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Jüdische Rundschau · 1928-07-20 · Heft 57 (20.7.1928) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 57 (20.7.1928)
Date
1928-07-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 412 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 57, 20. VH. 1928 einen offenbaren Angriff auf die Selbständigkeit der organisierfen Arbeiterschaft, sie zeigen kein Verständnis für die Notwendigkeiten der Einwanderung und für die unverrückbaren (}rundsätze der Kolonisationsarbeit. Andererseits bringe die Kommission weder einen klaren Arbeitsplan, noch übernehme sie irgendwelche konkreten Verpflichtungen. Die Beschlüsse dieser Kommission seien der Ausdruck der reaktionären Kräfte, die in- und außerhalb des Judentums gegen die Arbeiterschaft tätig sind, ״Achduth Awodah“ wird zusammen mit dem gesamten Poale Zion-Verbände gegen die Annahme dieses Berichtes sowie gegen diese Agency mit aller Kraft kämpfen. ״Achduih Awodah‘‘ bejahe nach wie vor den Gedanken der Erweiterung der für den Palästina-Aufbau tätigen Kräfte, verlange aber nachdrücklich die Wahrung des Volkscharakters der Agency und die demokratische Grundlage ihrer Zusammensetzung. Erklärangen Rabbi Meir Berlins Der Präsident der Weltorganisation Misrachi Rabbi Meir Berlin ist ans Jerusalem in Berlin zur Teilnahme an den Sitzungen des zionistischen Aktions-Comitccs cingetroffeu. Von dein J. T. A.-Vertreter über seine Stellungnahme zu dem Bericht der Joint Palesfine Survev Commission befragt, erwiderte Rabbi Meir Berlin: Eine offizielle Stellungnahme des Misrachi zu diesem Bericht ist nicht erfolgt; ich kann nur meine persönliche Ansicht und die einiger bekannter Misrachisten zum Ausdruck bringen. Der Misrachi hat niemals eine große Begeisterung für die Idee der erweiterten jewish Agency an den Tag gelegt. Jedoch hat der Misrachi die Zionistische Organisation in der Jewish Agency- Frage loyal unterstützt, von dem Gedanken ausgehend, daß niemand ein Recht hat, Hilfe für Palästina, von wo sic immer kommen mag, zurückzuweisen. Der Bericht der Joint Palcstine Survey Commission hat natürlich auch im Misrachi-Lager große Enttäuschung hervorgerufen. In dem Bericht ist kein Wort gesagt über die Grundidee des Palästina-Aufbaus, der nicht nur eine Sache der materiellen Hilfe, sondern vor allem des jüdischen Volkes, des tiefen jüdischen Gefühls ist. Was das Kapitel über Land kauf anbetrifft, so hat Misrachi von jeher den Standpunkt vertreten, daß die Privatinitiative einer der wichtigsten Faktoren des Aufbaus ist, wir haben darum immer die Unterstützung von Privat- Unternehmungen im Bodenkauf tmd in der sonstigen Wirtschaft befürwortet. Es ist jedoch zu erwägen, ob nicht öffentliche Geldsammlungen für den Ankauf von Boden zu Privatbesitzzwecken der Grundidee des Keren Kajeineth Abbruch tun würden. In der Frage der Kwuzot h hat Misrachi immer einen gegnerischen Standpunkt eingenommen. Doch ist es auch hier fraglich, ob die Verurteilung dieser Siedlungsform im Bausch und Bogen der richtige Weg ist, ob man Leuten, die sich für Palästina opfern, vorschreiben dürfe, wie sie ihre Lebensform gestalten sollen, ob es nicht sehr ratsam gewesen wäre, gemeinschaftlich zu verhandeln und dann Entschlüsse zu fassen. Es ist klar, schloß Rabbi Meir Berlin, daß der Bericht der Joint Palestine Survey Commission von dem Aktions-Comitce der Zionistischen Organisation nicht restlos und bedingungslos wird angenommen werden können. Aber bei gewissen Abänderungen und Konzessionen wird wohl der Boden für eine gegenseitige Verständigung und ein gemeinsames Arbeiten gefunden werden können. Ein Memorandum des Welt-Hechainz Das Hauptbüro des Welthechaluz (Merkas Heehahiz haolami gez. E. Dobkin) hat dem •zionistischen Aktions-Comite aus Anlaß seiner bevorstehenden Tagung in Berlin ein Memorandum überreicht, in welchem auf die Notwendigkeit einer verstärkten C_h aluzim-Alijah hingewiesen wird. In dem Memorandum wird auf den Beschluß des XV. Zionistenkongresses, eine Alijali von 1500 Chaluzim im Jahre 5688 zu ermöglichen, erinnert und festgestellt, daß die Zionistische Exekutive, die nach der Annähme dieses Beschlusses gewählt worden ist, zu dessen Durchfiihrung verpflichtet ist. Nun sind bereits zehn Monate verflössen, heißt es in dem Memorandum weiter, und wir müssen mit Schmerz und Erbitterung konstatieren, daß die Zionistische Exekutive nichts getan habe, um diesen Beschluß der höchsten Instanz der Bewegung zu verwirklichen. Es wäre eine unverzeihliche Sünde, wenn auch bei der gebesserten wirtschaftlichen Lage die Alijah-Sperre weiter dauern sollte; schon heute machen sich die schädlichen Auswirkungen dieser Sperre bemerkbar; eine Fortsetzung dieser Politik könnte uns der großen chaluzischen Reserve berauben, ln der Galuth warten jetzt über 3000 Chaluzim, die eine fachliche Ausbildung von drei bis fünf Jahren hinter sich haben, auf die Alijah. Die Fortsetzung der Sperre muß eine seelische Verheerung ins ehaluzische Lager sowie auch in die vom Chaluzimgeist gestärkte zionistische Bewegung bringen. Wir fordern von den Führern der zionistischen Bewegung eine grundsätzliche Behandlung dieser Frage und hegen die Hoffnung, daß ein Weg gefunden wird, die Zionistische Exekutive zu zwingen, den Kongreßbcschluß zu verwirklichen und in Anbetracht der gebesserten Arbeitslage im Lande 3000 sofort zur Verfügung zu stellende Chaluzim-Zertifikate zu fordern. Fein Abschnitt des Memorandums des Welthechaluz an das A.-C. ist der Frage der in Rußland ver folgten Chaluzirn gewidmet. Es heißt darin: Die Verfolgungen der Chaluzim in Rußland, die gewaltsame Liquidation der Hachscharali- Wirtschaften in der Krim, die neuen Verhaftungen und die Leiden der Verbannten in Sibirien machen ein schnelles Handeln notwendig. Die zionistische Bewegung muß endlieh die Schande ihres Indifferentismus diesen Treuesten gegenüber von sich abwälzen und den Hunderten dort schmachtenden Chaluzim eine Alijah-Möglichkeit verschaffen. Die Sowjetregierung ist bereit, ihnen die Ausreiseerlaubnis zu gewähren, es ist auch möglich, die Paßgebühren zu verbilligen, es ist auch eine ausgiebige finanzielle hülfe seitens verschiedener Institu- Honen.zu erwarten. Hauptbedingungen sind die Ausgabe von Zertifikaten und ein Zuschuß von 50 o/o der Reisespesen seitens der Zionistischen Exekutive. Wir fordern nun Zertifikate und finanzielle Hilfe für die sofortige Alijah von 4000 Chaluzim und 1 lüftiingen aus Rußland. In dem Memorandum wird zum Schluß gesagt, daß von der Erfüllung der Forderungen des Welthechaluz in einem großen Maße Geschick, Entwicklung und Zukunft der chaluzischen Generation und Bewegung abhängt. Große Keren Ha jessod-Spende in Dentschland Ein bekannter Berliner Großindustrieller, der dem Keren Hajessod i:n Januar bereits 1000,׳) M. überwiesen hat, bat in den letzten Tagen weitere 20 000 M. zur Verfügung gestellt, so daß sich sein Beitrag für dieses Jahr auf 30 000 M. beläuft. Es ist das — von dem Sonderbeitrag eines unserer zionistischen Freunde in Höhe von £ 5000 abgesehen — der größte Jahresbeitrag, den der deutsche Keren Hajessod bisher von einem Freunde des Palästina-Aufbaus bekommen hat. Bedenkliches ans dem Tel-Awiwer Stadtrat (Von unserem Korrespondenten.) AG, Tel-Awiw, 11. Juli. Die Munizipalität Tel-Awiw steht schon seit Monaten vor der Aufgabe, ihre Statuten auszuarbeiten. Bisher hat man die Frage in den Sitzungen des Stadtrats immer wieder verschoben und damit eine recht schwierige Situation geschaffen. Denn wenn die Beschlüsse über das Statut nicht zur bestimmten Zeit fertig werden, so besteht die Gefahr, daß die Regierung der Munizipalität ihr Statut vorschreibt. Damit wäre den Interessen der Stadt schlecht gedient, denn das Regierungsstatut muß notwendigerweise enger sein als das, welches die Munizipalität ausarbeiten würde. Aus den ersten Debatten im Stadtrat ist jedoch sofort klar geworden, daß die Schaffung dieses Statuts reichliche Schwierigkeiten machen wird. Es wird sehr kompliziert sein, in der Wahlordnung zum Beispiel, zu einem Einverständnis zwischen den verschiedenen Gruppen zu gelangen. Die Linke wird die Beibehaltung des bestehenden niedrigen Zensus als Grundlage für das Wahlrecht verlangen, die Rechte dagegen eine Erhöhung, wodurch die Wählerzahl beträchtlich herabgesetzt würde. Bei dem geringen politischen Verständnis innerhalb der Munizipalität, von dem wir in der letzten Zeit genügend bittere Proben zu kosten bekommen haben, und bei der Unfähigkeit, eine vernünftige Verständigung zu erzielen, muß man die Befürchtung hegen, daß bis zur Unterzeichnung des Statuts wir noch einen schweren und langen Weg vor Uns haben. Einen neuen Beweis für die anormalen Verhältn i s 9 e und Verhandlungsformen im Stadtrat lieferte der Beginn der Diskussion über die Schaffung eines neutralen Arbeit samt es bei der Munizipalität in Tel-Awiw. Die Frage steht bekanntlich seit langem auf der Tagesordnung. Nicht nur die Bürgerlichen, sondern auch ein Teil der Arbeiterkreise ist der Ansicht, daß die Zeit gekommen sei, die Arbeitsverteilung aus den Händen der Arbeiterorganisation in die einer neutralen Körperschaft übergehen zu lassen. Die Schaffung neutraler Aemter war einer der wichtigen Diskussionspunkte der bekannten Fünfzehner-Kommission, die unter dem Vorsitz Ruppins damit beschäftigt war, eine innere Arbeitsgesetzgebung für den Jischuw aufzustellen. Die Art jedoch, wie der Stadtrat von Tel-Awiw an die Lösung dieses Problems herangeht, verspricht viel Konflikte und wenig Resultate. Es wurde beschlossen, eine Kommission einzusetzen, um die Frage zu studieren. Darauf verlangte die Fraktion 4er Arbeiterorganisation 50 0,״ der Sitze in der Kommission mit der Erklärung, sich sonst nicht zu beteiligen. Die linken Poale-Zion und der Hapoel Hamisrachi, die nicht in dieser Fraktion vertreten sind, meldeten ebenfalls ihre Forderungen an. Die Rechte beschloß, den Antrag der Arbeiter- Organisation abzulehnen und man wählte eine Kommission, die aus dem bürgerlichen Block, dem Hapoel Hamisrachl und der linken Poale-Zion bestand. So entstand durch das Ultimatum der Arbeiterorganisation auf der einen Seite und die unbeugsame Haltung der Bürgerlichen auf der anderen Seite das absurde Resultat, daß in einer Kommission, die über neutrale Arbeitsämter verhandeln soll, die größte Fraktion des Stadtrats, die heute das Arbeitsamt in der Hand hat, nicht vertreten ist. Ein neuer Beweis dafür, daß ohne Commonsense und ohne die bei uns leider noch gänzlich fehlende Fähigkeit, den Parlamentarismus wirksam zu handhaben, sich die jüdische Selbstverwaltung in einem von keiner dritten Seite gestörten Bezirk selbst ztim Fiasko verurteilt. Die Tote Meer-Konzession Im englischen Unterhaus führte Colonel Howard Bury zu der Frage der Konzession zur Ausbeutung der Salze des Toten Meeres ungefähr aus: Herrn Novomeysky wurde ein Monopol zur Ausbeutung der hochwertigen Pottaschelager des Toten Meeres gewährt. Vorher noch hatte sich eine britische Gesellschaft um ein solches Monopol beworben, warum ist diese Bewerbung zurückgewiesen worden? Novomeysky kann sich nur auf eine schmale Finanzbasis stützen, die ihm noch dazu von einer deutschen Kali-Gruppe geboten wird. Besitzen doch die Deutschen seit Kriegsende das Monopol in der Kali-Produktion. Eine britische Gesellschaft erklärte sich bereit, ein bis zwei Millionen Pfund in dem Tote Meer-Geschäft zu investieren. Ist es nicht töricht, an einem solchen Angebot vorbeizugehen? Wie lange noch wird der Minister mit Herrn Novomevsky, der auf solche Garantien keineswegs hinweisen kann, die Zeit vertrödeln? Er richte an den Minister den Appell, diesem Gentleman eine Frist zu stellen, bis zu der er ausreichende Garantien zu erbringen habe. Auch solle jeder, der die Konzession erhält, sie keinem anderen abtreten dürfen. Minister Amery erwiderte, daß bis September 1927 nur zwei oder drei Gruppen, von denen keine über besondere Mittel verfügte, Angebote gemacht haben. Die Gruppe Major Tulloch und Novomeysky war diejenige, die nach Ansicht des Kolonialamtes und der Kron-Agenten das in jeder Hinsicht beste Angebot gemacht hat. Es wurde im Prinzip angenommen, Vorbehalte wurden mit Bezug auf Details und die Erbringung des Nachweises finanzieller Leistungsfähigkeit gemacht. Auf Grund eines Berichtes der Kron-Agenten vom Januar d. J. und der Korrespondenz zwischen dem High Commissioner von Palästina und Transjordanien und dem Kolonialamt wurde ein vorläufiges Abkommen getroffen. Die Regierung ist darauf bedacht, die Angelegenheit zu beschleunigen und hofft, daß in kurzem eine endgültige Regelung erreicht werde. Die Regierung ist jedenfallsyiicht willens, das im Prinzip angenommene Angebot umzustoßen. Nur wenn es nicht zu einem endgültigen Abkommen kommen sollte, würde die Angelegenheit zu nochmaliger Erwägung offen stehen. J. H. Thomas: Es wurde uns erzählt, daß der Kali- Reichtum des Toten Meeres hinreichen würde, die Nationalschuld zweimal zu tilgen. Amery: Es ist richtig, daß von grenzenlosen Reichtümern gesprochen worden ist aber wenn es zu wirklichen Taten kommen soll, so hegt die Geschäftswelt Zweifel, ob in allen diesen Erwartungen nicht auch etwas ״Totes“ sein mag. Ich habe keinerlei Beweis dafür, daß Deutschland britische Kapitalisten von diesem Unternehmen abgeschreckt habe, es existiert aber auch nicht der geringste Beweis dafür, daß hinter der Gruppe, die gegenwärtig als Konzessionär in Betracht gezogen wird, deutsches Kapital stehe. An der Tagung der Malaria-Kommission des Völkerbundes, die kürzlich in Genf stattfand, nahm der Professor der Bakteriologie an der Hebräischen Universität zu Jerusalem. Dr. Kligler, teil, der hierzu speziell eingeladen worden ist. Schwierigkeiten in Bir-Bidschan Moskau, 16. Juli. (J.T.A.) Der bekannte jüdische kommunistische Führer A. Mereschin, der zusammen mit dem Landwirtschafts-Experten Professor Bruk zwei Monate lang in Bir-Bidschan geweilt hat, erstattete in einer Sitzung der Zentralverwaltung der jüdischen Kolonisationsgesellschaft ״Ozet" einen Bericht, det in der Feststellung gipfelte, daß das Problem einer jüdischen Groß-Kolonisation in Bir-Bidschan ernster und komplizierter sei, als man anfangs angenommen hat. In den nächsten fünf Jahren, sagte er, wird man höchstens 10 000 jüdische Familien in diesem Rayon ansiedeln können, davon mindestens 2000 al« Handwerker, an denen es in der Gegend des Amur mangelt. Das gesamte Ansiedlungswerk wird in einem mäßigen Tempo geführt werden müssen. Viel anbaufähigen Boden gibt es nicht, aber ausgedehntes Sumpfland, welches erst urbar gemacht werden muß, wozu vorderhand eine Million Rubel erforderlich ist. Auch gibt es viel für Anbau nicht in Betracht kommendes Bergland. Auf dem vorhandenen trockenen Boden könnte man höchstens 25 000 Familien ansiedeln. Mit primitivem Ackergerät kann man dort wenig ausrichten; 40 Rubel kostet das Pflügen eines Land- Stücks im Ausmaß eines Ackers. ״Komzet“ und ״Ozet“ sind bereit, eine Abordnung nach Amerika zwecks Studiums der technischen Methoden der Bodenbearbeitung und der Ent- Wicklung von Reisfeldern zu entsenden. Gute Aussichten bestehen vorläufig nur für Handwerker, Heimarbeiter und Tagelöhner. Die Arbeit in den Wäldern wird gut bezahlt. ״Ozet“ wird, sagte Mereschin, die Arbeit in anderen Rayonen Sowjetrußlands unterbrechen müssen, um sich auf die Arbeit in Bir-Bidschan zu konzentrieren, die weit mehr Mittel als anfangs angenommen erfordert. Von ״Agro-Joint“, fuhr Mereschin fort, erwarten wir keine Hilfe ln Bir-Bidschan, noch weniger jetzt, wo die Marshalls und Warburgs fn ein Bündnis mit den Zionisten getreten sind. Es Ist darum nur recht und billig, daß wir ״Agro-Joint", ״Ica“ und ״Ort“ die Arbeit in allen Gegenden Rußlands überlassen und w i r uns auf Blr- Bidschan beschränken. Die Vertreter von ״Agro-Joint“, Dr. Josef Rosen und Advokat J. Grower, die dieser Sitzung von ״Ozet“ beiwohnten, stellten im Verlaufe der Aussprache fest, daß der Bericht Mereschins geeignet sei, die Hoffnungen, die man an Bir-Bidschan gestellt hat, herabzustimmen. J. Grower rechnete aus, daß laut Mereschins Bericht die Seßhaftmachung einer Familie in Bir-Bidschan mindestens 4000 Rubel kosten würde. ♦ Diese Nachricht zeigt, daß das unvorbereitet aus p o 1 i t i - sehen Motiven aufgetauchte phantastische Projekt des Juden- Staates in Ostsibirien ein politische r Bluff gewesen ist. Wir rechnen uns zu den Freunden der Bestrebungen, juden in Rußland zur Landwirtschaft überzuführen. Aber um so mehr mußte es verstimmen, wenn man sieht, daß diese gute Sache von den altbekannten antizionistischen Drahtziehern in Rußland zu politischen Manövern und für Aufwärmung der längst aufgegebenen territorialistischen Projektenmacherei mißbraucht wurde. Der Bericht, den ein kommunistisch-bundistischer Führer jetzt selbst zu erstatten genötigt ist, wird hoffentlich dazu beitragen, die Atmosphäre auch außerhalb Rußlands zu reinigen. Gegen ein Parlament in Palästina London, 15. Juli. (J.T. A.) In der gestrigen Sitzung des britischen Unterhauses hielt Colonel Wedgwood eine Rede über britische Kolonisationsprobleme im Zusammenhang mit der bevorstehenden Abstimmung über das Kolonialbudget und ersuchte den Minister für die Kolonien, sich namens der Regierung dem Hause gegenüber zu verpflichten, daß in keinem Falle dem Mandatslande Palästina eine Selbstregierung oder eine sonstige repräsentative Ordnung in irgendeiner Form gewährt werde, solange noch irgendwie Gefahr besteht, daß die j ü - di sehe Minderheit von der Mehrheit benacht c i 1 i g t wird. Vor wenigen Jahren noch, fuhr Wedgwood fort, laubte man, es sei der einzig richtige Weg, allen Teilen des eiches Selbstregierung zu gewähren. In den letzten Jahren aber ist man nach und nach zu der Ueberzeugung gekommen, daß Selbstregierung um jeden Preis keinen Fortschritt bedeutet, sondern zu einer Pseudo-Demokratie führt, die sehr gefährliche Formen der Unterdrückung des Minderheitselements annehmen kann. Man müsse darauf achten, daß alle Bevölkerungsteile im Lande des Fortschritts teilhaftig werden und ihren Anteil an Verantwortung übernehmen und tragen können, bevor es zu einer Selbstregierung kommt. Bis es soweit ist, muß man die Zügel der Kontrolle fest in den Händen behalten, damit nicht Ungerechtigkeit und Unterdrückung sich im Lande breitmachen. — Von der Regierungsbank erfolgte keine Stellungnahme zu diesen Ausführungen Wedgwoods. Zar Beamteafrage Der Geschäftsführende Ausschuß der Z. V. f. D. hat sich im Zusammenhang mit dem vor einiger Zeit in der ״Jüdischen Rundschau“ mitgeteilten Ausscheiden des Herrn Julius Berger aus seiner Tätigkeit im Keren Kajemeth mit der grundsätzlichen Frage der Stellung unserer Beamten — einer besonders wichtigen Frage unserer organisatorischen Arbeit -- beschäftigt. Herr Berger hat 24 Jahre in den Diensten der Organisation gestanden, er war zuletzt Leiter der Propagandaabteilung des Keren Kajemeth. Zu Anfang dieses Jahres machte er eine Reise nach Amerika, über deren Ausführung im Direktorium des K. K. L. Meinungsverschiedenheiten bestanden. Nachdem Herr Berger von der Reise nach Palästina zurückgekehrt war, wurde er vom Vorsitzenden des Direktoriums, Herrn Ussischkin, fristlos entlassen. Der Geschäftsführende Ausschuß beabsichtigt natürlich nicht, zu der Frage Stellung zu nehmen, ob die Reise richtig oder falsch war, und ob Herr Berger richtig oder falsch gehandelt hat. Aber das bei der Entlassung geübte Verfahren ruft auf alle Fälle schwere Bedenken hervor. Wenn wir Wert auf eine leistungsfähige und menschlich wertvolle Beamtenschaft legen, so muß es unmöglich sein, daß die Entlassung eines Beamten — insbesondere eines Beamten, der jahrzehntelang in den Diensten der Organisation gestanden hat — wegen eines vermeintlichen Dienstvergehens ausschließlich vom Ermessen des Leiters einer Institution abhängig ist. Es muß sofort eine Instanz geschaffen werden, die solche Fälle in einem geordneten Verfahren nachprüft und der auch der vorliegende Fall zur Entscheidung unterbreitet werden soll. Der Geschäftsführende Ausschuß bedauert den Mangel an Verständnis für die Notwendigkeit eines Mindestmaßes an Rechtsgarantien, die den Menschen zugebilligt werden müssen, die ihre Lebensarbeit in den Dienst des Zionismus gestellt haben. Nach kurzem Leiden verschied im Alter von 88 Jahren der hervorragende und in ganz Galizien populäre Lemberger Gemeinderabbiner Rabbi Arjc Leb B r a u d e.

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