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Jüdische Rundschau · 1928-08-10 · Heft 63 (10.8.1928) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 63 (10.8.1928)
Date
1928-08-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 03, 10. Vm. 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 453 Jüdische Tagungen Die Tarbut-Konferenz in Zoppot Von S. Tschernichowsky. II•). Mit größter Spannung hörten die Anwesenden die Berichte über die Arbeit in den verschiedenen Ländern an. Aus ihnen wollte man lernen, was jetzt im jüdischen Leben geschieht und was in der Zukunft zu erwarten ist. Trotz der Behauptungen unserer Feinde sind wir keine festgeschlossene Masse; wir sind voneinander getrennt find wissen nicht einmal, was bei unseren Brüdern geschieht, und sei es in unmittelbarer Nähe. Daher war cs so angenehm zu erfahren, daß cs auch in den abgelegensten Winkeln noch jüdisches Leben gibt: In der Bukowina (160000 Juden) haben wir 3 Schulen, 20 Kindergärten und eine Schule für Kindergärtnerinnen; dagegen hat Transsylvanien und das Alte Rumänien keine einzige hebräische Schule während in Moldavien und der Walachei während der letzten Jahre 15 gegründet wurden. Karpatho-Rußland hat 5 Volksschulen mit 400 Schülern und 1 Gymnasium (4 Klassen) mit 130 Schülern. Die Volksschulen bekommen eine Unterstützung seitens der Regierung, das Gymnasium aber nicht. Viel tätiger ist Bulgarien,■׳ wo es jetzt 18 Volksschulen (zu 4 Klassen), mit 1900 Kindern, 6 Progymnasien (zu 6 Klassen) mit 600 Schülern und 10 Kindergärten (mit 670 Kindern) gibt. Die Schulen haben das Recht, in hebräischer Sprache zu unterrichten, die Lehrprogramme sind die der Regierungsschulen; 14*/0 aller Ausgaben werden von der Regierung gedeckt. Auch die Gemeinden geben den Schulen Unterstützung. Mit stärkstem Interesse hörte man den Bericht über die Arbeit der Lehrer in Rumänien (eigentlich B e ß a r a - bien). Das war die reine Jerimiade eines Häufleins von Juden, die einsam und verlassen vom Gros der Juden in Polen und Rußland einen verzweifelten Kampf führen. Diese Idealisten, ohne Hilfe von außen, ohne Anerkennung von innen, haben ihrer Sache schwerste Opfer bringen müssen. Die Regierung will weder die Rechte der Schulen noch die der Lehrer anerkennen. Es fehlt an Lehrern. Die Regierung gestattet nicht die Gründung eines Seminars und Lehrer aus dem Ausland werden nicht zugelassen. Hebräische Bücher, die im Auslande gedruckt sind — haben keinen Zutritt in die Schule. In die Gymnasien werden nur Kinder zugelassen, die eine anerkannte Schule absolviert haben. Es gibt keine Zulassung bloß auf Grund einer besonderen Aufnahmeprüfung. Absolventen der hebräischen Gymnasien werden weder an den rumänischen noch an den ausländischen Universitäten aufgenommen. Die Zionistische Organisation tut nichts für den Tarbut; ja, es wurde geklagt, daß die Zionisten der Tarbut mehr schaden als sie ihr Hilfe leisten. Die Regierung ״duldet“ die Schulen; jedes Jahr muß wieder von neuem gebeten werden, sie bestehen zu lassen. — Und trotzdem betreut ״Tarbut“ in Beßarabien 23 Volksschulen (164 Lehrer und 3874 Schüler), 10 mittlere Schulen (149 Lehrer €133.«Schäler), 2L Kindergärte» (38 Lehrer, 769 Kinder), insgesamt 6475 Schüler. Das jährliche Budget beträgt 113000 Dollar. Amerika trägt dazu keinen Pfennig bei. Und trotzdem wurden jetzt einige Schulbücher in hebräischer Sprache herausgegeben, es erscheint eine hebräische Zeitung — אשבלות — redigiert von Rosental. Und man muß zugeben, daß wir eine ähnliche Publikation, was Druck, Form, Illustrationen anbeiangt, bisher noch nicht gehabt haben. Es war so angenehm, sie in der Hand zu haben, wie auch die kleinen grüngebundenen Heftchen ״Programma analitica a obiectelor evreesti pentru cur sul primär“. Und die Reden der Lehrer waren voll Mut, Zuversicht und Glauben an die Zukunft. Dann kamen Ziffern und Tatsachen aus dem großen Polen: 25000 Schüler hat ״Tarbut“, das hat ihm ein Land mit 3 Millionen Juden gegeben. Die הארצית Ölt wächst von Tag zu Tag, die Polonisierung schreitet ungeheuer schnei vorwärts; sogar in den Grenzprovinzen, die bisher als Zitadelle der hebräischen Sprache galten. Wie es scheint, fühlt das Volk die drohende Gefahr. Die Zahl der hebräischen Schulen wächst. In kleinen und großen Städten werden immer neue Schulen gegründet, mitunter gegen den Willen der Zentrale. Die Opferwilligkeit der jüdischen Eltern ist mitunter ungeheuer groß. Sie müssen teueres Schulgeld zahlen, um die Schulen zu erhalten; denn die Regierung wdl von diesen Schulen nichts wissen. Man muß mit den ״linken“ und ״orthodoxen“ Eiementen kämpfen, die sich überall gegen die hebräische Schule steilen. Die Schüler wissen, daß sie später vor den geschlosscnen Türen der polnischen und ausländischen Universi täten stehen werden, und trotzdem lieben sie ihre Schule. Sie und ihre Jugendorganisationen: Haschomer Hazair, Hecha• luz, Wamaafilim, ihre Eltern und Lehrer bilden hier die treueste Garde der hebräischen Sprache in der Welt. Polen hat jetzt 70 Kindergärten mit 1866 Kindern (der jährliche Zuwachs beträgt 20 0/0), 141 Volksschulen (17 649 Schüler), deren jähr lieber Zuwachs 11 °/0 ist; 15 Gymnasien (11 in den Grenz- Provinzen, 1 in Kongreßpolen) mit 3964 Schülern (jährlicher Verlust 6 0/0), 5 Lehrerseminare mit 424 Schülern und einen pädagogischen Kursus mit 200 Teilnehmern. Zur richtigen Beurteilung dieser Ziffern dürfen wir nicht außer acht lassen, daß von 300 000 schulpflichtigen Kindern 240 000 die polnischen Schulen besuchen, wo sie im Hebräischen fast gar nichts lernen (2 Stunden Religionsunter rieht in der Woche). Vom nächsten Jahre ab werden sie noch 2 Stunden Unterricht in Tnach bekommen. Polnische, zur Hälfte jüdische Privatgymnasien, besuchen ungefähr 3000 Kinder, fast 12000, d. h. 56 0/0 aller Schüler der polnischen Gymnasien sind Juden. Die Volksschulen der Tarbut besuchen 18000, die der Jiddischen — 11000; der Misrachi, in dessen Schulen man in der letzten Zeit auch hebräisch zu lernen beginnt, hat 4000 Kinder. In den Jeschiwot und Chadarim sind noch 30000 Kinder. Ein Triumph der Tarbut-Arbeit blieb uns lange im Gedächtnis: der Bericht von M. Kahan über Litauen, das frühere Land der berühmten Jeschiwot, das Land der Torahlehre, das jetzt die feste Zitadelle der hebräischen Sprache ist. 9500 Schüler, d. h. für Litauen 75 סיף der gesamten jüdischen Kinder erhalten ihren Unterricht in hebräischer •) Vgl. ״J. R.“ Nr. 61. Sprache durch die Schulen der ,,Tarbut“; 12 0,״ besuchen die Schulen von ״Jawneh“, wo auch hebräisch unterrichtet wird. Fast die gesamte Jugend! ״Tarbut“ hat 15 Kindergärten, 77 Volksschulen, 11 Gymnasien, 10 mittlere Schulen, 1 Lehrerseminar. Eine Wolke an diesem heiteren Himmel ist die Tatsache, daß in letzter Zeit 930 Schüler in litauische Schulen übergegangen sind. Es ist klar: überall, auch in Litauen, ist noch Platz für Arbeit. Und besonders auf einem Gebiete, auf dem Gebiete des hebräischen Buches, das so wenig Käufer hat. Die Versammlung hat «ich auch mit der Frage befaßt: Wieviel bei gutem Willen zu tun ist, beweist ein Brief, den der erneuerte ״Verlag Stybel“ aus einem winzigen Städtchen Luzin (in Estland) bekommen hat. Ein Lehrer (S c h o w e I) hat hier allein 22 Subskribenten bekommen können. Wieviel könnte also, im Vergleich mit Luzin, etwa allein Warschau tun? Und ganz Polen? Amerika? Eine passende Organisation und guter Wille könnte vieles schaffen. Der große Golem wartet auf seinen Rabbi Löw. In der fünften Sitzung wurde unter anderem die Gründung eines Bundes der Tarbutorganisati onen in Osteuropa, zum Zwecke einer Koordination und Stärkung der Arbeit beschlossen. Und da wir von der Politik so abhängig sind, muß das Zentrum der nengeschaffenen Organisation seine Sitzungen in Zoppot haben. An ihrer Spitze steht eine Moazah, welcher Vertreter von Litauen (3), Lettland (1), Polen (5), Estland (1), Rumänien (3), Karpathorußland (1), Bulgarien (1), Danzig (1), Hechaluz (l), Haschomer Hazair (1), Brith Hanoar Mittwoch, den 15. August 1928 ln don Anlagon *m *-ahrtar Bahnhof und Sifan daa Beginn 4 Uhr nachm. Sommer-Fest Fahnanparade Überraschungen Groies Kinderfest Kinderspiele Belustigungen Sport - Vorführungen Bar Kochba Hakoah Blessn-Tombela mH 2000 gewinnen Kabarett Gartenkonzert nim Ab 8 Uhr TANZ AbBUhr Kapelle: Sid Kay’s Fellows Eintritt 1 Mark Kinder so Pfennig ״ Bai ungBnattgarWitterung flndat daaFaat ';י־«*1 י In dan Silan und gadackfan Terra »tan alatt (1) und Brith Trumpeldor (1) angehören. Die Moazah hält ihre Sitzungen zweimal jährlich ab. Die Exekutive ist noch zu wählen. Verhältnismäßig klein schien uns die Zahl der anwesenden Vertreter der Landsmannschaften. Die jüdische Presse (mit Ausnahme der Hazefirah und Netiwoth) hat der Konferenz wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Das große Publikum war zu wenig unterrichtet; doch am letzten Abend und beim Festbankett zu Ehren der Konferenzteilnehmer war uns klar, daß diese Konferenz doch der Anfang einer neuen Aera in der Arbeit der Tarbut sein kann. Merkwürdig bleibt die große Zahl der dabei anwesenden ״Oppositionellen“, besonders Revisionisten. Und als ich beim Bankett nach altem jüdischen Brauch den Anwesenden etwas zum besten geben wollte, wagte ich nicht mehr mit dem alten ״le Chajim“ zu schließen und sagte ״le Wladimir"! Jüdische Jagendiaguag in Mannheim Für den 21. und 22. Juli berief die Mannheimer Jugendgemeinde einen Jugendtag ein, an dem Vertreter fast sämtlicher jüdischer Jugendbünde und -vereine teilnahmen. Organisatorisch war das Treffen von der Veranstalterin vorzüglich vorbereitet. — Einem Jugendgottesdienst, der in seiner durchaus tief empfundenen und ungekünstelten Art als ein unbedingtes Positivum der Jugendgemeindearbeit zu bewerten ist, folgten am Samstag Begrüßung durch Siegbert Stahl und ein Referat von Dr. Max Grünewald über ״Jüdische Lebensgestaltung". Der Referent versucht all die, wie er glaubt, lebensfähigste Institution des Judentums, der Religionsgemeinde, anzuknüpfen und von ihr aus durch organische Reformen, Schaffung eines Synhedrions usw., eine Renaissance jüdischen Lebens überhaupt herbeizuführen. Die anschließende Diskussion bewies, daß die hündisch orientierte Jugend solchen Wiederbelebungsbestrebungen, die lediglich von religiösen Einrichtungen ausgeht ziemlich skeptisch gegenübersteht, vielmehr unter Einbeziehnng moderner Erkenntnisse und Negierung überlebter Begriffe das Problem ihrer Lebensgestaltung erfassen will. Ein Heimabend, an dem sich die lebendige jüdische Gemeinsamkeit der an sich weltanschaulich sehr differenzierten Führer erfrischend kundtat, mit darauffolgender Hawdoloh beschloß den Tag. — Am Sonntag vereinigten sich wieder die Delegierten, um das Referat Siegbert Stahls über ״Gemeinsame Forderungen jüdischer Jugend" entgegenzunehmen. Stahl glaubt, daß es heute schon möglich sei, gemeinsame Forderungen an die jüdische -Welt zu richten. Er postuliert uneingeschränkte Möglichkeit zur Mitarbeit an Gemeindeaufgaben für jeden Arbeitswilligen, aktives und passives Wahlrecht mit dem 20. Lebensjahr, Koopfierung von Repräsentanten der Jugendorganisationen zu den Gemeindevertretungen, Abschaffung der Karenzzeit, personelle Wahl an Stelle der Listenwahl. Sehr nachdrücklich und mit gutem Recht fordert er die An- Wendung der modernen Pädagogik im jüdischen Unterricht, vor allem in der Anordnung und Darlegung des Unterrichtsstoffes. Die Tendenzlüge nntß aus der jüdischen Schule, für die der Referent warm eintrilt, verschwinden. Deshalb soll an Stelle der Religionsgeschichtsbücher der Quallenuntcrrieht cingefiihrt werden. Als weitere gemeinsame Forderung müsse gelten die Unterstützung jeglichen jüdischen Aufbaus, vor allem des in Palästina. Schließlich betont der Redner noch überzeugend die Notwendigkeit einer überparteilichen Führerzeitung zur gemeinsamen Aussprache. In der Aussprache, die sich interessanter gestaltete als am Vortage, weil sie sich um ein äußerst konkretes und aktuelles Thema bewegte, kamen Vertreter des Neutralen lugcndverbandes, Kameraden, Kadimah, Esra, 1H, Deutsch-jüdischen Jugendgemeinschaft und der Mannheimer Jugendgemeinde ausführlich zu Wort. Sehr lehrreich war es, zu beobachten, wie es trotz sehr guten Willens im jetzigen Stadium der Jugendarbeit noch nicht möglich ist, die gleiche Sprache zu sprechen, wie hart noch Meinung neben Meinung steht. Man mußte zur Ueber• zeugung kommen, daß es sicher noch geraumer Zeit intensiver innerbündischen Arbeit bedarf, bis die Sicherheit der Ueberzeugung gemeinsame Postulate ermöglicht. Für diesmal ergab sich eine gemeinsame Beschlußfassung noch nicht, wenn auch vieles von Stahl und den anderen Rednern Angeregtes allgemein starke Bejahung fand. Immerhin ermöglichte die Tagung ein von jedem erwünschtes Sich-Kennenlernen und bedeutet deshalb einen Schritt vorwärts auf dem Wege zur Schaffung einer jungjüdischen Einheitsfront in Deutschland. Eine schön verlaufene Trcffahrt in der Umgebung Mannheims beendete die Zusammen» luinft. Philipp Rochwerg. ״Weltunion der jüdischen Jugend“ Straßburg, 5. August. (J.T. A.) Am Sonntag, dem 5. August, 9 Uhr morgens, wurde im Konservatoriumshause zu Straßburg der zweite Kongreß der ״Union Universelle de la Jeunesse Juive“ bei Anwesenheit von mehr als 60 Delegierten jüdischer Jugendbünde verschiedener Länder eröffnet. Die Stadt Straßburg und andere Behörden waren offiziell vertreten. Glückwunschkundgcbungcn jüdischer Jugendbünde und führender jüdischer Persönlichkeiten aus zahlreichen Ländern wurden, verlesen. Die Eröffnungsrede hielt der Präsident der Welt- Union der jüdischen Jugend, Aimd Palliere, zuerst in hebräischer, dann in französischer Sprache. Es folgten Reterate über Programm und Zick der jüdischen Jugend in der Gegenwart. Am Montag, dem 6. August, begannen die sachlichen Beratungen. Das Palästina-Mandat vor dem VSIkertrandnt Genf, 7. August. (J. T. A.) Am 30. August, kurz vor der Eröffnung der neunten Plenarversammlung des Völkerbtindes, beginnt die 51. Session des Völkerbundrates, die sich u. a. auch mit Mandats- und Minderheitenfragen zu beschäftigen haben wird. Der Rat wird den Bericht der ständigen Mandatskommission über ihre 13. Session, die vom 12. bis 29. Juni d. J. stattgefunden hat, und in der auch das Palästina-Mandat behandelt wurde, zu bestätigen haben. Das!)ationalhans in Jerusalem Das Urteil in dem Wettbewerb um den Plan des Nationalhauses in Jerusalem, das die Büros der Zionistischen Exekutive und der nationalen Fonds aufnehmen soll, ist jetzt gefällt worden. Der erste Preis ist Rattner aus Haifa,_der zweite Krakauer, der dritte Kuczinski, der vierte Kaufmann und der fünfte Hecker zugetallen. Die preisgekrönten Pläne werden in dieser Woche dem Publikum zugängfich gemacht. Preisrichter war der bekannte Wiener Architekt Prof. Frank. Kontrolleur der amerikanischen zionistischen Administration : New York, 5. AiigUBt. (J.T. A.) Dr. Isaac Max Rubinow, der bekannte Statistiker und frühere Direktor der American Zionist Medical Unit in Palästina, hat das ihm angebotene Amt eines Direktors der Exekutive der Zionistischen Organisation Amerikas und des United Palestine Appeal angeiiommen. Dieser Posten ist zum Zwecke der Durchführung einer genauen Kontrolle in der Verwaltung der Zionistischen Organisation Amerikas im Hinblick auf die seitens der Opposition gegen die offizielle Administration erhobenen Beschuldigungen unrichtiger Geschäftsgebarung geschaffen worden. Die Uebersehwemmung lu Blr-Bidschan Moskau, 5. August. (J.T.A.) Die Ueberschwemmungskatastrophe im Amur-Gebiet nimmt immer bedrohlichere Formen an. Der Amur hat einen Wasserstand von 860 cm über normal erreicht. Wie der Ozet-Vertreter Baskin telegraphiert, sind 200 jüdische Siedlungspioniere, die in der jüdischen Reisplantage in iekaterina-Nikolsk untergebracht sind, ganz und gar von jedemVerkehrmitderWeltabgeschnitten, doch seien sie hinreichend mit Nahrungsmitteln versorgt. Die Flüsse Bir und Bidschan, die ebenfalls über die Ufer getreten sind, haben etwa 27 nichtjüdische Dörfer weggeschwemmt. ־ Die Bevölkerung leidet schwere Hungersnot, den Schiffen, die Nahrungsmittel bringen sollten, fehlt es an Kohle und Brennholz. Ein genaues Bild über die wirkliche Lage der jüdischen Siedler ist nicht zu erhalten, da die Telegraphenlinie nach Chabarowsk überlastet ist Die jüdisches Kolonien in der Ukraine Moskau, 6. Augustt. (J. T. A.) Aus den Meldungen der kommunistischen Presse geht hervor, daß sich die Lage in den jüdischen Kolonien der: Distrite Cherson und Krivojrog in der Ukraine als Folge derfyehlschlags der Winterernte von Tag zu Tag verschlechtert. Es fehlt an Brot und an Futtermitteln. Die jüdischen Kolonisten sind entmutigt und beunruhigt. Komzet hat sich bereiterklärt, den Kolonisten, die Pferde besitzen, in den Zuckerfabriken Arbeit zu verschaffen, von anderen Kolonisten Kühe, die keine Milch spenden, für den Winter über in Pflege zu nehmen, um ihnen die Futtermittelbeschaffung zu ersparen. Die Charkovver jüdische kommunistische Tageszeitung ״Der Stern״ richtet einen Appell an die jüdischen Kolonisten, nicht den Mut zu verlieren und alle Kräfte zum Durchhalten anzuspannen. Das Schicksal eines jüdischen ״Ministers“ Moskau, 2. August. (J.T.A.) Der ehemalige Minister für jüdische Angelegenheiten der Regierung des ukrainischen Attamans Petljura, Pinchas Krassni, ist gegenwärtig als landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter auf einem Bauerngehött in der Gegend von Charkow beschäftigt. Während einer Konferenz der Dorfarbeiter des Kreises Charkow vertrat Krassni die in Bauerngehöften beschäftigten landwirtschaftlichen Arbeiter. Einer der Delegierten richtete an den Vorsitzenden die Frage, ob er wisse, daß ein ehemaliger Minister der konterrevolutionären Regierung Petljura im Saale anwesend sei. Krassni erhob sich und erklärte, es sei wahr, daß er einmal Mitglied der Regierung Petljuras gewesen war, heute aber arbeite er als Taglohner und sei Mitglied der Gewerkschaft der Dorfarbeiter. Er vertrete auf der Konferenz die Arbeitslosen seiner Gewerkschaft. Die Delegation der Arbeitslosen hielt nach der Erklärung Krassnis eine Beratung ab und beschloß, das Präsidium zu ersuchen, Krassni von der Konferenz aus zu schließen.

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