Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 61 (3.8.1928)
- Date
- 1928-08-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 61, 3. VIII. 1928 J UEDISCH E RUNDSCHAU Seite 441 Jüdische Tagungen Die Tarbuthkonferenz in Zoppot Von Dr. Sch a ul Tscherniehowski. Wir haben den berühmten hebräischen Dichter gebeten, uns seine Eindrücke von der Tarhutli-Konferenz mitzuteilen. Wir beginnen hier mit dem Abdruck seines Berichtes. Red. Ein sonderbares Publikum saß am 1. Juli itn Roten Saale des Kurhauses in Zoppot. Gerade als endlich das Wetter schön wurde und das Meer die Menschen lockte, saßen in einem geschlossenen Saale Menschen an dem Beratungstisch. Nicht allzu viele, aber doch eine genügende Zahl für den ersten Versuch, eine Einigung der jüdischen kulturellen Kräfte Osteuropas zum Zwecke der Verstärkung des Einflusses der hebräischen Sprache unter den Juden herbeizuführen und den Grundstein für einen jüdischen Kulturkongreß zu legen. Die Versammelten sprachen hebräisch, das leider vielen der anwesenden Gäste noch fremd war. Diese stammten aus verschiedenen Ländern Osteuropas: den Wolhynier erkannte man an dem Wirrwarr in der Aus- Sprache des ״H“ und den polnischen Juden an dein Singsang, mit dem er hebräisch ä la polonaise sprach; durcheinander klangen das Sephardische, das neue Jabotinsky-Sephardisch und die schroffe leicht schrille litauische ״Hawarah“. Unter den Anwesenden sah man das polnisch-jüdische Gesicht des Sejm- Abgeordneten J. Griinbaum, das weltbekannte in sich zusammengeballte Antlitz von Wladimir Jabotinsky (des Gründers der jüdischen Legion, flüsterte es hinter ihm her), die runde, allen freundlich zulächelnde Gestalt Mosche Kahans, den jungen Redakteur ״unserer Zeit“ in Rumänien, den Redakteur der einzigen hebräischen Tageszeitung im Galtith, der ״Hazefira“, Heftmann, den bekannten hebräischen Dichter, Dr. Jacob Knhan, der im Dienste der Tarbuth steht und viele andere Mitglieder und Mitarbeiter aus Estland, Polen, Rumänien und Litauen. Das jüdische Zoppot und das jüdische Danzig zeigten für die kleine bescheidene Konferenz großes Interesse. Der große Rote Saal war überfüllt, der Empfang der in der jüdischen Welt bekannten, aber auch der weniger bekannten Persönlichkeiten war herzlich und die Begrüßungen der Konferenz von Feierlichkeit getragen. Jizchak Griinbaum dankte dem Freistaat Danzig für die freundliehe Aufnahme und dem Hohen Kommissar für die Begrüßung der Konferenz. Die meisten Mitglieder der Konferenz und der im Saale anwesenden Gäste stammten aus verschiedenen Teilen des chemaligen ״einigen und unteilbaren“ Rußland, und man fühlte, wie stark diese Leute aneinander hängen, wie schmerzlich sie die Trennung voneinander empfinden, und wie schädlich für sie die Teilung gewesen ist. Und dabei blieb das Gros der russischen Judenheit fern von der Konferenz; sie befindet sich in den Händen der ״Jewsekzia“ und ist dort des hebräischen Wortes beraubt. Was können schon die 5000 Juden Estlands leisten, mag sich ihre Regierung ihnen noch so günstig erweisen? Rumänien zählt zwar viele Juden. Aber es ist leider an geistigen Kräften arm. Auch das große Polen kann sich nicht rühmen, die frühere Fülle jüdischer Talente zu besitzen, obwohl ihm Litauen sein ״Jerusalem“ (Wilna) abgetreten hat, das nun eine Zitadelle des Jiddischismus geworden zu sein scheint. Und wenn auch in Litauen 93 Prozent der Kinder in hebräischen Schulen erzogen werden, so fühlt sich die Judenheit dieses Landes in schmerzlicher Verlassenheit und Einsamkeit. Die Versammlung wird im Namen verschiedener Organi- S^Jlpnen begrüß(. Justizrat, Fabian tut das im Namen der Dan-> ziger Jüdischen Gemeinde und meint, Danzig werde noch einmal die Rolle Alexandriens zu Zeiten Philos spielen. Im Saale befinden sich auch Rabbiner. Der eine hat einen langen, der andere einen kurzen Bart. Und der dritte ist völlig bartlos und selbstverständlich auch ohne Kopfbedeckung. Es ist unmöglich, vollständige Einigkeit über die Ziele der Tarbuthbewegung zu schaffen. Der Vertreter der Zoppoter Orthodoxie, Rabbiner Hein, will dies auch nicht verheimlichen. Er bewies das in seiner echt rabbinischen mit zahlreichen Zitaten aus allen möglichen Bezirken der rabbinischen Literatur geschmückten Rede, die im rabbinischen Stil und sogar im rabbinischen Niggun gehalten wurde. Nach Hein ergriff Segalowsky, der Rabbiner von Danzig, das Wort, der‘ sich nicht weniger heimisch im Arsenal der rabbinischen Waffen zeigte. Kurz und bündig erklärt Wladimir Jabotinsky in deutscher Sprache die Ziele der ״Tarbuth“: Gründung von Schulen, in denen das Hebräische Unterrichts- und Muttersprache ist. In Palästina hat das Hebräische seit vierzig Jahren gesiegt. Damit erlebt auch die alte hebräische Kultur ihr Erwachen. Die 80000 Schulkinder der ״Tarbuth“ bedeuten das erste Kapitel des Aufstieges der jüdischen Nation; die ״Tarbuth“ selbst ist als das hebräische Unterrichtsministerium zu betrachten. Sehr interessant war seine zweite Rede an die Mitglieder der Konferenz. Er verstand, ein rechtes Wort zur rechten Zeit zu prägen. Das Thema lautet: ״Die hebräische Bewegung in der Diaspora“. Er sprach über die große Zahl derjenigen, die in die Bewegung einbezogen werden können, da sie noch hebräisch verstehen., aber die Sprache nicht gebrauchen und hebräische Bücher nicht mehr lesen. Er fordert auf, in diesen großen Golem den Geist des Lebens zu hauchen. Er schildert die Lage der Schüler, die das hebräische Gymnasium verlassen, aber keine entsprechenden Universitäten finden, die darin die fremden Universitäten vorlassen und keine hebräischen Bücher haben. Der ״Keren Hatarbuth“ muß eine große Entwicklung nehmen. Man muß eine starke Organisation schaffen. Man spricht viel von der Eroberung des Marktes für palästinensische Produkte. Palästina schafft gegenwärtig eine wundervolle Sprache, aber auch dort ist die Erziehung noch nicht ideal. Die Zionistische Organisation, die in ihrem Programm die hebräische Sprache aufgenommen hat, muß in dieser Hinsicht eigentlich noch erobert werden. Man hört oft die spöttische Frage, ob es möglich sei, auf fremdem Boden hebräische Zitadellen zu errichten. Als verrückt Verschriene kamen und sagten Ja, getragen von dem alten, am Sinai erklungenen Ruf: ״Wir werden tun und hören“. In diesem Momente sollten wir alle unsere Meinungsverschiedenbeiten zurückstellen und uns erinnern, daß wir in bezug auf Hebräisch Brüder sind. Narren kamen und begannen die Arbeit und auch jetzt ist nicht die Zeit, Theorien und Auseinander- Setzungen anzuhören, sondern zu handeln. Jabotinsky findet für den hebräischen Schulverein den passenden Namen ״Deborah“, das Symbol für die jüdische Frau in ihrem Schaffen und Wirken, der Mutter in Israel, der Prophetin, Dichterin und Führerin im Kampfe. Jizchak Grünbaum zeichnet die Entwicklung der ״Tarbuth“ in den letzten dreißig Jahren. Nach dem Weltkriege kam die froße Wandlung. Die neu entstandenen freien Staaten gaben cn Juden die Möglichkeit, das zu erfüllen, wovon sie früher nur geträumt haben. Die Nationalstaaten drängten den russischen Einfluß zurück, und die Juden mußten sich neuen Sprachen und Kulturen anpassen. Man verstand, daß der Moment gekommen war, sich überhaupt vom Joche der fremden Kultur zu befreien. Die neuen Staaten erkannten, es sei besser, wenn die Juden ihre eigene Kultur pflegen, als wenn sie der alten russisehen anhängcn. Sie hielten dabei die hebräische Kultur für eine Uebergangserscheinung vor dem Anschlüsse der Juden an die Kultur der neu entstandenen Nationalstaaten. Und so wurden eine Reihe von Schulen in den polnischen Grenzgebieten, im neuen Rumänien und in der Tschechoslowakei, begründet. Wenn man die Stufenleiter des Wohlwollens der einzelnen Regierungen zum hebräischen Schulwesen aufstellen will, so stellt Estland auf der obersten und Rumänien auf der untersten Sprosse, ln Estland existiert ein Kulturrat, der mit Staatsmitteln alle jiidisehen Institutionen unterstützt. Lettland steht auf der nächsten Sprosse und besitzt ein eigenes Erziehungsdepartement, In Litauen gibt es trotz, der großen Zahl der in jüdischen Schulen lernenden Kinder keine jüdische Schulselbstverwaltung. Es verdient erwähnt zu werden, daß die Regierung den Juden für ihr Schulwcrk jährlich SO000 Dollar gibt, ln Polen geht der Kampf um die Rechte der jüdischen Schule. Keine einzige wird vom Staate erhalten. Mau hat wohl einiges erzielt und man kann hoffen, daß die Rechte der jüdischen Schule Anerkennung finden werden. Rumänien sah zuerst die jüdische Schule, besonders in den ehemaligen russischen Distrikten, gern. Jetzt führen diese Schulen einen harten Kampf mit der Regierung. Die T s c h e e 11 o s I o w a k c i gibt wohl den jüdischen Schulen Unterstützung, doch werden nicht alle Anstalten anerkannt. Im allgemeinen wächst der Einfluß der hebräischen Sprache von Tag zu Tag, und die jüdischen Schulen sind eine Selbstverständlichkeit. Leider findet die ״Tarbuth“ in Amerika keine Unter- Stützung mehr. (Ein zweiter Artikel folgt.j Bifdcr von der Wizo -Tagung Von Dr. Nadia Stein. Jenseits der Erregung iku die Jewish Agency verlief die Council-Tagung der Wizo (Internationalen Zionistischen Frauen- Organisation). Ernst, sachlich und geduldig■ wurden organisatorische Probleme drei Tage lang nach allen Seiten diskutiert, um zu den Wegen zu gelangen, die zwischen den verschiedenen Richtungen zu vermitteln vermöchten; in den Fragen des Ausgleichs zentralisierender und dezentralisierender Tendenzen, des Kontinentalverbandes, der die mitteleuropäischen Föderationen für notwendig erachten, der Form aer Zusammenarbeit mit neutralen, an Palästina interessierten Frauenorganisationen, der Ausgestaltung schriftlicher und mündlicher Propaganda 11. a. in. Die YC'i/o ist räumlich zu einem wirklichen Weltverband herangewachsen. 33 verschiedene Landesorganisationen haben sich in ihren Rahmen eingeordnet, von London nach Bukarest und Lissabon und bis hinüber nach Neuseeland und Chile stehen jüdische Frauen zu ihrem Arbeitsprogramin, aber jede Gruppe hat ihre besonderen Wünsche, Bedürfnisse, Anliegen und Probleme, für die sie Verständnis und Unterstützung von der Zentrale verlangen muß. Irgendwo verborgen hinter den immer fester sich verhakenden Reden und Gegenreden ist das Gemeinsame fühlbar: das werdende Palästina, die gemeinsame große Liebe. Auf einmal wird es lebendig. Ada Fishmann hat das Wort. Wie ein Stückchen verkörperter Palästinaerde steht sie vor den galuthgezeichneten Gesichtern der anderen. Zwanzig Jahre Arbeit im Lande. Pionierarbeit auf hartem, wilden Boueri und unter ratbedürftigen Gefährtinnen, Hitze und Strapazen, Gefahren und Entbehrungen, niemals aussetzende körperliche und geistige Kämpfe haben die schmächtige Gestalt hin und her geschüttelt und schließlich so Widerstandsfähig und zäh «wie einen Baum-gemacht, haben* ihr Gesicht durcliackert und die erdhafte Ruhe und Unbeirrbarkeit darüber ausgegossen, die es auszeiclmeii und die allem, was sie spricht, sein besonderes Gewicht verleiht. Anspruchslos sind die Worte und Gesten, mit denen sic nun die Geschichte vieler Jahre Frauenarbeit in Erez-Israel zusammenfaßt, die sie mitbestimmt hat. Sie erzählt von dem Ringen seiner Pionierinnen um einen Lebensinhalt, von ihrer Erkenntnis, daß dieser Lebensinhalt nur in ganzer, schöpferischer, etwas Vollendetes schaffender Arbeit bestehen könne, von ihrer Abwendung vorn bloßer Teilarbeit, auf die sie zunächst durch ihre mangelhafte Ausbildung verwiesen worden waren und von den Errungenschäften, die bisher ihr zähes Bemühen gekrönt haben — den sechs Mischke Poaloth (Arbeiterinnen-Betriebe) und den zehn Chavuroth und schließlich von der neuen Lehrstätte, die nun angestrebt wird, um den nach Fachbildung Verlangenden weiterzuhelfen — von N e ß Z i o n a h. Beredt schildert sie den großen Glücksfall, der die Arbeiterinnengewerkschaft, die Moazahha-Poaloth das 5(» Dunam große Farmland bei Neß Zionah gewinnen ließ. Bester Boden, Wasser schon in 6 bis 8 m Tiefe, Gemüse- und Obstkulturmöglichkeiten unter selten günstigen Bedingungen für 120 Mädchen in der Nähe der Stadt, also gesicherter Absatz und überdies Nähe der landwirtschaftlichen Versuchsstation, d. h. gesicherter theoretischer Unterricht von den besten Fachleuten bei geringen Spesen. Ein Herr Schwarz aus Amerika legte die erforderlichen £ 3000 in die Kasse des K. K. L. unter der Bedingung, daß das Land den tapferen Mädchen zur Bearbeitung übergeben würde. Aber das Budget von £ 16 (KB kann nur mehr aus eigener Kraft der Frauen aufgebracht werden. Die Experten empfehlen zudem dringend die sofortige Anlage von Orangenpflanzungen, um eine frühere Rentabilität der Farm zu garantieren. Das bedeutet aber Erhöhung der ursprünglich berechneten Investition um £ 5000, also eine Gesamtinvestition von £ 21 (KB. ״Gebt uns das Geld, wir werden die Arbeit tun und eine, die sich sehen lassen wird,“ schließt Ada Fishmann. Die nicht eingeweihten Delegierten machen eine bedauernde, mutlose Bewegung. Woher solche Summen? I)a erhebt sieii Frau M a r g u 1 i e s , die Präsidentin der rumänischen Frauenorganisation, eine Erscheinung, die in eigenartigem Kontrast zu der von Ada Fishmann steht — die Jüdin verfeinertster städtischer Kultur. Stolz bescheiden, teilt sie mit, daß die rumänischen Zionistinnen sich um den Vorzug bewerben, daß Neß Zionah-Projekt zur Gänze f i n a n - zieren zu dürfen. Einen Augenblick ist es still vor Ueberraschung, aber dann wirbeln die Fragen durcheinander: Wie will die rumänische Organisation allein eine Summe aufbringen, die dem Jahresbudget des gesamten Wizo-Verbandes entspricht? lind ist es erlaubt, sie eine so große Verantwortung allein übernehmen zu lassen? Ruhig lächelnd gibt Frau Margulies die Gewißheit. Fast £ 7000 lägen in der Kasse der rumänischen Fraucnorganisation schon bereit und können bis Oktober 1929 zur Auszahlung gelangen. Sie wurden für ein Kinderheim gesammelt, das die rumänische Frauenfödcrafion als ihr besonderes Werk auf dem Karmel errichten wollte, aber die Einsicht, daß ein diszipliniertes Vorgehen im Rahmen der Wizo zweckmäßiger sei, hätte sich Bahn gebrochen. Die rumänische Frauenorganisation sei in beständiger Entwicklung begriffen. Vom Jahre 1920 an sei die rumänische ACFE (Associatia Culturale a Femeilor Evrei) ständig an Mensehen und Mitteln gewachsen und habe nun seit mehr als drei Jahren ein regelmäßiges Einkommen von £ 2—3000. Der jährliche Chanukkahbasar allein schafft £ 1500. Die durch Uebernahme des Ncss-Zionah-Proiektes gesteigerte Verarjtwortüchkeit mache es ganz gewiß, aaß mit dieser Jahressumme gerechnet werden könne, so daß nach Auszahlung der bereits vorhandenen £ 7000, in weiteren vier Jahren der ursprünglich angenommene Etat von £ 16000 zur Stelle sein würde. Ist aber die .Wizo bereit, die £ 7000, die sie für Neß Zionah votiert habe, Rumänien als eine Anleihe vorzustrecken, so werde Rumänien diese nach weiteren zwei Jahren zurückerstattet haben. Damit wäre nicht nur das größere Projekt von £21 000 möglich gemacht, sondern auch der gebührende Administrationsbeitrag der Londoner Zentrale jedeckt. Wer es nicht weiß, dem verrät nichts in den vertalteneri Worten der Rednerin, wie ganz sie ihre eigene Persönlichkeit und ihren ausschlaggebenden Einfluß dem Aufhau Palästinas verpfändet hat, verrät nichts, daß Sie die treibende Kraft hinter der vorbildlichen Entwicklung und ‘ eistung des rumänischen Frauenverbandes ist. Ein paar Minuten Festesstimmung gestatten sich die Frauen, bevor sie wieder zu trockener Debatte über ihre Statuten und Administrationsprobleme zuriiekkehren. Die Begeisterung über die neue Schöpfung schmilzt sie zu der Einheit des Fuhlens zusammen, die sie repräsentieren. ״Ada Fishmann! Ich gratuliere!“ ruft Frau Margulies durch die Stille und den darauf stürmisch einsetzenden Applaus durch den Saal, und aus dem Ton ihrer Stimme wird die Stärke des Bündnisses fühlbar zwischen den bürgerlichen Schwestern des Galuth und den Arbeitsgenossimien von Erez-Israel, deren Dienerinnen sie zu sein geizen. Ada Fishmann aber sitzt ganz unbeweglich wie gesammelte Kraft, nur in den Augen ein leuchtendes Glänzen über das, was sie den Gefährtinnen von Erez-Israel erkämpft hat — denn ihrer Initiative vor allem ist das Projekt von Neß Zionah entsprungen und ihrer Propaganda dankt es seine Popularität und ihrer Hartnäckigkeit sein Zustandes■ kommen. Daß sie es leiten wird, ist die Gewähr für seinen Erfolg. Und noch in derselben Tagung beginnen die Früchte sichtbar zu werden, die Rumäniens anfeuerndes Beispiel gibt: Schon kann errechnet werden,, daß aus dem freiwerdenden Geld des Wizo-Budgets im nächsten Frühjahr in der erweiterten Mädchenlchrfarm, die unter der Leitung von Rachel Janait Ben Zwi steht, ein Wohnhaus für 23 Mädchen gebaut werden kann, schon rückt das dringende Projekt einer großen Mädchen-Gewerbeschule, das eben noch ein frommer Wunsch auf lange Sicht schien, in greifbare Nähe. Die deutschen Zionistinnen aber sehen auf einmal die Möglichkeit vor sich, ihren bisherigen £ 375 Budgetbeitrag auf £ 1000 zu erhöhen. So spornt e i n e vorbildliche Leistung alle Gruppen zu erhöhtem Tun an. Es war eine gute Tagung. Lord Planers Abschied Jerusalem, 29. Juli. (J. T. A.; FeldmarschaU Lord Plumer, der in diesen Tagen aus seinem Amte als Oberkommissar von Palästina scheidet, empfing am 27. Juli den Repräsentanten der Zionistischen Exekutive Palästinas, Colonel F. H, Kisch, als die Vertreter des Rabbinates die Oberrabbiner Kook und Jacob Meir, als die Vertreter des Waad Leumi David Yellin und Dr. Thon. Die Abordnung überreichte Lord Plumer als Abschiedsandenken und als Erinnerung an seine mehrjährige Amtstätigkeit in Palästina ein kunstvoll ausgestatte+es Album mit Bildern aus Palästina. Lord Plumer war sehr bewegt und sagte in seiner Dankansprache, er sei glücklich darüber, daß die drei Jahre seiner Amtstätigkeit in Palästina Jahre des Friedens gewesen seien. Der Export der palästinensischen Industrie Auf einer Versammlung der palästinensischen Exporteure hielt der Leiter der Lodzia-Fabrik, Schenkar, einen Vortrag, worin er u. a. zur Charakterisierung der im letzten Jahre eingetretenen Steigerung des Exportes palästinensischer Fabrikate gegenüber dem Vorjahre folgende Zahlen angab: Palästina führte demnach aus im Jahre 1926 im Jahre 1927 £ £ Mazzoth für 6 988 für 10 MO Schokolade und Konfekt 1500 ״ n 5 000 Olivenöl 996 8 ״ tt 52000 Sesamö! 237 ״ tt 2500 Zigaretten 827 3 ״ tt 10000 Zement 5130 ״ tt 23 0M Metallwarcn 995 ״ tt 1 4M Teppiche 2557 ״ rt 40M Strümpfe 426 2 ״ tt 10 0M Leder 600 ״ tt 25 000 Ledertaschen (Goldberg) tt n 20M Strickwaren tt n 15M Unter Berücksichtigung der verschiedenen anderen Waren dürfte nach den Ausführungen von Schenkar der Gesamtexport der palästinensischen Fabrikate im Jahre 1927 einen Betrag von £ 200 000 erreicht haben. (Ziko.) Die Orangenproduktion Palästinas Dem ״Palestine and Near East“ entnehmen wir folgende Zahlen: Vor Beginn der jüdischen Kolonisation in Palästina gab es dort 2000 bis 3000 Dunam Orangenpflanzungen, während man jetzt an bereits fruchttragenden Pflanzungen gegen 30 000 Dunam und an Neupflanzungen gegen 20 000 zählt. Die jährliehe Orangenproduktion Palästinas beträgt gegen drei Millionen Kisten, liegen 90 »> aller Orangengärten befinden sich im Kreise von Jaffa. Im Durchschnitt wirft ein Dunam 100 bis 120 Kisten ab. Jede Kiste enthält normal 144 Orangen. Der Orangenexport Palästinas betrug: Jahr Kisten Wert in £1 1884/83 106 0(B 26 500 1922 1 238 899 335 228 1923 1 592 685 424 448 1924 1 880 783 460350 1925 1 868 291 551 463 1926 1 887 581 566194 1927 2 644 782 813 650 Im Jahre 1929/1930 dürfte der Export schon drei Millionen Kisten übersteigen. Während der Orangenexport Palästinas im Jahre 1920 1921 nur 15 0׳״ des Gesamtexportes ausmachte, stieg er in den nächsten Jahren auf 30 f,/0 und 1927 auf 40 °0 des Gesamtexportes. Verminderung der Polizeitruppe in Palästina. 60 britische Polizisten haben soeben Palästina verlassen; 40 weitere britische Polizisten werden ihnen in den nächsten Tagen folgen. (J.T.A.) Numerus clausus für jüdische Badende. Die Judenschaft der ungarischen Stadt See gl cd ist empört über den Beschluß des Stadtrates, daß das Stadtbad nur an einem Tage der Woche jüdischen Besuchern offen stehe, daß also ein Numerus clausus jtir jüdische Badende eingeiührt werden soll. Einer bei ihm erschienenen jüdischen Abordnung, die gegen diesen Stadtratsbeschluß protestierte, erwiderte aer Bürgermeister, die Mehrheit des Stadtrates sei zu einer Abänderung ihres Beschlusses nicht zu bewegen, es bleibe als einziger Ausweg der Neubau eines dem Numerus clausus nicht unterliegenden zweiten Stadtbades, für welches die Judenschaft hoffentlich die erforderlichen Gelder aufbringen werde (!).