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Jüdische Rundschau · 1928-06-29 · Heft 51 (29.6.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 51 (29.6.1928)
Date
1928-06-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 51, 29. VL1928 JÜEDISCHE RUNDSCHAU S8tt 809 / Blätter dies ״Bundes Zionistischer « Zur Wiao ״Tagung Am 3. Juli beginnt in Berlin die zweite Counciltagung der Wizo (Weltorganisation der zionistischen Frauen). Verfreterinnen aus der ganzen Welt werden an der Sitzung teilnehmen, die sich mit den wichtigsten Fragen der organieierten zionistischen Frauenarbeit 1'm Galuth sowie mit den konkreten Aufgaben der Wizo in Palästina eingehend befassen wird. Die Sitzung wird auch Berichte über die Lcistuneen in den letzten Monaten, insbesondere seit der Baseler Tagung, entgegennehmen. Anläßlich der Tagung erschien soeben ein neues Heft des Arbeitszirkulars der Wizo, das in London unter dem Namen ״Pioniere und Helfer“ herausgegeben wird. Der Leitartikel des gut ausgestatteten und illustrierten Heftes gibt eine Einführung in die Aufgaben der zweiten Counciltagung. Die weiteren Aufsätze sind verschiedenen palästinensischen Institutionen, wie Sanitätsfürsorge, Mädchenfarm in Neß Zionah, dem Hostel, der Landwirtschaftsschule in Nahalal sowie einer ganzen Reihe anderer Probleme gewidmet. Wir hoffen, daß die Berliner Tagung der zionistischen Frauenarbeit in der ganzen Welt neue Impulse geben wird. Die Breslauer Frauentagung Von Margarete Turnowsky-Pinner. Man hatte mir den Auftrag gegeben, die Breslauer Frauen- <3gung zu leiten. Ich übernahm es, ging aber mit Unbehagen an die Arbeit. Delegiertentage sind der gegebene Zeitpunkt für zionistische Frauensitzungen, weil hier Frauen aus allen Städten Zusammenkommen; aber die allgemeinen Aussprachen -- und dies spricht f ü r unsere Frauen — pflegen ihr Interesse so zu fesseln, die Stimmung des Tages pflegt das Gefühl für die Hauptaufgaben so zu stärken, daß die Frauentagung oft von den besten Frauen nur ungern besucht, vielfach belächelt wird. Ich erinnerte mich an quälende und unproduktive Auseinander- Setzungen. Die Breslauer Sitzung war von etwa 100 Frauen besucht; es entstand eine wirkliche Aussprache; man fühlte Interesse, fühlte, das alles Gesagte die trauen anging; man lernte voneinander; die meisten gingen mit dem festen Willen zur Fortführung und Ausbau ihrer Gruppen weg. All das war ein Beweis, daß die letzten Jahre der Arbeit im Bund und im Kulturverband eine Wirkung hatten, daß eine Entwicklung der zionistischen Arbeit unter den Frauen begonnen hat Ein kurzer Bericht über den Verlauf der Tagung ist in der ״Rundschau“ bereits gegeben, ein ausführlicher an die Ortsgruppen des Bundes und Kulturverbandes verschickt worden. Ich will darum hier nur Wesentliches besprechen. Der ״Bund zionistischer Frauen“ und der ״Kulturverband“ bestehen als getrennte Organisationen, müssen — wie uns scheint — getrennt fortbesteben. In der Idee erfaßt der Kulturverband Jede Frau, die durch ihr jüdisches Gefühl Palästina irgendwie verbunden ist; ihre Gabe ist Geschenk für die Frauen, die in Palästina ein neues Leben aufbauen — sehr oft nichts als eine Spende, gedacht für Notleidende, berührt von dem altgeliebten Wort ״Palästina". Ziel des Verbandes ist, die Frauen tiefer zu erfassen, ihnen das Bewußtsein einer Mit- Verantwortung, einer Kenntnis der tatsächlichen Entwicklung, das Gefühl der eigenen Sache zu geben. Das ist Ziel, es ist nicht der Anfang. Am Anfang wendet sich der Verband an die Masse, führt langsam weiter. Der ״Bund“ ist für die Zionistinnen da. Er rechnet mit denen, die sich entschlossen haben, Palästina in das Zentrum ihres Lebens zu steilen. Der Bund weiß, daß der Weg zwischen einmaligem Entschluß und dauernder Willensausrichtung, zwischen Idee und Verwirklichung weit ist. Er will den Frauen helfen, aus dem Gemeinschaftsleben die Kraft zu nehmen, zionistisch zu leben. Eine der Arbeiten des Bundes, eine sehr wesentliche, Heranziehung Außenstehender und Sammlung von Mitteln aus dem Kreise der Frauen für das Frauen- und Kinderwerk Palästinas, erfüllt der Kulturverband. Der Kulturverband versucht leitend, auch nichtzionistische Frauen heranzuziehen. Tragen aber die Zionistinnen seine Arbeit nicht, fühlen sie sich nicht dafür verantwortlich, so kann er nicht bestehen. Trotzdem kann Geldbeschaffung iind auch Geldgeben nicht die zentrale Aufgabe des zionistischen Bundes sein. Es kommt als Leistung aus ihm heraus, ist Nebenerscheinung, wenn auch wesentliche, wenn auch ein Prüfstein für die Wahrheit der Gesinnung. Wir haben in diesen Tagen eine Reihe von Erfolgen gehabt: unseren Kreis erweitert, das von uns aufgestellte Minimalbudget erheblich überschritten, neue Gruppen sowohl im Bund wie im Kulturverband gegründet, zionistische Hilfsarbeiten ausgeführt, Kurse eingerichtet, an ein paar Stellen Kindergärten begründet. — Die Berichte — und es waren nur die ganz weniger Gruppen — bewiesen Fortschritte. Die Diskussion betraf, wie es sein sollte und mußte, Einzelfragen, von denen ich noch sprechen will. Aber ebenso wie die Geldaufbringung, kann keine einzige der geleisteten Arbeiten Zweck des Bundes sein; jede Einzelleistung ergibt sich gleichsam nebenbei aus dem Gruppenleben. Zweck des Bundes ist die Gruppenbildung selbst. Frau Dr. Rabin sagte; ״Wir brauchen die zionistische Gesellschaft; das ist richtig, nur sollten wir statt dessen sagen: Wir brauchen die zionistische Gemeinschaff.“ Das empfanden nicht nur wir Frauen; es klang durch den ganzen Delegiertentag. Und hier entsteht wieder die große Frage: Ist es richtig, eine besondere Frauenarbeit, besondere Frauengrnppen zu machen? Ich selbst glaube an das Vorüber* gehende der Frauengruppen; aber der Augenblick rechtfertigt sie. Noch gibt es spezielle Frauenaufgaben, die die Männer nicht sehen — das wäre überwindbar, wenn Frauen zwischen den Männern arbeiten. Aber es gibt infolge der Ordnung unseres Familien- und beruflichen Lebens, wohl mehr als infolge der natürlichen Gegebenheiten — besondere Frauen- Probleme, die Frauen nur mit Frauen durchsprechen, und eine besondere Frauenpsyche. Die Frau scheut, sich in einem Männerkreis frei zu äußern. Die Frauengruppen sind nicht dazu da, sich selbst zu genügen, aber sie sollen bisher brachliegende Kräfte produktiv machen, Frauen zu bewußten Zionistinnen und damit besseren Mitarbeiterinnen ant Ganzen heranbilden — und der bisherige Erfolg beweist, daß ihnen dies gelingt Aufgabe des Bundes ist die Gemeinschaftsgründung. Das gilt in doppelter Weise: Gemeinschaft der hier Beieinanderlebenden und Gemeinschaft mit den Menschen Palästinas. Von den Ausführungen Blumenfelds, die Salli Hirschs Referat unterstützte, hat mich nichts als so wahr gepackt wie der Satz: ״Eine Schwierigkeit kann der Jischuw nicht überwinden, nämlich das Bewußtsein, daß er nicht getragen wird in seiner außerordentlichen Leisung durch die Sehnsucht und den Willen der Juden außerhalb des Landes. Ohne dies Gefühl, von einer unsichtbaren und gewaltigen Macht getragen zu sein, kann man dieses Leben dort nicht aushalten.“ Gemeinschaft mit Palästina bedeutet im ideal Hinübergehen nach genügender Vorbereitung. Für diejenigen, die dazu den Weg nicht finden, heißt es, starkes Mitleben in Gedanken, Mitverantwortung und darum Hilfe, wie sie nötig ist, Mitdenken — und das bedeutet: Hebräisch. — Gemeinschaft hier heißt Ueberwindung der Isolierung, Geöffnetsein für den anderen, Güte. (Ich habe nach der Sitzung mit vielen einzelnen Frauen gesprochen. Manche sagten: ״Wir sind in die Gruppen gegangen; wir haben etwas gelernt — aber es waren keine Freunde da; wir blieben allein. Es war keine Bereitschaft des einen für den anderen da. Was soll uns dann eine Gruppe?“ Dies ist nicht überall so, sonst wäre alle bisherige Arbeit verloren. Ich schreibe es, weil es das bestätigt, was mir selbst als das Wesentliche erscheint — und an dessen Möglichkeit ich glaube. Man hat uns Isolierung, Abschluß, Härte gelehrt; sic sind uns nicht eingeboren. Darum brauchen wir die reifsten Frauen zur Führung unserer Gruppen. Darum war ich später glücklich bei der Reorganisation der Breslauer Gruppe, die sich noch nicht bewährt hat, in deren Wollen aber Güte zusammen mit geistiger Disziplinierung Hegt.) Aus den in der Diskussion besprochenen Einzelfragen will ich einige hervorheben, die für die Weiterarbeit der Gruppen des Kulturverbandes und des Bundes wichtig sind: Die Gruppen verpflichteten sich, keine Zufallssammlungen vorzunehmen, sondern ausschließlich die von Wizo und Moazah empfohlenen Arbeiten zu unterstützen. Trotzdem sie für den Augenblick größeren Erfolg zu haben glaubten, wenn sie für einen besonderen Zweck sammeln, beschließen sie die zentralisierte Sammlung für den Keren Hanaschim, da die Gefahr der Zersplitterung und der Verengerung des Interessengebietes den momentanen Vorteil nicht aufwiegt. Auch ist das Nachteilige der zentralisierten Sammlung durch häufige genaue lnformationen über den Stand aller Arbeiten zu überwinden. — Das regelmäßige Erscheinen eines Informationsorgans wäre darum allen erwünscht. Es setzt aber von Palästina direkt ausgehende und aktuelle Berichte voraus. — Als Ausgleich gegen die Aufgabe von Sammlungen für Sonderzwecke wird die Be- Stimmung einer von jeder Gruppe aufzubringenden Quote durch die Zentrale gewünscht — wie überhaupt ein deutlieber Wunsch nach einer stärkeren zentralen Leitung hervortritt. Innerhalb der Kulturverbandsgruppen zeigt sich die (z. B. in Nürnberg, Dresden und Duisburg) durchgeführte Zusammenfassung in regelmäßigen gesellschaftlichen und informierenden Zusammenkünften als das wichtigste Mittel zur Heranziehung neuer Kreise und der besseren Geldaufbringung. Die von Nadja Stein in Berlin eingcleiteten ״Werbewochen“ mit ihrer Organisation vorbereiteter Werbebesuehe und der Verknüpfung dieser Besuche mit einer großen Werbe- Veranstaltung werden allen Orten zur Nachahmung empfohlen. Der von Berlin ausgehende Vorschlag, die Herbstarbeit überall mit einer gut vorbereiteten Aktion: ״Tag der jüdischen Frau für das jüdische Kind in Pa- 1 ä s t i n a“ beginnen zu lassen, wird von allen anwesenden Gruppen angenommen. Dieser Tag soll eine kulturelle Kundgebung über das Jugendleben in Palästina mit geldwerbenden Veranstaltungen verbinden. Es wird hervorgehoben, daß der Wert dieser Kundgebung darin liegt, daß vor weiteren Kreisen von dem besonderen Punkt aus ein fast vollständiges Bild des palästinensischen Lebens aufgerollt werden kann. Entgegen früheren Vorschlägen wird allgemein verlangt, daß der Tag auf des ,jüdische Kind in Palästina beschränkt bleibt, da sonst die Kraft der zionistischen Propaganda abgeschwächt würde. Es wird aber angeregt, die Gruppen des Frauenbundes, der Logen und sonstiger neutraler jüdischer Frauenvereine um Unterstützung der Arbeit zu bitten. Der Wert dieser Bitte liegt nicht nur in der tatsächlichen Mitarbeit, sondern noch mehr in dem auf die neutralen Verbände ausgeübten Zwang, sich immer wieder mit dem Palästinaproblem auseinanderzusetzen. Wichtig war weiter die leider nur berührte Frage der Beteiligung der zionistischen Frauen an der sozialen Arbeit. Die Diskussion ging von der als Gast anwesenden Leiterin des Kontinental-Mädchenbundes, Frau Dr. Lachmann - Breslau, aus. Als Resultat der Aussprache kann etwa folgendes angesehen werden: So wichtig die Mitarbeit auch der zionistischen Frauen an der allgemeinen jüdisch-sozialen Arbeit ist, sollte sie bei der geringen Zahl unserer Kräfte und der Größe unserer zentralen Aufgabe doch nur da gefördert werden, wo unsere Frauen als Zionistinnen und mit ihren! gesteigerten Bewußtsein der Volkseinheit die Arbeit entscheidend beeinflussen müssen. Am dajfcüchsten tritt dies bei einer von uns selbst zu schaffenden soaalen Jugendarbeit hervor, die an Volksheim-Ideen anknüpft und ihre erzieherische Kraft aus der Zielrichtung auf Palästina nimmt. Die Besprechung über die Hilfsarbeit für den Keren Kajemeth zeigte, daß der Gedanke der Natlonalfondsarbeit sich in allen Frauengruppen verwurzelt hat. In den durchorgantsierten Gruppen trägt eine Frau die spezielle Verantwortung für die Durchführung der Arbeit. Büchsenaufstellung und spätere Leerung in regelmäßigen, nicht zu langen Abständen wird überall als Frauenarbeit angesehen. Die Erfahrung zeigt, daß die Resultate besser als bei der Leerung durch Jugendliehe sind. Mir haben später führende Zionisten aus zwei Orten gesagt: ״Die Frauengruppe Ist jetzt unsere geschlossenste Gruppe. Sie liefert die besten Arbeiter, ersetzt fast das, was früher die Jugendorganisationen leisteten.“ Ich weiß, daß dies nur für wenige Gruppen gilt. Trotzdem schreibe ich es hier, weil wir alle immer wieder am Wert unserer Leistung zweifeln, und weil es für uns und unsere Arbeit gut ist, wenn wir an sie glauben. Wizo ״Ausstellung In Tel״Awiw In der ersten Juni-Woche veranstaltete die Organisation zionistischer Frauen (״Wizo“) in Tel-Awiw eine Ausstellung von Produkten aus den von ihr eingerichteten Gärten. Im vorigen Jahre wurde der Plan in Angriff genommen, den Besitzern und Mietern der kleinen Häuser und Baracken die erforderliche Anleitung zu geben, um sie zur Ausnutzung der kleinen Bodenfläche ihres Hofes zum Anbau von Gemüse zu veranlassen. Richtunggebend war bei diesem Plane zweierlei: den zum Teil schwer mit wirtschaftlichen Nöten kämpfenden Haushalten einen kleinen Zuschuß aus eigenen Produkten zu sichern und außerdem den Anstoß zu geben zu einer äußeren Aenderung in Tel-Awiw. Es ist ein altes Thema der Diskussion, daß man dafür sorgen müsse, daß die Stadt ״grün“ würde. Denn es gab eigentlich nur zwei Farben in der Stadt: das Blau des Himmels und des Meeres und das Weiß der Häuser. Man hatte bei der Anläge der Stadt kaum einen grünen Platz ausgespart, die Bäume an den Straßenrändern wollten nicht so recht wachsen und brauchten auch viel Zeit und es war schließlich bei der Entstehungsgeschichte der Stadt kein Wunder, daß Tel-Awiw noch immer erschien wie eine Häusersammlung, die man aus der Fabrik bestellt hatte. Diese oft beleidigende Nacktheit in einen Mantel von Grün zu hüiien, war das ideal und Ziel vieler, die sich über das Aussehen der Stadt Sorgen machten. Diese Sorge bewog freilich die ״Wizo“ erst an zweiter Stelle zu ihrem Entschluß, für die Anlage von Gärten in Tel-Awiw zu sorgen. Sie begann die Aktion in der schärfsten Krisenzeit und da schien es vor allem bedeutsam, für einen Zuschuß zum Verdienst zu sorgen. Auch der Gedanke der ״Produktivierung“ hat eine Rolle gespielt, obwohl es von vornherein klar sein muß, daß man in solchen Hausgärtchen nur die primitivsten Handgriffe und Vorstellungen erwerben, aber nicht zum ״Landwirt“ werden kann. Die ״Wizo“, die zuerst auch vom ״Joint“ Mittel erhielt, die Aktion dann aber völlig in eigener, auch finanzieller Regie durchführte, war vorsichtig in der Ausführung. Nach einigen ersten Versuchen wurde beschlossen, die Instruktionen nur solchen Gärten zukommen zu lassen, wo die elementaren Vorbedingungen für einen Erfolg gegeben waren, das heißt, wo Wasser direkt zur Verfügung stand und ein Zaun ihre Arbeit und ihre Produkte schützte. Lind sie hütete sich auch, sich mit untragbaren finanziellen Aufgaben zu überlasten und schränkte Anleihen zur Anlage von Gärten mögliehst ein. Nur die Anleitung, die durch die Schülerinnen des ״Hostels“ (der gärtnerischen und hauswirtschaftlichen Schule) in Tel-Awiw durchgeführt wurde, war unentgeltlich. Nach einem Jahre der Arbeit veranstaltete also die ״Wizo“ in diesen Tagen ihre erste Ausstellung aus den Produkten dieser unter ihrer Leitung angelegten Gärten. Die Ausstellung fiel auf durch Quantität und Qualität. Die Zahl der Häuser, die sich an der Ausstellung von Gemüseprodukten beteiligten, war sehr erheblich und die Produkte selbst erstaunlich gut Und die Aussteiler, die als Preis für ihre Leistungen Arbeitsgeräte erhielten, waren stolz auf ihren Erfolg. Die Anträge bei der ״Wizo“, ihre Anleitung zur Anlage von Gärten zu geben, mehren sich, und die Ausstellung wird weiteren Kreisen Lust gemacht haben, an diesem Versuch teilzunehmcn, den sprichwörtlich gewordenen Sand Tcl-Awiws in ein Gemüsefeld zu verwandeln. Wenn es sich nur um die Erfolge handelt, daß hundert oder dreihundert Haushaltungen in Tel-Awiw gelernt haben, sich einen Zuschuß aus ihrem sonst ungepflegt und schmutzig daliegenden Hofe herauszuholen, so wäre diese Aktion ein vielversprechender Versuch der ״sozialen Hilfe auf produktivem Wege“, die wie jede solche Aktion eine Erziehung in sich birgt. Aber das Interessante an der Ausstellung war nicht nur das, was man zu sehen bekam, sondern auch wie die Tel-Awivver es ansahen und wie sie darauf reagierten. In den zwei Tagen der Ausstellung drängten sich den ganzen Tag und den ganzen Abend Massen von Besuchern an den mit den verschiedensten Gemüsesorten bedeckten Tischen vorbei. Und die Presse brachte nicht einen einfachen Bericht, sondern lange begeisterte Ar* tikd, wo man kein Ende finden konnte vor Verwunderung, was man alles aus dieser! Sandflächen herausbekommen konnte. Die Tatsache, daß ein Plan, der jahrelang in der Luft lag, zur Ausführung kam, und zwar ohne große Propaganda, ohne riesige Mittel, sondern auf dem einfachen Wege der Anleitung, war für Tel-Awiw eine Ueberraschung. Die Ausstellung hatte der alten Sehnsucht nach einem Tel-Awiw mit Bäumen, Gemüse, Blumen und Schatten wieder einen starken Trieb gegeben und einen Weg gezeigt, sie zu verwirklichen. Und noch eine andere Reaktion war interessant. In einem Zimmer der Ausstellung waren eine Reihe von Gerichten aufgestellt, die aus den Gemüsen hergestellt waren. Und um die Leiterin des Hostels, die bereit war, die Herstellung zu erklären, drängten sich Frauen in großer Zahl, um zu lernen Und zwar nicht nur der Typus der ״Hausfrau“, sondern sehr viele Mädchen aus verschiedenen Berufen, denen man ansah, daß sie hier Antworten erhielten auf Fragen, die sie außerordentlich interessieren. Das ist etwas Neues für Palästina. Man weiß, ciaß gerade das Interesse für den Beruf der Küche sehr gering, zu gering war. Und dieses Interesse beweist wieder, daß wir schon theoretisch wußten: daß Aufklärung auf diesem Gebiete notrtut und daß es heute große Kreise von Mädchen und Frauen gibt, die auf diese Aufklärung warten. Man beginnt langsam zu verstehen, daß es nicht nur darauf ankommt, vernünftig zu ״produzieren“, sondern auch ebenso vernünftig zu ״konsumieren“. Und darüber hinaus die besonderen Möglichkeiten der einheimischen Produkte auszunutzen. Die anspruchslose und sich weise beschränkende Arbeit der ״Wizo“ auf diesem Gebiet füllt eine der vielen Lücken aus, die es in Palästina in der praktischen Arbeit gibt. Und ertreulich ist es, daß nicht nur die Haushalte, die von dieser Unterweisung profitieren, Interesse zeigen, sondern daß auch die Öffentlichkeit einzusehen beginnt, daß gerade solche Kleinarbeit an die großen Probleme rührt. Gerda Arlosoroff- Goldberg. Von der Moazatti-Naschim Wir erhalten folgenden Bericht: Im Mai hat die Vierteljahrsversammlung des Waad hapoel (Arbeitsausschuß) der Moazath hairgunim schel naschei-Erez Israel (Council of Jewish Womens Organizations of Palestine) stattgefunden. Vertreterinnen aus allen Städten und größeren Ortschaften Palästinas traten in Tel-Awiw zusammen, um den Bericht des Engeren Arbeitskomitees entgegenzunehmen und die Ausgestaltung der Moazah zu beraten. Das starke und trotz langer schwieriger Sitzungen, immer gleich intensive Interesse der Teilnehmerinnen, ihre Hingabe an die Arbeit und an die Aufgabe der Moazah lassen von dieser das Beste für die Zukunft erhoffen. Von den wichtigsten Beschlüssen der Tagung seien einige erwähnt: 1. Wahl einer Kommission zur Sammlung von statistischem Material für alle Angelegenheiten der jüdischen Frau in Erez-Israel. — Da der Informationsdienst, besonders nach dem Auslande, eine der wichtigsten Aufgaben der Moazah ist, so muß seine Basis auf genauestes Kenntnis aller

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