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Jüdische Rundschau · 1928-08-03 · Heft 61 (3.8.1928) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 61 (3.8.1928)
Date
1928-08-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 440 J U EDI SCH E RUNDSCHAU Nr. öl, 3. Vm. 1928 Zum Regierungsbudgei Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AG. Tel-Awiw, den 24. Juli 1928, Nachdem die Palästinaregierung das vorige Rechnungsjahr mit einem Defizit von ungefähr £P 250000 abgeschlossen hat, ist vom Oberkommissariat eine Kommission eingesetzt worden, die die Aufgabe hat, neue Einnahmequellen für die Regierung zu finden und eine Aufstellung der Ersparnisse zu machen, die im Verwaltungsapparat möglich sind. Die Kommission sollte bis Ende Juli ihre Arbeit beenden. Es wird gerade im laufenden Jahre schwierig sein, ohne Defizit durchzukommen. Die Steuerkraft des Landes ist durch den Regenrn a n g e 1 und die Heuschreckenplage geschwächt, und es wird die Aufgabe der Regierung sein, den Landwirten aus ihrer schwierigen Lage herauszuhelfen. (Ob und in welchem Maße sie dies tun wird, ist immer noch eine offene Frage.) Es ist als sicher anzunehmen, daß die Regierung versuchen wird, ihre Ausgaben zu verringern, besonders da unter den bestehenden Verhältnissen eine Erhöhung der Einnahmen nur schwer zu erzielen ist. Im Eisenbahndepartement, das vom fiskalischen Standpunkt seit jeher ein schwieriges Gebiet ist, hat man bereits mit Sparmaßnahmen begonnen. Die Arbeitszeit wurde auf fünf Tage in der Woche herabgesetzt, und es sind auch bereits einige Entlassungen vorgenomrnen werden. Sonst aber ist noch nichts Genaues über die künftige Budgetpolitik der Regierung offiziell verlautet worden. Die Beschäftigung mit diesen ״Regierungsproblemen'‘ trägt heute im Lande einen etwas theoretischen Charakter, weil wir noch keine Körperschaft im Lande besitzen, die die juristische Möglichkeit hat, die Regierung zu beeinflussen oder gar einen Druck auf sie auszuüben. Daher besteht auch bei der Bevölkerung keine besondere Neigung, sich mit diesen Fragen, über die der Bevölkerung keine Entscheidung zusteht, zu befassen. Lokale innere Dinge spielen häufig in den öffentliehen Diskussionen eine weit größere Rolle als diese allgemeinen Fragen. Dennoch ist es nötig, die Regierung durch die Presse und die die Bevölkerung vertretenden Organe wissen zu lassen, wie man sich zu der Gestaltung des Budgets stellt. Die Arbeit der jüdischen Institutionen im Lande läßt heute in diesem Sinne noch viel zu wünschen übrig. Außerdem befolgt die palästinensische Judenlicit auf dem Gebiete der wirtschaftlichen praktischen Forderungen der Regierung gegenüber eine empirische Methode. Von Fall zu Fall, von Gelegenheit zu Gelegenheit werden Anträge an die Regierung gestellt. Für diese oder jene Fabrik werden Unterstützungen oder Erleichterungen verlangt. Bei besonderen Komplikationen, zum Beispiel der Frage des palästinensischsyrischen Handelsvertrages, versucht man in den Gang der Ereignisse einzugreifen. Diese Methode hat viel für sich, weil aus solchen durch die augenblicklich bestehenden Verhältnisse diktierten Einzelaktionen sich oft eine gesündere politische Taktik entwickelt, als durch dogmatische Tendenzen. Aber aus dieser Politik des ״einzelnen Falles“ kann auch leicht die Gefahr resultieren, daß keine Reaktion erfolgt, wenn nicht einzelne Betriebe oder Gruppen durch die Regierungspolitik getroffen werden, sondern es sich um allgemeine Fragen handelt. Im Zusammenhang mit den Mitteilungen über die Sparmaßnahmen haben sich getreu dieser Tradition die Gruppen geregt, die von der Politik betroffen wurden. Die Eisenbahnergewerkschaft hat gegen die Kürzung der Arbeitszeit auf fünf Tage und gegen die Entlassungen Stellung genommen, und auch eine Reihe von Vorschlägen gemacht, wie man ohne Schädigung der beschäftigten Arbeiter der Lösung des fiskalischen Problems der Eisenbahnen näher kommen könnte. Es ist wahrscheinlich, daß die Regierung mit derartigen Versuchen, wenn sie ausführbar sind, eher rechnen würde, wenn sie nicht von einzelnen Gruppen, sondern von der Gesamtheit getragen und in den Rahmen eines Gesamtplans cingefügt würden. Und es gibt eine Reihe von Forderungen, die bei richtiger Formulierung von Juden und Arabern gemeinsam vorgebracht und vertreten werden können, was ihr Gewicht in jeder Richtung verstärken würde. Unter diesem Gesichtspunkte ist es interessant, die wirtschaftlichen Anträge der Araber an die Regierung zu prüfen. Die arabische Konferenz hatte unter anderem beschlossen, der Regierung ein politisches und ein Wirtschaftliches Memorandum vorzulegen. Das zweite wird in diesen Tagen dem Oberkommissär übergeben. Es enthält eine Reihe von Ratschlägen an die Regierung, wie die Ausgaben der Administration zu verringern seien. Als erste und größte Ersparnis wird die Herabsetzung des Postens für das Grenzkorps um .£ 50 000 verlangt. Das ist ein Punkt, der nach den letzten Mitteilungen über die Gründe des Rücktritts von Plumcr auch in Jerusalem und London umstritten ist und der — als eine Verringerung der unproduktiven Ausgaben im Budget — wirtschaftlich von Bedeutung sein kann. Unter dem Gesichtspunkt jedoch, unter dem wir diese Vorschläge der Araber prüfen wollen — nämlich ob sich darunter solche finden, die von Juden und Arabern gemeinsam getragen werden können, ist es sehr kompliziert, ihn abzuschätzen. Denn es ist unmöglich, ihn vorn rein wirtschaftlichen Standpunkte aus zu betrachten und es gibt zu den politischstrategischen Problemen, die er anrührt, heute keine cinheitliehe Stellung der Juden in Palästina. Dagegen werden in dem Memorandum eine Reihe von Forderungen gestellt, die die Juden durchaus unterschreiben können und gelegentlich schon ausgesprochen haben, freilich ohne mit Nachdruck für sic zu kämpfen. Dahin gehören alle die Paragraphen, die sich mit der Entlohnung der Regierungsbeamten beschäftigen. Da wird eine Reduktion der Gehälter der hohen Beamten verlangt und das als der Weg bezeichnet, der eine Verbesserung sowohl in der Bilanz der Eisenbahnen wie auch allgemein eine Verbilligung der Administration bringen kann. Außerdem wird ein System vorgeschlagen, nach dem diese Reduktionen der Gehälter vorgenommen werden sollen. Es sieht eine Progression vor, in dem Sinne, daß der Abzug bei den niedrigen Gehältern nur 6 «0 betragen soll, während er bei den hohen bis zu 25 »;0 steigt. Vernünftig ist auch der Wunsch, die Regierung möge darauf sehen, ihre Gebäude und die Gebäude ihrer Beamten billiger herzustellen und so unnütze Ausgaben zu vermeiden. Bei den Anträgen über die Kürzung der Gehälter der hohen Beamten sind die Araber vermutlich, von dem falschen Gedanken mit bestimmt gewesen, daß es sich dabei auch um eine größere Zahl von Juden handelt. Die Statistik beweist jedoch das Gegenteil. Die Zahl der Juden in hohen Stellungen (Senior Service) beträgt nur 38, während 258 in niederen Stellungen (mit zum Teil sehr kleinen Gehältern) beschäftigt sind. Die von der arabischen Exekutive geforderten Reformen würden sich also zu einem bedeutenden Teil gegen Engländer und außerdem gegen Araber richten. Die Juden würden dadurch wenig berührt, da sie nach den Gesamtziffern sogar etwas weniger Gehalt empfangen als ihrer Proportion zukommt. (Palästina hat heute insgesamt 2143 Regierungs beamte mit einem Gesamtbezug von £P 724 640 im Jahr.) Man hat oft behauptet, und auch jetzt kann man das im Lande wieder hören, daß es sich bei allen Vorschlägen der Araber über die Aenderungcn in der Administration nicht so sehr darum handele, eine gerechte und praktische Verteilung der Ausgaben zu erzielen, sondern Stellen zu erhalten. Man darf aber nicht vergessen, daß die Erlangung von Regicrungsstellen eine der sichersten und besten Wege ist, um auf die Administration Einfluß zu nehmen, und es ist selbstverständlich, daß dieses Mittel von Kreisen benutzt wird, die die Entwicklung des Landes in der ihr genehmen Richtung lenken wollen. Es handelt sieh nicht nur um das Gehalt, sondern um die Macht. Der Kampf der Juden um die ihnen gebührende Proportion im Regierungsapparat trägt ja ebenfalls nicht den Charakter privater Stellenjägerei, sondern ist der Versuch, Einfluß zu nehmen. Das arabische Memorandum enthält noch eine Reihe von Punkten, die wir zum Teil als irreal, zum Teil als nicht wichtig übergehen können. Es enthält jedoch einen Paragraphen, der gegen die Verausgabung von Regierungsgeldern für die Beschäftigung von Arbeitslosen sich ausspricht, die als ״fremde“ hingestellt werden. Das ist ein Punkt, der die Gegnerschaft der Juden hervorruft, aber nicht nur deshalb, weil zwei getrennte Interessen einander gegenüberstehen. Die Dinge liegen hier tiefer. Es ist auffallend, daß das Memorandum sich mit der Entwicklung des Landes durch die Regierung nicht besonders beschäftigt. Und daher wird auch die Ausführung der öffentlichen Arbeiten durch die Arbeitslosen einfach als eine Ausgabe für ״Fremde“ aufgefaßt, ohne daran zu denken, daß durch diese Aktionen der Regierung der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes bedeutend Vorschub geleistet wird. Für dieses die Juden dauernd beschäftigende Problem, wie die Ausgaben der Regierung für die Erschließung und Entwicklung des Landes fruchtbar gemacht werden können, besteht unter den Arabern relativ noch wenig Interesse. Und das ist verständlich, wenn man bedenkt, daß die Wirtschaft des Arabers zu einem bedeutenden Teil noch stabil und auf irgendwelche Verbesserungen wie Chausseen usw. wenig angewiesen ist. Dieser Zustand ändert sich durch das Vordringen moderner Wirtschaftstypen freilich von Tag zu Tag. Und diese Veränderung wird mehr als alles andere die Forderungen der Juden und Araber auf wirtschaftlichem Gebiet einheitlicher werden lassen. Voraussetzung dafür ist die gegenseitige Garantie der Rechte beider Seiten und — was mit der wachsenden Vereinheit- Iichung folgen muß — eine gemeinsame Beratung der gemeinsamen Angelegenheiten. Das Ziel der Beeinflussung der Regierung muß in der Produktivierung des Budgets liegen. Das Land kann auf die Dauer nicht den größten Teil seiner Einkünfte auf administrative und strategische Zwecke verwenden. Dieses allgemeine Ziel wird man durch Aenderungcn, die sich jeweilig den gegebenen Verhältnissen anpassen, erreichen. Heute bestehen über die Etappen dieses Weges Meinungsverschiedenheiten, nicht nur zwischen der Regierung und den Juden, den Arabern und den Juden, sondern auch zwischen den verschiedenen Wirtschaftsgruppen. Aber es kann und muß sich nach und nach eine gemeinsame Tendenz herausbilden, die auf die Mithilfe der Regierung in der wirtschaftlichen Er- Schließung des Landes hindrängt und diese Tendenz kann um so mehr von Juden und Arabern gemeinsam getragen werden, als sie im Laufe der Zeit allen Palästinensern zugutekommen muß. Die Universitäten in Beirut Von Joseph Friedfeld. Zur Erhaltung der Hebräischen Universität in Jerusalem und zur richtigen Beurteilung ihrer Stellung ist es von Interesse, die zwei geographisch der Universitat in Jerusalem nahegelegenen Universitäten kennenzulernen, die ebenso wie die Hebräische Universität in Jerusalem keine Staatsinstitutionen, sondern Privatinstitutionen darstellen. Aeußerlich gesehen bieten die beiden Universitäten in Beirut einen viel fortgeschritteneren Anblick als die Jerusalemer Universität. Dies kann auch nicht wundernehmen. Die ältere der beiden Beiruter Universitäten, die amerikanische Universität, ist im Jahre 1866 gegründet worden, die jüngere, die französische lesuiteii-Universität. im Jahre 1875. Insbesondere die Anlage der amerikanischen Universität macht einen selten schönen und großzügigen Eindruck, wie wenige Universitäten in Europa. Dieser Eindruck wird noch verstärkt durch die schöne Lage am Uferabhang längs des Meeres mit dem weiten Panorama des Lihanon, durch die schönen Gartenanlagen ringsumher und die großen, freien Sportplätze. Die amerikanische Universität in Beirut ist als eine Missionsschule amerikanischer Protestanten begründet worden. Sie trägt den Namen American University of Bevrouth seit 1919. Sie bildet mit anderen amerikanisch-protestantischen Universitäten im Vorderen Orient eine Verwaltungseinheit und erteilt ihre Diplome unter der Aufsicht der Staats- Universität in New York. Die amerikanische Universität in Beirut ist kein bloßes Missionsunternehmen. Sie will ein Bindeglied zwischen Osten und Westen darstellen. Sie will dem Osten helfen, durch die Lehren des Westens zu einer neuen Stufe seiner eigenen Kultur 7u gelangen. Der Zweck ist nicht, die Studenten zu amerikanisieren, sondern eher sie anpzueifern, ihre eigene Kultur zu entwickeln, ihnen zu helfen, ihr eigenes geistiges und wirtschaftliches Leben zu verbessern. Sie will den europäisch-amerikanischen Geist der Individualität, der Initiative und der nersönlichen Verantwortung ausbilden und will dem Orient Führer geben. Dieser Aufgabe ist die Schule auch treu geblieben. Die meisten Führer der syrischen nationalen Bewegung, wie auch die meisten führenden Persönlichkeiten In Mesopotamien, Persien und andern Ländern haben ihre Ausbildung an dieser Schule erhalten. Im Jahre 1927/28 studierten an dieser Universität und der zu ihr gehörigen oberen Mittelschule 1117 Studenten. Davon waren 399 aus Syrien, 213 aus Palästina. 142 aus Meso- Ppotamien, 85 aus Aegypten, 45 aus Persien und 7 aus Abessinien. Die anderen Studenten rekrutierten sich aus den verschiedenen Rassen des Vorderen Orients, wie Ar• jnenier. Griechen usw, Der Religion nach verteilten sich die Studenten auf 577 Christen, und zwar vorwiegend Protestanten und Griechisch-Orthodoxe. Neben diese 577 Christen traten aber 540 Nichtchristen, und zwar 404 Mohammedaner, 80 Juden, 32 Bahais und 24 Drusen. Die Schule bemüht sich, zwischen den verschiedenen Relig i o n e n u n d Rassen des Vorderen Orients eine gegenseitige Verständigung herbeizuführen. Ein großer Teil des Lehrkörpers besteht aus syrischen Professoren. Die Unterrichtssprache ist englisch. Dabei wird auf die Vervollkommnung in der arabischen Literatur und Geschichte großer Wert gelegt. Die arabischen Professoren an der Schule, mit denen ich mich über die Frage der Unterrichtssprache unterhielt, erklärten mir, daß sie an eine allmähliche Ersetzung des Englischen als Unterrichtssprache durch das Arabische denken, doch läge das noch in der Ferne. Ungeachtet der großen wissenschaftlichen Arbeit, die in den letzten 50 Jahren an die Anpassung der arabischen Sprache und Terminologie an die Erfordernisse der modernen Wissenschaft verwandt wurde, bietet noch die Anwendung des Arabischen als Unterrichtssprache an der Universität große Schwierigkeiten, vor atlem weil keine genügende wissenschaftliche Literatur in arabischer Sprache vorhanden ist. Ein Student, der auf der Universität englisch unterrichtet wird, erlangt die Fähigkeit, in englischer Sprache am wissenschaftlichen Leben teilzunehmen und sich so weiter fortbilden zu können. Wäre der Unterricht dagegen arabisch, so würden nur wenige in der europäischen Sprache so weit kommen, um ohne Schwierigkeiten und mit Genuß wissenschaftliche Werke in europäischer Sprache benutzen zu können. Dagegen wird ein Student, dessen Muttersprache arabisch ist in ganz kurzer Zeit dahin gelangen, arabisch wissenschaftliche Werke zu schreiben, wenn er in einer europäischen Sprache eine entsprechende Ausbildung genossen hat. Die amerikanische Universität in Beirut deckt ihr Budget zum größten Teil aus freiwilligen Gaben. Ihr Jahresbudget beträgt $ 450 684 oder ungefähr £ 90 000. Von diesem Betrage werden •I 162 565 durch die Beiträge der Studenten, durch die Spitäler usw. gedeckt. Die Rockefeller- Gründung trägt $ 32 273 bei. Die übrige Summe stammt aus freiwilligen Beiträgen und Stiftungen. Die Universität ist weit davon entfernt, eine vollständige Universität zu sein. Sie enthält eigentlich nur zwei Fakultäten, und zwar eine medizinische Fakultät, die nach dem vorliegenden Berichte sehr gut ausgebaut zu sein scheint, und an die auch eine Hochschule für Zahnärzte, Pharmacie und Krankenschwestern angegliedert ist, und eine philosophische Fakultät. In der medizinischen Fakultät, die einen Lehrkurs von fünf Jahren mit vorangehenden zwei Universitätsjahren naturwissenschaftlicher Studien fordert, sind zurzeit 94 Studenten immatrikuliert. Die philosophische Fakultät (School of Arts and Sciences) entspricht aucn nicht einer vollständigen philosophischen Fakultät in Europa. Es werden dort an naturwissenschaftlichen Fächern Biologie, Chemie, Physik, Mathematik, an geisteswissenschaftlichen Fächern Philosophie, Politik, Soziologie in einem Verhältnismäßig rudimentäen Stadium, Religionswissenschaft, Geschichte, Arabisch, Englisch und Französisch gelehrt. Daneben finden noch Kurse in Handelswesen, Landwirtschaft, Erziehungswesen und Mechanik statt. Die Universität besitzt eine verhältnismäßig große Bibliothek, die 28 370 Bücher umfaßt, daneben auch eine Anzahl wichtiger Manuskripte und Dokumente zur Geschichte Syriens. Die Bibliothek ist wohl die größte in Syrien, ist aber an Ausdehnung und Bedeutung nicht mit der Hebräischen Universitäts-Bibliothek in Jerusalem zu vergleichen. Nicht nur daß die Hebräische Bibliothek in Jerusalem eine bedeutend größere Anzahl von Büchern aufweist, sie leistet auch durch die Herausgabe verschiedener Publikationen, vor allein durch die Herausgabe der mustergültigen bibliographisehen Vierteljahrsschrift ״Kirjath-Sefer“ wichtige Pionierdienste auf dem Gebiete der hebräischen und palästinensischen Bibliographie. Die Bibliothek der amerikanischen Universität in Beirut enthält meist englische Bücher und nur ungefähr 1700 arabische. Unter den wissenschaftlichen und sonstigen Zeitschriften, die im Leseraum aufliegen, befinden sich auch hebräische. Für Studenten, deren Muttersprache nicht arabisch ist, sind auch andere Sprachen, darunter auch hebräisch, als Prüfungsgegenstand bei der Aufnahme in die »Universität zugdassen. Ebenso unvollständig wie die amerikanische Universität in Beirut ist auch die 1875 gegründete französisch-jesuitische Universität, die den Namen Universite St, Joseph trägt. Neben dem theologisch-orientalischen Seminar, das die Priester der verschiedenen orientalisch-katholischen Riten ausbildet, umfaßt die Universität nur drei Fakultäten: eine für Medizin und Arzneiwesen, eine Rechtsfakultät und eine Ingenieurschule, wovon die beiden letzteren erst 1913 begründet wurden. Ebenso wie der amerikanischen Universität ist auch dieser Universität eine Mittelschule angegliedert. Auch hier sind prinzipiell Studenten aller Religionen und Rassen zugelassen, aber die überwiegende Mehrzahl der Studenten bilden christliche, vor allem maronitische Syrer. An die medizinische Fakultät sind hier ebenso wie bei der amerikanischen Universität große Spitäler angegliedert. Eine philosophische oder naturwissenschaftliche Fakultät besteht an dieser Universität nicht. Die Universität ist vor allem zum Kampfe für den Katholizismus und den französischen Einfluß als Gegengewicht gegen die amerikanische Universität begründet worden. Sie hat sich aber auch große Verdienste um die Erforschung der arabischen Literatur und um ihre Entfaltung erworben. Bis in die Kriegsjahre war ihr das berühmte päpstliche Institut der Jesuiten für orientalische Wissenschaften angegliedert, das seither nach Rom verlegt wurde. Im Jahre 1924 wurde die medizinische Fakultät von 117 Studenten besucht, die Rechtsschulc von 136 und die Ingenicurschule von 24. Nicht nur ist die Zahl der Studenten an dieser Universität viel geringer als an der amerikanischen, sie sind auch ihrer Herkunft und ihrer Religion nach viel einheitlicher als die Besucher der amerikanischen Universität. Die französische Jesuiten-LIniversität in Beirut hat auch eine bekannte orientalische Bibliothek, die ungefähr 30 000 Bände zählt, davon die Hälfte in arabischer Sprache, Die orientalische Fakultät, die an der Universität bestand, hat auch zwei bekannte Zeitschriften herausgegeben, und zwar die ״Melange de l’Universitt: St. Joseph“ in Iranzösischer Sprache und ״Maschrik“ in arabischer Sprache. Die französische Jesuiten-Universität wird von dem Jesuiten-Orden erhalten und legt über die Herkunft ihrer Mittel keine öffentliche Rechnung ab. Wenn man die Hebräische Universität, die ja erst vor etwas mehr als drei Jahren eröffnet wurde, mit den beiden Universitäten von Beirut vergleicht, wird man zu dem Schluß kommen daß die Entfaltung der Hebräischen Universität schnell und günstig vor sich geht. Der Geographie-Professor an der Haifaer Mittelschule Dr. tsaac Braver, der Palästina auf dem gegenwärtig in Cambridge tagenden Internationalen Geographen-Kongreß vertritt, hielt auf dem Kongreß eine Vorlesung unter dem Titel: ״Die Meinungen jüdischer Geographen des Altertums und ihr Einfluß auf die früh-christliche Welt“.

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