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Jüdische Rundschau · 1928-07-27 · Heft 59 (27.7.1928) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 59 (27.7.1928)
Date
1928-07-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 420 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 59, 27. VII. 1928 mit dem zionistischen Empfinden überein. Die amerikanischen Zionisten sind gezwungen, vor die Massen mit Oeldfordcrungen zu treten, ohne ihnen hierfür viel geben zu können. Sie halten einen großen Teil der Front, und jedes zweite Jahr auf dem Kongreß verlangen die Palästinenser von der ameri* kanischen Delegation Geld und wiederum Geld. Seit 1921 versuchen wir, dies Geld zu bekommen und mußten dabei zahlreiche Kompromisse schließen und auch Erniedrigungen erdulden, aber mehr von Zionisten und solchen, die sich Zionisten nennen, als seitens der Nichtzionisten oder des Berichtes der Kommission. Wer die Verhältnisse in Amerika kennt, weiß, daß dort die Geldaufbringung nicht leicht ist. Auch unsere Arbeitervertreter konnten sich überzeugen, daß die Psychologie des Arbeiters in Amerika eine andere ist als die in Europa. Der eigentliche Beginn der Agency liege schon im Keren Hajessod. Wir glaubten, daß wer Geld für Palästina gibt, daß der mit der Zeit auch zum Zionisten würde. Lipsky liest einzelne Abschnitte des Berichtes vor, die beweisen, daß dem A.-C. nichts aufgezwungen werden soll. Er will nur für die Agency eine Basis zu weiteren Ver- Handlungen sein. Es sei zweifellos, daß die Leute von einem starken Trieb zur Mitarbeit in Palästina beseelt sind. Wenn einzelne Fassungen als Angriff auf den K. K. L. aufgefaßt werden, so sei keineswegs an etwas Derartiges gedacht worden. Man wollte nur etwas wie die P. L. D. C. schaffen. — Die Beschlüsse wurden von Partnern gefaßt, die zu ernster Mitarbeit mit der Zionistischen Organisation entschlossen sind und uns so die Möglichkeiten zur weiteren großen Arbeit und Propaganda geben. Eine Ablehnung der Sache wäre ein Verbrechen. Weizmanns Schlußrede Dr. Weizmann erklärt, er werde nur zur Frage Jewish Agency sprechen. Man hat mir Defaitismus vorgeworfen. Ich bin in Amerika im vordersten Schützengraben gestanden. Diese Arbeit ist ein offenes Kapitel, das jeder nachlesen kann, und wohl niemand kann mir Defaitismus vorwerfen. Die heutige Debatte hat in der Geschichte der Bewegung nur ein einziges Analogon. 1919 traten in London die Reste einer erschütterten Organisation zusammen. Wir hatten dort damals eine aus sich selbst entstandene Exekutive, die ein von ihr nach fünf Jahren mühevoller Arbeit ausgearbeitetes Memorandum vorlegte. Die zionistischen Delegierten versammelten sich damals in London, um die Ergebnisse unserer Arbeit zu behandeln. Auch damals zerpflückte man unsere Vorschlage, und auch damals wurde Ihrem Führer der Ehrentitel des Verräters beigelegt. Es scheint dies das Los eines jiidisehen Führers zu sein. Seit 30 Jahren sucht unsere Organisation neue Kreise heranzuziehen, indem sie einmal die anderen in sich aufzunehmen suchte und auf der anderen Seite denen, die man nicht aufnehmen konnte, eine Brücke zu schlagen versuchte. In ersterer Hinsicht habe ich wohl ziemliche Oewinne zu verzeichnen. Viele (einschließlich z. EL Lo«d Melchett) sind meine Opfer geworden. Es gibt jedoch Kreise, die man nicht hineinbekommen konnte. Sehr oft versuchten wir, eine Brücke zu ihnen zu schlagen, und oft ist meine Person die Brücke gewesen, eine Brücke ist aber wohl dazu da, um getreten zu werden. Den Herren von der Linken möchte ich sagen: Ich lujbe in meinem Leben sehr viele Kompromisse geschlossen, nur damit Sie die Reinheit Ihrer Gesinnung bewahren können. An Aspiranten für die Exekutive fehlt es nicht. Für mich wäre es eine seelische und körperliche Befreiung, wenn ich von den heiligen Ketten endlich befreit würde. Ich spreche vielleicht als der unabhängigste Mensch in diesem Saale, fast wie von jenseits des Grabes. Wenn ich die Agency- Politik mit solcher Beständigkeit vertreten habe, so geschah es, weil ich von einer heiligen Unruhe gepeitscht wurde. Und ich bewundere diejenigen, die hierüber Witze reißen oder sich mit einer Phrase darüber hinwegsetzen oder mit einer pharisäischen Formel in diesem Moment über die ganze Frage hinweggleiten wollen. Es geht zwar nicht um das Ganze, nicht um Zionismus und Zionistische Organisation, jedoch um fünf oder sechs Jahre Fortschritt oder Stagnation, und letzteres können wir uns nicht leisten. Denjenigen, die über Massen sprechen und glauben, ihre Hand an dem Puls der Massen zu halten, denen wage ich zu sagen, daß die Massen Sie zerfleischen werden, wenn Sie diese Sache ablchncn. Sie werden es nicht wagen können, zu den Massen von Ablehnung zu sprechen. Ich habe an den Beratungen der Kommission teilgenommen, und meine Situation war nicht immer sehr angenehm. Ich möchte den Bericht nicht zu dem meinigen machen. Ich habe versucht, die Diskussion der Kommission soweit zu beeinflussen, wie es meine zionistische Gesinnung mir vorschrieb. Ich versuchte, die Diskussion in den Hauptpunkten zionistisch zu korrigieren. Ich teile die Meinung, daß in wesentlichen Punkten an dem Bericht in seiner jetzigen Fassung' manches aus zusetze 11 ist. Der Bericht ist das Ergebnis der Berichte von Sachverständigen. Ich glaube, daß man recht daran getan hat, die Sachverständigen vorher nicht zu instruieren. Die Experten sollten ihren Weg allein finden, und wir sollten nicht versuchen, sie in irgendeiner Form zu beeinflussen. Ich wußte ganz genau, daß die Experten unsere Imponderabilien nicht verstehen wurden. Das war auch nicht anders zu erwarten, da doch die Mehrzahl von ihnen nicht Zionisten und nicht einmal Juden waren. Ich habe den Bericht niemals als ״Ultimatum“ aufgefaßt, und niemand außer einigen Mitgliedern des A.-C. hat diese Auffassung. Ich habe mich auch sehr gewundert und zum Teil gekränkt gefühlt, als ich die Beschlüsse der Achduth Haawodah las, die auf Grund telegraphischer Mitteilungen angenommen wurden, Beschlüsse, die man faßte, ohne sich mit demjenigen, den man so ״lieb hat“, dem man jahrelang vertraute, zu verständigen oder wenigstens eine Verständigung mit ihm zu suchen. Die Herren hatten es diesmal fabelhaft eilig und haben sich durch ihren Beschluß selbst den Weg versperrt. Die Kritik läuft auf drei oder vier!,unkte zusammen. Der Hauptpunkt ist nach meiner Meinung, vom Standpunkt des A.-C. aus gesehen, die Frage des K. K. L. Möglicherweise kann die Fassung als eine Abweichung von den an die Exekutive erteilten Instruktionen gedeutet werden. Daß keine andere Fassung gewählt wurde, ist meine Schuld. Ich habe mir Mühe gegeben, eine klare Fassung zu finden, und habe auch diese Frage mit Dr. Ruppin besprochen. Wir wußten aber im Augenblick keine klarere Fassung zu finden und glaubten auch nicht einen Augenblick, daß hierin eine Verletzung unserer Instruktionen vorliegen könnte. Vielleicht ist auch die irrige Meinung nur dadurch entstanden, daß in dem sogenannten Budget des Berichtes der Verhältnismäßig hohe Betrag von .C MO 000 für die Bodenreserve genannt wird, der in einem falschen Verhältnis zu den gegenwärtigen Einkünften des K. K. L. steht. Dies kam aber aus folgenden Erwägungen: Wenn man an eine Kolonisation auf lange Sicht herantritt, ist es notwendig, Boden zur Verfügung zu haben. Der K• K, L. arbeitet nicht rasch genug, und daher glaubten wir, auch aus den Mitteln des Keren Hajessod Boden als Reserve kaufen zu müssen. Auch dieser Boden soll für die Chaluz-Kolonisation verwandt werden. Wie kann man also von einer Verletzung der Kongreßbcschlüssc sprechen? Auch im Laufe der Verhandlungen über die Anleihe hat sich herausgestellt, daß es gut wäre, Land zu haben, das wir verpfänden könnten, oder wenigstens schon gewisse Einkünfte, einen geringen Anfang einer Rückzahlung unserer Investierungen. Schon eine Verzinsung von 2 0״ 1 ,<״, ja sogar '4 0'״ würde genügen. Wir erklärten bei den Anleihcverhandlungcn, daß wir noch keine Sicherheiten geben können, daß wir aber Kolonien hätten, die einige Jahre alt sind und schon beginnen, Erträge abzuwerfen. Wenn unsere Kolonien infolge des Fehlens der Rückzahlungen noch keine Sicherheit für eine Anleihe in sich trugen, glaubten wir, daß eine durch kein Statut gefesselte Landreserve von Nutzen sein könnte. Niemals jedoch wurde an die Möglichkeit *gedacht, daß die Böden dieser Landreserve jemals in nichtjüdische Hände übergehen könnten. Man wirft auch vor, daß die anderen nicht genug mitbringen. Als ob eine Million mehr prinzipielle Bedenken zerstreuen könnte! Der Kommission lag das Projekt der Schaffung eines großen Fonds von etwa 10 Millionen Pfund vor, da man der Meinung war, daß man Kolonisation auf lange Sicht nur dann machen könne, wenn man das Geld hat. Man kam aber später zu der Ueberzeugung, daß es noch zu früh sei für einen solchen Fonds, und daß man damit noch ein oder zwei Jahre warten wolle. So kam das Budget von einer Million Pfund zustande. Dieses Budget bedeutet nicht bares Geld, sondern es erfordert noch schwere Arbeit, dieses Geld aufzubringen. Nun sagen wir,׳wir bringen in die neue Partnerschaft 700 000 Pfund ein. Sie haben aber doch diesen Betrag gar nicht. Gewiß, die Juden haben das Geld für Palästina, aber es ist unsäglich schwer, es aus ihnen herauszuliolen. Dazu gehört apostolische Hingabe, und ich sehe diese Apostel im Zionismus nicht. Man hat ferner ״Selbstarbeit“ mit ״jüdischer Arbeit“ verwechselt. Ich sage ganz offen, daß, wenn ich nur den leisesten Zweifel an der Geltung des Prinzips der jüdischen Arbeit bei unseren Partnern gehabt hätte, daß ich dann bei diesem Punkte die Verhandlungen abgebrochen hätte. Wenn dieses Prinzip mit dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit einmal kollidieren sollte, so wird bei unseren Partnern das Prinzip der jüdischen Arbeit den Sieg davontragen. Alles, was ich Ihnen gesagt habe, dürfte klargemaclit haben, daß, wenn man nur irgendwie unvoreingenommen ist, von einer Verletzung" zionistischer Prinzipien nicht geredet werden kann. Nun wirft man mir noch eine gewisse Taktik vor beim Einbringen der vorgcschlagenen Resolutionen. Gerade mir wird doch vorgeworfen, daß ich kein Taktiker hin. Ich persönlich glaube nicht an Formeln. Ich glaube an das Leben und die Entwicklung des zionistischen Lebens. Die vorgeschlagencn Resolutionen habe ich erst in Paris gelesen, bevor ich nach Berlin fuhr. Ich sagte bald meinen Kollegen in der Exekutive, daß ich das Provisorium ablchnen würde, wenn es die Agency verstellen sollte. Ich will die Agency, will sic klar und schnell. Der Punkt des Provisoriums ist für uns unwichtig. Wichtig dagegen sind die anderen Punkte, weil sie Grundbedingungen enthalten. Es gibt nämlich in dem Bericht der Kommission auch einige Punkte, die nicht grundsätzlich geändert werden können. Es gilt, ihn in den Hauptpunkten anzunehmen oder abzulehnen. Die Exekutive wird sich mit einer zweifelhaften Mehrheit nicht begnügen. Auf unseren Kongressen war es üblich, daß man sich selbst die Reinheit seiner Gesinnung erhielt und anderen die Verantwortung überließ. Im jetzigen Moment können wir dieser Praxis nicht mehr folgen. Auf der einen Seite stellt die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit Gruppen von Menschen, die uns, gewiß unter Schwierigkeiten und Gefahren, weite Horizonte eröffnen. Auf der anderen Seite steht Ihre vermeintliche politische Reinheit, die mit Inzucht verbunden ist, mit der Forderung: Nur keinen anderen! Sie glauben, wir seien zu schwach, und so haben Sie vor unserer eigenen Fifty Angst. Wenn Sie Angst haben, lehnen Sie das ganze Projekt der Agency ab. Aengstlichc Leute sind keine Partner. Es ist ein schwerer Weg, den wir zu gehen haben. Aber der andere Weg führt zu Stagnation, und ich glaube, die Welt, die jüdische und nichtjüdische, würde uns nicht verstehen. Nichts kann die Tatsache aus der Welt schaffen, daß Männer, denen wir seit Jahren nachgegangen sind, stolz nachgcgangen, ^ber nachgegangen, jetzt zu uns kommen wollen. Ich habe mich nie vor Magnaten gebeugt, nehme aber auch nicht von jemandem Geld, um hinterher auf ihn zu schimpfen. Bisher’war die Praxis so, daß man mich regelmäßig, wenn Schwierigkeiten entstanden, zu den Mclchetts und den anderen schickte, direkt oder telegraphisch, um ihre Hilfe zu erbitten. Und jetzt wollen wir hier unser Mütchen an diesen Herren kühlen. Es gehört kein großer Mut dazu, Menschen anzugreifen, die sich hier nicht verteidigen können. Auf der anderen Seite aber stehen große neue Möglichkeiten. Die Agency wird nicht für Marshall und Genessen gemacht, sondern ist eine Vereinigung der Juden für die Juden. Diese Vereinigung muß mit Würde und Energie angestrebt werden. Ich halte den Beschluß, daß die Agency nur für drei Jahre gemacht werden soll, für etwas, das uns im Wege stehen wird. Wir werden versuchen, unsere Partner zu einer Revision zu veranlassen. Wenn dies nicht gelingt, werden wir beim Kongreß beantragen, eine Revision dieses Punktes vorzunehmen. Sie stehen vor einer folgenschweren Entscheidung. Diese Entscheidung kann mit Würde getroffen werden und kann im Vertrauen auf unsere eigene Kraft die Verwirklichung einer großen Sache bedeuten. Man kann sie aber auch selbst klein machen. Sie werden sich hoffentlich nur von sachliehen Erwägungen leiten lassen, und ich zweifle nicht daran, daß, wenn jeder sich mit seinem eigenen Gewissen berät, der richtige Entschluß gefaßt werden wird. Es ist dies vielleicht mein letzter Appell, mein letztes Wort an die Organisation und Bewegung, auf die niemand in diesem Saale ein Monopol hat, und für die ich soviel geleistet habe, wie nur irgend jemand in diesem Saal. Hier stehe ich im Lichte der Anklage meines Verrates, stehe hier im Stolze auf meine Vergangenheit und meine Zukunft zu dieser Sache. Schluß der Sitzung 12 Uhr nachts. Montag tagen nur die Kommissionen. Siebente Sitzung (Dienstag nachm., den 24. Juli 1928.) Budget-Debatte Dienstag vormittag fiel die angesagte Plenarsitzung aus, um den Kommissionen die Möglichkeit zu weiteren Beratungen zu geben. Auf der Nachmittagssitzung begann die Debatte über den Bericht der Exekutive über die Palästina- Arbeit und das vorgeschlagene Budget. Rabbi Berlin (Misrachi): Das vorgelegte Budget beweist, wie groß unser Niedergang ist. Wir sollten nicht uns selbst und andere täuschen, sondern klar erklären, diese Aufgaben können von uns erfüllt werden, und jene nicht, weil wir für alle nicht genügend Mittel haben. Vielleicht würde man dann für einzelne Aufgaben Sonderfonds schaffen. Für Alijah muß Geld vorhanden sein. Man solle daher die ausgesetzten kleinen Beträge für verschiedene Posten streichen, da mit ihnen ohnehin nichts anzufangen ist, und offen erklären, daß für diese Zweige nichts getan werden kann. Vielleicht sollen wir uns auf Einwanderung und Kolonisation bcschränken, während für das Erziehungswesen besonders gesorgt wird, oder vielleicht einen besonderen Fonds für Einwanderung schaffen. Supraski (Palästina) meint, daß man auf dem Baseler Kongreß Konsolidierung gewünscht hat, es wurde aber daraus eine Liquidation. Die städtische Kolonisation sei nicht gefördert worden. Durch Nichtgewährung der rechtzeitigen Hilfe wurden viele Leute gezwungen, auszuwandern, die sonst noch hättet^ bleiben können. Twersky (Hapocl-Hazai’r, Palästina) erklärt, daß man der in Basel gewählten Exekutive fair play gegeben habe, Beweis hierfür sei die Mithilfe der Arbeiterorganisation bei Behebung der Arbeitslosigkeit. Das vorgclcgte Budget beweise, daß wir für einige Jahre noch auf jede neue Kolonisation verzichten. Er erkenne die Schwierigkeiten der Lage, und in einem solchen Jahre solle man wohl keine neuen Schulden machen, müsse aber darauf verzichten, alte Schulden abzuzahlen. Wenn die Exekutive noch für ein Jahr die Chance fordert, dann soll sie ein Budget vorlegen, in dem die Bezahlung der alten Schulden für später verschoben wird. Hartzfeld (Achduth Awoda, Palästina) schildert die schwierigen Zeiten, die der Jischuw in Palästina im abgelaufeneil Jahre zu erdulden hatte. Keiner von den Mitgliedern des A.-C. und vielleicht auch von den Mitgliedern der Exekutive sei sich voll bewußt, welche Opfer die Arhciterschaft auf sich genommen hat. Diese wollen in Palästina nicht Lebensunterhalt gewinnen oder gar zu einem Eigenbesitz kommen, sondern ihre Opferwilligkeit beruht auf dem Wunsch, dort zu schaffen und zu bauen. Und dies wurde unmöglich gemacht. Er lehnt das vorgelegte Budget "als zu niedrig ab und sagt daher der Exekutive einen Kampf bis aufs Aeußerste an. Bileski (Deutschland) beginnt seine Rede mit einem Dank an die Exekutive. Er erklärt, man vergesse allzusehr, unter welchen Bedingungen die Exekutive die Arbeit übernommen habe. Sie hat viel zur Besserung der Lage beigetragen und hat die, die sie gewählt haben, durchaus nicht enttäuscht. Wir haben uns vom Prinzip leiten lassen, daß die kolonisatorische Arbeit den vorhandenen Mitteln angcpaßt sein muß. Der Kongreß war in seiner Majorität dieser Ansicht, und wir halten an dieser Ansicht fest. Der jetzige Zustand ist nicht eine Folge des letzten Jahres, sondern der Wirtschaft der früheren Jahre, aus der wir allmählich herauskommen. Dies ist der Sinn der Sache, .und nicht ein sadistischer Wunsch nach Liquidation. Die Alijah, ohne die es keinen Aufbau gebe, werde erst möglich werden, wenn unsere Wirtschaft im Lande in Ordnung ist. Wir machten diese Politik, weil wir den Fortschritt und das Wachstum des Nationalheimes wollen. Ueberstürzte Einwanderung aber führt nur zu Auswanderung. Schapiro (Poclhamisrachi) lehnt das vorgeschlagene Budget ab. Schuld daran sei der Geist, den die in Basel gewählte Exekutive in die Palästina-Arbeit hineingetragen hat. Er beklagt sich über das Unrecht an dem auf dem Boden Scheich Abreik angesiedelten Hapoei Hamisrachi. Die Exekutive rechne nicht mit der Meinung des Jischuw. Selbst zur Leitung des Erziehungswesens mußte erst ein Amerikaner berufen werden, der wohl kaum Verständnis für das Misrachi- Schulwerk habe. Dizengoff (Palästina) beantragt, ähnlich wie Rabbi Berlin, die Streichung aller kleinen Posten. Wir wollen unsere Mittel nicht verzetteln. Der Felder sei, daß dem Budget kein Programm zugrunde liege. Farchy (Bulgarien) bedauert, daß keiner darüber gesprochen hat, wie die Mittel zu vergrößern sind. So lange das Budget vom freien Willen der einzelnen Juden abhängt, werden wir uns stets in so schwieriger Lage befinden. Wir müssen das Budget nach den vorhandenen Mitteln machen, und nicht nach den Bedürfnissen des Landes. Man müßte mit neuen Losungen kommen, so vor allem mit der der Eroberung der Gemeinden, die dann, ebenso wie in Bulgarien, auch das Geld für den Keren Hajessod bewilligen werden. Grünbaum (Radikale) erklärt, daß das Budget vollständig unsystematisch aufgestellt worden ist. Die Unantastbarkeit der Hadassah müsse aufhören. Trotz Verkleinerung des Budgets blieben die administrativen Spesen gleich hoch. Bezüglich der vorgesehenen Einnahmen wünscht er genaue Angaben über die voraussichtlichen Einnahmen des United Palcstine Appeal und die Verteilung dieser Gelder. Die Amerikaner sollen offen erklären, ob der Zionismus in Amerika wirklich so schwach sei, daß man sich mit solch geringen Beträgen begnügen müsse. Man stelle kleine Anforderungen in Amerika, dies hemme die Begeisterung und sei auch der Grund, daß dort so wenig eingeht. Dr. Ruppin erklärt in einer persönlichen Bemerkung seine Ansichten über die Prinzipien der Bodenpolitik. Solange die Mittel des Keren Kajemeth nicht ausreienen, alien zum Verkauf stehenden Boden zu erwerben, haben auch private Bodenkäufe ihre Berechtigung, insbesondere in der Pflanzungszone. Anläßlich des sechsten Jahrestages der Ratifizierung des Mandates in England und des achtzigsten Geburtstages Lord B a I f o u r s beschließt das A.-C. unter stürmischem Beifall die Absendung eines Glückwunschtelegramms an Lord Baifour.

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