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Jüdische Rundschau · 1928-07-03 · Heft 52 (3.7.1928) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 52 (3.7.1928)
Date
1928-07-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 374 JÜEÖISCHE RUNDSCHAU Nr. 52, 3.m 1928 gankation geschieht, wird — so haben wir gesagt — die erhoffte Erlösung von unserer Geldknappheit nicht mit sich bringen. Eben weil die Herangezogenen keine Zionisten sind, weil sie durch andere ihnen vielleicht wichtiger erscheinende jüdische Aktionen dauernd in Anspruch genommen sind, werden die Leichtgläubigen in unseren Reihen ihre Enttäuschung erleben. Dieselbe kam früher, als man erwarten konnte. Jahrelang erzählte man von einem Goldregen, der befruchtend und belebend sich über Palästina ergießen wird; heute stehen wir vor nüchternen Zahlen eines Budgets, das, falls man den in unserem Kongreß nicht enthaltenen Posten für Landkäufe und die nichtssagende Rubrik ״Verschiedenes“ abzieht — um etwa 30 ״/o unsere Kongreßbudgets übersteigt. Darüber hinaus konnten sich die Herren nicht aufschwingen und auch bezüglich der Verteilung des Gesamtbudgets nach einzelnen Posten sieht dieses Agency-Budget den unsrigen verdammt ähnlich aus. Ist diese Bestäti jung des Keren Hajessod-Budgets durch die Nichtzionisten dasjenige, was die Leichtgläubigen erwartet haben? Haben sie nicht jahrein jahraus von einer großen Neugründung, von einer Investments-Bank oder einem Investmentefonds gesprochen, der — unbekümmert um die Nöte des Tages, unabhängig von der durch das reguläre Budget zu leistenden Arbeit — initiativ auf allen Gebieten sich betätigen wird? Und vom Grundfibel der Kongreßbudgets ist auch der Etat dieser neu zu errichtenden Agency nicht frei: es ist ein Ausgabenbudget, dem kein Einnahmenbudget gegenübersteht. Das Minimalbudget von £ 1 000000 ״muß angestrebt werden“. Die Kommissionsmitgliccler ״appellieren an die gesamte jüdische Welt“, sie wollen ״ihre eigenen persönlichen Anstrengungen für den Erfolg dieses Appells einsetzen“, und das ist alles — genau so wie es in unseren ständigen Keren Hajessod-Rcsolutionen heißt. Und diese minimale Unterstützung, die diese Vertreter der nichtzionistischen Judenheit dem Palästinawerk angedeihen zu lassen bereit sind, ist an die ultimative Bedingung geknüpft, der ״rückhaltslosen Annahme der Jewish Agency“ und der .,Re- Organisation der Methoden“ der Palästinaarbeit zuzustimmen. 3. Die Elemente, die man zur jewish Agency heranziehen will, sowie die ganze Struktur der erweiterten Agency werden — so haben wir weiter argumentiert — für die treibenden Kräfte unseres Palästina-Aufbau s kein Verstandnis haben und daher die sozialen Grundlagen unserer Arbeit gefährden. Unsere Kolonisation ist sowohl durch die Gesinnung ihrer Pioniere wie auch durch viele ihrer bereits zur Tradition gewordenen Prinzipien Trägerin eines hohen sozialen Geistes geworden, der Ehrfurcht gebietet auch denen in den zionistisehen Reihen, die sonst, zum Beispiel in ihrer privaten Wirt- Schaftsbetätigung, derartigen Dingen verständnislos gegenüberstehen, ja analoge Tendenzen bekämpfen. Das zionistische Ideal der Erneuerung des jüdischen Menschen hat in der Entwicklung unserer Bewegung zahlreiche Elemente anderer ideeller Be- Strebungen sozialen Ausgleichs und menschlicher Befreiung in sich aufgenommen, und indem man Zionist wird, nimmt man unwillkürlich diese amalgamierten Bestandteile in sich mit auf. Die Fremden, die jetzt als Partner des Paläsfinaaufbaus sich an uns gesellen sollen, werden — so haben wir gewarnt — die Kolonisation Palästinas als eine rem wirtschaftliche Aufgabe auf- ,fasse^, da für sie es eben eine ausschließlich wirtschaftliche Angelegenheit ist; die nationalen intd äoziafen Faktoren des werdenden jüdischen Gemeinwesens — nicht die Imponderabilie, wie man zu sagen pflegt, sondern eben die wichtigsten ausschlaggebenden Faktoren — werden sie, müssen sie verkennen, sonst wären sie eben Zionisten. Darauf wurde uns immer wieder geantwortet. Diese Leute nehmen am Palästina-Aufbau ein rein ideelles, fast romantisches Interesse und ein Verständnis oder wenigstens ein Gewährenlassen auf dem sozialen Gebiet ist ihrerseits sicherer zu erwarten als seitens unserer ״bewußt bürgerlichen“ Kreise, für die Palästina ein viel konkreteres soziales Gebilde ist Aus bester persönlicher Kenntnis der licranzuziehenden Prominenten wurde das immer versichert und mit einer haarscharfen psychologischen Analyse wurde die Notwendigkeit eben eines solchen Verhaltens der neuen Partner begründet Nun liegt der Bericht vor, und mit Entsetzen müssen wir konstatieren, daß die Wirklichkeit alle unsere Befürchtungen übersteigt. Nicht nur die Prinzipien unserer Kolonisation betreffs Boden, Arbeit Selbstbestimmung und Gleichberechtigung der Siedler werden über den Haufen geworfen, sondern die ganze Sprache des Dokuments ist uns fremd. Es ist die Sprache einer anderen Welt, der Welt, die wir — wenigstens zum Teil — mit der Befreiung vom Galuth mit zu überwinden hofften. Diese Welt der Bevormundung des sozial Schwachen ist für die Herren der zweiten Fifty die einzig existente; alles andere ist ihnen ״Baflanut“ und Unwirtschaftlichkeit Es ist ihnen daher nicht zu verdenken, daß sie eine Terminologie gebrauchen, die nichts anderes als ein Schlag ins Gesicht unserer ganzen bisherigeh Kolonisation und ihren Trägern empfunden werden kann. Die Herren ,,sympathisieren mit den Bestrebungen der Arbeiter, ihre Lage zu verbessern“, sie ״begrüßen die Vervvirklichung dieser Bestrebungen“ (§ VII, 1), aber die von den Arbeitern zu diesem Zweck zu schaffenden kooperativen Organisationen sollen ״nicht nach doktrinären Theorien“ errichtet, 'sondern ״auf gesunden Geschäftsprinzipien“ gebaut werden (§ VII, 4). Im § III, 19, der von Konsum- und Verkaufsgenossenschaften handelt, tritt die wahre Tendenz der künftigen Arbeiterpolitik ganz kraß zutage. Wir lesen hier klipp und klar: das kooperative System ״muß jedoch von einer von sozialen Theorien unbeeinflußten Körperschaft verwaltet werden“. Von welchen sozialen Theorien ist die Körperschaft beeinflußt, die 1028 für das jüdische Palästina solche Programme aufstellt und sich dabei einer derartigen Terminologie bedient? Fünf Jahre lang haben wir gewarnt: in den Fußtapfen der neuen Agency schreitet eine Administration, die den Tod der Bewegung bedeutet. Nun ist sie da! Die ״von sozialen Theorien unbeeinflußte Körperschaft“ ist im Gange, sie wird uns das ״Altneuland“ bauen!... Und schon in der Pose des künftigen Administrators dekretiert der neue Herr des jüdischen Palästinas: keine Kwuzoth, keinen Nir, Moschawim nur falls außenstehende Lohnarbeiter nicht ausgeschlossen sind, wobei man sich vor einem Rückfall in die ״doktrinäre Theorie“ der Selbstarbeit durch Einfügung einer betreffenden Klausel in den Vertrag zwischen dem Siedler und dem Kolonisationsdepartement zu sichern hat (§ 111, lü). Diese Sicherung der Lohnarbeit ist die einzige Garantie, von der die Rede ist. Wo bleiben die vom 11. Kongreß als conditio sine qua non so feierlich proklamierten Garantien der jüdischen Arbeit, der hebräischen Kultur usw.? Am schlimmsten ist es dem National-Fonds ergangen. Mit einem Satz (§ III, 12) ist er als ein für die Zwecke der Kolonisation untaugliches Institut abgetan worden, da mit seiner Hilfe die Siedler keine ״wirklichen Landbesitzer“ werden können. Neben dem N.-F., dessen Prinzlpien — nebenbei bemerkt — ebenfalls zu den vom 14. Kongreß geforderten Garantien gehören, soll daher eine Landreserve geschaffen werden, die von den auf den Böden des N.-F, haftenden Beschränkungen frei sein soll. Eine soeben von der Exekutive mitgetellte Ergänzung zum Bericht der Kommission korrigiert diesen Beschluß. Das Erbpachtsystem des N.-F. — so erfahren wir jetzt — soll (eventuell mit Modifikationen) nach dem Vorschlag der Kommission beibehalten werden, aber nur für die Fälle, wo ״der Siedler infolge ungenügender Einkünfte die gesamten Kosten des Landerwerbs zurüekzuzahlen nicht imstande sein wird“. Also nur schlechte Böden, die niemand wird kaufen wollen, sollen nach den hohen Prinzipien des N.-F. unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes werden. Was irgendwie anders unterzubringen sein wird, soll Privateigentum werden. Und so etwas wird der Zionistischen Organisation zur rückhaltlosen Annahme unterbreitet!... Herr R. W'. spricht in der Nr. 50 der ״Jüdischen Rundschau“ die Befürchtung aus, daß nunmehr ״innerhalb des Zionismus ein erbitterter Streit um Einzelheiten des Berichtes ausbrechen wird“. Die Stimmen, die wir aus Palästina bereits vernommen haben, zeigen uns, daß diese Beurteilung der Situation zu optimistisch ist. Nicht ״ein Streit um die Einzelheiten des Berichtes“ steht uns bevor, sondern ein erbitterter Kampf gegen den uns ztigemuteten Verrat an wertvollsten Prinzipien unseres Aufbaus. Sollte auch dieser letzte Kampf vergeblich sein, dann ist der Palästina-Aufbau von der Volksbewegung, die ihn bis jetzt getragen hat, losgerissen und einer Körperschaft ausgeliefert, die sich bereits in nttce als das erwiesen hat, was sie notwendigerweise werden muß, als eine philantropische Administration. Die zionistische Bewegung wird dadurch nicht ertötet. In jedem Fall wird der ״Bericht eine neue Epoche des Zionismus einleiten“, wie Herr R. W. es erwartet, im Kampfe gegen die volksfremde Agency wird — wie einst im Kampfe gegen die Ica-Administration — eine neue Bewegung entstehen. Ist dieser Umweg notwendig? Wird diese Zeitvergeudung für den Aufbau ersprießlich sein? Wer sprach davon, daß wir nicht warten können? Drei Möglichkeiten Von Dr. Felix Weltsch (Prag). Man braucht nicht gerade ein Prophet zu sein, um vorauszusehen, daß der eben veröffentlichte Bericht der Jewish Agency-Kommission die Zionistische Organisation in einen bösen Wirbel stürzen wird und daß wir, nachdem wir die Krise in Palästina glücklich überwunden haben, vor einer Krise der Gesamtorganisation stehen. Um so inehr jeder, Zionist verpflichtet, sich objektiv Rechenschaff zu geben, und möglichst olüe fraktionelle BeeirtfluSSitog selbst zu urteilen. Der Bericht ist sachlich gut. Er erkennt das bisherige Aufbauwerk — trotz mancher Mängel — durchaus an, hebt die großen Leistungen hervor, weiß sich sehr gut in die Situation hineinzufühien; seine sachlichen Vorschläge, was Kolonisation und Wirtschaft betrifft, sind gut. Sie sind nicht alle neu, aber sie sind scharf formuliert und gut zusammengefaßt. Finanziell — entspricht der Bericht nicht gerade den kühnsten Erwartungen — wahrhaftig nicht; aber immerhin entspricht er — bescheidenen Erwartungen. Er ist natürlieh keine Erfüllung dieser Erwartungen, aber immerhin eine Stärkung. Es haben Männer, welche bestimmt nicht gewöhnt sind, leere Versprechungen zu geben, sich klar und deutlich für die Möglichkeit der Erreichung eines Budgets von 1 Million Pfund — also das Doppelte des vom Keren Hajessod jetzt Aufgebrachten — ausgesprochen und gleichzeitig versprochen, sich dafür einzusetzen. Das ist ein wesentlich klareres Wort, als es bisher von der Jewish Agency zu hören war und gewiß ein Erfolg Weizmanns. Der Bericht ist auch außenpolitisch gut. Er spricht sehr deutlich alles aus, was man von der britischen Regierung verlangt. Und es ist kein Zweifel, daß die Männer, welche hier gesprochen haben, ein außenpolitisches Gewicht haben, sowohl persönlich' als auch als Vertreter einer gesamfjüdisehen Jewish Agency. Innerpolitisch — ist der Bericht schlecht. Wir wollen das nicht leugnen. Er nimmt auf die innerliche Situation der Zionistischen Organisation durchaus keine Rücksicht. Lind darum — wird er vor allem innerpolitisch eine große Wirkung haben. Das ist eine Paradoxie, welche der Mentalität der Zionistischen Organisation ganz entspricht. Ich sagte ״innerpolitisch“; Ich meine mehr. Er nimmt nicht nur keine Rücksicht auf die innere Politik, sondern vor allem nicht auf die tiefen Quellen der zionistischen Bewegung, auf die spezifischen menschlichen, nationalen ond sozialen Intentionen, aus denen die Zionistische Organisation gespeist wird. Er wendet sich — wenn auch in gemäßigter Weise — so ziemlich gegen alles, was der jüdischen Arbeiterschaft wichtig ist. Dazu gehören vor allem die Kwuzoth. Er will wohl die alten weiter aillbauen, aber keine neuen errichten. Diese Stellungnahme fst zu bedauern, aber nicht so sehr aus sachlichen, als aus innerpolitischen Gründen. Denn sachlieh besteht keine besondere Gefahr. Audi die Zionistische Organisation kann heute nicht daran gehen, neue Kwuzotli zu errichten, auch bei uns sind die Meinungen geteilt und mit der Jewish Agency wird man, bis die Sache spruchreif ist, gewiß noch darüber reden können. Aber politisch bedeutet diese ganze Stellungnahme die Feindschaft der ganzen Linken gegen den jewish Agency-Pian. Und das hätte wohl bedacht werden sollen. Denn es war nicht nötig. Selbst wer gegen die Kwuzoth ist, ist es — sofern er nicht parteilich eingestellt ist — nur deshalb, weil er bezweifelt, daß sie eine allgemein gültige Lösung der sozialen Frage sind, und weil er bezweifelt, daß sie Zahlt und sammelt SdieKel! sich auf die Dauer halten werden. Aber selbst wenn man dieser Meinung ist, ist es sinnlos und ein großer politischer Fehler, sich ,gegen die Kwuzoth zu stellen. Denn wer das Palästinawerk kennt, weiß, welche Rolle sie bei dem Aufbau an den schwierigsten Stellen gespielt hatten, und daß sie die Quelle waren für jene Begeisterung und Hingabe, welche für eine solche Arbeit nötig war — und noch nötig ist. An diese Dinge hat die Kommission nicht gedacht. Das ist bedauerlich — aber selbstverständlich. Man muß sich dabei darüber klar sein, daß hier Nicht-Zionisten gesproenen haben. Und daß gerade diese Imponderabilien, von denen ich eben gesprochen habe, den Unterschied zwischen Zionisten und Palästinafreunden bilden. Die Situation ist die: Hier haben nichtzionistische Juden von großem Gewicht gesprochen. Für Palästina, für Palästina als jüdische Heimstätte, haben ihre Forderungen gegenüber England erhoben, und ihren Ruf an das gesamte jüdische Volk ergehen lassen und sich selbst verpflichtet, alles daranzusetzen, um ihren Plan finanziell zu verwirklichen. Daß sie nicht auch den Gefühlswert zionistisch-menschlicher Erneuerung berücksichtigt haben, zu dem auch das Suchen neuer sozialer Formen gehört — das unterscheidet sie eben von den Zionisten. Wir selbst betonen immer wieder den Unterschied; und darum brauchen wir uns nicht darüber zu wundern, wenn er wirklich besteht. Es gibt drei Möglichkeiten für den Zionisten, auf diesen Bericht zu reagieren: entweder einfach ja sagen, zu allem, was die Kommission spricht, oder einfach ablehnen, Kampf ansagen gegen den Jewish Agency-Pian; oder den Plan annehmen und um den zionistischen Aufbau kämpfen. Einige werden den ersten Weg gehen; vor allem wohl Amerika; die Opposition wird den zweiten Weg gehen und wird wohl um die Linke vermehrt sein. (Hier wird sich das innerpolitische Manko dieses Berichtes gefährlich auswirken.) Dennoch halte ich den dritten Weg für den richtigen: Nicht feig nachgeben und nicht feig davonlaufen; sondern: Stehenbleiben und kämpfen. Palästina muß vom ganzen jüdischen Volke aufgebaut werden. Ein sehr wichtiger und einflußreicher Teil des jüdischen Volkes steht nun dabei, sich den Bestrebungen für den Palästina-Aufbau anzuschließen. Ein Teil des Volkes, das nicht nur innerpolitisch, sondern auch finanziell und propagandistisch von größter Bedeutung ist. Es wäre vollkommen unverantwortlich unserem Werke gegenüber, diese Möglichkeit a priori zu zerstören; und es ist Unmöglich, für den, welcher imstande ist, unsere Lage richtig einzusehätzen. Aber es ist unsere Pflicht, auf dieser neuen Plattform für unsere Idee und für die Verwirklichung unseres Zionismus zu kämpfen; durch Ueberzeugung und Argument, durch politische und geistige Mittel. Der Bericht der Jewish Agency- Kommission gibt dem Zionismus eine neue Aufgabe, Der XV. Kongreß Soeben erschien, herausgegeben von dem Zentralbüro;der Zionistische» Organisation Tn London, das Protokoll der VerhandVüngeri deS'"׳'XV;'״'׳ZTo־n-tSi«*IC%n־ gress es. Mit Befriedigung stellen wir fest, daß das Protokoll diesmal erheblich früher herausgekomraen ist als bei den vorhergegangenen Nachkriegskongressen. Es ist ein stattliehe!־ Bancf von mehr als 560 Seiten, übersichtlich zusammengestellt und geschmackvoll gedruckt und gebunden. Die Redaktion ist sehr geschickt durchgeführt, eine Reihe von Beilagen und Tabellen erhöhen die Brauchbarkeit des Buches. Außer dem 490 Seiten umfassenden Verhandlungsbericht finden wir ein Verzeichnis der Kongreßmitglieder, einen Bericht über die Zusammensetzung des Kongresses mit wichtigen Tabellen aller Kommissionen usw., Angaben über die technische Durchführung des Kongresses und verschiedene statutarische Bestimmungen. Im Anhang befindet sich eine Zusammenstellung der Beschlüsse des Kongresses sowie samtlicher gewählter Funktionäre, ein Register der Redner und Sachregister. Das Protokoll des XV. Kongresses reiht sich würdig der nunmehr bereits stattlichen Reihe zionistischer Kongreßprotokolle an. Der Leser empfängt ein lebendiges Bild der Vorgänge und Meinungen; er wird in den Bann der Verhanalungen gezogen, sei es nun, daß er seine eigene Erinnerung auffrischt, oder daß er als Nichtteilnehmer zum erstenmal durch dieses literarische Medium die geballte Kraft und Leidenschaft des Kongresses auf sich wirken laßt. Auch die Kritiker des zionistischen Parlamentarismus müssen zugeben, daß diese konzentrierte Widerspiegelung der Kongreßverhandlungen eine Quelle starker zionistischer Inspiration darstellt. Für den zionistischen Politiker und Parteimann ist außerdem nunmehr eine dokumentarische Handhabe gegeben für Stellungnahme und Kritik auf den einzelnen Gebieten der zionistischen Tätigkeit des Kongresses. Diese Stellungnahme wird sich besonders erstrecken auf die Beschlüsse des Kongresses. Bei Durchsicht der Be- Schlüsse bemerkt man, daß Fragen, die die heftigsten Leidenschäften erregt und zu Kampfabstimmungen geführt haben, von gar keiner praktischen Bedeutung gewesen sind. Manche Beschlüsse haben nur demonstrativen Charakter, was in Zukunft vermieden werden sollte. Wieder andere Beschlüsse, die mit großem Aplomb durchgesetzt wurden, sind unausgeführt geblieben. Zu diesen gehört z. B. der Beschluß über die Einrichtung eines zionistischen Kontrollamtes, das als Bedürfnis empfunden wurde, zu dessen Einrichtung aber nach dem Kongreß nichts mehr getan wurde. Viele Vorgange der letzten Zeit beweisen, wie wohltuend ein solches Amt hätte wirken können, z. B. angesichts der in dem amerikanischen Konflikt laut gewordenen Vorwürfe, oder aber gelegentlich gewisser Beamtenentlassungen in Palästina. Bei einer ständig wachsenden Organisation mit einem notwendigerweise außerordentlich ausgedehnten Beamtenapparat in allen Ländern ist eine oberste Kontrollinstanz unentbehrlich, zum Schutze der Beamten vor den in der menschlichen Natur liegenden Verdächtigungen ebenso wie zum Schutze der Oeffentiichkejt. Wir glauben, daß Stricker recht hat, wenn er in der letzten Zeit wiederholt die Durchführung dieses Beschlusses gefordeft hat. Dies ist nur ein Beispiel, wie wichtig cs ist, von Zeit zu Zeit die Beschlüsse der Kongresse wieder durchzusehen. Die Beschlüsse des letzten Kongresses wurden von der Exekutive auch als eigene Broschüre herausgegeben. Noch besser ist natürlich das ganze Kongreßprotokoll. Es kostet in Halbleinen schön gebunden 6 Shilling und ist durch jede Buchhandlung oder durch das Zionistische Zentralbüro, 77, Great Rüssel Street, London W. C. 1, zu beziehen. sch.

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