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Jüdische Rundschau · 1928-06-22 · Heft 49 (22.6.1928) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 49 (22.6.1928)
Date
1928-06-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 352 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 49, 22. VI. 1928 Der /weite wichtige Problemkomplex, dessen brennende Aktualität nicht mehr verborgen werden kann, betrifft die i n n e r e Lage der Zionistischen O rganjsation. Der Kampf in Amerika, der beim Zusammentreten des A.-C. bereits entschieden sein wird, muß den Anstoß zu einer ernsten Behandlung dieser Fragen bieten. Wie immer der Kampf in Amerika ausgellt, die Organisation in Amerika bedarf gründlicher Stärkung. Dasselbe gilt aber für Polen, und darüber hinaus für die meisten anderen Länder. Die zionistische Opposition macht es sich sehr leicht, indem sie alle Schuld an der innerzionistischen Zerklüftung auf die Agency-Politik schiebt. Wir glauben, daß die zionistische Selbstkritik schon etw׳as tiefer geben und die Notwendigkeit einer ideologischen zionistischen Neuorientierung entsprechend dem Grade unserer heutigen zionistischen Erkenntnis bejahen muß. Im Drange der aktuellen Geschäfte konnte sich seit 15 Jahren kein zionistisches Gremium mit diesen Fragen beschäftigen, den Schaden hat aber der Zionismus zu tragen. Das A.-C. wird auch das Palästina- Budget rdr das nächste Jahr fcstzusetzen haben. Darüber ist, im Gegensatz zu andern Jahren, noch wenig gesprochen worden. Man hat das Gefühl, hierbei etwas im Dunkeln zu tappen, weil man nicht weiß, wie sich die Dinge in Amerika entwickeln, von denen der Keren Hajessod abhSngig ist. Die Hoffnung, daß durch die geplante Nationalfonds-Anleihe eine starke Entlastung des Budgets eintreten wird, hat sich bisher nicht erfüllt; die Anleihe-Verhandlungen haben noch zu keiner Einigung geführt. Das A.-C. wird jedenfalls den vom letzten Kongreß formulierten Prinzipien der Budgetpolitik treubleiben müssen. Das Budget muß den erwarteten Einnahmen konform sein. Dies ist bei der heutigen Lage freilich kein Aufbaubudget, nicht einmal ein Konsolidierungsbudget, sondern nur das Budget einer Uebergangszeit, die durchzuhalten eine Lebensfrage des Zionismus ist, bis die Bemühungen, größere Mittel für Kolonisationszwecke zu beschaffen, Erfolg gehabt haben. Die nächsten Wochen werden eine Zeit intensivster zionistischer Arbeit sein, die die Aufmerksamkeit jedes Zionisten, der durch sein Votum — wrenn auch indirekt — mit zu entscheiden hat, in Anspruch nehmen. Jewish Agency-Kommission London, 16. Juni. (J. T. A.) Die Mitglieder der vereinigten Palästina-Prüfungskommission und die Mitglieder der Zionistischen Organisation hielten am 14. Juni im Zentralbüro der Zionistischen Organisation eine gemeinsame Sitzung ab. Den Vorsitz führte Herr Louis M a r s h a 11 Anwesend waren die Mitglieder der Kommission, die Herren Felix M. Warbürg, Dr. Lee K. Frankel uni Difetstör OsUarWassermann, ferner die Mitglieder der Zionistischen Exekutive Dr. Weizmann, Sokolow, Dr. Eder, Sacher und Rosenblüth, sowie der geschäftsführende Direktor der jüdischen Kolonialbank Dr. O. Halpern, der Vertreter des Hauptausschusses des Keren Hajessod Dr. B. F e i w e 1 und Dr. A. R u p p i n. ' Die Herren Harry Sacher und Dr. R u p p i n gaben eingehende Erklärungen und beantworteten eine Reihe von seitens der Kommissionsmitglieder an sie gerichtete Fragen. Obwohl über den Verlauf der Verhandlungen Stillschweigen bewahrt wird, will eine Londoner jüdische Zeitung erfahren haben, daß die Kommission einen von Dr. Arthur Ruppin vorgelegten Plan betreffend den Palästina-Aufbau angenommen hat. Der Plan sieht angeblich die Einwanderung von 150 000 Juden im Verlauf der nächsten 10 Jahre vor. Von den jährlich einwandernden 15000 Personen sollen 30 0׳״ der Land- Wirtschaft, 30 0/0 der Industrie, die restlichen 40 0/0 freien Berufen entnommen sein. 6 Millionen Pfund Sterling sollen für die Seßhaftmachung dieser Einwanderer aufgebracht werden, Dieser Fonds soll außerhalb des Rahmens des Keren Hajessod bestehen. Eine eingehende Debatte soll sich nach dieser Meldung über die Frage entsponnen haben, ob die erforder• liehen 6 Millionen Pfund schon jetzt oder erst zu einem späteren Zeitpunkt gezeichnet werden sollten und mit welchem Betrag jedes Land sich zu beteiligen hätte. Hierüber soll noch kein Beschluß gefaßt worden sein. (Alle diese Kombinationen sind natürlich mit großer Vorsicht aufzunehmen. — Red, ״Jüd. Rundschau“.) Jabotinsky and die Agency-Kommission Jabotinsky Hat an die Mitglieder der in London tagenden Jewish Agency-Kommisrion einen Brief geschickt, in welchem er diesen vorschlägt, die Zusammenarbeit von Zionisten und Nichfzioiiisten auf das ökonomische Gebiet zu beschranken, dagegen die politischen Funktionen der Jewish Agency in den Händen der Zionistischen Exekutive zu belassen. Jabotinsky betont, da er gegenwärtig die öffentliche Kampagne gegen das Projekt der Erweiterung der Agency wieder eröffne, lege er Wert darauf, daß die nichtzionistischen Freunde der jiidisehen Kolonisation in Palästina seine Haltung nicht tnißverstehen. Er versichert der Kommission, daß eine ökonomisehe Zusammenarbeit die einstimmige Billigung sämtlicher Zionisten finden wird. Dagegen gründe sich die Opposition gegen politische Zusammenarbeit keineswegs auf Animosität, sondern gerade auf Respekt vor der Ueberzeugung der Nichtzionisten, denn Männer, die aus innerer Ueberzeugung die zionistischen Ideale eines Judenstaates ablehnen, können nicht politisch mit den Zionisten Zusammenarbeiten. Palästina vor der Mandatskommission Genf, 17. Juni. (J. T. A.) Am Sonnabend, dem 16. Juni, hat die Mandatskommission des Völkerbundes die Behändlang des Berichtes der Palästina-Regierung über die Administration in Palästina und in Transjordanien beendet. Auch am Sonnabend hatte Colonel Symes als Vertreter der Mandatsmacht verschiedene Fragen über Verwaltung, Finanzen, Regierungsanleihe für Palästina usw. zu bearit- Worten. Die Beschlüsse der Mandatskommission zu die-,cm Bericht werden erst im September d. J. während der Plenarsitzung des Völkerbundes veröffentlicht werden. Emile Vanderveide zum Gru$ Emile Vanderveide, der bekannte Führer der belgischen Sozialisten und ehemalige Außenminister, trifft am Sonnabend in Berlin ein und wird Sonntag im Rahmen einer Kundgebung des Pro Palästina-Komitees unter dem Vorsitz des Grafen Bernstorff einen Vortrag über seine Palästinareise halten. Vanderveide gehört zu jenen Gestalten der internationalen demokratischen Politik, die dem Zionismus seit langer Zelt Sympathie entgegenbringen. Er versteht, daß die unwürdige Lage des Judentums eine Schmach der heutigen Weltordnung ist, und daß nur eine wirkliche Emanzipation der Juden als Volk im Geiste wahrer Demokratie als Lösung betrachtet werden kann. Vanderveide hat kürziieh Palästina besucht und mit großem Interesse die jüdischen Kolonien und Institutionen besichtigt. Als Arbeiterführer hat er natürlich vor allem dem Werke der Arbeiterschaft, den neuen sozialen Versuchen und genossenschaftliehen Institutionen sein Augenmerk zugewandt. Die Arbciterschaft Palästinas hat ihm einen großartigen Empfang bereitet, an welchem auch die anderen Teile der jüdischen Bevölkerung teilnahmen. Die Zeitungen steilen fest, daß seit Balfour keinem Nichtjuden eine so herzliche Ehrung zuteil geworden ist. Vanderveide hat in Palästina mehrere Vorträge gehalten, auch eine sozialwissenschaftliche Vorlesung an der Jerusalemer Universität. Nach seiner Rückkehr hat Vandervelde bereits in Paris bei einer Veranstaltung des Komitees France-Palestine (das dem deutschen Pro Palästina-Komitee entspricht) öffentlich über Palästina gesprochen. Seinem Vortrag in Berlin darf man mit großem Interesse entgegensehen. Auch für uns Zionisten ist es wichtig, festzustellen, wie das werdende jüdische Palästina auf einen Mann dieser Art wirkt. Es ist daher kaum nötig zu betonen, daß wir uns über den Besuch dieses Gastes in Berlin freuen und ihn herzlich hier begrüßen. Das Defizit der Palästina-Regierung (Von unserem palästinensischen Korrespondenten.) AG, Jerusalem, 14. Juni. Wir haben bereits berichtet, daß der Oberkommissär eine Kommission eingesetzt hat, um durch Ersparnisse und Steuer- Erhöhungen das Defizit zu decken. Dazu schreibt die Jaffaer arabische Zeitung ״F e 1 e s t i n“, ein Abbau des Apparates der Regierung sei vor allem notwendig; freilich erhebt das Blatt die Forderung, die Regierung solle keine Araber, sondern Juden und Engländer entlassen; wobei das Blatt von der falschen Voraussetzung ausgeht, daß die Regierung viele jüdische Beamte mit hohen Gehältern beschäftigt. Darüber hinaus äußert sich ״Feiestin“ sehr mißbilligend über den Budgetposten für öffentliche Arbeiten, der ״anscheinend zur Beschäftigung jüdischer Arbeitsloser so angewachsen sei“. Und schließlich fordert sie die Ab- Schaffung des transjordanischen Grenzkorps bzw. seine Uebernahme durch das englische Schatzamt, da diese Truppe weder Palästina noch Transjordanien irgendeinen Jifut?fi11 beichte., . ... ׳ ,An d«n.jetzt einseti113?־en Versuchen der Regierung, ihre Ausgaben den Einnahmen anzupassen, sieht mgft übrigens, wie schwer eine solche Verwaltungsmasehine arbeitet. Denn die Kürzungen, die jetzt vorgenommen werden, treten zu einem Zeitpunkt in Kraft, wo man im Lande bereits wieder eine neue Einwanderung erwartet, die an den Regierungsapparat notwendigerweise größere Ansprüche stellen muß. Außerdem ist der Moment zu einem Anziehen der Steuerschraube nicht besonders geeignet, da der Regenmangel und die Heuschrecken die Landwirtschaft dieses Jahr in eine besonders prekäre tage gebracht haben. Es wird interessant sein, zu sehen, auf welche Weise die Regierung dieses Problem lösen wird. Die Arbeitslage im Lande Die Arbeitszentrale der allgemeinen Arbeiterorganisafion (״Merkas Awodah“, der auf der letzten Konferenz der Arbeiter- Organisation in Te!-Awiw geschaffen wurde) veröftent'icht einen umfassenden Ueberblick über die gegenwärtige Arbeitsläge. Danach sind in den Bau- und Drainagearbeiten der landwirtschaftlichen Siedlungen (des K. H.) zurzeit 336 Arbeiter beschlftigt, die in nächster Zeit um weiter 148 vermehrt werden sollen. (Nach dem ursprünglichen Plan sollten bei diesen Arbeiten 500 von Beginn an beschäftigt werden.) Es kommen in nächster Zeit wahrscheinlich weitere Arbeiten dazu, so daß sich die Kategorie dieser Arbeiter dann auf über 600 beläuft. Die Arbeiten erstrecken sich auf vier bis sechs Monate. So weit die Aktionen des K. H. und K. K. L. Von Regierungsarbeiten waren Chausseebauten (Petach-Tikwah—Kalkilieh, Jerusalem—Jericho, Har Hakarmel— Hadar—Hakarmcl und Meschah—Afule) geplant. Außerdem Ausbau der Quarantäne in Haifa und Bau eines neuen Postgebäudes in Jaffa. Der Bau um Jaffa und die Chaussee zum Karmel sind bis jetzt nicht zur Ausführung gelangt, die Chaussee vor allem deshalb, weil einige der Bodenbesitzer, deren Areal die Straße durchschneidet, sich weigerten, ihren Teil beizusteuern. Auch ein Teil der anderen Arbeiten setzte verspätet ein. Insgesamt sind bei der Regierung zurzeit fast 1000 Arbeiter beschäftigt. Bei den Ruthenberg-Arbeiten im Jordantal sind zurzeit 376 Arbeiter außer den Technikern und Beamten bcschaftigt. Bei öffentlichen Institutionen (Bau der Universität, des Seminars in Jerusalem und bei der ״Pica“) arbeiten zurzeit 500 Leute. Es sind Aussichten, in nächster Zeit bei öffentlichen Institutionen weitere 200 unterzubringen. Der private Markt beginnt sich langsam zu erweitern. Ein kleines Anwachsen der Baubewegung ist in allen Städten zu verzeichnen. Es sind heute bei Privaten in den Städten gegen 1600 Arbeiter beschäftigt, davon 700 in Jerusalem. Es ist Aussicht, in nächster Zeit weitere 200 unterzubringen. Die Lage der Arbeiter in den Kolonien war bisher nicht schlecht, wird sich aber jetzt mit Schluß der Saison» arbeiten verschlechtern, so daß wir in den Kolonien 500 bis 600 Arbeitslose haben werden. Die Industrie hat in den letzten Monaten gegen 200 Arbeiter neu eingestellt und es sind Aussichten vorhanden, daß diese erfreuliche Entwicklung, wenn auch langsam, weitergeht. insgesamt zählt Palästina heute gegen 1580 Arbeits» lose, die Zahl wird sich in den nächsten Monaten noch verringern. Aussichten dafür bestehen in der Arbeiten der Regierung, in der Arbeit in den Kolonien, in der Industrie und auf «lern privaten städtischen Markt. Die Arbeitszentrale schließt ihren Bericht mit der Forderung nach neuer Einwanderung. Der zionistische Konflikt in Amerika Eine Anregung Dr. Ariosorolfs Der Kampf innerhalb der Zionistischen Organisation Amerikas wird mit unverminderter Heftigkeit weitergeführt Nur noch etwa eine Woche trennt uns jetzt von der Convention in Pittsburg. So weit man aus den vorliegenden Nachrichten und der amerikanischen Presse schließen kann, ist die Lipsky-Gruppe anscheinend im Vorteil. Ein genaues Urteil ist freilich unmöglich, da insbesondere die Hadassah-Frauen- Organisation einen sehr beträchtlichen Faktor darstellt, über dessen Stärke bei der Convention noch keine Klarheit besteht. Der Kampf konzentriert sich in der letzten Zeit auf die Had a s s a h, gegen deren gegenwärtige Politik L i p s k y selbst in einem scharfen Artikel in der letzten Nummer von ״New Palestine“ hervortritt ln diesem Artikel zeigt Lipsky, daß die gegenwärtige Leitung es war, die aus zionistischen Gründen immer wieder für den Fortbestand der Hadassah als selbständiger Organisation eingetreten ist, obwohl maßgebende Führerinnen bereits vor zehn Jahren die Hadassah in den allgemeinen Ortsgruppen auf gehen lassen wollten. Die Leitung der Hadassah aber, die stets der Brandeis gruppe nahestand, mißbraucht diese ihr eingeräumte organisatorische Selbstänständigkeit jetzt zu innerzionistisch-poiitischen Zwecken. Die Präsidentin der Hadassah, Frau Irma Lindheim, die zugleich mit Dr. Stephen Wise aus der Leitung der amerikanisch-zionistischen Landesorganisation ausgetreten ist und eine Kampferklärung in der ״New York Times“ veröffentlicht hat, ist, wie bereits gemeldet, aus Gesundheitsgründen nach Europa abgereist; sie wird also an der Convention nicht teilnehmen. Der Wunsch weiter Kreise, daß Miß Szold, die frühere Hadassah-Präsideniin, zur Convention nach Amerika kommt, dürfte sich nicht erfüllen, da infolge der Abwesenheit des in London bei der Agency-Kommission festgehaltenen Sacher und des in Südafrika weilenden Kisch Miß Szold das einzige in Palästina anwesende Mitglied der Exekutive ist und daher wahrscheinlich Palästina nicht verlassen konnte. Ob die Friedensvermittlung, die in letzter Stunde von einer Gruppe, der u. a. Emanuel Neu mann und auch Julius Simon angehören, versucht wurde, Aussicht auf Erfolg hat, muß man angesichts der überhitzten Atmosphäre und der aufgepeitschten persönlichen Leidenschaften bezweifeln. Dr. Chajim Arlosoroff sendet uns einen sehr langen Offenen Brief an Dr. Weizmann, den er in der zionistischen Presse Amerikas veröffentlicht hat. Wir müssen leider (schon aus Gründen des Raumes) von einer vollständigen Wiedergabe dieser Darlegung absehen. fin ersten Teil unterzieht der Briefschreiber den Zustand der Zionistischen Organisation Amerikas und die Kampfesweise im gegenwärtigen Konflikt einer scharfen Kritik. Er wirft dann die Frage auf, wie in Amerika eine stärkere zionistische Leitung geschaffen werden kann, die den Bürgerkrieg beendigen und an einen Wiederaufbau der Organisation schreiten könnte. Die Oppositionsgruppe müsse man dabei aus dem Kalkül lassen, denn diese Gruppe habe überhaupt keine programmatische Grundläge, sie besteht aus ganz verschiedenen, oft entgegengesetzten Elementen, die nur durch ihre Unzufriedenheit zusammengehalten werden. Von dieser Oppositionsgruppe sei weder organisatorisch noch finanziell etwas zu erwarten. Andererseits aber sei die Kampfesweise der Verteidiger des herrschenden Systems unzulänglich und widerspruchsvoll Man dürfe eine so gut organisierte Gruppe wie die Hadassah nicht bagateilisieren und man dürfe auch nicht heute gegen Prinzipien zu Felde ziehen, die man selbst noch gestern, d. h. auf dem Baseler Kongreß, mit Emphase vertreten hat. Eine derartige geistige Haltung müsse das Vertrauen der Oeffentlichkeit vollständig untergraben. Was also ist zu tun? Wir können nicht übersehen, daß jede neue Leitung einer sehr schwierigen Situation gegenüberstehen wird; sie wird durch den Austritt einiger einflußreicher Mitglieder wie Dr. Wise geschwächt sein, sie wird durch die vorausgegangene Kampagne diskreditiert sein und schlkßlich wird sie mit einer Opposition rechnen müssen, die iPder Wahl ihrer Mittel nicht wählerisch ist. Man darf sich daher nicht damit begnügen, den Status quo ante einfach bestehen zu lassen, da dies zur Wiederholung der bedauerlichen Vorgänge führen würde. Ich schlage daher — schreibt Arlosoroff — zwei Re• formen vor, die ich für wesentlich im Interesse des amerikanischcn Zionismus halte. Der erste Vorschlag ist die Verbreiterung der Verantwortlichkeit im amerikanisehen Zionismus durch eine möglichst weite Koalition von Kräften. Der zweite Vorschlag ist die Einrichtung eines Departements fürjugend - und Erziehungsarbeit Zur Durchführung des ersten Vorschlages bietet sich die vom letzten Baseler Kongreß beschlossene Einrichtung des T e r r i - torialverbandes -dar, der alle zionistischen Fraktionen für ihre gemeinsamen Aufgaben zusammenfaßt. Die Schaffung eines solchen Territorialverbandes ist in den Vereinigten Staaten dringender als irgendwo anders; wird sie durchgeführt, wäre es möglich, die verantwortliche Gruppe im amerikanischen Zionismus zu verbreitern. Alle Gruppen, die in den Hauptfragen wie: nationale Kolonisation, Außenpolitik in London und Genf, Jewish Agency, Zusammengehen, könnten die Basis einer Koalition bilden, aus der sich die künftige Führer־ schaft des amerikanischen Zionismus ergibt. Der zweite Vorschlag könnte erleichtert werden durch Gründung eines Landeskomitees der zionistischen Jugend, welches dem Jugenddepartement der Zionistischen Organisation Amerikas gegenüberstünde. Dieses Komitee würde die Tätigkeit der zionistischen Jugend aller Kategorien zusammenfassen, von der Studentenverbindung Awukah und den Jugendgruppen der Hadassah bis zu Gordoniah, Poale Zion-Jugend und Haschomer Hazair. Der Erfolg würde natürlich davon abhängen, wer die Führer dieses Komitees wären. Die besten und verantwortlichsten Menschen jeder Gruppe wären gerade gut genug für diese Arbeit. Die beiden Vorschläge, so schließt Arlosoroff seinen Brief an Dr. Weizmann, sind natürlich kein Allheilmittel für die momentanen Schwierigkeiten. Sie sind jedoch das Resultat meiner persönlichen Beobachtungen während zweier Winter zionistischer Arbeit in den Vereinigten Staaten. Als Mitglied des A.-C. hielt ich mich für verpflichtet, diese Anregungen Ihnen und den amerikanischen Zionisten zu unterbreiten. Der jüdische Polizist Safonov ist in der Nacht zum 14, Juni in der Nähe der Eisenbahnstation Petach Tikwah von Raube rn erschossen worden.

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