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Jüdische Rundschau · 1928-07-03 · Heft 52 (3.7.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 52 (3.7.1928)
Date
1928-07-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 52, 3. VH 1028 J UEDI5CHE RUND5Cft Ä U Seht 377 Mehr Informationl Zur Council-Sitzung der Wizo. Von Gerda Arlosoroff-Goldberg, Tel-Awiw*). Die zionistische Frauenbewegung und ihre Organisation ist einer der Lichtpunkte der allgemeinen zionistischen Bewegung. Der Mangel an innerer Festigkeit und Expansion*• kraft, der heute die verschiedenen Teile der zionistischen Arbeit charakterisiert, hat die Frauenbewegung und ihre Leistungen bisher nur wenig berührt. Das hängt freilich nicht damit zusammen, daß die zionistische Frauenbewegung starker ist in ihrer inneren Struktur als die allgemeine, sondern damit, daß sie jünger ist. Das Element, das sie in sich schließt, ist naiver, unverdorbener (freilich auch poiitisch unreifer), und so kann man unter den Frauen, von denen ein Teil erst kürzlich zu unserer Arbeit gekommen ist, mehr Stoßkraft und mehr Einheitlichkeit feststellen• Die Gegensätze von Parteien, Fraktionen oder Klassen sind noch nicht in Erscheinung getreten (od*f in ihren ersten Anfängen) der Apparat hat die persönliche Initiative noch nicht auszulöschen oder zu binden vermocht. Die Konsequenzen, die aus dieser Lage resultieren, sind einleuchtend. Man darf sich nicht darauf verlassen, daß dieser relativ gute Zustand in der Bewegung bestehen bleibt. Im Gegenteil, wir haben keinerlei Garantie dafür, daß er sich nicht bald zum Schlechten ändert. Und ein Niedergang im Lager der zionistischen Frauen trifft heute die gesamte zionistische Bewegung. Denn noch haben wir die Möglichkeit, diese frischen Kräfte, die unter den Frauen spürbar sind, zionistisch zu verwerten, neue Kreise durch sie zu erschließen, sie auf bestimmten Gebieten zum Träger der Expansion zu machen. Voraussetzung dafür ist, daß die Bewegung gesund weiterwächst, kein unnatürlich schnelles und notwendigerweise oberflächliches Ausbreiten aufkommt und die Erziehung nicht vernachlässigt wird. Wir haben heute einige vernünftige und vielversprechende Ansätze zu dieser Art von Arbeit. In den Gruppen der Wizo auf dem Kontinent beginnt man zu verstehen, daß es nicht nur darauf ankommt, neue Menschen zu gewinnen, sondern sie nachher auch festzuhalten, ihnen geistige Nahrung zu geben und ihnen immer vor Augen zu halten, daß eine Bewegung Forderungen an Menschen stellt, aber zugleich Bedürfnisse verschiedenster Art befriedigt. Die Ansätze zur Bildung kleiner zwangloser Gruppen, die zusammen lernen und sich mit den verschiedensten Dingen beschäftigen, seien es Judaica oder Zionistica oder Fragen der Frauenbewegung, sind durchaus gesund und vielversprechend, Sie gelingen, wo es Menschen gibt, die fähig sind, diese Gruppen zusammenzuhaiten und ihnen ״Stoff“ zu geben. Die Beschaffung dieses ״Stoffes“, des Materials, das die Grundlage für das Lernen und Sich-Informieren abgibt, stößt aber fast überall, wo wir nicht sehr kenntnisreiche oder fähige Frauen haben, auf große Schwierigkeiten. Man muß sich, besonders wo es sich um die palästinensische Arbeit handelt, die Berichte mühsam zusammensuchen, die Unkenntnis der hebräischen Sprache wirkt vielfach hindernd, und neuen Kräften, die sich über unsere Absichten und Arbeiten orientieren wollen, haben wir nichts in die Hand zu geben, was sie befriedigen könnte. Denn das heute von der Londoner Zentrale an die Föderationen gelieferte Material, wie zum Beispiel die ״Pioniere und Helfer“, sind für jeden, der etwas in die Tiefe dringen will, absolut unzureichend. Es muß heute klar sein, daß jede Propaganda und jede Erziehung, und sei sie noch so gut gemeint und begabt, auf die Dauer wirkungslos bleiben muß oder zumindest einen rein vorübergehenden Einfluß ausübt, wenn wir diesem Bedürfnis nach Material nicht abhelfen. Und es ist theoretisch und empirisch bewiesen, daß das Anwachsen der Mitgliederzahl allein noch keinerlei ernsten Erfolg bedeutet. Die neuen Mitglieder — wenn sie nicht einfach zahlen, und zwar wenig zahlen sollen — müssen in unsere Ideenkreise eingeführt, mit unserem Werk vertraut gemacht werden. Und dieses Werk wächst von Jahr zu Jahr, ändert sich in einem bedeutsamen Tempo. Wir sind heute bereits bei einem Budget von über £ 40 000 (über eine dreivicrtel Million Mark!) angelangt, und es sieht ganz danach aus, als ob sich unser Aufgabenkreis ständig erweitern wollte und erweitern müßte. Wenn wir diese Last tragen und sie darüber hinaus für die Bewegung fruchtbar machen wollen, in dem wir die Frau des Galuth mit der in Palästina geleisteten Arbeit verbinden, so ist die primitivste Voraussetzung dafür, daß die Mitglieder der Organisation wirklich gründlich darüber Bescheid wissen und auch Außenstehende der verschiedensten Kreise damit bekannt gemacht werden. Heute beschränkt sich die Kenntnis unserer Aktionen und — was wichtiger ist — unserer Schwierigkeiten und Pläne auf das, was die allgemeine Presse bringt. Wer wirklich Bescheid wissen will, muß sich das Nötige aus der palästinensischen Presse zusammensuchen, in Vorträge gehen, die oft ein unzureichendes Niveau haben, und hier und da etwas ״aufgreifen“. Und wenn irgendeine Frau aus der Bewegung, die nicht im Mittelpunkt der Arbeit steht, in die Lage kommt, einem Fremden über unsere Dinge zu berichten, so ist sie nur zu oft in einer peinlichen Situation. Was aber wichtiger ist als die Schlagkraft nach außen, ist die Unwissenheit und der Mangel an Lernmaterial im Innern. Immer wieder taucht überall die Frage auf: Wie soll ich mich orientieren? Und wir sind verpflichtet, diesem Bedürfnis entgegenzukommen. Man muß dabei zweierlei unterscheiden: Die Zusammenfassung unserer bisherigen Arbeit und unserer Ziele und die laufende Information der verschiedenen Landesverbände. Was das erste anbetrifft, so wird eine Broschüre, die vermutlich alle zwei oder drei Jahre neu herausgebracht werden muß, die Lücke ausfüllen. Diese Broschüre muß umfassend sein, weitherzig, klar objektiv. Das zweite ist die Beschaffung laufender Informationen über die Arbeit im Lande und die verschiedenen Fragen, die damit Zusammenhängen. Diese Informationen können nur wirken und als Material und Bindeglied dienen, wenn sie aus Palastina kommen. Wir brauchen eine Darstellung der gegenwärtigen Arbeit vom Lande aus, die frei und offen sein muß, in der vielleicht auch die Kritik ihren Platz haben muß*und die das Ausland in den Stand setzt, ein- oder zweimal im Monat zu erfahren, was hier versucht, erreicht, geplant — und vielleicht auch, was falsch gemacht wird. Erst dann *) Dieser für die Fraucnbeilage des ״Bundes zianistischer Frauen“ 'bestimmte Beitrag ist zu spät in Berlin eingetroffen, so daß er in der vorigen Freitag erschienenen 1 raucnbeilage nicht mehr erscheinen konnte. Er wird hier nachgetragen. wird die Bewegung einen Zusammenhang haben, lebendig werden und eine fruchtbare Wechselwirkung die verschiedenen Föderationen Zusammenhalten, was in der Macht keiner Administration liegt, Voraussetzung für das Gelingen eines solchen Unternehmens ist ein unanfechtbares Niveau. Wir müssen uns darüber klar sein, daß es eine sehr große Zahl von Frauen gibt, die zu uns gehören und zu uns kommen können, wenn wir ihnen klarmaehen können, worum es geht. Das geht aber nur, wenn unsere Veröffentlichungen etwas taugen, wenn sie auf einer ansehnlichen Höhe stehen. Minderwertige Qualität würde einen jeden solchen Versuch zum Tode verurteilen. Felix M.Warbnrg bei Rothschild Paris, 25. Juni (J.T.A.) Felix M. Warburg, äußerte sich gegenüber dem J. T. A.*Vertreter wie folgt über seinen Pariser Aufenthalt: Ich bin nach Paris gekommen, um Baron Edmond de Rothschild zu besuch«« und mit ihm Fragen des Wiederaufbaus Palästinas zu besprechen. Ich habe mich Sehr gefreut, Baron Rothschild in guter Gesundheit anzutreffen. Wi# immer zeigte er großes Interesse für alle Probleme der Arbeit in Palästina. Ich informierte ihn über die Resolutionen der Expcrtcn-Kommission; dann haben wir verschiedene Fragen der Wirtschaftsarbeit im Heiligen Lande diskutiert. Ich bin, fuhr Herr Warburg fort, mit den Ergebnissen der Londoner Beratungen sehr zufrieden. Zwischen den Nichtzionisten, nämlich den Mitgliedern der Experten-Kommission, und den Mitgliedern der zionistischen Exekutive, herrschte eine vollkommene Harmonie. Die Nichtzionisten befaßten sich ausschließlich mit den wirtschaftlichen Problemen der Palästina-Arbeit, ohne irgendwie politische Fragen zu berühren. Die Experten haben einen Arbeitsplan aufgestellt, der, wenn er durch die Jewish Agency verwirklicht werden wird, zu großen Ergebnissen führen wird: zur Schaffung einer soliden, wissenschaftlich fundierten Basis für die Entwicklung des Landes. Vandervelde Gast der Poale Zion Auf Anregung der Poale Zion und des Komitees für das arbeitende Palästina fand in Berlin eine Zusammenkunft sozialistischer Persönlichkeiten statt, bei der Emile Vandervelde, über das Aufbauwerk der palästincnsischen Arbeiterschaft sprach und betonte, daß die sozialistische Welt das größte Interesse an dem Gelingen dieses Werkes haben müsse. In der Versammlung wurde mitgeteilt, daß während des Kongresses der zweiten Internationale in Brüssel eine intcrnationale Besprechung der Sozialisten aller Länder über die Palästina-Frage stattlinden wird, in der wirtschaftliche, kulturelle und politische Fragen zur Erörterung gelangen werden. Von deutscher Seite werden Eduard Bernstein und der Präsident des Reichstags, Paul Loebe, an dieser Besprechung teilnehmen. An der Besprechung in Berlin nahmen seitens des Aiigemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes Aaron und Brücker, seitens der AFA Aufhäuser, seitens der sozialistischen Jugend- Internationale Ollenhauer, seitens der Poale Zion Dr. Oskar Cohn, Berl Locker, S. Rudel, ferner Eduard Bernstein, der Redakteur der ״Sozialistischen Monatshefte“ Julius Katisky, der Dichter Ernst Toller, die Redakteure Eugen Prager, Dr. Zadik, Victor Schiff u. a. m. teil. Die PrDgelstrale in PaUstlna AG, Tel-Awiw, 20. Juni. Die Antwort der Regierung auf das Memorandum der allgemeinen Arbeiterorganisation wegen der Zustände in den Gefängnissen ist ebenso lakonisch wie formalistisch. Es wird einfach erklärt, daß die Prügelstrafe gesetzlich zugelassen sei und daher auch in der Praxis verwendet werden dürfe; daß außerdem die palästinensischen Gesetze keinen Passus enthalten, der für politische Gefangene andere Bedingungen vorschreibt als für Verbrecher. Das ist alles. Dies wußten die Juden (denn die Arbeiter sind hier das Sprachrohr des Jischuw) auch schon vorher. Was man wollte, war, solche Gesetze und Bestimmungen zu ändern oder zum mindesten ihre Anwendung zu verhindern. Es ist anzunehmen, daß die Regierung nicht so naiv war, um dies zu verstehen. Denn um diese Auskunft des Sekretariats zu bekommen, hätte man sich nicht die Mühe zu machen brauchen, Memoranden zu schreiben, sondern das Gesetzbuch durchgesehen. So ist diese Antwort ein sehr klarer Beweis für die Absichten der Regierung: sie will nichts ändern. Sie hält die Zustände in den Gefängnissen für die Verhältnisse des Landes angepaßt und die Prügelstrafe für ein gutes Mittel zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Die jüdische Oeffentlichkeit wird ihren Kampf um die Aenderung dieser Paragraphen fortsetzen. Vielleicht wäre das eine der Fragen, wo die Gesamtbevölkerung, Juden und Araber, eine gemeinsame Front bilden können. * London, 27. Juni. (J. T. A.) In der gestrigen Sitzung des Unterhauses richtete der Arbeiter-Deputierte Commander Kenworthy an den Kolonienminister die Frage, ob er schon Informationen über die wegen Zugehörigkeit zu einer Geheimorganisation zu Gefängnis und Landesverweisung verurteilten Personen erhalten hat Ob er wisse, daß diese Personen gefordert hätten, daß man sie als politische Häftlinge behandle, in den Hungerstreik getreten sind und daß drei von ihnen zu Prügelstrafen verurteilt worden und diese Strafen auch vollzogen sind. Kolonienminister Amery erwiderte: Ich habe eben von dem Oberkommissar einen Bericht erhalten, der besagt: Am 20. Mai haben drei tätige Kommunisten, die zu 30, 50 und 100 Tagen Gefängnis wegen Teilnahme an geheimen Besprechungen verurteilt worden waren, sich geweigert, nach dem Spaziergang im Gefängnishof in die Zellen zurückzukehren. Einer von ihnen warf einen Stein gegen Wärter, die beiden anderen versuchten, dem Wärter den Knüppel zu entreißen. Sie wurden überwältigt, wegen Gewaltanwendung gegen den Wärter angekiagt und zu je fünf Tagen Einzelhaft und zu je 12 Stockschlägen verurteilt. Diese Verurteilten werden nach Verbüßung der Strafe des Landes verwiesen werden, fm ganzen befinden sich in dem Jerusalemer Gefängnis neun jüdische Kommunisten, die der Qcfängnisverwaltung viel zu schaffen geben; vor einigen Tagen begannen sie. jede ihnen gereichte Nahrung zurückz'uweisen. Ich weiß nicht, fuhr der Minister fort, ob sie darauf bestanden haben, als politische Gefangene behandelt zu werden. Prügelstrafe für schlechtes Benehmen und Gewaltanwendung im Gefängnis ist. gesetzlieh; der Oberkommissar ist überzeugt, daß die Strafe gerecht war. Kenworthy: Weiß der Herr Minister, weshalb sie verhaftet worden sind? Ob darum, weil sie Kommunisten waren? Amery: Ich sagte es schon: sie wurden wegen Teilnahme an Illegalen Versammlungen verhaftet. Oliver: Welche Beweise sind vorhanden, daß diese Personen Kommunisten sind? Amery: Die Regierung hat Beweise, daß sie an illegalen Ver• Sammlungen teilgenommen haben. Berliner Repräsenlantenversammlnng Verabschiedung des 10-Mlllionen-Etats für 1928. In der Sitzung vom 28. Juni, der letzten vor dem Beginn der Sommerferien, verabschiedete die Repräsentantenversammlung eine große Anzahl von kleineren Vorlagen und zum ersten Male seit einigen Jahren ordnungsmäßig den Etat. Der Berichterstatter des Etatsausschusses, der Liberale Moritz Rosenthal., gab einen Ueberblick über den Haushalt der Gemeinde. Er begann seine Ausführungen mit der Bemerkung, daß auch die neue Mehrheit mit Wasser koche. Diese Wendung seiner Ausführungen war jedoch wohl nur auf Konto seiner Zugehörigkeit zur Opposition zu stellen. Denn in den nachfolgenden Erläuterungen konnte er nicht umhin, immer wieder die sachgemäße und durchaus zufriedenstellende Ordnung der Gemeindeangelegenheiten, wie sie im Etat ihren Ausdruck findet, festzustellen. Der Haushalt erfordert insgesamt eine Summe von ungefähr 10 Millionen Mark, von welchem Betrage 02«« aus Steuern und der Rest aus Einnahmen der einzelnen Institutionen gedeckt werden. Für Wohlfahrtszwccke, Kultus und Unterricht gibt die Gemeinde 6,8 Millionen jährlich aus. Der Rest verteilt sich auf die andern Verwaltungszweige. Die Verwaltung der Gemeinde ist dauernd bemüht, sich zu rationalisieren. Der Etatsaufschuß hatte an der Vorstandsvorlage nur in unwesentlichen Punkten Aenderungen vorgenommen. So schlägt er eine Erhöhung des Kapitalserneuerungsfonds vor, verlangt die An- Stellung eines Revisors, die Inanspruchnahme einer Treuhandgesellschaft zur Prüfung der Bücher und Kassen, die Errichtung eines Ledigenheims, die Ausstattung der Aerztebibliothek, die Umwandlung der Gemeindemittelschule in ein Realgymnasium und vor allem eine Einbeziehung der in den Bezirken gesammelten Summen für Wohlfahrtszwccke in den Gesamtetat der Gemeinde. Der Finanzdezernent, Direktor Kareski, stellte fest, daß auch die vorangegangenen Etats von ihm aufgestellf worden sind, so daß es weiter nicht verwundern kann, wenn der neue Etat sich von den alten nicht unterscheidet. Immerhin sei die Feststellung wertvoll, daß die neue Mehrheit nicht, wie es während des Wahlkampfes voll den Liberalen behauptet wurde, eine leichtsinnige Wirtschaft in der Gemeinde einreißen lasse. Kareski wies darauf hin, daß der Steuersatz von 15 <V0 der staatlichen Einkommensteuer auf 10 c/o herabgesetzt wurde und daß diese Maßnahme sieb als gerechtfertigt erwiesen habe. Die Steuereingänge im Jahre 1927 entsprachen durchaus den Erwartungen und man kann rechnen, daß der Etat für 1927 nach Eingang der Steuerrückstände sogar einen kleinen Ueberschuß aufweisen werde. Trotzdem die evangelische und katholische Synode den Satz der Kirchensteuern erhöht haben, verzichtet die Finanzverwaltung der jüdischen Gemeinde auf eine Erhöhung. Es ist möglich, daß man eine Enttäuschung erleben werde, doch werde diese Enttäuschung sich in tragbarem Rahmen bewegen. Gerade mit Rücksicht darauf, daß die Gemeinde wegen der vielen geplanten Neubauten Kredite in Anspruch nehmen müsse, sei sie verpflichtet, in Zukunft durch besondere Sparsamkeit ihre Kreditwürdigkeit zu beweisen. Zum Posten Schulwesen kündigte Kareski eine fortschreitende Zusammenlegung der Zweigklassen an. , ln der darauffolgenden Generaldebatte zum Etat sprachen zunächst Dr. Oskar Cohn und Moritz A. Loeb. Diesen beiden Rednern folgten Prof. Türk, Dr. Fleischer, Marcus von den Liberalen und schließlich Goslar namens der Jüdischen Völksparfei. Im allgemeinen bewegte sich die Aussprache durchaus in friedlichen Bahnen. Man war auf allen Seiten bemüht, strittige Punkte zurückzustellen. So wurde denn der Etat en bloc angenommen, worauf am Schluß der Sitzung noch einige resiierende kleinere Vorlagen behandelt wurden. Erwähnenswert ist die Feststellung Dr. Oskar Co h n s, daß die jüdische Gemeinde Berlin in stärkster Weise den Charakter dessen annimmt, was Volksgemeinde genannt wird. Die ungeheure Fülle von sozialen und kulturellen Aufgaben, die die Gemeinde willig erledigt, ist ein Beweis für diese Tatsache. Dr. Cohn sprach auch von der Bedeutung des Palast in a-Aufba us für die gesamte jüdische Welt und kündigte die Einbringung eines Antrages auf Subventionierung des Palästina-Arbeiterfonds an, als Zeichen der Sympathie der Berliner Jüdischen Gemeinde für das nationale und sozialistische Werk der palästinensisch-jüdischcn Arbeiterschaft. Goslar sprach von der Hauptaufgabe der Gemeinde, in immer mehr steigendem Maße die Gemeindemitglieder im modernen jüdischen Geiste zu beeinflussen. Auch er kündigte einen Antrag auf Beitragsleistung für den Keren Hajessod an. Die Ausführungen der Liberalen waren mehr in der Formulierung ihrer Thesen als in der Sache selbst ablehnend. Die friedliche Verabschiedung des Etats war ein Beweis dafür, daß die Verwaltung der Jüdischen Gemeinde Berlins sich in durchaus sachgemäßer Weise vollzieht. Die Liberalen bckündeten durch ihr Verhalten stillschweigend, daß sie diese Tatsache anerkennen. s• n• Vom Board 01 Depnties London, 19. Juni. (J.T. A.) Der neugewählte Depufiertenrat der englischen Juden (Jewisn Board of Demities) hielt soeben seine erste Sitzung ab. Herr O. E. d’Avigdor Gold־ smid wurde zum Präsidenten wiedergewählt. Eine lebhafte Debatte entspann sich über die Frage, ob der Einladung der English Zionist Federation, zwei Delegierte zu der am 8. Juli d. J. stattfindenden Jahreskonferenz der Föderation zu nominieren, staftzugeben sei. Das Exekutivkomitee sprach sich dagegen aus. Schließlich wurde die Einladung mit großer Mehrheit angenommen. D’Avigdor Goldsmid und Lord Rothschild, die als Delegierte nominiert wurden, lehnten die Uebernahme dieses Mandates ah,• worauf dann beschlossen wurde, es den Ehrenbeamten zu überlassen, zwei Delegierte zu der zionistischen Konferenz zu ernennen. . Es wurde beschlossen, ein Komitee zur Vorbereitung einer Feier des Joint Foreign Committee, welches im Jahre 1878 begründet worden ist und also auf eine 50 jährige Arbeit zurückblickt, einzusetzen. Am Sonntag, dem 1. Juli, begann in Zoppot die Welt- Konferenz der hebräischen Kultur- und Schulorganisationen ״T arbuth“. Die ״jüdische Rundschau“ wird üher diese K011• ferenz mehrere Artikel des bekannten hebräischen Dichters Saul Taehernichowsky veröffentlichen.

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