Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1928-06-22 · Heft 49 (22.6.1928) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 49 (22.6.1928)
Date
1928-06-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2652971-2653015--20056-2677995
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Nr, 49* 22. VL 1928 juedische nunmcfTKtn Sdte SSS Joseph BarondeB Aus New York kommt soeben die telegraphische Trauernachficht, daß der bekannte amerikanische Zionist, Joseph ßafondeß, im Alter von 61 Jahreri gestorben ist. BarondeB ist eine der populärsten Figuren des amerikanischen Zionismus, ein ausgezeichneter Volksredner, der seine Beziehungen zu den Massen und sein Verständnis für die Volksbedürfnisse nie verloren hat. Nach einer gewissen Pause in seiner zionistischen Tätigkeit, die durch persönliche Gründe veranlaßt war, Ist er gerade in der letzten Zeit wieder zu aktiver Tätigkeit zuriickgekchrt. Er hat die Leitung des Jüdischen Nationalfonds in Amerika übernommen und die letzten aus Amerika hier eingelaufenen Zeitungen bringen auf der ersten Seife einen von ihm Unterzeichneten Appell anläßlich des bevorstehenden Blumentages des Keren Kajemeth. Das Hinscheldcti dieses verdienten Mannes wird auch in europäischen zionistisehen Kreisen großes Bedauern hervorgerufen. Wir sprechen unsern amerikanischen Gesinnungsgenossen unsere Teilnahme aus. BarondeB wurde am 3. Juli 1867 in Kamenetz-Podolsk als der Sohn frommer jüdischer Eltern geboren. 1888 kam er nach den Vereinigten Staaten und wurde hier einer der Organisatoren der Arbeiterbewegung. Er begründete die Mantelschheider-Unlo«, später begründete er die Union der jüdischen Buchdrucker und kämpfte auch sonst jahrelang für Erweiterung der Rechte der Berufstätigen. Während des Krieges beteiligte er sich hervorragend an der Aktion für. die Kriegsopfer, unmittelbar nach dem Kriege nahm er Anteil an den Arbeiten des Pariser Komiteesder jüdischen Delegationen und wurde zum Vizepräsidenten des amerikanisch-jüdischen Kongrosses gewählt. Er kämpfte auch energisch gegen die Immigrafionseinschränkungs-Bill. Er war Efirenvizcpräsident der Zionistischen Organisation Amerikas. Ungarlsclier Verband Pro Palästina Bud a pe st, 17. Juni. (J.T, A.) Die Generalversammlung des Ungarischen Verbandes ״Pro Palästina" fand unter dem Vorsitz des Oberhausmitgliedes, Oberrabbiners von Szegedin Immanuel Löw und des Hofrats Karl Bäracs unter großer Beteiligung statt. Der Direktor-Generalsekretär Ignaz Oahör erstattete Bericht Über das vorjährige Wirken des Verbandes. Er teilte mit, daß die Ungarische Akademie der Wissenschatten der Hebräischen Universität in Jerusalem ihre samtliehen Editionen übersendet hat. Dr. Josef Patai skizzierte die bedeutendsten Probleme der in Palästina geleisteten Aufbautätigkeit. Mit Freude wurde seine Meldung aufgenommen, daß das Londoner Kuratorium an der Hebräischen Universität in Jerusalem den Budapester Professor Dt. Fekete zum Professor der Mathematik ernannt hat. Dr. Oeza S z ö n y i berichtete über die neuesten Phasen der Aufbautitlgkeit Ift Palästina. Nachdem noch Dr. Nison Kahan und Dr. Josef Schönfeld gesprochen hatten, wurden die Wahlen vorgenommen. Präsident wurde Hofrat Karl Baracs. Zu Mitgliedern des Präsidiums wurden gewählt: Baron Adolf Kohner und Franz Szekely, Ignaz Pfeiffer, Oberregierungsrat Dr. lgrtaz Friedmann, Pr. Julius Donath, Seminarprofessor Bernhard Heller, Schriftsteiler Dr. Josef Patai, Oberräbbinef Imntanuel Löw, Oberfiskal* rat Alexander Fleißig, Generaldirektor Dr. Ernst Makai, Oberregierungsrat Dr. Emerich J. Szekeiv, Dr. Samuel Biedl, Advokat Dr. Leopold Osstern, Oberrabbiner Dr. Arnold Kiß und Advokat Dr. Nison Kahan. In den Präsidialrat und in den Ausschuß wurden zahlreiche hervorragende Männer des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens entsendet. Der ungarische Pro Palästina-Ver» band hat die Aufbringung von öOOOO.Pengß für den K. K. L. upd von 20000 PengÖ für den K. 11. fit diesem Jahre beschlossen. (Der ungarische Pro Palästina-Verband ist eine Organisation palästlnafreundlicher Juden, nicht eine Organisation nach Art des deutschen Komitees ״Pro Palästina“. Die für die Fonds in Aussicht gestellten Beträge sind, nach soviel begeisterten Reden, keineswegs imponierend. — Red. ״J. R.“) Erklärung des indischen Clnbs Warschau, 17. Juni. (J, T. A.) Der polnische Sejm hat *las von der Regierung vorgeiegte Budget In dritter Lesung mit allen gegen die 53 Stimmen der Vertreter der nationalen Minderheiten und der Kommunisten angenommen. Vor der Schlußabstimmung gab Abg. Grünbaum im Namen des jüdischen Clubs die folgende Erklärung ab: In Anbetracht dessen, daß das nun stark erhöhte Budget ebenso wie die früheren Budgets auf der überaus hohen Belastung der Bevölkerung der Städte, vor allem der jüdischen Bevölkerung, basiert — speziell die Juden zahlen ein Vielfaches an Steuern, als es ihnen nach einer richtigen Proportion zukäme —; in Anbetracht ferner, daß die Juden fast nichts als Aequivalent für die schwere Steuerlast erhalten, daß nichts zur Befriedigung ihrer wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und religiösen Bedürfnisse geschieht; in Anbetracht schließlich, daß ein auf solche Weise aufgebautes Budget den endgültigen Ruin und die Pauperisierung der jüdischen Massen zur Folge haben muß, wodurch in weiterer Folge das wirtschaftliche Gleichgewicht des Staates ins Wanken geraten muß, — sieht sich der jüdische Club gezwungen. Im wohlverstandenen Interesse der jüdischen Bevölkerung und des Staates gegendas Budget zu stimmen. Um die ״nationale Teilung" Jerusalems Wie bereits (in Nr. 47) berichtet, hat der Vorschlag, eine eigene Gemeinde der Juden Jerusalems zu gründen, einen lieftigen öffentlichen Protest von Ussischkin hervorgerufen. Daraufhin hat der jüdische ,,Stadtrat‘* (Waäd Hair) in Jertisalem eine Erklärung veröffentlicht, in der die Vorwürfe Ussischkins zurückgewiesen werden und versprochen wird, die gesamte Frage dem Waad Leumi zur Entscheidung vorzulegeit. (So hatte die Hauptforderung Ussischkins gelautet.) Auch die arabische Presse ist über diesen Vorschlag nicht mit Stillschweigen hinweggegangen. Sie hat sich ebenfalls für eine gemeinsame Stadtverwaltung ausgesprochen, freilich nicht mit der Begründung, wie sie Ussischkin gibt, sondern aus der einfachen (und richtigen) Steilung heraus, daß eine M u n i z i - palität gemeinsame Interessen zu verteidigen habe und daher gemeinsam arbeiten müsse. Eine Bearbeitung des Vorschlages im Waad Leumi ist bisher nicht erfolgt. Gegen die ״Toaristen“-Answelsnng Jerusalem, 17. Juni. (J.T.A.) Bekanntlich hat die Palästina-Regierung vier jüdischen Familien, die als Touristen ins Land kamen, den ständigen Aufenthalt in Palästina gestattet, dagegen aber die Landesverweisung von vier anderen jüdischen Familien bestätigt. Der Stadtrat von Tel-Awiw hat nun den britischen Kolonienminister auf telegraphischem Wege ersucht, die Ausweisungsorder gegen diese Familien zu annullieren. Unterschrieben sind Öberrabbiner Ahronson, Oberrabbiner Uzlel, der Vorsitzende der jüdischen Öemtfele Sttprasky. ferner Rosow, Weinschal, Halperin. Die landwirtschaftliche Versuchs- Station im Emek Voll Unserem Korrespondenten. A.G. Td-AwiW, den 17, Mai 1928»). Das Hauptbüro des Keren Hajessod in Jerusalem hatte vor einigen Tagen die Vertreter der jüdischen Presse des ln* und Auslandes tu einer Zusammenkvntt im Mittelpunkt der neuen Kolonisation Ungeladen. Nicht aber zu einer Besichtigung der neuen Siedlungen, die im vorigen Jahre hier entstanden sind, sondern um die Institution kennenzulernen, die allen Kolonien im Emek das Wissenschaftliehe Rüstzeug zu ihrer Arbeit liefert: die neu eingerichtete landwirtschaftliCheVersuchsstationlmEmek. Die landwirtschaftliche Versuchsstation arbeitet Im Lahde seit Jahren, hat ihren Hauptsitz in Tel-Awiw *und VerSUefrsfelder in den verschiedenen Teilen des Landes, die durch Ihre besondere Klima- und Bodenbeschaffenheit besondere Erforschung und besondere Arbeitsmethoden verlange«. Es hat lange gedauert, bis die Versuchsstation aus den verschiedenen Provisorien herauskam. Sie brauchte für ihre Arbeit geeignete Umgebung und geeigneten Boden und mußte lange Zeit sich damit begnügen, an verschiedenen Stellen (MefChawjah, Daganiah, Ness-Zionah) provisorisch zu arbeiten. Auch heute noch sind die zentralen Laboratorien Ift Tel-AWiW untergebracht und es wird noch einige Zeit dauern, bis die Hauptstelle an ihren festen Sitz nach Rechowoth übersiedeit, wo ihr bereits der Boden zur Verfügung steht. ״ Unter diesen Umständen war eä für die Versuchsstation ei« großer Tag, daß sie Zum erstenmal auf ihren vor noch nicht zwei Jahren eingerichteten Versuchsfelder« und in ihrem neu gebauten Haus in Djebata Gäste empfangen Und ihnen an Hand der bereits geleisteten Arbeit den Sinn und das Ziel des Instituts vor Augen führen konnte. Djebata, das auf jenem Gebiete im Emek liegt, das im vorige« Jahre zur Kolonisation übernommen wurde, trägt überall den Stempel des völlig Neuen. Vom Hof der Versuchsstation aus sieht man die neu angelegten Siedlungen Kfaf Jchoschua und Kfar Baruch und etwas weiter reiht sieh eine Folge von neuen Kwuzoth an, jede mit der Fertigstellung der Wohnhäuser beschäftigt. Eine absolute Neuheit in unserer Kolonisation, die zwar feste Ställe kannte, aber die Siedler jahrelang in Zeiten oder Baracken wohnen ließ. Die Häuser von Djebata sind noch kaum fertig. Ueberall wird noch getüüdti gestrichen, poliert. Es gibt ein großes Hauptgebäude für die Laboratorien und einige kleine Häuser für die Arbeiter und Beamten. Der Plan der Anlage in seiner endgültigen Föffft ist heute erst in seinen Grundlagen zu erkenn««. Der Zu* gang, den eine Allee bilde« soll* ist heute noch eine einfache Fahrstraße und die Bäume fehle«, die einem solche« Hofe erst das entscheidende Gepräge geben. Sobald man aber auf die Felder hinauskommt, vergißt man, daß man VO« einem ganz neuen Höfe kommt, in de« ftöcH nicht ZW«! Jahre«, in denen die Station hier die Bearbeitung der Felder aüfgenommen hat, ist das Areal von 1500 DuHäht äus einem wilden Brachland in eine äußerst vielfältig besäte und bepflanzte Fläche umgewandelt worden. Hier werde» die Ver* suche für den Strich des Emek gemacht und die verschiedene« Zweige der Landwirtschaft auf ihre Ertragsfähigkeit geprüft. Einheimische und ausländische Sorten werden ausprobiert und jene Wissenschaftliche Vörbereitungsarbeit geleistet״ auf denen sich dailrt die praktische Arbeit in den Betrieben aufhaut. Die Vielfältigkeit der Arbeit und die Leistung weiß in ihrem Umfang und in ihrer Bedeutung nur der Fachmann zu würdigen. Für den Laien jedoch ist die Versuchsstation eine augenfällige Demonstration der neuen Wege, die unsere Landwirtschaft in Palästina geht. Es gibt keine bessere Formulierung für die Ziele der Versuchsstation als die, Welche der Leiter, Jizchak Wilkartski in seiner Eirtleiturtgsfede gab: Die Erträge der Siedlungen von dert bishe eigen £ 120bruttoauf£ 120 netto zu erhöhen. Man weiß, daß die arabische Wirtschaft mit sehr geringen Ausgaben arbeitet, aber dafür sehr geringe Erträge hat. Und das schwerste Problem unserer Landwirtschaft ist von Anfang an das gewesen, daß der jüdisch« Siedlet einen anderen Standard hat als der Fellach, daß aber nur eine völlig moderne Wirtschaft so hohe Erträge abwerfen kann, daß sich die Ausgaben für* eben diese moderne Wirtschaft lohnen. Bisher haben sich — wie Wilkanski betonte — in den jüdischen gemischten Wirtschaften die Einnahmen als ungenügend erwiesen, utn die hohen Investitionskosten für Maschinen und kostbares Inventar zu decken. Die gesamte Arbeit der Versuchsstation zielt darauf hin, das Gleichgewicht zwischen Investition und Ertrag herzustellen lind eine dauernde Entwicklung der Wirtschaften zu sichern. Die Resultate der Versuchsstation auf den Verschiedensten Gebieten der Landwirtschaft werden nicht bloß veröffentlicht, sondern es wird sorgfältig dafür gesorgt, daß die Resultate der Experimente und Untersuchungen den Wirtschaften zugänglich gemacht und von ihnen atisgenutzt werden. Die Resultate der Abteilungen werden von der ,,instruktions- Abteilung“ der Station auf schriftlichem Wege durch Flugblätter und Broschüren und auf mündlichem Wege durch Instruktoren an alle Betriebe des Keren Hajessod weitergegeben. Es besteht ein sehr enger Zusammenhang zwischen den Siedlern und der Station, der nicht nur darin besteht, daß die Versuchsstation aus eigener Initiative Anregungen gibt, sondern auch darin, daß sich die Siedlungen mit allen Fachfragen niiindüch oder schriftlich an die Station wenden. So wird der lebendige Zusammenhang zwischen der wissenschaftlichen Forschung und der praktischen Arbeit aufrechterhaltcn, ohne den die Arbeit einen rein akademischen Wert hätte. Die Versuchsstation ist heute zu einem wesentlichen Faktor der zionistischen Kolonisation geworden. Es ist klar, daß die jüdische Landwirtschaft mir eine Zukunft hat, wenn sie mit allem modernen Rüstzeug ausgestättet ist, das ihr den Mangel einer landwirtschaftlichen Tradition auszugleichen hilft. Es ist erfreulich, daß nicht nur der Keren Hajessod und der Keren Kajemeth diese Tatsache heute ei!!sieht, sondern daß sich auch einzelne Persönlichkeiten für diese Arbeit zu interessieren beginnen. Die Spende von £ 5000, die der Baron Louis Rothschild aus Wien für die Versuchsstation gegeben hat, haben den Häuserbau in Djebata um ei« Vielfaches beschleunigt. Ohne die ausdauernde und angestrengte Arbeit der Versuchsstation wäre die jüdische Landwirtschaft heute nicht auf dem Wege, zu gesunden und normalen Erträgen zu gelangen. *) Infolge Raummangel verspätet. ftr. Magnes ln Berlin Der Kanzler der Hebräischen Universität zu Jerusalem Dr. J. L. Magnes weilte in diesen Tagen in Berti« und in anderen Orten Deutschlands, um mit verschiedenen jüdischen Gelehrten und Universitätsprofessoren Besprechungen betreffs deren Unterstützung der Lehrtätigkeit der Hebräischen Universitit zu pflegen, unter dem Vorsitz von Professor Dr, M. Sobernheim fand m Berlin eine Besprechung statt, der U. a. die Herren Professoren Mittwoch, Elbogen,Qutmann, M a r c 011, Professor Man« aus Cincinnati, fern*r Dr. A11 i b e c k , Dr. G r ii n b e r g und Dr. Fritz B a e r beiwohnten. Dr. Magnes gab detaillierte Aufklärungen übef die Ausgestaltung der Hebräischen Universität, besonders des Institutes für Judaistische Studien, die Gründung des Oriente»־ logischen Institutes, die Eröffnung des Institutes für Natur- Wissenschaften usw. Im Anschluß an die Darlegungen voll Dr. Magnes fand eine rege Aussprache statt. Landeskonlerenz der Zionisten Transsylvaniens Timisoara, 15. Juni. (J. T. A.j Die 8. Landeskonferenz der Zionisten Transsylvaniens fand in Timisoara in Anwesenheit von 120 Delegierten aus allen Teilen Transsylvaniens und des Banates und von vielen Hunderten Oästen statt. Der Präsident der Transsyivariischen Landesorganisaticm Dr. Joseph Fischer begrüßte die Versammlung in hebräischer, rumänischer, deutscher und ungarischer Sprache und besprach in großen Zügen die Entwicklung des Aufbauwerkes in Palästina. Der Präsident der Zionistischen Organisation Altrumäniens und des Obersten zionistischer! Rates ganz. Rumäniens Adolf Bernhardt, der auch die Zionistische Exekutive vertrat, besprach die Zukunftsmöglichkeitert Palästinas. Der Präsident der Bukowinaer Landes- Organisation Dr. Mayer Ebner besprach neben zionistischen Fragen auch die Fragen der Landespolitik. Es sprachen noch im Namen der Renasterea (radikale Zionisten) Advokat Schecbter lind im Namen des Misrachi Ernö Fischer. Zum Präsidenten der Konferenz wurde Dr. Weil, zu Vizepräsidenten Dr. Rotbarth, Dr. Nobel, Dr. Deutsch und Dr. Bardos gewählt. In der Nachmittagssitzung hielt Professor Julian Silberb u s c h , der Direktor des Obersten zionistischen Rates, sein Referat über die Lage in der zionistischen Bewegung. Die Ent- Wicklung hat dem großrumänlschen Judentum große Aufgaben beim Aufbau Palästinas gestellt, welche nur durch eine einheitliehe große Organisation gelöst werden können. Diese Organisation soll der Consiliul Superior schaffen, in dessen Programm die Vereinheitlichung der gesamten zionistischen Arbeit fällt. Zum Präsidenten der Landesexekutive wurde Dr. Joseph Fischer wiedergewählt, ln die Landesexekutive wurden ferner gewählt: Dr. Jacob Rotbarth, Samuel Nußbaum, Dr. Mor Deutsch, Lipot Fischer, Dr. Hillel Kohn, Dr. Josef Hamburg, Dr. Ernö KertesZ, Dr. Ernö Marion, Mor Noszin, Sandor Rosenfeld. In den Obersten Rat wurden folgende Mitglieder entsandt: Dr. Joseph Fischer, Samuel Nußbaum und Dr. Ernö Maiton. Kleine Nachrichten Dtl־ frühere Rabbiner von Bogorodsfc Rabbi K1 e m e s wurde Vbn der Moskauer jüdischen Gteihelnde ZUM1 Rabbiner an Stelle des Verstorbenen Rabbiners JicOb Mise gewählt. I«! Verlauf des Monats April sind außer Touristen im ganzen 54 Juden zu ständigem Aufenthalt nach Palästina gekommen, fm März betrug die Zähl solcher jüdischer Ein- Wanderer rund 200, im Februar zählte man 170, im Januar 176 jüdische Einwanderer. Der Stadtrat von Mucacevo (Karpathorußland, Tscheche- Slowakei; das ehemalige ungarische Munkäcs) hat beschlossen, zwei neuangelegte Straßen nach Jehuda nalevi und Chäim Nachman Biaiik zu benennen. In beiden Straßen sind die entsprechenden Tafeln bereits angebracht. Der zum Mitglied des Oberhauses und zum Baron ernannte Sir Alfred Mond trägt jetzt den Titel Baron Melchett Landford in the County of Southampton. Der Vorstand der Warschauer jüdischen Ge* nt e i n d e beschloß in seiner letzten Sitzung, dem Beispiel der Lodzer Gemeinde folgend, einen Preis von 3000 Zloty für das beste literarische Werk, das im Laufe des Jahres in hebräischer oder jiddischer Sprache erscheint, auszusetzen. Der jüdische Eisenbahner Israel Cohen wurde zum palästinensischen Delegierten für den demnächst in Stockholm stattfirtdenden internationalen Kongreß der Transporta r b e i t e r bestimmt. Die zionistische Opposition Amerikas hat unter dem Titel ,,Die zionistische freie Meinung“ eine Zeitung in j i d - d i s c rt e r Sprache herauszugeben begonnen. Während eines vom polnischen Handelsattache Dr. Hausner zu Ehren des Entdeckers der Falaschas (schwärze Juden Abessyniens), Dr. Faitlowicz, in Tel-Awiw gegebenen Banketts wurde beschlossen, in Palästina ein Komitee zur kulturellen Förderung der in einem primitiven Zustand lebenden jüdischen Stämme, wie der Falaschas in Abessynien und der Heibar (ein kriege*• rischer jüdischer Stamm) in Neschd, zu gründen. Bei einer Uebung des 87. rumänischen Infanterieregiments in Satul Mare wurde der jüdische Soldat Jakob Engler durch einen vom Soldaten Oriceac Petru abgegebenen Schuß getötet. Von der gleichen Kugel wurde der jüdische Soldat Simon sehr schwer verletzt. Es steht nicht fest, ob die Schüsse mit Vorbedacht abgegeben worden sind. Der Weltverband Poa 1 e Zion hat in London ein poiitisches Büro eröffnet, das gegenwärtig unter der Leitung des palästinensischen Arbeiterführers Dov H os steht. Das Büro wird die Fühlung mit der britischen Arbeiterschaft in Verbindung mit den Fragen des Palästina-Aufbaus behalten. Von unterrichteter Seite wird uns mitgeteilt, daß die Ueber- Siedlung der in Hebron, Palästina bestehenden Jeschiwa, einer Tochteranstalt der berühmten Jeschiwa zu Slobodka in Litauen, nach Haifa in Erwägung gezogen wird. Leiter der Hebron-Jeschiwa ist der Gaon Mosche Mordechai Eppstein, das frühere Oberhaupt der Slobodkaer Jeschiwa. Rabbi Israel Hurwitz aus Polen begibt sich demnächst nach Amerika zur Durchführung einer Sammelaktion für die Jeschiwa. Die in Breslau erscheinende sozialdemokratische Zeitung ״V o 1 i< s w a c h t“ vom 26. Mai veröffentlichte anläßlich des Delegiertentages einen aufschlußreichen Artikel ״Sozialismus in Palästina“, der eingehend und interessant über die verschiedenen Siedlungsformen, die Arbeiterinstitutionen und ihre Entwicklungsmöglichkeiten berichtet. Am 14. Juni feierte die Hamburger Jüdische Gemeinde den auf der Durchreise weilenden Vorsitzenden des Verbandes russischer Juden in Deutschland, Staatsrat Dr. Jacob Teitel, durch ein Festbankett im Hotel Esplanade, dem prominenten Vertreter des Rabbinats, des Gemeindevorstandes, der Logen, der Zionistischen Organisation, des Hamburger Vereins russischer Juden u. v. a. beiwohnten. Die III. BQchsenleerung SO. Juni Ms 18. Juli!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.