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Jüdische Rundschau · 1928-07-27 · Heft 59 (27.7.1928) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 59 (27.7.1928)
Date
1928-07-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 59, 27. VII. 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 425 Die Berliner Sitzung Schleppender Fortgang RW, Berlin, 26. Juli. In dieser Woche wird die A.-C,*Tagung durch zwei offizielle Ruhetage unterbrochen, denn außer dem Sabbat bleibt auch der Donnerstag, der neunte Ab, sitzungsfrei. Vielleicht wird der Oedanke an die großen historischen Katastrophen unseres Volkes, denen die Erinnerung dieses Tages gilt, dazu beitragen, die Tagesarbeit der zionistischen Bewegung in das Licht größerer Perspektiven zu rücken. Das jüdische Volk hat die Zerstörung des Tempels und die Vertreibung aus seinem Lande niemals verwunden; aber es lebte weiter und schöpfte neue Kraft auch aus diesem Unglück. Der nationale Wille, die Entschlossenheit zum Wiederaufbau des Verlorenen, die Gewißheit der jüdischen Sendung und der endlichen Erfüllung, diese Gefühle, die in der Stunde des Unterganges erwachten und durch die Jahr* hunderte loderten, sie halten uns auch heute noch zusammen und sind die heimlichen Wurzeln allen unseren Tuns, auch unserer Kämpfe, Irrtümer und Fehler, unseres Eiferns und Klagens. Wer im A.-C. am Vorabend des Tischo*be-Ab manche Reden über einen an sich so trockenen Gegenstand wie das Palästina-Budget gehört hat, der konnte, wenn er sich für den Beratungsgegenstand selbst auch keine Förderung durch diese leidenschaftlichen Ergüsse versprach, begreifen, wie sehr im Zionismus die Zerrissenheit und das Leid des Volkes um seinen Ausdruck ringt. Die Pause des neunten Ab findet die Verhandlungen des A.-C. bei jenem toten Punkt, den wir aus der Tradition der Nachkriegskongresse bereits kennen. Es geht dabei nicht so sehr um sachliche Differenzen, als um Gefühlsmomente, die man vielleicht kurz als Vertrauensfragen charakterisieren kann. Immer wieder entsteht bei diesen Begegnungen zwischen Leitung und Vertretern der Bewegung jene eigentümliche Spannung, die daraus erklärlich ist״ daß die Leitung im Bewußtsein, in schwierigster Situation das Schiff durch die Klippen gesteuert zu haben und neue Wege zu zeigen, vor das Organ der Bewegung tritt, während das A.-C., gewissermaßen unbeschwert durch praktische Erfahrung, ideale Forderungen sich zu vertreten berufen fühlt. Die Leitung weiß, daß in der praktischen Durchführung der Sache Kompromisse unvermeidlich sind und daß diese im Grunde große zionistische Erfolge sind, weil die Wirkung der zionistischen Komponente in diesem Kräftespiel ausschlaggebend ist. Das A.-C. hingegen möchte von der alten zionistischen Tradition, die freilich mehr ideologischer und doktrinärer, als praktischer Natur ist, nichts preisgeben und gebärdet sich als der Hüter zionistischer Prinzipien gegenüber dem Führer, auf den dadurch ein Schatten des Mißtrauens fällt. Diese — wenn man so sagen darf — soziologische Situation führt zu begreiflichen psychologischen Komplikationen, und die Schwierigkeiten einer praktischen Lösung wachsen proportional mit der Unfähigkeit der beteiligten Faktoren, sich über diese nun einmal gegebene Struktur- Tatsache hinwegzusetzen, die wenn auch unangenehmen Tat- Sachen ins KalkÖl einzustellen und den Weg zü gehen, der im Interesse der Sache, die als Höchstes über diesem Getriebe steht, erforderlich ist. Nur wer frei von Menschlichkeiten ist, dürfte hier den ersten Stein werfen. Man kann im Augenblick nicht prophezeien, wie eine Entwirrung der Lage erfolgen soll. Durch die Haltung des A.-C. irritiert, fordert Weizmann eine klare Entscheidung in der Frage der Jewish Agency und eine vertrauensvolle Direktive für die weiteren Verhandlungen. Solange er nur mit internen Faktoren zu tun hatte, sagt Weizmann, konnte er sich mit Zweideutigkeiten abfinden. Wenn er jedoch in eine fremde Welt hinaustreten soll, neue, mit unseren Praktiken nicht vertraute Kreise für positive Arbeit gewinnen soll, dann muß er fühlen, daß die Bewegung hinter ihm steht. Ohne diese Stärkung weigert er sich weiterzuarbeiten. Diese — wie wir glauben, berechtigte — Forderung, wird aber in der Praxis dadurch kompliziert, daß durch die großen Ungeschicklichkeiten bei Veröffentlichung des Agencv-Berichtes eine Verwirrung entstanden ist in bezug auf den Inhalt der künftigen Jewish Agency-Arbeit. Die Exekutive müßte unseres Erachtens anerkennen, daß auch auf ihrer Seite bei der Durchführung der Expertise und bei Behandlung des Berichtes Fehler geschehen sind, die nun gemeinsam korrigiert werden müssen. Die Exekutive hätte die Initiative ergreifen sollen, diese Gemeinsamkeit der Bemühungen zum Ausdruck zu bringen, statt den Gegensatz zwischen Exekutive und A.-C. zu forcieren. In Wirklichkeit hat die Exekutive einen Schritt in dieser Richtung gemacht, indem sie selbst Resolutionen einbrachte, aber das A.-C. hat diese Wendung nicht nach Gebühr gewürdigt. Alle diese Ereignisse sind gar nicht rationell zu beurteilen, sondern erklären sich einerseits durch Affekte, andererseits durch die unglückselige politische Verstrickung der Fraktionen, die ihre Politik auf die Wirkung nach außen einstellen müssen. Statt die Situation mit klarem Blick zu überschauen, die Alternativen zu prüfen und die Bedürfnisse Erez-Israels zur Leitlinie zu nehmen, sieht das A.-C. die Welt wieder einmal durch die Brille von Resolutionen. Die Ausarbeitung von Formeln, die scharfsinnigen Zuspitzungen eines Wortes und die schlauen Versuche der Opposition, jede Formel noch zu verschlechtern und dadurch die parlamentarische Lage zu beeinflussen, füllen Stunden um Stunden. Es ist begreiflich, daß man bei einer solchen Arbeit leicht vergißt, daß das Leben über allzu klug ausgedachte Resolutionen hinweggehen dürfte. Dies alles liegt im Wesen des eigentümlichen parlamentarischen Betriebes, dessen Verbindung mit der Realität auch bei anderen Völkern nicht immer gelingt. In der Frage der Resolution über die Jewish Agency hat sich eine Meinungs- Verschiedenheit zwischen der Kommission und der Exekutive gebildet. Entscheidend sind dabei weniger einzelne Worte, als die Gesamtstimmung. Niemand wird verstehen, daß die Bewegung in eine fürchterliche Krise hineingetrieben wird, weil die Exekutive ein Wort als unannehmbar bezeichnet, oder weil die Kommission ein anderes Wort ablehnt, zumal wenn diese beiden Worte praktisch so ziemlich dasselbe besagen und die Differenz höchstens eine gefühlsmäßige ist. In solchen Verhandlungen werden leicht einzelne Worte zu Symbolen, und es wird eine Bedeutung hineingeheimnißt, die sie nicht haben. Man will eben künstlich ein Schibbolet schaffen. Alles kommt darauf an, daß in den nächsten Tagen das A.-C. und die Exekutive die Kraft finden, sich von dieser Wort-Psychose zu befreien. Für einen objektiven Betrachter ist es unzweifelhaft, daß bei gutem Willen eine Einigungsformel gefunden werden kann. Im gegenwärtigen Augenblick ist aber durchaus auch mit der anderen Möglichkeit zu rechnen, die zum Rücktritt der Exekutive führt. Diese Annahme wird besonders verstärkt durch den scharfen Kampf gegen die Palästina-Exekutive. Dieser Kampf ist keine Ueberraschung, er war angekündigt und war zu erwarten. Aber im Zusammenhang der ganzen Sitzung hat man den Eindruck, als ob auch der Kampf gegen die Agency wenigstens teilweise zurückgehe auf die Gegnerschaft gegen die Palästina-Exekutive. Man will diese von zwei Fronten angreifen; und während es noch sehr Zweifelhaft ist, ob die Mehrheit der Kontraredner wirklich den Sturz Weizmanns will, so scheint es unzweifelhaft, daß eine breite Front auf den Sturz Sachers hinarbeitet. Es ist im wesentliehen eine Wiederholung der Gruppierung des Baseler Kongresses. Die Palästina-Debatte selbst hatte kein sehr hohes parlamentarisches Niveau. Statt sachlicher Reden und einer auf Tatsachen gestützten Opposition, die einer Körperschaft wie das A.-C. würdig wären, hörte man viele leidenschaftliehe Volksversammlungsreden, deren Inhalt längst bekannt ist. Auch wer gegen die Haltung der Palästina-Exekutive in vielen Fragen Wesentliches einzuwenden hat, kann diese Art der Oppositionsreden nicht als sehr fruchtbar empfinden. Auch kann man nicht gerade sagen, daß diese verworrenen Reden die Redner als besonders geeignete Administratoren empfehlen. Die Debatte umfaßte zwei Problemkomplexe: erstens die Tätigkeit der Palästina-Exekutive, zweitens das neue Budget. Bei der Kritik der Palästina-Exekutive wurden weniger einzelne falsche Handlungen angegriffen, als vielmehr die Prinzipien, auf denen die Tätigkeit der Exekutive beruhte. Das war vom Standpunkt der Opposition unklug, denn da zieht der Kritiker den Kürzeren, dessen eigene Prinzipien jeder Zuhörer als unhaltbar erkennt. Denn sie bestehen in der Proklamation reiner Wünsche, die jeder Zionist teilt, aber ohne jede Darlegung der praktischen Durchführbarkeit. Nur auf diese kommt es aber an innerhalb des A.-C., wo die stille Präsumption gelten muß, daß alle gleich gute Zionisten sind und man nicht Zionismus zu predigen braucht. Die vielleicht unangenehme, aber unbarmherzige Tatsache, daß das Ausmaß und die Art der Tätigkeit der Palästina-Exekutive in unlöslicher Verbindung steht mit der Höhe der Keren Hajessod-Einnahmen, wird oft einfach ignoriert. Wer sich aber nicht aus den eigenen Reden Scheuklappen für seine Augen baut, muß auch erkennen, daß hier die Brücke zum Gedanken der erweiterten Agency führt und daß es sinnlos ist, für vergrößerte Alijah einzutreten, ohne den leisesten Anhaltspunkt zur Vergrößerung der•; Mittet zu geben. Herr Sacher hatte es nicht schwer, in einer recht schneidigen Rede seinen Kritikern zu erwidern. Er warf der Linken vor, sie habe der Exekutive nicht fair play gegeben. Es ist begreiflich, daß Sacher, durch die beispiellose Kampagne gegen ihn erbittert, die Gelegenheit zur Abrechnung benützt. Aber auch in seinen Worten liegt ein entscheidender Widerspruch. Denn er selbst hat eindrucksvoll geschildert, daß die Arbeiterorganisation der Exekutive bei ihrer praktischen Arbeit wertvolle Dienste geleistet hat, und daß ohne Mithilfe der Arbeitervertreter viele Aufgaben gar nicht zu lösen gewesen wären. Damit hat er selbst die Möglichkeit einer Kooperation bestätigt, und er ist wohl geschulter Politiker genug, um einzusehen, daß die vollen Vorteile einer derartigen Kooperation nur durch politische Koalition gesichert werden könnten. Es liegt eben im Wesen unserer Organe, daß sie zugleich Verwaltungsbehörden und politische Körperschaften sind. Ist einmal die politische Kampfansage erfolgt, dann darf man sich doch nicht wundern, wenn der Kampf in der politischen Sphäre auch konsequent weitergeführt wird, ungeachtet der notwendigen Zusammenarbeit in der praktischen Verwaltung. Auch Sacher hielt sich in seiner Rede an Allgemeinheiten, ohne auf die einzelnen der Exekutive angekreideten Tatsachen einzugehen. Seine Rede hat die Situation wohl eher verschärft als erleichtert, was auch seine Absicht gewesen zu sein scheint. Das vorgeschlagene Palästina-Budget geht von einer Schätzung der Einnahmen aus, die für die außeramerikanischen Länder ebenso wie im Vorjahr einen Betrag von £ 240 000 vorsieht, während die Vereinigten Staaten diesmal nur mit einer Einnahme von £ 180 000 veranschlagt werden. Dazu kommt noch eine Schätzung von zirka £ ICO 000 für die Hadassah, die auf Grund der Ent- Wicklung der amerikanischen Dinge aus dem United Palestine Appeal auszutreten beabsichtigt. Diese Einnahmenschätzung macht eine Herabsetzung des Budgets gegenüber dem Vorjahr notwendig, zumal sogar noch mit einem Defizit infolge des Ausbleibens eines wesentlichen Teiles der präHminiertcn amerikanischen Einnahmen für 5688 zu rechnen ist. Miß Szold hat in Aussicht gestellt, daß eine Reorganisation des Gesundheitswesens eine Kürzung dieses meist angegriffenen Budgetpostens möglich machen wird. Die Frauen- Organisation Hadassah soll auch bewogen werden, außer dem Gesundheitswesen noch für andere Arbeitszweige oder Anstalten die finanzielle Verantwortung zu übernehmen. Miß Szold bemüht sich auch sehr um eine Rettung des Erziehungsetats. Die Budgetkommission hat keine leichte Aufgabe, wenn sie dieses kleine Budget aufbauen soll. Schon an der Hand dieses Budgets wird klar, daß unser Problem nicht in der Verteilung der erwarteten ungenügenden Summe, sondern in der schleunigen Vergrößerung der Einnahmen liegt. Diese Vergrößerung aber hängt vielleicht von der Agency ab, sicher aber vom Zustand der zionistisehen Bewegung. Es sollten also alle Kräfte zusammengerafft werden, um noch in letzter Stunde zu bewirken, daß die zionistische Bewegung groß und stark, innerlich gefestigt und mit Selbstvertrauen aus dieser kritischen A.-C.-Sitzung hervorgeht. des A.-C. (Offizielles Bulletin.) Sechste Sitzung (Sonntag abend, 22. Juli) Die Antwort der Exekutive Die Sitzung wird von Motzkin um 9,15 Uhr eröffnet. Das A.-C. beschließt, an Pineies in Galatz, den alten Vorkämpfer des Zionismus, anläßlich seines 85. Geburtstages ein Glückwunschtelegramm zu senden. Es folgen die Ant- Worten der Exekutive. Sokolow erklärt, aus dem Gang der Debatte sine ira et studio ein Fazit ziehen zu wollen. In allen Reden war der große Ernst des Momentes zu fühlen. Niemanden sind die Grundprinzipien des Keren Kajemcth heiliger als ihm, aber niemand habe je daran gedacht, irgendwie den K. K. L. schädigen zu wollen. Im Gegenteil, man beabsichtigt und erhofft eine Stärkung und nicht eine Schwächung des K. K. L, Der Vorwurf des mangelnden Selbstvertrauens, den man den Mitgliedern der Exekutive gemacht hat, müsse zurückgewiesen werden. Die vielen Reisen der Mitglieder der Exekutive in die vordersten Schützengräben der verschiedensten Länder sind der beste Beweis für das große Selbstvertrauen. Selbstverständlich biete jede Verbindung mit anderen auch Gefahren. Die von den Gegnern so vielfach betonten Gefahrmomentc bezogen sich auf verschiedene Gebiete. P o 1 i - tisch fürchtete man, daß unsere neuen Kompagnons unsere Forderungen gegenüber der Mandatarmacht nicht mit der gehörigen Festigkeit vertreten werden. Der Bericht hat uns vom Gegenteil überzeugt. Die zweite Befürchtung bezog sich auf die nationale Kultur. Er zweifele nicht, daß hier die Arbeit in Palästina auf alle einwirke, wie wir es auch bei der Alliance und Mikwch Israel und jetzt auch bei der Universität sehen. Ein drittes Problem ist die soziale Frage. Er persönlich ziehe die Kwuzah dem Moschaw vor, aber niemand könne behaupten, daß die Kwuzah ein wesentlicher Bestandteil des zionistischen Programms ist. Wir vergessen, daß die Gefahr bestand, die Experten könnten auch ein ganz negatives Urteil abgeben. Hat sich doch vor 20 Jahren ein solcher Fall ereignet. Wir würdigen nicht genügend den Umstand, daß von ihnen der Aufbau Palästinas bejaht worden ist. Der vierte Punkt bezieht sich auf Wirtschaftlichkeit. Diese ist es, die wir von den anderen erwartet und verlangt haben, und nicht eine Stärkung unserer seelischen Stimmungen, für die wir wahrlich allein genügend sorgen. Redner schildert dann die große Wirtschaftliehe Autorität, cÄe Mond in England in allen Kreisen genießt, sowohl bei den Anhängern als auch den Gegnern seiner Anschaumigen. Es ist eines der zionistischen Wunder, daß dieser Mann nicht nur als Sachverständiger sich zur Verfügung gestellt hat, sondern auch mit Enthusiasmus bei der Sache ist. Er hat jetzt den Vorsitz der englischen zionistischen Föderation übernommen. Ich denke noch an Zeiten, ruft Redner ^us, wo Herzl ga!#, anderen Leuten nacMaufep mußte, als es heute Lord Melehett ist. Wir selbst tun nichts anderes als uns kleinmachen, und wir sind viel stärker, als wir selbst es glauben. Selbstverständlich ,ist weder der Bericht der Kommission noch die von der Exekutive vorgeschlagenen Resolutionen als unabänderlich zu betrachten. Ueber eventuelle Aendcrungen wird in der Kommission gesprachen werden. Aber der Abschluß der Vereinbarungen muß in Harmonie und Würde erfolgen, sonst verkleinern wir selbst unseren Erfolg. Harry Sacher will nicht auf die an der Palästina-Exekutive für ihre Tätigkeit in Palästina geübte Kritik erwidern und nur über die Frage der Jewish Agency sprechen. Wir haben jetzt die Pflicht zur absoluten Ehrlichkeit und Offenheit. Man vermengt hier zwei Dinge, das Für und Gegen bezüglich der Agency mit dem Für und Gegen bezüglich des Berichtes. Letzteres wird als Vorwand für Ersteres gebraucht. Das geht nicht an. Bisher konnte man bei den Abstimmungen sich leichter entschließen, weil es sich nur um die theoretische Frage handelte, jetzt sind wir aber von der Theorie zur Praxis übergegangen, und da heißt es klar Stellung nehmen. Er selbst habe bis zu seinem Eintritt in die Exekutive zu dieser Frage keine Stellung genommen, jetzt aber müsse er erklären, daß er durchaus dafür sei. Es wäre nicht nur ein Fehler, sondern ein Verbrechen, dagegen zu stimmen, ln den Reden wurde zum Teil auch auf die Tatsache hingewiesen, daß viele Teile des Berichtes sich mit seinen Anschauungen decken, und angedeutet, daß e r für Verschiedenes im Bericht verantwortlich sei. Er erkläre, daß daran kein wahres Wort sei, und daß er mit dem Bericht nichts zu tun hatte. Es sei falsch, die Doktrin zu vertreten, als ob die Kommission selbst ihren Bericht als unabänderlich und heilig betrachten würde. Der Bericht ist in Eile geschrieben. Weder bezüglich des Inhalts noch der Form sei der Bericht ein künstlerisches Werk. Er ist nur ein roher Entwurf, und die Kommission betrachte ihn nicht als ihr letztes Wort. Die Exekutive hat den Bericht weder geschrieben noch unterschrieben. Wenn die Exekutive jetzt Verhandlungen über den Bericht wünsche, so bedeute dies aber auch nicht, daß man alles ändern wolle und könne. Der Bericht hat zweifellos auch sehr viele nützliche Bemerkungen. Man könne dafür oder dagegen stimmen, müsse es aber in voller Offenheit und Verantwortung tun. Man dürfe keine Situation schaffen wie in Basel, nämlich sich der Stimme enthalten und den anderen die Verantwortung überlassen. Es gibt jetzt nur ein Dafür oder Dagegen. Die Stunde verlangt den Mut, die Verantwortung offen zu übernehmen. Die Exekutive ist sich dieser Verantwortung vollauf bewußt und wird aus dem Ausfall der Abstimmung die Konsequenzen ziehen. Die Exekutive steht und fällt mit der Agency. Louis Lipsky erklärt, die Zionistische Organisation Amerikas sei aus der letzten Convention stärker hervorgegangen als sie früher war. Die Amerikaner sind an die Prüfung des Berichtes nüchtern herangetreten und sind sich der vollen Würde der Zionistischen Organisation bewußt. Er habe von der in Form und Inhalt klassischen Rede Ussischkins einen starken Eindruck empfangen, aber die Praxis des zionistischen Lebens stimme leider nicht immer

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