisch verspielten jungen Leuten, die sich uns als neue Oeneration anpreisen, ist der fünfzigjährige Döblin eine Naturkraft, unangebrochen, unerschöpflich und von größerer Wichtigkeit als sie alle, soweit sie sich bis jetzt überhaupt kundgetan haben. Wir sind, man merkt es hoffentlich, weit davon entfernt, einen Mann, der sich eben jetzt, mit Lehrern und Eltern abrechnend, als der Schüler von damals verzaubert hat, durch leeres Lobgerede zu ärgern; wir glauben sogar, daß er heute noch zum Beispiel durch Nichtachtung der Kommagesetze der deutschen Sprache, gegen die Quäler seiner Jugend Anklage erhebt. Und in der gleichen Schrift (Alfred Döblin: Im Buch, m Haus, auf der Straße. S. Fischer Verlag), die uns noch nicht vorliegt, von der aber Stücke uns aus der ״Frankfurter Zeitung“ bekannt sind, gibt uns A. D. den Schlüssel zu seiner widerspruchsvollen Haltung auch seiner jüdischen Abstammung gegenüber: nichts als Leid hat sie ihm gebracht vom Vater an, der, einer jener nicht seltenen jüdischen Vaganten, eines Tages aus der Stettiner Bürgerlichkeit ausbricht, als sei er eine Gestalt aus einem Roman Alfred Döblins, und dafür von seinem Sohne, der die Partei der verlassenen Mutter ritterlich hält, noch heute verworfen, mit Affekt verneint wird. Also hatte er doch recht, der kluge unziinftige Briefschreiber an die ״Vossische Zeitung“, einmal hinweisend auf die Mutterbindung des Dichters, dem die Namen aller Helden mit ״Wa“ und ״Ma״ anfangen (Wanglun, Wadzek, Wallenstein, Marduk, Manas)! Und so, unbewußt aus triebhaften Tiefen bewegt, wie es vielleicht das gute Recht des manischen Dichters ist, sträubt sich A. D. auch gegen die besondere Bindung an eine Gemeinschaft, die er crlebnisllaft nicht mitzufühlen vermag. W’ir klagen ihn deshalb weiß Gott ni^tt fP: eT ist» wie er ge(atsnfc ^|t gefat(:p, und ,stelle so zur Schau und Freude der Zeitgenossen‘ aücti der jüdischen. Wir ziehen es aber vor, der körnigen Materie seiner Person eine körnige Kritik entgegenzusetzen und ihn dadurch zu ehren. Als vor zehn Jahren Stefan George so alt war wie Döblin heute, verwirklichten Albrecht Schaffer und Ludwig Strauß den wahrhaft ritterlichen und entzückenden Einfall, den Meister durch ein Bändchen der reizvollsten Parodien ehren zu wollen; sie kamen dabei an den Falschen, sie prallten schon von der Gummiwand des Vorhofes, geschweige des humorlosesten aller ״Kreise“ entthront ab. Alfred Döblin aber würden wir die innere Freiheit und Lustigkeit Zutrauen, auch einer Döblinparodie, berechtigt als Zeugnis seiner Kraft, Beifall zu geben, geschweige einem so herzhaft gesonnenen kritischen Glückwunsch wie diesem hier. Denn ein Glückwünsch ist es für ihn und für uns: für uns ein Zeichen, daß wir froh sind, einen solchen Wirrkopf und Hellseher, solch einen genialen Kerl und Jungburschen unter unseren Fünfzigern zu haben, für ihn aber der Wunsch, daß er von Fünfzig bis Sechzig an Kraft nicht verliere, aber wie ein guter Wein an Klarheit, Eindeutigkeit und goldbrauner Reife Jahr für Jahr mit seinem Alter zunehme. Sezession. Die Zeichner der Sezession haben es durch ihr fügsames Material, Zeichenstift und Kreide, von vornherein leichter, ihre Auffassung zur Oeltung zu bringen. Wieder gibt Mopp schönsten und kostbarsten Genuß. Hier in der Sezession ist er ganz lyrisch, melodisch-weich in seinem kindlichen ״Pierrot“, um den Notenköpfe zu tanzen scheinen. Bemerkenswert ist Franz Oppler in seinem Aquarell Pagatiini: Musik in Flächen. Sehr gut ist Rudolf Großmann, der es auf der Wand mit der blendenden George Groß-Reihe, die ganz unbestritten das beste ist, selbst in dieser glanzvollen Schau, gar nicht so leicht hat, sich zu behaupten. Neben seinen allgemein interessierenden Bildnis- Zeichnungen fesseln vor allem ein überlegen ironischer ״Engländer“ und ״der Hellseher Aub“, Dieser Hellseher, in der Ecke der Zeichnung brauchte das Wort ״Kabbalist“ nicht zu stehen, bringt trotz des auf den ersten Blick täuschenden Aeußeren, man denkt zuerst ״Börsengewaltiger“, ln den Kreis|n vom Kopf bis zur rundlichen Fülle die mystischmagische Suggestion des einäugigen Zauberers überraschend eindringlich zur Geltung. Ludwig Meidner, in früherer ewaltigerer Zeichnung ehemaliger Inhaber dieser runden inien, bringt in zwei religiösen Köpfen sowohl religiöses Judentum wie Wüstenorient zu großer Schau. Lesser Uri ist hier ganz Klassiker der Zeichnung. Seine ״Schlafende“, eine Tuschezeichnung, erinnert an bestes von Manet. Unter den Zeichnungen ton Walter Trier erfüllt ein artistisches Durieux-Porträt mit kühner Linie alle Wünsche für eine Dar- Stellung dieser großen Künstlerin. Von George Grosz aber ist zu sagen, daß er immer mehr der universelle Kritiker des Jahrhunderts wird. Nach der akademischen Entsagung seiner verflossenen exaktlangweiligen Zeichenblätter, an die als einziges ernstes Zeugnis der mit dichterischer Intuition erfaßte Kopf des Schauspielers S o k o 1 o w nur von fern erinnert, exzelliert jetzt sein Temperament in prachtvoll zeichnerischer Laune in unzähligen Explosionen. Sanft ist er nicht, aber er sieht diesem angefressenen Jahrhundert bis unter die Haut. Bis Ende August ist diese Zeichnerschau noch zu sehen. Eine der schönsten Ausstellungen der letzten Jahre. Ruth Morold. Kleine Nachrichten Der Währungs-Ausschuß der Palästina-Rederung teilt mit, daß der G e s a m t u m I a u f an Münzen und Noten in Palästina heute 1 887 348 Pfund beträgt. Eine Jerusalemer arabische Zeitung nimmt Stellung zur Ernennung des neuen Oberkommissärs und verlangt die Ernennung eines Islamischen Statthalters, mit der Begründüng, daß bisher die Juden und die Christen durch Samuel und Plumer im Oberkommissariat vertreten gewesen sind. Die Gesellschaft zur Ausnutzung der Konzession für die Elektrifizierung Jerusalems ist von der Regierung bestätigt worden, so daß die Arbeiten in nächster Zeit in Angriff genommen werden. Es wird erwartet, daß bis zur Versorgung der Stadt mit elektrischem Strom noch etwas mehr als ein Jahr vergehen wird. Delfiners Seidenfabrik in Tel-Awiw ist von einer von Nasatissin geführten Londoner Gruppe käuflich erworben worden und wird demnächst wieder in Betrieb gesetzt werden. Rabbi Chaim Joseph Sonnenfeld, der Führer der extrem-orthodoxen jüdischen Gemeinschaft in Palästina, wird im September d. J. 80 Jahre alt. Die Weltorganisation Agudas Jisroel rüstet sich zu einer großen Feier zu Ehren des Gelehrten. In diesen Tagen Ist auf dem Karmel das Sanatorium der Arbeiter-Krankenkasse, das nach Borochow genannt ist, feierlich eröffnet worden. Das Haus umfaßt zurzeit 20 Betten, davon 8 für stillende Frauen mit ihren Kindern. Es besteht der Plan, das Sanatorium außerhalb des bestehenden Budgets der Kasse zu erhalten. Wie Ita erfährt, gedenkt die Palästina-Regierung auf Vorschlag der Jewish Womens Equal Rights Association und im Hinblick auf den Fall eines zwecks Ehe verkauften zehnjährigen jüdischen Mädchens, ein Gesetz einzuführen, das eine Ehe von Mädchen unter 16 Jahren verbieten soll. Meir Miaskovetzky in Tel-Awiw wurde wegen Zugehörigkeit zur kommunistischen Bewegung zu 100 Tagen Gefängnis und nachmaliger Landesverweisung verurteilt. Oberrabbiner Onderwvzer beging am 1. August sein 40 jähriges Amtsjubiläum als Rabbiner und Dajan von Amsterdam. Der Minister-Resident von Tunis Luden Saint hat ein Dekret unterzeichnet, nach welchem der Oberrabbiner von Souesse Jossef Guez zum zeitweiligen Oberrabbiner von Tunis bestellt ist. Der erste Preis der in Verbindung mit den Olympisehen Spielen in Amsterdam stattfindenden OroBen Kunstausstellung, eine goldene Medaille, wurde dem jüdischen Maler Isaac Israels für sein Gemälde ״Der rote Reiter“ verliehen. Isaac Israels Ist ein Sohn des verstorbenen berühmten holländisch-jüdischen Malers Joseph Israels. In diesen Tagen verstarb ln Zürich Prof. Dr. jur. Siegmund Feilbogen, früher Dozent an der Wiener Exporjpkadetnie. Prof. Feilbogen gehörte zum engen Freundeskreis Theodor Herzls. Der vor einigen Tagen ln Warschau eingetroffene polnische Handelsattache für Palästina und den Mittleren Osten Dr. M. Hausner verhandelte mit dem Handelsminister Kwiatkowsky und dem Vizeminister für auswärtige Angelegenheiten Wysocki über die Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Polen und Palästina. Das Direktorium 4e^ Keren. Haiessod hat mit Wirkung yom 15. September den Anwalt am gemischten Appelationsgencht in Alexandrien M e s s e c a eingeladen, als Delegierter in den nordafrikanischen Landern Tunis, Marokko und Tripolis für den Keren Hajessod tätig zu sein. (Ziko.) In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres ist bei der Arbeiterbank in Tel-Awiw der Gegenwert von 2393 verkauften Aktien eingegangen. Der Jerusalemer Arbeiterrat hat einen Wettbewerb für den Bau eines Arbeiterhauses ausgeschrieben. (Ziko.) Der Vizepräsident von Hias of America und Präsident der Hias-Abteilung in Chikago, Mr. Adolph Copeland, ist auf seiner Reise durch die europäischen Länder, in welchen er das Hias-Hilfswcrk studiert, in Berlin eingetroffen. Der Präsident des jüdischen Emigrationsdirektoriums (Emigdirect), Dr. Miron K r a i n i n, der mehrere Monate lang zusammen mit dem Generaldirektor der Ica Dr. Louis Oungre und dem Vertreter von Hias of America Benjamin im Aufträge von Hias-Ica-Emigdirect (Hichem) in Südamerika geweilt hat, ist soeben an Bord des ״Cap Polonia“ nach Deutschland zurückgekehrt. Genf, 5. August. (J. T. A.) Am 30. August d. J. wird in Genf der vierte Kongreß der nationalen Minderheiten stattfinden. In den letzten drei Jahren fand alljährlich ein solcher Kongreß statt, an welchem sich Vertreter der jüdischen Minderheiten in verschiedenen Ländern mit L. Motzkln an der Spitze hervorragend beteiligten. Auch in diesem Jahre werden Vertreter der wichtigsten jüdischen Minderheiten teilnehmen. Die Zeitschrift ,Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge“ tritt mit dem soeben erschienenen Hefte in den *weiten Jahrgang ihres Bestehens. Sie behandelte in dem ersten Jahrgang nicht nur alle Fragen der organisierten und produktiven Wanderung und Wamlerfüreorge, sondern sie versuchte über den anfänglich gesetzten Rahmen hinaus eine Fülle grundsätzlicher Probleme der jüdischen Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik zur Diskussion zu stellen. Hoher das Verhältnis von Zedakah und moderner Wohlfahrtspflege sind einige wichtige Aufsätze aus der Feder von Rabbiner Dr. Ilorovitz, Frankfurt, Rabbiner Dr. Vogdstein, Breslau, Eugen Caspary, Berlin, und Dr. Straus, München, erschienen. Zur bedeutungsvollen Frage der jüdischen Rechtsauskunftsstellen und Schiedsgerichte hat in einem allgemeinen Artikel Oberregierungsrat Dr. Geyer, Dresden, von jüdischer Seita Rechtsanwalt Dr. Foerder, Breslau, Stellung genommen. Die Berliner jüdische Darlehnskasse wurde von Dr. Fritz Lamm behandelt, nebst Material zur Gründung einer Darlehnskasse, die neue jüdische Kreditgenossenschaft von James Goldschmidt, Berlin. Ein Sonderheft war, von Eugen Caspary eingeleitet, allen Formen produktiver Fürsorge der Jüdischen Gemeinde Berlin gewidmet. Die wichtigsten Fragen des Ausländerrechts wurden fortlaufend von Rechtsanwalt Dr, Fraustädter, Berlin, behandelt. Ueber das drängende Problem der Jüdischen Gefangenenfürsorge schrieben die beiden bekannten Gefängnisrabbiner Dr. Joseph, Berlin und Dr. Steinthal, Münster. Aus der Fülle der sogenannten sonstigen Themen seien nur genannt: Voraussetzungen einer jüdischen Arboiterkolonie (S. Adler-Rudel), Die christliche Wandererfürsorge (Pastor Braune), Jüdische Landarbeiter in Frankreich (Grünberg, Paris), Arbeitsvermittlung und Erwerbslosenfürsorge (Dr. Kreutzberger), Der Boykott jüdischer Angestellter, Ostjudeneinwanderong und Mädchenhandel u. a. m. Eine ausgedehnte Rundschau unterrichtet über Gesetzgebung, Praxis und Tagesfragen der Wohlfahrtspflege. Die Zeitschrift hat weit über jüdischo Wohlfahriskreise hinaus Beachtung und Anerkennung gefunden. (Redaktion und Geschäftsstelle Berlin N 34, Auguststr. 1ך.)