Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 59 (27.7.1928)
- Date
- 1928-07-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 59, 27. VII. 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 427 Achte Sitzung (Mittwoch nachmittags, 25. Juli.) Fortsetzung der Palästina-Debatte Tartakower (Hitachduth, Polen): Das Prinzip der Konsolidicrung ist an sich richtig, wurde aber wahrend des letzten Jahres überspannt, so daß es uns zum Ruin führte. Vieles, was in der Konsolidierung erreicht wurde, wurde zum Teil gegen den Willen der Exekutive erreicht. Die Einstellung der Alijah habe das Leben in Palästina zur Stagnation gebracht und ebenso die zionistische Bewegung im Galuth. Redner führt Beispiele dafür an, daß der Hechaluzbewegung und ebenso der Hachscharah nicht die genügende Aufmerksamkeit zugewendet wurde und für sie bestimmte Gelder vorenthalten wurden. Großmann (Revisionist) kritisiert, daß alle Posten des Budgets eigentlich Subsidien sind. Er erinnert, daß der Keren Hajessod eigentlich ein Kreditfonds sein sollte. Für eine genügende Landreserve wurde keine Vorsorge getroffen. Die Exckutive habe auch nicht interveniert, als die Lieber-Fabrik drohte, ihren Betrieb nach Syrien zu verlegen. Nach arabischen Berichten soll sich die Vereinigung Brith Schalom mit einem arabisehen Parlament einverstanden erklärt haben. Diese Frage gehöre nicht vor eine Privatvereinigung, sondern vor die autonomen Institutionen des Jischuw. Auch in der Frage der Grenzschutztruppe habe die Exekutive keine Schritte unternommen. Das vorhandene Budget sei vollkommen unproportioniert; cs gehe nicht an, bei £ 300000 £ 107000 für Gesundheitswesen zu veranschlagen. Dr. Hindes (Polen): Mag die Exekutive gut oder schlecht sein — darüber werden stets die Meinungen geteilt sein —, eines weiß sie: wohin sie steuert. Sie hat an ihren lieber- Zeugungen, die sie auf dem vorigen Kongreß ausgesprochen hat, festgchaltcri. Es ist wahr, das Budget ist beunruhigend, aber daran ist nicht die Exekutive schuld. Wer Geld gibt, will auch wissen, wie das Geld verwaltet wird. Daher wird das vom letzten Kongreß angenommene System mit der Zeit auch eine Erhöhung der Einnahmen bewirken, ln politischer Beziehung sei der Bericht nicht ausreichend gewesen. Sprinzak (Hapoel-Hazair, Palästina): Wie stellt sich eigentlich die Exekutive mit einem solchen Budget die Arbeit in Palästina vor? Wie soll so der Uebergang zur Konsolidierung erfolgen? Redner bespricht dann einzelne Posten des Budgets und erklärt, daß man mit den dafür ausgeworfenen Befragen überhaupt nichts anfangen könne. Die jetzige Exekutive sei eine Frucht der in Basel begangenen Sünde. Zu den früheren Exekutiven, mögen sie beliebt oder unbeliebt gewesen sein, pflegten wenigstens die Leute mit ihren Sorgen zu kommen. Bei der jetzigen ist nicht einmal dies mehr der Fall. Ben Gurion (Achduth Awoda): Der Glaube an unser Palästina-Werk ist durch die neue Exekutive nicht gestärkt worden. Die Verhältnisse in Amerika zeigen den Niedergang der Bewegung. Als die Not besonders groß war, erklärte die Palästina-Exekutive der Regierung, daß sie nicht weiter könne, gab also ein Zugeständnis ihres Bankerottes und wollte, daß die Arbeitslosenfürsorge von der Regierung übernommen werde. Erst der Protest der ganzen jüdischen Welt, auch der Londoner Exekutive, brachte die Palästina-Exekutive von ihrem Vorhaben ab. Als die Arbeiter ihren Plan zur Behebung der Arbeitslosigkeit vorlegten, erklärte ihn die Exekutive für phantastisch und sagte, es gebe keinen Ausweg, kein Geld und keine Hoffnung. Erfreulich ist, daß trotz dieser Exekutive und ihrer Hoffnungslosigkeit die Arbeiter einen Ausweg zur Behebung der Arbeitslosigkeit gefunden haben. Die dauernden Behauptungen von der Unwirtschaftliclikeit des Arbeiterwerkes und der Arbeiterinstitutionen haben in großem Maße die Zerstörung der Organisation verursacht. Rabelski (Amerika) weist darauf hin, daß auch die Juden in Amerika jetzt eine Krise durchmaclren, lange nicht mehr, so reich sind wie vor einigen Jahren. Auf den Rückgang der dortigen Eingänge wirkten vor allem die schlechten Nachrichten aus Palästina. Das Galuth wünscht günstige Nachrichten und nicht Meldungen von schlechter Lage. Nicht Lipsky habe die Nachrichten über die Mißwirtschaft der Arbeiter verbreitet, ln Amerika wurden gleichzeitig zahlreiche Campaigns für Palästinazwecke durchgeführt, und diese haben die Eingänge des United Palestine Appeal sehr beeinträchtigt. Die innerzionistischen Differenzen in Amerika sind durchaus nicht an dem Rückgang der Eingänge schuld. Nötig ist eine Verbesserung der Einwanderungsbestimmungen in Palästina, da diese Schwierigkeiten außerordentlich ungünstig auf die Stimmung im Galuth zuriiekwirken. Dr. Mossinsohn (Palästina): Wenn vielleicht im Galuth noch manche Gruppe an die Exekutive glaube, so gebe es in Palästina sicherlich niemanden mehr, der diesen Glauben habe. Er wirft der Exekutive vor, daß sie nirgends jüdische Autonomie geschützt habe, sie habe sie vielmehr sehr oft untergraben, trotz ihres oft guten Willens in vielen Dingen. Er wende sich weiter gegen die Berufung eines Leiters des Waad Hachinuch aus Amerika. Man sagte, daß bei Wahl dieser Exekutive auch größere Mittel eingellen werden. Dem war aber nicht so. Wenn es so weiter bleibt, werden wir aus Amerika auch £ 180 000 nicht erhalten. Wir sägen selbst den Ast ab, auf dem wir sitzen. Neben aller Wirtschaftlichkeit muß man auch etwas für die Seele haben und ein Programm, das hinreißt. Mereminsky (Achduth Awoda): Nicht nur die jetzige Exekutive, sondern auch schon die früheren haben durch ihre Gerüchte über die Arbeiterwirtschaft in Palästina das Vertrauen in unser Werk untergraben. Die Exekutive hat nichts getan, um das Verbleiben der jüdischen Arbeiter in den Privatko'onien zu fördern. Wenn dieser Posten im Budget gestrichen wurde, so handelt es sich hierbei um Verletzung eines zentralen zionistischcn!Interesses. Es se! nichts geschehen, um eine Linderung der grausamen Einwanderungsverordnungen herbeizuführen, die den Siedlern nicht gestatten, ihre nächsten Verwandten nach Palästina zu bringen. Auch der Kongreßbeschluß über die Geldbewilligung für Hachscharahzwecke sei nicht ausgeführt worden. Damit ist die Palästina-Debatte geschlossen. Dr. Ruppin gibt als Antwort auf Grossmanns Interpellation eine kurze Erklärung über den Brith Schalom ab. Der Brith Schalom habe den Arabern keine Erklärungen über die Haltung der Juden zur Frage des Parlamentes abgegeben. Es habe nur eine Besprechung zwischen einigen Mitgliedern des Brith Schalom und einigen Arabern stattgefunden. Aber die Mitglieder der Vereinigung sind der Ansicht, daß wir Juden, die überall in der Welt Vorkämpfer der Demokratie sind, nicht gegen dieses Prinzip sein dürften, wenn es sich vermeintlich gegen uns kehrt. Wir müssen einen Weg suchen, um bei Sicherung aller gerechten jüdischen Forderungen doch die Möglichkeit der stufenweisen Einführung der Selbstverwaltung in Palästina zu erörtern, da die Entwicklung in dieser Richtung drängt, die Regierung mit den Arabern darüber verhandelt und es völlig sinnlos ist, wenn wir Vogel Strauß-Politik treiben. Ich bin nicht der Ansicht, daß der Brith Schalom Erklärungen abgeben kann, denn er kann nicht ei-en Wechsel unterschreiben, den der ganze Jischuw einlösen soll. Die Stellungnahme ist Sache der Zionistischen Organisation und des Waad Leumi. Aber für uns alle gilt, daß wir uns an den fragen unseres Zusammenlebens mit dem arabischen Volke nicht weiter herumdrücken dürfen. Wir müssen zwei Tatsachen erkennen, erstens daß die Araber in Palästina bleiben werden, und zweitens, daß wir unser jüdisches Nationalheim nur in friedlichem Zusammenleben mit ihnen und unter gerechter Anerkennung auch ihrer nationalen Bestrebungen aufbauen können. Wir wünschen keinen chauvinistischen Nationalismus, wie er leider auch in manchen jüdischen Kreisen herrscht, sondern einen ethischen Nationalismus, der sich selbst durchsetzt, aber auch das gleiche Recht des andern auf seine nationalen Güter anerkennt. Der Brith Schalom will diese entscheidend wichtigen Fragen einer Klärung näherbringen. Sadiers Antwort Sacher: Zwei Tage lang haben die Kritiker der Palästina- Exekutive alle möglichen Beschuldigungen und Vorwürfe gegen die Palästina-Exekutive gerichtet. Es zeigt sich, daß die Vertreter der Linken das in Basel gegebene Versprechen, uns eine fair chance zu geben, nicht gehalten haben. Die Palästina- Exekutive wurde sofort nach ihrer Ankunft in Palästina mit einer Flut des Mißtrauens und einer organisierten Abwehrkampagne empfangen, bevor sie noch Gelegenheit gehabt hat, das geringste zu tun. Besonders gegen mich persönlich hat man sogar Demonstrationen veranstaltet. Die Arbeiterpartei hat zwei verschiedene Gesichter, das eine in meinem Bürozimmer und das andere draußen zu den Anhängern. Im Zimmer erwies sich ihre Mitarbeit oft als sehr nützlich. Ich sage offen, es wäre unmöglich gewesen, mit der Arbeitslosigkeit ohne die Mithilfe der Arbeiter fertig zu werden. Aber zugleich ließ diese keinen Tag vergehen, ohne mich anzugreifen. Sie vergiften so ihre eigenen Leute und machen es uns unmöglich, gute Be- Ziehungen mit dem Jischuw zu haben. Sprinzak war es leicht, uns liier anzugreifen, nachdem wir sein Erbe angetreten haben. Wir hatten doch gar keine Möglichkeit der Arbeit, da die vorhergehende Exekutive unser Geld bereits ausgegeben hatte. Es wurde hier erklärt, die Arbeitslosigkeit wäre gegen unseren Willen behoben worden. Man mußte diese Legende erfinden, weil doch die Arbeiterparteien ein politisches Unglück getroffen hat: Sie hatten prophezeit, drei Monate Arbeit der neuen Exekutive würden zum Zusammenbruch führen. Wenn Sic die jetzige Lage in Palästina betrachten, so werden Sie begreifen, daß diese Legende geschaffen werden mußte. Ziehen Sie, weiche Schlüsse Sie nur wollen — Tatsache ist, daß eine Besserung vorhanden ist und auch weiter sein wird. Da muß die Opposition jetzt sagen, diese Besserung sei trotz unserer Arbeit erfolgt. Wir rühmen uns keineswegs unserer Erfolge, wir kleben nicht an unseren Sesseln. Schaffen Sie im A.-C. eine Majorität gegen uns, und wir ziehen uns zurück. Man wirft uns vor, wir hätten die Einwanderung nicht gcfördert, nicht den Handel und die Industrie usw. J.i, haben Sie uns hierzu die Mittel gegeben? Wenn das KongrcRbudget auch ganz aufgebracht worden wäre, auch dann hätten die Mittel hierfür nicht ausgereicht. Wir haben uns streng an das Kongreßbudget gehalten. Wenn wir in der Frage der Jewish Agency verhandeln sollen, so dürfen Sie das Vertrauen in der Exekutive nicht untergraben. Wir sagen nicht, daß das vorgesehlagcne Budget gut sei, es ist ein 's c h 1 e c h t e s Budget; aber wir sagen, daß bei einem solchen Budget die vorgescnlagcne Verteilung die beste sei. Niemand hat eine bessere Verteilung vorgeschlagen. Haben Sie Courage und stürzen Sie die Exekutive, aber tun Sie nicht dasselbe wie bisher, die Exekutive auf ihrem Platz zu lassen und sie dann zu beschimpfen. Redner geht sodann auf die einzelnen vorgebrachten Beschwcrden ein. Supraski erwähnte den Fall Manor. Dafür, daß Leute aus Polen Geld verloren haben, trifft uns keine Verantwortung. Wir hätten trotzdem die geforderten Schritte getan, wenn den Leuten damit wirklich geholfen worden wäre. Eine dureligefiihrte Untersuchung hat aber ergeben, daß dies nicht der Fall ist. Wegen der Lieber-Fabrik hat die Exekutive bei der Palästina-Regierung interveniert, die bereit war, den Einfuhrzoll auf Schokolade zu erhöhen, aber nicht den Einfuhrzoll auf Zucker zu ermäßigen. Die Sache bietet Schwierigkeiten, weil kein System für diese Zollsachen vorhanden ist. Die Regierung hat jetzt ein Komitee zur Prüfung der Zollfragen eingesetzt. Man soll auch gegen die Regierung gerecht sein und ziigcbetr, daß im letzten Jahre eine bedeutende Besserung im Handels- und Zollwesen erfolgt ist. Das Budget für Erziehungswesen wurde vom Kongreß festgesetzt, und ich hatte mich danach zu richten. Hilfe wurde uns fast von keiner Seite gewährt. Das A.-C. würde irren, wenn es glaubte, daß die hier gehaltenen Reden im Namen des ganzen Jischuw gehalten worden sind. Viele dort sind anderer Ansicht, aber diese kommen nicht ins A.-C. und zum Kongreß. — Was die Frage Oroßmanns wegen Landreserve betrifft, so steht es noch nicht fest, wieviel Böden uns in Beisan zur Verfügung stehen werden. Die Regierung führt eine Landvermessung durch, die erst nach Jahren fertig sein wird, und erst dann werden wir klarer sehen. Die Arbeiterschaft ist am besten informiert und am besten organisiert, sie hilft auch uns bei unserer Arbeit im Lande, aber wir haben auch auf andere Kreise Rücksicht zu nehmen, die nicht so gut organisiert sind. Die Schwierigkeiten, die der Exekutive bereitet werden, stammen daher, weil sic einen Platz einnimmt, auf den andere Anspruch erheben, und nicht aus dem, was sie tat und tut. Das Verbrechen der Exekutive besteht in ihrer Existenz. Wir haben nichts Heroisches geschaffen, aber unsere Pflicht voll erfüllt. Wir haben alles getan, um den Jischuw vor dem Albdruck der Arbeitslosigkeit zu befreien. Seien Sie jetzt offen, und haben Sie Mut, so übernehmen Sie unseren Platz! Schluß der Sitzung 6,45 Uhr. Die Arbeit der politischen Kommission Die J. T. A. teilt mit: Die vom Aktions-Comitcc eingesetzte politische Kommission tagte die ganze Nacht von Dienstag zu Mittwoch, ohne ihre Arbeiten zu einem Abschluß gebracht zu haben. Die Bemühungen, die Fraktionen Hitachduth und Poale Zion für eine Einheitsresoiution zum Agency-Bericht zu gewinnen, die dann von allen, mit Ausnahme der Fraktionen der Radikalen und Revisionisten, dem Plenum des Aktions- Comitees Initte vorgelcgt werden können, sind gescheitert. Die Mehrheit wird eine Resolution vorschlagen, über deren einzelne Punkte separat abgestimmt werden wird, wobei die Minderheitsgruppen zwischendurch ihre Voten zutu Antrag bringen werden. Mit großer Mehrheit angenommen wurde der erste Abschnitt der Resolution, der den Dank und die Anerkennung des Aktion $-C omitees ausspricht für die großen Bemühungen der Joint Palestine Survey Commission, die Lage Palästinas zu erforschen, für ihre Feststellung, daß in Palästina das jüdische Nationalheim aufgebaut werden kann sowie für ihren bekundeten ernsten Willen zur Mitarbeit an diesem Aufbau. Die weiteren Teile der Resolution schließen sich an die vom 14. und 15. Zionistenkongreß als Voraussetzungen für die Erweiterung der Jewish Agency festgelegten Punkte, wie a) ständige Vergrößerung der Ein- Wanderung, b) Anerkennung des Keren Kajemeth als Instrument der Bodenpolitik, c) landwirtschaftliche Kolonisation auf der Basis der jüdischen Arbeit, d) hebräische Sprache und Kultur. Auf Antrag des Hitachdutlivertreters wurde noch ein fünfter Punkt festgelegt, nämlich Freiheit der Sicdlungsform. Diese Bestimmung schließt in sich die Anerkennung der Kwuzah als Sicdlungsform ein. Eine Resolution betreffend den Vorschlag der Exekutive, dem kommenden Kongreß eine Revidierung seines Beschlusses bezüglich eines dreijährigen Provisoriums der Agency zu empfehlen, wurde noch nicht formuliert. Die viel umstrittene Frage der Einsetzung eines provisorischen Ageney-Comitees zwecks Organisierung der großen Agency und zwecks unmittelbaren Beginns der Zusammenarbeit in Palästina wird nicht mehr erörtert, da auch Dr. Weizmann sie fallen gelassen hat. Aus der Generaldebatte Wir geben nachstehend aus der Generaldebatte die Reden von B 1 u m e n f e I d und Ruppin, deren Auszug bereits in dem Bericht unserer vorigen Nummer enthalten war, ausführlich wieder. BlumenfeMs Rede in der A.- C.« Sitzung am 22. Juli 1928 Ich bitte Sie, in einem Augenblick, in dem das A.-C. entscheidende Beschlüsse zu fassen hat, die gegenwärtige Situation richtig zu bewerten. Unser politisches Prestige gegenüber der Welt bedarf mehr denn je der Stärkung. Wir sprechen von einer Völkerbundanleihc. Der arabische Kongreß in Palästina zeigte eine geeinte arabische Front, ein wichtiges Ereignis, das im Bericht der Exekutive hätte gewürdigt werden sollen. Es zeigten sich Möglichkeiten der Verhandlung mit den Arabern, die vielleicht zu einer Einigung führen können. Wir vermissen eine aktive Politik der Exekutive auf diesem Gebiet, aber vor allem müssen auch wir einig sein, stark auftreteti und daran denken, so schnell wie möglich vollendete Tatsachen im Lande zu schaffen. Auch die Antizionisten versuchen sich international ־zu organisieren. Unser Prestige und die Möglichkeit unseres Vorwiirtsschreitens im Galuth hängt vom Gelingen unseres Palästinawerkes ab. Es ist ein Irrtum zu glauben, daß wir unabhängig von den Realitäten in Erez-lsracl eine ־zionistische Bewegung entwickeln können. Das gegenwärtige Tempo unserer Arbeit bringt uns der Verwirklichung unserer Hoffnungen, der Verwirklichung des Baseler Programms nicht wesentlich näher. Es ist merkwürdig, daß gerade die Mensehen, die am liebsten unsere Politik so führen möchten als ob wir heute schon die Mehrheit in Erez-lsracl wären, nicht verstehen, daß unser Jischuw zum Wachsen eine wirtschaftlieh gesunde und gesicherte Grundlage braucht. Die Schaffung dieser Grundlage ist das wichtigste Ziel unserer Palästinaarbeit aus politischen und aus nationale» Gründen, und aus Gründen der Entwicklung und Verbesserung der Zionistischen Organisation. Wir wollen Bundesgenossen für die Aufbauarbeit. Man darf vielleicht daran erinnern, daß z. B. Jabotinskv im Kampf gegen die Exekutive einmal gern den Satz Mazzinis zitierte: ״Ich werde Italien aufbaueil, auch wenn ich mich mit dem Teufel verbünden müßte.‘‘ Der Aufbau des Jüdischen Nationallicims ist unser Ziel. Wir wissen, daß die Zukunft des Zionismus davon abhängt, daß dies Werk gelingt. Die Bewegung war und ist das lnstruiVient, um das Gdingen des Werkes zu ermöglichen. Eine weitere Erkenntnis: Wir müssen unsere eigenen Kräfte richtig abschätzen. Es ist Pflicht und Recht der Bewegung, sich Rechenschaft abzulegen, wie stark sie ist und gerade der, der alles für die Sache, die er liebt, cinsetzt, muß sich fragen, über welche eigenen Machtmittel er verfügt. Denn auch für den stärksten Willen gibt es eine Grenze der Wirkung. Gegenüber dem großen Werk müssen wir naturgemäß immer die Unzulänglichkeit der uns direkt unterstellten Mittel feststellen. Ich wußte das schon vor der Balfour-Deklaration. Gerade aus Zionismus, lim der Bewegung neue Möglichkeiten zu eröffnen, müssen wir andere Kreise hcranzichen. Sonst bleiben wir in der Kleinkolonil sation stecken, kommen über •Chowewezionismus nicht hinaus. Wollen wir aber wachsen und weiterbauen, dfinn brauchen wir die Erweiterung der Jewish Agency. Wir brauchen Hilfe, und gute und dauernde Helfer können nur Bundesgenossen sein. Wir haben mit einer begrenzten Zeit zu rechnen und selbst eine geglückte Agcncypolitik wird nur bei Anspannung aller zionistischen Energien den schnell wachsenden Bediirfnissen Ercz-Israels gerecht werden. Nach der ausgezeichneten Rede Ruppins ist zum Bericht der Kommission nicht mehr viel zu sagen. Nur zwei Anmerktmgen: Der Bericht als politisches Faktum ist ein außerordentlicher Erfolg. Es ist ein Verschulden der Exekutive, daß der Bericht hier nicht auch hebräisch und deutsch vorliegt. Warum man nur die strittigsten Teile veröffentücht hat, kann ich nicht verstehen. Im Bericht sind unsere zionistischen Forderungen anerkannt worde^; Nicht- Zionisten, die noch nie in dieser Form Stellung genommen haben, bezeugen den ernsten Willen, am Aufbau des Jewish National Home mitzuarbeiten. Diese Nichtzionisten wollen sich organisiert mit uns verbünden und das ist ein großer Erfolg und eine große Chance, ein großes politisches Ereignis; es ist auch propagandistisch von Wichtigkeit. Es kommt nur darauf an, wie wir uns zu diesem Ereignis stellen. Es scheint aber das besondere Geschick der Zionistischen Organisation zu sein, sich selbst ohne Not Niederlagen zu bereiten, indem jeder politische Erfolg durch selbstquälerisehe Kritik in den eigenen Reiben entwertet wird. Was den wirtschaftlichen Teil betrifft, so ist der Bericht von Ruppin bereits kritisiert worden. Ich schließe mich seiner Kritik an. Der Bericht ist ein Gutachten, nicht etwa ein Ultimatum; für uns selbst dann nicht, wenn er von dem einen oder anderen Unterzeichner so gemeint wäre. Ich würde diesen Bericht nicht einmal diskutieren, wenn er ein Ultimatum an die Zionistische Organisation wäre. Er ist aber nicht als solches gedacht, sondern als ein ernst zu nehmendes Gutachten von Menschen, die nicht Zionisten sind. Welche Naivität, nicht bei den Gegnern der Agency, wohl aber bei Anhängern der Agcncypolitik, ־zu glauben, der Report würde uns etwas Neues oder gar zionisti sch Wesentliches bringen. Es ist ein Bericht von Nichtzionisten, der für Nichtzionisten außerordentlich positiv ist. Ich halte diesen Bericht daher für interessant und als erstes Dokument dieser Art für wertvoll. Und nun ist die Frage, wie wir beschließen wollen. Wir werden den Weg gehen, den die englische Föderation gegangen ist, die in dem Report ausgedrückte Bereitwilligkeit zur Kooperation begrüßen und unsere Bemerkungen zum wirtschaftlichen Teil machen. Ferner sollte ein Gutachten des A.-C. als Direktive für die Zionistische Organisation und ihre Repräsentanten herausgegeben werden. An dieser Stelle ein Wort tfer Kritik an die eigenen Freunde. Wir sollen uns nicht in eine falsche Position drängen lassen. Ich finde, daß der Abschnitt des Reports über die Kwuzah!!!!gediegen ist. Ich finde auch, es muß deutlich erklärt werden, daß über soziale Lebensformen kein Urteil gefällt werden darf. Bei dieser Gelegenheit muß aber gesagt werden, daß viele unserer Chawerim auf der Linken die Schuld daran tragen, daß in unseren eigenen Reihen eine Kritik 1. B. über die Kwuzah als Wirtschafte-