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Jüdische Rundschau · 1928-08-03 · Heft 61 (3.8.1928) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 61 (3.8.1928)
Date
1928-08-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 01, 3, VIII. 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 439 Die A.-C.-Sitzung Letzter Tag Berlin, 2. August. Nachdem sich die Spannung des langen Sonntags gelöst hatte, ging das A.-C. am Montag zur Behandlung des restliehen Beratungsstoffes über. Viele wichtige Fragen standen jetzt zur Behandlung, aber die Kräfte des A.-C. waren erschöpft, die Teilnahme an den Schiunsitzungen war schwach, und es schien, a's ob die Teile des A.-C., die ausharrten, sich zwängen, die obligaten, mehr zum Fenster hinausgesprochenen Ermahiuingsreden zu Ende bringen. Auch die Form dieser Nachsitzungen von Rumpfkörperschaften kennen wir von unseren Kongressen. Zur rechten Zeit Schluß zu machen senefnt eine Kunst zu sein, die wir noch lernen müssen. Die Resolutionen-Fabrikation der letzten Sitzung hat aus zwei Gründen etwas Bedenkliches: Erstens ist es ein Unrecht gegen die im Berufsleben stehenden A.-C.-Mitglieder, die abreisen müssen, wenn man am letzten Tag in ihrer Abwesenheit Beschlüsse über kontroverse Fragen faßt; und zweitens — was noch viel wichtiger ist — untergräbt man die Autorität des A.-C., wenn man immer wieder Beschlüsse faßt, die keinen realen Gehalt haben und deren Durchführung von ganz anderen Faktoren abhängt als von den Wünschen des A.-C, die auch ohne besondere Resolution bekannt sind. Dies gilt vor allem von den immer wiederkehrenden Beschlüssen über Einwanderung, auf die man nicht verzichtet, obwohl jeder weiß, daß für die Einwanderung die realen Verhältnisse Palästinas und die vorhandenen Mittel ausschlaggebend sind, keineswegs aber Resolutionen. Man entwertet die eigenen Beschlüsse, wenn man sie in bloße Deklamationen verwandelt. Je weniger man beschließt und je ernster man es meint, um so mehr Nachdruck und Geltung hat das Wort des A.-C. Am letzten Tage war die Exekutive in der Palästina- Debatte vor allem durch Miß Szold vertreten, die sich bei dieser Sitzung große Sympathien im A.-C. erworben hat. ihre von reinem zionistischen Geist erfüllten Reden wurden mit lautloser Spannung angehört und fanden den ungeteilten Beifall persönlichen Respekts auch bei denen, die später gegen die von der Rednerin vertretenen Anschauungen stimmten. Sie gab nicht nur die erforderlichen Aufklärungen, sondern sie ließ das A.-C. fühlen, daß die Exekutive ebenso wie die anderen Teile der Bewegung unter dem gegenwärtigen Zustand leidet und eine Erneuerung der produktiven großen Arbeit und Einwanderung herbeisehnt. Wann dieser Zeitpunkt eintritt, das hängt von dem Gelingen des Sanicrungswerkes der Exekutive uijd von den Leistungen der Zionisten und Palästinafreunde in der ganzen Welt ab. Von den übrigen Ereignissen des letzten Tages erwähnen wir nur noch die Ersatzwahl in die Exekutive an Stelle des ausscheidenden Dr. Eder. Die Wahl von Dr. Brodctski wird mit um so größerer Befriedigung aufgenommen werden, als der Gewählte gerade in dieser Sitzung eine große Popularität erwarb. Seine Rede im Plenum und seine unermüdliche konziliante Tätigkeit als Vorsitzender der politischen Korn-• mission wurden allgemein gewürdigt. Durch Brodetskis Eintritt in die Londoner Leitung wird der sehr bedauerliche Verlust von Dr. Eder ausgeglichen. Das angenommene Budget ist weniger als unzureichend. Es konnte aber nicht erhöht werden, bevor nicht neue Einnahmen erschlossen sind. Für die Periode des Uebcrganges gilt es, die erworbene Position zu behaupten. Die A.-C.- Sitzung hat, so hoffen wir, den Weg zur Herbeiführung einer besseren Zeh geebnet. Schluß des Verhandlungsberidites (Offizielles Bulletin) Dreizehnte Sitzung (Montag vormittags, 30. Juli.) Das Palästina ״Budget Die Sitzung wird um 11.15 Uhr von Präsident Motzkin eröffnet. Namens der Budget-Kommission referiert ihr Vorsitzender Dizengoff. Die Kommission glaubt, daß das vorliegende Budget die Arbeit der Geldaufbringung sehr erschweren werde. Da die Exekutive eine Erhöhung des Budgets für unmöglich erklärt, schlägt die Mehrheit der Kommission vor, den Budget- Vorschlag nicht zur Kenntnis zu nehmen und ihn an die Exekutive zurückzuverweisen, die für das Budget die Verantwortung zu tragen habe. Nötig sei eine Erhöhung des Budgets um 10 ״>, d. h. 40 000 bis 50 000 Pfund. Harzfeld (Achduth Awodah) spricht für eine Minoritäfsgruppe der Kommission, die gegen die Zurückweisung an die Exekutive ist, weil dies den Anschein erwecken würde, daß das A.-C. sich seiner Aufgabe entziehe. Man solle eine E r - höhung des Budgets um 10 Co beschließen, da die Eingänge aus Amerika um 50 000 bis 60 000 Pfund höher angesetzt werden können. Van Vriesland (Treasurer) erklärt, daß die Schätzung der Einnahmen nach langen Beratungen der Exekutive, des Keren Hajessod-Direktoriums nach Beratung mit den Vertretern der verschiedenen Länder erfolgt ist. Eine Erhöhung der Schätzung komme nicht in Frage, da der Kongreß eine vorsichtige Budgetierung beschlossen hat. Daher könne die Exekutive einer Erhöhung des Budgets um 10 nicht zustimmen. Falls eine solche beschlossen würde, könnte die Exekutive diesen Beschluß nur nach Maßgabe der Möglichkeiten zur Ausführung bringen. Twersky (Hapoel Hazai'r) erklärt, daß die Einnahmen in Amerika zu gering angesetzt wurden, da der frühere Durchschnitt viel höher sei. Für die Herabsetzung der Einnahmen wurde auch keine genügende Begründung gegeben. Auch er sei für Konsolidierung, aber in einem so schweren Jahre und bei so geringen Einnahmen müsse man von der Begleichung׳ des früheren Defizits Abstand nehmen und sie für eine spätere Zeit verschieben. Er schlägt die Bildung eines Fünfer-Komitees aus dem A.-C vor, das alle drei Monate Zusammentritt und gemeinsam mit der Exekutive die Verteilung des Budgets vornimmt. Die Exekutive allein solle zu Aenderungcn nicht berechtigt sein. Nach Dr. Hellmann und Tartakower, die sich ebenfalls gegen die niedrige Einschätzung der Einnahmen wenden, beantragt Grünbaum, daß die Exekutive vorläufig die Verteilung des Budgets vornehme und daß das A.-C. erst auf seiner nächsten Sitzung im Frühjahr, wo über die Höhe der Einnahmen sicherere Grundlagen vorhanden wären als jetzt, einen!Beschluß über das Budget fassen soll. Rubaschow (Poale Zion) wendet sich besonders gegen die vorgenommene Streichung des Beitrages für das Arbeiterkulturwerk. Man habe in das Budget nur f 1200 für die Waadath Hatarbuth eingesetzt, aber nur zur Abgeltung des Defizits der früheren Jahre, während für dieses Jahr für ihre Arbeit auch nicht der geringste Betrag ausgesetzt worden ist. — Dr. Bileski (Deutschland) erklärt sich für die Uebertragung der Festsetzung des Budgets an die Exekutive. Dies bedeute keineswegs einen Verzicht auf das Budgetrecht. — Rabbi Berlin (Misrachi) meint, daß, solange die Exekutive damit nicht einverstanden ist, alle Reden über eine Erhöhung des Budgets zwecklos seien. Da das A.-C. keine Verantwortung für dieses Budget übernehmen könne, habe er sich in der •Kommission für die Rück- Weisung an die Exekutive ausgesprochen. Der Misrachi werde durch eine loyale Mitarbeit am Keren Hajessod sich bemühen, eine Erhöhung der Eingänge zu erzielen. — Levite (Polen) macht darauf aufmerksam, daß es sich beim jetzigen Budget um eine vorübergehende Erscheinung handle. Niemand ist mit dem Budget zufrieden, aber man müsse es in Kauf nehmen, um eine Konsolidierung der Verhältnisse herbeizuführen. — Mereminski (Achduth Awodah) verlangt, daß man nicht von Streitigkeiten in Amerika sprechen solle, sondern vom Frieden. Er lobt die dortige Arbeit der Hadassah, die keine finanzielle, sondern eine ideologische Krise durchmache. Er verlangt eine Abmachung zwischen der Exekutive und der Hadassah dahingehend, daß diese sich mit einem festen Prozentsatz des gesamten Budgets für ihre Arbeit in Palästina begnüge. Die Hadassah werde so für die Gesamtarbeit in Palästina Interesse haben und mit Energie an der Aufbringung des Gesamtbudgets mitarbeiten. — Farcny (Bulgarien) schließt sich dem Mehrheitsantrag der Kommission an. — Dr. Soloweitschik (Radikale) wendet sich ebenfalls gegen die Streichung des Postens für die Waadath Hatarbuth. — Dr. Goidstein erklärt sich gegen den Vorschlag Mereminski bezüglich der Hadassah. Alle Frauen- Vereinigungen, sowohl in Amerika wie auch in Kanada und Südafrika, ebenso auch die Wizo, haben einen gewissen Teil der Arbeit unternommen, der ihren persönlichen Interessen entspricht und für den sie mit großem Eifer arbeiten. Der Antrag Mereminski würde auf diese Arbeit nur schädigend einwirken. — Kaplansky glaubt, daß eine Erhöhung des Budgets um 40000 bis 50000 Pfund möglich ist. Die Arbeit in Amerika müßte aus dem Parteienkampf herausgezogen werden. Kaplansky spricht weiter über das wirtschaftliche Konsolidierungsprogramm und erwähnt besonders eine Reihe von Fragen des Kolonisationbudgets. Er wendet sich dagegen, daß gewisse Verpflichtungen der früheren Exekutive von"der jetzigen nicht eingehalten werden. Schluß der Sitzung 2 Uhr, nächste Sitzung 5 Uhr nachmittags. Die letzte Sitzung (Montag abends, 30. Juli.) Die letzte Sitzung des A.-C. wurde Montag 5.45 Uhr von Präsident Motzkin eröffnet und dauerte ohne jede Unterbrechung bis 2 Uhr nachts. Zuerst gelangten die von der Palästina-Subkommission für Alijah-Fragen beantragten Resolutionen zur Behandlung. Für die Subkommission berichtete Suprasky. Eine längere Dehatte entspinnt sich über die Zahl dpr von der Regierung für das nächste Halbjahr zu verlangenden Zertifikate. Rosenbliith spricht sich für Ueberweisung der betreffenden Resolution an die Exekutive zur Erwägung aus. Finanzielle Verpflichtungen für die Exekutive dürfen nicht entstehen, solange dafür im Budget keine Vorsorge getroffen ist. Miß Szold weist darauf hin, daß die Exekutive in Palästina eine Kommission ernannt hat, die sich mit der Frage der Zertifikate eingehend beschäftigt hat. In dieser Kommission saßen nicht nur Sachverständige der Exekutive. Man müsse die Sache sehr ernst behandeln, da sie große Verantwortung auferlege und auch finanzielle Verpflichtungen nach sich ziehe, für die im jetzigen Budget keine Vorsorge getroffen ist. So lange dies nicht der Fall ist, könne die Palästina-Exekutive bei Annahme des Beschlusses keine Verantwortung für dessen Ausführung übernehmen. Mereminski erklärt es für einen unhaltbaren Zustand, daß die Exekutive, wie es heute der Fall ist, sich wegen jedes einzelnen Zertifikates erst an die Regierung wenden müsse. Die Vorschläge der Kommission sind auf Grund genauer Bereclinungen, an denen auch die Exekutive mitbeteiligt war, festgesetzt worden. Nach Reden von Orünbaura, H a r 2 f e 1 d und einem Schlußwort von Suprask y werden jene Resolutionen, die keinen budgetären Charakter tragen, angenommen, während über letztere erst nach Annahme des Budgets abgcstimmt werden soll. N’urok berichtet namens der politischen Kommission über die vorgeschlagene Wahl eines Mitgliedes der Exekutive an Stelle des aus privaten Gründen zurückgetretenen Dr. Eder. Gemäß dem Vorschlag der politischen Kommission wird bei Stimmenthaltung der Revisionisten mit allen Stimmen Prof. Brodetski zum Mitglied der Exekutive in London gewählt. Da nach dem Statut drei Direktoren des Keren Kajemeth turnusmäßig auszuscheiden haben — es sind dies die Herren Schocken, Berl Katznelson und Dr. Hantke —, wird jetzt eine Neuwahl dreier Direktoren des K. K. L. vorgenommen. Ussischkin schlägt namens des K. K. L.-Direktoriums mit Zustimmung der Exekutive die Wiederwahl von Schocken und Berl Katznelson vor. Da nach allgemeiner Ansicht es nicht gut angängig sei. daß ein geschäftsführender Direktor des Keren Hajessod Direktor des K. K. L. ist, soll an Stelle Dr. Hantkes S u c h o w i t z k i ins Direktorium des K. K. L. gewählt werden. Die Vorschläge Ussischkins werden vom A.-C. einstimmig angenommen. Zur Frage des Kontrollamtes wird jetzt über die früher zurückgestellte Frage, ob der Kontrolleur nur ehrenamtlich tätig sein soll, entschieden. Die Organisationskommission schlägt vor, mit Rücksicht darauf, daß es sich nur um eine provisorische Regelung handelt, die bis zum nächsten Kongreß gilt, zu beschließen, daß das Amt eines Kontrol'eurs ein Ehrenamt ist und weder direkt noch indirekt honoriert werden soll. Da über die personellen Fragen noch nicht entschieden werden konnte, weil noch nicht genügende Voraussetzungen Vorlagen, wird beschlossen, daß die Executive der nächsten A.-C.-Sitzung genaue Personalvorschläge unterbreiten soll. Bis dahin wird die Exekutive, wie sie erklärt, einzelne Personen mit verschiedenen Revisionen beauftragen. Ein weiterer Punkt der Tagesordnung ist die Frage der nächsten A.-C. - Sitzung. Kaplansky spricht sich' dafür aus, daß die A.-C.-Sitzungen tatsächlich alle sechs Monate stattfinden und davon sollte jeweils einmal im Jahre eine Sitzung in Palästina abgeha'+en werden. Großmann wendet sich dagegen, daß jetzt schon über den Ort bestimmt werden soll, und weist auch auf die allzu große Belastung der Mitglieder hin, wenn die Sitzungen häufiger Vorkommen, ganz besonders in einem Kongreßjanr. Nach weiteren Ansprachen von Hellmann, Hindes, Rosenblüth und Motzkin wird der Antrag Kaplansky angcnommen, wonach die nächste Sitzung־ des A.-C. im Frühling stattzufinden habe, und zwar in Palästina. Nun gelangt die Frage des Palästina - Budgets zur weiteren Behandlung. Für die Kommission berichtet Dizengoff. Es liegen mehrere Anträge vor, von denen eigentlieh keiner als wirklicher Majoritätsvorschlag bezeichnet werden kann. Dizengoff schlägt eine Erhöhung des Budgets um £ 50 (XX) vor, und zwar sollen die Eingänge des Keren Hajessod um £ 30000 höher augesetzt werden, während der für Deckung des Defizits und der K. H.-Vcrpflichtungen angesetzte Betrag um £ 20 000 ermäßigt werden soll. — Van Vriesland beantragt, den Vorschlag Dizengoff als sogenanntes Budget B zu bchandeln, das erst dann zur Ausführung gelangt, wenn die Mittel für das Budget A voll aufgebracht sind. — Kaplansky erklärt, daß die gemeinsam mit dem K. H. - Direktorium vorgenontmene Schätzung der Eingänge auf Amerika nicht zutreffe, weil hier dem K. H.-Direktorium keine genügenden Grundlagen Vorlagen. Er glaubt, daß die Einnahmen aus Amerika mit £ 30000 hoher angesetzt werden können. Dagegen würde er eine Verminderung des für Deckung des Defizits vorgesehenen Betrages um nur £ 12 000 vorschlagen, so daß das vorgelegte Budget um 10 <n, erhöht würde. — Dizengoff wendet sieh gegen den Vorschlag van Vrieslands, während Griinbaum nur eine Erhöhung der Einnahmen wünscht, dagegen eine Verminderung des für das Defizit vorgesehenen Betrages abichnt, weil dies die Gefahr in sich berge, daß in erster Reihe die Lehrer die Leidtragenden werde״. Miß Szold gibt die Versicherung ab, daß auch im letzteren Falle die Lehrer keineswegs zu Schaden kommen werden. Sie bemerkt jedoch, daß sich bei keinem Posten des Defizits Möglichkeiten für die. Zurückstellung von £ 20000 bis später ergeben. Die Exekutive sei noch weniger als alle Redner hier!in A.-C. mit dem Budget zufrieden. Man solle nicht vergessen, daß das Budget die Frucht einer schweren Arbeit von Monaten sei. Die Schätzung des Keren Hajessod-Direktoriums im vorigen Jahre habe sich bis auf Amerika und Polen in allen Ländern als richtig erwiesen. Die Abweichungen in den Ländern betragen kaum wenige Prozente, die ihren Ausgleich in den anderen Ländern finden. Nur in Arne rika und Polen wurden die angenommenen Beträge nicht erreicht, aber nicht, wie manche Redner glauben, wegen allzu vorsichtiger Budgetierung, die dann um so geringere Eingänge bewirkt, sondern wegen der in diesen Ländern herrschenden inneren Differenzen. Der Vorschlag Grünbaums, das EJadassah-Budget um 10 0׳״ zu kürzen und diesen Betrag Kolonisationszwecken zuzuweisen, bedeute für das Kolonisationswerk kaum einen Ziegel im Ban, aber eine Zerstörung des Hadassah-Werkes, das einen so plötzlichen Abstrich nicht vertrage. Auch das Schulwerk wird infolge der Plötzlichkeit der vorjährigen Streichung von £ 21 000 noch viele Jahre zu leiden haben. Die Eiadassah habe ein Reorganisationsprogramm angenommen, und es werde sicher zu einem Abbau kommen, aber dieser müsse allmählich erfolgen. Miß Szold schildert weiter, wie schwer es gerade in Jerusalem sei, oft nein sagen zu müssen. Das A.-C. könne sich kaum vorstellen, in welch unangenehmer und schwerer Lage die Exekutive sich oft befunden habe. Es sei ein Anfang der Konsolidierung gemacht worden, und man solle jetzt nicht etwas beschließen, das die Opfer des letzten Jahres wieder nutzlos macht. Nachdem Dizengoff dem Vorschlag Kaplanskys zugestimmt hat, wird der Vorschlag Dizengoff-Kaplansky-Twersky, der eine Erhöhung des Budgets um £ 42000 vorsieht, mit 18 gegen 8 Stimmen angenoijymep, wobei es.der .Exekutive überlassen bleibt, ob sic die zur Tilgung des Defizits vorgesehene Summe ermäßigen will oder bloß mit erhöhten Einnahmen rechnet. Für die Exekutive gibt van Vriesland folgende Erklärung zu Protokoll: ״Die Exekutive spricht die Hoffnung aus. daß es gelingen werde, durch die vereinigten Anstrengungen aller Mitglieder des A.-C. und aller Keren Hajessod-Arbeiter im Zusammenwirken fnit der Exekutive die Einnahmen zu erhöhen. Die Exekutive wird aber die vom A.-C beschlossene Erhöhung des vorgeschlagenen Budgets nur insoweit ausfiibren, als die Einnahmen es ihr gestatten werden.“ Nunmehr gelangt der Antrag wegen der Zahl der Zertifikate zur Abstimmung. Nachdem infolge Erhöhung des Budgets hierfür Mittel vorgesehen sind, wird der Antrag der Kommission bezüglich der Zahl der Zertifikate angenommen. Es gelangen sodann zur Besprechung die Frage der An- Siedlung des Hapoel Hamisrachi auf dem Boden Scheich Abreik und der Ansiedlung des Ha schon! er Hazair B. Damit ist die Tagesordnung des A.-C. erschöpft. Motzk i n liest noch die eingelaufene Antwort auf das Begrüßungstelegramm an Lord Balfour vor und vveist in seiner Schlußrede auf die schwere Arbeit hin, die vom A.-C. auf seiner jetzigen Sitzung vollbracht worden ist. Er freue sich, die Mitglieder des A.-C. bei der nächsten Sitzung in Palästina begrüßen zu können. Dizengoff spricht den Dank des A.-C. an Präsident Motzkin Für seine umsichtige Geschäftsführung aus und dankt besonders Miß Szold für ihre unermüdliche Mitarbeit. Das A.-C. nimmt diese Erklärungen mit großem Beifall aut und bereitet Miß Szold, die bis zur letzten Minute im Saal ausgeharrt hat, eine große Ovation. Schluß der Sitzung 2 Uhr nachts. Sozialistische Internationale and Palästina Paris, 2*1. Juli. (J. T. A.) Bekanntlich hatte sich während der Anwesenheit Emile Vanderveldes in Berlin auf Initiative des Verbandsbüros der zionistisch-sozialistischen Partei Poale Zion ein Komitee aus führenden sozialistischen Persönliclikeiten gebildet, welches die Aufgabe übernommen haf, im Rahmen der im August in Brüssel stattfindenden Internationalen Sozialistischen Konferenz eine grolle Beratung über das Arbeiterwerk in Palästina abzuhalten. Dem vorbereitenden Komitee gehören der Führer der französischen Sozialisten Leon Bl 11 n! , der Nestor der deutschen Arbeiterbewegung Eduard Bernstein, der frühere englische Arbeiterminister Arthur Hendersori und der belgische Arbeiterführer und frühere Minister Emile Vandcrv eitle an. Einladungen zur Teilnahme an der sozialistischen Palästina-Konferenz ergingen an etwa 100 führende Persönlichkeiten der sozialistischen Bewegung in verschiedenen Ländern, 11. a. auch an George Lansbury, Commander Kenworthy, Colonel Wedgwood, Reichstags- Präsident Lobe, den polnischen sozialistischen Führer Daczinskv, den französischen sozialistischen Deputierten Renaudel. Vorgesehen ist die Bildung eines ständigen Ausschusses aus 10 Personen, der die Beschlüsse der Konferenz auszuführen haben wird. Diese Beschlüsse werden sich nach dem Wunsche der Initiatoren in der Richtung der Unterstützung des jüdischen Arbeiterwerks im jüdischen Nationalheim in Palästina und dessen Förderung auf internationalem Boden zu bewegen haben.

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