Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 56 (17.7.1928)
- Date
- 1928-07-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 406 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 56, 17. VH. 1928 Nr. י Disraeli begegnete dem Tod mit der Ruhe, die eines Philosophen würdig ist. Mit dem Blick des Entrückten, Abgewandten betrachtete er in seinen letzten Tagen die po!itischen und gesellschaftlichen Schlachtfelder, auf denen er gekämpft hatte. Vor diesem letzten Blick, vor der letzten Prüfung zerfällt jeder Kampf in ein Nichts, in wertlose Eitelkeit, Indes der Leser, vor allem der jüdische, der hier in der Biographie Maurois’ Gelegenheit hatte, das Leben Disraelis zu betrachteil, weiß, fühlt, daß dieser Kampf ein gerechter, daß es ein Judenkampf war. In memoriam Albert Katz Von Leon Scheinhaus, Memel. Wenn ich heute eines vor etwa fünf Jahren verklärten Freundes gedenke, welcher, weilte er noch auf Erden, am 17. Juli seinen 70. Geburtstag feiern würde, geschieht es, um einen selbstlosen, hingebenden, geistigen Arbeiter in Erinnerung zu bringen, der ganz von der schwärmerischen Begeisterung seiner jungen Jahre für die Haskalah erfüllt, in der deutschen Umgebung des jüdischen Liberalismus einer der ersten war, der national jüdische Einwirkungen zu einer Zeit ausströmte, wo noch kein Zionismus war. Und so schritt er seinen eigenen Weg unverdrossen im Kampfe um die Erhaltung und Belebung des Judentums. Albert Katz wurde am 17. Juli 1558 in Lodz geboren. Die Mutter entstammte als Enkelin dem alten Rabbi Schneer- Salmon Schnee rsohn (der Raw genannt 1747—1812), dem berühmten Begründer des wissenschaftlichen Chassidismus. Frühzeitig, Albert Katz war kaum 12 Jahre alt, starb der Vater, verwaist blieb der Knabe allein im harten Kampfe des Daseins Stehen, ohne Ermutigung, ohne jegliche Protektion, und dennoch erfocht er seinen Lebenspfad aufwärts strebend, im Drange nach Lernen und Lehren. Seit dem 17. Lebensjahre begann Katz sich schriftstellerisch zu betätigen, schrieb vielfach und meisterhaft in hebräischer Sprache in Hamagid, Hazefira, Hameliz und Hakol. Im Jahre 1881 ging Albert Katz nach Berlin, wo er akade mische Fortbildung zu erreichen hoffte. In dieser großen Metropole sind ihm erst recht keine geebneten Wege zuteil geworden, er schritt aber gerade und unverzagt und brach sich mit seltener Ausdauer Bahn, im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts war Katz der ersten einer, die aus dem Osten nach Berlin kamen und als Pioniere der jüdischen Kultur in neuhebräischer Sprache manch neue kulturelle und nationale Eiemente dem deutschen Judentum zuführten. Von April 1883—1887 wirkte Katz als Prediger und Lehrer in Fürstenwalde bei Berlin und am Religionsverein ״Ohel iizehak“ in Berlin. Nach Aufgabe dieses Amtes widmete sich latz fast ausschließlich der schriftstellerischen und iournalistisehen Tätigkeit jüdischen Inhalts in deutscher Sprache. 1886 gründete Katz im Verein mit den Zionsfreunden Willy Bambus, 1. Turoff und Ferd. Wolff (Hamburg) eine Monats- Schrift ״Serubabel“ in Berlin, welche dieKolonisationPalästinas eifrig propagierte; diese Monatsschrift existierte 1bloß ly» Jahre, und Katz ging als ständiger Mitarbeiter zur ״Jüdischen Presse“ über. Besonders erwähnenswert ist das Feuilleton ״Heimgekehrt“ das die Palästinafrage behandelte und damals großes Aufsehen erregte. Dieses Organ Hirsch Hildesheimers nahm in der zionistischen Bewegung eine wohlwollende Stellung ein. Ganz besondere Erwähnung verdient seine Zugehörigkeit Zur liberalen ,;Allgemeinen Zeitung des Judentums“, für welche Katz bereits seit 1886 mitarbeitete und seit 1890 bis zur Auflösung derselben, also 32 Jahre, Mitglied der Redaktion war. In dieser erfolgreichen redaktionellen Wirksamkeit — welche seine Lebensarbeit geworden ist — bewahrheitet sich wiederum, daß die Haskalah — aus der A. K. hervorgegangen — mit jüdisch-nationalen Tendenzen durchwirkt, wohl mit dem deutschjüdischen Liberalismus Zusammengehen kann. Katz, ein Jünger der wahren Wilnaer Haskalah, vergegenwärtigte in schöner Harmonie altjüdische nationale Eigenart und moderne Aufklärung. Diese konservativ-liberale Paarung ist ein Grundzug seines Wesens und seiner vielseitigen schriftstellerischen Tätigkeit. Früher unter den Auspizien seines intimen Freundes Gustav Karpeles, später unter der Chefredaktion Ludwig Geigers, lassen die Aufsätze von A. K. neben moderner Anschauung auch einen nachhaltigen Einschlag jüdisch-nationalen Lebens und Denkens nicht verkennen. In seinem Abschiedsartikel in der letzten Nummer der alten ״A. Z. d. Jtms“, 86. Jahrgang (Nr. 9, 1922), schreibt Albert Katz: ״Und wenn ich zuweilen intuitiv scheinbar meine eigenen Wege ging, insbesondere bezüglich der die gesamte Judenheit bewegenden Palästinafra ge, die den Unwillen gewisser liberaler Kreise erregten und die konstanten Gegner des Zionsgedankens verstimmten, so umschwebte mich auch da der Geist Ludwig Philippsons, dessen Flügelschlag mich in gleicher Weise wie Gustav Karpeles berührte und mich dahin leitete. Im übrigen flaube ich, indem ich mit der alten Methode des Totschweigens er zionistischen Bewegung und ihrer politischen Erfolge gebrachen und die opferwillige Teilnahme an den Bestrebungen, Palästina als Heimstätte wieder aufzubauen, als eine heilige, sozialreligiöse Pflicht eines jeden denkenden Juden bezeichnet habe, im Sinne des größten Teiles unserer Leser gehandelt zu haben, von denen jetzt viele Männer von Namen und wahrer liberaler Gesinnung, was ich mit besonderer Genugtuung konstatiere, an der Spitze der! Keren Hajessod-Bewegung stehen.“ Aber nicht allein ein Mann der Feder war Albert Katz, er stand mit Rat und Tat manchem deutsch-jüdischen Gelehrten zur Seite, durch Hinweise auf hebräische und talmudische Quellenschriften. Hauptsächlich aber ist sein Name mit der Entstehung der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur seit 1892 unlösbar verbunden. War Gustav Karpeles der Führer, so ist Albert Katz der Mittelpunkt aller Vereine gewesen, welche überall in Deutschland die Verbreitung jüdischen Wissens bewirkten. Die Literaturvereine, um deren Existenz Albert Katz sich so sehr verdient gemacht hat, waren lange Zeit die Grundpfeiler jüdischen Lebens in Deutschland, aus deren Mitte auch die besten namhaften Zionisten hervorgingen. ״Albert Katz“, sagt Professor Elbogen, ״ist gewissermaßen ein Symbol für den Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland geworden.“ In diesem Verbände hat Katz der Redaktionskommission des Jahrbuches angehört, das unter seiner eifrigen Mitwirkung 25 Jahre erschienen war und hervorragenden literarischen Inhalt geboten hatte, aus dem die Leser Anregung und Belehrung geschöpft haben und in Zukunft schöpfen werden. AossteUnngsstreile Die Frühjahrsausstellung der Akademie dauerte noch einen Monat an, als die Sommerausstellung der Sezession bereits eröffnete und beide Ausstellungen gaben diesmal mehr als nur gutes Niveau. In der Akademie war das schönste, neben der ausgezeichneten Porträtreihe Liebermanns, von Mopp: das feinnervige Katzenporträt. Die drei Liebermann-Porträts sind wie aUe Spätbilder des Meisters großen Stils. Jede der Persönlichkeiten sind die überragende Leistung der diesmaligen Akademie. Von den Jungen hält Neuschul was er versprach. Das interessante Gemälde ״Im Cafehaus“ greift mutig in die jüngste Gegenwart der alles andere als prüden Jugend. Der Netzflicker gehört zu seinen sachlichen Bildern im graublauen Ton. Auch Jakob Steinhardt behauptet sich im Großformat. Sein ״Betriebsrat bei Göritz A.-G.“ — er tagt im Hof an einem langen braunen Tisch — zeigt die Sachlichkeit vergeistigt. Man sieht an den Gesichtern die Mühe, für die Arbeitsgenossen das Recht zu ■wahren. Großformat! Ausgezeichnet! Die jüdische Kunst vertritt diesmal allein Budko, das jüdische Thema, ein Außenseiter, der Breslauer Maler M e n s e mit seinem in Breslau früher gezeigten Doppelbildnis: ״Der Rabbiner und seine Tochter“ Budko ist wieder der versonnene Dichter. Seine Ghettojünglinge im Bethaus und ״an der Schwelle“ haben in ihren Augen Traum von Legenden und geistige Auseinandersetzungen. Bücher und Stube sind die Welt. Mense porträtiert in seinem bekannten strengen Stil den Patrizier- Rabbiner, die Hände in den Aermels des Kaftans, die Tochter aber ist der Glanz des Orients. Sonst von Interesse war nächst dem Wiedersehen mit Purrmann, einem Großen aus der Anfangszeit des Expressionismus das Bildnis Alfred Döblins, von Schlichter lebenswahr und scharf gesehen. / Ruth Morold» Bialik und das hebräische Kind. 1. M. Blaustein (Dresden) schreibt uns: Der große hebräische Dichter Bialik und sein Freund, der Gelehrte Rawnitzki spazieren auf den Straßen Tel-Awiws und unterhalten sich lebhaft über die hebräische Sprache und deren Renaissance im Munde der Palästinenser Jugend. Auf der Straße ״Merkas-baalemelacha“ tummeln sich kleine Kinder und plappern munter in der hebräischen Sprache, welche aus dem Munde der Kleinen lebendig und frisch klingt. Bialik zieht die Augenbrauen hoch und spricht zu seinem Begleiter in sehr skeptischem Tone: ״Ist das Hebräisch dieser Kleinen ihre wahrhafte Muttersprache, oder sind es nur eingedrillte Vokabeln?“ ״Das könnte man »gleich in Erfahrung bringen“, meint Rawnitzki, etwas zuversichtlicher. ״Wir wollen mal einem dieser Knirpse das Ohr langziehen und wir werden dann hören, ob er in seiner Bestürzung ,Mamme‘ (Mutter, Jiddisch) oder ,lmma‘ (Mutter, Hebräisch) ruft.“ ״Gut“, sagt Bialik und geht auf einen der kleinen Jungen und versetzt ihm eine leichte Ohrfeige. Ganz verblüfft sieht der Kleine den Angreifer an und stößt hervor: ״Chamor, lamma atta makke oti?“ (Du Esel, warum haust du mich denn?) Beschämt machten sich Dichter und Gelehrter davon. lassen zu sein, abgetrennt in einem Winkel, fern von der Gemeinschaft der Menschen. Und was war noch für Hoffnung, daß sie wartete? Ein Weinen, das laut hervorbrechen wollte und das sie mit letzter Kraft zurückhielt, verzerrte ihr Gesicht. Sie biß die Lippen zusammen. Stummer Schmerz, schmerzvolles Schweigen. Nur sie und die Großmutter. Die ganze Welt hatte sich abgeschlossen vor ihnen, den beiden vergessenen Seelen. Und dieser Alb in ihrem Herzen drängte höher und höher bis zum Halse, würgte und machte sich mit Gewalt Luft. Und Tränen strömten aus ihren Augen, heiße Tränen, die alles vor ihr trübten, und ein Seufzer brach plötzlich aus ihrem Munde, der die Beherrschung, die Luna vor der Alten angenommen hatte, damit sie nichts merkte, zersprengte. Und die Greisin erwachte und erschrak über die Stille: ״Sei doch nicht so stumm, mein Goldnes. Habe ich es dir nicht gesagt? Sprich, rede, was hast du? Auf, meine Tochter, gehe ein wenig, geh etwas spazieren. Wie lange noch? Wie lange noch? Herr der Welt!“ Auch die Großmutter wischte sich mit dem Tuche die Tränen von den Augen. Luna stand auf, um zu gehen. Wohin? Sie trat in das Vorderzimmer und setzte sich an das kleine Fenster. Sie strengte sich an, ihr Herz zu beruhigen. Sie wischte die Trinen aus ihren Augen. In diesem Sommer hatte sie nicht ihr Augenübel wie sonst. Man mußte sich vorsehen. Draußen strich ein kalter Wind und schüttelte die Wipfel der kümmerlichen Bäume. Sie wurden niedergebogen, senkten das Haupt und wurden wieder hochgerissen. Leuchtende Klarheit, bis zum Augenschmerzen, lag über dem Garten. Und ringsumher alles still. Die Gemächlichkeit des ersten Wochentages über dem Garten. Sie war daran, weit wegzugehen, sich zu retten, zu fliehen, ein wenig zu vergessen. Wohin sollte sie gehen? Sie konnte hingehen, wohin sie wollte, sogar für ein paar Stunden. Die Großmutter, das wußte Luna, würde sie nicht danach befragen. Ira Gegenteil, sie hatte schon oft vor den Freundinnen über die ״Geliebte“ geklagt, die den ganzen Tag zu Haus bei der Arbeit sitze und bei den Kleinen, die alles zu ihrer Zeit haben müssen. Und sie, die Alte, raube ihr durch ihre Krankheit und Schwäche auch noch die Zeit. Die Lebensfreude raube sie ihr, und nie wolle sie ausgehen und nie einen Besuch machen. Aber Luna hatte kein Verlangen, aus dieser Stille herauszutreten, die so ihrem Waisentum und ihrer bedrückten und vergessenen Seele anstand. ' Ja das Glück hatte sie vergessen! Und warum? Warum zog es sich so von ihr zurück? Sie lebte ganz für die Großmutter und für die Kinder. Und weswegen hatte sie kein Glück? Vielleicht weil sie die ganze Zeit nicht an sich selbst dachte, achtete der Himmel nicht auf sie? Sie plagte sich und mühte sich alle die Jahre, sie sorgte für alles, was sie brauchten, aber hoffte sie nicht im Grunde ihres Herzens, daß sicherlich ״aufbewahrt auch für sie Würdiges“, daß ״ER“ ihr ״Htehes und gütiges Geschick“ zuteilen würde, und daß am Ende alles zum Guten käme. Sie harrte aus und suchte nicht das Ende zu erzwingen. Sie wollte sich nicht hinstellen und zur Schau bieten. So blieb sie denn ungesehen. Sie schien es sich von selbst auferlegen zu wollen, wie eine Nonne zu leben. Sie sehnte sich scheinbar nicht nach jungen Männern. Aber wie sollte sie diese Schande ertragen? Ein altes Mädchen, das nicht ihr ״Glück“ gemacht hat. Es fiel ihr schwer, auf den Markt zu gehen. Sie traf ihre Bekannten. Alle waren schon Mutter, hatten Söhne und Töchter. Alle sprachen von ihrem Haus, erzählten von ihrem Mann, Sorgen und Klagen, wie man sie gewöhnt ist. Aber würde sie von ihren Sorgen sprechen, das wäre nicht, wie man es gewöhnt ist Entfernte Tanten, die dann und wann zu Besuch kamen, predigten ihr, daß sie nur in der Stube hocke und sich in ihren Winkel verziehe. Sie hatten kein Verständnis für die Not der Seele. Wenn sie auf den Markt ging, und die Blicke der Vorübergehenden sie trafen, glaubte sie, daß man sie nur so erstaunt anschaue, weil sie ein altes Mädchen sei. Und wann hatte sie es selbst gemerkt, daß sie sich von den anderen Menschen unterschied? Sie konnte sich nicht erinnern. Aber BUcherschau ״Große jüdische Nafional-Biographie“. Von diesem hier I bereits mehrmals angezeigten Werk Hegt jetzt der ganze zweite I Band vor, der die Buchstaben D—G umfaßt. Der Herausgeber, Herr S. Wi nin ge r (Cernauti, Bukowina, Piata Decebal 4), I hat sich große Mühe gegeben und eine imponierende Menge Material zusammengetragen. Jeder wird aus der Lektüre dieser Biographien ganz verschiedenartiger Juden aller Zeiten und Länder ein starkes Gefühl der Einzigartigkeit des Judentums und seiner Leistungen schöpfen. wininger hat die Arbeit auf eigene Faust und ohne materielle Fundierung unternommen, er verdient also die Hilfe der Öffentlichkeit. Daß das Werk große Mängel hat und mehr unkritisch ge• sammeltes Material, als wirkliche Darstellung gibt, weiß 8er Herausgeber selbst der sein Unternehmen als ersten Versuch bezeichnet Er bittet sogar um Anregungen und Korrekturen seitens der Leser. Dieses unprätentiöse Verhalten verdient alle Sympathie. In einem Punkte aber hätten grobe Fehler vermieden werden können: Der Herausgeber sollte stärker kontrollieren, ob die von ihm aufgenommenen Persönlichkeiten wirklieh Juden sind. Bei Lebenden ist das doch besonders leicht festzustellen. Es darf nicht so ein grotesker Verstoß vorkommen, daß Theodor Dä übler und sogar Stefan George als Juden angesehen werden! Dagegen fehlt, um auf dem Gebiet der deutschen Literatur zu bleiben, Efraim Frisch. Dies nur einige Beispiele — auf Einzelheiten einzugehen, ist hier nicht der Ort. Herr Wininger sollte für eine sorgfältigere Redaktion der künftigen Bände Sorge tragen, da durch gar zu grobe Fehlei das ganze Werk entwertet wird. M, Jostock, Paul, Der Ausgang des Kapitalismus. München und Leipzig 1ga8. Verlag von Duncker & Humblot. Dieser zirka 300 Seiten starke Band bringt unter seinem Titel ״Der Ausgang des Kapitalismus‘‘ eine zusammenfassende Dar- Stellung fast aller der Strömungen und Gedankengänge, die sich mit den Wandlungen des Kapitaliesmus und seiner lieber- Windung beschäftigen. Neueste Theoretiker wie Sternberg, Löwe oder S c h e I e r werden dabei in gleicher Weise behandelt, wie Theoretiker des neunzehnten oder achtzehnten Jahrhunderts. Seine Einteilung in Katastrophen — Theorien — Absterbe-Theorien — Verdrängung durch Genossenschaftsbildung — Selbsttätige Umbildung zur Gemeinwirtschaft — Demokratisierung der Wirtschaft — scheinen uns nicht schlecht gewählt zu sein, wenn auch eine kritische Stellungnahme zu den einzelnen Theorien oft fehlt. Der Standpunkt des Verfassers selbst wird am besten aus seinen eigenen Worten klar: ״Denn für die Ueberwindung des Kapitalismus ist im Grunde doch nur ausschlaggebend die Ueberwindung des kapitalistischen Geiste s.“ Dr. F. M. Zeitschrift ״Palästina“. Soeben erschien die Nr. 5/7 dieser Zeitschrift, die vom Zionistischen Landeskomitee für Oesterreich herausgegeben und von Adolf B o 0 h m redigiert wird, und die als dreifache eine außerordentliche Reichhaltigkeit aufweist. Wie bekannt, ist die Anlage der Zeitschrift eine solche, daß sie nicht nur über das jüdische Aufbauwerk genau informiert, sondern auch alle Probleme eingehend von Fachleuten behandeln läßt. Sie weist vier Hauptteile auf. Der erste ist den Abhandlungen über die Probleme gewidmet, die nie feuilletonistisch gehalten sind, sondern stets streng sachlich und fachlich. Diesmal schreiben: Kaplansky, der langjährige Leiter der landwirtschaftlichen Exekutive über die wichläge Frage der Verbilligung der Kolonisation, Frumkin, der Leiter der Arbeitsabteilung der Histadruth über die Arbeitslage im Lande, der Geologe Dr. Loswongart über die Bodenbeschaffenheit, ferner finden wir Originalartikel über die Citrusindustrie, die Fischerei, den neuen Zolltarif, die Bevölkerungsbewegung, die Zählung der Kolonien mit einer vollständigen Tabelle üb«• dieselben usw. Der zweite Teil ist der Rundschau über den gegenwärtigen Stand der Gesamtbeweguag gewidmet, wobei jeder einzelne Titel seinen ständigen Bearbeiter hat. In der vorliegenden Nummer sind vertreten: Politik, Jewish Agency, Landwirtschaft, Wirtschaft, Arbeiterbewegung, geistiges Leben. Der dritte Teil besteht aus der Rubrik Nachrachten und Daten in 16 Titeln, der wie stets besonders reichhaltig ist. Die Redaktion gibt hierin nicht nur die wichtigsten Nachrichten wieder, sondern bearbeitet die Quellen, um dem Leser an Stelle einer bloßen Aneinanderreihung von Tatsachen eine möglichst systematisch f, es sich zur Aufgabe gemacht, über alle wichtigen Erscheinungen sehr ausführliche und instruktive Berichte zu geben. —■ Gleichzeitig mit dieser Nummer gibt die Zeitschrift ein Beiheft heraus: Agr. Hermann Hirsch: ״Gedanken zur zionistischen Koionisation auf unbewässerten Böden". Hier werden in einer für den Laien verständlichen Weise die landwirtschaftlich-technischen Fragen bebandelt. Der Autor gibt ein Schema für eine K01onie/auf unbewässertem Boden mit nur 43 Dunam per Familie mit 600 Pfund Kosten, oder 400 Pfund ohne Boden. seit je war ihr Herz wie gebrochen, und sie hatte selbst nicht mehr Lust, an den Sabbatabenden spazierenzugehen oder in den Mondnächten. Da erschallte von fern Tarbukke-Schlagen*). Es kam aus dem Hof, der am Ende des Viertels lag. Am vergangenen fünfzehnten Ab, in der ״Woche der Hochzeiten“, hatte es dort zwei gegeben: die Hochzeit Rosas, der Aschkenasin, und Bachuras, der Sephardin. Aus dem Klang der Tarbukke vernahm man, daß heute dort irgendein Fest war. Beide waren ihre Freundinnen, aber sie ging nicht zu ihrer Hochzeit. Sie hatte kein anständiges Kleid anzuziehen. Eine vergessene Arme. Vielleicht war sie auch etwas zu stolz. Sie ertrug nicht die Freundschaft von jedem jungen Mann. Sie verstand nicht, wie man mit jedem kokettieren konnte, der einem sich näherte. An einer Hochzeitsfeier, an den Gesprächen der Mädchen mit den Burschen, die voll von Andeutungen waren und gewürzt mit koketten Blicken, konnte sie sich nicht beteiligen. Sie merkte selbst, daß sie sich von den anderen Mädchen unterschied. Und obgleich jene doch ״Gebildete“, ״Gymnasiastinnen“ waren, Französisch sprachen und wußten, was modern ist — dennoch, sie vermochte es nicht. Vielleicht weil sie nicht gebildet war, wußte sie nicht, wie man sich benehmen müsse. Nein! Sie wußte es, aber sie wollte nicht, sie konnte sich nicht so benehmen. So war sie halt. So war ihr Schicksal, ihr trauriges Schicksal. Der Klang der Tarbukke brach ab. Tiefe Stille. Und sie hatte ein Gefühl, gleich dem Gefühl von jenem, der seinen Gefährten an etwas Säuerlichem saugen sieht. Er selbst aber hat nichts im Munde, und seine Seele ist leer, leer und verlangend. (Fortsetzung folgt.) *) Tarbukke (dirbekke) ist ein orientalisches Musikinstrument ähnlich einem Tamburin. Ueber die größere Oeffnung des trichterförmigen Instrumentes ist ein Fell gespannt. Beim Gebrauch klemmt man es unter den Arm und handhabt es wie ein Tamburin. — A, d. Ue. Al Zur man nie inner/io Lebensa *rmögli» die ich Gesinnt! ebenso Reihen Es hörigen ablehne tun, dal erstatte! 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