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Jüdische Rundschau · 1928-07-27 · Heft 59 (27.7.1928) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 59 (27.7.1928)
Date
1928-07-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 428 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 59, 27. VII. 1928 form nicht möglich war. Immer stand man einer geschlossenen Front gegenüber. Brodetzky hat gesagt, Sozialismus sei kein integrierender Bestandteil der zionistischen Bewegung. Ein integrierender Bestandteil ist beim nationalen Aufbau die Frage wirtschaftlicher Einrichtungen. Und bei uns gibt es leider immer eine taktische Verbindung von sozialem Bedürfnis und Wirtschaftsformen. In Fragen der Wirtschaftlichkeit gibt es objektive Maßstäbe. Wir erstreben Selbsterhaltung der Siedlungen; wir wollen der Arbeiterschaft die volle Freiheit dadurch geben, daß sie Formen findet, in denen sich die Siedlungen selbst erhalten. Die wahre Aufgabe der Arbeiterschaft und der ganzen Bewegung ist es, solche prosperierende Siedlungen zu schaffen. Wir haben den Beweis der Güte unserer Wirtschaft zu erbringen. Ich glaube, daß der Bericht eine Mahnung an uns alle ist, in unseren eigenen Reihen größere Klarheit und größeres Vertrauen zu schaffen. Für die Arbeiterschaft ist es schwer, diesen Weg zu gehen, weil ihr nicht überall mit Loyalität begegnet wird. Wir brauchen gerade für die nationale Kolonisation diese Kooperation, denn private Kolonisation, etwa Orangenplantagen, bedarf keiner Agency, das wird von selbst kommen, wenn es sich rentiert. Gerade im Interesse unserer nationalen Kolonisation, der Arbeiterkolonisation, betreiben wir die Er- Weiterung der Agency und Vergrößerung der öffentlichen Mittel. Auch die Arbeiterschaft kann der Zukunft vertrauen, denn es gibt mehr als zwei Partner: nämlich uns, die Nichtzionisten und Erez-lsrael. Und das Land selbst ist die stärkste Kraft, die sich durchsetzen wird. Unser Problem ist die Beschaffung der Mittel. Geldsammelarbeit ist eine so furchtbar schwere Arbeit, daß den Beschaffern nicht vorgeworfen werden sollte, sie sitzen in der Etappe. Es ist keine Kunst, sich rein zu halten, wenn man nicht mit fremden Elementen zusammenkommt. Ben Gurion sprach davon, daß die Arbeiter lieber hungern wollen, als auf der Grundlage eines solchen Berichtes Geld bekommen. Das ist kein Argument. Hungern ist vielleicht Heroismus, aber der ist uninteressant für die Entwicklung des Zionismus, wenn er zwecklos ist. Es kommt nicht darauf an, ob der Einzelne die heroische Kraft hat, auszuhalten. Wenn das Werk nicht hält, dann ist das einzelne Opfer zwecklos und für die Gesamtheit unwesentlich. Das Wichtigste für das Werk ist zu wachsen. Wie ist das Geld zu bekommen? Auch hier die Frage, wie weit wir mit den bisher geübten Methoden kommen können. Man spricht über das Problem Amerika: Ich überlasse Ihnen die Diskussion darüber, wie es hätte gemacht werden sollen. Augenblicklich ist die Lage unbefriedigend. Ich sehe auch in anderen Ländern nicht die Chance, zu einer sehr erheblichen Steigerung der Eingänge zu kommen. Der Keren Hajessod ist nur mit Mühe auf der erreichten Höhe zu halten. Oppositionelle Führer versichern uns, daß man mehr Vertrauen zum Volke haben müsse. Aber diesen Führern kann man erwidern, daß eine der Qualitäten des Führers darin besteht, daß nicht nur er sich vor das Volk stellt, sondern daß das Volk sich hinter ihn stellt. Halten wir uns an Führer, die Massen bewegen und fürchten wir nicht immer, wie andere demokratische Bewegungen, den Verrat dieser Führer, wenn sie neue Kräfte außerhalb unserer Reihen zu gewinnen versuchen. Wir wissen ziemlich genau, wieviel wir zu beschaffen vermögen. Die £ 700 000, die wir durchschnittlich aufgebracht haben, sind auch schon im Zusammenhang mit unserer Bündnispolitik aufgebracht worden. Wir wußten, daß, wenn wir zu einer Kooperation kommen, wir nicht irgendeinen vorläufigen Zustand verewigen können. Es gab die Möglichkeit, aus dem Keren Hajessod das notwendige Instrument zu machen. Diese Absicht ist dadurch zunichte gemacht worden, daß alle Direktorenstellen mit Zionisten besetzt wurden. Wenn wir wirklich Menschen in unsere Sache hineinzwingen wollen, dann müssen wir ihnen auch Rechte geben. Denn trotz aller Erfolge unserer Arbeit sehen wir heute ganz genau die allzu engen Grenzen. Ich glaube, daß w i r die freie Wahl haben, obwohl es schwer zu ertragen ist, die Jahre zu verlieren. Mir scheint aber, daß gerade manche Gegner der Agency-Politik keine Wahl haben. Aus Ussischkins Rede ging klar hervor, daß er weniger Angst hat vor den nichtzionistischen 50 <0/י als vor unseren eigenen 50 «/o. Und wenn dem so ist, dann muß man sich fragen, ob Isolierung eine Verbesserung bringen kann. Die Bewegung wird nicht dadurch stärker, daß man ihr eine neue Möglichkeit der Betätigung eröffnet. Ben Gurion hat in seiner Rede gesagt, er fürchte als Zionist und nicht als Sozialist, denn ihm als Arbeiterführer kann nichts passieren, hinter ihm stünde ja die große internationale Arbeiterbewegung. Er hätte sagen müssen, mir als Zionist kann nichts passieren, denn welche organisatorischen Formen auch immer gefunden werden, die zionistische Bewegung ist in ihrer Stärke unabhängig von aktuellen politischen Maßnahmen. Es ist ein Irrtum zu glauben, daß die Bewegung durch diese oder jene Politik stärker oder schwächer wird, denn die Quellen des Zionismus strömen unberührt durch alle taktischen Maßnahmen der Leitung und der Organisation. Gewiß ist der Weg, den wir gehen wollen, schwer, und unsere positive Entscheidung bedeutet ein Risiko. Wir gehen mit vollem Bewußtsein dieses Risiko ein. Aber nur der Zionist kann sich in solche Gefahr begeben, der voll ist von zionistischem Vertrauen. Es kommt daher darauf an, eine künstliche Majorität zu vermeiden. Jeder muß offen erklären, ob er dafür oder dagegen ist. Wir müssen wissen, ob wir mit Sicherheit und im Bewußtsein der eigenen Kraft unseren Weg fortsetzen können. Gerade der Bericht der Survey Commission zeigt, daß unsere Idee bisher fernstehende Menschen zu überwältigen vermag. Jetzt ist es unsere Aufgabe, durch unsere Beschlüsse Dr. Weizmann die Arme zu stärken, denn Dr. Weizmann ist nur so lange imstande, Verhandlungen zu führen, als er als Präsident der Zionistischen Organisation den unzweideutigen Willen der Mehrheit dieser Organisation repräsentiert. Rnpplas Rede Dr. A. Ruppin: Ich muß meine Ausführungen mit einer persönlichen Bemerkung beginnen. Ich muß den Allgemeinen Zionisten dafür danken, daß sie mich als Redner vorgeschickt haben, obwohl sie wohl wissen, daß ich in Einzelheiten nicht mit ihnen übereinstimme. Ich will also einleitend bemerken, daß ich mit dem, was ich sage, nur für mich selbst verant- .wörtlich bin. Ich will mich nun zunächst mit dem Berichte der Sachverständigen beschäftigen, der die Grundlage des uns vorgelegten Blaubuches bildet. Wie Sie wissen, war eine große Anzahl von Sachverständigen in Palästina, und jeder von ihnen hat für sein Spezialgebiet einen Bericht geliefert. Teilweise waren diese Berichte recht gut. Vor zwei bis drei Jahren hatten wir die Absicht, Herrn Rosen aus Amerika, einen Juden, zur Abgabe eines Sachverständigenberichtes einzuladen. Bedauerlicherweise konnte er nicht nach Palästina kommen. So mußten wir jetzt teilweise Nichtjuden einladen. Diese Nichtjuden konnten naturgemäß unsere speziellen Fragen großenteils gar nicht verstehen, einfach darum, weil sie seelisch nicht fühlen, worauf es uns Zionisten bei unserem Aufbauwerke ankommt. Ich möchte Ihnen dies an einigen Beispielen zeigen und spreche in der Hauptsache von den Gutachten von Professor Me ad und Sir John Campbell. Wie Ihnen bekannt ist, war Professor Mead bereits vor vier Jahren in Palästina, ln der Zwischenzeit hat Palästina auf dem Gebiete der Land- Wirtschaft riesige Fortschritte gemacht, und ich kann nicht begreifen, wieso das diesmalige Gutachten Meads so viel schlechter ausgefallen ist als sein Gutachten über unsere Land- Wirtschaft vor vier Jahren. Sein diesmaliges Gutachten ist allerdings sehr kurz. Viel umfassender als dieses Gutachten ist das von Campbell, aber dieses Gutachten zeigt, daß Campbell, der 20 Jahre in Indien tätig gewesen ist, die Juden als natives betrachtet. Er läßt die besonderen Charakterzüge unserer Siedler außer Betracht. Allgemein möchte ich zu den Gutachten der Sachverständigen sagen, daß diesen gänzlich das Vermögen der Einfühlung in unsere besonderen jüdischen Ver* hältnisse abgeht. Außerdem wurden die Sachverständigen nicht hinreichend in Palästina selbst und über die jüdische Kolonisation außerhalb Palästinas informiert. Keiner der Herren, die als Sachverständige ins Land kamen, hat es für notwendig gehalten, sich mit mir, der ich doch eigentlich am stärksten für das bisher in Palästina Geschaffene verantwortlich bin, auszusprechen. Ich hatte nur die Möglichkeit, mit Campbell etwa eine Viertelstunde lang zu sprechen. So mußte notwendigerweise ein lückenhafter Bericht der Sachverständigen zustande kommen. Aus der Einstellung der Sachverständigen folgen nun eine Reihe von Fehlurteilen. Die Sachverständigen haben die Hauptprobleme nicht gesehen oder mit ihrem Urteil nicht das Richtige getroffen. Die Sachverständigen haben uns in ihren Berichten nur wirtschaftliche Ratschläge gegeben. Unsere Kolonisation ist aber vom rein wirtschaftlichen Standpunkte aus nicht durchzuführen. So erwähnen die Sachverständigen z. B. in ihrem Gutachten mit keinem einzigen Worte die Sorge für die zweite Generation im Lande, die doch eine der wichtigsten Fragen unserer Arbeit ist. Die erste Generation unserer Siedler wird niemals den richtigen Siedlertypus hervorbringen. Entscheidend aber ist, ob die zweite Generation als Siedler im Lande bleiben wird. Auf diesem Gebiete aber haben wir Mustergültiges geleistet. Wir haben in hervorragender Weise dafür gesorgt, daß wir eine gesunde zweite Generation haben werden. Um Ihnen das an einem einzigen Beispiel zu zeigen, weise ich auf Nahalal hin, wo in den sieben Jahren der Existenz dieser Siedlung von 145 geborenen Kindern nicht ein einziges gestorben ist. Was interessiert einen Kolonisator außerhalb Palästinas, ob alle Kinder am Leben bleiben! Für uns aber sind die Kinder das größte Kapital. Die Erhaltung der Kinder aber kostet naturgemäß Geld. Upd ein Zweites: Was tun wir nicht alles dafür, damit die Kinder wirklich auf dem Lande bleiben! Welche Mühe geben wir uns, um ihnen von Kindheit an die Landwirtschaft lieb zu machen? Auch das aber kostet Geld. Ein dritter Punkt: Man macht uns Vorwürfe daraus, daß wir mit den Siedlern noch keine Verträge abgeschlossen haben. Es ist richtig; man hätte die Verträge schon abschließen sollen. Aber man soll aus dieser Frage nicht den Strick drehen, an dem man unsere ganze Kolonisation aufhängen will. Sehen Sie doch, wie es wo anders in diesem Punkte aussieht! Als ich 1925 in Griechenland war, konnte ich feststellen, daß noch kein einziger Siedler für die Häuser, die man den Siedlern gebaut, Miete zahlte, und weiß nicht einmal, ob es schon heute geschieht. Die griechische Regierung hat 1927 von den Siedlern insgesamt £ 35 000, d. h. vier pro Mille bar zurückgezahlt erhalten. Soviel haben wir von unseren Siedlern wahrscheinlieh auch bereits zurückbekommen. Aber selbst, wenn wir es nicht bekommen haben, ist das gar nicht so schlimm. Die englische Regierung hat z. B. alle früheren Verträge mit Siedlern annullieren müssen. Ich komme weiterhin zur Frage der Kwuzah. Hier stehen in dem Bericht direkt zwei Widersprüche nebeneinander. Während einmal gesagt wird, daß bisher die wirtschaftliclie Unterlegenheit der Kwuzah nicht bewiesen ist, werden an der anderen Stelle die Kwuzoth völlig verworfen. Ich glaube, hier haben sich die Sachverständigen einfach durch Erfahrungen in anderen Ländern leiten lassen, nicht auf Grund der Erfahrungen in unserem Lande. Das geht nicht. Ich mache aus der Kwuzah kein Götzenbild, aber woher nehmen wir das Recht, den Siedlern vorzuschreiben, wie sie sich ihr Leben gestalten sollen? Einige der Sachverständigen erzählen uns, was eigentlich jüdisches Ideal sei, und sprechen sich gegen das Prinzip Daß wieder durdt den KKL Unsifin Vernunft wird, Plage Wohltat — ist möglich, wenn Sie aufhören, von Ihrer Sommerreise an umähltge Bekannte Ansichtskarten zu schicken und statt der selben eine Ablösungsspende an uns senden, die in der ״Jüdischen Rundschau“ ausgewiesen wird. Ansichtskarten - Ablösung für den KKL i.. Spenden-Aus weis . . . . . M. 10.- Else und Max Jacobsohn, Breslau, senden aus der Sommerfrische allen Freunden und Bekannten herzliche Grüße Postscheckkonto: Berlin 38347 der Selbstarbeit aus, weil es manche Siedler von der Ansiedlung abhalte. Das sei gegen das jüdische Ideal. Hierzu muß ich bemerken, daß wir doch schließlich am besten wissen, was jüdisch ist. Endlich noch zwei kurze tatsächliche Berichtigungen. In dem Bericht ist an einer Stelle von ״Bergkolonisation“ die Rede. Ich muß gestehen, daß ich erst gar nicht verstanden habe, was eigentlich damit gemeint ist. Jetzt weiß ich, daß die Sachverständigen unsere zwei kleinen Kolonien in Kaiendie und Dilb gemeint haben. Aber gerade der Kolonie Dilb geht es gut. Ferner wird in dem Gutachten alles Lob den neuen Kolonien der Ica gespendet, während doch in Wirklichkeit nur eine einzige Kolonie der lea neu gegründet wurde und dort so wie bei uns bisher nicht ein Pfennig zurückgezahlt worden ist. Ich gehe nun dazu über, von dem Berichte der jüdischen Mitglieder der Kommission, dem Berichte der Herren Mond, Warburg, Wassermann, Frankel zu sprechen. Ich war, wie Sie wissen, eingeladen, an den Beratungen in London teilzunehmen. Ich habe jedoch im ganzen nur eine Stunde mit den Herren gesprochen. Diese standen noch ganz im Banne der Berichte der Sachverständigen. Auf meine kritischen Bernerkungen zu den Gutachten der Sachverständigen antwortete mir der Vorsitzende der Kommission: Danach hätten wir also nichts anderes zu tun, als die Gutachten unserer Sachverständigen beiseite zu schieben. Meine Bemerkungen schienen den Herren der Kommission beinahe wie eine Majestätsbeleidigung. Und nun hat die Zwangslage, in der sich die Kommission befand, auch deren Bericht sehr geschädigt. Ich sagte den Kommissionsmitgliedern, es wäre ihre Aufgabe, den wirtschaftlichen Gutachten der nichtjüdischen Sachverständigen die jüdische Auffassung gegenüberzustellen. So muß z. B. gesagt werden, daß die Kolonisation der Ica, die in 38 Jahren 2700 Familien in Argentinien angesiedelt hat, vom philantropischen Standpunkte zu 100 &/!> gelungen, aber vom jüdischen Standpunkte völlig wertlos ist und als mißlungen bezeichnet werden muß, weil die Kinder der Siedler abwandern und die Siedler ihre Besitzungen verpachten. Und nun zum letzten Teil meiner Ausführungen. Was soll nun werden? Wir haben den Bericht der Kornm i s s i o n. Wie kommen wir, so hat mich eines der Mitglieder der Kommission gefragt, mit diesem Berichte weiter? Ich betone zunächst bezüglich der Mitglieder der Kommission, daß sie nach meiner Auffassung die ehrliche Absicht haben, mit uns zusammen zu arbeiten. Sie sind jedoch heute von der eigentlich jüdischen Aufgabe noch weit entfernt. Schon zwischen den Gutachten der Sachverständigen und dem Bericht der Kommission klafft eine tiefe Kluft, weil nämlich in der Zeit zwischen der Lektüre der Gutachten und der Abfassung des Kommissionsberichtes die Mitglieder der Kommission von uns in bezug auf die jüdische Seite der Sache aufgeklärt worden sind. Ich befinde mich in einem besonders schweren Gewissenskonflikt. Ich muß in dem Bericht der Kommission vieles als eine Negierung alles dessen, was mir teuer ist, ablehnen. Ich bin zum Zionismus gekommen, weil er mir als ein Teil der Lösung der Menschheitsfrage und als die Lösung der Judenfrage erschien. Ich möchte alle Juden daran beteiligen. Darum habe ich vor fünf Jahren betont, daß ich für die Erweiterung der Jewish Agency eintrete. Diesen Standpunkt kann ich auch nicht aufgeben, und so ist für mich die Entscheidung zwischen meiner zionistischen Pflicht und meiner Auffassung von dem Berichte außerordentlich schwer. Ich möchte am Schluß noch einmal die positiven und negativen Seiten der ganzen Agency-Frage einander gegenüberstellen. Ich verstehe gewiß nichts von Politik, aber eins ist mir sicher: 1. Wir müssen größere Geldmittel bekommen, denn das Land und die Menschen können nicht warten. Andererseits sind uns große Teile des Judentums, die in erster Linie für den Aufbau des Landes in Frage gekommen wären, wirtschaftlich verloren gegangen, so die Judenheit in Rußland und in Polen. So konzentriert sich unsere Sammeltätigkeit ausschließlich auf Amerika und Mitteleuropa. Von Mitteleuropa haben wir nicht viel zu erwarten, und ich fürchte sehr, daß wir auch aus Amerika aus zionistischen Kreisen infolge der zerrütteten Verhältnisse im dortigen Zionismus immer weniger Geld erhalten werden. So sind wir auf die Kreise, mit denen wir die erweiterte Jewish Agency machen wollen, für den Aufbau unseres Palästinas angewiesen. 2. Ich glaube ferner, daß die Zionistische Organisation um ihrer politischen Stellung willen eine gewisse Konsequenz in ihren Entscheidungen und Beschlüssen wahren muß. Wir haben nun einmal den Entschluß gefaßt, die Tore der Palästina-Bewegung weit zu öffnen, und es wäre inkonsequent, jetzt die Tore schließen zu wollen. 3. Ich habe ausgeführt, daß die jüdischen Menschen, mit denen wir jetzt verhandeln, unserer Sache noch fremd gegenüberstehen. Ich muß aber hinzufügen, daß es nicht ihre Absicht ist, unserer Sache gegenüber fremd zu bleiben. Ich würde mich hur sehr schwer dazu entschließenkönnen,den Berichtder Kommission ganz ab zu lehnen. Ich glaube vielmehr, wir müssen diesen Bericht korrigieren, und zwar in wesentlichen Punkten. Wir müssen den Mitgliedern der Kommission erklären: Ihr habt uns einen Bericht gegeben, in dem die jüdischen Gesichtspunkte den wirtschaftlichen nachgesetzt sind. Das geht nicht. Wir müssen verlangen, daß in unserem Werke die wirtschaftlichen Gesichtspunkte den ideellen subordiniert oder koordiniert werden müssen. Wir müssen zweitens den Vorschlag eines Administrations-Systems ablehnen und verlangen, daß die Arbeit in Palästina von Leuten gemacht wird, die mit dem Herzen bei der Sache sind. Unter diesen Bedingungen sollten wir den einmal begonnenen Weg weitergehen. Herr Dr. Lee K. Frankel aus New York, eines der Mitglieder der Joint Pakstine Survey Commission, weilte mehrere Tage in Berlin, wo er auch'mit Oscar Wassermann und mit Dr. Weizmann Besprechungen hatte. Auch Julius Simon, Vertreter des Palestine Economic Council (New York) weilt gegenwärtig in Berlin.

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