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Jüdische Rundschau · 1928-07-03 · Heft 52 (3.7.1928) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 52 (3.7.1928)
Date
1928-07-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Ctk.M, Jüb A I ׳׳ ך«׳'׳■ ' Mit UntcrhaUunqs-Bcilogc Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,-— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldraark- Aiiiiandsabotmeinaiiti werden in der Wthrang der einzelnen Lieder berechnet. Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G. m.b. H., Berlin W15, Meinekestr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Für Ocitnrreich: P01t1p*rks,ua>mt Wien, Konto Nr. 156030 FSr Taekcebo.iowakci: Po«t»p*rk*M*B»mt Pr•«. Konto Nr. 59410. Für Polen: Poitipirkuscannit Warscbtu, Konto Nr. 190708. Redakttonsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 52 | Berlin, 3. VII. 1928 A&xef gcapreU: 8 gaipalLNooparaillezeile 0,50 G.-M. Stellenße«1ei1*Ö,25 G.-M AnieigenschluB: Dieagtag uod Freitag nachmittag• 4 Uhr. מ״ו תמוז׳ חרפ״ח | XXXIII. Jaiirg. Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung alnar öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm." Unser neuer Roman In dieser Nummer beginnen wir mit der Veröffent- Hebung einer Erzählung aus der modernen hebräischen Literatur Palästinas: ״Luna" von Jehuda Burlo Burla Ist ein talentierter hebräischer Schriftsteller sephardischer Abstammung, der das Leben der sephardischen und orientalischen Juden sowie der Araber und Beduinen genau kennt und in seinen Werken anschau• lieh schildert. Die Erzählung ״Luna“ spielt in dem Milieu des orientalischen Judentums Jerusalems. Neben den modernen Vierteln europäischer Juden gibt es im heutigen Jerusalem eine ganze Anzahl eigenartiger jü- Kein Friede Die 31. Convention der amerikanischen Zionisten hat Sonntag, den 1. Juli, nachmittags, in Pittsburgh begonnen. Bis zur Stunde liegen uns Nachrichten noch nicht vor. Der Hauptgegenstand der Tagung ist der Kampf um die Führung., im״ amerikanischen Zionismus,.״Schien■ . die ftl®rlttserK!irung Lipskys ein Schritt zum frieden war, so zeigen die neueren Berichte, daß sich die Sache doch anders verhält. Das Friedenskomitee hat seine Aufgabe in eigentümlicher Weise aufgefaßt. Es hat für die Leitung eine Liste vorgeschlagen, die fast gar keinen Anhang in den zionistischen Kreisen hat und deren Wahl keinen Frieden, sondern neuen erbitterten Kampf bedeuten würde. So ist es nicht verwunderlich, daß in den Kreisen, die die bisherige Leitung unterstützen, eine leidenschaftliche Bcwegung für Lipsky entstanden ist, mit der Absicht, ihn zu halten. Es zeigt sich, daß sein Verzicht kein freiwilliger war, sondern zusammenhängt mit der Erörterung der Finanzgebarung der Zionistischen Organisation Amerikas, die in eine kleinliche Untersuchung verschiedener formeller Unregelmäßigkeiten ausartete, wodurch man Lipsky zu belasten suchte. Um nicht falsche übertriebene Gerüchte aufkommen zu lassen, ist es nötig, über diese Sache offen zu sprechen, wenn sie schon einmal hervorgezogen wurde. Es handelt sich darum, daß Lipsky einer Frau Levkowicz, einer Schwägerin seines schärfsten politischen Gegners de Haas, eine Gefälligkeit erwies, indem er ihr aus der Parteikasse ein Darlehen gewährte, das später zurückgezahlt wurde. Diese Angelegenheit hat offenbar de Haas benützf, um seinen Gegner zu Fall zu bringen. Wie immer man die Frage der Zulässigkeit eines solchen Darlehns beurteilen mag, — die Art und Weise, wie diese Sache im politischen Kampf verwendet wurde, ist noch mehr als unerfreulich. Lipsky ist, um weiteren Diskussionen aus dem Wege zu gehen, zurückgetreten, aber seine Anhänger wollen dies nicht dulden. Es ist nur schwer, sich vorzustellen, daß die Lipsky-Gruppe die Führung behält, wenn ihre Gegner sich auch in Zukunft nicht scheuen werden, mit derartigen Mitteln die Menschen persönlich zu diskreditieren und das Vertrauen der Oeffentlichkeit zu untergraben. Charakteristisch für diese Art des Kampfes der Opposition ist ein Artikel in ״New Pa lest ine“ vom 22. Juni, also eine Woche vor der Convention, worin es heißt: ״Es ist von der größten Wichtigkeit, daß die in Pittsburgh vorliegenden Fragen nach prinzipiellen Gesichtspunkten und nicht mit persönlicher Animosität entschieden werden. Die Opposition hat nun die Verantwortung und Gelegenheit, ihre Anschauung, den Delegierten aus dem ganzen Lande zu •unter■ breiten. Es ist die aufrichtige Hoffnung aller Zionisten, daß diese Opposition bei der Convention durch eine Erhebung des Mcinungskampfes auf ein würdiges Niveau die Unehre wieder gutmacht, die sie durch ihre jüngste Taktik erworben hat Wir hatten Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Zionismus auch in früheren Jahren. Sie haben den Zionismus bereichert, die zionistischen Ideale verlebendigt, sie haben zn einer Verstärkung unseres zionistischen Glaubens geführt. Durch diese Diskussionen wurde der Dogmatismus vermieden, der Wert neuer Ideen erwiesen und die zionistische Führung ist dadurch geistig gewachsen. Nun ist die Zeit gekommen für die zionistische öffentliche Meinung, d i e Art von Auseinandersetzung zu beseitigen, die in letzter Zeit in den Vordergrund der amerikanisch-zionistischen Angelegenheiten getreten ist. Wenn dieser Art Opposition nicht ein Halt gesetzt wird, wird sie in die Pittsburgher Convention einbrechen mit all ihrer Roheit, Gemeinheit und Dummheit, und wir werden ein Schauspiel haben, das Antiseniiten und Antizionisten gefallen wird, aber welches Zionisten in jahrelange Trauer versetzen wird. Die Opposition soll daher ein Programm formulieren, für das sie in einer ehrenvollen uüd würdigen Diskussion kämpfen wilL“ * discher Gruppen, die mit dem europäischen Judentum oft nur in einer losen Fühlung stehen und ihre orientalisehen Lebenssitten und Anschauungen bewahrt haben. Wir glauben, daß die Schilderung dieses eigentümlichen Kulturkreises, der den europäischen Juden fremdartig anmutet und doch eines der Elemente des künftigen einheitlichen Judenvolkes ist, für unsere Leser besonders interessant sein wird. Wir möchten noch darauf hinweisen, daß in den Antworten auf die von der ״Jüdischen Rundschau“ veranstaltete Rundfrage über hebräische Literatur auch Burla als einer der originellsten jüngeren hebräischen Schriftsteller genannt worden ist Die Uebersetzung der Erzählung aus dem Hebräischen stammt von Dr. Erich Brauer, Jerusalem. Vom Vorabend der Convention liegen noch folgende Meldüngen vor: New York, 28. Juni. (J.T.A.) Eine Gruppe von New Yorker Delegierten zu der am 1. Juli in Pittsburgh beginnenden Convention hat eine Resolution angenommen,, in welcher dem Präsidenten der Organisation, Louis Lipsky, das Vertrauen a«Mdrrje!t; wlfjlt 4leich»riig״v««rtWi: -der*-,: UhlersMchuhplioiiiÄsIon, dir die Ätrtbntit der Convention zu usurpieren und ihre Funktionen einzuschränken versucht, mit Entrüstung protestiert Dieser Schritt New Yorker Delegierter wird als aas Signal zu einer Bewegung innerhalb der Zionisten Amerikas aufgefaßt, die darauf hinausgeht, Lipsky auf der Convention Genugtuung zu verschaffen. Die Tageszeitung ״Tog“ nennt Lipskys Verzicht auf eine Wiederwahl einen Akt der Auf- Opferung gegenüber der Bewegung; dies werde die künftige Führerschaft mit einer Verantwortung belasten. Das von der Untersuchungskommission unter Vorsitz des Richters Lazansky ernannte Neuner-Komitee hat eine Liste der künftigen Administration der Zionistischen Oranisation in Amerika aufgestellt, die die folgenden Namen entält: Gesundheitskommissar Louis Harris, Richter William Lewis, Abram Liebowitz, Richter Julian W. Mack, Israel Matz, Dr. Nathan R a t n o f f, Samuel Rothenberg, Jacob Sigel und Dr. Israel Wechsler. Es wurde eine Sondersitzung des jetzigen Administrativ-Komitees einberufen, die diese Liste ratifizieren sollte, bevor noch das Untersuchungskomitee den Endbericht über das Untersuchungsergebnis veröffentlicht. Das Administrativkomitee beschloß, die Liste nicht zu ratifizieren. Als dieser Beschluß bekannt wurde, beschloß das Untersuchungs-Komitee, mit der Untersuchung fortzufahren. Es kamen weitere Beschwerdefälle zur Verhandlung, so u. a. die Ge- Währung von Anleihen in Höhe von 3000 Dollar, davon 1000 Dollar an Maurice Samuel, noch aus der Zeit der Schatzmeisterschaft Conheims. Nach Abschluß der Untersuchung faßten die Parteirichter einen Bericht an Dr. Weizinann ab, der demnächst veröffentlicht werden wird. Dr. Weizinann In Paris P?ris, 28. Juni. (J. T. A.) In diesen Tagen weilte hier der Präsident der Zionistischen Weltorganisation Dr. Chaim Weizmann. Er wohnte einer außerordentlichen Sitzung der Kommission für die Vorbereitung der Zionistischen Anleihe bei und machte bei dieser Gelegenheit wichtige Mitteilungen vertraulichen Charakters. Noch am Tage seiner Ankunft besuchte Dr. Weizmann den Baron Edmond de Roth- Schild und informierte ihn über die von der Joint Palestine Survey Commission gefaßten Beschlüsse. Später hatte er eine Zusammenkunft mit dem Führer der französischen Sozialisten Leon Blum. Von Paris begab sich Dr. Weizmann zu einem kurzen Aufenthalt nach der Schweiz. Am 18. Juli trifft Dr. ׳Weizmann in Berlin zur Teilnahme an den am 19. Juli beginnenden A. C.-Sitzungen ein. Warum Lord Planier zurücktritt London, 27. Juni. (J.T. A.) Die Zeitung ״Daily Express“ veröffentlicht eine Mitteilung ihres Jerusalemer Korrespondenten, in der es heißt, Lord Plumer habe einer Verlangerung seiner im Herbst ablaufenden Amtsperioden wegen scharfer Differenzen mit dem Kolonialamt betreffend die Verteilung der Lasten der t r a n s j o r d a n i s c h e n Streitkräftc zwischen dem britischen Schatzamt in Palästina abgelehnt. Angesichts des Defizits im Palästina-Budget von über einer Million Pfund zu Ende des letzten Finanzjahres halte der Oberkommissar die gegenwärtige Verteilungsform für unhaltbar; eine Verminderung der Ausgaben um etwa 15 0/0 müßte die Folge sein. (In Wahrheit beträgt das Defizit nicht eine Million, sondern nur £ 200 000. — Red.) Für nnd wider den Agency-Beridif Der Kampf um den Bericht der Londoner Jewish Agency-Kommission ist innerhalb der Zionistischen Organisation bereits entbrannt. Wie zu erwarten war, findet der Bericht Ablehnung besonders bei den Gruppen, die bisher stets die Politik der Erweiterung der Jewish Agency bekämpft haben, darüber hinaus aber auch bei manchen bisherigen Freunden der Erweilerungspolitik. Wir veröffentlichen im folgenden zwei Beiträge za dieser Diskussion, von denen der eine, von einem prominenten Führer der Radikalen Zionisten stammend, sich gegen den Bericht aussprichl, während der andere bei allen Bedenken, für eine Annahme eintriü. Red. Für Ablehnung Von Dr. M. Soloweitschik. Das lang erwartete Dokument liegt nun vor. Die hie und da geäußerten Befürchtungen, daß der Bericht sich in nichtssagenden Allgemeinheiten verlieren wird, haben sich nicht bewahrheitet. Die ״Schlußfolgerungen und Empfehlungen“ der Survey-Commission sprechen eine klare Sprache, und die zionistische Oeffentlichkeit hat nunmehr die Möglichkeit und die Pflicht, zu dem vor sieben Jahren inaugurierten politischen Kurs der Erweiterung der Jewish Agency endgültig Stellung zu nehmen: die Ziele und Wege der neu zu schaffenden Körperschaft sind aus dem veröffentlichten Schriftstück klar zu ersehen. In allgemeinen Zügen soll dieses weiter unten versucht werden, und zwar vom Standpunkte derjenigen, die seit Jahr und Tag diese Politik a limine abgelehnt, ja bekämpft haben: straft der Bericht der Agency-Kommission unsere Prognosen Lügen oder die unserer Gegner, der Adepten des Weizmannsehen Kurses? Gibt die jetzt sich zu enthüllen beginnende Wirklichkeit der warnenden Minorität der letzten drei Kongresse Recht oder erweisen sich ihre Befürchtungen und die Argumente ihres vergeblichen Kampfe# als ijlrs* 4lltspiMSfe?'*־ •׳׳׳ ' ‘י יי• :־. '"-״ ‘ ln drei Komplexe läßt sich die unsererseits an der Agency- Politik zusammenfassen. Sie sollen formuliert und an Hand des Berichtes nacheinander geprüft werden. 1. Die Heranziehung der Nichtzionisten zur Jewish Agency in der geplanten Weise — so haben wir argumentiert — wird die Zionistische Organisation zerstören, da die neue Körperschaft die wichtigste Funktion unserer Bewegung und ihrer Organe, den Aufbau Palästinas, übernehmen wird. Unser Kongreß und Unsere Weltorganisation werden zu einer leerlaufenden Maschine degradiert werden und ihre Zugkraft, ja ihre Daseinsberechtigung einbüßen. Darauf wurde uns die Antwort gegeben: ״Eitel Angst! den heranznziehenden Herren und ihren Kreisen wird es auch im Traume nicht einfallen, die ihnen gar nicht so naheliegende Palästinaarbeit selbst zu leiten. Sie werden sicherlieh erklären: Ihr, Zionisten, die ihr bis heute mit dem Aufbau euch befaßt habt, sollt auch weiter diese Arbeit als Zionistische Organisation leiten, wir werden uns damit begnügen, eine gewisse Kontrolle an ihren zentralen Institutionen mitausüben.“ Immer wieder wurde diese Entwicklung als die einzig mögliche prophezeit. Wie sieht es nun nach dem Agency-Bericht aus? Die neue Agency soll die gesamte Leitung, Budgetierung und Ueberwachung des Palästinaaufbaues übernehmen. S i e ist der Kontrahent, der mit den Siedlern die Siedlungsverträge abschließt (§ 3, 14); sie errichtet Informationsbüros (§ 2, 4), Immigrations- (§ II, 6) und Kolonisations- (§ HI, 9) Departements in Palästina; sie beschränkt nicht ihre Tätigkeit auf Palästina allein, sondern neben ihrem Palästinabüro (§ II, 4) sollen auch in den Ländern der Emigration Palästinaämter (§ II, 6) ins Leben gerufen werden, die dem Immigrationsdepartement der Jewish Agency subordiniert sind. Für die nächsten fünf Jahre liegt bereits ein von dieser Kommission ausgearbeitetes Budget vor, und in diesem Budget lesen wir den in diesem Zusammenhang besonders wichtigen Posten: ״Verwaltung der Jewish Agency und ihrer Fonds — £ 80 000 pro Jahr.“ Daß der Bericht auch unter den gegenwärtigen Verhältwissen bezüglich des weiteren Funktionierens der Zionistisehen Organisation anders urteilen konnte, sehen wir am Beispiel der Hadassah. Für die ״Koordinierung des von jüdisehen Stellen geführten Gesundheitswesens“ wird kein Medizinisches Departement der Jewish Agency geschaffen, sondern ״logischerweise dürfte Hadassah die geeignete Organisation sein, diese Koordinierung durchzuführen“ (§ VI, 3). Und wohl ebenso ״logischerweise“ sollen alle Institute der Zionistischen Organisation ihrer Funktionen beraubt werden, und vorsorglich wird schon jetzt dekretiert, daß die Palästina-Aemter ״einen Charakter reiner Wirtschaftlichkeit tragen müssen“ und ״unabhängig von lokaler Politik zu arbeiten haben“. Daß hiermit die Ausschaltung der notwendigerweise politisch orientierten zionistischen Parteien angestrebt wird und daß eine solche Struktur der Palästina-Aemter eine Kluft zwischen dem Palästina-Aufbau und der Chaluz- und jeglicher Jugendbewegung aufreißen würde, ist jedem, der die Dinge kennt, ohne weiteres klar. 2. Die Heranziehung der Nichtzionisten zur Jewish Agency in der von Weizmann geplanten Form, die angeblich in erste"! Reihe wegen der unzulänglichen Fonds der Zionistischen Or- Die Pitisburgher Convention

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