Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 55 (13.7.1928)
- Date
- 1928-07-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 398 JUEDfSCHE RUND5CHWH Nr. 55, 13. VTI. 1028 und sei es auch nur in beschränktem und ungenügendem Maße? Wir können doch unmöglich an der traurigen Tat- Sache vorbeisehen, daß die Oeldsammlungen in Amerika m Befürchtungen Anlaß geben. Und nicht nur in Amerika wird die Sammlung von Jahr zu Jahr schwieriger, sondern auch in anderen Ländern der jüdischen Massensiedlung, wie z, B. in Polen. Es gibt aber neben diesem materiellen Gesichtspunkt auch einen ernsten moralischen: die zu uns stoßenden Partner sind Menschen mit Verantwortung, und es gibt keinen Grund für uns, sic zu verdächtigen, daß sie zu ihren moralischen Verpflichtungen, die sie vor uns und der Welt übernommen haben, nicht stehen werden. Weist man aber darauf hin, daß die Londoner Kommission nichts über dasjenige hinaus getan hat, was schon vor acht Jahren unsere eigene Londoner Konferenz geschaffen hat, indem sie den Keren Hajessod als Finanzinstrument gründete, und daß auch sie keinen weitergehenden und neuen finanzplan darzubieten hatte, dann haben wir zunächst m i t Genugtuung festzustelleu, daß die Sachverständigen-Kommission unseren Volksfonds, den Keren Hajessod, gebilligt hat. Und ferner: es ist doch kein Geheimnis, daß — wenn auch ein diesbezüglicher Beschluß nicht zustande kam — der Sachvcrständigen-Kommission ein ernster Finanzierungsplan durch Begründung einer Bank für Investierungen Vorgelegen hat und weiter bearbeitet werden soll. Es besteht Grund für die Annahme, daß auch dieser Vorschlag, von dem außerordentliche Folgen für den Fortgang des Aufbaus sich ergeben werden, seine Verwirklichung finden wird. Wir haben also kein Recht, das Erreichte gering zu schätzen. Dr. Weizmann hat in vollständiger Uebereinstimmutig mit dem Kongreßbeschluß gehandelt. Einen schwachen Punkt gibt es allerdings in den Vorschlagen der Sachverständigen-Kommission, der mit Kongreßbeschlössen nicht in Uebereinstimmung zu bringen ist, das ist der Abschnitt über Erwerb und Zuteilung von Boden unter Umgehung des K. K. L. Aber: auch jetzt erwerben Private Böden in weitem Ausmaß, und dann ist dieser Punkt lediglich ein Vorschlag, den wir nach vollendeter Erweiterung der Agency in einem uns entsprechenden Sinne werden abändern können. Man fürchtet bei uns um das Schicksal der zionistischen Idee, wenn sich an der Leitung unserer Angelegenheiten Nichtzionisten beteiligen. Man vergißt dabei, daß die Jewish Agency durch Wahlen in allen Ländern Zustandekommen soll, und daß unter den Wählern zweifellos ein großer Prozentsatz solcher sein wird, die — wenn auch nicht organisierte Zionisten — dem Aufbau eines jüdischen Palästina von ganzem Herzen ergeben sind. Bleibt noch die Frage unserer inneren Politik: wie soll es möglich sein, die Leitung einer politischen Bewegung Menschen anzuvertrauen, die sich bisher zu ihren Grund- Sätzen nicht bekennen? Hier muß innerhalb der Agency eine Arbeitsteilung in dem Sinne erreicht werden, daß die ganze politische Arbeit in den Händen der Zionisten bleibt; und das ist nicht als undurchführbar anzusehen, da doch der Präsident der Zionistischen Organisation Vorsitzender der erweiterten Agency bleibt Aus AeuBerungen von Kommissionsmitgliedern geht hervor, daß die Annahme einer solchen Arbeitsteilung nicht in die Luft gebaut ist, daß vielmehr auch diese, wie es Herr Felix warburg in Paris nach der Sitzung ausdrückte, einem solchen Verlauf der Dinge zustimmen. Wird die Agency-Erweiterung zur Tatsache geworden sein, dann haben wir die Möglichkeit, die Trennung zwischen wirtschaftlicher und politischer Arbeit zu erzielen und die letztere dem Präsidenten der Agency vorzubehalten, der als Präsident der Zionistischen Organisation deren Beschlüssen unterliegt. Es bleibt noch eine sehr ernste Frage: die Frage des Verhältnisses zur Mandatarmachf und zum Völkerbund. Ist diese Aenderung in der Verfassung der Agency diesen Faktoren mitzuteilen oder nicht? Hierbei ist zu bedenken, daß das Abkommen über die Agency zunächst kein dauerndes Verhältnis, sondern einen dreijährigen Versuch vorsieht. Von den endgültigen Abmachungen wäre also nach außen im Laufe dieser drei Versuchsjahre keine Aenderung zu veranlassen, und das scheint auch nicht nötig zu sein. Zusammenfassend: Einer Organisation wie der unsrigen fällt es schwer, auf die Leitung der ihr bisher vorbehaltenen Angelegenheiten zu verzichten. Jedem Einzelnen wird es schwer, sich mit dem Gedanken abzufinden. Auch ich gehörte nicht zu den Anhängern der Agency-Erweiterung. Wir müssen aber mit der Wirklichkeit rechnen und anerkennen, daß ein großes und wichtiges Stück Arbeit geleistet ist, um neue und wichtige Kreise dem Aufbau zu verbinden. Das Schicksal der Einbeziehung neuer Kreise in die Arbeit am Aufbau des Landes, ist in die Entscheidung des zionistisehen Aktions-Comitös gelegt. Ich vertraue darauf, daß es in seiner bevorstehenden Sitzung den richtigen Weg finden wird, den wir gehen und auf dem wir unser Ziel erreichen werden. Nebensächliche Bemerkungen zum Bericht Von * * י 1. ״Eine Million Pfund haben wir auch ohne Hilfe der Nichtzlonisten aufgebracht.“ Das von der Jewish Agency-Kommissipn veröffentlichte Budget ist von vielen Seiten kritisch unter die Lupe genommen worden. Man findet, daß die in Aussicht gestellte Summe von 1 Million Pfund zu klein, die finanziellen Zusagen zu unbestimmt, zu vage seien. Zugegeben, daß die Herren, die in London versammelt waren und als Mitglieder einer Untersuehimgskommission niemand anders als sich selbst vertraten, nur unbestimmte und vage Zusicherungen gemacht haben. Aber man sollte von führenden Zionisten, die sich in der Presse kritisch über den Kommissionsbericht äußern, erwarten, daß sie sich ihrerseits über die Vergangenheit — und das ist doch leichter — nicht in vagen und unbestimmten, oder deutlicher gesagt, unrichtigen Betrachtungen ergehen. Es wird behauptet, wir hätten bereits bisher ca. 1 Million Pfund durch unsere Fonds aufgebracht. Das ist richtig, wenn man Brutto-Erträge im Auge hat, aber absolut falsch, wenn man, wie es doch geschehen mußte, von den Reineinnahmen spricht. Der Reinertrag des Keren Hajessod, des Keren Kajemeth und der Hadassah betrugen im Durchschnitt der •fünf Jahre 1922—27 jährlich £ 710,000, und das laufende Jahr wird den Durchschnitt kaum erreichen. Demgegenüber forciert die Agency-Kommission Reineinnahmen von 1 Million Pfund, zu denen noch eine Jahresnettocinnahme von zirka £ 150,000 des K. K. L. hinzuzurechnen wäre. Der Gewinn ist also eia Mehr von 440000 £. Dies mögen die Herren Grünbaum, Podlischewsky und viele andere, die in der Presse mit irreführenden Ziffern operieren; zur Kenntnis nehmen. Eine andere Frage ist natürlich, welchen ״Kassawert“ der Butgetvorschlag der Kommission hat. Mit dieser Frage begibt man sich bereits auf das Gebiet der Spekulation oder der Agency-Debatte. In jedem Falle 8011 nicht übersehen werden, daß für Amerika ein Jahresbeitrag von 3 Millionen Dollar oder 600000 £ in Aussicht gestellt wurde. Amerika hat bisher im Jahresdurchschnitt beigesteuert: etwa 276000 £ für den Keren Hajessod und 100 000 £ für die Hadassah, im ganzen also 376000 £. Der Kommissionsbericht stellt ein Mehr von etwa 225 000 £ in Aussicht. Das ist, so erfreulich es auf der einen Seite ist, auf der anderen Seite allerdings unbefriedigend. Wenn wirklich unsere Gesamteinnahmen im Jahre um 440 000 £ gesteigert werden sollen, so müßte Amerika einen Anteil von etwa 340 000 £ übernehmen. In Amerika liegen die größten Chancen für den Erfolg der Erweiterung der Agency. Diese Chancen können gewiß besser ausgenutzt werden, als die Kommission selbst annimmt. 2. ״Jeder der vier Herren könnte die Summe vorstrecken, die zum Aufbau des Nationalen Helms erforderlich Ist.“ Dies schreibt Dr. Osias Thon im ״Nowy Dziennik“ (Krakau) vom 2. Juli in einem Artikel, in dem er sich im allgemeinen mit großer Begeisterung und Zustimmung über den Bericht äußert. Wie naiv ist diese Vorstellung, die offenbar in vielen Köpfen spukt! Glaubt man wirklich, daß irgendwo in privater Hand die 20000000 £ konzenfriert sind, die wir in den nächsten zehn Jahren gern aus nationalen Mitteln dem Aufbau zuführen möchten? Und selbst wenn es einzelne Reiche dieser Art geben sollte — gibt es Beispiele dafür, daß sich wohlhabende und reiche Zionisten in proportionell entsprechendem Maße ihres Vermögens zugunsten des Aufbauwerkes entäußert hätten? Hat man jemals ernsthaft geglaubt, daß einige wenige Reichen die Aufbaumittel zur Verfügung stellen würden und könnten? War es nicht immer der Grundgedanke der Agency-Politik, durch den Einfluß und freilich auch das Beispiel der Reichen die Taschen der breiten, wohlhabenden und bemittelteren Schichten des Bürgertums zu öffnen? Nebenbei tut man einem Manne wie Felix Warburg Unrecht, wenn man, unter Hinweis auf die von ihm dem russischen Kolonisationswerk gezeichnete Summe von einer Million Dollar, die Frage stellt: was hat dieser Mann für Palästina geleistet? Zunächst einmal hat sich Felix Warbürg verpflichtet, für das russische Kolonisationswerk i m Laufe von zehn Jahren eine Million Dollar zu spenden. Sein Jahresbeitrag beträgt also 100000 Dollar. Andrerseits sind seine Leistungen für Palästinazwecke auf mindestens 700 000 Dollar zu veranschlagen. Warburg hat bekanntlich für die Hebräische Universität einen Betrag von einer halben Million Dollar gestiftet, und seine bisherigen Beiträge zum Keren Hajessod und die Palestine Economic Corporation wird man auf nicht weniger als 200 000 Dollar veranschlagen müssen. 3. Schönheitsfehler. Gedrängt von der Presse (wie man annehme» darf), hat sich die Kommission verleiten lassen, den Bericht etwas frühzeitig aus der Hand zu geben. Leider! Denn so ist es geschehen, daß der jetzt in Buchform vorliegende Berieht kleine, sachlich nicht sehr belangreiche, aber doch wieder stimmungsmäßig nicht ganz unwichtige Aenderungen aufweist. So schließen z. B. die Empfehlungen der Kommission in der ersten Fassung mit den Worten: ״If these conditions are complied with, the Commissioners appeal to the entire Jewish world to make the necessary sacrifices“ etc., was auf deutsch heißt: ״Wenn diesen Bedingungen Genüge geschieht, appellieren die Kommissionsmitglieder an die gesamte jüdische Welt“ usw. In dem jetzt veröffentlichten Buchbericht liest man: ״In the belief that these conditions will be fulfilled...“, was etwa be* deutet: ״In der Ueberzeugung, daß diese Bedingungen erfüllt werden..usw. Das hört sich ein wenig besser an. Aber, warum diese Schönheitsfehler? Sacher Aber den Agency -Bericht In ״New Judaea“ bespricht das Mitglied der Palästina- Exekutive, Harry Sacher, den Bericht der Agency-Kommission. Er schreibt u. a,: ״Der Bericht wird sicher auf Kritik stoßen. Die palästinensischen Arbeiter müßten Uebermenschen sein, wenn sie der im Bericht angedeuteten Auffassung der Kommission über gewisse konkrete Ausdrucksformen der Ideale der Arbeiterschaft zustimmen sollten. Aber von einer Kommission, die so zusammengesetzt ist, wie diese Körperschaft es war und der die Berichte ihrer Experten Vorlagen, konnte man billigerweise nicht erwarten, daß sie weitergehen würde als sie gegangen ist. Zwischen den Zeilen des Kommissionsberichtes ist eine sachliche Würdigung der Rolle zu lesen, die die Arbeiter gespielt haben und bei der Schaffung eines jüdischen Palästina auch weiterhin spielen müssen. Die Kommission bemüht sich, auch anderen Kategorien von Ansiedlern in Palästina eine ehrliche Möglichkeit zu bieten, jenen, die wir, etwas vage, Leute mit unabhängigen Mitteln nennen. Aber die Hauptaufgabe der Jewish Agency hat auch weiterhin mit den Chaluzim zu tun und es wild Sache Wes Mittelstandes sein zu erweisen, daß er fähig ist, die neue Möglichkeit zu benützen, die sieh ihm eröffnen wird. Die eine Frage, die alle Zionisten stellen werden und die sie berechtigt sind zu stellen, ist: sind die neuen Kräfte, die hinter dem Bericht stehen, ehrlich entschlossen, beim Aufbau eines jüdischen Palästina mitzuwirken, jüdisch im vollen zionistischen Sinne des Wortes? Darauf muß die Antwort klar und entschieden bejahend, lauten. Jedes Mitglied der Kommission hat die Gelegenheit benützt, um zum Ausdruck zu bringen, wie stolz und wie erfreut sie über die Aufgabe sind, an die sie sich begeben haben, und niemand, der während der Erörterung und Vorbereitung des Berichtes in persönlicher Berührung mit ihnen kam, kann auch nur den leisesten Zweifel an ihrem Eifer und an ihrer Aufrichtigkeit haben. Sie sind entschlossen, die erweiterte Jewish Agency zu einem Erfolg zu machen. 111 diesem Geiste wurde der Bericht abgefaßt. In diesem Geiste wird er von ihnen ihren Anhängern empfohlen und durchgesetzt werden und und im gleichen Geiste sollte er von allen organisierten Zionisten in der ganzen Welt auch aufgenommen werden.“ Die Konteren der Engllsh Zionist Federation Lord Melthett Präsident London, 9. Juli. (J.T. A.) Die gestern in London stattgefundene Jahreskonferenz der englischen zionistischen Föderation wählte Lord M c 1 c h e 11 (Alfred Mond) zu ihrem Präsideuten. Ferner wurden Dr. Chaim Weizmann zum Ehrenpräsidenten, Rev. J. K. Goldbloom zum Ehrenvizepräsidenten und der bisherige Präsident der Föderation Philipp Guedalla zum Vizepräsidenten gewählt. Lord Melchett richtete an die Konferenz ein Schreiben, in welchem er erklärte, er bedauere sehr, der Konferenz persönlich nicht beiwohnen zu können und werde eine auf ihn entfallende Wahl zum Präsidenten der Föderation gerne annehmen. Der Konferenz wohnten 180 Delegierte aus ganz England bei, unter ihnen % Repräsentanten der Federation of Synagogues, 64 Vertreter der Keren Hajessod-Gruppen und 20 Vertreter verwandter Körperschaften. Begrüßungskundgebungen übermittelten der Reichsrabbiner, der Keren Hajessod, die französische zionistische Föderation, die Zionistische Ver» einigung für Deutschland, die amerikanische Ziontotische Organisation usw. Der Jewish BoardofDeputies in England ließ durch Herrn Joseph Prag seine herzlichen Orüße übermitteln und zum Ausdruck bringen, daß der Board sich allen Geschehnissen im jüdischen Leben verwandt fühle und von der roßen zionistischen Bewegung erhoffe, daß sie die Glorie er Vergangenheit weide aufleben lassen. Der Vize* Präsident der United Synagogue, Samuel Moses, übermittelte die Grüße des Präsidenten des Keren Hajessod Council der United Synagogue Sir Meyer Spiehnan, der zu seinem großen Bedauern nicht persönlich anwesend sein könne, aber seiner Genugtuung Ausdruck gebe, daß die United Synagogue die zionistischen Fonds stützt; von den 32 Synagogen der Vereinigung sind 25 im Keren Hajessod-Komitee vertreten. Dem Bericht von Simon Marks war zu entnehmen, daß die Keren Hajessod-Eingängein England im Berichts* jahre nur £ 22000 (gegen £ 41000 im vergangenen Jahre) betragen haben. Das Sinken der Einkommenziffer sei daraus zu erklären, daß im vergangenen Jahre Herr Bernhard Baron £ 25000 gespendet hat, während in diesem Jahre die Sonderbeitrage nur £ 10000 betrugen. In diesem Jahre wurden aber außerhalb des Rahmens des Keren Hajessod £ 9000 von Lord Melchett für die Arbeitslosen in Palästina gesammelt. — Herr Roß, der den Bericht des Jüdischen Nationalfonds er* stattete, erklärte, das Ergebnis der diesjährigen Sammlung für den Nationalfonds sei ein solches, daß man die Möglichkeit hat, mehr Bäume in Palästina zu pflanzen als in den letzten 26 Jahren zusammengenommen. Die zweite Sitzung war der Erörterung und der Beschlußfassung über den Bericht der Joint Palestine Survey Commission gewidmet Im Namen der Exekutive erstattete Dr. M. D. Eder eingehend Bericht über den Stand der Jewish Agcncy-Frage. Er ersuchte die Konferenz, die Aufgabe der Zionistischen Organisation nicht zu erschweren, Herr Sokolow setzte sich sehr warm für den Agency-Plan ein. Harry Sacher, Mitglied der Zionistischen Exekutive Palästinas, führte aus, was den wirtschaftlichen Aufbau Palästinas betreffe, falle die Differenz in der Anschauung zwischen zionistischen und nichtzionistischen Mitgliedern der Jewish Agency nicht sehr ins Gewicht. Soweit an dem Bericht der Experten- Kommission Kritik geübt wird, bitte er die Konferenz, sieh von Erregung freizuhalten und mit Ernst die Frage zu stellen, ob sie es wünscht, daß Nichtzionisten an dem Aufbauwerk teilnehmen und ihre Kräfte mit denen der Zionisten vereinen. Mit Bezug auf die Lage in Palästina sagte Sacher, er hoffe, daß das jetzige Finanzjahr zu Ende gehen wird, ohne daß die Grenze des vom Baseler Kongreß festgesetzten Budgets überschritten wördö. Leider aber mußte die gesamte k 041 - struktive Arbeit auf ein Minimum beschränkt werden; am meisten wurde das Kolonisationsbudget beschnitten. Die Krise der Arbeitslosigkeit aber wurde beigelegt. Sacher zollte warme Anerkennung dem aus Palästina scheidenden Oberkommissar Lord Plurner, der alles getan habe, um dem Lande aus der Krise herauszuhelfen. Nach einer sehr lebhaften Debatte, an der sich Chefredakteur Morris Myer, Paul Goodman, Meir Großmann (Revisionist), Prof. Brodetzky u. a. beteiligten, wurden die von uns bereits in der vorigen Nummer wiedergegebenen Resolutionen angenommen, mit kleinen Aenderungen, von denen nur die beiden folenden von Wichtigkeit sind: Bei Punkt 5 der Resolution heißt es jetzt unter b: ״Indem die Konferenz die Politik der Konsolidierung der bestehenden Siedlungen unterstützt, hält sie doch eine vorübergehende Einstellung neuer Kolonisation für unerwünscht, da sie die finanzielle Unterstützung des jüdischen Volkes beeinträchtigen könnte.“ Und unter f heißt es jetzt: Die Konferenz erwartet, daß die erweiterte Jewish Agency nach ihrer Konstituierung ein bindendes Programm abgibt für die Sicherung der Gelder, die wenigstens das in dem Bericht der Kommission vorgeschlagene Minimalbudget decken sollen. A.-C. and Abberufung der Exekutive Bei der Vorbesprechung der A.-C.-Sitzung ist mehrfach die Ansicht aufgetaucht, daß das A.-C. das Recht hat, die Exekutive oder einzelne Mitglieder abzuberufen. Zur Klarstellung des Sachverhalts dürfte es von öffentlichem Interesse sein, den auf diese Frage bezüglichen Paragraphen des Statuts der Zionistischen Organisation in Erinnerung zu bringen. § 49 B des geltenden Statuts bestimmt: Das Aktions-Comltö ist berechtigt, in einer Sitzung, in der mindestens drei Viertel der gewählten Aktions-Comitö* Mitglieder anwesend, bzw. vertreten sind, mit einer Drei- Viertelmehrheit der Anwesenden die Exekutive abzuberufen und eine neue Exekutive an ihre Stelle zu wählen, wobei der Exekutive das Recht des Appells an einen außerordentlichen Kongreß zusteht. Ein solcher Beschluß ist nur möglich, wenn der betreffende Antrag in der Tagesordnung der Sitzung ordnungsgemäß angekfindigt wurde. Eine Herzi-Gedenktafel in Budapest. Da die Budapester Jüdische Gemeindejetzt in der Nachbarschaft des Tempels in der Dohanygasse an der Stelle, wo früher das Geburtshaus Tneodor Herzls stand, ein monumentales Gebäude für kulturelle Zwecke errichtet, hat der Ungarische Zionistenverband in einem, dem Präsidenten der Budapester Gemeinde, Hofrat Kaszab, überreichten Memorandum, die Anbringung einer Herzi-Gedenktafel angesucht. Die Budapester Jüdische Gemeinde soll bereit sein, diesem Wunsche nachzukommen, so daß wohl im Laufe des nächsten Jahres, in dem sich der Todestag Herzls zum 25. Male fährt, im Rahmen einer zionistischen Weltfeier diese Tafel emgeweiht werden dürfte.